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Supermarkt und so

 

Mutti, gestern war ich einkaufen. Ganz normal, musste mal sein.
Die ganze Woche war elend heiß, Mann, hat mich voll abgenervt. Kopfkino, Gesangstraining, Barbie-Träume, mehr war nicht die Woche.

Und nix frisches im Haus.. nur so Sachen, auf die ich null Bock hatte. Brot z.B. Was will ich mit Brot, wenn ich keinen Belag habe?

Also rein in die Dusche, rein in die Klamotten (warum schlabbert die Hose so?)
und dann ins Auto gehüpft. Wetter war ok. Die Tussi von früher hat mir so eine geile Karre in den Hof gestellt ich war schon neugierig, wie der abgeht.

Also Zündschlüssel drehen.. auf Gaspedal drücken. Hui, das gibt ja ein Satz nach vorne. 😉

Ich weiß nur eins, 16-Jährige Mädchen im Körper einer 39-jährigen sollten keine Autos mit V6-Motor fahren dürfen. Die Automatik (4 Gänge) ist schlecht abgestuft, der Motor heult ständig auf, wenn man es übertreibt. 😉
Ansonsten macht es mega Spaß. Und mein Typ hat mir geholfen, den Luftdruck in allen vier Reifen genau gleich hoch einzufüllen, so dass die Straßenlage jetzt auch besser ist.

An der Ampel konnte ich es kaum erwarten, mal so richtig draufzudrücken.
Oh Mist hier ist ja 60… und ich bin schon drüber… auf der Landstraße dann so ein Depp mit großem SUV, der von hinten gedrängelt hat und gemeint hat, weil ich eine Frau bin, muss er mal zeigen, wer hier den größeren hat.

Hehe, den hatte ich dann. Weil ich so schnell um die Kurven gefahren bin, dass ich ihn abgehängt hab.
War aber auch gefährlich, auf der Landstraßen kommen einem tausend Autos entgegen (Freitag mittag)
und es ist nicht immer klar, dass die auch auf ihrer Spur bleiben und so.

Dann mit Vollgas über die breitere Umgehungsstraße und schwupps war ich schon im Supermarkt.

Mit dem breiten Grinsen durch die Gänge gelaufen. Warum grinsen mich alle Leute zurück an?

War recht voll. Ich bin als erstes zur Strumpfabteilung… weil die feinen Dinger oft nicht so halten.
Frauenproblem. Es gibt hier eine Packung, 10 Strumpfhosen für den Preis von 2 Euro!! Mann das ist ja geil. Leider war die Packungen verdrückt und tlw. geöffnet, dass ich die doch nicht genommen hab. ICH TRAU DENEN NICHT.

Bei der Auswahl der richtigen Strumpfhose bin ich dann durcheinander gekommen. Maaaan, nicht gut, wenn man ungeduldig ist, es eilig hat und ständig andere Leute von hinten den Wagen an einem vorbei fahren oder quengelnde Kinder irgendwas dazwischen schreien. Jetzt werd ich schon wieder voll aggro!! Mal gibt es ne Einheitsgröße und mal nicht. Und dann diese komischen Bezeichnungen für die Farben!! Ist das jetzt schwarz oder hautfarben?? mehr braucht man doch nicht.

Egal, ich also weiter, erstmal zum Beauty-Regal. Nagellackentferner brauch ich noch dringend, das letzte Mal ewig gesucht in den 100 Quadratmeter- Frauen-Schönheits-Regalen.. aber jetzt. AUF ANHIEB!

Noch einen Duft ausssuchen… mein Parfüm ist schon wieder alle, keinen Plan warum.
Mal testweise an einem Männer-Duft geschnuppert. Ist fein, macht mich sofort an, Kopfkino und so.

Aber für mich gibt es nur eines…. Christina Aguilera, I love it.
Gibt es jetzt auch als „Glam-Version“, leider ohne Produkt-Tester… daher konnte ich nicht sagen, ob das gut ist oder nich. Und wieviel wollen die im Supermarkt dafür haben? Waaat the fuck, 10 Euro für 15 Milliliter???
Mein neues Frauen-Leben ist teuer geworden, überall wird man abgezockt. Noch einen Concealer für die Augenringe rausgesucht… whaaaat ?? 6 Euro???? Für ein bisschen Chemie-Paste, die in der Herstellung 30 Cent kostet??
Egal muss sein.. Schönheit geht über alles.

Dann noch zum Brotregal. Eine ältere Dame war verunsichert, suchte etwas („diese kleinen Vollkorn-Scheiben“), aber ich als Freundin und Helferin wusste sofort wo die stehen und hab ihr geholfen. Side-Effect! Ist cool, wenn man nett sein darf. 😉

Also bin ich weiter nett und voll grinsend durch den Supermarkt gehüpft und hab alles in Prinzessin-Rosa Farben gesehen. War cool. Irgendwas eingekauft, etwas planloser als sonst.
Tausend Sachen vergessen, egal.

Draußen dann noch ein Kiwi-Verkaufsstand, grüne und gelbe Kiwi mit Spießchen zum Probieren. Ich natürlich probiert. Weil Frühstück war mal wieder nich. Zwei sehr nette Leute, die das promoted haben. Sehr nett, ich mich gleich auf ein Schwätzchen eingelassen (mach ich sonst nicht, alles ist anders) und 8 Kiwis gekauft. Vier gelbe und vier grüne. Dazu gab es zwei Speziallöffel zum Kiwi-Auslöffeln. Super, Vitamin C- Bombe genau das worauf ich im Moment stehe.

