Der Frühling- im Jahr 2160

Lange hatte er sich versteckt, man meinte, er wäre völlig verloren gegangen. Ein halbes Jahr hatten wir ihn nicht gesehen, uns innerlich von ihm verabschiedet- uns auf Dunkelheit, Nass und Grau eingestellt. Dann- mit einmal- brach er aus seinem Versteck und überfiel uns innerhalb weniger Stunden. Das Thermometer kletterte stündlich bis zur Mittagsstunde und mit der Zeitumstellung hatte der Tag plötzlich eine Stunde länger Licht als sonst. Alles ging sehr schnell. Wie ein gut geplanter, strategisch geplanter Feldzug einer Großmacht, waren die Armeen der Dunkelheit wehrlos gegen diese Breitseite aus Sonne, Wärme und guter Laune. Doch er hatte auch seine Nachteile im Gepäck: Der Staub und Dreck, der sich im Winter überall angesammelt und abgelagert hatte, wurde nun deutlich sichtbar. Die Fenster glichen einer großen Tarnnetz aus Schmutz und Erdfarben, die Fensterbänke lagen versunken in einem Meer aus Staubpartikeln der angrenzenden Baustelle. Die Sonne zeigte uns dieses Bild nun sehr deutlich und niemand konnte sich noch davor verstecken.


Riesige Hochleistungsstrahler mit mehreren Millionen Watt wurden alle gleichzeitig angeknipst und Frau Sonne machte mal wieder deutlich, wer hier eigentlich das Sagen hatte. Es ging schnell, sehr schnell. Es wurden jeden Tag wärmer. Zuerst waren es nur 8, dann 15 und am nächsten Tag schon 20 Grad über Null. Die Hummeln fingen an zu fliegen, man konnte Schmetterlinge durch die Luft zirkulieren sehen. Das Unkraut schoss mit einer Mordskraft aus den Boden und war auch mit Chemie nicht mehr zu bremsen.

Am nächsten Tag waren es bereits 25 und die Menschen fingen an, sich zu wundern. Als es dann Mitte April 30 Grad war, freuten sich viele über die „Badesaison“ und dass der Eismann schon überall herum fuhr und die köstliche Süßspeise verteilte. Die Menschen in den Städten schwitzten mehr als die Landbewohner. Vor allem in den Häuserschluchten und Dachwohnungen machte sich drückende Hitze breit. Das Wetter schlug auf den Kreislauf, Menschen, vor allem ältere, brachen zusammen und mussten ins Krankenhaus. Innerhalb von zwei Wochen war das Wetter von minus 5 auf plus 35 geklettert und dieser krasse Wechsel hinterließ seine Spuren.

Es wurde immer heißer und hörte nicht mehr auf. Nur noch die Reichen konnten es sich leisten, mit dem Auto zu fahren, denn die Spritpreise lagen bei über 40 € pro Liter und machten das einstige private Massenvergnügen Auto zu einem Premium-Dienst für Privilegierte. Die Masse drängte sich in Busse und Straßenbahnen- die auf Grund der hohen Auslastung- auch an ihre Grenzen getrieben wurden.

Die Erdbevölkerung war massiv angestiegen und betrug nun 25 Milliarden Menschen. Es wurde eng auf dem einstigen, ruhigen blauen Planeten. Der Lebensraum war so eng, dass immer mehr Tierarten gegessen, verkauft und ausgerottet wurden. Wälder konnte man meistens nur noch mit Eintrittskarte am Wochenende besuchen und wenn, dann gab es überall Überwachungskameras, die peinlichst genau aufpassten, dass niemand seinen Müll fallen ließ oder einen Ast abbrach.

Die Temperatur der Ozeane war im Schnitt seit der Jahrtausendwende um 10 Grad gestiegen, die meisten Eisberge und Gletscher gab es nicht mehr. Die Wüsten in Afrika und anderen Kontinenten hatten sich ausgedehnt. Europa war nicht mehr der fruchtbare Boden, auf den man einst so stolz gewesen war. Es gab nur noch wenig Ackerbau, der vollständig staatlich kontrolliert wurde. Man machte hingegen viel Erfahrung mit gen-veränderten Lebensmitteln und der Alltag musste mit synthetisch hergestellten, oder billig reproduzierbaren und anspruchslosen Massen-Lebensmitteln gedeckt werden. Vitamine bekam man meistens auf Rezept und jeder Arzt konnte auf dem Gesundheitschip die aktuellen Biowerte abfragen und ggf. durch Medikamente nachjustieren.

Die Menschen hatten sich daran gewöhnt. Nur manchmal- bei einem Besuch im Museum, oder dem Schauen einer Reportage über das Jahr 2009 bekamen die Zuschauer ein wehmütiges Gefühl und überlegten, wie gut es die Menschen damals noch gehabt haben…




Die Erd-Mission 2

—– hier geht´s zum ersten Teil —–

Es dauerte nicht lang und das Expeditionsraumschiff war über dem Himmel von Tibet angekommen. Die Mannschaft drückte sich die Nase an den Panorama-Fenstern platt und stürzten die mitgereiste Putzfrau angesichts der vielen Abdrücke auf der Scheibe in eine tiefe Sinnkrise. „Da- ich kann einen Berg sehen“ rief der Wissenschaftler.. „ich sehe Schnee, oh ich liebe Schnee!“ freute sich die Praktikantin. „Ob wir auch den Dalai Lama treffen werden?“ fragte sich der Ethik-Beauftragte Moses Petemal und setzte die Stirn in Falten. Das hatte er schon oft gemacht, denn seine Stirn war tief zerfurcht von Zweifel- und Sorgenfalten.

