Nano-Viren

Eine Kurzgeschichte aus dem Weltraum. (Science Fiction)

Burger-Replikator
Nach dem Streß der letzten Tage ist mir eingefallen, dass ich mal wieder was essen muss. Klar, essen muss man eigentlich immer, aber hier auf dem Raumschiff vergesse ich es einfach manchmal. Vor allem wenn ich mit Überlicht-Geschwindigkeit fliege, kann es schonmal sein, dass der Körper und sein Zeitgefühl durcheinander kommen. Ich esse dann einfach, wenn ich Hunger habe! Ein extrem zuverlässiger Sensor! Ich gehe also zum Nahrungs-Replikator und schwebe mit dem Finger über den Display. Hmm.. Lauter bunte, hübsche Icons blinzeln mich an. Eines sieht verlockender aus als das andere. Was hole ich mir denn heute? Meine Wahl fällt auf einen dicken, saftigen Burger, der wirklich lecker und gut ausschaut. Ein dickes, pralles Brötchen und darunter quellt knackig frischer Salat hervor, ein triefendes, saftiges Stück Fleich, kross gebraten, frische Zwiebeln, Gurken, feurig-sauer-süße Soße, genau das was mein Gaumen jetzt braucht. Dazu nehme ich mir noch eine Ladung Pommes. Ihr glaubt gar nicht, wie langweilig das Weltall manchmal sein kann. Wie sehr man sich etwas frisches wünscht, etwas lebendiges, nahrhaftes, biologisches in den Händen zu halten… Ich drücke also auf „enter“ und es dauert keine zwei Minuten, da ist mein Burger produziert und die kleine Schublade aus Edelstahl fährt aus dem Automaten heraus und serviert mir das Gericht. Er dampft sogar! Er sieht teuflisch gut und lecker aus. Ich nehme den Teller mit dem Burger (dieser kommt nachher in die vollautomatische Spülmaschine, eine Erfindung aus dem 20. Jahrhundert, hat sich sehr lange gehalten, nur dass sie heute ohne Wasser arbeitet) und setze mich in die kleine Küchen-Nische mit dem bequemen Sofa aus Kunstleder. Es knarzt etwas, als ich mich hinsetze, jaja, ich weiß hier im Weltall komme ich so selten dazu, Sport zu treiben. Aber das ist Essen ist auch einfach zu gut. (Das ist einer der Gründe, warum ich mich für diese Mission eingetragen habe.)

Als ich mit der Nase am Burger schnuppere, fällt mir auf, dass er nach nichts riecht. Müsste da eigentlich nicht… saftiges Fleich, der feine Duft nach frischem Brötchen, die scharfe Zwiebel- nein- vielleicht die Soße? Ich beiße in den leckeren Burger und schmecke- nichts! nada, absolut nichts! Ich kann es nicht glauben, meine Zunge schmeckt doch den Widerstand, das etwas labbrige Brötchen, die kitzligen Sesam-Körner an der Oberseite, das kräftige Fleich, die spritzende Soße, die knackige Gurke, nur der Geschmack fehlt! Ich kaue weiter und weiter, Bissen für Bissen in der Erwartung, dass es gleich besser wird, schneuze mich nochmal … aber leider nichts, absolut nichts. So eine Enttäuschung!

Ich wundere mich noch ein wenig, ob ich denn nun auch satt davon werde. Rein physisch hab ich den Burger gegessen, nur mental blieb ich auf der Strecke. Keine Freude am Essen, kein Aha-Erlebnis! Seltsame Krankheit. Diese verdammten Nano-Viren vom Planeten Zetta, hätte ich doch nur meine Gesichtsmaske aufgesetzt, wie das hier alle machen. „Aber nein, mir kann doch nichts passieren!“ hab ich noch großspurig vor der Botschafterin angegeben, eine nette junge Dame in einem engen, gelben Kleid, die alle Neuankömmlinge begrüßt und ein eigentümliches Aussehen, aber lockige, blonde Haare hat und fast menschlich aussieht. Und sie ist kein Klon. Das hab ich mir hinterher noch versichern lassen, denn zuerst war ich verwirrt, weil ich meinte, sie schonmal irgendwo anders gesehen zu haben. „Ich bin immun gegen die meisten Viren, das macht die Reise-Erfahrung. haha! Und für alle Ernstfälle hab ich doch noch die medizinische Notfallausrüstung, sie wissen schon, die war sehr teuer, hilft aber gegen fast alles. Bekommen übrigens nur Leute von der interstellaren Führungsebene.“

„Meine Dame“, entgegnete mir die Botschafterin trocken „das mag sein, aber hier auf dem Planeten Zetta haben wir sehr viele Viren, die Atmosphäre und Vegetation des Planeten ist sehr speziell, anders als die meisten anderen Planeten in dieser Galaxie. Viele unserer Viren sind noch in keiner Datenbank der Welt verzeichnet. Ich empfehle ihnen also wirklich, eine Schutzmaske anzuziehen. Hier, wir haben sie in verschiedenen Farben, in pink, in blau, in grün, hier hab ich noch welche mit Muster…“

„Paperlapp, Schutzmaske“ winkte ich nur ab. „Brauche ich nicht! Sehen sie die Luft?“ Ich nahm einen überzogenen, tiefen Zug aus der Nase „Sie ist fantastisch! Und nun arrangieren sie endlich meinen Termin. ich hab nicht den ganzen Tag Zeit, okay?“
~
Und nun sitze ich hier mit diesem seltsamen Virus. Wer weiß, was er schon alles angerichtet hat. In diesem Falle schmecke ich halt nichts. Okay, kein Problem. Kann sogar beim Abnehmen helfen… [sie hebt ihren rechten Arm und dreht ihre Finger auffällig gegen das künstliche Licht der Kabinenbeleuchtung]. „Und hier ist auch noch nix. Keine Flecken, keine Pickel, keine seltsamen Verwachsungen. Pah! Was soll also die ganze Aufregung?
Moment, spreche ich etwa mit mir selbst? Nein, das waren nur laute Gedanken..“

„COMMANDER, BITTE AUF DIE BRÜCKE!“ Die automatische Computer-Stimme unterbricht meine Gedanken. Ich wische mir noch die letzten Krümel vom Mund und eile nach vorne.




Die Ego-Energie

(beim Schreiben gehörter, dazu passender Song)

FlyingDuck3

Das Raumschiff fliegt weiter, als sei nichts geschehen. Also doch nur eine Illusion! Was kümmern mich schon Raum und Zeit, wenn ich das Jetzt haben kann? Ich muss mich nochmal zwicken, dann entsteht vielleicht mehr Klarheit. Vielleicht eine Folge des Reizentzugs, hier auf dem kalten, sterilen Raumschiff? So einsam, keine Menschen. Nur meine eigenen Gedanken, die mich zuverlässig quälen und monoton beschäftigen. Da muss man ja irgendwann am Rad drehen!