Tja dann den ganzen Kram in den Kofferraum gekippt.. Noch schnell zur Apotheke gehastet und dann endlich daheim und die 200 kg Einkäufe erstmal verstaut. Ach ne beim Aldi war ich ja noch. Und hab eine Ladung H-Milch gekauft (voll schwer, hab ausgerechnet, müssen 12 kg sein). Zu Hause dann festgestellt, dass ich noch ganz viel Milch hab (im Vorratslager) aber mir die Dosenmilch fehlt! Aaargh! Ansonsten war es cool. Bis denni.

Das ist nicht unsere Krise – II

aber wir sind alle betroffen

Der Ausdruck „Das ist nicht unsere Krise“ drückt in aller erster Linie aus, dass wir die Krise nicht verursacht haben. Dieses „Wir“ ist dabei nicht wirklich zu fassen, aber es ist doch eine scharfe Abgrenzung gegen verantwortliche Menschen und Entscheider in den obersten Schichten der Wirtschafts- und Politiksteuerung. Das „Wir“ sind die Bürger, die breite Mittelschicht, die „abgehängte“ Unterschicht und vielleicht sogar Teile der Oberschicht. Der Ausdruck suggiert aber noch etwas anderes: Wir sind zwar nicht verantwortlich, aber wir sind sehr wohl betroffen. Es entsteht also ein ungünstiges Spannungsfeld zwischen der Verantwortung der Krise und der Last der Fehler, die aus ihr entstanden sind.

Natürlich ist es auch unsere Krise! Es wäre zu einfach wegzuschauen und zu meinen, dass es uns alle nicht betreffen wird. Vielleicht sind die unmittelbaren Folgen noch nicht abzusehen und neben den ständig steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen (letztere werden von der Preispolitik der Discounter noch in Schach gehalten) merken wir nicht wirklich, dass etwas nicht stimmt und es irgendwo auf der Welt gekracht haben soll. Diese Illusion ist gefährlich. Vom Finanzwesen und der Wirkungsweise des Geldes und der allgemeinen Konzernpolitik sind wir schon längst entfremdet- als „normaler Arbeitnehmer“ kann man nicht sehr viel mehr machen, als zu lernen und sich für einen Job zu bewerben und dann auf ein wenig Glück zu hoffen.

Dass es aber im Zuge der Globalisierung schon seit Jahren ein Druck auf die „Wettbewerbsfähigkeit“ und damit hauptsächlich die Löhne als variabelsten und weichsten Faktor gegeben hat, wird mit der jüngsten Studie des DIW deutlich:

Das Institut kommt zum Schluss, dann in den letzten zehn Jahren die inflationsbereinigten Reallöhne im Schnitt um 2,5 Prozent gesunken sind. Besonders hart betroffen hat es die Niedrigverdiener: Wer zuvor 835 Euro verdient hat, muss zehn Jahre danach gerade mal mit 705 Euro auskommen, das ist ein Rückgang von 15,57 Prozent! Eine genaue Tabelle mit den Zahlen kann man hier nachlesen;  die Original-Quelle habe ich trotz langer Suche nicht mehr auf der DIW-Seite gefunden.

Die TAZ stellt noch die interessante Parallele fest, dass die Wirtschaft im Allgemeinen um ca. 16,3 Prozent gewachsen ist. Was liegt also näher als der Schluss, dass die Wirtschaft vor allem zu Lasten der Arbeitnehmer gewachsen ist?

Die Nachdenkseiten stellen nochmal genau den Zusammenhang zwischen der Leiharbeit, den Arbeitslosenzahlen und dieser Studie her.

Denn vor allem die Leiharbeit, die niedrigen Löhne und das einseitige Begünstigen der Arbeitgeber-Seite hat zu dieser Entwicklung geführt. Man kann nicht wirklich überrascht sein, hat man doch im neoliberalen Diskurs immer genau jene Entwicklungen gefördert und politisch den Weg bereinigt. Ich erinnere mich doch gut daran, wie die Leih- und Zeitarbeit damals als probates Mittel zur Wirtschaftsförderung diskutiert wurde und dass man dann auch die Arbeitslosen aus ihrer „Stagnation“ holen wollte und ihnen langfristig den Weg in ein reguläres Arbeitsverhältnis eröffnen würde. Wie zynisch und verlogen kommt einem die damalige Diskussion vor, wenn man sich die heutigen Entwicklungen und Zahlen anschaut. Noch mehr wundert es mich aber, dass die Deutschen das anscheinend immer noch nicht kapiert haben und weiterhin bereit sind, von ihrem ohnehin schon geschrumpften Einkommen weiterhin fleißig Steuern und Abgaben zu zahlen und damit den Rettungspaketen für Euro-Länder und Banken mit zu finanzieren. Warum regt sich an dieser Stelle nicht mehr Widerstand und ziviles Aufbegehren? Die Stuttgart 21 und Atomkraftgegner- geübten Wutbürger haben das doch mittlerweile recht gut drauf…

Auch die Diskussion um den beliebten „Fachkräftemangel“ scheint vor diesem Hintergrund fragwürdiger denn je zuvor. Wenn man sich wirklich so um Fachkräfte sorgen würde, wäre man auch bereit für „anständige Arbeit anständige Gehälter“ zu zahlen und würde ganz allgemein den Wert der Arbeit durch Geld wieder höher bewerten. Auch die Ausbildung der schlechter Qualifizierten und die Investitionen in ein gutes Schulsystem und ein leistungsfähiges Hochschulwesen wäre dann kein Problem mehr. Der Wert der Arbeit und der Qualifizierten wird anscheinend nicht richtig erkannt und/ oder wertgeschätzt, wie sonst kann es sein, dass man plötzlich „völlig überraschend“ (nach dem Ende Wehrpflicht und des 12-jährigen Abiturs) mit einem Ansturm auf die Unis konfrontiert wurde und die vielen jungen Menschen, die was lernen wollten, nicht mehr unterbringen konnte?  Anstatt jetzt mehr Geld in die Lehre zu pumpen und weitere Professoren anzustellen oder die Räume zu vergrößern, vergibt man demnächst lieber strengere Zulassungsbeschränkungen oder erhöht die Gebühren. Ähnliche Entwicklungen und Beschränkungen „vom Geiste“ her finden wir bei der derzeitigen Einwanderungs- und Integrationspolitik. Man kann nur hoffen, dass die Menschen im Ausland das integrationsfeindliche Deutschland als solches entlarven und einen großen Bogen darum machen werden.

