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Frau Piotrowski – 3

Nachdem du genug getrunken hast und dein Schwarm definitiv nicht mehr kommt, beschließt du nach Hause zu fahren. „Nach Hause“, wo war das nochmal? Du strengst deinen kleinen süßen Kopf an, aber es kommt fast nichts raus.

Mit Müh und Not findest du den Autoschlüssel in deiner überfüllten Handtasche. Das Auto steht gleich um die Ecke. Du lässt den Motor an und fährst in Schlangenlinien durch die Nacht.

Es regnet. Es ist windig. Der Seitenwind verstärkt deinen unsicheren Fahrstil noch. Scheißegal denkst du dir und rülpst.

Zu Hause ist Licht in der Garage. Da fällt dir ein, dass da noch jemand ist.
Du hast seinen Namen vergessen. Du nennst ihn nur noch „Lusche“ oder „Depp“.

Der Depp steht in der Garage und baut mal wieder irgendwas. Du fährst schief in die Garageneinfahrt und erwischst einen Blumentopf. Scheißegal, denkst du dir.

„Na“ sagst du zu ihm. Auf mehr hast du keine Lust.
Er bastelt an irgendwas. „Was ist das denn?“ du schaust ungläubig auf die Maschine, die er sich da gekauft hat. Es ist ein riesiges Teil, das die ganze Garage verstopft.

„Hi Schatz, schön dass du da bist. Schau mal ich hab mir einen Rasentraktor gekauft.“

„Einen was?“ Du reißt die Augen auf. Sofort wirst du sauer.

„Ja einen coolen Rasentraktor. War im Angebot. Hat nur 2.500 Euro gekostet. Und dazu gab es noch eine Häckselmaschine.“ Die besagte Maschine steht noch in Folie in der Ecke. Sie sieht riesig aus. Und überflüssig.

Du merkst wie es in deinem Gesicht weiß und kalt wird. Ein Rasentraktor.. im Dezember.
Weil ja auch im Moment soviel Rasen wächst.

„Aha“ das ist das einzige was du rauskriegst. „Du weißt aber schon, dass ich das Geld eigentlich für was anderes gebraucht hätte?“

„Ja tut mir leid Schatz. Du kannst deine Sachen ja dann später kaufen.“

Du sagst nichts mehr und gehst ins Haus.

Da ist noch irgendwer. Du hast sie fast vergessen.
Deine Tochter. Sie ist krank und liegt im Bett. Sie will mit dir reden. Aber du hast irgendwie keine Zeit.

„Hallo Mama“ sagt sie und guckt dich mit großen Augen an. „Wo warst du?“
„Hi Schatz.. ich war.. weg.. hab jemand getroffen. Oder zumindest versucht, jemand zu treffen.“

„Du siehst traurig aus, Mama.“
„Ja..echt? hm..“

Sie hustet. Du machst ihr was zu essen. Eine warme Suppe. Und hörst ihr zu.

Dann kommen die Tränen.

Frau Piotrowski – 2

Heute geht es Dir richtig dreckig. Dein Schwarm ist natürlich nicht gekommen an dem Abend.
Du hast zwar seine Nummer, aber er antwortet nicht. Die Liste Deiner Nachrichten auf WhatsApp wird immer länger. Du schämst dich. Es sieht dumm aus. Du schreibst, aber er antwortet nicht.

Er ignoriert dich total, dieser Schuft! Erst macht er dir schöne Augen, dann die totale Abfuhr. Er hat noch nicht einmal den Mut, es dir zu sagen. „Ich will dich nicht verletzen, Paulina“ scheint er zu denken. Aber wieviel verletzend mehr ist GAR KEINE Reaktion!! Bitteschön! Das ist noch viel schlimmer.

Du merkst, dass du richtig eingeschnappt und beleidigt wirst. So hat dich noch keiner behandelt. Dieses Würstchen, dieser Schuljunge. Soll er doch zu Hause bei seiner Mama bleiben und am Computer zocken. Unreif! Er hat dich gar nicht verdient. Die schönste aller Frauen sitzt hier, ist freundlich und nett und wartet auf ihn. Hat sich extra schön gemacht. Und dann das!!

Du nimmst noch schnell einen Schluck aus dem Weinglas, das vor dir steht. „Noch eines bitte“ sagst du zum Kellner, der immer ganz schnell an dir vorbei sprintet und dich meistens gar nicht wahrnimmt. Er ist schon etwas älter und hat einen interessanten Bart. Er ist klein und dicklich und sieht fast aus wie ein Zwerg aus einem Fantasy-Roman. Manchmal glotzt er dich aus seinen braunen Augen an. Du glotzt zurück. Aber ansonsten ist er nicht dein Typ.

