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Top-Suchbegriffe und Lese-Hits der letzten 90 Tage

Zusammenfassung für eilige 30 Sekunden-Leser:

Die beiden wichtigsten Artikel der letzten 90 Tage im J.A. Blog waren „Erfahrungsbericht: Knauf Easyputz“ und „Konstruktive und destruktive Menschen“. Andere Artikel werden zwar auch gesucht, aber hauptsächlich Google bestimmt darüber, was für das Internet relevant ist und was nicht. In den folgenden Zeilen interpretiere ich die Daten weiter und versuche eine mögliche Lösung für dieses Problem der Einseitigkeit zu finden.

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Weihnachtsmarkt

Zum Weihnachtsmarkt-Anschlag in Berlin kann und werde ich erstmal nicht zuviel schreiben. Das Ereignis ist noch zu jung und die Gefahr ist groß, dass man sich in falschen Schuldzuweisungen und vorschnellen Vermutungen verliert. Zuerst möchte ich daher mein Beileid und mein Mitgefühl all denjenigen aussprechen, die davon betroffen sind oder Angehörige unter den Opfern haben. Mich hat das Ganze sehr betroffen gemacht.

 

Dennoch gibt es mittlerweise genug Fakten und genug Informationen, so dass zumindest eine erste Zusammenfassung und Einschätzung möglich ist.

Ich habe davon so erfahren: Wir haben gerade einen Film im TV angeschaut und es kam Werbung. Beim Zappen durch die Kanäle sind wir dann an „n-TV“ hängen geblieben. Da war ein LKW auf einer deutschen Straße und darunter ein Lauftext, was vermutlich passiert ist. Nach ca. 2 Sekunden hab ich sofort an einen Anschlag gedacht. Zu der Zeit war es aber nicht sicher. Ich war sehr erschrocken und erbost und schaltete zunächst weiter, weil ich nicht wollte, dass das Grauen an diesem friedlichen Abend (der ansonsten so schön gelaufen war) in unser Wohnzimmer bricht. Später dann, als Nachrichtenzeit war, konnte ich mich aber nicht mehr zurückhalten. Eine sichtlich aufgewühlte Marietta Slomka vom Heute Journal versuchte ein bisschen Ordnung und Übersicht in die Situation zu bringen, was ihr sichtlich schwer fiel. Mir war sofort klar, dass da etwas sehr schlimmes passiert sein muss. Und in wirklich fast jedem dritten Satz wiederholte man sich „wir wissen aber noch nicht, ob es ein Anschlag war, es könnte auch ein Unfall sein“.

Das fand ich mehr als seltsam. Denn schon in den ersten Stunden nach dem Anschlag deutete für den gesunden Menschenverstand alles daraufhin. Ich ging abends beim Einschlafen nochmal die Fakten durch und kam zu folgendem Ergebnis: Die Anschlagszeit war mit 20 Uhr sehr exakt ausgewählt und vermutlich so berechnet, dass möglichst viele Leute auf dem Weihnachtsmarkt sind. Es wurde ein prominenter Platz mit besonderer Bedeutung für Deutschland, nämlich der Breitscheidplatz und die Gedächtniskirche ausgewählt… es wurde ein christliches Symbol und gleichzeitig ein Symbol der westlichen Welt und ihrer kapitalistischen Denkweise gewählt: Ein „Weihnachts“- „Markt“, also die Verbindung aus christlicher Weltanschauung und dem irdischen Bestreben, die Dinge zu handeln und zu verkaufen. Man hat einen Verdächtigen verfolgt, der sich hinterher als „unschuldig“ herausgestellt hat. Aber dieser Verdächtige passte bereits zu einer Personengruppe, die man bei so einem Anschlag vermutet hätte: Jünger als 30 Jahre, männlich, aus einem arabischen oder muslimischen Kulturkreis. Das heißt also auch, dass der ursprünglich gesichtete Täter diesem fälschlicherweise verfolgten Mann sehr ähnlich gewesen sein muss. Dann wurde noch am Abend im Internet berichtet, dass Zeugen einen Schuss gehört haben, als der LKW zum Stehen kam. Außerdem wurde der Beifahrer tot aufgefunden. Von einer Schussverletzung wurde allerdings nicht gesprochen, das kam erst einen Tag später.
Eine Zeugin auf CNN berichtete, dass der LKW auf seiner Fahrt nicht langsamer geworden war. Wenn es ein Unfall oder ein Versehen gewesen wäre, dann hätte er gebremst. In den deutschen Medien wurde dieser Fakt, bzw. diese Zeugin nicht erwähnt. Aber auch CNN hielt sich am Anschlagsabend mit Deutungen und dem Wort „Anschlag“ noch zurück.
Als zusätzliches Indiz für einen islamistischen motivierten Terroranschlag kam noch hinzu: Der Anschlag in Berlin erinnerte sofort an den von Nizza. Die Terrororganisation IS hat dafür anscheinend „Anleitungen“ ins Netz gestellt. Es ist eine perfide Anschlagsmethode, die leicht durchzuführen ist und gegen die es kaum Schutz gibt. Außerdem ist maximaler Schaden gegen „weiche Ziele“ (also Menschen!!) möglich.

