Archiv für die Kategorie „Draußen“

Sonnen- und Schattenseiten

Mittwoch, 3. März 2010
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Der Frühling ist da. Allerorten kündigt er sich mit großem Getöse an. Da ist zuerst mal die strahlende Sonne, die stärker als je zuvor ihre langwelligen Strahlen des breitesten Spektrums in jeden dreckigen Winkel der Wohnung schickt. Die fleißige und ständig mit schlechtem Gewissen bewehrte Hausfrau erkennt sofort, dass hier Handlungsbedarf besteht. Die anschließende Putz-Orgie führt dazu, dass sich die Körpertemperatur um ein paar Grad anhebt und noch schneller auf Touren kommt, als sie es ohnehin schon geplant hatte. Wusstet ihr, dass die Körpertemperatur im Winter tatsächlich ein wenig abgesenkt wird? Man kann sagen, der Mensch wird in einen kleinen biologischen Winterschlaf geschickt und fährt nur auf halber Flamme. Dieser Ofen muss erst wieder befeuert werden, aber manchmal knacken die Gelenke und der dazu gewonne Speck u. die verlorenen Muskeln hindern das mühelose Vorwärtskommen.

Das Sonnenlicht kurbelt nun die Glückshormon-Produktion an und vertreibt das einschläfernde Melatonin. Man bewegt sich plötzlich wieder! Man riecht wieder! Man geht wieder nach draußen, freiwillig und ganz ohne Auto. Das Leben ist wieder stärker an einem, in einem, um einen herum. Der einlullende Schleier des Winters wurde spätestens vom letzten Sturm Xynthia weggeblasen.

Ach, der Winter, wie schön war er! Obwohl ich ihn lange verflucht habe. Nun vermisse ich ihn.

Der Winter hat mich beschützt und das ganze Leben mit seinen Problemen und seinem Leid vor mir ferngehalten.

Mit einer warmen Decke und einem heißen Tee vorm Computer abhängen. Fettige, kalorienreiche Wurstwaren und Nudeln in sich reinstopfen, dazu ein paar Gläser Alkohol und später Schokolade. Sich ganz tief in den vier Wänden verkriechen, das Telefon rausstöpseln, die Internet-Blogs ignorieren, Twittern mal wieder doof finden.

Winter ist einfach eine schöne Zeit. Man ist einsam, man ist allein. Niemand da, der das eigene Leben begrenzt, kein Streß, keine nervigen Dialoge, keine Arbeit, einfach nur Ruhe.

Keine gierigen und aggressiven Menschen, die sich behaupten, selbst darstellen, abgrenzen, profilieren, beneiden, beschränken, bevormunden, manipulieren oder ausgrenzen müssen.

Kein Mensch. Das Leben ist so schön frei, ohne gierige, unglückliche, unfreie und negative Menschen.

Der Winter ist schön. Über den Frühling sollen wir uns nun alle freuen. Das angepasste Wohlstands-Affirmations-Geständnis Gesicht aufsetzen und hübsch dazu lächeln. Auch wenn uns eigentlich eher zum Heulen ist und die ganze Soße „Sonne Satt“ nur Energie abzieht und das eigene Unvermögen vor Augen hält.

Tief durchwebt vom protestantischen Arbeits-Ethos hört man von überall die Hämmer. Leistung ist gefragt! Rauf auf die Leiter, runter von der Leiter, ein paar Bretter gesägt, ja was gemacht! Der Mensch ist nur gut, wenn er was macht, wenn er was leistet.

Das sagte schon unser Ober-Guru Westerwave. Und der muss es wissen, schließlich ist er unser Außenseiterminister.

Winter-Wetter-Wonderland

Freitag, 12. Februar 2010
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Zuviel Kälte in der Seele? Wir wärmen sie auf. Rufen sie jetzt an: 0-500-1245..

Füße, eingesunken im Schnee

Das Winterwetter in Mitteleuropa, ein extrem nerviger Zustand mittlerweile.

Ich erinnere mich an keinen Winter, der derart heftig, kalt und lang gewesen ist. Die letzten Winter waren alle so zwischen 15 und 20 Grad, lauwarm und ich hab ein Eis an Weihnachten im Freien gegessen… oder bin an Sylvester auf den Jahrmarkt gegangen und hab an der Zuckerwatte gelutscht..
Als Kind, zwei Minuten lang auf der kalten Piste gerodelt, bis die unbarmherzige Sonne die weiße Pracht wieder geschmolzen hatte..aus Frust mich dann mit Matschklumpen beworfen, weil der Schnee wieder weg war… aber halt, was ist DAS?