Der Alkohol betäubt dich und lässt die Gefühle etwas besser ertragen. Du merkst, wie deine Wangen warm und rot werden. Scheißegal, denkst du dir. Und nimmst noch einen Schluck. Die Weihnachtslichter verschwimmen. Die Geräusche der Kneipe werden zu einem Brei. Alles leuchtet, alles schwimmt. Du verlierst den Halt. Es ist dir egal.

„Eigentlich würde ich mich gerne umbringen“. Der Gedanke kommt hoch, aber du drückst ihn schnell nach unten. Er ist genauso sinnlos wie alles andere.

Wegen einem so nem Typ! Lächerlich.

In der Toilette kontrollierst du noch schnell deine Frisur. Die Haare sind mal wieder verwuschelt. Deine Haut glänzt und ist fettig, die muss dringend abgepudert werden. Der Lippenstift ist auf der Oberlippe weg, aber auf der Unterlippe noch drauf. Sieht blöd aus. Schnell nachziehen.

Als du zurück kommst, checkst du nochmal die Kontaktliste deines Telefons. Da sind noch ein paar andere Typen drin. Du schreibst eine Nachricht an deinen alten Schulfreund. Du hast ihn immer gemocht, irgendwann dann aus den Augen verloren. Er ist stark und kräftig. Er hat eine Schulter zum Anlehnen und Ausheulen. Das wärs jetzt. Du magst seine Verrücktheit, dieses unberechbare, etwas zynische und arrogante. Das macht dich total an.

Deine Whatsapp-Nachricht wird sogar beantwortet. Sie klingt ein bisschen kühl. Genauso hast du ihn in Erinnerung. Kühl und männlich und überlegen. Genau das, was du jetzt brauchst. Jemand, der nicht soviel quatscht und nicht so viele Fragen stellt. Einfach nur puren, harten Sex.

Außerdem kennst du noch einen anderen Typ. Mehr so ein Künstler. Er macht viel auf Instagram, ist auch aus Mannheim. Er hat dein Interesse geweckt. Keine Ahnung warum. Gleich von Anfang an. Er macht dich nicht an, ist aber nett. Etwas älter als du. Hat auch Stil und Kultur.

Wie wäre es mit dem ? Es gibt soviele Männer da draußen, man braucht gar nicht auf die unreifen Bübchen zu warten. Es gibt so viele Singles. Es gibt so viel zu erleben. Also raus in die weite Welt.

Frau Piotrowski

„Frau Piotrowski“… du lässt den Namen immer wieder durch dein Gehirn wandern.
Er gefällt Dir. Er klingt gut.

Du stellst dir vor du würdest so heißen, wie der Mann, den du begehrst.

Eigentlich mochtest du den Namen zuerst nicht. Er klang etwas fremd, seltsam. Er hat dich zuerst überrascht, so wie der Träger des Namens dich überrascht hat.

Aber vom Namen und vom Träger gehen eine seltsame Anziehungskraft aus.
Etwas, das für dich völlig neu ist. Du magst ihn. Den Träger und den Namen.
Es vermischt sich. Beide werden eins. Du begehrst den Träger genauso wie den Namen.

Obwohl du das nie wolltest, kannst du dir plötzlich vorstellen, dich so umbenennen zu lassen.

„Gestatten, Paulina Piotrowski“ du kicherst bei der Vorstellung. Wie albern das ist.

Aber du merkst, dass es viel mehr als nur Albernheit ist.

Du gehst durch die Stadt und stellst dir vor, wie wohl seine Mutter ist.
Die diesen Namen trägt. Er hat ein paar Mal von ihr erzählt. Er scheint sie sehr zu mögen. Er schwärmt beinahe von ihr. Sofort bist du eifersüchtig geworden, als du gemerkt hast, wie viele Gefühle da wohl im Spiel sind.

Auch das ist neu. Nie hast du dich für die Mütter deiner Partner interessiert. Aber bei ihm schon.

Du gehst durch die Stadt und stellst dir vor, du bist sie. Du hast dich extra chic gemacht und ganz schön geschminkt. Sie ist ja auch älter als du. Sie ist bestimmt eine Dame und sie hat Stil.
Nicht so zerzaust und ungepflegt, wie du manchmal rumläufst. Hier auf dem Land kümmern sich die Leute nicht so um das Aussehen. Es muss praktisch sein und schnell gehen. Kann auch mal Erde und Dreck vom Feld dranhängen. Es wird halt „geschafft“. Egal.
Aber in der Stadt? Wo die chicen und gut erzogenen Menschen der Oberschicht wohnen? Das ist alles ganz anders.

