Freiheit und Sicherheit

Gestern habe ich beim Spazierengehen über das Thema Freiheit und Sicherheit nachgedacht.
Für mich ist eine Sache klar geworden: Sicherheit ist nicht primär eine Sache des Staates, der Polizei, von Militär, Waffen oder anderen Strukturen. Sicherheit und Freiheit in der Gesellschaft sind vor allem Dinge, die zwischen zwei Menschen ausgehandelt werden. Und somit ist es im Kern eine Sache, die auf der Einstellung, der Erziehung und den Werten von Menschen beruht.

Wenn zwei Menschen nebeneinander stehen oder sich begegnen, geht es IMMER um die Frage: Respektiere ich Dich und Deine Gesundheit? Habe ich Respekt vor Deinem Leben, Deinem Besitz, Deiner Freiheit, Deinen Rechten und Deiner Unversehrtheit? Im Alltag wird uns das nicht so bewusst, weil wir uns meistens frei und unbeschwert durch das Leben bewegen können. Wir haben uns daran gewöhnt, dass uns irgendjemand „Freiheit“ gewährleistet, die Gesellschaft und der Tag kommen uns sicher vor. Wir müssen meistens gar nicht darüber nachdenken.

Sicherheit und Unbeschwertheit im täglichen Leben sind enorm wichtige Werte, die ein Leben ohne Angst und in Freiheit erst ermöglichen. Wenn es eine Aufgabe gibt, die der Staat gewährleisten muss und die die Basis für die Demokratie ist, dann diese.

Aber was macht man dann mit solchen Meldungen?
https://www.rheinpfalz.de/lokal/artikel/nach-versuchter-vergewaltigung-in-gruenstadt-23-jaehriger-in-u-haft/

In meiner kleinen Stadt (ca. 13.000 Einwohner), in der ich mehrmals pro Woche einkaufen gehe und auch zur Schule gegangen bin, ist es zu einer versuchten Vergewaltigung gekommen. Täter war ein 24-jähriger Afghane, Opfer war eine 23 jährige Iranerin. Nach der Meldung der Zeitung war es „nur“ ein Versuch und der Mann konnte später festgenommen werden. Was mich aber besonders schockiert, ist die Tatsache, dass das ganze an einer belebten und zentralen Straße in Grünstadt passiert ist. Und mitten am hellichten Tag, um 11:30 Uhr. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Mann keinerlei Angst oder Skrupel hatte. Er hat sich einfach mitten am hellichten Tag vor die Frau gestellt und sie belästigt. Er ist der Stärkere, er kann sie einschüchtern. Vor diesem „Naturgesetz“ gibt es erstmal keinen Schutz. Was soll der Staat da machen? Soll er jeder Frau einen Bodyguard zur Seite stellen? Sollen wir hunderte Polizisten auf die Straße schicken und die Streifen verstärken? Sollen wir alle Asylanten einzäunen oder in Lager sperren, was derzeit in Österreich diskutiert wird?
Oder soll man als Frau lieber zu Hause bleiben und belebte Einkaufsstraßen ganz meiden?

Polizei ist in deutschen Städten fast nie zu sehen. Sie kommen, wenn man sie ruft, z.B. nach einem Unfall. Aber eine „sichtbare Alltagspäsenz“ von Polizei habe ich in noch keiner deutschen Stadt sehen können. Manchmal sieht man zwei Polizisten auf einem größeren Bahnhof (z.B. in Mannheim oder in Frankfurt). Wenn man in größere Städte wie Hamburg kommt, stehen manchmal Einsatzwagen an bestimmten Kriminalitätsschwerpunkten (z.B. an der Reeperbahn).

Aber reicht Polizei aus? Das Problem ist doch das Gefälle zwischen zwei Menschen und die Tatsache, dass der eine die Freiheit der anderen nicht respektiert. Es sind unterschiedliche Kulturen und Wertvorstellungen, die aufeinander prallen. Probleme zwischen Männern und Frauen hat es schon immer gegeben (auch zwischen deutschen). Und dunkle Ecken, in der gerade mal keine Polizei ist, gibt es sehr viele. Was passiert IN den Familien zum Beispiel? Wo die schlimmsten Dinge geschehen, die dann vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen sind? Das Thema Gleichberechtigung, Frauenrechte und Feminismus werden aktueller und wichtiger als je zuvor. Die Freiheit von Frauen ist in Gefahr, dort muss dringend gehandelt und gegengesteuert werden!

Die Gesellschaft wird nicht zufrieden sein, bis diese Probleme gelöst sind.