Ich frage mich trotzdem, wenn soviele Indizien schon am Montag abend für einen Anschlag gesprochen haben, warum war man dann nicht in der Lage, das auch auszusprechen? Die Medien wirkten hier wie die Maus vor der Schlange, die vor Angst erstarrt und sich nicht vor- noch zurückbewegen kann. Genau dieses Zögern ist es, das uns empfindlich und angreifbar macht.
Was machen wir demnächst, wenn Terroristen mit der AK-47 vor uns stehen? Glauben wir, dass sie nur in einem Spiezeugladen waren und nochmal eben die Weihnachtsgeschenke für ihre Söhne und Neffen ausprobieren wollen? Und wenn wir von ihren Kugeln durchsiebt werden, werden wir es dann für einen Scherz halten und glauben, dass es Filmblut ist, dass man gleich wieder abwischen kann? Und wenn wir dann im Sterben liegen, weil die Terroristen sich an uns „Ungläubigen“ gerächt haben, werden wir dann glauben, dass wir gleich wieder auferstehen und morgen wieder zur Arbeit gehen, als sei nichts geschehen? Wie naiv wollen wir noch sein? Wieviel Schmerz und Leid müssen wir ertragen, bevor wir endlich aufwachen?

Sicherlich war es richtig, dass sich Medien, Polizei und andere Verantwortliche in so einer Situation zurückgehalten haben und besonnen reagiert haben. „Besonnenheit“ war das Wort des Abends und es ist sicherlich auch löblich. Es ist eine sehr deutsche Herangehensweise, erstmal alles abzuwarten, sich erstmal ein Überblick über die Fakten zu schaffen und die Emotionalität und das Bauchgefühl ganz an den Schluss zu stellen.
In diesem Falle geht es auch darum, keine Panik zu schüren, sich nicht anstecken zu lassen von der Hysterie.

Wie nicht anders zu erwarten, waren es vor allem die rechten, politischen Parteien, denen vorschnell Deutungen herausrutschten. Einem Horst Seehofer z.B., dass man die „Flüchtlingspolitik nun überdenken“ müsste- freilich ist bis jetzt noch gar nicht bekannt, ob der eigentliche Täter wirklich ein Flüchtling war oder ist! Jemand anders sagte, dass das ein „Kriegszustand“ sei und noch jemand sagte sogar dass es „Merkels Tote“ seien.

Wo aber ist die richtige Reaktion? Wie soll man nun reagieren? Wie soll man sich menschlich darauf einstellen?

Ich denke, dass beide Extreme nicht gut sind. Es ist nicht gut, sich selbst in Watte zu packen und die Augen und Ohren zu verschließen und nicht akzeptieren zu können, was wirklich ist. Eine allzu hektische, rein emotionale und „postfaktische“ Reaktion ist aber auch nicht gut.

Man muss sagen können: Ja, Deutschland ist im Visier des internationalen Terrorismus. Ja, wir werden nicht von allen geliebt, auch wenn wir uns noch so anstrengen. Ja, es gibt Leute die uns hassen und nein, wir können uns nicht immer davor schützen.

Was man mehr als je braucht, sind vernünftige Antworten, die auf der einen Seite die Freiheit, Sicherheit und Menschenrechte von allen Menschen gewähren, aber gleichzeitig auch wehrhaft bleibt und konsequent dort reagiert, wo Unrecht geschieht.

Für mich liegt der größte Skandal z.B. darin, dass ein Mensch (nämlich der neue Verdächtige Amri) so einen langen, offensichtlichen kriminellen Weg beschreiten kann und dass es niemand gibt, der ihn aufhalten kann. Er wurde wahrscheinlich in Tunesien schon verdächtig, kam dann als Flüchtling nach Italien, war an Aufständen beteiligt und zündete dort eine Schule an. Er saß dort in Haft, war also vorbestraft. Italien konnte ihn nicht ausweisen, also kam er nach Deutschland. Wieso kam er bei uns rein? Als offensichtlicher Straftäter? Auch hier bei uns wurde er auffällig, aber auch da konnte man ihn nicht unter Kontrolle bekommen! Es war weder möglich, ihn längere Zeit in Abschiebehaft unterzubringen, noch möglich zu überwachen und abschieben ging auch nicht. Die Begründungen dafür sind haarsträubend und werden den vielen Toten und Opfern seines Wirkens nicht gerecht! Man konnte ihn nicht loswerden, weil er keine Ausweispapiere hatte und weil Tunesien ihn nicht zurücknehmen wollte! Sagt das jetzt bitte nicht den Angehörigen… ich möchte so eine Botschaft auf jeden Fall nicht überbringen wollen. Das ist traurig und eine große Schande für die Sicherheitsarchitektur, wenn soviele Fehler zusammen kommen.