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Ein-einhalb Stunden auf deutschen Straßen

Donnerstag, 5. November 2009
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Der Puls rast, das Mobil steht

Es sollte eine kurze Reise werden. Von flachen Land über Mannheim nach Stuttgart, eigentlich ein Klacks, vielleicht etwas mehr als 160 Kilometer. Der Tag begann auch ganz schön, mit gemächlichem Verkehr und viel Platz um uns herum. Spätestens am (inzwischen schön ausgebauten) Kreuz Mannheim zog sich der Verkehr dann zu, es rollte aber noch. Diese Ballungsgebiete sind ja dafür bekannt, dass hier sehr viele Leute aus der Umgebung die Autobahn für Kurzstrecken benutzen (Quellverkehr) und zum normalen Langstrecken- oder Güterverkehr kommen noch wesentlich mehr Autos hinzu, was die Straßen verstopft. Früher konnte man sich auf der Autobahn nach Zeiten richten und es gab vor wenigen Jahren noch die Formel, dass nachts weniger los ist oder der Feierabendverkehr für besonders viel Verkehr sorgt. Auch gab es vor ein paar Jahren, als ich den Führerschein gemacht habe (1997) noch Autobahnen, die sehr frei waren und wo überhaupt niemand gefahren ist. Aber inzwischen scheint sich die Verkehrssituation exponentiell verschlimmert zu haben und wenn man sich das Aufkommen so anschaut, dann muss man ganz einfach sagen: Das Transportmittel Auto ist an seiner oberen Grenze angekommen, wenn es nicht mit diesem deutschen Autobahnnetz inzwischen ganz versagt hat.

Hohe Geschwindigkeiten können überhaupt nicht mehr gefahren werden, es ist ein Wunder, wenn man mal über 180 fahren kann- auf unserer Strecke vielleicht 5 Kilometer lang. Dadurch steht das Auto schon lange nicht mehr in echter Konkurrenz zum Zug, der hohe Geschwindigkeiten viel länger und sicherer halten kann und dabei noch kostengünstiger ist (wäre, wenn die dt. Bahn nicht ständig die Preise erhöhen würde).

Der Rest ist ein sehr enges Fahren mit 200 Metern Abstand zum nächsten Vordermann, eingeklemmt zwischen LKW, die munter überholen, dabei mehrere Spuren dicht machen und natürlich alle anderen Verkehrsrowdys, denen die neuen Strafen für dichtes Auffahren und Nötigung im Straßenverkehr anscheinend noch nicht zu Ohren gekommen sind (mein Tipp: hängt noch ne Null ran, dann wird es wirken). Und die Enge schürt natürlich die Aggressionen, weil sich jeder gegen den anderen abgrenzen möchte, was auf dem Gemeinwohl Autobahn nur sehr schlecht zu realisieren ist.

Der Aufwand des Fahrer beschränkt sich fast ausschließlich darauf, ständig Abstände und Geschwindigkeiten zu kontrollieren, auf plötzlich Einschwenkende Spurwechsler zu reagieren und alle Spiegel ständig im Blick zu haben. Das ist überdurchschnittlich anstrengend und wenn man am Ziel angekommen ist, hat man viel Kraft nur für die Fahrerei aufgebracht. Auch als Beifahrerin habe ich diesen Streß. Ich kontrolliere ständig den Straßenverkehr mit, mache auf Gefahr-Situationen aufmerksam oder bediene das Navigationsgerät. Wenn ich so in mich gehe, merke ich wie hoch mein Adrenalinspiegel ist und wie der Puls rast, in Gedanken fahre ich voll mit. Es gibt sogar Studien darüber, dass die nervliche Belastung für den Beifahrer höher als für den Fahrer selbst ist, was nicht zuletzt dadurch verschuldet ist, dass man die Gefahren zwar sieht, aber nicht wirklich eingreifen kann.

Zur Ruhe kommt man nicht oder nur dann, wenn der Verkehr langsam rollt, was er leider nur selten tut.

Zwei Nadelöhre unserer Reise waren das Kreuz Weinsberg, dass regelmäßig in den Verkehrsnachrichten ist und das beinahe unumgängliche Dreieck Leonberg bei Stuttgart.

