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Ein Tag in Mannheim

Gestern ging es mal wieder nach Mannheim. Wir haben ja früher dort gewohnt, aber immer zu wenig Zeit für Ausflüge oder Besichtigungen gehabt. Jetzt hatte sich in unserem Leben vor ein paar Monaten vieles geändert und wir haben deutlich mehr Möglichkeiten, um das nachzuholen. Mannheim kennen wir eigentlich schon ganz gut, aber auch noch nicht alle Ecken. Und so war unser erstes Ziel die „Alte Feuerwache“ und die „Neckarwiese“ im Stadtteil „Neckarstadt“. Die erste Aufgabe bestand darin, einen geeigneten Parkplatz zu finden, der nicht zu weit vom Fluss entfernt ist.

Mannheim Rosengarten, Blick aus dem fahrenden Auto

Beim Überqueren der „Kurpfalzbrücke“ enstand das erste Problem: Hier ist nichts ausgeschildert, wo soll man sein Auto also abstellen? In der Nähe der Alten Feuerwache gibt es ein Parkhaus, beim näheren Betrachten ist es allerdings als „privat“ gekennzeichnet, vermutlich eine Abstellmöglichkeit für Anlieger. Der „Alte Meßplatz“ (hier) war früher ein großer Parkplatz, so weit ich mich erinnern kann. Man hat ihn aber vor einigen Jahren umgebaut und eine verkehrsberuhigte Begegnungsstätte für Jung und Alt draus gemacht. Das ist sehr schön gemacht und hat uns gut gefallen, aber das Parkplatzproblem bleibt! Weil wir an einem Feiertag gefahren sind (Pfingsmontag) konnten wir uns zum Glück bei einem örtlichen Supermarkt niederlassen (Lidl-Parkplatz). Bei diesem Parkplatz steht aber ausdrücklich dabei, dass er wochentags nur mit Parkscheibe und auch nur eine Stunde zu benutzen ist.
Kurz nachdem wir das Auto verlassen haben, stellten wir aber fest, dass es weiter östlich noch einen kleinen Parkplatz gibt, der auch von der Dammstraße aus zu erreichen ist (hier ). Da gab es sogar noch ein paar freie Stellplätze. Unser Blick zog es gleich auf die schöne Neckarwiese.

Blick von der Kurpfalzbrücke auf die Neckarwiese

Dort saßen schon einige Grüppchen zusammen und erzählten miteinander. Der Geruch von frisch gegrilltem Fleisch stieg uns in die Nase. Es war hier schön ruhig, der Verkehr schon weit weg. Dennoch hatten wir Hunger und Durst und beschlossen, uns erst einmal zu stärken, bevor die Stadterkundung weiter gehen würde.

Man kommt dabei automatisch zum „Alten Bahnhof“. Schon vom weiten sieht dieser Biergarten sehr interessant aus. Alte Zugwaggons wurden -ähnlich wie bei einer Wagenburg- zusammengestellt. Das Innere dieser Waggons wurde umgebaut, der eine ist ein Toilettenwagen, der andere ist eine Bar und Theke und der dritte sah aus wie ein Vorratsraum. Es gibt ein paar Bäume, die Schatten spenden und ausreichend viele Tische und Stühle. An diesem frühen Nachmittag war noch nicht allzu viel los. Ein älterer Herr saß alleine an der Brüstung zum Neckar und hatte einen Bluetooth-Lautsprecher aufgestellt. Die Musik kam sehr laut vom Nachbartisch herüber. Sein Blick war etwas glasig und leer und er trank ein Bier nach dem anderen. An den anderen Tischen saßen hauptsächlich Ehepaare und kleinere Gruppen.

Biergarten „Alter Bahnhof“

Wir bestellten Flammkuchen und kühle Getränke. Die Bedienung war sehr freundlich, das Essen schnell gebracht und lecker und die Location absolut perfekt. Man sitzt etwas zurückgesetzt, so dass der Verkehrslärm erträglich ist, man hat aber trotzdem das Gefühl „zentral“ zu sein und alles mitzukriegen. Vor allem der Blick auf die Neckarwiese mit ihrem Trubel ist einmalig.

Nach der kleinen Stärkung gingen wir rüber zur Alten Feuerwache. Dieses Gebäude habe ich von früher noch stark in Erinnerung. Man hat eigentlich sehr oft gehört, dass es dort Veranstaltungen gibt. Der Name war immer sehr präsent. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass noch kein einziges Mal darin gewesen bin! Heute sollte alles anders werden und ich suchte einen Eingang. Vorne gibt es ein Café und weiter links eine Tür. Die war verschlossen.

Alte Feuerwache, dahinter Wohnhaus

Wenn man links rum geht, hat man schönes Mannheimer Ghetto-Feeling. Jugendliche hängen ab und hören Musik, die Wände und Türen sind teilweise gesprayt.

Ghetto
Stadtblick, kurz vor der Feuerwache

Wir sind dann weiter um das Gebäude herum gegangen.. ein paar tolle Perspektiven ergaben sich. Schließlich fanden wir den Haupteingang auf der Südseite des Gebäudes. Der war geöffnet, man konnte ein paar Plakate sehen. Es gibt dort einen Poetry Slam! Vielleicht sollte ich da mal hingehen?

Weiter ging es über die Kurpfalzbrücke, Richtung Stadtzentrum.

Kurpfalzbrücke nach Osten, Fernsehturm

Von hier aus kann man die vielen Lokale und eine große „Beach Bar“ sehen (https://www.neckarstrand-mannheim.de/ ) Die sieht sehr chillig aus! Ich wäre gerne rein gegangen, allerdings war der Andrang groß und jeder Liegestuhl besetzt. Nach einem kleinen Rundgang am Neckar haben wir schließlich das OEG Citybeach getestet (http://oeg-citybeach.de/ ) Das Lokal ist auch sehr schön, und bietet eine ähnlich gemütliche Atmosphäre wie der Neckarstrand. Allerdings war der Andrang weniger groß und die Nachteile wurden schnell ersichtlich: Es ist hier durch die Nähe zum Friedrichsring deutlich lauter und ungemütlicher. Die Verkehrsgeräusche werden nicht so gut abgeschirmt- und das Personal versucht diesen Malus durch extra laute Musik zu „übermalen“, was auf die Dauer anstrengend für die Ohren wird. Nach einem Eichbaum Radler gingen wir weiter Richtung Marktplatz.

