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Widerstand

Im Magen grummelte es. Das letzte Essen hatte sie nicht gut vertragen.

Es war eine fettige Pizza, die eigentlich gut schmeckte, aber in der Sonne einfach zuviel war.

Dazu kam, dass sie innerlich sehr aufgeregt und aufgedreht war und in der Sonne gebrutzelt wurde.

Die Sonne war unerbittlich und strahlte direkt durch ihr dünnes, blondes Haupthaar.

Sie verfluchte sich dafür, dass sie den schönen Sonnenhut- den sie extra für diese Zwecke erworben hatte- oben im Auto hatte liegen lassen! Wie kann man nur so dumm sein, und den vergessen! Sie merkte, wie Selbsthass in ihr aufstieg. War sie am Ende nur zu schüchtern, weil ja die meisten Leute keinen Hut tragen? Weil sie dann noch mehr auffallen würde, als sonst schon? Fiel sie denn überhaupt auf?? Sie war sich darüber nicht allzu sicher.
Und was war schon daran, einen Hut zu tragen? Jeder Mensch kann das tun. Was ist unnormal daran?
Zumal der Hut auch sehr schön ist und einen tollen Nutzen hat. Er schützt z.B. davor, in dieser verdammten Sonne gebraten zu werden.

Sie zog sich die Sonnenbrille an, die umständlich in ihrer Handtasche in einem Etui lag. Dazu musste man die Handtasche erstmal auf den Schoß legen, das Etui raussuchen, dann aufklappen (aber Achtung, die Feder ist sehr straff und man kan sich leicht die Finger quetschen!) dann die andere Brille abnehmen, wieder ins Etui fummeln, das Etui in die Tasche legen (weil auf dem kleinen Restauranttisch natürlich zu wenig Platz ist. Und im Endeffekt brachte die Sonnenbrille keine Verbesserung, weil diese blöde Sonne von schräg oben, genau zwischen Brille und Auge in ihr Gesicht strahlte.

Auch bei den Vorspeisen hatte sie sich vertan. Sie wollte eigentlich keine Vorspeise bestellen. Weil es bis jetzt immer so gewesen war, dass die Vorspeise zuviel ist. Aber es klang alles so lecker! Honigmelone mit Serrano-Schinken! Gemischte Salatteller in allen Variationen! Scampi aglio e olio! Wie poetisch allein dieser Name schon klang! Sie stellte sich duftende Scampi auf dem Teller vor. Geröstet, gebraten, dazu eine zarte Soße. Ihr lief das Wasser im Mund zusammen. Sie musste das einfach bestellen und konnte nicht widerstehen.

Natürlich nahm sie noch einen Prosecco vorneweg. Sechs Euro waren zwar viel Geld- aber hey, es gibt nur dieses eine Leben.
Sie musste das alles haben. Prosecco, Scampi, Salami-Pizza- nur auf den Wein würde sie heute verzichten, weil sie sich bereit erklärt hatte, das Auto zu fahren.

Sie wartete und wartete. Das Essen kam einfach nicht. Sie hatten sich den Tisch im Schatten ausgesucht, aber mit der Zeit kam die Sonne über die schützende Hauswand gekrochen. Unerbittlich wurde sie durch gebraten. Nur das Essen war noch roh im Keller.

Dort lag es schön kühl… Am Nachbartisch waren quengelnde Kinder. Warum erhoben sich die Erwachsenen nicht endlich von ihrem Tisch und gingen? Ihre Teller waren schon lange abgegessen. Aber sie saßen einfach da. Unterhielten sich, redeten ein bisschen und ließen die Kinder quengeln und quengeln.

Ihr Partner steckte sich eine Zigarette an. Der beißende Qualm ging direkt in ihre Augen. Sie merkte wie ihr Gute-Laune-Meter von über 100 in sehr schneller Zeit auf unter 20 gefallen war. Gefährlich! Hier musste sie dringend gegensteuern, das durfte man nicht dem Zufall überlassen. Sie ging kurz auf die Toilette, um wenigstens ein bisschen Schatten zu bekommen.