Deutschland und seine Nachbarländer in der EU müssen solche Sicherheitsmängel dringend und schnell abstellen. Es bringt nichts, im Allgemeinen gegen „die Flüchtlinge“ zu hetzen. Aber es würde schon reichen, wenn man die Einreise konsequenter und gezielt kontrollieren würde und bei einem offensichtlichen Straftäter konsequenter abschieben würde. Auf gar keinen Fall darf ein „freier Radikale“ so ungehindert durch Europa reisen. Es muss jemand geben, der ihn stoppt und zwar rechtzeitig und nachhaltig.

Der Tempel des Konsums

und der digitalen Wandlung

Gestern ging es mal wieder durch den Supermarkt. An der Eingangstür erwartete mich bereits ein riesiger, fertig geschmückter Weihnachtsbaum und noch eine dekorative Reihe aus kleinen Bäumen, die mit etwas kitschigen, roten und gelben Glitzergeschenken behängt waren. Verwundert musste ich mir die Augen reiben. „Hab ich mich etwa im Monat geirrt? Ich hab doch noch gar keine Geschenke.“ Weihnachten wurde von mir noch erfolgreich verdrängt. Gerade dieses Jahr hatte ich mir eigentlich vorgenommen, den Stress und die Geschenkezahl deutlich zu reduzieren und die Adventszeit endlich mal zu genießen!1

Aber in den Supermärkten geht mir das oft so, denn hier ist der Einzelhandel seiner Zeit mal wieder weit voraus. Ich gehe noch etwas weiter und betrete die heiligen Hallen des Konsums. Auf der „gesonderten Verkaufsfläche“, die den Besucher auf ca. 100 qm immer als erstes empfängt, geht es munter weiter mit Geschenkpapier, Geschenkverpackungen, Weihnachtsaufklebern, Weihnachtsschmuck und kleineren, fertigen Präsenten, wie z.B. Packungen mit Parfüm oder Spielsachen für Kinder. Ich gucke nur kurz drüber, muss innerlich die Nase rümpfen und entscheide mich gegen den Aufruf zum Konsum. Wobei ich auch zugeben muss, dass die Verlockung groß ist. Allein dadurch, dass das Angebot bereit gestellt wird, wird man nämlich daran erinnert, dass da doch demnächst ein großes Fest kommt und man sich bitte darauf vorzubereiten hat. Es ist in Deutschland unmöglich, nicht daran zu denken. Weihnachten ist also so etwas wie politischer Mainstream, den man einfach zu übernehmen hat. Nur, dass der Mainstream diesmal nicht von den Politikern oder Kirchen, sondern allein vom Wirtschaftswesen und den Unternehmenschefs gesteuert wird. Mir wäre es wohler, wenn ich durch die Radioansprache eines berühmten Intellektuellen oder eines Kirchenvertreters an Weihnachten erinnert werde. Damit verbunden, die Ansprache zur inneren Wandlung, zur inneren Verantwortung und dass mal wieder jemand daran erinnert, welche Werte im Leben wirklich wichtig sind: Mitgefühl, Altruismus, Toleranz, Demokratie.
Aber gut, ich bin auch selbst schuld, denn sobald ich mich durch die Hallen eines „Konsumtempels“ bewege, muss ich natürlich damit rechnen, dass hier nicht „Liebe“, sondern „Konsum“ gepredigt wird. Wenn ich in einer Kirche sitze, erwarte ich ja auch nicht, dass man mir Gesangsbücher oder Geschenkgutscheine verkauft.