Was wir derzeit ganz allgemein sehen können ist ein Ausufern des Niedringlohnsektors und immer schlechter werdende Arbeitsbedingungen bei rückläufigen Löhnen. Der allgemeine Wirtschaftsaufschwung kommt also bei den Menschen überhaupt nicht an und diese Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer der Wirtschaft ist sozial und menschlich höchst gefährlich. Wenn diese Politik so weitergeführt wird, gibt es bald 99% Verlierer und nur noch ein Prozent Gewinner.

Nehmen wir als weiteres Beispiel die Pflegeberufe, die es immer wieder in die Schlagzeilen schaffen. Im Schnitt verdient ein Altenpfleger ca. 1800 Euro brutto (Quelle ). Das ist kein fürstliches Gehalt, wenn man den geleisteten Arbeitsaufwand anschaut oder sich diese Nachricht durchliest, aus der hervorgeht, dass nur 5,6 Prozent der Befragten in diesem Job keine Überstunden leisten.

Dazu gekommen ist es z.B. dadurch, dass man in den Jahren 1996 bis 2008 14,2 Prozent der Pflegekräfte abgebaut, aber die Zahl der Klinikärzte um 26 Prozent erhöht hat. Ein besseres Beispiel für die faktische und reale Abwertung dieses Berufszweiges kann es nicht geben und für die Betroffenen wird es zu einer massiven Mehrbelastung führen, die das Ansehen des Berufes weiter schmälert.

Noch schlimmer ist die Lage, wenn man global denkt und feststellt, dass weltweit sogar vier Millionen Pflegekräfte fehlen.

Der „Fachkräftemangel“ ist also kein regionales oder nationales Problem, sondern menschlich und wirtschaftlich ein weltweites Problem. In Afrika treten 24 Prozent aller Krankheiten auf, aber nur drei Prozent des Pflege-Personals arbeiten dort. Und jetzt hat man noch den Mut, ausländische Fachkräfte in diesem Sektor abzuwerben.

Die grandiose Idee der Politiker zur Lösung dieses Problems lautet schlussendlich, die ungebildeten Arbeitslosen im Pflegebereich einzusetzen .

Vielleicht sollte man lieber ein freiwilliges soziales Jahr für Politiker verordnen, damit sie mal sehen, wie die Realität vor Ort wirklich aussieht?

Fazit
Man kann also nicht wirklich sagen, dass es „nicht unsere Krise“ wäre. Es ist unsere Krise und wir sind mittendrin, verbunden z.B. über die Löhne, die Lebenshaltungskosten, die Struktur der Gesundheits- und Sozialsysteme, die Energiepreise und allgemeinen Arbeitsbedingungen. Letztendlich über den Maßstab, was wir mit unserem Geld noch bekommen und wie der Wert unserer Arbeit im Vergleich zum Kapital bemessen wird.

Es gibt viele kleine Baustellen und Puzzlestücke, die diese zum Teil fatale Vernetzheit verdeutlichen. Jeder ist betroffen, egal an welcher Stelle und an welcher Position.

Ist das gerecht gegenüber denen, die nicht arbeiten?

Ein Tag im Leben eines leidenden Vertriebsingenieurs

Montag, 6 Uhr

Eine schöne Frau kommt auf ihn zu, mit einem Hauch aus Nichts bekleidet. Er liegt am Strand, die Sonne blendet. Die kurvenlastige Unbekannte scheint ihn anzuflirten, aber sie sieht nicht aus wie Eva, nein eher wie… Er will nach ihr greifen, sie lächelt ihn an. Sie beugt sich über ihn und gerade als sie ihren Mund an seinen bringt… KNAATZ KNAATZ KNAATZ KNAATZ zerstört der etwas altertümliche Klingelton des Radioweckers seinen erotischen Traum.

Der leitende Vertriebsingenieurs (auf den Namen Holger getauft) blinzelt auf die Anzeige des nervigen Störenfrieds. „Ist es wirklich schon so spät?“- guckt er griesgrämig-ungläubig auf das Display. Er kratzt mit dem Handrücken seiner linken Hand über seine Bartstoppel, da fällt ihm ein, dass er sich heute beeilen muss, weil er ein wichtiges Meeting hat.

Also schnell in die Pantoffeln gesprungen, den Bademantel übergestreift und in die Küche geschlichen. „Gääähn“ sagt er, als er seine Frau sieht, die bereits den Kaffee aufgesetzt hat. „Oh das ist nett, Liebes.. hast du schon die Zeitu..?“

„Liegt auf dem Tisch, Bärchen.. und du wolltest Croissants, stimmt´s?“ Eva hat dunkelbraune fast schwarze Haare, die sie aber gerne mal färbt, ist immer schick gekleidet und achtet sehr auf ihre Haut und ihr Aussehen.