Nach einiger Zeit wurde die Vorspeise doch angebracht. Sie war erstaunt über den großen Teller! Und da lagen riesige Scampi darauf! Mit Salat ! Und ca. 200 ml Soße! Und Pizzabrot! Aber nicht ein oder zwei Stück, sondern fast 10 Stück Pizzabrot, das frisch duftend und krosse gebacken im hübsch angerichteten Brotkorb hin- und herkugelte.

Die nächste Frage kam sofort: Wie isst man das eigentlich? Und warum hat sie sich das schwierigste Vorspeisen-Gericht ausgesucht, dass man sich nur hätte aussuchen können?

Irgendwo im Fernsehen hatte sie mal gesehen, dass die Scampi geschickt aufgebrochen werden.. genau in der Mitte, mit einem leichten Kniff hier und einem Trick da. Der Kellner hatte sogar extra die Schale mit dem Zitronenwasser gebracht, damit man sich damit später die Hände abwaschen kann. Aber sie wollte es nicht brechen. Sie wollte das Besteck nehmen.

Also setzte sie an der harten Scampi-Schale an. Mann, war die hart! Die unbedarfte Esserin rutschte sofort mit dem Messer ab. Und welchen Teil isst man, welchen nicht? Der letzte Krabben-Salat im Supermarkt war irgendwie leichter zu essen.

Nachdem sie den ersten Scampi auf furchtbarste Weise verunstaltet hatte und nur noch bedauernswerte Einzelteile auf dem Teller übrig waren, beschloss sie, ihr schlaues Smartphone und „Altmeister Youtube“ um Rat zu fragen. Da gab es natürlich Anleitungen im Internet, wie man Scampi aufbricht und isst. Das wäre theoretisch auch sehr hilfreich gewesen, wenn diese verdammte Sonne nicht so blenden würde! Sie stellte die Display-Helligkeit auf „ganz hell“- sofort sprang der schlaue Beratungsassistent ein und warnte davor, dass man nicht zu lange auf einen hellen Display starren sollte, weil das angeblich nicht gut für die Augen ist- aber warum bauen die dann diese Helligkeit überhaupt ein? Kann es sein, dass diese Warnung nur kommt, damit man den Display nicht zu lange benutzt und dann enttäuscht sein könnte über das vorzeitige Akku-Ende?? 😉

Im Tutorial-Video sah es ganz leich aus: Beide Enden vom Scampi einmal sauber durchschneiden. Schale etwas anritzen, die linke Seite mit der Gabel festhalten und mit der rechten Messer-Hand den harten Chitin-Panzer sauber auftrennen. Wie eine enge Jeans mit Reißverschluss. Einfach aufzippen und fertig!

Die Realität sah dann mal wieder anders aus. Das Abschneiden der Enden klappte noch, aber wie war das mit dem Anritzen?

Sie probierte die Schale direkt mit der Messerspitze abzuhebeln- vergeblich. Sie kam nur ca. 2 mm darunter, dann war Ende. Sie versuchte die Schale anzuheben, aber der Panzer war unnachgiebig. Der Scampi drohte wieder auf Grund der Gewalteinwirkung zu vermatschen. In der Zwischenzeit merkte sie, wie sie von der Seite gefilmt wurde und von gegenüber neugierige Augenpaare auf ihren Teller starrten. Von oben schien die Sonne heiß und grell- für einen Moment dachte sie sich, dass sie eigentlich gleich explodieren müsste. Sie war mit ihrem Toleranzlevel an der absoluten Spitze angelangt. Eigentlich müsste sie jetzt ausflippen, rumschreien, weinen- aber es tat sich nichts. Sie war ganz ruhig. Sie lachte innerlich. „Warum rege ich mich nur so auf?“ Dachte sie sich. Es gibt keinen Grund. Der Tag war schön, der Himmel blau, die Sonne schien.

„Was haltet ihr davon, wenn wir uns in den Schatten setzen? Ich habe gesehen, da hinten ist ein Platz frei geworden!“. Ihre Begleiter stimmten ihr zu. Warum nicht? Es war so einfach. Die blöden Scampi waren endlich aufgegessen und abgeräumt.