Du mussst jetzt ihren Stil kopieren, um mithalten zu können. Dein Gewicht stört dich, du willst noch mehr abnehmen, um so auszusehen wie sie. An den Haaren musst du was machen. An den Zähnen, etwas aufhellen wäre nicht schlecht. Der Teint darf nicht so grau sein!

Du hast dir eine neue schwarze Handtasche gekauft, die sehr chic und damenhaft aussieht.
So eine Tasche hattest du noch nie. Überhaupt achtest du in der letzten Zeit sehr darauf, dass alles gut zusammenpasst und schön aussieht.

In Mannheim gehst du in jedes Café und genießt die neugierigen und offenen Blicke, die dir seit neustem zugeworfen werden. Egal, wohin du gehst, die Menschen reagieren gleich positiv auf dich.
Spüren sie deine Verliebtheit?

Dabei machst du nicht viel. Du trägst deine blonden Haare offen, du hast dich chic gemacht, ein bisschen geschminkt und du lächelst jeden an. Du kannst nicht anders.
Du musst nett sein. Du willst kommunizieren und das geht nunmal gut über Blicke. Du bist gerne nett und hübsch.

Du bist gerne Frau Piotrowski.

Du stellst dir vor, er sitzt dir gegenüber und lächelt dich an. ER bewundert dich und zuckt zusammen, wenn du den Raum betrittst. Er ist zurückhaltend und nett. Höflich und charmant. Er ist nett zu dir, weil er dich wie seine Mutter behandelt, zu der er ein gutes Verhältnis hat.

Du machst ein paar Späße mit ihm und bist überrascht, wie gut das klappt. Ihr müsst immer beide zusammen und unwillkürlich lachen. Du planst es nicht, es schwingt einfach gut. Ihr gleicht euch sofort an.

Aber er ist nicht da. Nur in deinem Kopf. Du sitzt alleine in dem Café und vermisst ihn. Eine große Liebe ist in deinem Bauch. Dein ganzer Körper strahlt und leuchtet. Du bist verknallt über beide Ohren und vermisst ihn. Er ist da und auch wieder nicht.

Wo ist er ?

Wann kommt er endlich zum Essen?

Die beste Freundin – 5

Sie geht auf die andere Seite des Autos und steigt ein. „Endlich hat das Geplapper aufgehört… das war ja nicht mehr zum Aushalten“ denkt sie sich… und muss dabei schon wieder grinsen. Weil „Blondie“ jetzt schläft.. traut sie sich, mal richtig zu grinsen. Das Grinsen reicht von der einen Seite des Gesichtes bis zur anderen. Sie dreht den Schlüssel und parkt das Auto vorsichtig rückwärts aus. Das ist nur ein kleines Stück. Der Innenhof ist schlecht beleuchtet und mit Autos vollgeparkt. Es ist schon dunkel geworden. Sie drückt die Kupplung, schaltet in den Leerlauf und hält das Auto kurz an.
„Wohin soll ich jetzt fahren? Soll ich sie wirklich nach Hause fahren? Meine Güte, ist die dumm. Was ich jetzt alles mit ihr machen könnte. Sie ist so vertrauensselig.. das ist ein Fehler in der heutigen Zeit. Sollte sie nicht sein. Auf der anderen Seite freut es mich auch, dass sie mir so vertraut.“

Sie weiß nicht genau, was sie möchte. Sie weiß nur, dass das Autofahren ihr hilft, einen freien Kopf zu bekommen.

Sie fährt von der Seitenstraße raus in die stärker befahrene Hauptstraße und gibt Gas. Der kleine Motor heult auf. Das zusätzliche Gewicht ihrer neuen Beifahrerin macht ihm bereits zu schaffen. Dennoch ist die kleine Fahrerin so aufgedreht, dass sie einfach Gas geben muss. Sie überholt schnell ein paar Besoffene, die in Schlangenlinien auf der rechten Spur rumkriechen.

Die Ampel schaltet auf Gelb. Sie gibt schnell noch mehr Gas, damit sie noch rechtzeitig rüberkommt. Nach einiger Zeit kommt auf der rechten Seite eine Tankstelle. „Kippen brauche ich noch“ denkt sie sich. Also zieht sie das kleine Gefährt mit einem Schwung nach rechts und rumpelt über die Ausfahrt. Mit einem starken Bremsvorgang hält sie vor dem Tankstellengeschäft. Sie schaut kurz zum Beifahrersitz rüber. „Schläft die noch? Sieht ganz so aus. Wie ein kleines Kind. Wie hübsch sie ist, wenn sie da liegt.“ Ihre blonden Haare sind etwas gelockt und hängen ihr über die Schulter. Der Kopf ist zur Seite geneigt. Die Augen sind fest verschlossen. Aus ihrem geschminktem Mund läuft ein bisschen Speichel. Sie nimmt ein Taschentuch aus ihrer Handtasche und wischt ihrer Beifahrerin damit über den Mund. Dabei bleiben die Reste des Lippenstiftes daran hängen. Egal.. das mag sie sowieso nicht so gerne. Der kann auch ganz weg.