Wer weiß, das Weltall ist doch groß, da gibt es noch andere Sterne und Kometen, und Galaxien und Sternschnuppen und schwarze Löcher… (die all die positive Energie von anderen verschlingen und daraus noch ein Geschäft machen.) Schon wieder ein Warp-Antrieb mehr verkauft! Sieh an, wie sich das Konto mit immer neuen credits füllt. Aber nein, wir machen uns ja nichts aus materiellen Dingen, sind vielmehr wie Lichtstrahlen, beinahe ohne Substanz, eine einzige Welle-Teilchen-Dualität voller Intelligenz…

Das Weltall ist soo groß und es bringt mir soo viel! Ich sitze wieder aufrecht am Steuer und tippe den neuen Kurs in den Navigations-Computer ein. Etwas zittern die Hände noch, aber ein großer Schluck aus der Bord-Pulle (für Notfälle) wird schon dabei helfen, wieder einen „klaren Kopf“ zu bekommen.

Zu allem Übel hab ich mich auch noch angesteckt! Die Bedienung des Computers wird dadurch erschwert. Überall kleckert die Nase drauf. Das Display verschmiert und die Zahlen kann ich kaum noch erkennen. Die Bord-Taschentücher gehen langsam zu Neige, ich sollte mal wieder eine Ladung aus dem „Aldi-Replikator“ ziehen. Die Nasen-Schleimhäute kämpfen mit dem teuflisch kleinen, aber hartnäckigen Viren der Besserwisser, der im Rampenlicht-grinsenden und Aufmerksamkeits-haschenden Aufblas-Nukleinsäuren. Was für ein Kampf! Wie gerne wäre ich eine von ihnen. Irgendwo reinsetzen und tausendfach vermehren! Ist ja egal, ob ich wichtig bin oder nicht, hauptsache vermehrt!  Nun es ist nicht verwerflich, es erzeugt sogar einen faszinierenden Sog. Lass- mich- mitmachen! Wie Lemminge springen wir nun alle brav von der Tischkante. Dieser Sog lässt mich eine Weile hinterher fliegen, bis ich dann wieder scharf abbremse und mit der Kraft meines Willens (meines, so sagt man, überflüssigen Verstandes) anhalte, auftauche und mich frage, wie ich eigentlich in diesen Teil der Galaxie geraten bin und ob es noch Sinn machen würde, weiterzufahren.

Mein Immunsystem ist aufgedreht wie selten, kämpft mit allen Mitteln den Schleim des Ego-Sogs aus allen Poren. Die Nase läuft und läuft, dazu tränen die Augen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass es Tränen sind, die „einzige Emotion“. Nein, da ist noch mehr. Enttäuschung über das Leben in feinen Abstufungen. Erkenntnisse, die sich wie Zwiebelhäute voneinander lösen und immer mehr des eigentlichen „Kerns“ zum Vorschein bringen. (Dieser hört nämlich auf zu existieren, die Häute verschwinden, die Zwiebel auch und zurück bleibt nur das „Jetzt“, das unbeschwerte Sein, das – ohja- theoretisch perfekt sein könnte, wenn da nicht…)

Das Weltall ist ja auch mehr, als nur „warm“ und „kalt“- es gibt z.B. auch lauwarm. Oder halb-lauwarm. Oder halb- halb- halb lauwarm, kurz vor abgekühlt.

Nun, das wird es sein.

Mich fröstelt schon wieder etwas. Ich sollte mir einen Schuss Aufmerksamkeit besorgen, ein bisschen Ego-Energie zum Mitnehmen. Hier ein paar Likes, da ein paar Follower mehr. Das Ego! Nur ein Schelm, wer böses darüber denkt…

Energie!




Das Interview

Der Interviewer auf der Straße: „Guten Tag ich bin vom Blogger-TV und wir machen eine Umfrage. Was halten sie von der Frauenquote? Sind sie dafür oder dagegen? Betrifft es sie und was könnte die Politik ihrer Meinung nach besser oder anders machen?“

Eine Frau: „Frauenquote? Natürlich bin ich dafür, Frauen sollten viel besser gefördert werden. Immer nur diese Männer in Anzügen an der Spitze, diese Klonarmee. Die Führungsriege braucht Farbe und Abwechslung!“

Ein Mann: „Oh nein, schon wieder ein Versuch dieser Feministen uns irgendwas mit Gesetzen aufzudrücken. Als Mann fühle ich mich in diesem Land mittlerweile diskriminiert. Reicht es nicht, dass man als Mann arbeiten muss und im schlimmsten Fall hohen Unterhalt für eine Frau zahlen muss, die es sich gemütlich macht? Es ist doch bekannt, dass Frauen nicht so ehrgeizig sind. Daran wird eine Quote auch nichts ändern.“

Der Unternehmer und Darwinist: „Der Eingriff in die Selbstbestimmung der Unternehmen ist kontraproduktiv. Es erinnert mich mit dieser Steuerung von oben an alte DDR-Zeiten. Die moderne Berufswelt ist Kampf und Krieg und Unternehmen sind die Kommandozentralen dieses Krieges. Nur der stärkste wird überleben und nur die stärkste AG wird sich an der Börse behaupten können. Daher brauchen wir die Auslese über die Qualifikation. Wenn wir plötzlich Frauen an die Führung lassen und die sich dann während eines wichtigen Meetings die Nägel feilen oder Mutterschaftsurlaub nehmen- wo kommen wir denn da hin? Daher bin ich gegen eine Quote.“

Die Hausfrau: „ Tja Führungsposition hin oder her, aber das betrifft mich sowieso nicht. Es soll ja Geschäftsfrauen geben, die sich darum reißen, aber für mich ist das nichts. Was ändert die Debatte eigentlich an meinem eigenen, täglichen Leben? Aus diesem Grund lese ich sowieso nicht gerne Zeitungen und schalte die Nachrichten nur beim Bügeln ein. Man sollte lieber noch mehr für Familien oder den Ausbau der Kitas tun. Dann könnte ich auch noch länger arbeiten und mein Mann könnte auch mal einen Tag frei nehmen. Was die Politkerinnen da oben reden ist für mich fernes Geschwätz.“

Der junge, aufstrebende Jurist „Ich mach sowieso Karriere, ob ihr wollt oder nicht. Ein erfolgreicher Mann findet die hübscheste Frau, so war es doch schon immer, oder? Für mich ändert sich daher null. So, keine Zeit ich muss ins Fitness-Studio…“