„Nun Kinder, jetzt ist es also gleich soweit…“ der Kapitän erhob sich vom Stuhl, räusperte sich und wollte eine kleine Ansprache halten. Seine Haare waren schon etwas licht auf der oberen Schädelhälfte, aber gekonnt kämmte er die Haare so, dass es niemanden auffiel. Ein wenig Gel noch und sie hielten garantiert den ganzen Tag lang. Er war stets bedacht, seine beste Seite zu präsentieren, schließlich war er der Chef und durfte keine Schwachstellen zeigen. Ihm war klar, dass er das unangetastete Vorbild für seine Mannschaft war und diese Rolle liebte er.

„Jetzt muss ich nochmal fragen: Hat jeder von euch seine Ausrüstung gepackt? Tarnschilde dabei? PDA-Geräte? Energie-Ration für die ersten beiden Wochen? Sprechgeräte?“

„Mein Nahrungsreplikator hat in der letzten Zeit etwas gesponnen“ warf die Praktikantin ein „ich weiß nicht, woran das liegt, ob nochmal jemand danach schauen könnte? Egal was ich mache, es kommen immer nur Münchner Weißwürste und Brezeln dabei heraus.. dabei bin ich doch eigentlich Vegetarierin! Urgs!“

„Kein Problem, ich bin ja auch dabei..“ Oberschlau grinste schon wieder und näherte sich etwas der jungen Frau. Er hatte leichten Mundgeruch, wie ihr jetzt auffiel. Etwas angeekelt von dem großen, rotblonden Mann machte sie einen Schritt zur Seite. „Zeig mir das Ding doch mal“. Die Praktikantin übergab ihm das kleine, brieftaschengroße Gerät und seufzte. „Hier, kannst ja mal schauen…“

„So, nachdem das geklärt ist- gibt es noch Fragen?“ Der Chef schaute in die Runde. Niemand bewegte sich, nur die Köpfe schüttelten sich leicht.

„Der Leiter der Außenmission wird Herr Oberschlau, vertreten durch Kolbenumdreh. Kinder, ich möchte, dass ihr auf die beiden hört, okay? Ich kann euch leider nicht begleiten, weil ich noch Papierkram erledigen muss, aber in ca. einer Woche komme ich dann nach. Ihr habt die Funkgeräte dabei, ich möchte regelmäßige Meldungen hören, okay?

„Ja Chef. “ Die siebenköpfige Mannschaft bestätigte im Chor. Dann meldeten sie sich ab und gingen im Gänsemarsch- streng nach Dienstgrad geordnet- zur Shuttle-Station.

Als sie sich alle in das winzige Schiffchen gezwängt hatten, startete der Navigator und sie segelten geräuschlos und ungesehen zur Erde. Die Technik der Außerirdischen war sehr weit entwickelt. Es war ihnen sogar möglich, ihr Äußeres derart anzupassen, dass sie den Menschen ähnelten. Dazu mussten sie noch ein paar Einstellungen am Raumanzug vornehmen und ein Mischbild- das aus gesammelten Daten über Kleidungsstile und Aussehen von Millionen Menschen generiert wurde- legte sich wie ein Hologramm über ihren eigentlichen Körper. Durch modernste Multiflex-Fasern konnte der Anzug Fasern und Beschaffenheit derart umprogrammieren, das sie auch bei Berührung nicht von Menschen zu unterscheiden waren. Allerdings hing der Erfolg vom Computerprogramm ab und dies war erst Version 1.0. Kolbenumdreh hatte noch auf der Reise daran herum experimentiert und der Mathematiker Prof. Thorben Wurzeltreu hatte ihm dabei geholfen.

Alles in allem waren sie mit dem Ergebnis zufrieden. Über Menschen wussten sie nicht viel, so dass jeder erstmal ein Zufallsprogramm startete.

„Ey hübsch hübsch“ Kalle Oberschlau grinste mal wieder und sah sich den Wissenschaftler an „wie mir scheint, ist aus dir Grünling ein echter Dunkelhäutiger geworden! Steht dir gut. nur die Lippen finde ich etwas übertrieben. Da würde ich noch dran rumstellen.“ Möbius blickte in den kleinen Spiegel, der auf der Innenseite der Gürteltasche befestigt war und musterte sein Gesicht „Ja du hast recht, Moment ich verändere den Parameter… so besser?“. Auch die Stimme wurde jetzt eine Oktave tiefer und nahm die natürliche Lage eines 90 kg schweren Erdling- Mannes an.

„Viel besser….“ die Lippen verkleinerten sich augenblicklich.. auch die anderen Körperteile konnte man in Echtzeit noch verstellen. (was mitunter missbraucht wurde..bei manchen Sachen brauchte man ein Passwort)

Die anderen Mitglieder waren mit ihrem Aussehen ebenfalls recht zufrieden und konfigurierten die Tarnprogramme. Über Menschen wusste man nicht viel, so dass das Ganze ein Rätselraten war. Man musste den Daten des Computers trauen und hoffen, dass genügend Parameter gemischt und berechnet wurden.

Nach ca. einer Stunde Flug kamen sie endlich auf der Erde an und landeten das Mini-Schiff abseits der Zivilisation auf dem Plateau eines größeren Berges. Sie verließen das Shuttle und blinzelten in die Sonne. Die Steine knirschten unter ihren Stiefeln, als sie ein paar Schritte gingen.