Also wird der Einkauf in gewohnter Manier fortgeführt. An den Kassen komme ich nochmal ins Grübeln. Es gibt hier fast 20 einzelne Kassen-Slots.. vor kurzem wurde diese komplett renoviert und mit neuster Technik ausgestattet. Es sieht auf den ersten Blick moderner und chicer aus. Der Kunde hat noch ein extra Display, das klarer und heller ist. Die Kassenautomaten sind insgesamt kleiner und noch „smarter“ geworden. Für die Zigaretten gibt es nun einen Automat mit Touchscreen. Man kann sogar berührungslos bezahlen.
Die wahre Motivation erkennt man aber erst, wenn man genauer hinschaut. Die Bänder sind wieder etwas kürzer und kleiner geworden, was den Stress beim Rauflegen erhöht, außerdem hat man den üppigen Platz an der „Auslaufzone“ etwas verkleinert, so dass es jetzt noch schwieriger wird, den Einkaufswagen zu drehen. Dafür wurde der Verkaufsbereich links und rechts der Bänder nochmal vergrößert. Das (anscheinend) sehr lukrative Sortiment aus Wodka-Flaschen, Kräuterschnaps, Hustenbonbons, Kinder-Spielzeug und Schokolade ist jetzt noch prominenter geworden. Dabei kaufe ich dort aus Prinzip nicht! Mir ist schonmal aufgefallen, dass hier die Preise sogar gesondert berechnet werden. (Batterien im Markt sind günstiger, an der Kasse zahle ich drauf) Außerdem werden immer ganz kleine Packungen hingestellt, was wiederum mehr Verpackung und teurer Verkaufspreis bedeutet.

Warum fragt man bei all diesen Umbauaktionen eigentlich nie den Kunden? Warum wird immer alles von oben herab entschieden? Warum gibt es nie Demokratie in den kleinen Dingen des Lebens? Ich bin gezwungen, mich in das System Einkauf einzufügen, ob ich will oder nicht.

Beim Gespräch mit der Verkäuferin habe ich sogar erfahren, dass die Verkäuferinnen das System selbst nicht gut finden. Die Kassenautomaten wurden nämlich mal nach links und mal nach rechts ausgerichtet, so konnte man die Bänder-Zone noch vergrößern und den Platz optimal ausnutzen. Rechtshänderinnen haben aber nun massive Probleme, weil die Kassen tlw. für Linkshänder ausgerichtet sind. D.h. sie müssen den ganzen Tag vor einer „falschen Kasse“ sitzen und die Arbeit quasi mit der nicht-dominanten Gehirnhälfte aus delegieren. Warum sagt eigentlich da der Arbeitsschutz und die Gewerkschaft nichts? Gibt es solche Verbände eigentlich überhaupt noch? Auch als Kundin kann ich nichts machen, ich muss das ganze so akzeptieren oder woanders einkaufen gehen. Der einzige Ausweg, der noch bleibt, ist eine Protestmail an die Unternehmensleitung.

Es gibt jetzt mehr Bänder und Einkaufsslots, aber mir ist auch aufgefallen, dass seit der Umstrukturierung teils weniger Kassen geöffnet sind. Dieser Supermarkt hatte sich immer dadurch ausgezeichnet, dass viel Personal eingestellt war und man an den Kassen so gut wie nie warten musste. Das war ein Grund, warum das mein Lieblingssupermarkt wurde. Jetzt fällt mir auf, dass an bestimmten Flaute-Tagen (z.B. Donnerstag) die Anzahl geöffneter Kassen deutlich zurückgefahren wurde.

Ich schaue mir die Frauen mittleren Alters genauer an. Ich stelle mir vor, wie sie zu Hause Männer haben, die LKW fahren oder Handwerker sind und darauf angewiesen sind, ein zweites Einkommen zu haben. Plötzlich sagt mein Mann (der immer mit anderen Augen durch den Supermarkt geht als ich) das Stichwort „Automatisierung“ und dass diese Arbeitsplätze in den nächsten Jahren auch wegfallen könnten. Mir fällt es wie Schuppen von den Augen! Er hat recht. Das sind die ersten Arbeitsplätze, die dran glauben müssen. Die Arbeit ist nämlich schon jetzt hochautomatisiert und digitalisiert. Auf jedem Produkt klebt ein Barcode, die Waren müssen nur über den Scanner gezogen werden. Alle Preise werden vom Warenwirtschaftssystem verwaltet und können von der Geschäftleitung kurzfristig angepasst werden (ähnlich wie bei den Benzinpreisen). Was spricht denn dagegen, die Kassen in nächster Zeit auf „Selbstscanner“ umzurüsten? Der Kunde könnte selbst scannen und an der Kasse müsste nur noch eine Person stehen, die alles überwacht. Das gibt es ja z.B. in der „Metro“ schon. Oder man denkt sich neue technische Lösungen aus, z.B. ein Einkaufswagen, in dem man die Waren reintut, die sich dann selbst (z.B. mit RFID-Chip) melden und dann nicht mehr entnommen werden können, bis der Kunde an der Kasse das Schloss wieder freischaltet.