Die Geschäftsfrau „Quoten finde ich super. Ich habe hart gearbeitet, lange studiert, aber im Beruf dennoch das Gefühl, dass ich nicht weiterkomme und in die Büros unsichtbare Decken eingezogen sind. Die Männer trinken nach der Arbeit noch ein Bier und bilden starke Männerbünde. Als Frau fühle ich mich da außen vor. Wenn ich in einen Raum komme, wo nur Männer arbeiten, fühle ich mich wie ein Fremdkörper. Die starren mich alle an und berurteilen mich nur nach dem Aussehen. Eine Quote würde mir helfen, mich in der Firma zu behaupten, und noch weiter nach oben zu kommen. Und wer weiß, vielleicht denken die Leute dann um und ich werde endlich so akzeptiert, wie ich bin? Ich hoffe, dass man meine Qualifikation nicht nur nach meinem Geschlecht beurteilt, das ist nämlich auch diskriminierend. Ich bin aber auch bereit, ohne die Quote hart zu arbeiten und mich in diesem Umfeld zu beweisen. “

Der Arbeiter im Stahlwerk: „Man hört immer nur was von den da oben und immer nur die Frauen. Wer denkt eigentlich mal an uns? Wir leisten die Hauptlast der körperlichen schweren Arbeit. Wann kommt man wieder eine Lohnerhöhung? Was ist mit unseren Renten? Warum müssen wir eigentlich den möglichen Zusammenbruch der Banken und die Euro-Krise zahlen? Nein, ich habe der Politik schon längst abgeschworen. Die behandeln Probleme, die mich nichts angehen. Und auf eine Frauenquote pfeife ich. Das nächste Mal wähle ich was rechtes oder was ganz linkes.“

Die junge Studentin „Ich finde es super, dass derzeit soviel über uns Frauen geredet wird. Die Situation ist zwar noch ziemlich schlecht und ich möchte auch mal Kinder bekommen. Die harte Arbeitswelt schreckt mich ein wenig ab, aber auch dass in vielen Chefetagen nur Männer sitzen. Zählen wir Frauen denn überhaupt nicht? Immerhin kaufen wir den Großteil der täglichen Konsumprodukte und verwalten über 70% des privaten Haushalts-Einkommens. Wenn die Politik was für uns Frauen tut und es ihnen wirklich wichtig ist, werde ich vielleicht noch länger arbeiten und mein Studium ist dann nicht umsonst. Jetzt bin ich wieder motiviert. Wann ist die nächste Vorlesung?“

Der jugendliche (männliche) Schulabrecher: „Cool, Führungsposition klingt echt super. Würde ich auch gerne haben, dann könnte ich meine neue Freundin beeindrucken. Leider muss ich dazu erstmal den Hauptschulabschluss schaffen.“

Der Mensch mit Migrationshintergrund „Ich nix deutsch. Frau zu hause. Bleibt so, basta!“

Der Psychologe „Frauen und Männer haben unterschiedliche Qualifikationen, aber vor allem unterschiedliche Wertvorstellungen und Eigenschaften. Aus diesem Grund ist es nachvollziehbar, dass man in extremen Positionen weniger Frauen findet, weil diese insgesamt eine besser Work-Life Balance aufrecht erhalten und weil ihnen ethische und soziale Werte im Durchschnitt wichtiger sind. Wenn man wirklich etwas ändern wollte, müsste man an der Unternehmenskultur und der gesellschafltichen Debatte über Arbeit an sich etwas tun. Nun mit Quoten etwas aufzusetzen, wird an den Ursachen und den psychologischen Dispositionen nichts ändern!“ (( Vergleiche hierzu z.B. http://www.leadership.info/1278/spas-im-beruf-und-ethische-werte-sind-frauen-wichtig/ ))

Der Sozialwissenschaftler „Das ist Unfug, was sie da sagen, Herr Kollege. Natürlich wird sich etwas ändern. Es ist doch die Frage, was ändert sich zuerst: Die Gesellschaft oder die Rahmenbedingung? Wenn wir die Rahmenbedingungen ändern, müssen sich auch die Köpfe ändern. Natürlich wird es am Anfang harten Widerstand geben, das ist nur natürlich. An den Geschlechterverhältnissen etwas zu ändern, ist vielleicht das schwierigste, was die Politik wagen kann. Nirgends sonst sind die Fronten so verhärtet und die Debatten so aufgeheizt. Der aktuellen Feminismus-Kultur weht ein harter Gegenwind entgegen. Man sollte die Diskussion auf anderen Ebenen weiterführen und sie nicht alleine auf das Geschlecht reduzieren. Aber jetzt einfach die Flinte ins Korn werfen und so weitermachen, wie immer.. da macht man es sich ein wenig zu leicht, meinen Sie nicht?“

Der Pessimist und Realist „Ach egal, in drei Tagen hat man das Ganze sowieso wieder vergessen. Dann wird eine neue Sau durchs Dorf gescheucht. Also rege ich mich gar nicht erst auf, spart Energie!“




Träume

Einleitungssong- Juli- die perfekte Welle

Es war ein perfekter Tag gewesen.
Die Sonne hatte geschienen, als wollte sie sich für den verregneten Sommer revanchieren. Sie war in Hochstimmung, in perfekter Laune. Sie hatte sich endlich aufgerafft und einen Gang in die Stadt gemacht. Serotonin und Oxytocin flossen in großen Mengen durch ihre Adern und erreichten auch noch die letzte Nervenzelle. Es kam ihr vor wie Frühling und das mitten im Herbst! Nein Moment, wie nennt man das? Spätsommer! Genau, ein richtig schöner Spätsommer, nicht zu heiß und gerade richtig.

Sie strömte über vor guter Laune und Energie. Selbst Leute, die ihr sonst Probleme machten, störten sie heute nicht. Ihre Eigenarten kamen ihr lächerlich grotesk vor und sie freute sich über ihre innere Stärke, mit der sie das heute verarbeiten und empfangen konnte. Ja, sie fühlte sich frei. Von ihrem Job, der ihr keinen Spaß mehr machte, hatte sie sich vor zwei Wochen getrennt. Schwupps, einfach weg. Keine Lust mehr auf diesen Chef, keine Lust mehr auf diese Monotonie. Keine Lust mehr auf Spießer und Pflichterfüllung.
Es war nicht schlimm und fiel eigentlich nicht schwer, wobei sie die erste Woche nur geheult hatte und ihre Kolleginnen und Kollegen vermisste. Natürlich würde sie sich was anderes suchen müssen. Natürlich…Aber inzwischen war aus der Trauer etwas Neues entstanden. Den dunklen Fäden der Traurigkeit und des Abschieds machten neue Pflanzen Platz.