Für ihre 45 Jahre hat sie sich noch gut gehalten, ist sportlich, nicht zu dick und auch mit diesen Dellen an den Oberschenkeln hat sie trotz der Schwangerschaften nur wenige Probleme. Sie hat viele Hobbys, unter anderem ist sie künstlerisch und im Hausfrauen-Verein aktiv, wo sie sich jede Woche zweimal treffen, um Rezepte und Fotos von den Enkeln auszutauschen. Außerdem hat sie einen kleinen unbedeutenden Posten im Ortsverband der SPD und leitet dort die Bücher, aber nicht wirklich motiviert. Das meiste sind Männer und..

„Äh ja, oh das ist super danke.“ Der leitende Vertriebsingenieur lächelt sie kurz an, aber es ist zu kurz, um wirklich Wärme auszustrahlen. Seine Frau ist das gewohnt und sie denkt sich nichts dabei. Sie haben zusammen zwei wunderbare Kinder, Peter und Lisa, und ein sehr schönes Leben in ihrem kleinen Einfamilienhäuschen im Vorort der Stadt. Das Leben läuft perfekt. Sie hat – wie ihr Mann- etwas Kaufmännisches studiert, aber nach dem ersten Kind den Job aufgegeben, denn sein Geld reicht völlig und durch die vielen Beförderungen in den letzten Jahren… naja, sie können sich nicht beschweren.

Sicherlich, es kriselt manchmal in ihrer Ehe, aber wo kriselt es nicht? Kein Grund, um sich Sorgen zu machen. Wirklich nicht.

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Geschichten aus dem Kindergarten

Zurück aus dem Urlaub, dem kleinen Städtetrip nach Hamburg, der eigentlich keine richtiger Urlaub war. Kaum zurück, finde ich mich kaum im eigenen Haushalt zurecht, so schnell stellt sich der Mensch um. Der Kaffee schmeckt viel zu süß, weil ich mir im biologisch sinnvollen und ernährungstechnisch optimierten Haushalt angewöhnt habe, weniger zu nehmen. Und Rohrzucker schmeckt bekanntlich „bääh!“. (Mir zumindest)

Das eigene Bett ist erstaunlich weich und bequem, fast ein bisschen zu komfortabel, wenn man das mit der 6 cm dicken Reise-Klapp-Matratze vergleicht, auf der ich die letzten Tage meine Nächte verbracht hatte. Und ja, das war ein Kampf, ein Kampf gegen die eigene Natur, gegen die Untiefen und raue Gegenwinde der Seele, gegen die eigene Schwere und die nässende Bequemlichkeit des „normalen“ Alltagslebens.

„Geschichten aus dem Kindergarten“ weiterlesen

Sonnen- und Schattenseiten

Der Frühling ist da. Allerorten kündigt er sich mit großem Getöse an. Da ist zuerst mal die strahlende Sonne, die stärker als je zuvor ihre langwelligen Strahlen des breitesten Spektrums in jeden dreckigen Winkel der Wohnung schickt. Die fleißige und ständig mit schlechtem Gewissen bewehrte Hausfrau erkennt sofort, dass hier Handlungsbedarf besteht. Die anschließende Putz-Orgie führt dazu, dass sich die Körpertemperatur um ein paar Grad anhebt und noch schneller auf Touren kommt, als sie es ohnehin schon geplant hatte. Wusstet ihr, dass die Körpertemperatur im Winter tatsächlich ein wenig abgesenkt wird? Man kann sagen, der Mensch wird in einen kleinen biologischen Winterschlaf geschickt und fährt nur auf halber Flamme. Dieser Ofen muss erst wieder befeuert werden, aber manchmal knacken die Gelenke und der dazu gewonne Speck u. die verlorenen Muskeln hindern das mühelose Vorwärtskommen.

Das Sonnenlicht kurbelt nun die Glückshormon-Produktion an und vertreibt das einschläfernde Melatonin. Man bewegt sich plötzlich wieder! Man riecht wieder! Man geht wieder nach draußen, freiwillig und ganz ohne Auto. Das Leben ist wieder stärker an einem, in einem, um einen herum. Der einlullende Schleier des Winters wurde spätestens vom letzten Sturm Xynthia weggeblasen.

Ach, der Winter, wie schön war er! Obwohl ich ihn lange verflucht habe. Nun vermisse ich ihn.

Der Winter hat mich beschützt und das ganze Leben mit seinen Problemen und seinem Leid vor mir ferngehalten.

Mit einer warmen Decke und einem heißen Tee vorm Computer abhängen. Fettige, kalorienreiche Wurstwaren und Nudeln in sich reinstopfen, dazu ein paar Gläser Alkohol und später Schokolade. Sich ganz tief in den vier Wänden verkriechen, das Telefon rausstöpseln, die Internet-Blogs ignorieren, Twittern mal wieder doof finden.

Winter ist einfach eine schöne Zeit. Man ist einsam, man ist allein. Niemand da, der das eigene Leben begrenzt, kein Streß, keine nervigen Dialoge, keine Arbeit, einfach nur Ruhe.

Keine gierigen und aggressiven Menschen, die sich behaupten, selbst darstellen, abgrenzen, profilieren, beneiden, beschränken, bevormunden, manipulieren oder ausgrenzen müssen.

Kein Mensch. Das Leben ist so schön frei, ohne gierige, unglückliche, unfreie und negative Menschen.

Der Winter ist schön. Über den Frühling sollen wir uns nun alle freuen. Das angepasste Wohlstands-Affirmations-Geständnis Gesicht aufsetzen und hübsch dazu lächeln. Auch wenn uns eigentlich eher zum Heulen ist und die ganze Soße „Sonne Satt“ nur Energie abzieht und das eigene Unvermögen vor Augen hält.