Gläser in die Hand, Zigarettenetui und Handy eingesteckt. Die Tasche schnell über den Arm- und fertig. Sie gingen ein paar Schritte und waren schon am rettenden Schatten angelangt.

Auf einmal merkte sie, wie sich die Stimmung verbesserte. Ihre Laune kletterte langsam wieder nach oben. Auch ihre Begleiter waren nun besserer Dinge und atmeten sichtlich auf. Der Tag wurde besser, leichter und schöner. Die Pizza grummelte noch ein bisschen, aber das war schnell vergessen.

Es wurde noch ein schöner Tag.

Transition

Passende Musik: Rollin

Ein langer Weg und es ging immer nur nach vorne.

Viele Steine galt es aus dem Weg zu räumen. Viele Menschen zu überzeugen. Gutachten wurden geschrieben und ich musste an höchst-richterlicher Stelle vorsprechen.

Viel Geld wurde ausgegeben, viele Tränen verweint. Es gab viel Verzweiflung, große Depressionen, tiefste Einsamkeit. Es gab Mobbing, Vertrauensbrüche und Gemeinheiten. Es kamen immer wieder neue Freunde, neue Abschnitte, neue Partner. Es gab es ein neues Haus, ein neues Umfeld, einen neuen Job, eine neue Berufung. Es gab neue Tätigkeiten, neue Hobbys und die politische Einstellung hat sich mehrfach gedreht.

Vieles hat sich im Inneren abgespielt. Unzählige Gedanken wurden im Kopf hin- und hergedreht. Mehrmals bin ich im Kreis gesprungen. Oft war ich wieder am Anfang und alles war umsonst. Unzählige Seiten in meinem Tagebuch wurden geschrieben, tausende Selfies wurden aufgenommen, unzählige Städte besucht und neue Eindrücke gesammelt. Nie hatte ich das Gefühl, „fertig“ zu sein. Immer war alles im Fluss.

Eine Vielzahl an starken Medikamenten wurden eingenommen, OP´s wurden gemacht, Ärzten wurde Vertrauen geschenkt, Krankenschwestern haben mir die Hand gehalten. Unzählige Kilometer wurden im Auto zurückgelegt, tausende Fragen wurden gestellt, Foren rauf- und runter gelesen. Die Fragen wurden nicht weniger. Im Gegenteil- Je mehr ich wusste, desto mehr neue Fragen kommen hinzu.

Bei der Suche nach Antworten und Erklärungen hab ich tausend andere Themen angeschnitten. Der Kopf wurde nicht leerer oder klarer, sondern immer voller. Das Leiden wurde voll erkannt.

Immer wieder hab ich die „Identität“ gesucht- und sie am Ende nie gefunden. Je genauer ich hingeschaut habe, desto weniger hab ich sie gesehen. Ich hab es nur gespürt. Tief im Inneren. Mehr eine Überzeugung. Ein Gefühl.

Man kann es nicht erklären. Nicht rechtfertigen. Man kann keine Zeichnung darüber anstellen. Nicht beweisen. Nicht verteidigen. Nur ER-LEBEN.

Der Weg endet nicht. Man fährt immer weiter durchs Leben. Es kommt eine Kreuzung, dann wieder eine Abzweigung. Es kommt ein Hügel, dann wieder eine Senke. Man kann nichts anderes machen, als immer weiter zu fahren.

Manche Leute gucken beim Fahren niemals in den Rückspiegel. Sie starren stur nach vorne und wollen das Leben hinter sich nicht sehen. Aber doch ist es da, man ist da gewesen. Jetzt ist man eben woanders. Manche fahren schnell, manche rasen, andere wiederum brauchen sehr viel Zeit. Es gibt kein perfektes Tempo.

Es gab nie Schwarz ODER Weiß. Es gab immer beides. Mal war das eine stärker, mal das andere.
Immer hab ich es im Zusammenspiel mit anderen erlebt. Der eine wurde männlicher, die andere wurde weiblicher. Das eine ist gewachsen, das andere ist geschrumpft. Hier gab es mehr Volumen, dort eine Abnahme.