Sie wollte alle umarmen, und ihre Flügel ausbreiten, wegfliegen, durchatmen!
Sie glaubte wieder an das Gute im Menschen und in ihrem Herzen regten sich beinahe unanständig starke, religiöse Gefühle.

Was Jesus wohl für ein Mann gewesen war? Bestimmt war er stark, muskulös und moralisch hoch überlegen. Es musste so sein, Jesus muss ein Held gewesen sein. Jemand, der über den Dingen stand, der schlauer war als die anderen. Der durch Intellekt überzeugte, nicht durch Prahlerei. Durch moralische Integrität in allen Lebenslagen.. so wie halt sie, nur in männlicher Form.

Sie spürte, wie sie das anmachte. Seine Stärke ging auf ihren Körper über. Aber plötzlich war auch sie Stärke, sie vibrierte förmlich vor positiver Energie! Die Begrenzungen ihres weiblichen Gehirns wurde aufgeweicht und etwas neues formte sich aus diesen beiden Polen…

Als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, kam im Radio auch noch Xavier NaidooXavier Oh Xavier, sie fühlte dass es nicht mehr länger dauern würde, bis sich ein Großteil ihrer Existenz in einem zuckenden Bach aus Tränen auflösen würde… und außer Salz auf dem Lippen und einen verwaschenen Grauschleier vor ihrem Gesicht würde sie nicht mehr viel wahrnehmen. Und das überströmende göttliche Gefühl, natürlich!

„Überlebenszeit ist jetzt“ jaulte sie jetzt wie ein kleines Kätzchen. Nein, nicht wie, sie WAR ein kleines, anschmiegsames Kätzchen.

Sie drehte die Anlage im Wohnzimmer auf volle Lautstärke, worauf auch ihre WG-Kollegin aufmerksam wurde. „Ach der schon wieder,“ sagte sie spöttisch. „Weißt du, früher war der ja ganz gut… aber inzwischen kann ich ihn nicht mehr hören. Mit seinem Gejaule. Ist doch immer das Gleiche.“ Mit diesen Worten drehte sie Naidoo ab und schaltete auf Shakira. „Die ist wenigstens tough, die hatt Mumm, aber Naidoo ist doch ein Waschlappen.“ Dabei verkrampfte sie bemüht-fröhlich ihre rechte Hand und entlockte ihr einen müden Schnipser.

Sie.. bekam das nicht richtig mit. Sie war im siebten Himmel angelangt, kurz vorm Orgasmus.. und irgendwer, irgendwas von außen war da mit einer dreckigen, pieksigen Nadel und piekste in ihrem Traum.

„Puff“ machte es nur kurz. Dann war die Welt wieder grau.

……………………………………………………….

Arm

Arm war die Welt. An Kultur, an Geist, an Höflichkeit, an Mut, an Entschlossenheit, an Tapferkeit, an Ideen, an Abwechslung, an Großzügigkeit, an Esprit, an Altruismus.

Arm war die Welt. Jeden Tag konnte man es aufs neue sehen.

Man musste nicht weit gehen, um das Kranke immer wieder aufs Neue zu spüren. Die Engstirnigkeit der anderen, ihre Ängste und Vorurteile eins zu eins in Worte und Taten gefasst.

Arm, so arm war die Welt.

Dennoch gab es zwischendrin immer mal wieder Hoffnung. Kleine Pflanzen, die aus dem ansonsten so monotonen Beton nach oben stießen und Chaos und Leben in den Einheitsbrei brachten.

Mutige Pflanzen, die keiner kannte und keiner mochte. Sie waren anders. Ungewohnt. Nicht katalogisierbar. Nicht einzuordnen. Alles was anders war, machte Angst.

So viel Angst hatte diese Welt.

Angst vor einer Mücke, die nur ein wenig spielen wollte. Angst vor dem Kätzchen, das verspielt um die Beine huschte. Angst vor dem Hund, der die Zähne fletschte. Angst vor dem Mensch, der die Atombombe zündete.

Brutal war die Welt. Unmenschlich, technisiert und bürokratisiert.

Entfremdet war die Welt.

Einsam.

Kalt und leer war die Welt.

Eine Hülle aus billigem Blech und innendrin der beginnende Rost.

……………………………….

80er Jahre
Deutschland, 1986
Der BRD ging es noch gut.. Schuldenprobleme in weiter Ferne, der dicke Kanzler an der Macht, die CDU in vollem Saft und die DDR war auch noch nicht wieder vereint. Kurzum: Ein Schlaraffenland.

Nur an den komischen Frisuren und Brillen merkt man, dass es die 80er Jahre sind. Okay und an der komischen Musik, den komischen Klamotten und den komischen – hm- Gesichtern?

Kurzum: GEILES LIED! 😉

Mind. genauso geilomat wie

Verdammt ich lieb dich!

Die 80er Jahre, als Männer noch weich und weiblich sein mussten durften.

Arm war die Welt. An Kultur, an Geist, an Höflichkeit, an Mut, an Entschlossenheit, an Tapferkeit, an Ideen, an Abwechslung, an Großzügigkeit, an Esprit, an Altruismus.

Arm war die Welt. Jeden Tag konnte man es aufs neue sehen.

Man musste nicht weit gehen, um das Kranke immer wieder aufs Neue zu spüren. Die Engstirnigkeit der anderen, ihre Ängste und Vorurteile eins zu eins in Worte und Taten gefasst.

Arm, so arm war die Welt.

Dennoch gab es zwischendrin immer mal wieder Hoffnung. Kleine Pflanzen, die aus dem ansonsten so monotonen Beton nach oben stießen und Chaos und Leben in den Einheitsbrei brachten.

Mutige Pflanzen, die keiner kannte und keiner mochte. Sie waren anders. Ungewohnt. Nicht katalogisierbar. Nicht einzuordnen. Alles was anders war, machte Angst.

So viel Angst hatte diese Welt.

Angst vor einer Mücke, die nur ein wenig spielen wollte. Angst vor dem Kätzchen, das verspielt um die Beine huschte. Angst vor dem Hund, der die Zähne fletschte. Angst vor dem Mensch, der die Atombombe zündete.

Brutal war die Welt. Unmenschlich, technisiert und bürokratisiert.

Entfremdet war die Welt.

Einsam.

Kalt und leer war die Welt.

Eine Hülle aus billigem Blech und innendrin der beginnende Rost.