Bei Weinsberg ging es gerade noch, aber spätestens beim Dreieck Leonberg hieß es dann: Runter vom Gas, hier geht nichts mehr. Das Tempo verlangsamte sich von 80 auf 50, auf 30, 20 und schließlich war es ganz aus. Stillstand. Stau. Enge. Warten.

Der hochtechnisierte Motor hat nichts zu tun. Das Benzin schwappt gelangweilt im Tank hin und her. Die Insassen, vor allem ich, atmen auf. Endlich, diese himmlische Ruhe. Keine Abriebgeräusche der Winterreifen mehr. Nur noch, abgasgetränkte Luft. Noch nicht mal das Fenster kann man aufmachen. Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und andere Gase kann man spüren, aber nicht riechen. Müdigkeit macht sich breit.

Ich werde schläfrig, kann mich nicht konzentrieren. Will mich wach halten, es geht nicht. Immer wieder prasselt der Regen gegen die Windschutzscheibe, dann wieder ein Sonnenstrahl. Bunte Blätter wehen uns entgegen. Hübsche deutsche Wälder gilt es zu bewundern. Und Ruhe.

40 km Stau. Nach ca. 20 Minuten kommen wir endlich zur 1,5 km entfernten und rettenden Ausfahrt.
Runter auf die Dörfer. Dem Navi blind folgend. Den Knoten umfahren.

Noch ca. 20 Minuten und wir sind endlich am Ziel unserer Reise angekommen. Kälte schlägt uns entgegen.

Nur raus, raus in die Nacht.

Die Mondoberfläche

Mittwoch, 14. Oktober 2009
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Passender Song zum Text: Hotel California

Ich gehe durch die Felder, durch die Weiten einer Mondoberfläche. Braune, inhaltsleere und in Reih und Glied sortierte Erdklumpen lachen mich an. Nur vereinzelte Grashalme trauen sich, die Disziplin dieser Regelmäßigkeit zu durchbrechen.

Noch mutiger sind die wenigen Blumen, die sich dazwischen mischen. Unscheinbare Blumen, mit kleinen blauen Blüten. Das bunte Blättermeer überwiegt – und der kalte Wind. Saftig rote Hagebuttenbeeren warten darauf, vom Passanten gepflückt und probiert zu werden. Als Kinder haben wir Juckpulver daraus gewonnen.

Hier ist niemand, nur durch eine weit entfernte Autostraße bekomme ich mit, dass es da draußen noch eine andere Welt gibt, für die es sich zu hetzen lohnt. Ich habe keine Lust auf diese Welt, meine leise Welt gefällt mir viel besser. Diese Welt ist frei von Hass, von Anfeindungen, Neid und Intoleranz.

Die Natur scheint stehengeblieben zu sein. Das kleine Dorf mit den wenigen Einwohnern liegt ganz ruhig in der Senke, nur aus einzelnen Schornsteinen steigt emsig der Rauch. Menschen sind hier nicht zu sehen, die meisten sind bei der Arbeit oder sitzen drinnen vor einem warmen Ofen und lesen ein Buch.

Auch das Schaf, dass mich die letzten Tage noch freudig begrüßt hat, sehe ich heute nicht. Ganz allein steht es da Tag für Tag auf der Wiese, ganz alleine, dabei ist es noch nicht einmal schwarz.

Die Pferde durften sich auf dem Rücken des kleinen Weidehügels sonnen und schauten hin und wieder vom Kauen auf und betrachteten aufmerksam die schnell laufende Spaziergängerin mit dem kleinen Hund.

Aber heute- sehe ich auch keine Pferde mehr. Der Anhänger vor ihrem Stall steht noch immer, unbewegt und nur die kleine Klappe steht seit Tagen offen, so dass ich immer zuerst denke, da tut sich was.

Aber die Zeit steht still, hier auf dem Land.

Als ich an der Spitze des Hügels ankomme und von der Steigung etwas außer Atem bin, halte ich kurz an und überblicke die ganze Landschaft- wie eine sanfte Welle ergießt sie sich über die Erde. In der Ferne die weißen Riesen, die die Windenergie einfangen und für den Menschen nutzbar machen sollen. Groß, anmutig, weiß und gut- aber doch nicht geliebt und von noch mächtigeren Brüdern an die Ecke gedrängt und klein gehalten. Man sieht die Zukunft, in den Köpfen die Vergangenheit.