Sie spürt schon wieder das Verlangen ihr über die Beine zu streichen. Sie irgendwie zu berühren.. Aber nicht hier.
Hier sind zuviele Leute. Sie steigt aus dem Auto, wirft die Tür mit Schwung ins Schloss und schließt ab.

„Eine Schachtel Zigaretten bitte“.. ein junger Typ hinter der Kasse mit Pickeln im Gesicht reicht ihr wortlos die Schachtel. „6,30 Euro! Haben sie noch getankt?“
„Nein. Das hätten sie gesehen, wenn ich getankt hätte, oder?“
„Ja. Aber ich muss trotzdem fragen. Die Vorschriften“
„Aha.“
Sie gibt ihm schnell das Geld und verschwindet wieder. Sie weiß nicht, was ihre Freundinnen immer von Typen wollen. Der hier war so unattraktiv wie die Nacht. Wie kann man sich in so jemand verlieben? Das wird sie nie verstehen. Sicherlich gab es da immer mal wieder welche. Männer, die attraktiver als andere waren… die waren aber immer besonders, die hatten das gewisse „Etwas“. In den 0815 Typen von der Tankstelle würde sie sich niemals verlieben. NEVER!

Zurück am Auto ist sie immer noch nicht schlauer. Sie überlegt, wo sie jetzt hinfahren soll. Zu ihr selbst nach Hause? Oder das Blondie nach Hause fahren? Ihr Typ wird bestimmt bald unruhig. Was macht sie, wenn der anruft? Sie kann sich schlecht eine Geschichte ausdenken. Nein.. diesmal wird es schwierig.

Sie nimmt ihr Smartphone und sucht eine Adresse aus den Kontakten. Diese tippt sie in ihr Navi, das an der Scheibe klebt.
Es dauert einen kurzen Moment, bis der Computer alles berechnet hat. „Jetzt geradeaus fahren“ quält die weibliche Stimme aus den mickrigen Lautsprechern. Sie tut, wie ihr befohlen wird und fährt los.

Die beste Freundin – 4

Nachdem ihr eine sehr lange Zeit getanzt habt, merkst du, dass jetzt doch die Müdigkeit durchkommt.
Die Beine werden schwer, der Alkohol hat ein leichtes Sodbrennen verursacht und irgendwie ist dir übel.

„Ich glaub, ich muss mich mal kurz setzen.“ sagst du und lächelst kurz zu deiner Freundin rüber, die noch mitten im Tanz ist. „Okeee“ singt sie dir zu und schaut nur kurz rüber. In ihren Augen ist ein seltsamer Gesichtsausdruck, den du nicht richtig zuordnen kannst. Das ist eine Mischung aus besorgter Überraschung und … etwas, das du bei ihr vorher noch nicht gesehen hast. Eine vernünftige Einordnung von Menschen geht aber sowieso nicht gut im Moment.

Du wankst schnell zum Tisch und der Eckbank hinüber, wo ihr die ganze Zeit gesessen habt.
Dir ist echt schlecht. Du bist total müde. Aber auch glücklich. Es ist eine verrückte Mischung.
Du merkst ein Kribbeln im Hals, wahrscheinlich ist schon wieder eine Grippe im Anflug.
Der Raubbau am Körper zeigt seine ersten Spuren. Du bist halt doch nicht mehr die jüngste.

Und deine Freundin? Sieht so aus, als sei sie gerade frisch aus dem Ei gepellt.

Sie tanzt und tanzt und hat echt mehr Ausdauer als du. Sie ist natürlich auch schlanker und hat weniger Gewicht. Anscheinend ist sie das viele Tanzen gewohnt. Dennoch zeigt sie wieder ihr ganzes Mitgefühl, denn sofort merkt sie, dass bei dir was nicht stimmt. Sie kommt zu dir rüber. Ihr schwarzes T-Shirt ist etwas verschwitzt. Ihre langen Haare sind durcheinander und die Strähnen hängen ihr im Gesicht. Du riechst eine Mischung aus süßlichem Deo und Parfüm. Sie streicht Dir mit der warmen Hand über die Haare und Stirn. „Ist alles okay bei Dir?“ Dann schaut sie dir tief in die Augen und beugt sich zu dir rüber. Dabei berühren ihre Brüste deine Arme. „Da stimmt doch was nicht! Wollen wir mal an die frische Luft gehen?“