Neulich auf der Politik-Party

Passender Song „ATB- Trilogie Part 2

Politik macht mich müde in diesen Tagen. Es kommt mir oft vor wie eine langweilige Cocktail-Party mit Kollegen, die man alle schon gut kennt und von denen man nichts Neues erwartet. Und dieser eine Mensch, der einem so wichtig ist, auf den man schon Stunden gewartet hat, der doch per SMS versprochen hatte, zu kommen, kam dann doch nicht. Etwas enttäuscht steckst du das neue Handy wieder in deine silber-glitzernde Handtasche, die an einem feinen Band über deiner Schulter hängt.

So steht man nun am Rande, in der Welt der Politik-Schaffenden und Diskutierenden und hört sich die stets gleichen Argumente an, lauscht mehr gelangweilt als gefesselt auf ihre Ansichten, schlürft den Cocktail bis zum letzten Eiswürfel aus, so dass sich die Leute ob der seltsamen Rüssel-Geräusche schon umdrehen und dich fragend anschauen. „Es ist alles okay“ signalisierst du ihnen mit einem non-verbalen Gesichtsausdruck und lächelst etwas verschämt. „Es ist alles okay, aber das Zeug ist einfach zu lecker“. Überhaupt, die Cocktails sind das beste an der ganzen Veranstaltung hier.

Was gab es da noch auf dieser beliebten und doch langweiligen Politik-Party? Ich gehe zur Welt der Banker und höre die Geschichte von einem Mann, dem die Macht zu Kopf gestiegen ist und der sich sexuell nicht ganz im Griff hatte. Gääähn. „Der Mann ist halt der Böse“ sagen die einen (die Frauen hauptsächlich) die anderen machen Witze über sexuelle Potenz und solche Dinge (die Männer hauptsächlich). Viel unqualifizierte Meinungen, viel oberflächliches und „Lustiges“. Aber ist eine Vergewaltigung, wenn sie denn stattgefunden hat, was ich als Außenstehende gar nicht beurteilen kann oder will- denn etwas „Lustiges“? Ich hole mir lieber noch ein belegtes Brötchen.

Ganz bestimmt nicht. Während ich auf dem etwas trockenen Brötchen herumkaue, schaue ich mir die Wohnung an. Groß ist sie, einladend, mit einem riesigen Balkon. Am Ende des Balkons kann man über die Hochhäuser und Skyline der Großstadt schauen. Die Sonne geht gerade runter und taucht die Szenerie in ein orangefarbenes Licht. Auf dem Balkon stehen teure und große Kübelpflanzen. Ganz bestimmt war das hier nicht billig, ganz bestimmt nicht.

Die Situation ist freilich grotesk, noch grotesker dass „die Mächtigen“ sich freikaufen und loslösen können und über der Masse der Schuldigen stehen. Also verändert Geld doch die Gerechtigkeit. Gerechtigkeit kann man sich kaufen. Das klingt ja fast wie in einem schlechten John Grisham- Roman. Jetzt fehlt nur noch die Verschwörungstheorie..

Am anderen Ende der luxuriösen Penthouse-Wohnung stehen ein paar junge Mittdreißiger zusammen. Sie erinnern dich rein äußerlich an die Physik- und Mathestudenten, mit denen du auf der Uni so gut konntest. Du mochtest ihre geradlinige Art, das steife- unemotionale und logische, auch wenn sie dadurch bei den etwas hipperen Leuten als uncool galten. Alle mit Anzug und Krawatte. Alle in schwarz, alle männlich und alle mit diesem aufgeweckten, aber doch kalten „ich hab BWL oder Jura studiert“-Blick. Sie stehen etwas alleine da und wirken isoliert. Die anderen Gäste, vor allem die Frauen stehen bei den Männern mit Dreitagebart und den lustigeren, bunten Klamotten. Die, die Witze machen und scherzen und über Atomkraftwerke lästern.

Naja, ein paar von den Männern in den Anzügen sehen ganz nett aus, also stelle ich mich kurz und unverbindlich dazu. „Neu hier?“ spricht mich einer von ihnen an. Er sieht gar nicht schlecht aus. An seinem Handgelenk schimmert eine teure Armbanduhr durch. Geld scheint er zu haben, aber ist er auch nett? Ich denke an das Fernsehprogramm der letzten Tage. Habe ich ihn da nicht auch gesehen?

Der FDP-Parteitag wurde in etlichen Satire-Sendungen durchgekaut und veräppelt und bestätigt somit den Eindruck, der sich auch bei mir aufgedrängt hatte. Ob bei „Extra 3“ der „Heute Show“ oder „Harald Schmidt“ auf die FDP schlagen sie alle immer gerne ein.

„Ja, ich bin neu hier. Ich bin eine Journalistin und soll über diese Party berichten. Außerdem wollte ich jemand treffen, der kam leider nicht und jetzt, naja vertreibe ich mir die Zeit so gut es geht“ Du lächelst etwas unbeholfen.

Aber löst das Probleme? Verändert das die Welt? Verändere ich die Welt? So gerne ich auch lache und mit einstimme, was verändert die Satire eigentlich an der Welt und an der Politik? Du denkst über die Sendung nach und wie sie sich mal wieder lustig gemacht haben.

„Achja, dann weiß ich wer sie sind.“ der Mann scheint dich zu kennen, was dich erstaunt.

Verstärkt sie nicht oft unsere Resignation oder löst sie sich am Ende auf? Wenn wir genug gelacht und uns auf die Oberschenkel geklopft haben, werden wir dann wieder FDP wählen? Oder dann, nie wieder?

Er sieht ja eigentlich ganz nett aus. Und jetzt, wie er dich in ein Gespräch verwickelt, so höflich und charmant, ja, was ist an diesem Mann schlecht? Schnell bestelle ich mir einen weiteren Cocktail. Ich hoffe, dass der Alkohol bald meine Unsicherheit wegspült. So sehe ich es auch versuche mich zu kontrollieren, mein Gesicht fühlt sich so angespannt an. Ständig dieses Lächeln- Müssen, meine Kiefermuskeln fühlen sich schon ganz hart an.

Werden wir wieder mehr Lust auf Politik haben oder sie noch gräßlicher und abartiger finden? Werden wir sie verstehen und unser Urteil neu bilden können? Werden wir uns einfach nur die Zeit mit Witzen vertreiben?

„Ich muss dann mal weiter“ sagst du zu dem hübschen Mann im Anzug. „Ich wollte noch ein paar Leute begrüßen“
Leute begrüßen. Besser konntest du es nicht formulieren. Der Mann scheint etwas enttäuscht, daher lächelst du ihm zum Schluss an und gibst ihm das Gefühl, dass es noch nicht ganz verloren ist mit der FDP.