Tief durchwebt vom protestantischen Arbeits-Ethos hört man von überall die Hämmer. Leistung ist gefragt! Rauf auf die Leiter, runter von der Leiter, ein paar Bretter gesägt, ja was gemacht! Der Mensch ist nur gut, wenn er was macht, wenn er was leistet.

Das sagte schon unser Ober-Guru Westerwave. Und der muss es wissen, schließlich ist er unser Außenseiterminister.

Sparwahn – eine ewige Baustelle?

Baumärkte scheinen ein sehr lohnendes Geschäft zu sein, allerorten sprießen sie aus dem Boden, die Werbung dafür im TV ist sehr oft zu sehen. Wie so oft, teilen sich die großen Konzerne die Gewinne und es gibt keinen kleinen Baumarkt mehr, sondern immer nur diese riesigen Dinger, die vor Angebot nur so strotzen.

Diese zeichnen sich meistens durch schlechten Service und überfragtes Personal aus. Bezeichnend ist z.B. dass das Personal immer an ihren Verkaufsinseln verharrt und irgendwie immer was zu tun haben. Manche von ihnen sind sehr freundlich, anderen merkt man jedoch ihre schlechte Ausbildung an. Sie sind unfreundlich, lassen sich auf den vorwurfsvollen Ton des Kunden ein, anstatt Höflichkeit zu bewahren. Manche sind fachlich überfragt, andere beraten schlecht und verkaufen einem immer das teuerste, aber nie das beste Produkt.

Wie so oft ist die Ausbildungsqualität ein politisches und gesellschaftliches Problem, denn der Eindruck drängt sich oft auf, dass billige Leiharbeitskräfte oder andere ungeschulte Menschen zu möglichst niedrigen Lohnkosten eingestellt werden. Diese sind also selbst ein Opfer, und anstatt sie auf Fortbildungskurse zu schicken und in die Menschen zu investieren, schauen die Inhaber großer Baumärkte anscheinend nur auf den Faktor Geld (und das sehr vordergründig, aber nicht nachhaltig genug, denn ein Baumarkt, der mit gutem Personal aufwarten kann, würde ich viel lieber benutzen als einen großen, unfreundlichen, anonymen, aber das nur am Rande).

Sprich: Wer in den Baumarkt geht, sollte sich auskennen oder zumindest jemand dabei haben, der sich gut auskennt.

Auch bei den einzelnen Produkten kann man diesen Sparwahn, der unsere Gesellschaft so tief-gehend erfasst hat, allerorten erkennen. In einem Regal gab es beispielsweise Entwässerungsrohre mit guter Qualität von einem renommierten Hersteller. Dieses Produkt lief mit der Zeit aus und wurde durch einen türkischen Hersteller ersetzt. Erst durch genaues Hinschauen ist uns das aufgefallen: Die neuen Entwässerungsrohre waren qualitativ nicht mehr so gut verarbeitet, wie die alten „Marken-Rohre“. Ein kleiner Aufdruck verriet uns dann den anderen Hersteller-Hintergrund.

Der Preis, für den Kunden gut sichtbar am Warenkorb zu sehen, blieb aber der Gleiche! Das bedeutet nichts anderes, als dass der Zwischenhändler nun das gleiche Produkt zu weniger Geld einkaufen kann, aber den unveränderten Preis an den Kunden weiter gibt und den Zwischengewinn in die eigene Tasche stecken kann.

Dies ist ein sehr schönes Beispiel, wie die Globalisierung und die möglichen Kosteneinsparungen nicht an den Verbraucher (also den Menschen selbst) weitergegeben werden, sondern im Kanal der Mächtigen, nämlich der Zwischen- und Großhändler, versickern.

Im schwierigen Bereich der Milch- Wirtschaft ist ja derzeit ähnliches zu beobachten.

Die geballte Marktkraft der Großhändler ist für den Verbraucher also nur begrenzt von Vorteil.

Dazu kommt nämlich, dass bei den Produkten durch diesen Kostendruck meistens auch die Qualität sinkt und was offensichtlich so ein schönes Schnäppchen ist, offenbart beim genauen Hinschauen einfach nur schlechte Qualität.

Das bedeutet auf der Baustelle dann nichts anderes als abgebrochene Dübel oder Schrauben (wir berichteten) und höheren Zeit- und Verarbeitungsaufwand durch schnellen Verschleiß und Planungsunsicherheit.

Auch die Sicherheit kann betroffen sein, gerade wenn man elektrische Geräte von mangelnder Qualität kauft und z.B. der Rückstell-Mechanismus eines Kreissäge-Schutzes nicht mehr funktioniert oder ähnliches.

Die Baumärkte werben oft damit, dass der Kunde Geld durch Eigenleistung sparen kann. Auch dies ist richtig, allerdings darf „der Kunde“ nie vergessen, dass auf der Baustelle meistens alle Gewerke erforderlich sind, wobei allein der Beruf des Trockenbauers schon drei Jahre erfordert ( und dabei noch nicht mal das Gipsen/ Verspachteln eingeschlossen) und auch die anderen Berufe/ Gewerke ähnliche Qualifikationen und Erfahrung verlangen.

Der Heimwerker hat am Anfang aber keine oder nur ein Bruchteil dieser Erfahrung und wer nur weiß, wie man eine Schraube richtig in die Wand dreht, ist noch lange kein „richtiger“ Heimwerker.