„Ja.. ich glaube das wäre gut.“ entgegnest du nur kurz. Deine Freundin bezahlt schnell die Getränke und holt eure beiden Jacken. Ihr geht an die frische Luft. Es ist gleich viel besser. Die Luft ist gut, auch wenn es sehr kalt ist.
Du hast keine Ahnung wieviel Uhr es ist und auch keine Lust schon wieder auf die Armbanduhr zu schauen. Das käme dir in der jetzigen Situation so unangebracht, so zwanghaft kontrolliert vor. Du hast im Moment größere Probleme als die Zeit. Stattdessen lehnst du dich einfach an die verputzte Außenwand der Kneipe und versuchst etwas Luft zu bekommen. Die hohen Schuhe drücken.. du würdest sie am liebsten ausziehen und barfuss weiterlaufen. Das wäre aber zu kalt. Die Handtasche rutscht ständig von der Schulter. Und du möchtest nicht wissen, wie dein MakeUp aussieht! Die Strumpfhose rutscht und du hast schon wieder das Bedürfnis, sie hochzuziehen. Wäre Dir im jetzigen Zustand auch egal, also machst du das und zupfst deine Klamotten zurecht. Dein neues Kleid ist schön, es ist sehr feminin. Du magst es wirklich. Deine Freundin beobachtet dich kurz… dann steckt sie sich eine Zigarette an und schaut in die Lichter der vorbeifahrenden Autos.

„Immer noch viel unterwegs heute abend“.. murmelt sie vor sich hin… „Was ist jetzt mit Dir, gehts Dir wieder besser?“

„Ich .. denke schon… aber eigentlich würde ich auch gerne nach Hause. Ich müsste mich mal ausschlafen.“ Du versuchst zu lächeln oder komisch zu wirken, aber es wirkt nur verkrampft.

„Kein Problem, soll ich dich fahren? In Deinem Zustand wirst du wohl kein Auto mehr fahren wollen!“

„Ich.. äh.. tja. Aber was mache ich dann mit meinem Auto? Ich kann es hier schlecht stehen lassen.“

„Ach das ist doch kein Problem“ sagt sie schon wieder sehr zuvorkommend. „Ich fahr dich jetzt einfach nach Hause, dann schläfst du dich richtig aus und dann fahren wir am Tag nochmal rüber dein Auto holen. Was hälst du davon?“

„Ja.. okay. das klingt eigentlich nicht schlecht. Danke, das ist sehr nett von Dir.“

Sie greift nach deiner rechten Hand und zieht dich zum Parkplatz, der hinter der Kneipe in einem Innenhof ist.
Sie macht dir die Tür auf und lädt dich ins Auto. Mittlerweile sind deine Beine sehr weich, du kannst kaum noch stehen.

Du bekommst noch mit, wie deine beste Freundin deine Beine über die Kante hebt und vorsichtig deinen Kopf auf den Sitz bettet. Du fühlst dich wie ein Püppchen, hilflos und schwach. Vor deinen Augen verschwimmen die Bilder. So langsam schwindet das Bewusstsein. Du bekommst gerade noch mit, wie du von ihr angeschnallt wirst, dann verlierst du das Bewusstein.

Die beste Freundin – 3

Passende Musik „My own prison“ von Creed

Du überlegst, dass es jetzt an der Zeit ist zu gehen. Du bist müde geworden, das meiste ist eigentlich gesagt worden.
Deine gute Laune und die Aufregung, die du am Anfang hattest, ist einer größeren Müdigkeit gewichen.
Du sehnst dich nach dem warmen Auto, den bequemen Sitzen und einen gemütlichen Schlaf in den eigenen vier Wänden.
Du willst dein Leben verschlafen, so wie sonst auch immer.

„Also meine liebe Freundin, es war schön mit Dir zu reden. Ich denke, dass ich jetzt gehen werde. Ich hab noch einen langen Weg bis nach Hause.. und .. äh..“ Gerade als du den letzten Satz fertig aussprechen möchtest, spürst du eine Berührung auf deinem Knie. Ganz sanft, fast unmerklich, aber das Blut schießt dir direkt in den Bauch und in den Kopf. What the fuck? Was ist denn jetzt los? Deine beste Freundin hat ihre Hand auf dein Bein gelegt und hält dich sanft fest. „Geh noch nicht… “ sagt sie und ihre Augen werden dabei noch größer und weicher. Du meinst, eine Träne in ihren Augen zu sehen. „Ich hab Dir noch soviel zu erzählen. Lass uns was verrücktes machen, damit du wieder wach wirst. Lass uns eine Runde tanzen gehen!“ Sie lacht dich an und die anfängliche Fröhlichkeit kehrt in ihr rundes Gesicht zurück. Und du spürst auch an dir eine gewachsene Fröhlichkeit.