Ich schaue mir die anderen, vielen Menschen an, die anscheinend alle sehr glücklich sind, in diesem Supermarkt einen Job zu haben. Sie fahren die Paletten durch die Gänge und räumen die Regale ein. An einem durchschnittlichen Einkaufstag komme ich meistens auf 10 Verkäufer und Verkäuferinnen. Auch diese können durch „Industrie 4.0“ und Vollautomatisierung ersetzt werden. Roboter für Regale oder vollautomatisierte Lagersysteme gibt es ja jetzt schon. Vielleicht kreuzt mir beim Einkaufen demnächst ein kleiner Roboter den Weg, der mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und GPS das gewünschte Regal ansteuert und dort alles ablegt?

Was wird dann mit den Menschen, die jetzt froh sind, einen Job zu haben? Die bei der Programmierung der neuen Roboter vermutlich nicht dabei sein werden und die auch keinen Supermarkt geerbt haben?

Zugegeben- bei allem Optimismus über die schöne neue Welt- ist das eine Vorstellung, die mir Sorgen macht. Wenn man Populismus und extreme Wahlentscheidungen in Zukunft vermeiden möchte, muss man solche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen erkennen und Lösungen dafür erarbeiten. Beim Supermarkt-Beispiel gibt es dafür verschiedene Ansätze: Z.B. müssten die Löhne deutlich steigen, so dass Familien nicht unbedingt auf zwei Einkommen angewiesen sind. Auch die steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen wäre dringend notwendig. Gewinne, die aus der höheren Produktivität und den technischen Fortschritten entstehen, müssten direkt an die Menschen und Arbeitnehmer weitergegeben werden. Es werden in Zukunft mehr Arbeiten durch Maschinen und Roboter erledigt, der Faktor Mensch kommt immer weniger vor. Also wäre auch eine “Maschinensteuer” denkbar.
Und es müsste mehr für Bildung in der Breite getan werden. Entwicklungen wie „Industrie 4.0“, Elektromobilität und Digitalisierung dürfen nicht verschlafen oder verdrängt werden. Die Industrie (und die Politik) muss wettbewerbsfähig bleiben, sich auf neue Entwicklungen rechtzeitig einstellen und auch dafür sorgen, dass sie Fachkräfte ausbildet und die Menschen bei diesem Wandel mitnimmt.


Anmerkungen:
  1. wie eigentlich erfolglos jedes Jahr []


Wahl in den USA -2

Wähleranalyse und Gedanken zur Persönlichkeit des Wahlsiegers

Ich glaube, dass es zu einfach ist, wenn man Donald Trumps Erfolg nur auf die Wahlentscheidung einer fehlgeleiteten, weißen Unterschicht „ohne Collegeabschluss“ schiebt. Sicherlich mag das am Wahlausgang einiges verändert und Hillary Clinton entscheidende Wählerstimmen gekostet haben. 72 % der Wähler waren weiß und hatten keinen College-Abschluss. (Quelle)
Erschreckend finde ich bei der ersten Wahlanalyse aber, dass durchaus auch Frauen und Latinos sich für Trump entschieden haben. Obwohl er diese ja lautstark und offensiv beleidigt hat. So haben sich immerhin 42% der weiblichen Wähler für Trump entschieden und 29% der Wähler waren Latinos.

Was sagt also dieser Erfolg über die Psyche der Wähler aus? „Die Schafe wählen ihren Metzger selbst“, anders kann man es -glaube ich- nicht formulieren. In der Wahlentscheidung für einen Präsidenten, der höchstwahrscheinlich zu ihrem eigenen Nachteil handeln wird, kann doch nur so etwas wie der Wille zur Demütigung und Bestrafung stecken. Wo die Gesellschaft auf der einen Seite durch falsche Erziehung und Vorbilder Narzissten und Egoisten wie Trump hervorbringt, muss es auf der anderen Seite auch Verlierer und Masochisten geben- die die Unterdrückung und Ungleichheit schon so sehr verinnerlicht haben, dass sie das Kreuz an der falschen Stelle machen.
Bei der Wahl war aber auch viel Protest im Spiel, was man an der Verteilung der Wahlgründe sieht. Hier geben 70% der Wähler an, dass sie Trump gewählt haben, weil er für einen Wandel sorgt. Erfahrung hat man Clinton immerhin mit 40% zugesprochen, aber Trump nur 3%.

Die Leute wissen also, dass Trump sehr wenig Erfahrung für den Job mitbringt, und wählen ihn trotzdem?