Es ist hier wie im Mittelalter, denke man sich die Überlandleitungen und die Arbeiten aus Beton oder Metall einfach mal weg.

Mittelalter im tiefsten Germanien.

In dem Land, das schon immer etwas kritisch gegenüber der Einwanderungsthematik gesinnt war. Ein Land, dass allen Aufklärungskampagnen und Gutmenschen zum Trotz den Ruf hat, rassistisch zu sein. Ist es das selbe Land, von dem wir hier reden? Das Land unserer Väter und Mütter? Ist es das Land, das wir lieben? Oder benutzen wir unser Land nur zu unserem Vorteil und um uns zu profilieren?

In der Nachbarschaft habe ich heute einen kleinen schwarzen Jungen gesehen. Er gehört zu einer größeren Gruppe von Afrikanern, die in diesen Tagen eingezogen sind und sich über das Dach über dem Kopf freuen, was ihnen die Gemeinde zur Verfügung stellt. Der andere nette Nachbar mit seinem Traktor hat beim Umzug geholfen, ein anderer, ein Handwerker schaute nach dem Rechten. Hier ist die Welt noch in Ordnung, auf meiner kleinen Mondoberfläche.

Ich schaue nach oben und sehe eine keilförmige Formation von Vögeln. Sie schreien, sie rufen sich bei dem Namen, sie treffen und sammeln sich. Sie fliegen in den Süden.

Die Vögel halten zusammen.

Und – sie sehen glücklich aus.

Gefangen im Netz

Mittwoch, 16. September 2009
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Nun, ich sehe die Fakten eindeutig vor mir: Ich werde mein Blog-Karriere aufgeben müssen, denn ich bin nun ein erfolgreiches Mitglied der größten Mafia der Welt.

Links, die Anzeige mit meinen “Live-Besuchern” des Blogs, auf der rechten Seite der tickende Timer von Mafia Wars, dem beliebten Spiel auf Facebook, bei dem ich mich vor ein paar Tagen wegen einer seltsamen Mischung aus Langeweile und Neugierde registriert habe.

Auf der linken Seite ist Stillstand, manchmal kommt stundenlang kein neuer Besucher auf mein Blog mit den politischen und sozialen Aussagen. Mein Blog, mein geliebtes Blog, das ich so liebe und verehre und dass mir schon viel geholfen hat. Mit dem ich aber nie ein breites Publikum ansprechen oder erreichen konnte.

Auf der rechten Seite ist es ganz anders, da pulsiert das Leben, das echte Leben möchte man meinen. Im geöffneten Facebook-Fenster  prasseln die Freundschaftsanfragen im Minutentakt auf mich ein, ich verwalte meinen virtuellen Avatar und knobel’ mich durch die abgefahrensten Browser-Spielchen. Auf drei hab ich mich eingelassen, dass muss erstmal reichen, aber im Grunde spiele ich nur “FarmVille” und “Mafia Wars“. Die Spiele sind von der gleichen Firma, aber sehr unterschiedlich aufgebaut.

In Mafia Wars geht es darum, mit virtuellen Punkten im Wesentlichen “Jobs” und “Kämpfe” zu erledigen. Vor allem der Energie-Faktor ist wichtig, weil man hier nur eine begrenzte Menge hat, um Aufgaben zu erfüllen.

Dieser Punktestand (bei mir sind es auf Level 14 gerade mal 40) ist quasi das Guthaben, dass man in Aktionen umsetzen kann, dazu kommt noch der klassische Geldfaktor und der Ausdauer-Balken, der für die Kämpfe wichtig ist (je mehr, desto öfters kann man kämpfen).

Die Story ist schnell erzählt, es gibt eigentlich keine, denn es ist ein Browserspiel. Es gibt nur ein “Setting”, also ein grober Hintergrund, auf dem die Thematik angesiedelt ist. Das meiste muss man sich selbst erzählen und diese Spiele leben auch mehr von der interaktiven Dynamik. Die eigentliche Spiel-Engine ist zum Vergleich zu klassischen PC-Spielen sehr dürr und im Grunde vernachlässigbar.

Hier geht es nicht um Spannungskurven, um technisch und dramaturgisch aufwändige, interaktive Meisterwerke, die mit Kinofilmen Schritt halten können oder sie gar übertreffen.