„Nun ja, wenn du meinst.“ Du findest die Idee eigentlich ganz gut.. aber was war das denn eben? Sie hat die Gabe, dich zu überraschen. Sie kann deine Selbstzweifel mit einer einzigen Geste in die Ecke schleudern. Sie reißt deine mühsam aufgebaute Maske mit einem Fingerschnippen herunter. Langsam schleicht sie sich von hinten an und urplötzlich stehst du nackig da. Diese Tatsache schockiert dich. Du ringst mal wieder nach den richtigen Worten… „Natürlich können wir eine Runde tanzen! Kein Problem!“

Ihr geht zusammen auf die Tanzfläche und versucht euch in die Musik reinzuversetzen. Zuerst geht das noch nicht gut, weil gerade was schnarchiges läuft. Aber dann gehst du zum Gastwirt und fragst ihn, ob er nicht was flotteres zum Tanzen auflegen könnte, z.B. HipHop oder was rockiges. Er tut es und schlagartig ändert sich die Stimmung.

Deine beste Freundin hat die Gabe, sich sofort in die Musik reinzuversetzen und sofort loszulassen. Sie geht voll ab, wirft ihren Kopf hin und her, die Haare fliegen durch den Raum. Wie lang ihre Haare sind! Das fällt Dir jetzt erst auf. Etwas steif stehst du noch daneben und versucht deinen Körper im Takt der Musik zu wiegen. Sie schaut dich an.. ihr fällt es auf, wie verkrampft du bist… „Ach komm schon!“ sagt sie und greift dich an beiden Händen. Du fühlst dich wie ein kleines Kind in der Tanzschule, dass das erste Mal jemanden tanzen sieht. Du bist völlig baff und beeindruckt von ihr. „Es muss mehr schwingen… guck – sooo!“ und schon wieder geht sie ab. Ihr Körper biegt sich zur Musik, ihre Seele ist weit weg und im ganzen Raum verteilt. Sie sieht so fröhlich aus. Das steckt dich an. Du wirst auch lockerer. Bewegst dich besser. Trinkst noch schnell ein Schluck Bier. Und dann tanzt ihr und tanzt… die leichten Berührungen, die ab und zu enstehen, bemerkst du gar nicht. Sie sind halt einfach da. Es gehört dazu. Sie ist deine beste Freundin.

Die beste Freundin – 2

Passend dazu: Dont push me von 50 Cent

Ihr redet noch sehr lange miteinander. Auf dem Tisch vor euch stapeln sich so langsam die Gläser. Die Bedienung bringt ständig neue Bier- und Cocktail-Gläser, räumt die alten aber nicht ab. Du schiebst die Gläser hin und her und kramst einen neuen Bierdeckel aus der Halterung. Der Aschenbecher vor euch ist voll. So langsam macht dich der Alkohol richtig frei. Du überlegst, was du deiner neuen Freundin noch alles erzählen könntest. Sie hat die Haare geöffnet und sich bequem hingesetzt. Ihr Augenausdruck ist ganz ruhig und behutsam. Es ist so einfach, ihr alles zu erzählen. Deine Hemmungen sind weg. Du weißt im Grunde sehr wenig über sie und sie weiß auch nur wenig über dich. Also nähert ihr euch so langsam den ernsthaften Themen. Es geht um Kinder, Beziehungen, Partnerschaft. Wie wir denn so ticken, warum wir so sind, wie wir sind? Beim Reden über diese Themen wird dir dein eigenes Leben nochmal bewusst. Du fragst dich, ob jede Entscheidung richtig war? All diese kleinen Schritte haben dich heute hier her gebracht. Es sind eine Menge, wenn man genau hinschaut! Genau da, wo du sitzt. Du bist glücklich und frei, daher kann das ganze nicht „falsch“ gewesen sein. Aber wirkliche Verbundenheit zu anderen Menschen ist trotzdem selten. Du magst die Menschen, soviel ist klar. Aber es gibt nicht viele Menschen, die dein Schicksal teilen, die das wirklich nachempfinden können. Die Erfahrung ist, dass Menschen Offenheit meistens nicht schätzen. Dass sie deine Schwächen ausnutzen und gegen dich verwenden. Dass sie dich ignorieren und schneiden. Dass sie sehr viel selbst an sich herumfummeln und keine Lösung finden. Dass es einfacher ist, falsch und verlogen durch das Leben zu gehen, als aufrichtig und ehrlich. Es ist eine traurige, oberflächliche Welt da draußen.
Wie auch immer – Du kannst DICH nicht erklären. Du kannst niemanden bekehren, keinen belehren. Die Dinge sind, wie sie sind. Sie haben dich eindeutig geprägt. Wenn man Vertrauen zu anderen Menschen aufbauen möchte, muss man sich diesen Themen stellen. Es geht nicht ohne. Dennoch ist da der Wunsch, es einfach zu vergessen. Man schneidet es mal an, und gut ist. Es hängt nicht an deiner Stirn und das muss es auch nicht. Es ist irgendwo da drinnen, ein Teil deiner Persönlichkeit, so wie Baumringe ein Teil des Stammes geworden sind. In guten Jahren sind die Ringe größer und kräftiger und in schlechten Jahren mickerig. Aber sollte man ständig den Stamm aufsägen und drauf rumgucken? Nein, das hast du nicht nötig. Du kannst ein Buch verteilen, wo die Anleitung zu Deiner Seele drin geschrieben steht. Du kannst es aber auch lassen und andere „raten“ lassen.
Du trinkst das letzte Glas aus, der Schaum schwimmt am Glasboden. Dann fragst du dich, was du eigentlich willst?

