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Patient Deutschland

Sonntag-Morgen.
Das Wetter ist grau, die Sonne fehlt, es ist kalt.
Meine Stimmung wird von Tag zu Tag mieser. Von überall kommen schlechte Nachrichten.
Dieses Jahr scheint es mir besonders schlimm.

Deutschland wird kälter, rückständiger, unsicherer. Die Antworten darauf sind Hass und Intoleranz.
Ausgrenzung und Abgrenzung. Ich stelle mir vor, wie überall die Rollläden runtergehen und die Fensterläden geschlossen werden. Keiner will mehr was mit anderen zu tun haben. Jeder ist für sich. Die Menschen besinnen sich wieder auf sich selbst, auf ihre eigenen vier Wände, in denen sie dann mit Alexas-Zaubergerät alle möglichen Dinge aus der bunten Zauberwelt herunterladen. Probleme werden nicht gelöst. Sie werden noch nicht einmal erkannt.
Alles schläft in einer großen Lethargie. Alte Menschen, die schon viel zu lange an der Regierung sind, entscheiden wie es für uns, die jungen Menschen, weitergehen soll.

Es gibt überall auf der Welt Probleme. Deutschland fühlt sich für alles verantwortlich, die anderen nicht. Deutschland will helfen und Millionen Menschen aus armen Ländern versorgen. Die anderen nicht, sie schauen nur zu. Sie gaffen dabei, wie wir mit den Problemen nicht fertig werden. Und dann lachen sie dreckig und sagen „siehst du, hab ich dir doch gleich gesagt, dass das nicht klappt“. Also.. Deutschland ist der wehrlose Helfer, der sich verausgabt hat. Noch merken wir das nicht richtig, weil die „Wirtschaft“ noch brummt. Doch es ist nur ein künstlicher Ersatz aus dem Sauerstoffgerät, dass sich billiges Geld nennt. Wenn wir nicht mehr genug Geld haben, dann drucken wir doch einfach was! Und irgendwann wird dann eben alles teurer. Daran müsst ihr euch gewöhnen. Wer braucht schon einen ewigen Aufschwung? Das kann sowieso nicht gut gehen. Am Anfang werden die Mieten teurer, die Rente weniger, Energiekosten werden steigen und am Ende- damit es auch der letzte merkt- werden die Lebensmittel teurer. Das wird dann der Punkt sein, wo es unangenehm in Deutschland wird, weil die Leute sich kein Essen mehr leisten können. Die Rente reicht nicht. Der Minilohn schon lange nicht mehr. Die Tafeln werden mit Problemen überflutet und kommen nicht mehr hinterher. Das ist der Punkt, wo wir dann alle merken werden, dass es uns „doch nicht so gut geht“ und wir „so ein reiches Land“ sind, wie immer behauptet wird.

Die schwachen werden zuerst darunter leiden. Die Kinder, die kein Spielzeug und keine gescheiten Sachen bekommen. Die Frauen, die im Alltag belästigt und bedroht werden. Die armen, die nicht einfach wegziehen oder verreisen können, wenn es ihnen zu bunt wird.

Dann wird wieder jeder „in sein Viertel“ ziehen. Es wird die armen Vorstädte geben, wo die Migranten und Perspektivlosen unter sich sind. Und die Reichenviertel der gut situierten Menschen, die mit einem niedrigen Spitzensteuersatz noch im Land gehalten werden. Bei Bedarf machen wir eine „gated community“ daraus und zäunen alles ein.

Die Polizei tut so, als ob sie alles im Griff hätte. Doch schon bald wird man merken, dass die Polizei nicht ausreicht, um die Gräben und den Hass in den Köpfen zu befrieden. Wie bei G20 werden dann nur noch die besonders wichtigen Menschen beschützt, die anderen überlässt man ihrem Schicksal. Sind ja nur Steuerzahler.

Der Patient Deutschland hängt schon längst an Schläuchen. Alles ist künstlich, alles ist aufgeblasen. Nichts ist mehr natürlich, die natürliche Triebkraft und die Innovationskraft werden abgewürgt. Wir haben gelernt, dass der Staat alles für uns übernimmt und macht und wir in einer perfekten Waren- und Konsumwelt leben. Warum sollten wir uns selbst einbringen? Der aufgeblasene Sozialstaat und der Kapitalismus mit seinen Verlockungen haben uns entmündigt und schwach gemacht.

Die Medien erlauben keine schlechten Nachrichten mehr, die sozialen Netzwerke werden mit Gesetzen gemaßregelt und die private Initiative? Bleibt in unserer eigenen „Filterbubble“, konträre Meinungen sind nicht mehr nötig.

Alles ist schön, alles wird gut! Darauf trinken wir einen Sekt.