Hier kann man indirekt auch einen starken Geschlechterunterschied in der Bewertung von Führungspersönlichkeiten und allgemeiner Kompetenz ausmachen. Wo dem polternden, aggressiven Mann ein großer Vertrauensvorschuss entgegen gebracht wird, kann die Frau trotz ihres großen Wissens und ihrer Erfahrung sich nicht durchsetzen. Die Menschen wissen zwar, dass Clinton mehr Erfahrung hat, auch ihr Urteilsvermögen wird höher eingeschätzt (27% vs 11%).
Das „Gefühl“ setzt aber dennoch auf den starken Mann. Die Masse vertraut, dass er sich mit seinen Ellenbogen und seiner Aggressivität durchsetzen wird und ihrgendwie in den Job reinwachsen wird. Er soll die Kohlen für die abgehängten Amerikaner aus dem Feuer holen. In der Erziehung denke ich hier an Eltern, die den Jungen vor die Tür setzen, ihn hart ran nehmen und darauf vertrauen, dass er seinen Weg selbst findet- wohingegen die Mädchen eher vor negativen Erfahrungen und großer Stress-Berührung in Schutz genommen werden und man ihnen das sowieso auch nicht zutraut.

Es ist so offensichtlich das Donald Trump „nicht ganz normal“ ist, um es vorsichtig zu formulieren.
Googlet man nach der Psyche von Trump oder einer möglichen Psychoanalyse, dann stößt man ganz schnell auf den Begriff des „Narzissten“, also dem selbstverliebten Menschen, der nichts kennt außer sich selbst und sein Spiegelbild.

Es gibt einige Texte über den narzisstischen Trump, z.B. diesen hier,  der die These aufstellt, dass der Narzissmus einer prominenten Person auch einen Stellvertreter-Komplex lösen kann. Man sieht also in der Befriedigung des Narzissmuses eines anderen, seinen eigenen Narzissmus befriedigt. Zu dieser Erkenntnis kommt auch dieser Text, der gleich die ganze Kultur als narzisstisch gestört betrachtet.  Allerdings wurde das vom Sozialkritiker und Autor Christopher Lasch schon 1979 erkannt und vorhergesagt.

Einen interessanten Hinweis auf die extrem selbstverliebte Persönlichkeit findet man auch in diesem Artikel.
Zitat: „Selbstspiegelnd ist auch seine “Literatur”. Das Einzige, das er liest, sind Artikel über sich selbst. Diese werden von einem Team gesammelt und ihm als Morgenlektüre präsentiert, wie ein ehemaliger Angestellter berichtet.

Zu guter Letzt habe ich mir noch die berühmte Liste mit Beleidigungen vorgenommen, die vor kurzem von der New York Times veröffentlicht wurde. Hier wurden alle verbalen Entgleisungen Donald Trumps gegenüber „Personen, Orten und Dingen“ übersichtlich aufgelistet.

Entgleisungen, die „recent“ , also unlängst passiert sind, haben eine starke grüne Farbe, alles andere ist schwächer markiert oder weiß.

Beim Lesen der Beleidigungen musste ich erstmal das Wörterbuch zur Rate ziehen, denn viele Begriffe kenne ich aus dem Schulenglisch nicht. Für die werten BlogleserInnen folgt hier eine kurze Auflistung von verwendeten Wörtern Trumps und meine Übersetzung, die ich mit Hilfe von Leo nachgeschlagen habe.

Hillary Clinton kommt vor allem vor mit „crooked“ , was soviel wie „betrügerisch“ oder „schief“ bedeutet. Er attestiert ihr „schrecklich“ zu sein, dass sie „seit 30 Jahren scheitert“ und zu „schwach zum führen“ sei.

Andere Begriffe, die vorkommen sind z.B. :

phoney = Schwindler/ erfunden, gefälscht
biased = befangen, voreingenommen
dopey= blöd, dämlich
dumb = vereinfachen / geistiges Niveau senken
wacko= Spinner
dishonest = unehrlich
lightweight reporter= „Dünnbrettbohrer“ oder Leichtgewicht
overrated= überschätzt
thugs = Verbrecher
horrendous = entsetzlich, abscheulich
rambling = weitschweifig, schwafelnd
fraud = Betrug

political pundits = politischer Kritiker / Fachgelehrter (evt. abschätzig)
deadpan = Pokerface
media rigged / rigged = aufgetakelt
made-up = erlogen
flamboyant = grell, auffallend (über die Rede von Ted Cruz)
ridiculous = lächerlich
no guts, no glory = kein Mumm, kein Erfolg (über das Kaufhaus Macy)

Was kann man von jemanden denken, der solche verletzenden Worte massenhaft benutzt, und das meistens nur zum Zweck andere zu schwächen und zu diskreditieren? Er hat sein Ego an erster Stelle gesetzt und wertet nun alle ab, die ihm irgendwie schaden wollen oder kritisieren.
Somit ist er weit von einer demokratischen Basis entfernt, die ja Lösungen immer mit Hilfe von Diplomatie, Abwägungen, Abschätzungen und Diskussion zu lösen versucht. Beleidigungen sollten im demokratischen Alltag die absolute Ausnahme sein.