Ein Blick auf die Armbanduhr verrät, dass es schon 23:30 Uhr ist. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Draußen ist es stockdunkel. Der Verkehr auf der Straße hat leicht abgeflaut. Ein paar Menschen laufen noch schnell am Fenster vorbei und haben den Kragen tief vor den Hals gekrempelt, weil es kalt ist.

Die beste Freundin – 1

Passend dazu „Lifes on the Line“ von 50 Cent

Du bist etwas schüchtern, als du in die verrauchte Kneipe kommst und dich vorsichtig umschaust. Es sind ein paar Leute da, aber es ist nicht überfüllt. Die Kneipe riecht nach Rauch und Alkohol. Im Hintergrund spielt leise HipHop-Musik. Deine neue Bekanntschaft aus dem Internet ist vom Tisch an der Ecke aufgestanden und hält Dir ihre Hand entgegen. „Hi, da bist du ja!“ ihre leuchtenden dunklen Augen strahlen dich an. „Schön, dass du kommst, ich hab dich schon erwartet“ Ihre Stimme ist warm, aber bestimmt. Ihre Hand ist weich und warm. Deine eigene Hand schwitzt ein bisschen. Nach dem Händedrücken und der leichten Umarmung fühlst du dich gleich besser und ruhiger. Du bist etwas angespannt, weißt aber nicht wieso.

„Was willst du denn zum Trinken bestellen?“ fragt sie dich und mustert dich dabei von oben nach unten. Du würdest am liebsten auf der kleinen Eckbank verschwinden und dich unsichtbar machen. Schon wieder hat sie sich nach Dir erkundigt. Sie ist so zuvorkommend und hilfsbereit, das bist du nicht gewohnt. „Ich äh…“ du überlegst irgendwas zu sagen, aber in deinem Gehirn ist erstmal eine große Leere und du suchst noch nach Worten. „Ich trinke wohl ein Bier. Und Du?“ „Ich hab mir schon was bestellt, kommt gleich“ sagt sie und lächelt Dich an.

Du rutscht etwas auf dem Hosenboden hin und her und suchst eine bessere und bequemere Haltung. Du merkst, dass Deine Schultern noch nach oben gezogen und angespannt sind. Du atmest tief ein und versuchst dich zu entspannen. Dein Atem geht aber trotzdem sehr schnell und tief. Du hörst dich beinahe selbst schnaufen. Du fragst dich, wann denn endlich das Bier kommt mit den beruhigenden Inhaltsstoffen…

Du versuchst unaufällig zu ihr rüber zu schauen und ihre Kleidung zu begutachten. Sie hat auf jeden Fall einen anderen Kleidungsstil als Du, aber das findest du durchaus reizvoll. Du spürst eine große Verbindung zu ihr, eine Freundschaft, eine Verbundenheit, auf der man „aufbauen“ kann. Dennoch ist sie anders. Und dieses „andere“ reizt dich. Sie ist recht klein und sehr weiblich gebaut. Ihre Schultern sind schmal, die Augen dunkel und leuchtend. Sie hat schöne blonde Haare und ein aufgewecktes Gesicht. Ihre Hände sind klein und schlank. Sie trägt lockere und moderne Kleidung, die sehr stilvoll und angemessen wirkt. Du bist Dir sicher, sie macht ihren Kleiderschrank auf und greift blind zu den richtigen Stücken. Es passt bei ihr immer und sieht gut aus. Du bewunderst diese Stilsicherheit und das alles passt. Dir selbst fällt das nicht so einfach. Wie oft hast du deinen eigenen „Stil“ gesucht und wie oft ihn wieder verworfen. Du kommst dir selbst unsicherer und schwankender vor. Was Dich an ihr reizt ist ihre Ruhe und Ausgeglichenheit. Und dass sie sich soviel Zeit für dich nimmt.