Mannheim Altes Rathaus am Marktplatz

Der Ausländeranteil steigt plötzlich stark an, man sieht sehr viele Türken, Dunkelhäutige und osteuropäisch sprechende Menschen. Es gibt Volk, das abhängt und den freien Tag genießt. Mir war erst gar nicht bewusst, was passiert war, denn aus der heterogenen Bevölkerung, die noch am Strand geherrscht hatte, wurde es plötzlich separiert und „fremder“. Dann wurde mir klar, dass wir im sogenannten „Türkenviertel“ von Mannheim angekommen waren. Ein im Grunde recht klar und eng abgesteckter Bereich in Mannheim, der von sehr vielen Türken bewohnt wird. Es gibt „arabische Restaurants“, sehr viele Dönerläden, aber auch Brautmodengeschäfte, türkische Supermärkte und Friseure, Goldhändler und Anwälte.

Türkisches Viertel

Es war ein irres Gefühl, innerhalb von wenigen Minuten in einer anderen Welt angekommen zu sein- fast wie bei einem Urlaub in der Türkei. Man fühlte sich plötzlich fremd (auf eine positive Art und Weise)- die Umgebung hatte sich schlagartig verändert- geht man ein paar Schritte weiter, ist man man wieder in Deutschland. Irgendwie verrückt.

Brunnendenkmal am Marktplatz

Ich schoss schnell ein paar Fotos vom Brunnendenkmal und vom Alten Rathaus. Dann gingen wir wieder nach Norden, zum Museumsschiff, anschließend in den Hafen Richtung Jungbusch.

Museumsschiff vom Technoseum
Hafenkran
Container aus Amerika

Als wir den Rundgang beendet hatten, zeigte der Schrittzähler knapp 10.000 Schritte an, das tägliche Soll war erfüllt. Voll geladen mit vielen Eindrücken fuhren wir zufrieden nach Hause.

Schwimmbad

 

 

 

Passende Musik: Free me

Du erstarrst, als du das Gebäude siehst. Du hast Angst, richtig Angst. Du merkst, dass es doch noch eine Blockade in Dir gibt.
Es ist eben nicht alles so einfach, es gibt noch verdammt viel Widerstand.

Du weißt noch nicht alles und du kannst noch nicht alles.
Du fühlst dich einen Augeblick lang wie 12, obwohl du schon 40 bist.

Deine Begleiterin ist auch nicht besonders hilfreich, sie wirkt genauso unentschlossen und zögerlich wie Du. Jede wartet darauf, dass die andere vorgeht.

Du erstarrst, als du die Türen mit den Symbolen für „Frauen“ und „Männer“ siehst. Unbewusst und etwas hilflos steuerst du auf „Frauen“ zu. Deine Begleiterin lacht!

„Julia, doch nicht da lang. Das sind nur die Toiletten. Hier gehts rein!“

Du hast die kleine Schranke übersehen, die mit dem Chip-Armband geöffnet wird. Es wird immer nur genau nur ein Mensch eingeschleust. Alle Geschlechter gehen durch das gleiche Lebenstor. Ein Glück!

Vor der Dusche erstarrst du schon wieder. „Müssen wir da wirklich rein?“ Mit einem hilflosen Blick schaust du zu ihr rüber.
„Warum denn nicht?“, sagt Dir die unsichtbare Antwort.
Die Dusche ist voller kleiner Mädchen im Alter von 9 bis 10 Jahren. Sie gackern herum, waschen sich gegenseitig die Haare und sind recht fidel. Ihre Lehrerin ist auch da und möchte sich bei euch entschuldigen, weil so viel Rummel ist. „Kein Problem!“ Darin seid ihr euch einig.

Du erinnerst Dich an die Zeit, als du 9 oder 10 warst.

Du hattest immer einen Freund dabei. Einen einzigen Freund, den du sehr gemocht hast. Er war lustig und hat ständig blöde Späße mit Dir gemacht. Ansonsten war alles anders.

Früher gab es Fußduschen gegen Nagel- und Fußpilz. Die hast du hier, in diesem Schwimmbad noch nicht gesehen. Auch der Geruch nach Chlor ist viel schwächer und man benötigt keine Badekappe.

Es ist eigentlich ganz leicht. Ihr duscht ein bisschen, dann geht es in den großen Raum. Schön, wie das blaue Wasser so leicht hin- und herschwappt und glitzert.

Der Aufbau der Seitenbegrenzung kommt Dir ein bisschen vertraut vor, ansonsten ist alles neu. Deine Begleiterin quatscht gleich jemand an. Das macht sie gerne und das kann sie gut. Du bist froh, dass es so ist. Denn du würdest im Moment kein Wort raus bekommen, bist noch immer so aufgeregt wie vor einer halben Stunde.

Aber du hast genug vom Reden. Es erinnert dich ans „Denken“ und das hast du in den letzten Tagen schon genug gemacht.

Du willst jetzt handeln! Die stürmische Widderin in Dir kommt durch. Du willst jetzt da rein…

„Zuerst ins Nichtschwimmerbecken oder gleich ein paar Bahnen ziehen?“ Du denkst noch ca. eine Minute darüber nach.

Dann gehst du so selbstverständlich wie nie in das Schwimmerbecken. Du fühlst dich kurz wie ein Hund, den man ins Wasser geworfen hat und der einfach mit dem Strampeln anfängt. Aber dann erinnerst du dich recht schnell „wie das ging“. Die Bewegungen kommen wir von selbst.

Es geht sogar recht gut!

Wie du da so durch das Wasser gleitest, waschen sich die Ängste von Dir ab. Du fühlst dich geborgen und sicher. Es schwappt auf und ab.
Endlich ist die Schwerkraft weg.

Dann – bist du gnädiger mit Dir und überlegst, vor WAS genau du eigentlich so aufgeregt warst. Was hat dich gebremst und zurückgehalten?
Wo steckte die Magie im Detail?

Dir fällt auf, dass du selbst sehr lange nicht mehr schwimmen warst. Vielleicht im Jahr 2004, als ihr auf Fuerteventura wart. Da seid ihr kurz ins Meer gehüpft. Und der Hotelpool wurde auch benutzt. Das ist jetzt 14 Jahre her, genauso lang wie dein letzter „richtiger Urlaub“.

Danach – hattest du nie wieder Lust oder die Kraft, dich vor allen Menschen nackig zu bewegen. Obwohl das gar nicht richtig nackig ist. Denn man hat ja noch was an.

Und dann fällt Dir auf, dass Du heute das erste Mal „als Frau“ in einem Hallenbad warst.

Widerstand

Im Magen grummelte es. Das letzte Essen hatte sie nicht gut vertragen.

Es war eine fettige Pizza, die eigentlich gut schmeckte, aber in der Sonne einfach zuviel war.

Dazu kam, dass sie innerlich sehr aufgeregt und aufgedreht war und in der Sonne gebrutzelt wurde.

Die Sonne war unerbittlich und strahlte direkt durch ihr dünnes, blondes Haupthaar.