Du gehst die schmale Wendel-Treppe hoch und hörst schon vom Weiten das Lachen und Gröhlen der hier anwesenden Gäste.

Hier bin ich versehentlich auf eine Mario Barth Sendung gerutscht. Hier sitzt also die Masse, das Stadion ist voll. Ach ja Witze über Frauen und Männer, die gehen immer gut. Da können wir unsere Klischees verstärken, brauchen sie nicht zu ändern. Ist ja auch viel leichter und einfacher. „Die Männer“ und „Die Frauen“ und.. „Die Dazwischen“ (über die lacht man nicht, über die runzelt man nur die Stirn oder schweigt betroffen).

Ich drehe mich lieber um und spreche niemanden an. Hier interessiert mich keiner. Mit den hohen Schuhen versuche ich die schmale Treppe nach unten zu gehen, das lange Kleid rutscht mir immer wieder über die Füße und ich hoffe, dass ich nicht über meine eigenen Argumente stolpern werde.

Das nächste Mal ziehe ich wieder eine Jeans an.

Vielleicht. Ach, ganz bestimmt!

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Dankbarkeit

Passsender Song Acrobat von Maximo Park

Stell dir vor, du bist gefangen. Gefangen auf der einen, falschen Seite. Quälst dich schon seit Jahren mit dir selbst herum. Rüttelst an den Stangen aber sie geben nicht nach. Keinen einzigen Millimeter. Eine ungute Mischung aus Rollenerwartungen, Erziehungsmodellen, Freundschaften, guten Manipulationen, unerwarteten Wendungen und anderen Dingen hat sich stets davon ab gehalten, alles in die Hand zu nehmen, alles zu ändern.

Und dann kommt irgend so ein dahergelaufener Typ von der Straße auf dich zu und lässt dich endlich raus.

Er lächelt dich milde an, mit der Kippe locker im Mundwinkel schwingend. Sie bewegt sich auf und ab, während er durch seine rauchig-gelben Zähne mit dir spricht. Er riecht ein wenig verschwitzt. „Ach Schätzchen“ sagt dieser eklige Typ zu dir, „es ist doch eigentlich ganz einfach. Spring einfach, mach den Satz über die Klippen. Sei einfach ein bisschen mutig!“

„Aber, aber …“ stammelst du noch zu ihm herüber, soviel Angst hast du vor der neuen, unbekannten Welt „da draußen“.

„Aber, aber…“ willst du noch sagen, da ist es schon zu spät. Er packt dich an der Schulter, mit dem anderen Arm greift er dir zwischen die Beine und hebt dich einfach hoch. Er trägt dich ein paar Meter, ohne dabei ins Keuchen zu kommen, ganz sanft trägt er dich über den tiefen Abgrund und seine fast zarten Hände streicheln deine Arme und Beine, als er dich auf der anderen Seite wieder herunterlässt.

Du bist so dankbar, dass du keine Worte finden kannst. Suchst nach ihnen, kramst in deiner hintersten Gedankenschublade. Und als du endlich ein Wort gefunden hast, das passen würde, hebst du deinen Kopf und willst zu ihm sprechen.

Da ist er schon weit weg und am Horizont beinahe verschwunden.

Willst du noch rennen und ihn einholen?




Gedankenmeer

Meeresbrandung

Die News: Ein Rauschen und ein stetes Gluckern auf dem gekräuselten Ozean.
Wer aber taucht mal in die Tiefe und wenn es nur für zwei Minuten ist, solange der Atem den Mut aufrecht hält?

Welch faszinierende Welt in der Tiefe sich verbirgt und hier, so knapp unter der Oberfläche, hell von der Sonne beschienen, noch faszinierend, leuchtend und klar zu erkennen.

Wasseroberflaeche, gekräuselt

Gehen wir ein paar Meter tiefer, wird es schon dunkler und die Kontraste beginnen zu verschwimmen. Dicke Wassermassen verschlingen das Licht und damit auch die Erkenntnis. Ich muss näher dran, um überhaupt etwas zu erkennen und noch ein paar Meter tiefer kann eine Lampe nicht schaden.

Es wird still um mich herum, das Schnattern und Lästern der seltsamen Vögel an der Oberfläche ist leise geworden. Hier bin ich mit mir alleine, ich höre mein Herz schlagen und sehe wie der Brustkorb sich langsam hebt und senkt. Da! Ein glubschäugiger Fisch ist vorbei geschwommen und gerade, da ich nach ihm greifen will, ist er auch schon wieder in der Tiefe der Nacht verschwunden. Ich werde sein Rätsel wohl nie ergründen können.

Hier unten, noch ein wenig tiefer, ist es immer dunkel. Kein Strahl der Sonne hat diese Welt je erreicht. Und daher fürchten sich die Menschen auch vor ihr. Die Menschen, Wesen des Lichts! Zusammengedrängt auf einem engen Boot an der Wasseroberfläche, beschimpfen sie sich gerne miteinander, ziehen sich an den Haaren und lästern und teilen am Ende doch ihre Vorräte. Wo sie sich doch so hassen und stets nach dem Oberen rangeln, so hat doch selten einer den Mut, sich von der kleinen Nussschale ihres begrenzten Denkens und Wirkens zu lösen und sich buchstäblich von den anderen „frei zu schwimmen“.

Dabei ist es gar nicht schlimm, voraussgesetzt das Wetter spielt mit.




Zu leise gesprochen

und zu laut gedacht

> Wie wenig der menschliche Körper und vor allem die Seele nach den herkömmlichen Maßstäben der Mechanik und der uns bekannten „Logik“ funktioniert… darüber denke ich gerade nach, während der Feierabend langsam durch das Fenster fällt und die Müdigkeit die Augenlider schwer werden lässt.

Die Technik denkt in „Batterie“-Maßstäben- die Batterie des Handys ist morgens aufgeladen und abends ist sie leer. Beim Mensch kann sie aber auch schon mittags leer sein oder man verliert gleich das ganze Ladegerät. Der Computer denkt in Download-Fortschritt, in schönen, übersichtlichen Fortschrittsbalken, die sich bis 100 Prozent erfüllen müssen, bis der Task abgeschlossen wurde. Fast immer kommt die Maschine dahin. Und wenn sie fertig ist, sagt sie gleichmütig „der Nächste bitte“.
Beim Menschen erreicht man manchmal die 50 Prozent nicht und was ist dann: „Der Auftrag konnte nicht ausgeführt werden“ oder gar ein „unerwarteter Ausnahmefehler“, ein Bluescreen? Anstatt brav den nächsten Auftrag anzunehmen, hält er inne und verhält sich ganz und gar nicht maschinell. Ein paar kryptische Zeichen in den Augen, ein Fragezeichen über dem Kopf… beim Computer gibt es zum Glück den Neustart, der Mensch aber muss sich ohne diesen durch den Tag schleppen.

