Posted by J.A. on Juli 11, 2008

Die moderne Netz-Beichte

Ich surfe in der letzten Zeit mehr als sonst in anderen Blogs und was mich immer wieder überzeugt und motiviert, sind besonders die persönlichen Geschichten aus dem Leben. Diese sind oft so ehrlich und mutig geschrieben, dass ich mich oftmals dafür schäme, es selbst je in Frage gestellt zu haben, ob man nun Privates schreiben soll oder nicht. (Diese Webseite besteht in wechselhafter Ausgestaltung seit ca. 8 Jahren und langjährige Besucher dürften sich noch erinnern, dass es oft ein Thema war).
Nun habe ich weitere Pro-Argumente gesammelt. Wenn nicht im Netz, wo sonst? Ein Blog ist wirklich die perfekte Grundlage, für private und intime Gedanken, über die man sich unsicher ist und Rückmeldung haben möchte. Impressums-Pflicht hin oder her, mit den meisten Menschen wird man doch eh nie was im realen Leben zu tun haben und so entsteht über den Blogs eine schöne, heimelige Sphäre des Geborgenseins und des Zuhörens, perfekt für das eigene Mitgefühl und Problemlösungen. Das ist zumindest ein Punkt, den ich an Blogs sehr mag.
Wenn man sich fragt, warum sich niemand um einen kümmert, dann liegt es wohl auch oft daran, dass man nicht wirklich imstande und willens ist, Privates preis zu geben, weil man in dieser Hülle der Oberflächlichkeit gefangen bleibt und sich dafür schämt, etwas zu sagen, was man wirklich denkt. Okay, der Schutz von Dritten ist noch so ein Thema, da schrecke ich meistens zurück. Ich habe es schon erlebt, dass ich was geschrieben habe, was dann andere verletzt hat, die sich angesprochen fühlten. Wenn man mit einem bestimmten Menschen Probleme hat und sich sicher ist, dass dieser Mensch ständig bei einem liest, sollte man es wirklich vermeiden, da negative oder andere bewertende und verurteilende Sachen zu schreiben. Die einfache Schilderung einer Sache reicht oft schon oder auch der Versuch zu sagen, was einen belastet und drückt.

Belastet hat mich persönlich heute nichts über Gebühr, ich will dennoch einen Versuch wagen und meinen Tag schildern:

Ich habe zu lange geschlafen und mal wieder meinen Wecker nicht gestellt. Dadurch fing der Tag schlecht an. Ich hatte – auch wegen der Wärme- den ganzen Tag Kopfschmerzen und mir war schwindlig. Dennoch hab ich irgendwie versucht, was zu machen. Zusammen mit meinem Schatz haben wir uns an den einen Raum gemacht, wo die Erdung neben der Hauptwasserleitung liegt. Diese Erdung, ein langes. ca. 6 cm breites Stahlband, ist teils verrostet und vor allem verbogen. Mit viel Aufwand und einigem Denkaufwand haben wir dann endlich eine Methode gefunden, die Biegungen herauszubringen und zwar ohne(!) das Ding durchzuflexen. Der Clou bei der Sache war einfach, die Erde unterhalb abzugraben, teils zu meißeln, weil es gehärteter Lehm und Sand ist. In den entstandenen, neuen Graben kann man die etwas biegsame Wasserleitung reinlegen und das Erdungsband darüber legen. Mit Kabelbinder um die Stränge und schweren Steinen beschwert, haben wir das Problem dann gelöst. Später kommt dann Estrich darüber und zum Schluss der fertige Boden. Bis dahin müssen die Wände und vor allem die Decke aber auch noch gemacht werden.

Der offene Boden roch nach Lehm, wie in einer Werkstatt. Selbst in einem Stockwerk oben drüber, wo ich vergessen hatte, die Tür vom Flur zu schließen, roch es abends noch danach.
Die Nachbarin klingelte beim Abendessen, gab ein angenommenes Paket ab, und beschwerte sich etwas darüber, dass unsere Klingel schon wieder nicht ging. Das müssen wir dann morgen machen. Wir haben einen speziellen Feuchtraum-Wippschalter gekauft, der das leidige Problem Wasserschaden an der Klingel endlich beheben sollte.

Nebenbei habe ich die Blumen gegossen und festgestellt, dass es kein richtiger „Blauer Enzian“ ist, sondern spezieller Herbst-Enzian, auch blau, den man als winterharte Staude ziehen kann. Den werde ich also demnächst aussetzen. Die japanische Zierweide hat ihren vorläufigen Platz im Topf an dekorativer Stelle zum Hausaufgang gefunden, wo sie uns beiden gut gefällt und einen Akzent setzt. Dem Oregano habe ich die ersten Blätter abgeschnippelt (ohne Narkose) und ihn als schmackhaftes Beiwerk zur Salami-Pizza verwendet.

Im Fernsehen gab´ s die interessante Sendung „Hagen hilft“ und Thema war, wie der findige Unternehmensberater mit den richtigen Ratschlägen und Analyse einer jungen Friseuse auf die Sprünge mit ihrem Geschäft half. Sehr sehenswert.