Wenn man in seinen Gegenübern aber von vornherein nur Feinde sieht, die man gerne beleidigen und schlecht machen würde, wird es niemals zu einer Diskussion oder gar einer konstruktiven Politik kommen. Wenn Trump seine ganze Schlangenhaut abstreift und sich plötzlich im weißen Haus ändern würde, würde das ja bedeuten, dass „das Amt den Präsidenten“ ändert. Aber bei der Bereitschaft zur inneren Änderung habe ich bei einem 70-jährigen Milliardär, der seinen ganzen Erfolg seiner aggressiven und egoistischen Attitüde verdankt, große Zweifel.

Es kann sein, dass einem Politiker unter Druck mal eine Beleidigung „herausrutscht“, aber es darf niemals zum täglichen Tagesgeschäft gehören. Mit so einer Einstellung wird sich Trump kaum Freunde machen und kaum vernünftig im Politikbetrieb interagieren können. Bezeichnend ist z.B. auch, dass fast keiner Europa-Politiker je Kontakt mit ihm hatte. Er ist also ein absoluter Neuling, ein unberechenbarer Faktor an der Spitze der mächtigsten Nation der Erde.

Wahl in den USA

Gestern abend habe ich mir noch diverse Sondersendungen im TV über die Wahl in den USA angeschaut. Schon seit längerer Zeit kommen im Fernsehen darüber viele Berichte und auch die Online-Medien sind voll mit Berichterstattungen. (z.B. diese oder diese) Der Grund-Tenor ist eigentlich immer gleich: Trump ist der irre Populist, den sowieso keiner ernst nehmen kann und Hillary Clinton die verbissene Musterschülerin, die bestimmt alles weiß, aber irgendwie keine Sympathie bekommt (ein Problem vieler mächtiger und intelligenter Frauen). Vor allem in den Biografien der einzelnen Präsidentschaftskandidaten wurde das nochmal ziemlich deutlich, wie sehr sich beide unterscheiden.

Trump ist eher jemand, der sich mit Ellenbogen und Skrupellosigkeit, mit Betrügereien und Egoismus durchgesetzt hat- wohingegen Clinton mehr auf Aufstieg durch Bildung, Heirat eines erfolgreichen Ehemanns und gute Kontakte in die Politiker-und Machtebene der USA gesetzt hat.

Und weil ja „Trump keiner ernst nehmen kann“ und er bei den Deutschen (und Europäern) sowieso recht unbebliebt ist, habe ich mir dann die „lange Wahlnacht“ weder bei ARD noch ZDF angetan und bin zeitig schlafen gegangen. Ich hatte noch überlegt, ob ich Wetten auf Hillary Clinton abschließen sollte, so sicher war ich gestern abend, dass sie gewinnt. Die Umfragen vor der Wahl sprachen eine eindeutige Sprache, sie lag klar vor Trump. Auch das fiese Hereingrätschen des FBI kurz vor der Wahl sollte sie nicht mehr vom Sockel holen, so dachte ich mir. Die Intelligenz, die Moral, die Erfahrung und die weibliche Ausstrahlung einer sympathischen Kandidatin wird das Rennen klar gewinnen, so dachte ich mir gestern abend noch. Es kann gar nicht anders sein. Wenn es anders kommt, dann muss die Welt in einer schweren Krise sein. Aber nicht nur in einer wirtschaftlichen, finanziellen oder „Globalisierten Krise“, sondern in einer echten moralischen, menschlichen Krise. Wenn dieser Hetzer gegen Minderheiten, gegen Frauen, derjenige, der eine Mauer bauen möchte und auf offener Bühne seinen Steuerbetrug zugibt und damit droht „er könne jemand erschießen, ohne dafür belangt zu werden“, die Wahl gewinnt, weil er für „offen und ehrlicher“ gehalten wird… dann würde mein Weltbild schwer erschüttert und enttäuscht werden.

Und als ich heute morgen aufgewacht bin, war der erste Griff zum Smartphone und den aktuellen News… und mein Weltbild wurde schwer erschüttert.

Was soll man zu diesem Ergebnis sagen? Freuen kann ich mich bestimmt nicht. Da es nicht „meine Wahl“ in „meinem Land“ ist, traue ich mich bei den USA-Wahlen viel eher zu einer klaren Meinung. Diesmal ist es doch viel zu leicht. Wie kann jemand wie Trump gewinnen?

