Beweisführung

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Was man als Trans*frau am meisten hasst, ist das „Beweisen müssen“.

Man muss irgendwem beweisen, dass man im Kopf eine Frau ist und daher auf die Damentoilette geht und die männliche Umkleidekabine hasst.
Man muss den Eltern erklären, wie es dazu gekommen ist.
Die Freunde sollen es verstehen, warum sie jetzt „sie“, statt „er“ sagen soll. Die meisten sagen trotzdem weiter „er.“

Man soll etwas beweisen, für dass es nur ein Gefühl gibt.
Ein weibliches Gehirn in einem genetisch männlichen Körper.

Man soll seine weibliche Identität beweisen und erklären und man soll sie rechtfertigen.
Man muss Gutachten haben. Unabhängige Stellen müssen es belegen und bezeugen.

„Normale Frauen“ müssen nichts beweisen. Sie sind einfach Frauen.
Genau hier entsteht die Ungerechtigkeit.

Dazu kommt die gesellschaftliche Einordnung und das Unverständnis.
Sobald man irgendetwas tut, was etwas männlicher ist, heißt es gleich „klar, die war ja auch ein Mann. Wundert mich nicht!“.

Wenn man sich zu weiblich verhält, ist es auch nicht gut.
Dann sagen die Feministinnen: Ja, aber wir haben dafür gekämpft, dass alles weibliche und männliche gleichgeschaltet wird.
Und ihr wollt jetzt unbedingt rosa Kleidchen tragen und euch süß und passiv verhalten? WARUM ???

Beweis mir doch erstmal, dass du eine Frau bist! Und dich klar vom Männlichen abgrenzt.
Oder beweis mir, dass du ein Mann bist und ja nicht zum Weiblichen tangierst!

Beweis es, steh gerade und diskutier das bitte mit mir.

Nein danke, hab ich keine Lust drauf.

Ich bin einfach so wie ich bin. Der Name ist mir egal. Das Geschlecht ist mir egal.
Ob es jetzt eine Mischung ist oder eindeutig- zweideutig.

Alles nur ein Sturm im Wasserglas. Man geht da durch, ob man möchte oder nicht.
Man ist ein Mensch, man ist eine Mischung aus zwei Geschlechtern (Vater und Mutter) und man muss nichts trennen.

Gleichberechtigung heißt: Männer dürfen weibliche Dinge machen, Frauen dürfen männliche Dinge machen.
Die Geschlechter sind gleich. Man kann sich aussuchen, was für Klamotten man anzieht, mit wem man Sex hat, befreundet ist und welchen Job man ausübt.
Man ist komplett frei.

Daher – ist auch jede Diskussion darüber sinnlos, weil sie impliziert, dass es Redebedarf gibt.
Warum willst du reden und beweisen? Weil du es nicht glaubst, weil du es nicht begreifen kannst.

Weil du nicht trans* bist.

Die Unsicherheit und die Probleme beginnen genau dann, wenn Worte gesucht werden.
Dann brauchst du Schemata, dann fängst du wieder an einzuteilen. Und dann wirst du unfrei und – im schlimmsten Fall- auch ungerecht.

2 Gedanken zu „Beweisführung“

  1. Oh je. So ein Mist. (Also, der Sachverhalt ist schlimm, genau wie Du sagst.)

    Ein Freund von mir – kennst Du nicht – ist auch trans*. Ich kannte ihn lange als „sie“ und deswegen fällt es mir nun schwer, in Kategorien von „er“ zu denken. Aber nicht aus Beweisführungsgründen. Aber wir haben uns seither nicht mehr gesehen (er hat traditionell eine Menge am Hals – daran kann es liegen), das kann was ausmachen.

    1. ja das Umdenken im Kopf ist für Aussenstehende oft sehr schwer. Stichwort Personalpronomen, an dem hängt sehr viel. Leider ist es für die Betroffenen selbst auch schwer. Man schaut in den Spiegel, aber da passt etwas nicht. Man kann Dinge leichter verstehen, wenn sie passend aussehen und sich auch so anhören. Dieser äußerliche Prozess ist dann die eigentliche Beweisführung.

      Ich hab das vor kurzem selbst bei einem Transmann erlebt, der zuerst seltsam und noch „zwischendrin“ wirkte, aber nun durch die Hormone sehr überzeugend und männlich daher kommt. Und genau dadurch steigt dann auch die Akzeptanz.

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