Der Lebensweg

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Was ist das große Problem mit der Sexualität in unserer Gesellschaft? Es wird viel zu wenig darüber geredet und alles ins „unbewusste“ verdrängt. Wo wir nichts sehen können und ansprechen, können wir uns aber nichts bewusst machen und nichts erkennen. Klarheit entsteht dann, wenn wir die Sexualität mal aus uns heraus holen und gewissermaßen mit einer Taschenlampe beleuchten. Was steht denn da eigentlich? Was macht mich eigentlich an, welche Gedanken und Berührungen sind attraktiv und welche eher abtörnend? Beim Orgasmus ist man zu oft verkrampft und denkt, das müsse jetzt alles ganz schnell gehen und er steht „für sich“ als alleinige Instanz ohne Verbindung zu allem anderen. Männer setzen sich vielleicht zu sehr unter Druck, wollen nur ihre Potenz beweisen und unbedingt zum Höhepunkt kommen. Und Frauen sind vielleicht frustriert, weil das mit dem Höhepunkt so gar nicht klappt und irgendwie ganz anders ist, als beim Mann. Körperlich wird gerne zuerst an die Klitoris oder die Penisspitze gedacht, aber letztendlich entsteht ein guter Orgasmus im Kopf und ist somit eine komplexe Ansammlung von Gedankenmuster und Bildern, die uns antörnen oder kalt lassen.
Es ist daher auch unsere Aufgabe, unsere eigenen Bilder und „Sexualitätsmuster“ in der eigenen Tiefe zu erkennen und das beste daraus zu machen. Es gibt eine starke Verbindung zwischen unserem täglichen Dasein, dem Alltag, unserer Identität, der Verbindung zu anderen und unserer eigenen Sexualität. Wo die Sexualität nicht glücklich und frei entfaltet ist, kann sich auch alles andere nicht entfalten. Wo wir gehemmt und unzufrieden sind, macht uns auch der Rest keinen Spaß. Die Arbeit, Kunst und alle anderen Werke kommen nicht zur Entfaltung, wenn keine „Bilder angezapft“ werden können und man lieber alles dem Alltag, dem Praktischen und dem Gewöhnlichen unterordnet. Dabei geht die ganze Energie verloren, die wir eigentlich in uns tragen und die durch Spannungen aufgeladen und „hochgepuscht“ wird.
Man sollte aber auch nicht vergessen wie stark die Wirkung von Sexualhormonen wie Östrogen und Testosteron auf unsere Sexualität sind. Zu oft wird im Kopf gesucht, aber die Körperlichkeit völlig außer Acht gelassen. Warum nicht einfach mal zum Arzt gehen und die Hormonspiegel messen lassen? Das Thema „Wechseljahre“ betrifft uns alle Menschen, nicht nur die Frauen. Wir werden einfach alle älter, weniger spannungsgeladen und weniger sexuell, wenn wir älter werden. Wir müssen uns ja nicht mehr fortpflanzen, die Sache ist sozusagen erledigt und eine spannende Sexualität würde dann nur noch „dem Spaß“ dienen. Warum sich nicht mal einen Spaß gönnen? Wer sagt, dass es verboten ist oder man diesen Weg nicht gehen darf? Wenn das Muster aus der Erziehung sind oder auf Grund von Urteilen unserer Mitmenschen, müssen wir uns ganz entschieden dagegen wenden und mit unserer eigenen Kraft überwinden. Die Freiheit liegt immer „hinter der Angst“.
Warum nicht einfach eine gute Sexualität genießen und die Blockaden aus dem Körper spülen? Neue Formen des eigenen Ichs entdecken, mit Rollen experimentieren und ungewohnte Wege gehen? Warum haben wir immer vor allem Angst und machen uns selbst so klein? Wie sollen wir wachsen, wenn wir die stärkste Energie in uns (energetisch gesehen das Sakral-Chakra) nicht endlich öffnen und fließen lassen?