Das Auto hat bei einer Panne noch einen Ersatzreifen im Kofferraum, beim Mensch fehlt manchmal die Luft…der Schlüssel zum Kofferraum oder gleich die passende Werkstatt.

> Noch ein letztes Aufbäumen der inneren Energie, ein letztes erfrischtes (und endlich freies, kreatives) Nachdenken auf meinem virtuellen Notizzettel, „Blog“ genannt und dann kann der ruhige Abend vollständig die Kontrolle über mich übernehmen. Dann werde ich versuchen, mich fallen zu lassen und mich nur noch am ruhigen Spiel der Seele auf dem aufgewühlten Ozean der Gefühle erfreuen. Sie einfach mal ein wenig tanzen lassen und nicht so genau fragen „Wohin“ oder „Warum“. Fragen, die den Tag über schon zu wichtig, zu ausgebreitet sind.

Die materielle Welt hat mich fest im Griff und die Konzepte des Geistes sind oft machtlos dagegen. Ich denke, Einigkeit könnte erreicht werden, wenn man beide Welten kombiniert. Wenn man das Materielle als Säule oder Fundament sieht, auf dem alles wachsen und gedeihen kann und die Welt der Gedanken und Gefühle als Aroma, aber auch sanfte Zugpferde und Richtungsweiser für die schweren Riesen des Ozeans, manchmal auch Kontintentalplatten genannt. Selbst die schwerste Materie kann man vergeistigen und bewegen, selbst die schwerste Masse ist im Kern nur „Schwingung“ und Energie. Letztendlich hängt beides miteinander zusammen und das eine ist die Manifestation des anderen.

> Die To-Do Liste ist abgehakt, die Pflichten sind erledigt, die Kämpfe des Alltags sind gefochten, die Tränen der naiven Weiblichkeit sind geflossen und schon längst wieder getrocknet, die schwermütigen Gedanken wurden zu Ende gegrübelt und die wesentlichen Steine aus dem Weg geräumt, so gut es eben geht. Aber geht es immer gut?

Derzeit ist es mir zu kalt, einfach zu kalt. Der Mensch funktioniert nicht wie eine Maschine. Die stottern zwar auch, wenn es kalt ist und springen nicht an, aber der Mensch – sprich ich- leidet noch viel mehr. Die Sonne fehlt. Permanente Antriebsschwäche gesellt sich als Begleiter in den Tag. Warten auf den Frühling, doch stattdessen unendlich langer Winter. Die Haut ist trocken und muss ständig eingecremt werden. Die Haare sind trocken und „elektrisch“ und können nur mit viel Feuchtigkeit oder speziellen Pflegeprodukten wieder beruhigt werden.

Der Computer beschwert sich nicht, wenn er ein Leiden hat. Ein Computer jammert nicht. Ein Computer bloggt nicht. Ein Computer hat überhaupt gar keine Gefühle. Das ist einfach nur eine blöde Maschine, die stets alles besser kann! Sch… Maschine!

> Alles nervt und eine gewisse Reizbarkeit hat sich breit gemacht. So geladen wie die Haare sind auch meine Worte und „Demut“ ein Konzept über dass ich zwar nachdenke, dessen Realisierung aber unwesentlich mehr Kraft erfordert… „Nimm die Gesinnung der Erde an“, ist ein buddhistisches Sprichwort, dass ich sehr gut finde. Es visualisiert eine Haltung, die im Buddhismus als erstrebenswert gilt: Auch wenn die Menschen Schmutz, Abfall und Unrat auf die Erde werfen, auf sie spucken, usw. soll man sich nicht aufregen, sondern eben die Geduld der Erde annehmen. Es einfach geschehen lassen. Genügsam und beständig bleiben. Gelassen, vielleicht ein wenig gleichgültig. Demütig. Ein schwieriges Wort.

Ein Computer gibt stets alles linear aus und erstellt übersichtliche Tabellen und Listen. Ein Mensch hingegen, so wie ich, kann alles durcheinander schreiben und dennoch seinen Spaß dran haben. Ein Mensch ist kreativ! Und die Fehler, das was der Computer stets auszumerzen versucht, sind seine Stärke!

> Fassungslosigkeit und positives Erstaunen dagegen bei den Ereignissen des politischen Alltags, vor allem wenn man nach Ägypten schaut. Traurigkeit ob einzelner, verstorbener Personen, die ich zwar nicht persönlich kannte, die mir aber doch irgendwie wichtig erscheinen. Der Tod des Filmemachers Eichinger z.B. das fand ich traurig, weil er doch einige Filme gemacht habe, die mich geprägt haben oder die ich sehr gut fand. Jedes einzelne Ereignis wäre ein eigener Eintrag wert, aber gönne und erlaube ich mir die Zeit? Der Computer berechnet die Zeit, der Mensch „verschwendet“ sie.

Wieviel Meldungen verträgt der Mensch und ab wann wird es zuviel? Könnte ich nicht einfach sagen, ein Blog-Artikel pro Woche muss reichen und die Welt solange auf mich warten? Wird sie wahrscheinlich nicht…

> Sarkastisches, bis ironisch-ungläubiges Schmunzeln wenn ich die Diskussion über die Frauenquote in den Medien und Blogs verfolge. So gerne würde ich was dazu schreiben, so schwer fällt es, still zu halten und doch schrecke ich immer mehr zurück. Was ist eigentlich, wenn man schweigt? Seinen Lautsprecher verlegt hat, das Monitorkabel nicht mehr findet?

Einfach schweigt, so lange wie man kann? Was passiert dann? Verändert sich die Welt? Wie wäre die Welt, wenn man sich nicht mehr mitteilen kann, wenn man keine Wort mehr findet, wenn man kein Ventil mehr hat oder die Stimme verliert? So wie es tausenden , wenn nicht Millionen Menschen auf der Welt geht, die unterdrückt sind oder keine Stimme mehr finden. So wie ein dummer Computer, der keine Seele hat und folglich auch nicht darüber bloggen kann.

Was ist, wenn die Stimme niemand mehr hören kann, was ist, wenn man zu leise spricht?

Ich glaube, dann sollte man sich einmal gründlich räuspern und dann anfangen zu schreien. Wenigstens einen Tag.

> Einen menschlichen Tag lang, im Leben.