„Ah fast wie zu Hause!“ die Praktikantin freute sich. „Und schaut mal, der viele Schnee auf den Wipfeln. Hach ist das schön.“

„Nun, lasst uns losgehen, bis zum nächsten Dorf ist es bestimmt noch eine Stunde Fußmarsch“. Kolbenumdreh hantierte mit dem PDA und richtete die Koordinaten nach Norden aus.

Die Mannschaft folgte seinen Worten und so machten sie sich alle auf den Weg.




Die Erd-Mission

Außerirdische blicken auf unsere Welt

Mit ihrem kleinen Expeditionsschiff hatten sie die weite Strecke bis zur Erde endlich hinter sich gebracht. Ihre Langstreckensensoren waren sehr stark und zuverlässig und den Menschlichen weit voraus. Schon vor ein paar (irdischen) Jahrhunderten hatten sie unseren Planeten entdeckt, und da er nun mal nur einer unter vielen war, beschloss man, die lange Reise von einem Team aus Wissenschaftlern und Piloten-Neulingen machen zu lassen, die dabei ihren ersten Orden verdienen konnten.

An diesem sonnigen Frühlings-Montag kreisten sie also mit aktivierten Tarnschild über unserem Luftraum und verschafften sich einen ersten Überblick über unsere Spezies. Die Radioempfänger waren dank Auto-Kalibrierung und Übersetzungsprogrammen schnell auf die menschlichen Frequenzen eingestellt und nach kurzer Zeit kamen die ersten Botschaften aus den Lautsprechern. „Ah sieh an“ sagte der Käptn Pius Hiergehtslang „mir scheint, die große Kulturleistung der Erdlinge sind Werbung und Gewinnspiele…“ er lauschte andächtig den hastigen Worten der Radio-Moderatoren. „Nicht zu vergessen die vielen einzigartigen Werbeblöcke“ fügte sein erster Offizier Kalle Oberschlau hinzu. „Die Menschheit ist besessen von den vielen Einspielern, man räumt jedem Sender 240 Minuten Werbung am Tag ein, die Menschen lieben das“.

„Es ist auch eine interessante Form des Schauspiels, das muss ich schon sagen. Mir scheint, hier werden Wünsche und Ideale projiziert…“ der Kapitän grübelte. Plötzlich wurde er vom Chef-Wissenschaftler Möbius Kolbenumdreh unterbrochen: „Chef Chef, ich messe einen gravierenden Anstieg von Sonnenenergie auf allen Seiten des Schiffs.. wir mir scheint, die Menschen haben eine seltsame Substanz in den Weltraum gepumpt, um mehr Sonnenlicht rein zulassen.. Vor allem über Australien war das zu beobachten.“

„Ah, das muss dieses seltsame FCKW sein, von dem unsere Lehrbücher schon berichtet hatten.. ja das machen die wohl, um sich besser bräunen zu können. Fahr doch mal die Sonnenschutzschilde hoch, okay?“

Pius Hiergehtslang drehte sich auf seinem knarzenden Pilotensessel ungeduldig hin und her und betrachtete weitere Anzeigen und Monitore.

Kolbenumdreh ließ nicht locker „zudem messe ich einen erhöhten Ausstoß von Kohlendioxid, je weiter wir uns dem europäischen Festland nähern.. komischerweise über Afrika hatten wir das noch nicht“, er drehte noch ein wenig am Messgerät, „nein, Tatsache, es wird immer mehr!“

„Woran das wohl liegt?“ Die Crew auf der Brücke schaute sich ein wenig ratlos an, jeder wartete, dass jemand anders eine Erklärung ablieferte. Kalle Oberschlau ließ sich die Ruhe nicht nehmen und nutzte sie für ein wenig Selbstdarstellung „Ach, habt ihr noch nicht bemerkt, dass diese komischen Blechkästen mit diesen lustigen, antiquierten Motoren den unsrigen ähnlich sehen, die wir in manch Technikmuseum anschauen konnten? Oder war hier von euch noch keiner im Technikmuseum?“ er spitzte die Lippen, lächelte dumm und fühlte sich sehr überlegen.

„Oh Mann, verschon uns mit deinen Weisheiten“.. die Mannschaft grummelte nur, aber er hatte wohl Recht.

„Ich finde es etwas seltsam“, sagte die Weltraumfahrer-Praktikantin etwas unbeholfen „dass die alle mit einem einzelnen Auto fahren und wenn ich den Scannern Glauben schenken darf, sitzt auch jedes mal nur ein einziges Lebenszeichen darin.. die Frage ist doch die, warum fahren die nicht in größeren Gruppen oder warum benutzen die nicht diese länglichen Wurstdinger auf den Schienen?“..