Sie verfluchte sich dafür, dass sie den schönen Sonnenhut- den sie extra für diese Zwecke erworben hatte- oben im Auto hatte liegen lassen! Wie kann man nur so dumm sein, und den vergessen! Sie merkte, wie Selbsthass in ihr aufstieg. War sie am Ende nur zu schüchtern, weil ja die meisten Leute keinen Hut tragen? Weil sie dann noch mehr auffallen würde, als sonst schon? Fiel sie denn überhaupt auf?? Sie war sich darüber nicht allzu sicher.
Und was war schon daran, einen Hut zu tragen? Jeder Mensch kann das tun. Was ist unnormal daran?
Zumal der Hut auch sehr schön ist und einen tollen Nutzen hat. Er schützt z.B. davor, in dieser verdammten Sonne gebraten zu werden.

Sie zog sich die Sonnenbrille an, die umständlich in ihrer Handtasche in einem Etui lag. Dazu musste man die Handtasche erstmal auf den Schoß legen, das Etui raussuchen, dann aufklappen (aber Achtung, die Feder ist sehr straff und man kan sich leicht die Finger quetschen!) dann die andere Brille abnehmen, wieder ins Etui fummeln, das Etui in die Tasche legen (weil auf dem kleinen Restauranttisch natürlich zu wenig Platz ist. Und im Endeffekt brachte die Sonnenbrille keine Verbesserung, weil diese blöde Sonne von schräg oben, genau zwischen Brille und Auge in ihr Gesicht strahlte.

Auch bei den Vorspeisen hatte sie sich vertan. Sie wollte eigentlich keine Vorspeise bestellen. Weil es bis jetzt immer so gewesen war, dass die Vorspeise zuviel ist. Aber es klang alles so lecker! Honigmelone mit Serrano-Schinken! Gemischte Salatteller in allen Variationen! Scampi aglio e olio! Wie poetisch allein dieser Name schon klang! Sie stellte sich duftende Scampi auf dem Teller vor. Geröstet, gebraten, dazu eine zarte Soße. Ihr lief das Wasser im Mund zusammen. Sie musste das einfach bestellen und konnte nicht widerstehen.

Natürlich nahm sie noch einen Prosecco vorneweg. Sechs Euro waren zwar viel Geld- aber hey, es gibt nur dieses eine Leben.
Sie musste das alles haben. Prosecco, Scampi, Salami-Pizza- nur auf den Wein würde sie heute verzichten, weil sie sich bereit erklärt hatte, das Auto zu fahren.

Sie wartete und wartete. Das Essen kam einfach nicht. Sie hatten sich den Tisch im Schatten ausgesucht, aber mit der Zeit kam die Sonne über die schützende Hauswand gekrochen. Unerbittlich wurde sie durch gebraten. Nur das Essen war noch roh im Keller.

Dort lag es schön kühl… Am Nachbartisch waren quengelnde Kinder. Warum erhoben sich die Erwachsenen nicht endlich von ihrem Tisch und gingen? Ihre Teller waren schon lange abgegessen. Aber sie saßen einfach da. Unterhielten sich, redeten ein bisschen und ließen die Kinder quengeln und quengeln.

Ihr Partner steckte sich eine Zigarette an. Der beißende Qualm ging direkt in ihre Augen. Sie merkte wie ihr Gute-Laune-Meter von über 100 in sehr schneller Zeit auf unter 20 gefallen war. Gefährlich! Hier musste sie dringend gegensteuern, das durfte man nicht dem Zufall überlassen. Sie ging kurz auf die Toilette, um wenigstens ein bisschen Schatten zu bekommen.

Nach einiger Zeit wurde die Vorspeise doch angebracht. Sie war erstaunt über den großen Teller! Und da lagen riesige Scampi darauf! Mit Salat ! Und ca. 200 ml Soße! Und Pizzabrot! Aber nicht ein oder zwei Stück, sondern fast 10 Stück Pizzabrot, das frisch duftend und krosse gebacken im hübsch angerichteten Brotkorb hin- und herkugelte.

Die nächste Frage kam sofort: Wie isst man das eigentlich? Und warum hat sie sich das schwierigste Vorspeisen-Gericht ausgesucht, dass man sich nur hätte aussuchen können?

Irgendwo im Fernsehen hatte sie mal gesehen, dass die Scampi geschickt aufgebrochen werden.. genau in der Mitte, mit einem leichten Kniff hier und einem Trick da. Der Kellner hatte sogar extra die Schale mit dem Zitronenwasser gebracht, damit man sich damit später die Hände abwaschen kann. Aber sie wollte es nicht brechen. Sie wollte das Besteck nehmen.

Also setzte sie an der harten Scampi-Schale an. Mann, war die hart! Die unbedarfte Esserin rutschte sofort mit dem Messer ab. Und welchen Teil isst man, welchen nicht? Der letzte Krabben-Salat im Supermarkt war irgendwie leichter zu essen.

Nachdem sie den ersten Scampi auf furchtbarste Weise verunstaltet hatte und nur noch bedauernswerte Einzelteile auf dem Teller übrig waren, beschloss sie, ihr schlaues Smartphone und „Altmeister Youtube“ um Rat zu fragen. Da gab es natürlich Anleitungen im Internet, wie man Scampi aufbricht und isst. Das wäre theoretisch auch sehr hilfreich gewesen, wenn diese verdammte Sonne nicht so blenden würde! Sie stellte die Display-Helligkeit auf „ganz hell“- sofort sprang der schlaue Beratungsassistent ein und warnte davor, dass man nicht zu lange auf einen hellen Display starren sollte, weil das angeblich nicht gut für die Augen ist- aber warum bauen die dann diese Helligkeit überhaupt ein? Kann es sein, dass diese Warnung nur kommt, damit man den Display nicht zu lange benutzt und dann enttäuscht sein könnte über das vorzeitige Akku-Ende?? 😉

Im Tutorial-Video sah es ganz leich aus: Beide Enden vom Scampi einmal sauber durchschneiden. Schale etwas anritzen, die linke Seite mit der Gabel festhalten und mit der rechten Messer-Hand den harten Chitin-Panzer sauber auftrennen. Wie eine enge Jeans mit Reißverschluss. Einfach aufzippen und fertig!

Die Realität sah dann mal wieder anders aus. Das Abschneiden der Enden klappte noch, aber wie war das mit dem Anritzen?