Nein, die FB-Spiele sind eine Art “Tool” für den modernen Menschen. Man loggt sich ins FB ein. Man “addet” neue Freunde, man nimmt virtuelle Geschenke an oder verteilt welche, man klickt sich durch die diversen Jobs und Aufträge. Das virtuelle Geld vermehrt sich, man lernt neue Menschen kennen. Der Kreis ist geschlossen.

FB ist im Grunde ein Betriebssystem im Browser, sehr klein, aber doch mächtig und vor allem auf der Basis von Millionen Nutzern. Nach dieser Meldung zu urteilen, wurde die weltweite 300 Millionen Marke überschritten, dennoch ist es anscheinend schwer, in einen positiven “Cash-Flow” zu kommen.1

So wundert es auch nicht, dass man nach kurzer Zeit der Spielerei das eigentliche Geschäftsmodell in Mafia Wars entdeckt: Mit speziellen Bonuspunkten kann man sich zusätzliche Items und Gegenstände kaufen. Diese Bonuspunkte bekommt man aber nur, wenn man Geld bezahlt oder bestimmte (wahrscheinlich meistens kostenpflichtige) Angebote, Gewinnspiele, Umfragen z.B. fürs Mobiltelefon annimmt.

Indirekt ist daraus zu schließen, dass die Spiele absichtlich auf einen Sucht-Faktor ausgelegt sind und die Spiel-Erfahrung bestätigt diesen Verdacht.

Wer andere ständig übertreffen will und sich mit ihnen misst, wird bald in Versuchung kommen, diese Extra- Punkte für echtes Geld zu kaufen (Einstieg in die Spielsucht!) . Wer aber damit umgehen kann, widersteht der Versuchung und spielt nur ab und an und kauft nichts für Geld. Die Spielmechanik und die ständige Werbung und Anfragen, die man mit dem Spiel versenden kann, führt aber zu einer “Massen-Verseuchung” der Profil-Seiten, vor denen man sich nur schwer schützen kann.

Die eigentliche Spielmechanik ist im Grunde schnell erschöpft (so wundert es auch ein wenig, dass dieses Spiel süchtig machen kann) und mit der Zeit erkennt man einen weiteren, “sozialen Sinn” im Spiel: Man fängt an, sich für die anderen Mafia-Mitglieder zu interessieren. Um bestimmte Aufträge zu erfüllen, braucht man eine bestimmte Mafia-Größe. Dieser bekommt man nur, wenn man wildfremden Personen Freundschafts- und Mafia Wars Anfragen sendet.

Diese bestätigen das dann im Idealfall und schon füllt sich der Pegel mit der Freundesanzahl. Hin und wieder kommt man in Verlockung, sich die Profile und Fotos der Gegenüber anzuschauen oder zu kommentieren. Vielleicht schickt man auch eine private Nachricht.

Es fällt aber auf, dass die meisten öffentlichen Profile nicht sehr viel Preis geben. Die negative Berichterstattung über solche sozialen Dienste hat wohl schon Früchte getragen und in Regelmäßigkeit tauchen neue Horror-Geschichten auf (vor allem, dass jemand wegen FB seinen Job verliert oder keinen bekommt).

Letztendlich ist es so, dass ich auf der rechten Seite viele Menschen hab, die ich nur wenig kenne. Die linke Seite mit dem Blog ist ganz anders, die linke Seite bin ich, ist meine private Gedanken- und Meinungswelt, nur manchmal garniert mit der Meinung von anderen.

Die rechte Seite ist die Öffentlichkeit, aber auch die Unendlichkeit. Es ist wie ein Bummel durch die Stadt. Man sieht viele Gesichter, manche sehen nett aus, andere nicht. Manche sind langweillig, andere will man näher kennenlernen. In der Stadt hat man wenig Möglichkeiten und vielleicht viele Hemmungen. Im Grunde kann ich auf der rechten Seite dafür sorgen, dass mehr auf die linke Seite kommen und sich mit mir beschäftigen (bzw. ich mit ihnen).

In Facebook kann man sehr einfach eine “private Nachricht” schicken. Und wer weiß, vielleicht wird aus dem gemeinsamen Spiel ja mal eine gemeinsame Freundschaft? Gemeinsamkeiten haben schon immer Menschen zusammengebracht.

Oder alle gehen wieder ihren Weg und schauen einsam raus in die dunkle, kalte Nacht… in die ständige, dunkle Nacht des Internets.


Anmerkungen:
  1.   300 Millionen Nutzer (via http://twitter.com/i_am_fabs ) []