„Ach Marisa, das ist doch klar.“ wurde sie prompt von Kolbenumdreh unterbrochen „Diese länglichen Wurstdinger sind doch viel langsamer, tja und vielleicht verstehen sich die Menschen nicht oder das ist chic? Warum auch immer! Hast du nicht bemerkt, wie viel Waffenenergie und Rüstungsmaterial wir bereits jetzt vermessen haben? Die Menschheit ist auf Kampf und Zerstörung angelegt, das ist eine sehr kriegerische Rasse, wie mir scheint!“

Der Mathematiker, den sie – nur wegen des Protokolls und den Vorschriften- mitgenommen hatten, war ein eher stiller Mensch, aber eine Beobachtung hatte auch er gemacht. Vorsichtig unterbrach er die aufgebrachte Menge der Anwesenden… „hm also ich weiß nicht, ob es euch schon aufgefallen ist, aber gerade bei diesem Land“ , er tippte mit seinen dünnen Fingern auf den Monitor, „fällt mir auf, dass sehr viel mit rechten Winkeln gemacht wird.. schaut mal.. die Vorgärten, die Grundstücke, die Straßen, überall sind 90- Grad- Winkel.. was hat das zu bedeuten?“ Oberschlau grinste ihn dämlich an „Oh Mann, du Professor ist dir noch nicht aufgefallen, dass hier sogar die Mülltonnen im rechten Winkel an der Straße stehen?? Das ist aber nur in einem einzigen Land so, in Deutschland. Hier hat man anscheinend die Feststellung gemacht, dass die Mülltonnen besser geleert werden, wenn sie rechtwinklig stehen und die Gärten lassen sich leichter mähen so.. das ist doch klar! Au-gen-schein-lich!“.

„Ihr habt schon recht, mit dem was ihr sagt….“ der Kapitän grübelte noch etwas. So wie es schien, gefiel ihm die Mission bis jetzt noch nicht. Er war etwas genervt, dass seine Mannschaft so viele Antworten auf Fragen hatte, von denen ihm noch nichtmal die Fragen eingefallen wären. „Ach Kinder, also mir reicht es jetzt… ich will jetzt mal die Erdlinge in natura sehen und nicht soviel herum spekulieren.. Navigator!“ er hob die Stimme „Auf zum nächsten Landeplatz… lande uns irgendwo, wo es keinen Krieg gibt, wo die Menschen friedlich sind und noch einen Glauben haben und keine Umweltverschmutzung!“… der Navigator fummelte kurz am Rechner.. „Moment…. hier ist ein Ort.. ja das könnte klappen… er heißt „Tibet“ “ Zumindest sagt uns das Computerarchiv von 1900 so. Ich weiß nicht, vielleicht hat sich zwischendurch was geändert? Manche Datensätze haben wir noch nicht upgraden können…Sollen wir das jetzt noch machen?“

„Papperlapp.. Kurs eingeben und ansteuern!“ Der Kapitän zeigte mit dem Zeigefinger nach vorne und freute sich sehr auf seinen ersten Landgang.

—– hier geht´s zum zweiten Teil —–




Verliebt & Erwischt

Verliebt

Im Grunde habe ich es ja schon lange gewusst. Dieser Mensch ist einfach etwas Besonderes. Er war mir von Anfang an aufgefallen, die Haare so duftend, das Gesicht so rund und weich, der Gang geschmeidig. In jeder Zelle ihres Körper pulsiert das Leben, eine geheimnisvolle Aura umstrahlt ihre Haut. Und wenn sie erst ihren Mund aufmacht! Leute, das müsst ihr mal hören. Da ist kein Raum für blödes Gelaber…. Dieser Mensch ist Anmut in Person!

Kein Wunder, dass ich sie so liebe. Sie hat Verstand, politische Bildung und Intellekt. Sie kennt die meisten Filme, hat einen guten Geschmack, kann kochen und ist gut im Bett.

Ich liebe diese Frau. Männer sind immer so kantig, hart, haarig und grob. Frauen haben diesen Sinn fürs Feine, eine musikalische Ader vielleicht oder literarischen Geschmack. Ständig ist sie in dieser bezaubernden melancholischen Stimmung, macht etwas aus ihrem Leben, macht sich rar, verschenkt sich nicht. Ist selbstständig, selbstbewusst und hat gute Manieren. Sie lässt sich nichts sagen, hat eine eigene Meinung und besteht auf dem Prinzip Gerechtigkeit und Fairness.

Ich liebe diese Frau.

Sie ist fantastisch, sie hat alles, was ich möchte, ich hab es schon gesagt. Schaut euch diesen Körper an, gestylt, trainiert und gelenkig. Kein Alter, keine Wunden, die Reinheit in Perfektion! Und dieser Augenausdruck, das romantische und verspielte, es ist einfach hinreißend! Moment mal, die Augenbraue da kommt mir bekannt vor und auch diesen Mitesser habe ich schonmal gesehen… sieh an, diese Strähne, die kenne ich doch.

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Erwischt
Lange hatte er gewartet. Diesen einen Moment genau abgepasst. Er hatte heimlich auf sie gewartet, ihre Bewegungen genaustens studiert, sich bei ihr eingeschleimt, ein paar Späher losgeschickt. Er wollte alles über sie erfahren und er war sicher, inzwischen wusste er das Wichtigste. Wie ein Tier hatte er Fallen aufgestellt, sie eingekreist, wie ein Jäger hatte er Schaum im Mund und konnte es nicht mehr erwarten.

Heute war der Tag endlich gekommen, der Tag an dem seine Bosheit auf die Erde niederfahren sollte. Er freute sich, rieb sich die Hände und konnte sich kaum noch halten vor Geilheit.

Er ging in sich, entfaltete seinen Plan, schob die volle Kraft in seine Pläne und legte los. Nach wenigen Stunden hatte er erstes Land erobert und war endlich in ihrer Nähe, endlich sichtbar. Endlich wurde er beachtet!

Sie krümmte sich vor Schmerzen und fluchte laut, was seine positiven Emotionen noch mehr beflügelte. Schnell breitete er sich aus und machte sich un-umkehrbar. Nun würde sie sein sein, niemand käme mehr an sie heran, endlich hatte er sie für sich! So entstellt wollte niemand was mit ihr zu tun haben und er war am Ziel!