Sie probierte die Schale direkt mit der Messerspitze abzuhebeln- vergeblich. Sie kam nur ca. 2 mm darunter, dann war Ende. Sie versuchte die Schale anzuheben, aber der Panzer war unnachgiebig. Der Scampi drohte wieder auf Grund der Gewalteinwirkung zu vermatschen. In der Zwischenzeit merkte sie, wie sie von der Seite gefilmt wurde und von gegenüber neugierige Augenpaare auf ihren Teller starrten. Von oben schien die Sonne heiß und grell- für einen Moment dachte sie sich, dass sie eigentlich gleich explodieren müsste. Sie war mit ihrem Toleranzlevel an der absoluten Spitze angelangt. Eigentlich müsste sie jetzt ausflippen, rumschreien, weinen- aber es tat sich nichts. Sie war ganz ruhig. Sie lachte innerlich. „Warum rege ich mich nur so auf?“ Dachte sie sich. Es gibt keinen Grund. Der Tag war schön, der Himmel blau, die Sonne schien.

„Was haltet ihr davon, wenn wir uns in den Schatten setzen? Ich habe gesehen, da hinten ist ein Platz frei geworden!“. Ihre Begleiter stimmten ihr zu. Warum nicht? Es war so einfach. Die blöden Scampi waren endlich aufgegessen und abgeräumt.

Gläser in die Hand, Zigarettenetui und Handy eingesteckt. Die Tasche schnell über den Arm- und fertig. Sie gingen ein paar Schritte und waren schon am rettenden Schatten angelangt.

Auf einmal merkte sie, wie sich die Stimmung verbesserte. Ihre Laune kletterte langsam wieder nach oben. Auch ihre Begleiter waren nun besserer Dinge und atmeten sichtlich auf. Der Tag wurde besser, leichter und schöner. Die Pizza grummelte noch ein bisschen, aber das war schnell vergessen.

Es wurde noch ein schöner Tag.

Love

Die Bässe ziehen durch deinen Bauch. Du spürst sie überall, alles vibriert. Sie wandern durch den Becher aus Kunststoff, den du mit der linken Hand hälst und der bis oben hin mit Bier gefüllt ist. Der Inhalt schwappt und gurgelt im Takt. In ca. 200 Meter Entfernung siehst du das blaue Leuchten der großen Bühne, die die ganze Menschenmasse beschallt. Irgendwo in der Ferne sind die Musiker oder der DJ. Du siehst sie nicht, aber du hörst sie! Die Musik ist gut und gefällt Dir. Du kennst fast jeden Song.. du würdest am liebsten tanzen, dich bewegen, mitschwimmen, mitsingen! Du hast Freunde dabei, die du magst und die dich mögen.
Es ist so perfekt! Dieser Moment, du würdest ihn am liebsten festhalten oder einpacken und bei schlechten Zeiten wieder hervorkramen. Du ziehst die Eindrücke tief in dich ein und machst ein paar Fotos mit dem Smartphone. Dein Herz, es wurde verrückt nach Eindrücken! Du stellst fest, dass du jeden Menschen auf seine Art und Weise hübsch findest. Du bist jetzt ein Teil von ihnen, ein Teil der Masse. Mittendrin. Es ist nicht nur Theorie, es ist gelebte Praxis und es macht Dir Spaß. An dir gehen ständig Leute vorbei. Sie berühren dich an der Schulter, an den Beinen, am Po. Sie drücken dich sanft in den Rücken.. und irgendwann gehst du auch durch die Menschen und fässt alle an. Es wundert sich keiner, es beschwert sich niemand. Berührung, Liebe und Wahrheit sind deine neuen Begleiter geworden und schweben über Dir.

Die Gespräche mit deinen Begleitern sind interessant und abwechslungsreich. Es geht um Technik, um Alltagsthemen aber auch um tiefe menschliche Frage und soziale Probleme. Dein Rat ist gefragt. Deine Mitmenschen freuen sich, wenn du ihnen was erzählst und von deiner Erfahrung weitergibst. Du fühlst dich gebraucht und an der richtigen Stelle. Es ist alles so perfekt. Du würdest dich am liebsten kneifen, weil du es immer noch für einen Traum hälst.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Du fühlst dich selbstbewusst und frei. Natürlich- denkst du oft über dein Aussehen nach und ob alles gut ist. Aber das tust du so oft und so „selbstverständlich“, dass es dich nicht weiter wundert oder aufhält. Es ist halt einfach so.

Es ist Samstag abend und die Sonne geht unter. Der Kirchturm verfärbt sich von hellem Gelb nach Dunkel-Orange. Der Himmel wird hellblau, dann dunkelblau und schließlich schwarz. Junge Mädchen gehen mit bunten, leuchtenden Schmetterlingen auf dem Kopf an dir vorbei. Sie fallen auf und lachen alle an. Es riecht überall so gut. Ein Sommerabend mitten in der Stadt.

Du liebst diese Momente, diese verrückten freien Samstage voller Liebe und Wahrheit. Du hast sie schon immer geliebt. Du verschmilzt mit ihnen. Du bist verliebt.
Aber in was? In wen? Es ist für einen Moment so, als ob du alle liebst – und von allen geliebt wirst.

 

Semina

Semina greift Dir an die Schulter und lächelt Dich freundlich an „Mensch Juana, da bist du ja!“
Du erschrickst fast ein bisschen, als du sie siehst. Du hast sie irgendwie nicht erkannt. Obwohl Du zweimal am Café vorbei gegangen bist und ganz gründlich nach ihr gesucht hast. Du hast sie einfach nicht gesehen.
Wie auch? Dein Herz schlägt Dir bis zum Hals und du fühlst dich furchtbar nervös. Du bist eine halbe Stunde zu früh in der Stadt gewesen… hast Dir noch den schönen Brunnen und die schlichte Kirche angeschaut. Die Stadt war voll, voll mit Menschen, die in den Cafés auf der Fußgängerzone gesessen, gelacht und erzählt haben. Du musst alle Menschen unwillkürlich anschauen, beobachten, ja fast anstarren. Du bist plötzlich so interessiert an Menschen! Du spürst eine große Sehnsucht, dich einfach in eines der Cafés fallen zu lassen und ein Teil von ihnen zu werden.
Aber der Treffpunkt ist ja woanders. Du hast ein wenig Durst und musst auf Toilette. Aber es geht noch und so beschließt Du ein paar Fotos von den Innenräumen der Kirche zu machen. Es gibt sogar eine Toilette hier, aber davor ist ein großes Eisengitter mit einem Vorhängeschloss. „Nicht heute!“ denkst Du dir.

„Wie gehts Dir denn so?“ Sie schaut dich mit großen Augen an… aber du ringst noch mit der Fassung und mit dir selbst. Hier sind überall Menschen um dich herum. Sie sind so nah. Es ist so warm, du bist das nicht gewohnt. Sie sitzt da in einem wunderschönen hellen, weißen Kleid mit ein paar Blümchen drauf und wirkt so nett und strahlend. Es ist einfach überwältigend, sie anzuschauen! In ihrem ganzen Wesen ist all das, was du sehnst, was du liebst, was du begehrst. Was du nie warst und nie sein wirst, egal wie du dich auch anstrengst. Sie ist die Freundlichkeit in Person… und diese Freundlichkeit, dieses göttliche Wesen hat sich die Zeit genommen, mit dir einen Kaffee zu trinken. Da bekommst du erstmal keine Worte raus und du merkst, wie du verschlossen bist. Langsam beobachtest du die Menschen um euch herum, ob irgend jemand irgendwas auffällt.. was da überhaupt für Menschen sind. Dann bestellst du etwas zu trinken. Du nimmst einen Cappucino und sie einen Eiscafé.

