Atomare Sicherheit

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ist eine Illusion

Surreal sind die Bilder und Eindrücke, die vom Monitor ungefiltert in das Bewusstsein getragen werden.
Surreal, anders kann ich es nicht beschreiben und ich möchte mich eigentlich mit Deutungen, Bewertungen, Meinungen, Vorurteilen und all zu schnellen Analysen lieber ein wenig zurückhalten. Dennoch habe ich das Bedürfnis mich zu äußern, wie immer, wenn etwas wirklich schlimmes passiert ist und die Worte eigentlich über die schreckliche Kraft der Bilder verstummen wollen.

Da war zuerst dieses schlimme Erdbeben in Japan, das an sich für sich schon schlimm genug und weitesgehend unkontrollierbar ist. Die Natur ist nicht berechenbar. Wer in so einer Zone lebt, kann zwar damit „rechnen“, aber vorbereiten: nicht wirklich.

Die Frage bleibt aber: Wenn man weiß, wie heftig und wie oft so eine Erde in Japan bebt, wie kann man auf so ein wackeliges Pulverfass noch ein Fläschchen Nitroglyzerin draufstellen? Alles nur, damit die Energie billig bleibt und die Wirtschaft schön weiter wächst?
Und was sind das für Vorbereitungen, wenn die Batterien für den Notstrom (die Kühlung) nur acht Stunden halten und das Kühlmittel aus den USA eingeflogen werden muss? Das erscheint beinahe grotesk. Das wäre so, als ob ich eine kontrollierte Sprengung vorbereite, aber dabei die Sandsäcke vergesse oder die Zündschnur zu kurz berechne.

In diesen Minuten wird auf Twitter und den Nachrichtensendern dieser Welt noch diskutiert und überlegt, ob es nun ein Super-GAU wird oder nicht.. es gibt keine offiziellen Bestätigungen, das meiste sind Vermutungen. Die Evakuierungszone wurde vorsorglich von 10 auf 20 km ausgeweitet. Aber was sind schon 20 km bei einem Gau? Das erinnert mich alles an Augenwischerei und sehr intensiv werde ich an das Buch „Die Wolke“ erinnert, über das ich vor ein paar Monaten noch rezensiert habe. Es kommt genau alles so, wie die Autorin beschrieben hat. Unvorstellbares Leid kommt auf die Menschen zu. Atomkraft ist nicht sicher, egal wieviel Mühe man sich gibt. Es wird immer ein Restrisiko geben und dieses Restrisiko übersteigt den möglichen Nutzen bei weitem.

Und was ist das für eine Technologie, bei dem man in zehntausend Kilometer entfernten Deutschland schon jetzt überlegt, ob es Folgen für die hiesige Bevölkerung geben kann? Aber gleichzeitig eine Diskussion über den Atomausstieg oder die Gefahren der Atomkraft ablehnt? Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die atomare Verseuchung keine Grenzen kennt und endgültige, weltweite Sicherheit erst dann besteht, wenn auch das letzte Atomkraftwerk weltweit abgestellt worden ist. (also ca. im Jahr 3503…)

Ach, es ist so schön, sich etwas vorzumachen. Das Problem dabei: Einen Super-GAU kann man nicht aussitzen. Und wir leben im Zeitalter der Medien und Web 2.0 – Protestbewegung. Es wird zumindest schwieriger, die Bürger zu täuschen.

Die Mächtigen und Politiker werden von selbst keinen Ausstieg wollen. Das schaffen nur die Bürger und Menschen auf der Straße, letztendlich mit dem Stimmzettel für eine vernünftigere Energiepolitik.

4 Gedanken zu „Atomare Sicherheit“

  1. Hallo Julia!

    Auch ich mußte bei den ersten Bildern aus Fukushima sofort an Deine Rezension zum Buch „Die Wolke“ denken (obwohl ich es selbst nie gelesen habe, aber Deine Kurzbeschreibung der Handlung sitzt noch immer in meinem Kopf), und besonders gut geschlafen hab ich letzte Nacht auch nicht.

    Ich denke jedoch, dieser Super-GAU wird der Atomkraft den Todesstoß versetzen. Man kann weltweit Politiker, die auf diese teuflische Energie setzen, nicht mehr wählen, und auch Energieversorger, die daran festhalten, nicht mehr tolerieren. Atomkraft ist weder beherrschbar noch – wenn man die „Kosten“ eines Unfalles miteinrechnet – billig.

    Danke, daß Du das Thema aufgreifst.

    Viele Grüße,
    Yva

  2. @Yva: Bitteschön. Ich muss einfach dazu schreiben. Kann auf meinem Stuhl nicht mehr stillsitzen.

    Die Wolke ist ein schlimmes Buch, ein schlimmes Szenario und sehr erdrückend. Nie hätte ich gedacht, dass es wieder zu so etwas kommen könnte.

    Wenn es um große Unglücke geht, ist die Vorstellungskraft des Menschen erstaunlich begrenzt. Und hinterher verdrängt er immer erstaunlich schnell. Solche Bücher helfen mir, das Bewusstsein aufrecht zu erhalten und es sich nicht zu bequem zu machen.

    viele Grüße, Julia

  3. Ein Nachtrag (vielleicht interessiert es Dich ja): Bei Spiegel-Online ist heute ein Gastartikel von Gudrun Pausewang, der Autorin des Buches „Die Wolke“ erschienen. Sie schreibt dort, warum sie damals das Buch schrieb und was ihr generell in ihrem künstlerischen Schaffen am Herzen liegt.

    Zum Artikel gehört eine kleine Fotostrecke, in der auch Bilder aus der Buchverfilmung aus dem Jahr 2006 zu finden sind. Ich wußte gar nicht, daß „Die Wolke“ verfilmt worden ist, und spätestens jetzt bin ich auf dieses Werk extrem neugierig geworden. Den Film gibt es recht preiswert als DVD – ob er sich wohl lohnt?

    Viele Grüße,
    Yva

  4. Danke Yva, der Artikel war sehr interessant. Das ist wirklich eine gute Autorin.

    Den Film kenne ich leider nicht, aber die Bewertungen bei Amazon sind recht gut. Der ist bestimmt sehenswert.

    mfg, Julia

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