Der Mann in Weiß wich von ihrem Körper zurück und dachte kurz nach. Dann räusperte er sich und sprach:

„Ein eindeutiger Fall von Herpes Simplex, Frau W.. Ich verschreibe ihnen eine Salbe. Achten sie in Zukunft auf ihr Immunsystem.“




Sehnsucht

Stunde um Stunde hatte sie jetzt am Computer gesessen und Seite um Seite im Internet angeklickt. Sie war von einer Shopping-Seite auf die nächste gesurft, ständig dabei, die Preise zu vergleichen und zu überlegen, wo es noch etwas günstiger gewesen sein könnte. Nebenbei hörte sie innerlich Musik und hatte einen großen Spaß daran, die technischen und ästhetischen Details aller Produkte zu untersuchen, auf die so gestoßen war. Egal welche Produktgruppe, in dieser Woche hatte sie irgendwie an allem Gefallen. Ob das nun exquisite Kleidung, teure Möbel, aufwändige Bilder, geniale Mp3-Player oder andere Spielereien für den Computer waren. Ständig entdeckte sie was Neues und stellte sich vor, ihr eigenes Zimmer, das Haus oder gar das ganze Leben mit diesen Dingen einzurichten. Was würden die anderen sagen, wenn sie das gekauft hätte? Würde sie bewundert und geachtet werden? Welches Produkt würde sie benötigen, um ihren Ruf zu verbessern? Wo gäbe es am meisten Beifall, wo den meisten Neid? Welches Produkt würde man kaufen müssen, um den anderen zu beeindrucken, zu gefallen oder zu schmeicheln?

Welche Rolle würde sie spielen wollen, auf welche Farbe hatte sie gerade Lust, welches Gimmick fehlte noch in ihrem Leben? Im Moment war sie bereit für Neues, und wollte alles zusammen, das merkte sie ganz klar.

Sie träumte sich auf diese Weise ihr Leben bunt und verbrachte Stunden und Tage in diesen Welten. Im Geist war ihr ganzes Leben auf diese Weise verbracht und ausgestattet. Viele nette Menschen würde sie treffen, fröhliche Gespräche führen und endlich mal wieder in der wärmenden Sonne spazieren gehen.

Sie würde sich vielleicht neu verlieben, einen netten Mann kennenlernen. Für ihn würde sie sich sehr hübsch machen und nur die feinsten Stoffe verwenden. Mit ihrem neuen Handy würde sie ihn anrufen, in der neuen Lederhandtasche ihr Handy verstauen, den neusten Lippenstift in pink für ihre natürliche Aura verwenden.

In einer stillen Nacht würde sie ihn mit dem neusten Duft verführen, herzlich umarmen und innig küssen, nur um dann ganz leise in seine Hosentasche zu greifen und sein Portmonai zu entlocken.

Von dem auf diese Art und Weise gewonnenen Geld würde sie sich endlich neue Massivholz-Möbel kaufen- oder wer weiß, vielleicht gleich ein neues Haus? Ein hübsches, am Strand. Ein gemütliches in den Bergen. Oder beide? Dazu ein Auto, ein neues. Im glänzenden Rot, vielleicht in Schwarz. Es hätte einen guten Motor, zuverlässig und stark. Ihr perfekter Begleiter für weitere Abenteuer in der Nacht.

Ihr Aussehen würde sie bei der Kosmetikerin verbessern, beim Friseur die Haare stylen lassen und letztendlich bei ihrer privaten Psychologin die Sorgen abstellen.

Wenn das alles nicht helfen würde, würde sie ein paar von diesen Pillen im Internet bestellen. Die würden die Welt bestimmt sehr schön machen. Da war sie sich sicher.

Und wie sie gerade so am Sinnieren war, da kam jemand von hinten und legte ihr die Hand auf die Schulter „So Frau W. nun wird es aber Zeit…“

Es war die Gefängnis-Wärterin. Sie forderte die junge Frau auf, den Gemeinschafts-Computer zu verlassen und wieder in ihre Zelle zurückzukehren.

Leise seuftze sie, als sie sich vom Stuhl erhob. Vielleicht im nächsten Leben..




Die Bleifigur

Mit einmal wurde es Winter. So schnell wie nie hatte sich das Wetter verlagert, im Grunde war es einfach umgekippt wie ein toter Fisch. Ein paar Sonnenstrahlen im August, nur um dann in ewige Monotonie und Gleichgültigkeit zu verfallen.

Der Regen weinte seine Sorgen aus sich heraus.

Die junge Frau hatte sich- wie immer- soviel vorgenommen, aber letztendlich zog sich der Tag doch eher wie altes Kaugummi, denn wie frisches junges Gras.

Die Deutschen war wieder deutsch, perfekt bis in letzte Detail, genau, streng, langweilig. Die Nachbarn waren zurückgezogen, die Anrufe blieben spärlich, im Radio wurde dummes Zeug erzählt und auf übertrieben lustig gemacht. Die Leute im Radio waren so wie ewig im Karneval, kaum vorstellbar, dass sie sich nicht verstellten und tatsächlich immer so lustig und potent sein konnten.