Ihr plaudert. Langsam wirst du lockerer. Du denkst nicht mehr über Deine Stimme nach.. oder wie du wirken kannst. Sie macht es Dir leicht, dich zu öffnen. Ihre freundliche Art lockert Dich und öffnet alle Schranken. Es ist verblüffend, das zu erleben. Du hast dich selbst eigentlich immer für einen lockeren, offenen Menschen gehalten. Aber wenn du dich mit ihr vergleichst, dann warst du vorher ein Stück Stahl, in das man einen Nagel aus Butter schlagen wollte.

Die Zeit verrennt wie im Flug. Du weißt gar nicht mehr genau, was du gesagt hast. Du glaubst, dass es sich dumm angehört hat. Etwas planlos. Du ringst nach Worten und Erinnerungen. Nichts fällt Dir ein. Der Moment ist noch zu stark. Wie gebündeltes Licht aus einem Laserstrahl, der sich direkt durch deine Seele brennt.

Hin und wieder lacht sie über deine blöden Gedanken. Du freust dich, dass es Dir gelingt, wenigstens ein bisschen witzig zu sein.

Ihr beschließt, euch an diesem schönen Tag noch etwas anzuschauen. Also bezahlt ihr die Getränke und geht ein bisschen durch die Fußgängerzone. Die Bewegung tut gut. Endlich kommt etwas Luft an die Arme… hier sind noch mehr Menschen. Aber du siehst die anderen nicht, du siehst nur SIE. Du hast die Haare auf gemacht und trägst sie jetzt auch lockerer… deine eigenen blonden Haare werden vom Gegenwind ordentlich durchgewirbelt. Sie geht sehr schnell den kleinen Hügel hinauf, du hast Mühe, mit zu halten. Nach ein paar Minuten trefft ihr einen jungen Mann, der etwas „besonders“ aussieht. Jung und kräftig, er wirkt aggressiv und entschlossen. So jemanden würdest du fürchten, wenn du alleine unterwegs bist. Aber er kennt deine Begleiterin und begrüßt sie freundlich! Sie sind alte Schulfreunde. Deine Freundin plaudert mit ihm, als sei es das normalste der Welt. Er ist ganz nett, an dir aber gar nicht interessiert. Er will einen trinken gehen.

Du bist erstaunt, wen sie alles kennt und wie klein die Welt ist. Und wie leicht sie sich mit anderen Menschen tut. Du wünscht Dir, dass du auch diese Lockerheit und Normalität hättest. Aber du bist besonders. Du kannst es dir nicht aussuchen. Du bist so, wie du bist.

Ihr geht in das Museum. Die Taschen werden eingeschlossen. Da gibt es viele Spinde mit Nummern drauf, fast alle sind leer an diesem Samstag. Du fragst sie nach ihrer Lieblingszahl. Blöde Frage, denkst du dir, warum frage ich das eigentlich? Aber sie hat tatsächlich eine Antwort darauf… das ist verrückt.
Sie wundert sich nicht über deine Frage, sondern beantwortet sie so selbstverständlich, als wenn du nach ihrer Lieblings-Fußball- Mannschaft gefragt hättest.

Ihr schaut euch moderne, abstrakte Kunst an. Die Räume sind kühl und weiß und nackt.
Die Kunst ist schlicht und grau. Die Aufsichtsperson wirkt skurril und welt-entrückt. Sie starrt den ganzen Tag auf diese farblose, graue Kunst, die sich fast kein Mensch anschaut.

Im nächsten Stockwerk wird es bunter und lebendiger. Hier fühlt ihr euch wohler. „Ah neue Sachlichkeit“ Ein Kunstkenner ist mit seiner Gattin unterwegs und begutachtet fachmännisch die ausgestellten Stücke.

Es geht weiter nach oben… die Werke werden immer besser und interessanter. Sie interessiert sich für alles, so wie du. Es ist so… als ob ihr das schon seit 20 Jahren so macht. Es fühlt sich normal an.

Nach dem Museum geht ihr noch was trinken. Sie bestellt sich ein Bitter Lemon und du nimmst ein Tonic Water. Plötzlich merkst du, wie eine Angst in dir aufsteigt. Die Zeit, sie rennt. Was schon drei Stunden?
Du hast Angst vor diesem Moment der Trennung. Er ist mit Schmerz verbunden. Du drückst sie herzlich und fest.

Dann ist sie weg.

Anatomische Lehrstunden

Am letzten Sonntag ging es nach Heidelberg. „Körperwelten- Anatomie des Glücks“ wollten wir uns ansehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rperwelten

In Heidelberg bin ich nie oft gewesen, obwohl es von unserer alten Wohnung in Mannheim nur ein Katzensprung gewesen wäre.

So war ich auch erstmal erstaunt, was es da alles gibt, als ich die Stadt in „Google Maps“ geladen habe. Dass es die Körperwelten-Ausstellung überhaupt noch gibt, war mir neu. Ich hab damals den Hype in den Medien mitbekommen und dass sie sehr umstritten war. Ich glaube, sie war sogar eine Zeit lang in Deutschland nicht erlaubt?

Wir haben vor vielen Jahren „Körperwelten der Tiere“ in Mannheim angeschaut und fanden die Ausstellung gut. Mit Menschen ist das bestimmt nochmal ein ganz anderes Kaliber, dachte ich mir und auf ging es in die Stadt!

Mit unserem brandneuen Diesel der Euro 6 – Norm wagten wir das Risiko und wählten das Abenteuer „Außenseiter Autofahrer“.
Die Verbindung nach Heidelberg ist eigentlich gut. Ich kann mich noch an eine gut ausgebaute, kaum befahrene Autobahn erinnern.
Dazu noch am Sonntag, wo doch sowieso weniger los ist – was sollte da schief gehen? Wer solllte den Entdeckerdrang stoppen? Das Wagnis „Reise“ bestrafen? Die Experimentierfreude und den freien Geist beschneiden?
„Eigentlich alle“, dachte ich mir, als wir mit 40 km/h über eine Brückenbaustelle zockeln mussten, die extrem schmal und eng bebaut ist (Die Brücke auf der A656 über die A5). Dazu kommt noch ein Symbol mit einer Kamera „Achtung, hier wird geblitzt“. Die machen bestimmt ernst, dachte ich mir. Heidelberg war mir noch als relativ auto-feindliche und eher fahrrad-freundliche Stadt in Erinnerung. Und tatsächlich, der angedrohte Blitzer erschien wirklich in Gestalt einer aufrecht stehenden, grauen, hässlichen Säule mit vier Augen.