Das Bier kommt und du trinkst ein Schluck. Heute hast du besonders viel Durst. In großen Zügen trinkst du das Pils-Glas zu einem Drittel leer. Sie hat sich einen Cocktail bestellt. Irgendwas süßes mit einer Verzierung oben drauf. Ihr fangt an zu plaudern. Es ist erstaunlich leicht, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Sie weiß zu allen Dingen was zu sagen. Sie hat immer gute Ideen und Einfälle. Es ist besonders schön, dass sie sich von Dir „anstecken“ lässt und sie auch deine Ideen mag. Du spürst eine große Offenheit in ihr. Eine Freundlichkeit und Liebe gegenüber allen Menschen. Es ist dir fast peinlich, dass du sie immer wieder ansprechen musstest. Du bist süchtig nach Ihrer Freundlichkeit und Ihrer Toleranz. Du fragst dich dabei, ob du vielleicht davon zu wenig hattest… dass es jetzt so bei Dir einschlägt?

Bei allem wirkt es so natürlich bei Ihr. So locker und beschwingt. Sie kritisiert dich nie. Klar, gibt es Dinge, die nicht ganz passen. Aber das ist nie ein Problem. Die Dinge, die anders sind, sind eben anders. Du fragst Dich, wo die großen Baustellen kommen, ob es nicht schwieriger werden müsste? Ob sie wirklich ehrlich ist, ob sie dir alles gesagt hat? Im Moment lächelt sie wieder und scheint sich in Deiner Gesellschaft recht wohl zu fühlen. Es ist so einfach, das verblüfft Dich.

Du redest so wie du bist. Einfach frei Schnauze, es sprudelt beinahe aus Dir heraus. Du darfst das jetzt. Und es ist gut.

Da ist kein Konflikt. Kein Schweigen. Kein saures -aus- dem- Weg- gehen oder eingeschnappt sein.

Sie ist einfach sie selbst. Glücklich und frei.

Ihr Glück breitet sich aus und umhüllt Dich. Ihr befindet euch in einem Resonanz-Bereich und steckt euch an.

Mit guten Ideen, mit Gelächter, mit verrückten Einfällen, mit Grenzüberschreitungen, mit Reisen, mit Bildern, mit Natur mit dem ganzen Leben. Zwischen Euch entsteht eine Wolke, ein Traum. Du träumst von Ihr. Tag und Nacht.

Sie hat dich völlig in Beschlag genommen. Du überlegst, ob du dich änderst… du willst wissen, was sie macht. Und du willst das auch machen.

Ich mag… – Teil 2

passende Musik

Ich mag Deine Augen, die mich permanent mustern… die Tatsache, dass du dich überwunden hast und mich hier endlich im Café getroffen hast. Ich habe ewig darauf gewartet… hm, was ich noch an Dir mag? Es ist schwer zu sagen, ich rede da nicht so offen darüber wie du.

Ich mag, dass du die Rechnung bezahlst und einen dicken Geldbeutel hast. 😉 Ich schätze deine Hände, an denen soviel mehr Haare als an meinen wachsen. Deine Arme sehen kräftig und muskulös aus. Dein Humor ist ganz nett, er vermischt sich aber auch mit Unsicherheit und Angeberei. Ich würde Dir gerne helfen, den Humor noch mehr aus deinem Wesen zu pellen… ich mag, dass du mir die Tür aufhälst und mir in die Jacke hilfst. Dass du ständig um mich herum bist und dich sehr bemühst.

Ich mag, dass du dich anstrengst. Auch wenn du noch nicht komplett bist. Ich mag dein altes rostiges Auto und die Unvollkommenheit, die überall an Dir ist… ich mag Deine Ängste und Zweifel… ich würde Dir gerne helfen.
Manchmal tust du mir leid. Du hast schon soviel versucht, und so wenig erreicht.

Ich möchte dich gerne etwas bemuttern und bedauern. Ich habe Mitgefühl für Dich.
Ich glaube, du bist der Schwächere von uns beiden. Aber dann, urplötzlich zeigst du wieder Deine Stärke.
Das ist etwas verwirrend für mich.

Ich mag Dein Wissen und dass du über alles nachdenkst, so wie ich. Ich könnte stundenlang mit Dir reden und plaudern. Es ist immer spannend, immer aufregend und schön.

Ich mag Deine Abenteuerlust und dein offenes Wesen. Ich mag, wie du Kinder anschaust und dass du ein weiches Wesen hast. Ich mag es, wenn du mich überraschst oder mir eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Die Idee, zusammen auf die Wiese zu fahren, fand ich sehr gut. Ich merke, wie du mich anschaust und berühren möchtest. Ich bin nicht sicher, ob ich das will… und überlasse Dir den ersten Schritt…

ich mag Dich, einfach so wie du bist.