In ihrem eigenen Leben war doch so vieles anderes, wie dieses Wunschdenken und diese Ideale, von denen sie so umgeben war. Und genau das war der Punkt, der sie unglücklich machte, nicht die alleinige Tatsache, dass sie vielleicht etwas einzelgängerisch oder auch sonst schwierig im Umgang war. Sie war einfach nicht so perfekt, wie die Medien sie haben wollten. Sie hatte Ecken und Kanten, sie war schwierig, bockig, störrisch, selbstsicher, eigensinnig und wenig anpassungsfähig. Zum modernen, schnelllebigen und sozialen Leben passte sie einfach nicht, sie war mehr ein Relikt aus alter Zeit, wo der Glauben noch eine Bedeutung für die Menschen hatte, wo es langsamer und gemächlicher zuging, Frauen zu Hause waren und sich meistens nur um Kinder und Haushalt kümmerten.

In dieser Zeit hätte sie sich wohl gefühlt, da wäre sie heimisch gewesen. Aber mit dieser modernen Zeit konnte sie nur wenig anfangen, so wenig wie ein Auto im Meer. Es versank einfach, sie versank, immer trauriger und dunkler wurde es um sie herum. Sie versuchte den beginnenden mentalen Zerfall und ihren Alters-Stursinn mit strikten Gedanken und Strenge sich selbst gegenüber abzuwenden, aber es gelang nicht. Je mehr sie sich bemühte, desto schlimmer wurde es. Sie verhaspelte sich in ihren eigenen Zwängen, in ihrem eigenen Unvermögen. In ihrem Kopf ging es rauf und runter, die schönste Achterbahnfahrt, eine Welt voll Leben. Doch außerhalb dieses Kopfes war nichts mehr, nur Stille, dicke Wände, Beton, weite Felder und letztendlich das weite Weltall.

Wie sie so über alles und vor allem sich selbst nachdachte, wurde sie immer trauriger, ein tiefer lang gezogener Schmerz durchzog ihre Brust, breitete sich wie warmes Wasser über den ganzen Körper aus, belegte die Zunge und drückte von innen gegen die Augen. In diesem Moment fühlte sie sich wie Blei, wie eine aus Blei gegossene Figur, die man sich ins Regal stellt. Dort konnte sie hübsch stehen, von anderen nicht beachtet werden und darauf warten, dass der Staub ihren Kopf bedeckte und die Zeit sie langsam vergessen konnte.

Immer wieder dachte sie, ob es nichts gäbe, was diesen Verfall aufhalten könnte, irgendein Zaubermittel, ein Gegengift gegen den schleichenden Wahnsinn, gegen den wachsenden Egoismus, gegen ihre stille Zufriedenheit auch vor dem Fernseher ein glückliches und erfülltes Leben führen zu können?

Sie dachte daran, wie sie jung war, wie anders ihr Leben dort gewesen war. Und verachtete sich gleichzeitig, so einen dummen Gedanken gehabt zu haben, wo sie doch auch selbst noch jung war und eigentlich in der Blüte ihres Lebens zu stehen gehabt hätte!

Was hatte sie schon für Ziele? Gab es so was überhaupt? Hatte sie je Ziele gehabt???

In einer Box kramte sie in alten Fotos, damals- als sie noch hübsch gewesen war. Sie sah ihren eigenen Augenausdruck, die Ziele und Wünsche- damals konnte man sie sehr deutlich sehen. Ihre Augen funkelten beinahe, das ganze Feuer der Leidenschaft und des Verlangens drangen aus ihnen und machten ihr nun beinahe Angst.

Die Musik war die letzte Ader des Lebens, aus der sie noch ihre Energie bezog. Sie hatte aufgehört zu essen, aufgehört zu atmen, aufgehört zu denken- aber Musik konnte sie noch immer hören. Es war so, als ob dies die Quelle ihrer Seele sein müsste, als ob alles dahin zurückfließen würde. Dort hörte sie Geräusche, Liebe, Kindergeschrei, schöne und laute Stimmen, Menschen, Maschinen, das weite Meer wie es rauschte. Sie hörte und hörte. Ihr Kopf legte sich schief, die Energie durchströmte das Herz.

Plötzlich wurde sie wieder wach, riss das Heft in ihre Hand und alles wurde anders.




Hausfrauenschicksal

Zu allem Überfluss hatte jetzt der Computer auch noch den letzten Text verschlungen und sich auf ein Weiteres dumm und ungeeignet gezeigt, der jungen Frau die Arbeit abzunehmen. Nachdem sie schon im Supermarkt mehr orientierungs- und richtungslos umhergeschweift war und sich darüber geärgert hatte, dass ihr ständig die Einkaufswägen vor die Laufroute geschoben wurden, war das der notwendige Tropfen, der sie völlig aus dem Gleichgewicht brachte.
Erhellend wirkte da nur die Zeit, die die Menschen mit einem gemütlichen Plausch in aller Ruhe verbrachten, während andere gehetzt von einem Regal zum anderen liefen und in der Sparte „Berufstätig und wenig Zeit“ eine seltene Besetzung des derzeitigen Kundenstamms darstellten. So wunderte es auch nicht, dass die meisten Einkaufswägen eher spärlich beladen wurden und die Leute sich viel Zeit nahmen, die Angebote und Preise zu vergleichen, um ja das richtige Produkt zu wählen. Den ganzen Tag schon war die junge Frau in einer weinerlichen Stimmung gewesen, die ungefähr gestern begann, als ein schon seit geraumer Zeit verschicktes Paket zurückkam, nur weil das Lesegerät der Post die Schilder mit Absender und Empfänger verwechselt hatte.