Und wenn ich bei anderen Leuten schaue, wie ist es da? Auch nicht viel anders.

Genau dann wird das Leben spannend und aufregend. Wenn sich etwas verändert, wenn der normale langweilige Fluss durchbrochen und umgelenkt wird.

Denn alles ist im Fluss. Alles ist in der „Transition“.

 

Das perfekte Selfie!

https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/selfies-kopfschuesse-in-einer-sinnentleerten-welt

Das Problem ist: Das perfekte Selfie gibt es nicht!

Fotografiert man sich von oben, sieht die Stirn zu groß aus und man entdeckt jedes noch so kleine graue Haar im Ansatz. Fotografiert man sich direkt von vorne, sieht die Nase unnatürlich groß aus und die Mitesser treten allzu deutlich hervor.

Ein Foto von schräg oder der Seite offenbart den kleinsten Doppelkinn-Ansatz oder das zu markante / kleine Kinn, je nachdem.

Selfies haben fast immer eine ungünstige Beleuchtung, so dass die Schatten im Gesicht (z.B. den Augenbrauenknochen) zu hart aussehen. Die Selfie-Kameras haben meist zu wenig Pixel, und so wirkt alles verrauscht. Man ist zu nah mit der Kamera dran und die Perspektive wird dadurch verzerrt!

Und weil es keine perfekten Selfies geben kann, wird man dadurch auch nie ganz 100%ig zufrieden mit sich werden können.

Aber einen großen Vorteil gibt es dennoch: Selfies sind spontan und lustig! 😉

 

Love

Die Bässe ziehen durch deinen Bauch. Du spürst sie überall, alles vibriert. Sie wandern durch den Becher aus Kunststoff, den du mit der linken Hand hälst und der bis oben hin mit Bier gefüllt ist. Der Inhalt schwappt und gurgelt im Takt. In ca. 200 Meter Entfernung siehst du das blaue Leuchten der großen Bühne, die die ganze Menschenmasse beschallt. Irgendwo in der Ferne sind die Musiker oder der DJ. Du siehst sie nicht, aber du hörst sie! Die Musik ist gut und gefällt Dir. Du kennst fast jeden Song.. du würdest am liebsten tanzen, dich bewegen, mitschwimmen, mitsingen! Du hast Freunde dabei, die du magst und die dich mögen.
Es ist so perfekt! Dieser Moment, du würdest ihn am liebsten festhalten oder einpacken und bei schlechten Zeiten wieder hervorkramen. Du ziehst die Eindrücke tief in dich ein und machst ein paar Fotos mit dem Smartphone. Dein Herz, es wurde verrückt nach Eindrücken! Du stellst fest, dass du jeden Menschen auf seine Art und Weise hübsch findest. Du bist jetzt ein Teil von ihnen, ein Teil der Masse. Mittendrin. Es ist nicht nur Theorie, es ist gelebte Praxis und es macht Dir Spaß. An dir gehen ständig Leute vorbei. Sie berühren dich an der Schulter, an den Beinen, am Po. Sie drücken dich sanft in den Rücken.. und irgendwann gehst du auch durch die Menschen und fässt alle an. Es wundert sich keiner, es beschwert sich niemand. Berührung, Liebe und Wahrheit sind deine neuen Begleiter geworden und schweben über Dir.

Die Gespräche mit deinen Begleitern sind interessant und abwechslungsreich. Es geht um Technik, um Alltagsthemen aber auch um tiefe menschliche Frage und soziale Probleme. Dein Rat ist gefragt. Deine Mitmenschen freuen sich, wenn du ihnen was erzählst und von deiner Erfahrung weitergibst. Du fühlst dich gebraucht und an der richtigen Stelle. Es ist alles so perfekt. Du würdest dich am liebsten kneifen, weil du es immer noch für einen Traum hälst.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Du fühlst dich selbstbewusst und frei. Natürlich- denkst du oft über dein Aussehen nach und ob alles gut ist. Aber das tust du so oft und so „selbstverständlich“, dass es dich nicht weiter wundert oder aufhält. Es ist halt einfach so.