Nachdem wir diesen Spuk überstanden haben, ging es in die Innenstadt. Hier erfreute uns ein großes Parkhaus-Angebot mit vielen freien, angebotenden Plätzen. Freie Stellplätze, wohin das Auge sieht, dazu große Parkbuchten- wann hat man das schon mal? Sollen die Studenten und Grünen doch alle mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen, wir wählen das gute alte Automobil.

Unser Ziel sollte das Parkhaus am „Alten Hallenbad“ sein. Direkt neben der Ausstellung. Das klappte ganz gut. Das alte Hallenbad ist ein interessantes Jugendstil-Gebäude und war bis 1981 ein Schwimmbad (https://de.wikipedia.org/wiki/Altes_Hallenbad_(Heidelberg) ).

Man kann sich ein wenig Zeit nehmen, und die interessante Architektur bewundern. Dennoch waren wir auch auf die Ausstellung von Gunther von Hagens gespannt. Der Eintritt ist mit 17 Euro ziemlich happig.

So war auch das Publikum auf den ersten Blick eher gut betucht und aus den „höheren Schichten“, wie man so schön sagt.
Was mir an Heidelberg auch sofort auffiel, war das junge Alter vieler Menschen und die hohe Internationalität der Gäste.

Innerhalb von kürzester Zeit kann man sehr viele verschiedene Menschen aus allen Herren Ländern treffen.

Die Ausstellung war hervorragend gemacht und didaktisch sinnvoll geführt. Zuerst bewegt man sich „im oberen Stock“, eine Art Balkon und geht einzeln von Exponat zu Exponat. Durch den hohen Andrang muss man immer etwas warten, bis sich die Schlange weiter bewegt.

„Das Glück“ sollte Kern der Ausstellung sein. Schon bei der Planung des Ausflugs habe ich mir überlegt, wie man das wohl realisieren und darstellen möchte? „Glück“ ist ja eher eine Sache des Geistes und der Einstellung. Wo soll sich das in der Anatomie niederschlagen?

Nicht allzu verwunderlich, war das erste Exponat dann auch eine Darstellung des menschlichen Nervensystems mit all seinen Einzelheiten.

Und auch dann ging es erstmal mal um „Gehirn“ und Neven. Wie ist das Gehirn aufgebaut? Welche „Zentren“ und Areale gibt es? Wie wirkt sich die Alzheimer-Erkrankung auf das Gehirn aus? Es war sehr eindrucksvoll, mal die Unterschiede zu sehen! Man sieht, dass es in den Zwischenräumen tatsächlich weniger „Masse“ gibt. Dazu gab es einen lehrreichen Film über diese schwierige und leider noch nicht zu behandelnde Krankheit.

Noch voll mit Gedanken über diese Besonderheit… konnte man bei der nächsten Ecke plötzlich ein fliegendes Schwein bestaunen! Dazu die Fragestellung, was Menschen und Tiere gemein haben. In der Anatomie gibt es auf jeden Fall viele Gemeinsamkeiten. Werden also auch Schweine nach Glück streben?

In der nächsten Exponatenreihe ging es um die Fragen „Gesundheit und Streß“. Das wurde mit verschiedenen Grafiken veranschaulicht. Außerdem bekam man nähere Einblicke in gesunde und kranke Herzen. Auch eine künstliche Herzklappe konnte man bewundern – sehr eindrucksvoll, wie das kleine, drehbare Plättchen kunstvoll in den Herzmuskel eingebaut wird. Die Veränderungen des kranken Herzens (z.B. bei einem Herzinfarkt) wurden sehr anschaulich dargestellt (kranke Regionen sind weißlich). Immer wieder hörte man andere Besucher murmeln, wie sie ähnliche Krankheiten bei Verwandten erlebt haben. Parallelen zum eigenen Leben sind möglich und regen die Gedanken an.

Schon ab diesem Zeitpunkt war das Gehirn voll mit Informationen. Die Schlagzahl der dargebotenen Informationen ging aber munter weiter. Es folgte die Darstellung von Blutgefäßen (sehr eindrucksvoll, weil die Gefäße mit rotem Kunststoff gefüllt sind und eigentümliche Muster und Formen ergeben). Man konnte sich selbst den Blutdruck messen. Ein Mensch wurde in dünne Scheiben zerlegt und hängt da jetzt wie ein alter Bademantel am Bügel. Ein kleiner Junge macht Fotos mit seinem Smartphone. Er nimmt freundlich auf mich Rücksicht, als ich auch ein Foto machen möchte.

Zwei junge Frauen mit schweizerischer Aussprache (vermutlich Studentinnen) stehen vergnügt vor einer interaktiven Video-Installation. Der eigene Körper wird gescannt und in interaktive, durchleuchtete Anatomie-Bilder verwandelt. Sie haben ihren Spaß daran, und die Zuschauer auch. Ich traue mich nicht, mich auf die Aufkleber mit den Füßen zu stellen. Interessant hier unten die Tafel mit der Frage „Was ist für Dich Glück“? Besucher können ihre eigenen Gedanken mit Stiften darauf kritzeln. Erstaunlich viele assoziieren Glück mit „Reisen“ fällt mir auf. Aber auch „einfach leben“ findet man oft. „Sich um andere sorgen“ finde ich hingegen nicht.

Im Erdgeschoss wird die Ausstellung breiter und die Schlangen lösen sich zum Glück auf. Krankheiten werden weiter kommuniziert. Es ist höchst interessant zu sehen, wie sehr sich Krankheiten auch organisch niederschlagen können. Normal sieht man das ja bei sich nicht. Man kann sich nicht selbst sehen. Bildgebende Verfahren sind Ärzten vorbehalten und wirken immer ein wenig indirekt. Bei den Plastinaten ist hingegen schonungslose Offenheit möglich. Wie sieht eine Raucherlunge eigentlich aus? Was ist eine vergrößerte Milz? Wie sieht ein Lungenflügel aus, wenn er vom Krebs zerfressen ist und in sich zusammenfällt? (schrecklich!) Eine gesunde wird einer kranken Leber gegenübergestellt und man sieht den schonungslosen Querschnitt durch einen übergewichtigen Menschen. Diese interessante Didaktik der Gesundheit wird „aufgelockert“ mit Plastinaten in sportlichen Posen, z.B. beim Basketball oder Fußball-Spielen.