Gerade auch das Zusammenspiel der verschiedensten Aufgabenbereiche erfordert viel Planung, die man als Laie vorab nur schlecht leisten kann. Farb- und Raumaufteilungen gehören vielleicht noch dazu, oder wo welche Steckdosen hinkommen sollen. Die einzelnen Abläufe kann man aber nur durch Erfahrung und praktische Anschauungs-Werte ermitteln.

Richtig sparen lässt sich im Grunde nichts. Denn die Arbeit bleibt die Arbeit und den teueren Handwerker einzusparen, verlangt vom Heimwerker selbst einiges an Mehraufwand, Geld und Zeit.

Letztendlich muss man auch überlegen, dass den regionalen Handwerksbetrieben langfristig die Kunden wegbleiben, wenn alle Leute ihre Renovierungen selbst machen.

Wenn die Politik also schon Geld und Steuergeschenke verteilen möchte, dann sollte sie überlegen, wie sie die Anreize zur bezahlten Arbeit auf den vielen Privatbaustellen der Haushalte besser entlasten und fördern kann.

War da nicht mal etwas im Gespräch, dass man die Mehrwertsteuer für Handwerkerleistungen ermäßigen möchte?

Das wäre- meiner Meinung nach- ein guter Ansatz. Es würde die Menschen entlasten, die alles selbst machen müssen (dabei noch Unfälle riskieren und die Krankenkassen belasten) und es würde die Wirtschaft und den Mittelstand ankurbeln.

Persönliche Twitter-Analyse

Heute schreibe ich mal wieder einen Blogeintrag, einfach so, weil ich jetzt ein paar Tage nicht geschrieben habe.

Ich lese gerne bei Blogs mit, bei denen ich das Gefühl habe, dass regelmäßig geschrieben und auch eine echte Person hinter den Gedanken steht.

In den letzten Tagen habe ich die Medien Twitter, Facebook und Blogs mal wieder intensiver untersucht und ich schwanke immer so zwischen Verachtung, Ablehnung, Interesse und Neugierde.

Twitter z.B. ist ein sehr interessanter Dienst und man könnte ihn für soviel nutzen. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass doch sehr viele Leute nicht das schreiben, was sie denken und eine perfekte Maske präsentieren.

Man liest sehr viel darüber, was die Leute so arbeiten, was für ein tolles neues Handy sie sich gekauft haben- aber von Tiefgang und echten menschlichen Problemen fehlt leider jede Spur. Warum liest man nicht oder nur selten ein „Das Baby hat mir gerade auf die Schulter gekotzt“- oder „habe meine Tage und keine Lust auf die Arbeit“ oder „Schon wieder Streß in der Beziehung“. Warum liest sich der Großteil wie Plastik und Hochglanzbroschüre mit ein wenig seichtem Humor?

Es ist ja auch klar: Wer will schon wirklich über sein Seelenleben schreiben, wer gibt gerne zu, Probleme zu haben oder in diesem oder jenem Bereich nicht mehr weiter zu wissen? Das wirklich Menschliche ist bei Twitter versteckt und man muss es lange suchen. Genauso stelle ich mir den Berufsalltag und die menschliche Sphäre im echten Leben vor. Nur dass man vielleicht noch etwas menschlicher als in Twitter sein kann. Es hört ja keiner mit! Twitter hingegen verbreitet dieses ständige Gefühl alles jedem sagen zu müssen und doch nicht gehört zu werden. Burn-Out und Sucht-Effekt inklusive!

Was mich zudem nervt, ist die nach wie vor niedrige Rücklaufquote. Man kann die Leute noch so oft anschreiben, wenn sie nicht antworten wollen, antworten sie nicht.

Dabei ist das ein ganz einfacher Mechanismus:

– ich lese, was andere so schreiben
– ich überlege, womit sie sich beschäftigen, was ihre Interessen sind
– wenn ich mir einig bin, dass mir derjenige zusagt, dann…
– schreibe ich jemanden an (reply) oder sende eine „Direct Message“
– es kommt etwas zurück, ein Kreislauf und Austausch entsteht
– ich merke mir die Person positiv und ein Netzwerk entsteht

– wenn keiner antwortet, stehe ich blöd da, weil

– will die Person keinen Kontakt mit mir?
– hat sie im Moment einfach nur keine Zeit?
– Nerve ich die Person?
– soll ich es nochmal probieren?

Wenn jemand gar nicht antwortet, probiere ich es höchstens noch einmal, bei ganz wenigen auch öfters, aber: Wenn jemand dauerhaft nicht reagiert, kann natürlich keine Freundschaft und kein Austausch entstehen und das ist schade.

Ich weiß nicht, wie sehr die Leute darauf achten, dass man selbst viele Follower hat. Also eigentlich ist es ja unwichtig, aber ich könnte mir vorstellen, dass das für einige doch sehr wichtig ist und man nur etwas „wert“ ist, wenn man eine bestimmte Follower Zahl „vorweisen“ kann (Ähnlich wie das Bankkonto, da gibt es schon Ähnlichkeiten, aber das gibt bestimmt keiner zu).

Durch diese Tatsache und die niedrige Rücklaufquote entsteht ganz einfach die Erkenntnis: Man muss sehr intensiv und viel Zeit mit dem Medium verbringen und unter Umständen sehr lange suchen, bis man die richtigen Kontakte gefunden hat.

Erkenne Dein Profil

Wenn man keinen Ruf im echten Leben aufgebaut hat und auch sonst kein „richtiges“ Ziel verfolgt, wird es schwer für die Menschen zu erkennen, warum sie einem denn überhaupt folgen sollen.

Um also bei Twitter erfolgreich zu sein, benötigt man ein Konzept, eine Idee für die eigenen Tweets, ein Rahmenprogramm. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, von „Profil“ zu sprechen, aber nicht von Profilneurose, sondern eher von Schärfung des eigenen Profils.