Danach wollte ich noch was am PC spielen, aber irgendwie war ich zu müde und hab stattdessen lieber gesurft (und was gebloggt). Zum Thema „Blog und Geld verdienen“ gibt es einen wirklich sehr lesenswerten Artikel und das Blog dahinter ist auch einen Besuch wert: Blogs und ihre Einnahmen

Also, ich finde es erstaunlich, dass es anscheinend doch möglich ist, mit ausreichend Besuchern und entsprechender Schaltung von Werbung wie Google AdSense, Geld zu verdienen. Diese SEO- Blogs und andere, die sich vor allem mit Finanziellen und Marketing beschäftigen, finde ich sehr interessant. Wenn ich die lese, merke ich immer wieder, wie wenig ich noch darüber weiß und dass es eine Wissenschaft für sich ist.

Dennoch denke ich, dass es ein guter Aufwand ist, so was professionell aufzuziehen. Und die Grundlage muss auch stimmen. Wenn man ein privates Blog hat und über Gott und die Welt bloggt (so wie ich) wird man wohl nie an Geld kommen. Es bleibt einfach ein Hobby. Wenn, dann müsste das Konzept völlig neu aufgesetzt werden. Oder sehe ich das falsch? Gibt es auch private Blogs, die mit ihren Postings und Inhalten Geld verdienen?

Wo ist da die Grenze? Wie ist es mit der Ethik? Hat der private Blog- Autor das „Recht“ auch Geld und Anerkennung für seine gesellschaftliche, kulturelle Arbeit zu bekommen? Und wenn ja, wie bekommt er die?

Fragen über Fragen und Stoff für nächste Postings… bis dahin, macht es gut!

Categories: Alltag, Arbeit
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Posted by J.A. on Juli 7, 2008

Arbeit, Lebensbedingungen und Kontemplation

Arbeit
Ein wesentlicher Punkt, der mir in den letzten Tagen ständig durch den Kopf gegangen ist, war das Thema „Arbeit“. Ich glaube, es gibt nichts Wichtigeres, wie wir heutzutage Menschen einstufen und einordnen. Die ganze soziale Rangordnung ist von vorne bis hinten auf das reduziert, was ein Mensch „verdient“. Der Mensch verdient nur das, was er verdient.

Habe ich vor ein paar Wochen alles noch lockerer sehen können und mit der Genauigkeit eines schreibenden und denkenden Geistes die Möglichkeiten durchleuchtet, treffen mich die Ausläufer der Realität kalt ins Gesicht und zeigen auf ein Neues die klaffenden Gräben.

Das ganze Gefasel vom sozialen und ethischen Wert löst sich erstmal auf, wenn man mit Menschen zusammen ist und die Themen Geld und Arbeit auf dem Tisch sind. Und die sind auffällig oft auf dem Tisch.

Nie wird man gefragt, was Glauben und Religion bedeutet, wie viel Nächstenliebe jemand „produziert“, die einzigen Kennzahlen sind das Geld und die Rangordnung- als autonome Lebensgrundlage für die moderne Gesellschaft. Wer Geld verdient, erwirtschaftet sich Freiheit und Autonomie. Somit hängt am schnöden Malochen ein ganzes Stückchen metaphysisches Wunschdenken.

Die Ironie an der Sache ist, dass man mit dem Geld vordergründig gewisse Ziele erreichen möchte: Autonomie, Freiheit, Luxus, Unabhängigkeit, Dolce Vita, Urlaub, hoher Lebensstandard, Sicherheit, Gesundheit.

Dennoch verstrickt man sich durch das viele Arbeiten in ein gewisses Zwangs- und Lebenskorsett und verliert gerade all das, weil man immer zu nur arbeitet. (im schlimmsten Fall).

Die nicht-käuflichen „Dinge“ wie Freundschaft, Vertrauen, soziale Beziehungen, Verwandtschaftspflege, Zuhören können, familiär-fürsorgliche Werte, Mitgefühl und Altruismus haben mit der Geld-Welt überhaupt nichts zu tun. Insofern erscheinen sie überflüssig, nicht erstrebenswert, idealistisch, als Geschwätz und vielleicht sogar als Angeberei.

Ideale, wie sie es früher einmal gab, werden auf Grund einer überzogenen materiellen Lebenseinstellung unterdrückt und kommen nicht zum Zug: Ein kontemplativer Lebensstil beispielsweise oder eine religiöse und enthaltsame Lebensweise.

Lebensbedingungen
Mir erscheint das überzogene Gelddenken wie eine schwarze Seuche, die sich großflächig über die ganze Gesellschaft gezogen hat und in jeden noch so kleinen Denk- und Entscheidungswinkel vorgedrungen ist. Und was mich noch vielmehr wundert, ist die Tatsache, dass es kaum jemand erkennt und sich alle wie brave Schäflein verhalten und dem großen Zug aufs Geld mitmachen.