Es ist Samstag abend und die Sonne geht unter. Der Kirchturm verfärbt sich von hellem Gelb nach Dunkel-Orange. Der Himmel wird hellblau, dann dunkelblau und schließlich schwarz. Junge Mädchen gehen mit bunten, leuchtenden Schmetterlingen auf dem Kopf an dir vorbei. Sie fallen auf und lachen alle an. Es riecht überall so gut. Ein Sommerabend mitten in der Stadt.

Du liebst diese Momente, diese verrückten freien Samstage voller Liebe und Wahrheit. Du hast sie schon immer geliebt. Du verschmilzt mit ihnen. Du bist verliebt.
Aber in was? In wen? Es ist für einen Moment so, als ob du alle liebst – und von allen geliebt wirst.

 

Gender Gedanken

Im aktuellen Podcast geht es um unterschiedliche Gender-Gedanken. Ich reflektiere nochmal meine eigene Lebensgeschichte und vergleiche sie mit denen von jüngeren TS-Frauen. Was für Unterschiede fallen mir auf? Wo gibt es Probleme und „Schmerzen“ ? Wie gelingt die Selbst-Akzeptanz? Wo kann man sich selbst einordnen? Wie ist ein Geschlecht und eine „Identität“ überhaupt definiert?
Nur mit der Sprache gelingt eine Annäherung.

Semina

Semina greift Dir an die Schulter und lächelt Dich freundlich an „Mensch Juana, da bist du ja!“
Du erschrickst fast ein bisschen, als du sie siehst. Du hast sie irgendwie nicht erkannt. Obwohl Du zweimal am Café vorbei gegangen bist und ganz gründlich nach ihr gesucht hast. Du hast sie einfach nicht gesehen.
Wie auch? Dein Herz schlägt Dir bis zum Hals und du fühlst dich furchtbar nervös. Du bist eine halbe Stunde zu früh in der Stadt gewesen… hast Dir noch den schönen Brunnen und die schlichte Kirche angeschaut. Die Stadt war voll, voll mit Menschen, die in den Cafés auf der Fußgängerzone gesessen, gelacht und erzählt haben. Du musst alle Menschen unwillkürlich anschauen, beobachten, ja fast anstarren. Du bist plötzlich so interessiert an Menschen! Du spürst eine große Sehnsucht, dich einfach in eines der Cafés fallen zu lassen und ein Teil von ihnen zu werden.
Aber der Treffpunkt ist ja woanders. Du hast ein wenig Durst und musst auf Toilette. Aber es geht noch und so beschließt Du ein paar Fotos von den Innenräumen der Kirche zu machen. Es gibt sogar eine Toilette hier, aber davor ist ein großes Eisengitter mit einem Vorhängeschloss. „Nicht heute!“ denkst Du dir.

„Wie gehts Dir denn so?“ Sie schaut dich mit großen Augen an… aber du ringst noch mit der Fassung und mit dir selbst. Hier sind überall Menschen um dich herum. Sie sind so nah. Es ist so warm, du bist das nicht gewohnt. Sie sitzt da in einem wunderschönen hellen, weißen Kleid mit ein paar Blümchen drauf und wirkt so nett und strahlend. Es ist einfach überwältigend, sie anzuschauen! In ihrem ganzen Wesen ist all das, was du sehnst, was du liebst, was du begehrst. Was du nie warst und nie sein wirst, egal wie du dich auch anstrengst. Sie ist die Freundlichkeit in Person… und diese Freundlichkeit, dieses göttliche Wesen hat sich die Zeit genommen, mit dir einen Kaffee zu trinken. Da bekommst du erstmal keine Worte raus und du merkst, wie du verschlossen bist. Langsam beobachtest du die Menschen um euch herum, ob irgend jemand irgendwas auffällt.. was da überhaupt für Menschen sind. Dann bestellst du etwas zu trinken. Du nimmst einen Cappucino und sie einen Eiscafé.