Es wird auch sehr schwierig werden, alles abzudecken, man muss sich schon auf etwas festlegen. Und je stärker die Nische ist, die man gewählt hat, desto eher werden die Leute auch wieder abspringen oder nicht mit einem warm.

Wenn jemand einen festen Beruf hat, dann scheint mir das sehr einfach: Hier bloggt und twittert der Verwaltungsingenieur soundso und alles was mit seinem Leben zu tun hat, kommt in die Tweets. Das könnte dann sein:

  • Er steht morgens auf und sagt: So jetzt Kaffee, dann Arbeit
  • Mittags wird über die Probleme im Büro geredet oder in der Pause auf Technikseiten gesurft
  • abends dann Musik-Tipps oder was man so isst
  • später evt. noch Fernsehempfehlungen

So in der Art laufen viele Tweets, die ich mir so angeschaut habe.

Sehr stark im Kommen sind anscheinend auch Firmen, vor allem kleine Mittelständler, die das Medium Twitter benutzen, um ihre Außenkontakte zu pflegen.

Wo aber bei all dem, will ich stehen?

So ganz recht weiß ich es noch nicht. Sich als Künstlerin oder Schriftstellerin zu vermarkten und ein Image aufzubauen, könnte nicht schlecht sein. Dann braucht man aber auch eine Marke im Hintergrund oder eine Firma und Produkte, die man vertreten möchte.

Wenn man da ganze immer nur so mal privat macht, dann fehlt der Zug und die Entschlossenheit und am Ende bleibt wieder nur der legendäre Gemischtwarenladen.

Sich ehrenamtlich zu engagieren und über Missstände aufmerksam zu machen, halte ich ebenfalls für gut. Das kann man immer mal so nebenbei machen, um den Geist für solche Dinge aufrecht zu halten. Ob es jetzt Armut, Emanzipation, Gleichstellung, Integration oder andere Themen sind: Im Grunde kann man zu allen Dingen seinen Senf abgeben und Links posten.

Die Kleinheit und Knappheit von Twitter ist zugleich seine Stärke, denn es ist universell.

Aber man braucht ein Konzept und das bildet sich erfahrungsgemäß erst dann, wenn man auch viel getwittert hat und herausbekommt, welche Themen sich am besten eignen. Wofür man steht, was man „nach außen“ vertreten will.

Twitter ist das Praxistool für die ersten Gehversuche in der Öffentlichkeitsarbeit. Twitter vergisst schnell und belohnt einen sofort, wenn man etwas richtig gemacht hat.

Das macht es auch für Anfänger sehr leicht zu handhaben.

Ebenfalls mag ich an Twitter, dass es den Menschen schult kurz und prägnant zu denken. Nicht selten erwische ich mich in der letzten Zeit dabei, im Bad, beim Putzen oder in anderen nicht gehirn-intensiven Tagesabschnitten heftig in der Twitter-Weise zu grübeln und mir meine Gefühle und Gedanken in nur wenige, aber dafür intensivere Weise zu formulieren.

Gehirn-Biologisch ist das für mich der bis jetzt größte Gewinn an Twitter. Das Menschliche vermisse ich nach wie vor und zuviel Zeit will ich nicht im virtuellen Meer verbringen. Sonst versinke ich evt. noch.

Mein Twitter läuft so, wie ich bin.

Und Deins?

Manchmal muss es „Stahl“ sein

Leichtathletik war heute langweilig. Keine heulenden Frauen, vielmehr siegende Souveränität. Deutsche Frauen sind stark und kräftig, nur so lässt es sich erklären, warum wir ganze drei Kandidatinnen im Speerwurf-Finale hatten, die sich allesamt wacker schlugen. Die eine hatte einen schönen Nachnamen: „Stahl“. Das klingt gut, das gefällt mir. Es klingt nach Härte, nach Durchsetzungskraft, nach Zähigkeit. Habt ihr schonmal Stahl gesägt oder gebohrt? Wenn man damit arbeitet, fällt einem erst auf, wie fest er eigentlich ist, wie schwer und wie schnell ein paar Millimeter Dicke den Unterschied ausmachen. Dünnes Blech kann man gerade noch so biegen, aber der Spaß hört dann bald auf. Mit einer Blechschere ein Stahlblech zu schneiden, macht nur dann Spaß, wenn es eine sehr gute Blechschere ist und man ziemlich kräftig mit der Hand „Guten Tag“ schütteln kann! (Das ist wohl auch der Grund, warum man so wenig Frauen auf deutschen Baustellen findet und eher ihre männlichen Kollegen die Arbeit machen sieht)

Auf dem Bau wird viel mit Stahl gemacht. Es ist einfach sehr fest, sehr abriebfest und zäh. Durch den hohen Verarbeitungsaufwand (Energie!) ist er aber auch teurer, als z.B. Holz, das sehr weich ist und auch von Laien verarbeitet werden kann.

Stahlträger sind sehr schwer und schon kleine Abschnitte sind unfassbar schwer zu tragen. Wir hatten einen Rest davon im Schuppen liegen, den wir beide zusammen kaum von der Stelle brachten. Er hatte ca. drei Meter Länge und wurde dann von uns gedrittelt, um ihn so in kleinen, handlichen Stücken zum Altmetall geben zu können.