In Befürchtung über die folgende, negative Bewertung eines anderen Menschen stieß sie einen inbrünstigen Schwall an Wasser und Schluchzen aus, der dann schließlich darin resultierte, dass ihr Mann endlich mal ein paar tröstende Worte über die Lippen kamen und die Situation sich dank ausreichender Streicheleinheiten schnell wieder beruhigte.
Der Anblick in ihrem Zuhause war trostlos und neben den Bergen von Wäschen, die zu legen und zu sortieren waren, wartete der Lebensmittel-Schrank auf eine Durchsicht und Entrümpelung. Auch das Balkongeländer war nach dem Willen des Handwerk-Oberaufsehers nicht mit der ausreichenden Sorgfalt gestrichen worden, so dass ihr nun eine unbezahlte Überstunde verordnet wurde.
Sie hatte gerade einen Besuch abgesagt und fühlte sich jetzt unglaublich mies, weil sie nicht in der Lage war, weitere Menschen mit Speis und Trank zu bewirten und sie emotional und körperlich ständig an ihre Grenzen gestoßen wurde. Die Erkältung und andere Krankheiten, die sich ständig durch Kratzen und Unwohlsein in allen möglichen Körperteilen bemerkbar machten, waren ihr ständiger Begleiter, mit dem sie schon gut vertraut war.
Vor allem emotional war sie ein schönes Übungsheft für den angehenden Psychologen, der eine Freude daran gehabt hätte, sie mal gründlich zu untersuchen, und die zweitausend Merkwürdigkeiten in ihrem Kopf kategorisch zu sortieren und mit Namen zu beschriften.
Der Versuch aber, diese eigene missliche Lage mit genügend Muße, Versenkung und Geduld zu begegnen, scheiterte meist daran, dass dann die Arbeit liegen blieb und sie abends nichts vorweisen konnte, was ihrem Leben einen Sinn oder eine Berechtigung gegeben hätte.
Eben gerade kam die Post in Haus geliefert. Sie freute sich auf eine nette Postkarte oder die Benachrichtigung vom letzten Gewinnspiel. Mit einem Lächeln im Gesicht hüpfte sie zum Briefkasten, schloss ihn mit hektischen Bewegungen und zittrigen Fingern auf. Es war tatsächlich ein Brief darin. Sie riss den Umschlag auf, zog das gefaltete Blatt Papier heraus und las den Text. Dort stand, dass sie eine Stromkostennachzahlung in Höhe von 6700 € binnen zwei Wochen zu leisten hätte.
Sie wurde weiß im Gesicht und ging auf allen Vieren rückwärts zurück in die vier Wände.
Dort setzte sie sich an den Bügeltisch und dachte 2 Minuten über ihr zukünftiges Leben und ihre Zukunftsaussichten nach.
Etwas frustriert über diesen Vorgang, biss sie in das zart ummantelte Stromkabel vom Bügeleisen und setzte ihrem Leben ein schnelles und unbürokratisches Ende.




Eine Insel- Teil 2

SI3

Erster Teil

Als sie endlich angekommen war, wurde es schon dunkel. Der schöne Sonnenuntergang hatte sich in ein dunkles, intensives Blutrot verändert und in der Ferne sah man ein kleines Segelschiff als Silhouette auf dem Horizont… Sie war etwas aufgeregt und als sie sich an den kleinen Tisch mit Blick aufs Meer gesetzt hatte, merkte sie, wie ihr Herz heftig am Hals pochte. Durch sie Aufregung war sie sehr schnell gelaufen, schneller als normal. Ein wenig Angst hatte sie, dass sie vielleicht zu spät sei und er jetzt endlos warten müsste. Doch er war zum Glück noch nicht da. Sie hatte ein wenig Zeit, über die Runde der anwesenden Gäste zu schauen, einen kleinen beobachtenden Blick aus dem Augenwinkel zu starten. Viel war noch nicht los. Das Lokal war für die guten Live-Musik bekannt und da heute Freitag war, ging das Ganze erst spät los. Sie bestellte sich einen Tequila und ein Glas Mineralwasser mit Zitrone.

Eigentlich hatte sie auch Hunger, aber durch die Aufregung würde sie garantiert keinen Bissen herunterbekommen. Mit zittrigen Fingern kramte sie in ihrer kleinen Handtasche und holte einen schwarzen, glänzenden Spiegel hervor. Mit fachmännischem Blick musterte sie schnell ihre Gesichtskonturen und die Textur des Makeups. Keine Ränder am Hals und auch der Mascara und der Eyeliner hielten noch. Beruhigt klappte sie ihn wieder zu und atmete tief durch.

Beinahe wäre ihr langweilig geworden, da setzte schwere, E-gitarrenbasierte Musik aus den Lautsprechern ein. Sie war etwas laut eingestellt, aber die junge Frau mochte es. Augenblicklich kippten ihre Gefühle um. Sie merkte, wie der Alkohol wirkte und sich ihr Denken veränderte. Der Rhythmus des Schlagzeugs belebte das Denken und Fühlen.

Die Farben an den Wänden erschienen ihr plötzlich intensiver und leuchtender. Ihrem Magen tat der Schnaps nicht gut, da sie keine Grundlage gelegt hatte. Mutig bestellte sie noch einen Zweiten. Sie wollte sich Mut antrinken.

Nach dem dritten und auch nach dem vierten Glas war er noch immer nicht gekommen.

Etwas besoffen blickte sie in das Glas und stellte sich vor, er würde aus dem Glas kriechen. Das eine Auge hielt sie sich zu, mit dem anderen stierte sie auf den Boden des kleinen Gefäßes.
Doch soviel wie sie blinzelte, er kam nicht heraus. Sie wurde langsam unruhig, ungeduldig und als er nach dem sechsten Glas immer noch nicht da war, bezahlte sie, stand auf und verließ genervt den Raum.