Der Militärmachthaber

Der Militärmachthaber war ein finsterer Geselle. Nicht nur, dass er eine schlechte Kindheit gehabt und von seinem Vater ständig verprügelt worden war, nein- zu allem Übel war er auch noch intelligent und hatte in seinem Leben große Macht erlangt. Mit dieser Macht konnte er es allen zurückgeben und zeigen, was in ihm steckt.

In der Schule wollte bereits keiner mehr mit ihm spielen und im weiteren Verlauf wurde das immer schlimmer. Er wurde stark, aber er wurde auch einsam. Seine Menschlichkeit, die durchaus in Ansätzen mal vorhanden gewesen war, hatte sich wie eine Pflanze ohne Liebe und Sonnenlicht über die Jahre hinweg zurückgebildet und war verkümmert.

Vielleicht war er mal ein Mensch gewesen und wollte so wie du und ich auch nur glücklich sein. Eine gute Ehe führen, einen guten Job haben und heil über die Runden kommen. Aber da ihm der liebe Gott so ein Leben nicht erlaubte und ihn auf eine Prüfung schickte, sagte er sich bald von Gott los und beschloss, sein eigenes Ding zu machen.

Von da an lebte er ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Moral. Überlegungen, die eigene Macht zu vergrößern, waren sein einziges Interesse. Für seine Untertanen interessierte er sich nicht.

„Herr Machthaber, das Ausland ignoriert uns und hat ein weiteres Handelembargo verhängt. Wir können unsere Bevölkerung nicht mehr richtig ernähren. Was sollen wir tun?“ kam sein Berater eines Tages auf ihn zu. Er war verschwitzt und das Hemd saß nicht richtig. Er hätte mal einen Haarschnitt vertragen. Unordnung schätzte der Diktator nicht.

„Verschonen sie mich mit diesem Schwachsinn“ blaffte der Machthaber ihn an. „Ich habe besseres zu tun, als mich auch um das Jammern zu kümmern. Die jammern doch ständig. Sie sollen was arbeiten und ihre Produktivität erhöhen, dann geht es ihnen auch wieder besser. Außerdem bekommen wir doch diese Hilfslieferungen, was ist damit? Zweigen sie einfach davon was ab und tun sie so, als ob es von uns kommt und dann machen sie einen Film darüber. Aber der sollte um 20 Uhr gesendet werden, ja? Damit ihn alle sehen.“

„Wird gemacht“ leise kopfschüttelnd entfernte sich sein Berater. Es war aussichtslos, den Diktator vom Gegenteil oder eines Besseren zu belehren. Er machte doch, was er wollte.

Der Machthaber hatte in der Zwischenzeit eine Videokonferenz mit seinem Waffenminister geschaltet und wollte wissen, wie die neuen fahrbaren Raketen sich machen und ob man den Produktionssoll von 1.000 Stück pro Woche nun endlich erreicht hatte?

„Aber natürlich, aber natürlich! Wir tun alles, was in unserer Macht steht. In zwei Wochen haben wir unseren Output erreicht, so wie von ihnen befohlen, Herr General! Derzeit gibt es noch kleinere Probleme mit…“

„Still! Ich will nichts davon hören. Verschonen sie mich mit den Details. Machen sie es einfach!“

„Jawohl, Herr General!“ – die Verbindung wurde beendet.

Der Machthaber starrte auf den schwarzen Schirm. Gedankenverloren nippte er an seinem Drink.

Das war fast wie früher. Als sein Vater ihn schlug und ihm Gehorsamkeit lehrte. „Gehorsamkeit“ dies Prinzip hatte er verstanden und verinnerlicht. Es war sein zweiter Vorname geworden. Er liebte Gehorsamkeit und Disziplin. Er liebte Macht und das Gefühl, etwas zu bewirken.

Dann ging er zum Fenster und schaute über die Skyline, über die Häuserschluchten seiner Macht. Er war ganz oben angekommen. Hier gefiel es ihm. Alle hatten zu tun, was er sagte. Der Palast glitzerte an allen Ecken und Enden und der Marmor auf dem Boden spiegelte seine dickliche und untersetzte Statur.

Was seine Ex-Frau wohl nun machte? Vor drei Jahren hatte sie ihn verlassen. Sie hielt es nicht mehr mit ihm aus. Er wollte noch ein staatliches Dekret verhängen, das Scheidungen von seiten der Frau verhinderte, aber da war es bereits zu spät. Sie war einfach abgehauen und hatte sich nach Amerika abgesetzt. In das Land des Feindes. Er schnaubte innerlich und goß sich noch etwas nach.

Wenn er nicht irgendwann im Laufe seines Lebens auf eine falsche Seite gerutscht wäre, wäre er vielleicht sogar ein guter Staatslenker geworden. Einer mit Umsicht und Verantwortungsgefühl. Aber irgendein Strang in seinen Genen, irgendeine schlechte Erfahrung in seinem Leben und am Ende das ganze System hatte der „guten Seite“ in ihm einen Riegel vorgeschoben. Einen unüberwindbaren und schweren Riegel aus Stahl.

Je mehr Macht er erhielt, desto weniger scherte er sich um die Konsequenzen. Er war ein sich selbst erhaltender Mechanismus. Ein Teufelskreis. Ein System, das einfach funktionierte. Er bekam immer mehr Macht und die anderen mussten kuschen.

Nur die Ausländer, die internationale Presse, die hatte er noch nicht unter Kontrolle. Die Menschenrechtsorganisationen und die selbst ernannten Heiligen und Gutmenschen. Die standen ihm noch im Weg.

Vielleicht würde ein Krieg helfen. Ein Krieg gegen ein schwächeres Land. Er überlegte. Ja, das war eine gute Idee.

So würde er es machen.




Motto-Blog, das: Spiegelverkehrt

-Grübeln geht immer-

außer man hat schlechte Laune.

Oder es ist herbst.
Oder es ist kalt.
Oder der Kopf ist leer.
Oder man hat sich gerade geärgert.
Oder man isst gerade.
Oder man geht gerade spazieren.

Oder man schaut sich gerade eine Blume an.
Oder man hört Nachrichten.
Oder man ist beim Einkaufen.
Oder man schaut gerade Fernsehen.

Oder man langweilt sich.
Oder man schaltet die Kiste ein.
Oder man schreibt einen Text…
Oder man bohrt in der Nase
Oder macht Musik
Oder Stille

Oder man kommentiert
Oder man engagiert sich für Frauen
Oder für Männer
Oder für die dazwischen

Oder für die jungen Menschen
Oder für die Alten
Oder für die Einsamen
Oder für alle Glücklichen.

Oder man geht gerade ins Bett
Oder man schläft.
und schläft.. und schläft..

Keine Sorge: Am nächsten Tag ist das Motto dann wieder gültig. 😉