Man baut die Träger in T oder L-Form, manchmal auch als H. Es reicht, nur die Profile zu nehmen, massiv wäre er viel zu schwer, das Verhältnis zwischen Masse und Tragkraft nicht mehr günstig. Wenn sie ihr Gewicht erstmal auf die Erde drücken, kommt man mit den kleinen Fingern kaum noch darunter. Da hilft nur noch die richtige Technik, die jeglicher Kraft am Ende überlegen ist. Wenn man Stahl mit dem Winkelschleifer „sägt“, sprühen die Funken nach allen Seiten. Die nicht gerade schwache Maschine hat so ihre Müh und Not, den Stahl zu zersägen und ein paar Trennscheiben sollte man immer auf Vorrat haben…

Wenn man weiter denkt, und überlegt, wie dick die Panzerungen von Panzern und militärischem Gerät sind (ca. 55cm Frontpanzerung beim deutschen Vertreter Leopard 2 ) und- wiederum- wie stark dann die Waffen sein müssen, die solchen Stahl am Ende noch zerschlagen können, könnte man zur Pazifistin werden, wenn man nicht schon eine wäre.

„Macht Schwerter zu Pflugscharen!“, stand es schon in der Bibel.. und damit kommen wir zu den Vorteilen guter Handwerksware.

Qualitative Schrauben zum Beispiel, müssen aus Stahl sein (verzinkt). Letztens haben wir einen Haken in die Wand gemacht, um den Draht für den Wein zu befestigen. Dieser Haken sollte dicker sein, damit er in der Lage ist, den Zug des gespannten Drahtes horizontal zu sichern und nicht wieder aus der Wand zu „flutschen“ (was bei schwachen oder zu kurzen Schrauben durchaus passieren könnte).

Dieser Haken, auf der einen Seite mehr eine Öse, hatte ein 8 mm Gewinde und eine Länge von gut zehn Zentimetern. Eigentlich müsste sowas sehr massiv sein. Auf der anderen Seite haben wir Bolzenanker verwendet, das sind spezielle Schrauben, die beim Aufdrehen der Mutter ähnlich wie ein Dübel auffächern und sich dadurch besonders fest im Mauer „verankern“. Naja, auf jeden Fall versuchten wir dieses Ding in Beton zu drehen und nahmen als Verlängerung einen ganz gewöhnlichen Schraubendreher. Dieser hielt natürlich, aber was brach, war das Gewinde der Öse, genau am Ansatz. Mitten durch. Und das Krasse ist: Sowas ist uns schonmal passiert, mangelnde Qualität, gerade bei Schlosser-Artikeln. Wir vermuten, dass anstatt Stahl billigeres Gußeisen oder eine schlechte Legierung verwendet wird. Bei einer nicht kleinen Nuss eines Drehmomentschlüssels war uns ähnliches passiert. Die Hersteller schauen auf den Preis, nicht aber darauf, was die Produkte im Alltag aushalten müssen. Was uns nun zu den aktuellen Preisschlachten der Supermärkte und Großhändler bringen könnte, wir aber lieber auf spätere, politische Artikel verschieben.

Auf jeden Fall scheint der Preis wirklich den Unterschied zu machen. Geiz ist eben nicht immer geil.

Manchmal muss es „Stahl“ sein.

Die richtige Aufbaustrategie

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Die Wohnung duftet nach Holz. Nach Fleisch und Bratensaft, durchtränkt mit dem süßlichen Duft des versprühten Deos . Draußen geht langsam die Sonne unter und ich höre „Sometime around midnight“ von The Airborne Toxix Event (später Counting Crows). Mir ist ein wenig übel, weil ich zuviel gegessen habe: Schweinenacken-Steak mit Brechbohnen, eine komische Mischung. Dazu Ketchup aus der Flasche und Apfelsaftschorle. Das Kaugummi, das ich für den besseren Atem hinterher gekaut habe, wirkt auf Grund des Süßstoffes mal wieder abführend- ich hätte es besser wissen sollen.

IKEA möchte, dass ich den Fragebogen zur Produkt- und vor allem Lieferqualität ausfülle. Eine Sache, bei der mir etwas unwohl ist, denn hier geht wie so oft um Strangulierung des einfachen (niederen) Personals der unteren Einkommensschiene, die man mit bürokratischen und unmenschlichen Mitteln zu mehr Disziplin zwingen will. Das ganze nennt sich dann „Verbesserung der Servicequalität“, aber im Grunde ist eine getarnte Masche der modernen Sklaverei- nur eben etwas subtiler und getarnter. Ich habe überall ein „Gut“ bis „Sehr Gut“ vergeben, nur die Kosten, mit den bin ich wirklich nicht zufrieden. 80 Euro für eine einzige Lieferung, aus ca. fünf Paketen á 40 kg ist mir etwas zuviel.

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Warum Gleichverteilung nicht funktioniert

Im letzten Text habe ich den Begriff „Gleichverteilung“ benutzt, ein Schlüsselbegriff aus dem linken und sozialen bis sozialistischen Gedankengut. Vorneweg möchte ich sagen, dass ich im Blog versuche, keine eindeutige, politische Meinung zu formulieren oder gar zu besetzen, sondern immer versuche, unabhängig und objektiv die Dinge zu analysieren und zu beschreiben. Nicht immer gelingt das. In manchen Dingen bin auch ich sehr fester Überzeugung oder es haben sich Sichtweisen und Erfahrungswerte eingeschliffen, die jetzt zu meiner „Überzeugung“ geworden sind- obwohl sie vielleicht falsch sind. Diese gilt es also in regelmäßigen Abständen zu hinterfragen. Ich möchte nicht behaupten, dass jemand „falsch denkt“ und schon gar keine Namen nennen, aber ich will überlegen, was es mit diesen Konzepten auf sich hat und wo sie real anwendbar sind oder reine Spekulation bleiben werden.

Zeit für einen politischen Text!

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