Die industrielle Revolution mit all ihren Vorzügen für den modernen Mensch bringt lebensfeindliche Strukturen und Arbeitsbedingungen mit sich. Wir produzieren Waren, die wir nicht brauchen, verschwenden Energie, die wir lieber sparen sollten, um Dinge herzustellen, die sich nur eine Minderheit leisten kann. Die Waren sind wie die goldenen Früchte ganz oben auf dem Tablett und irgendeine imaginäre Hand zieht im Hintergrund leise die Fäden, so dass das Ganze immer ein Stückchen höher ist, als wir greifen können. Und so beginnt der endlose Strudel, um in einer breit gefächerten Einsamkeit und Monotonie zu enden.

Wenn jemandem am 15. das Geld zum Essen fehlt, dann ist irgendwas schief gegangen. Es liegt nicht an dem, was man von einem Amt überwiesen bekommt. Derjenige braucht auch Hilfe und muss lernen, wie man mit Geld richtig umgeht. In der Schule lernt man es meistens nicht. Für Arme und bildungsferne Schichten gelten meistens völlig andere Gesetze. Man kann hier nicht mehr der Überheblichkeit eines Hochschulprofessors und dem entsprechenden, unverständlichen Vokabeln und Gesetzmäßigkeiten hantieren, wenn es um Lebensrealitäten geht. Solche Arbeiten können soziale Berufe, wie Sozialpädagogen oder finanzielle Berater gut erledigen. Also müsste es hier ein Anrecht oder eine Förderungsmöglichkeit für theoretische Hilfe geben. Wichtig ist immer, den Stein ins Rollen zu bringen, so dass die Menschen lernen, sich selbst zu helfen. Man muss das richtige Denken beibringen, das ist das Schwierigste, aber auch das Nachhaltigste.

Kontemplation
Die einzige Möglichkeit, sich wirklich innerlich freier zu machen, ist das Denken und das Lernen an sich. Man muss schrittweise die begrenzenden Forderungen von außen erkennen und das Lebensfeindliche als das erkennen, was es ist. Ich bin nicht gegen Geld oder Wohlstand, nein ganz und gar nicht. Aber ich bin sehr dafür, die Begleitumstände zu erkennen, die unsere moderne Gesellschaft hervorbringt und den Menschen in seinem ganzen Wesen krank macht.

Der Mensch ist nicht als Maschine geboren und er wird nicht als eine sterben können. Der Mensch bleibt immer ein Mensch, verletzlich, schwach, auf Liebe und Hilfe angewiesen, zart und naiv.

Wir sollten ihn nicht den Haien zum Fraß vorwerfen.

Für die Politik bedeutet das viel, viel mehr als sie im Moment zu leisten bereit ist: Wir brauchen humanere Arbeitsbedingungen, Förderung der Arbeitskräfte durch breit angelegte Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, wir brauchen eine hohe, bedingungslose Grundsicherung für alle und müssen die sozialen Sackgassen und Ausgrenzungsprobleme durch Hartz 4 und ähnliches endlich abschaffen.

Die Menschen selbst müssen vor allem wieder den Wert erkennen, was die Hilfe untereinander bedeutet und dass der Egoismus und das Sich- Vergraben kein sinnvoller Ausweg für eine glückliche Zukunft ist.

Und wenn jemand wirklich entschlossen ist zu helfen und was „Sinnvolles“ zu tun, dann sollte er nicht nach den Sternen greifen, sondern genau da anfangen, wo er gerade ist.

Jeder kleine Schritt ist besser als gar keiner.

Categories: Arbeit, Soziales
Posted by J.A. on Juli 1, 2008

Motivation am Bau

Leider können wir dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren. Letztes Jahr auch nicht. Zuviele Dinge am Haus sind noch zu erledigen, zu knapp bemessen das Budget. In den Sommermonaten erwarten wir einige Besuche, nächstes Wochenende geht es schon los. Während andere Leute ihre Füße in die Hochsee hängen oder bei einer ausgedehnten Wandertour die Sinne abschalten, macht mein Schatz Früh- und Wechselschicht (Im Moment muss er morgens um 3:50 Uhr raus) und ich klemme mir tagsüber meistens den Putzeimer und den Wischmob unter den Arm. Alternativ gehen auch ein Gipsspachtel, ein Lackpinsel, eine Farbrolle, ein Hammer, ein Gartengerät, eine Gießkanne oder ein Schraubendreher. Sehr schön sind auch Silikonpumpen, Abisolierzangen, Kabelbinder, Drahtbürsten fürs Grobe, Bohrer mit Aufsatz zum Mischen des Zementmörtels. Alternativ tut es auch ein Klinkerstein, ein Sack Außengips oder eine Pressholzplatte. Wer dann noch nicht genug hat und es „selbst machen“ will, der geht in den Baumarkt und holt sich Styroporkleber, Vliestapete nebst Vliestapetenkleber, ein brandneues Abwasserrohr für die schmutzigen Dinge oder ein Einbauventilator für die Entlüftungstechnik, die sind aber ziemlich teuer, also Vorsicht.

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Categories: Arbeit