Eine Insel- Teil 1

„Klack“ die Tür ihres brandneuen, silbernen Cabrios schloss sich mit einem satten, schmatzenden Geräusch. Mit ihren zarten Fingern umschloss sie das lederne Lenkrad und atmete kurz durch. Dann drehte sie den Schlüssel. Der bullige V8 Motor sprang sofort an und versetzte ihrem Gehirn ein Glückshormonstoß. Sie schnallte sich an, schaute noch kurz in den Rückspiegel und drückte aufs Gas. Ihr Kollege kam gerade die Treppe herunter. Sie winkte ihm noch kurz zu, lächelte ein wenig und freute sich über seinen erstaunten Blick.

Die junge Frau trug ein enges, mit roten Blumen übersätes Sommerkleid. An den Füßen funkelten hübsche mit Strass verzierte Sandalen, die bestimmt einen fünf Zentimeter hohen Absatz hatten. Noch mehr wäre beim Fahren unbequem geworden. Sie genoss jetzt den warmen Wind, wie er ihr um die offenen, rötlich gefärbten Haare wehte. Sie fuhr nicht schnell, genoss die Promenade und die klar geputzten Auslagen der Schaufenster, an denen sie vorbei fuhr. Bei jedem parkenden Auto, bei jedem Baum machte es „raschh, rassch“ und der eintönige Sound dieses Rauschens beruhigte ihren Puls. So konnte sie den Streß vergessen, mit dem sie sich heute geplagt hatte und der letzte Anpfiff ihres Chefs zog schnell in die Vergessenheit. „Im Grunde ist er ein warmes Würstchen“ dachte sie sich verärgert. „Was ihn wohl bewegt, so zu sein, wie er ist? Hoffentlich werde ich nicht mal so wie er.“ Und je mehr sie darüber nachdachte und beinahe nebenbei fuhr und kaum auf die Schilder und Ampeln achte, löste sich der ganze Stress aus dem Büro in Luft und bewegte Energie um.

Das Wetter war gut und die Palmen wogen sich im Takt der aufziehenden Musik von den Strandbars. Sie überlegte, wo sie hin fahren sollte, hatte keinen bestimmten Plan. Ihre Arbeitswoche war zu Ende, das Wochenende lag vor ihr. Auf dem Beifahrersitz neben ihr lag das Handy. Sie wartete nur auf einen Anruf und hätte es sofort aufgeklappt, wenn er dran gewesen wäre.

Aber er meldete sich nicht. Sie seufzte und drückte ein bisschen aufs Gaspedal.
Auf der großen Ausfallstraße zum Flughafen überholte sie einen langsamer fahrenden Fahrer. Mit Genuss zog sie an ihm vorbei und beobachte mit kleinen, angestrengten Augen im Rückspiegel, ob man eine Reaktion sehen konnte. Sie konnte sich einbilden, dass der Mann frustriert geschaut hatte. Das befriedigte sie irgendwie. Noch mehr Serotonin floss durch ihren hübschen Körper. Irgendwie war sie jetzt erregt.

Sie hätte noch Stunden so fahren können. Wie im Rausch überwand sie Hindernisse, kurvte um jede Kurve, meisterte jede Engstelle mit Bravur. Besonders Spaß machten ihr die Autobahnen, wo sie das brandneue Auto mal richtig ausfahren konnte. Auch bei hohen Geschwindigkeiten schnurrte der Wagen wie eine Katze und ließ sich perfekt lenken.

Mit ihren langen Fingernägeln tippte sie bei Tempo 210 km/h beiläufig etwas in ihr Navigationsgerät. Sie suchte sich ein Lokal und beschloss ihren neuen Freund einzuladen.

Es würde bestimmt gut werden. Sie gab Gas und sollte bei dem geringen Verkehr in einer halben Stunde dort sein. Die Sonne senkte sich über den Horizont und malte mit ihren letzten Strahlen die Insel in ein warmes orangefarbenes Sommermärchen… Für die lange Fahrt schaltete sie das Radio ein und stellte den Sender auf eine entspannte Mischung aus Latin-sounds und Chillout- Rhythmen. Die unregelmäßigen Gitarrenklänge und die feine Stimme der Sängerin standen im Kontrast zu der ansonsten harten Geschwindigkeit, mit der sie sich gerade durch ihr Leben bewegte.

Sie blinzelte in den Horizont und merkte, wie sie jetzt doch ein wenig müde wurde.

Zum zweiten Teil




Das Nacht- Gedicht

Es ist zu heiß, um jetzt zu schlafen
wer will uns da so heftig strafen.
Die warme Sonne in der Nacht?
lässt sie spüren ihre Macht?

Doch wie ich so nur grübeln kann-
Klebt die Hos´ am Beine an
ist der Sitz nicht ganz bequem
denk mir nur „es wird schon gehen“.

Dreh mich hin und dreh zurück
rutsche jedes Mal ein Stück
spüre die Schmerzen in dem Arm
dem Arm, dem ist schon lange warm.

Dreh mich weiter auf dem Sessel
Bin wie Wasser in ´nem Kessel
fange bald zu brodeln an
seh die Wand nur lachend an.

Kann mich kaum begreifen
die Augen auf den Wimpern schleifen
werd’ müd und rot und unbequem
ich denke, es ist Zeit zu gehen.