Die Gesellschaft hat große Probleme mit der Sexualität und viele Probleme sind völlig ungelöst. Männlichkeit, Kraft und Aggression gelten oft als ungewollt, störend und eindringend. Sie werden von einer verkrampften Weiblichkeit (den Medien, etc.) kleingeredet und schlecht gemacht. Entfalten können sich beide nicht. Manchmal hat man Glück und die männliche Sexualität wird positiv beschrieben und mit Werten wie Potenz, Macht, Wissen und Überlegenheit in Verbindung gebracht. Bei der weiblichen Sexualität ist das schon viel schwieriger. Was ist das „besondere“ an der weiblichen Sexualität, was sind ihre herausragenden Werte? Zum Beispiel Zärtlichkeit, Sich einfühlen können, etwas empfangen, schön und attraktiv sein? Weiblichkeit kann aber auch durchaus Potenz entwickeln, wenn man als Frau z.B. spürt, wie die eigene Wirkung auf das andere Geschlecht ist. Dass man sich durch Themen wie Make-Up und Mode attraktiver geben kann und somit auch mehr Erfolg und „Einfluss“ auf Männer hat. Das ist sicherlich der Grund, warum diese Themen bei fast allen Frauen (jedweden Alters) eine große Rolle spielen, aber besonders bei den jungen Frauen zwischen 14 und 25 Jahren.
Ist die Phase der Werbung dann mal abgeschlossen, gehen die Bedürfnisse zurück, sich sexuell oder attraktiv zu geben. Das führt dann wiederum zu einem Erschlaffen der Partnerschaft und einer „etwas langweiligen“ und gewöhnlichen Ehe. Im Ideallfall gelingt es beiden Partnern, die Sexualität lange Zeit aufrecht zu erhalten. Wenn es nicht gut läuft, bleibt eher Langweile, aber auch Ausgeglichenheit und Routine.

Weibliche Werte sind insgesamt Werte, die in unserer Gesellschaft als eher schwach gelten und nicht so hoch angesehen werden. Zusätzlich wird den Frauen noch aberzogen, über ihre Sexualität zu reden oder die Gefühle darin noch mehr zu ergründen. Sich auf jemand einlassen, die passive Rolle einnehmen und die männliche Sexualität „über sich ergehen zu lassen“ passt einfach nicht zum Bild der selbstbewussten Frau, die alles alleine macht und immer in ihrem eigenen Mittelpunkt steht. Hier kollidiert das moderne Frauenbild eindeutig mit dem eigenen, biologischen Geschlecht und dessen Bedürfnis nach Fortpflanzung. Wir denken so oft, alles wäre Rolle, sozial und diskutierbar – dabei ist das meiste eigentlich nur Chemie!

Sexualität bedeutet überschreiten der Grenzen, die besten Gefühle hat man beim Begegnen der Geschlechter auf der Grenze. In der Grauzone, wo die Geschlechter eher verschwimmen und die Frau plötzlich Macht und Energie, der Mann aber auch Weichheit und Zärtlichkeit empfinden kann.
Bei der gewöhnlichen, männlichen Sexualität aus den Medien geht es mehr um das „Objekt“, um die Herabsetzung der Frau auf ihr Äußeres und ihre sexuelle Attraktivität. Frauen gelten oft erst als weiblich, wenn sie keinen großen Platz im Leben beanspruchen, sich irgendwie einfügen unter die allgegenwärtige männliche Dominanz. Jedes Aufbegehren wird bestraft und geächtet. Bewegungen wie der Feminismus sind auch nicht besonders hilfreich, eine ausgewogene und glückliche Sexualität zu erwerben. Die Verbundenheit zwischen den Geschlechtern wird dann eher zum Kampf, zum Rosenkrieg, bei dem alle Gefühle und alle Verbindungen auf der Strecke bleiben, anstatt sich zu entfalten.

Die Sexualität, vor allem die glückliche und frei entfaltete ist unsere eigene Aufgabe. Unser eigener Lebensweg, den uns niemand wegnehmen oder vorschreiben kann. Wir müssen ihn alleine gehen.

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