Ihr plaudert. Langsam wirst du lockerer. Du denkst nicht mehr über Deine Stimme nach.. oder wie du wirken kannst. Sie macht es Dir leicht, dich zu öffnen. Ihre freundliche Art lockert Dich und öffnet alle Schranken. Es ist verblüffend, das zu erleben. Du hast dich selbst eigentlich immer für einen lockeren, offenen Menschen gehalten. Aber wenn du dich mit ihr vergleichst, dann warst du vorher ein Stück Stahl, in das man einen Nagel aus Butter schlagen wollte.

Die Zeit verrennt wie im Flug. Du weißt gar nicht mehr genau, was du gesagt hast. Du glaubst, dass es sich dumm angehört hat. Etwas planlos. Du ringst nach Worten und Erinnerungen. Nichts fällt Dir ein. Der Moment ist noch zu stark. Wie gebündeltes Licht aus einem Laserstrahl, der sich direkt durch deine Seele brennt.

Hin und wieder lacht sie über deine blöden Gedanken. Du freust dich, dass es Dir gelingt, wenigstens ein bisschen witzig zu sein.

Ihr beschließt, euch an diesem schönen Tag noch etwas anzuschauen. Also bezahlt ihr die Getränke und geht ein bisschen durch die Fußgängerzone. Die Bewegung tut gut. Endlich kommt etwas Luft an die Arme… hier sind noch mehr Menschen. Aber du siehst die anderen nicht, du siehst nur SIE. Du hast die Haare auf gemacht und trägst sie jetzt auch lockerer… deine eigenen blonden Haare werden vom Gegenwind ordentlich durchgewirbelt. Sie geht sehr schnell den kleinen Hügel hinauf, du hast Mühe, mit zu halten. Nach ein paar Minuten trefft ihr einen jungen Mann, der etwas „besonders“ aussieht. Jung und kräftig, er wirkt aggressiv und entschlossen. So jemanden würdest du fürchten, wenn du alleine unterwegs bist. Aber er kennt deine Begleiterin und begrüßt sie freundlich! Sie sind alte Schulfreunde. Deine Freundin plaudert mit ihm, als sei es das normalste der Welt. Er ist ganz nett, an dir aber gar nicht interessiert. Er will einen trinken gehen.

Du bist erstaunt, wen sie alles kennt und wie klein die Welt ist. Und wie leicht sie sich mit anderen Menschen tut. Du wünscht Dir, dass du auch diese Lockerheit und Normalität hättest. Aber du bist besonders. Du kannst es dir nicht aussuchen. Du bist so, wie du bist.

Ihr geht in das Museum. Die Taschen werden eingeschlossen. Da gibt es viele Spinde mit Nummern drauf, fast alle sind leer an diesem Samstag. Du fragst sie nach ihrer Lieblingszahl. Blöde Frage, denkst du dir, warum frage ich das eigentlich? Aber sie hat tatsächlich eine Antwort darauf… das ist verrückt.
Sie wundert sich nicht über deine Frage, sondern beantwortet sie so selbstverständlich, als wenn du nach ihrer Lieblings-Fußball- Mannschaft gefragt hättest.

Ihr schaut euch moderne, abstrakte Kunst an. Die Räume sind kühl und weiß und nackt.
Die Kunst ist schlicht und grau. Die Aufsichtsperson wirkt skurril und welt-entrückt. Sie starrt den ganzen Tag auf diese farblose, graue Kunst, die sich fast kein Mensch anschaut.

Im nächsten Stockwerk wird es bunter und lebendiger. Hier fühlt ihr euch wohler. „Ah neue Sachlichkeit“ Ein Kunstkenner ist mit seiner Gattin unterwegs und begutachtet fachmännisch die ausgestellten Stücke.

Es geht weiter nach oben… die Werke werden immer besser und interessanter. Sie interessiert sich für alles, so wie du. Es ist so… als ob ihr das schon seit 20 Jahren so macht. Es fühlt sich normal an.

Nach dem Museum geht ihr noch was trinken. Sie bestellt sich ein Bitter Lemon und du nimmst ein Tonic Water. Plötzlich merkst du, wie eine Angst in dir aufsteigt. Die Zeit, sie rennt. Was schon drei Stunden?
Du hast Angst vor diesem Moment der Trennung. Er ist mit Schmerz verbunden. Du drückst sie herzlich und fest.