Den Schlusspunkt bildet die Erörterung über unsere eigene Geschlechtlichkeit. Wie sehen die Geschlechtsorgane von Mann und Frau eigentlich aus? Was ist eine Plazenta und wie sieht sie aus? Wie wirken sich Scheidung und Heirat auf das Glück des Menschen aus?

Und der Höhepunkt der Ausstellung ist eine liegende, schwangere Frau im achten Monat. Mit einem geöffneten Blick auf ihre Gebärmutter und den kleinen Säugling. Es gehört Mut dazu, Exponate (von echten Menschen!) derart auszustellen. Mir gefällt dieser Mut. Es ist echte Kunst. Schaurig, lehrreich und mutig zugleich.

Freunde treffen

Ich hab es gewusst, in Wahrheit gibt es gar keine Geschlechtsunterschiede!

Frage: „Wollen wir am Wochenende zusammen was unternehmen?“

Freund: Klar, machen wir.

Freundin: Ja, eigentlich schon. Aber dann muss ich erst überlegen, ob es passt. Könnte auch sein, dass es mir gerade nicht gut geht, kann ich schlecht voraussagen. Also halte ich es lieber in der Schwebe. Und ich muss doch dies und jenes klären. Und außerdem kommt ja noch X vorbei. Und für Y muss ich noch das machen. Außerdem wollte ich noch shoppen gehen. Und wollte was schönes für meinen Freund kochen. Und eigentlich passt es mir gar nicht, aber wenn du lieb fragst und mir noch ein paar Komplimente machst, bin ich dafür bereit. Weil ich entscheide das alles spontan aus dem Bauch raus. Hihi.

Und was kommt bei raus?

Beim Freund wird es genau so, wie du es erwartet hast. Er ist nicht krank und auch nicht launisch.
Er macht es einfach und ist zuverlässig. Einer von euch beiden ist der Ältere oder der Erfahrene, es wird ein Anführer bestimmt und dann wird es so gemacht. Der Ablauf des Treffens ist vorhersagbar und „straight“. Der Freund regt sich nur darüber auf, wenn am Ablauf etwas geändert wird oder die Planung vorher schlecht war. Dann wird ein Verlierer bestimmt, der die Scheiße ausbaden muss. Das ist meistens der „weibliche Part“.

Bei der Freundin ist es etwas besonderes, wenn ihr überhaupt zusammen kommt! Dann wird es aber richtig lustig! Ihr lacht euch beide weg, weil es gerade richtig gut passt und ihr beide so Bock auf das Treffen hattet. Keiner dominiert das Treffen, die Hierarchie wird bewusst flach gehalten. Männer würden jetzt nur stören! Es gibt viele Überraschungen und es läuft ganz anders als geplant. Das Treffen läuft emotionaler und herzlicher ab, weil ihr beide mehr Rücksicht aufeinander nehmt. Ihr entscheidet spontan und einigt euch durch Diskussion darauf, was ihr zusammen macht. Das kann dann auch mal ganz anders werden. Keiner ärgert sich darüber, dass ihr zu wenig geplant habt. Das viele Quatschen und die gute Stimmung hilft über kleinere Mängel in der Ausführung hinweg.

Lustig ist auf jeden Fall beides!

Besuch auf der Gamescom – Teil 3

Die Spielefirmen haben einen wahnsinnigen „Hype“ um ihre Spiele kreiert. Es ist ein Trend… jedes Jahr kommt ein neues Spiel raus, die Serien werden fortgesetzt. Die Jugendlichen stürzen sich darauf, es ist ihre Jugendkultur. Die Firmen profitieren davon, dass ihre Produkte mittlerweile rein digital sind… die Vertriebswege sind digital, das Produkt ist digital, selbst CDs fehlen mittlerweile in den Packungen (z.B. bei Mass Effect Andromeda, das man ohne schnelles Internet gar nicht mehr „besitzen“ kann). Um mit den Spielen also viel Geld zu verdienen, muss das Produkt begeistern. Es muss die Leute mitnehmen, es müssen Gefühle „produziert“ und vermittelt werden, es muss irgendwie ankommen und cool sein. Je mehr Leute sich darauf stürzen, desto mehr Geld wird damit gemacht, ganz einfach. Also ist die Messe eine einzige Verkaufsshow für neue Titel. Logisch, oder?

Ich bin mir sicher, jede Generation jeder Kultur hat so ihre Trends…. es ist halt so. Die Jugend ist neu, unverbraucht, frisch. Sie geht völlig neue Wege. Sie erschafft Dinge, die noch nie jemand gesehen oder gehört hat. Computerspiele sind Digitalkultur und somit extrem innovativ. Das ist das, was mich an ihnen reizt.

Aber es fehlen die Verbindungen. Auf der Gamescom hat die Verbindung „nach oben“ gefehlt. Die Spiele werden von einer bestimmten Altersgruppe konsumiert… aber auf der Messe war keine Möglichkeit für ein älteres Publikum, dort irgendwie einen Einstieg zu finden. Es wird nichts erklärt, es gab im Grunde fast keine Broschüren… auch keine Möglichkeiten, die Materie mal zu vertiefen oder was darüber zu lernen. Dazu kommt die hoffnungslose Überfüllung der Stände und die permanente Reiz-Überflutung. Der einzige Stand, der mir in Erinnerung geblieben ist, war der Stand mit den Grafiktabletts von der Firma Wacom. Dort gab es live-Vorführungen einer Künstlerin, die live mit dem XXL-Tablett gezeichnet hat und man konnte dann das Entstehen ihres Werkes auf dem Monitor betrachten. Das war sehr schön und da haben wir auch mal länger zugeschaut.  (Das Video zeigt die dort ebenfalls ausgestellten 3D-Drucker).

Es gab einen „Campus“, also eine Möglichkeit für junge Leute etwas über Berufe in der Spieleindustrie zu lernen.
Und was für ein Stand fällt uns als erstes auf? Jemand hat ein Gerät entwickelt, mit der die Telekommunikationsfirmen alles über den Internet-Traffic und das „Routing“ von Handys ermitteln können (das geht so ein bisschen in Richtung „ausspionieren“). Welchen Zweck hat das Gerät? Wozu wird es eigentlich verwendet? Trotz mehrmaligen Nachfragen von unserer Seite haben wir keine plausible Antwort bekommen. Die einzige Aussage war, dass die ausstellende Firma „dringend Nachwuchs“ braucht, z.B. aus dem Bereich Informatik oder Elektrotechnik.

Es gab einen großen Stand, wo der Jugendschutz erklärt wurde und der Spieleratgeber NRW.
Ok. Aber wo waren die deutschen Unis, wo waren die Studiengänge, wo war die Wirtschaft, die ihre Verantwortung erkennt und übernimmt? Es wurde letztendlich nur gedaddelt und verkauft. Und da wundert man sich noch, dass es an Nachwuchs fehlt. Gähn.