Bei einer sehr interessanten Reportage wurde vor ein paar Tagen die Situation ehemaliger Stahlarbeiter in den ländlichen Staaten der USA beleuchtet. Bis dahin war mir z.B. überhaupt nicht klar, wie schlimm die Stahlkrise die USA getroffen hat. Dass in den USA schon länger nicht mehr soviel Autos produziert werden, wie z.B. in den 80er und 90er Jahren, das wusste ich irgendwie. Da gab es auch immer mal wieder Hinweise in den Online-Medien, der Rest des wirtschaftlichen Wandels wurde aber nur selten beleuchtet.

Und dann sitzen da dickbäuchige, weiße Männer mit Tattoos aus der unteren Mittelschicht auf ihren Harleys und klagen darüber, dass sich früher die „harte Arbeit“ im Stahlwerk gelohnt hat, dass das jetzt aber kein Leben mehr sei. Entweder sie bekommen so etwas wie Sozialhilfe oder sie haben viel schlechter bezahlte, prekäre Jobs. Und sie glauben tatsächlich an diese alten Zeiten und dass es jemand wie Trump schaffen kann, die Zeit wieder zurück zu drehen und ihnen die Industrialisierung der 70er Jahre zurückbringen kann. Sie glauben, dass jemand, der sein Leben lang immer nur an sich gedacht hat, plötzlich seine soziale Ader entdeckt und ihnen Aufstieg, Wohlstand und Erfolg schenken wird?

Von diesen abgehängten, weißen Männern scheint es eine Menge zu geben, denn Trump konnte selten wie nie mobilisieren. Trump hat eine Begeisterung geweckt, aber der Funke ist bei Clinton nie so recht über gesprungen. Ihr fehlt eine gewisse “Leidenschaftlichkeit”, die für den amerikanischen Präsidentenwahlkampf so wichtig ist. Diese Wahl war vom Fernsehen, von Gefühlen und gefälschten Bildern (teils offenen Lügen) geprägter als je zuvor. Man kann wirklich an der Intelligenz der Menschen zweifeln, wenn es weiterhin in diese Richtung gehen sollte!

Die Männer der unteren Mittelschicht tragen dann T-Shirts auf denen sowas wie „Clinton in jail“ oder andere harte Parolen stehen. Clinton wird generell viel weniger gemocht, sie steht für die abgehobene „Politikerkaste“, der immer weniger vertraut wird. Und dass sie ein Frau ist, das spielt unbewusst bestimmt auch eine Rolle. Wie soll eine Frau von der Uni die Belange der weißen, ungebildeten, männlichen Arbeiter verstehen? Das kann natürlich ein Mann von der Uni, der einen reichen Vater hatte (eine Million Startkapital) und auf einer privaten Miltärakademie ausgebildet wurde, natürlich viel besser…. In Sport war Trump gut, dort hatte er die ersten Erfolge, aber als es um die Einberufung in den Vietnam-Krieg ging, da konnte er sich irgendwie untauglich schreiben lassen

In einer anderen Einstellung werden Waffennarren gezeigt, die von einem ehemaligen Colonel ausgebildet werden und natürlich alle für Trump sind, weil Clinton ihnen ja die Waffen wegnehmen möchte. An der Stelle wird es sehr schwierig, sich als Deutsche in die Amerikaner hinein zu versetzen, weil wir hier ein völlig anderes Verständnis für „Waffenkultur“ und Gewalt im Allgemeinen haben.

In dieser Wahl konnte sich das liberale Amerika, das man meistens in den Städten und an der Küste findet, nicht richtig durchsetzen.

So beschreibt es auch Martin Schulz in diesem interessanten Video .

Man muss jetzt noch viel intensiver auf die Ursachen schauen. Wenn nicht der “Brexit” schon ein Weckruf war, dann ist es dieser Wahlausgang in jedem Falle. Die westliche Welt fängt an, in der Mitte auseinander zu brechen und ihre moralische und demokratische Grundlage zu verlieren. Dies ist höchst gefährlich, weil am Ende des Weges nur Scherben und Unglück stehen können.

Welche Entwicklungen führen dazu, dass sich Menschen für Populisten entscheiden? Dass eher dem Hass und dem harten Ruck die Stimme gegeben wird, aber nicht der abgeklärten Sachpolitik, die im tatsächlichen Politikalltag vermutlich besser zurechtkommen würde?

Denn wirtschaftlichen Wandel und das Entstehen von „abgehängten Klassen“, die einen Hass auf Politiker bekommen und sich radikal entscheiden, gibt es im Moment leider überall.

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