Dann ist sie weg.

Bilder…

Ein paar Bilder von mir. Beim letzten Backup bzw. der Neuaufsetzung des Blogs sind leider alle Bilder verloren gegangen.

Die letzten Selfies mit der alten Kamera:

I didn´t change the pictures, but the pictures changed me
Standard Selfie-Lächeln

Und hier kommen Selfies mit der neuen Kamera, die statt zwei Megapixel fünf Megapixel hat und etwas weniger rauscht:

Oldschool
meine rote Seite
meine ausgeglichene Seite
Die Nette

Außerdem hab ich beim Graben auf der Festplatte noch dieses ältere Bild gefunden:

Twins

Es ist von 2004 oder 2005. 😉 Hab echt lange keine richtigen Fotoshootings gemacht und sollte das mal wieder machen.

Ein Bild von Fritz und meiner Cousine (man beachte das lustige Hintergrund-Bild. 😉 )


Meine Cousine und ich:

Zum Schluss zeige ich euch noch Bilder von meiner Oma und meinem Opa.
Beide sind leider schon tot. Aber es gibt viele Bilder, also diese Leidenschaft liegt wohl in der Familie.

Meine Oma (im Vordergrund)

Meine Oma und Opa.. vor sehr langer Zeit.
Ca. in den 1930ern.

 

Menschen…

Passender Song: Feed Your Head

da ist diese Frau, die am Eiscafé vorbeigeht. Sie schaut kurz rüber, aber mir direkt in die Augen. Ich spüre Ihren Blick, aber ich kann ihn nicht deuten.. Es ist nur ganz kurz… vielleicht eine halbe Sekunde lang. Dann schaut sie wieder weg. Aber ich hab genau gemerkt, dass sie mich in dem Moment erfasst hat.. ganz deutlich… es ist so eine Verbindung, schwer zu sagen, was genau, einfach ein Fühlen.
Ein Fühlen „auf gleicher Wellenlänge“ vielleicht? Oder nur ein „Abchecken“… ein „Vergleichen“? Ich merke, wie ich genauso neugierig wie sie zurückschaue. Ich kann fast durch sie hindurch schauen. Ich erkenne alles ganz klar. Was sie in dem Moment fühlt, wo ihre Schwachstellen sind und was ihre Stärken. Ich kenne sie erst seiner einer halben Sekunde und sie ist mir schon vertraut. Seltsam! Sie ist ungefähr so alt wie ich, auch blond, chic gekleidet. Sie hat eine Sonnenbrille, die sie in ihre Haare schiebt. Sie steht vor einem Schaufenster mit einer modischen Auslage. Sie schaut mich ganz durchdringend und klar an. Es ist mir fast unangenehm. Dann aber schaut sie weg… als sei nichts gewesen.

An dem Tag treffe ich noch mehr Menschen. Die jungen Menschen mit ihren Taschen und bunten Klamotten vor der Mannheimer Uni. Sie kommen mir inzwischen wie Kinder vor..dabei war ich auch mal so alt. Schlank, jung, glatte Haut, die Augen noch wissbegierig und offen für neue Eindrücke.

Da ist der Afrikaner mit den Dreadlocks im Rollstuhl .. allein für sich ein interessanter Anblick. Er rollt durch die Hifi-Abteilung des Elektronik-Marktes und wippt mit dem Kopf zur Musik der ausgestellten Ware. Ein Bild für die Götter. Um ein Haar bleibe ich stehen und möchte ihn fotografieren oder filmen. Dann wiederum denke ich, dass das ja sehr unhöflich wäre… und ärgere mich fast im gleichen Augenblick darüber, so schüchtern zu sein. Und was, wenn es das Bild des Jahres geworden wäre? Schnell verwerfe ich den Gedanken wieder.