Thema Inklusion. Die Gamescom macht keinen Sinn, wenn man blind oder taub ist. Solche Spiele für bestimmte Zielgruppen hab ich dort nicht finden können. Es gab allerdings mehrere Leute, die in Rollstühlen herumgefahren sind und sich den Kampf durch die Menge auch zugetraut haben. Einmal hab ich wie gebannt vor dem Bildschirm gestanden und mein Kopf war tief in den Nacken gelegt… plötzlich tippt mich jemand leicht auf die Schulter an. Eine junge Frau im Rollstuhl, recht klein, sie hat mich gerade so erreichen können, wollte sich einen Weg durch die Menge bahnen. Alle haben Platz gemacht, sie hatte einen Weg… geht doch. In der S-Bahn hatte ich ein anderes Erlebnis. Da kam plötzlich eine Frau im Rollstuhl (selbstfahrend) mit brachialem Schwung in die sowieso schon überfüllte S-Bahn gestürzt. Sie hätte mich fast umgefahren. Da war nix mit antippen oder Bescheid geben. Andere haben sich nach ihr zu richten. Ich gehe ein Stück zur Seite und will höflich Platz machen. Urplötzlich dreht sie ihr Gefährt ganz schnell um, die Griffe vom Rollstuhl berühren mich fast am Bauch. Im letzten Moment kann ich ausweichen. Sie dreht sich nicht um, entschuldigt sich nicht, guckt einfach stur geradeaus. Hätte ich da was sagen sollen?

Geschlechter. Der Männeranteil lag bei ca. 80 Prozent. Das hatte den interessanten Effekt, dass die Damentoiletten frei waren und es Schlangen vor den Herren-Toiletten gab. Hahaha!

Besuch auf der Gamescom – Teil 2

Der Tag war sehr intensiv, es hatten sich einige Eindrücke angehäuft, förmlich angestaut.
Ich hab so das Gefühl, dass ich noch Wochen darüber nachdenken kann und die Dinge Zeit brauchen, bis sie sich setzen.
So geht es mir im Moment mit sehr vielen Dingen im Leben. Das Leben ist sehr intensiv, wie kann man da am besten überleben und sich emotional schützen? Man beachtet erstmal die äußeren Dinge, die Struktur und das grobe Ganze…dann erst kann man in das Gefühl einsteigen, so nach und nach. Wenn man gleich alle Kanäle voll öffnen würde, würde man überflutet werden und den Halt verlieren. Dann kommt man keinen Fleck mehr vorwärts und verliert sich im Strudel der Emotionen. Die Gefahr besteht bei künstlerisch veranlagten Menschen immer, weil die Empfindungen einfach stärker sind und man das „Abstumpfen“ erstmal lernen muss. Abstumpfen ist aber kein einseitiger Effekt, man kann auch schrittweise wieder Gefühl reingeben. Die Kunst besteht darin, sich in jeder Situation entsprechend „anzupassen“ und flexibel zu reagieren. Ich merke z.B. zur Zeit an mir, dass ich viel chaotischer bin und die Gedanken viel stärker springen und emotional aufgeladen sind. Das hat mir den Besuch auf der Messe schon recht schwierig gemacht.. Dinge die normal gut laufen, sind im Moment nicht so gut zu kontrollieren (vor allem alles, was mit Planung und Koordination zu tun hat).

Auf der Gamescom hab ich versucht, stärker zu filtern und mich an dieses neue Ich-Gefühl anzupassen. Es geht am besten, wenn man gefordert wird und die Außenreize sehr stark sind. Ich hab mich nicht gegen die vielen Eindrücke gewehrt. Ich hab sie nicht bewertet, weder in gut, noch in schlecht einsortiert. Ich hab einfach versucht, meine Sinne „aufzustellen“ und die vielen Eindrücke, Bilder, Klänge, Menschen, Gesichter, Töne, Gerüche, etc. durch mich „durch fließen zu lassen“. Der Effekt ist quasi wie bei einer Meditation. Man ist unter tausenden von Menschen, wird beschallt und berieselt von allen Ecken und was macht der Geist? Er akzeptiert es einfach und lässt es fließen. Unser Bewusstsein ist eigentlich rein und frei. Unbefleckt. „Die Seele ist ohne Substanz“ sagen die Buddhisten dazu. Eine Richtung oder eine Prägung bekommt unser „ich“ erst durch die Bewertung und Beurteilung von Dingen.

Natürlich gab es viele Eindrücke, die mich schockiert haben oder über die ich im Nachhinein noch viel nachdenken muss. Aber ich schau mir das jetzt in Ruhe an. Ich werde noch mit ein paar Leuten darüber reden, die mich natürlich auch fragen „Na, und wie war die Gamescom?“. Ich kann da nicht aus der Pistole schießen und „irgendeine Antwort“ geben. Ich muss mich echt hinsetzen und überlegen, ja wie war es eigentlich?

Ich hab z.B. ein bisschen ein Problem damit… z.B. das Thema Computerspiele. Es begleitet mich schon sehr lange, ich spiele Games, seit dem ich sechs Jahre alt bin… also über 30 Jahre. Seit der Hormonumstellung vor ca. 3 Monaten hab ich daran – von heute auf morgen- jegliches Interesse verloren. Ich kenn fast alle Spiele, ich bin damit durch. Ich kenn die Industrie, ich kenne alle Richtungen und mein Buch über die Games steht in der Pipeline. Meine Östrogene sind sehr hoch, das Testosteron fehlt. Daraus resultiert, dass ich kaum noch Lust auf Wettbewerb oder Action habe. Und die meisten Spiele richten sich immer noch an ein „männliches Publikum“ (wobei das nicht mehr stark wie früher ist und der Games-Markt für Frauen auch stetig wächst). Dafür hab ich diesmal die „Cosplay“-Sachen und die Verkaufsstände für Mode, Shirts, Perücken, usw. viel reizvoller gefunden. Als wir auf der Messe fertig waren, sind wir erstmal in Köln shoppen gegangen. Der Drang danach war unendlich groß und überall gibt es Klamotten-Geschäfte, Schmuck, Schuhe… 😉 Das war quasi unsere eigene, zweite Messe. Die „Schönheits-Com“. 😉

Köln finde ich als Stadt sehr reizvoll… ich hab im Nachhinein gesehen, dass es dort noch sehr vielen Sachen gibt, die ich nicht kenne. Z.B. Museen. Kunst, Kultur. Ich werde sicherlich nochmal nach Köln fahren und mir dort alles anschauen. Mein Geist hat sich weiter entwickelt, die Interessen auch. Warum sollte ich darüber traurig sein oder mich aufregen? Es ist halt so, wie es ist.