Im Eingang steht noch eine Studentin. Sie hat den undankbaren Job für ihre „Chefs“ eine Markt-Umfrage zu machen. Nachdem meine bessere Hälfte keine Antwort geben möchte, ich die Frau aber so nett finde und sie mir „leid tut“, beantworte ich schnell die Fragen. Sie ist ganz akkurat, stellt brav eine Frage nach der Nächsten. Es ist gar nicht so schlimm. Was ich denn hier mache, was ich gekauft habe und ob ich in der letzten Zeit Werbung gesehen oder gehört hätte.

Wir gehen in ein anderes Geschäft. Da spüre ich spontan „Abneigung“. Die Ware ist teuer, die Verkäufer sind unfreundlich oder über-ambitioniert, auf jeden Fall in keinem guten Verhältnis. Eine Frau sitzt gelangweilt vor der Kasse und beobachtet mich, wie ich mich mit der nicht passenden Ware abmühe. Auch nach vier Teilen passt immer noch nichts. Genervt gebe ich auf. Wir fahren fünf Stockwerke mit dem gläsernen Aufzug nach unten. Wenigstens ist der Besuch nicht ganz umsonst gewesen.

Auf der Straße treffe ich sehr viele Leute unterschiedlichster Geschlechter und Nationalitäten. Es ist schwer, sich im Nachhinein an irgendjemand bestimmtes zu erinnern… man ist mehr durch eine anonyme Masse gegangen und selbst auch größtteils anonym geblieben. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass die meisten Menschen interessiert und aufgeschlossen schauen und alle recht zufrieden sind. Das liegt bestimmt am guten Wetter.

Ich frage mich dabei häufig, was eigentlich „deutsch“ ist? Ob man darüber traurig sein solllte, dass alles gemischt wird, dass „wir“ inzwischen aus so vielen unterschiedlichen Nationalitäten bestehen? Dann frage ich mich, was denn „deutsch“ sein primär ausmacht. Ich denke, wer innerhalb der deutschen Ländergrenzen lebt, hier arbeitet, Geld verdient und auch noch unsere Sprache spricht, kann durchaus „deutsch“ genannt werden. Es ist doch eigentlich eine tolle Sache, wenn „unser Land“ bei anderen Menschen so hoch im Kurs steht und so beliebt ist, dass so viele Menschen kommen. Das ist primär nichts, über das man sich ärgern muss. Ich stelle mir die Frage in der letzten Zeit sehr oft, weil ja diese Themen „Asyl“, „Zuwanderung“ und „Flüchtlinge“ in den Medien über-proportional vertreten waren und man auch entsprechend viel negatives gehört und gelesen hat (gerade in den Kommentaren großer Zeitungen z.B.). Natürlich verändert sich das Land auch durch die vielen verschiedenen Kulturen, aber verliert es deswegen seine „Seele“ oder seine „Identität“? Und wenn, warum fürchten wir uns davor so sehr? Vielleicht weil wir keine deutsche Seele sehen oder erleben und daher einen möglichen Verlust noch viel mehr fürchten? Sind wir so unsicher über uns selbst geworden, dass wir eine „scheinbare Bedrohung“ von außen als so schlimm erleben? Ich schaue mir die Frauen aus islamischen Ländern an, wie sie selbstbewusst mit Kopftüchern durch die Stadt gehen. Eigentlich sehen sie auf ihre Art und Weise auch chic und jung aus. Sie passen zu den anderen hübschen Frauen, die hier gehen- nur dass sie eben eine andere Einstellung zu Ihrer Kopfbedeckung haben- das ist alles. Es kommt mir mehr vor ein modisches Accessoire oder eine Übereinkunft mit ihrer Einstellung. Nichts, vor dem ICH mich fürchten müsste. Manchmal sieht man einen Mann, der zwei Frauen dabei hat, diese tragen wiederum Kopftücher. Es ist schon ein seltsames Bild. Aber muss ich diese Menschen deswegen fürchten? Ich schaue ihnen in die Augen, will irgendwas „lesen“, aber ich ernte nur genau den gleichen, neugierigen Blick, den ich ausgesendet habe. Da ist erstmal nichts „Schlimmes“, nichts „Fremdes“ oder „Anderes“… das alles entsteht erst im Kopf, durch die vielen Konzepte, die das Leben so schwer machen.