Ein neues Jahr

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Liebe Leserinnen und Leser, danke fürs Lesen, danke fürs Kommentieren und ein erfolgreiches Neues Jahr wünsche ich Euch!

Endlich hat ein neues Jahr begonnen. Traditionell ist das immer eine gute Zeit, weil man den Schwung aus den Feiertagen und das kalendarische Ereignis meistens dazu nutzen kann, wichtige Weichen im Leben umzustellen oder etwas „ganz neu zu machen“. (gute Vorsätze) Die Frage ist schonmal die: Warum gelingt das eigentlich nur zum Jahreswechsel und nicht einfach so unter der Woche?

Bei mir zusammengefasst, gab es keine größeren Änderungen: Ich hab mir ein paar Gedanken zur Bloggerei gemacht (die folgen), den Politik-Alltag etwas verfolgt (eher gelangweilt oder angewidert, daher gabs auch keine Artikel), Mitleid mit Michael Schumacher gehabt, die Feiertage und das relativ warme Wetter genossen und mich letztendlich wieder mit viel Schwung in die Arbeit gestürzt (dieses Jahr zum Glück ohne Schnupfen und ohne Grippe).

Und jetzt geht es auch schon los…

Zum Bloggen: Absichten und Selbstkritik

Ins Blog können idealerweise alle Gedanken, die man als private Person (persönliche Blog) zur Entwicklung oder dem Zustand in der Gesellschaft hat (Öffentlichkeit, Internet). Das setzt nicht zwingend voraus, dass man vorher um diese Meinung gebeten wurde oder es irgendwen interessieren sollte, man also eine bestimmte Zielgruppe braucht oder gar einen markttechnischen Plan und eine Absatzberechnung wie beim Verkauf eines Produktes.

Das Besondere am Blog vielmehr ist, dass es eine Basis zur Kommunikation ist und diese immer auch die Selbst-Offenbarung enthalten muss (siehe auch vorherige Artikel). Und derjenige, der schreibt, auch eine persönliche Verbindung zum Geschriebenen braucht, es also quasi wie eine Leitung auch immer zur Person „zurückführt“, selbst wenn diese sich nicht namentlich oder in anderer Weise erwähnt. Das macht letztendlich auch den Reiz aus.

Ich hab den letzten Wochen mal wieder mehr über die Blogs und das Schreiben nachgedacht. Vor allem, als ich ein paar Artikel zur „Krise der Blogs“ gelesen habe (Links folgen evt. noch) wurde mir klar, dass es diese Krise nicht gibt! Und sie eigentlich etwas künstliches, herbeigeschriebenes ist. Sobald jemand Lust hat zu bloggen, sollte er/ sie es tun oder eben nicht. Aber die Blogs sind keine homogene Gruppe so wie die Gruppe der Winterreifen-Hersteller oder die Gruppe der Personen, die in einem bestimmten Ort leben (auch die sind wiederum nicht homogen, wenn man genauer hinschaut). Nein das besondere am Blog wird immer der persönliche Markenkern bleiben: Die Zelebrierung des eigenen Ichs, die Unabhängigkeit, die Freiheit beim Schreiben, der persönlich gefärbte Blick, der so von niemanden kopiert werden kann.

Für mich habe ich also entschieden, dass ich auch weiterhin bloggen werde, wenn auch nicht so regelmäßig und so intensiv wie früher. Ich will es aber auch nicht ganz abschalten. Ideal wäre eine Auftrennung der Blogs nach Themen: Persönliche, künstlerische und gesellschaftliche Dinge werden weiter im J.A. Blog Einzug halten, dieses soll aber komplett „kommerzfrei“ gehalten werden. Für alle anderen Dinge sollen eigene Domains herhalten. Ob ich dann noch den Schwung habe, jeden Tag oder zumindest jede Woche neue Artikel zu produzieren, wird sich erst zeigen müssen. Wichtig ist.. das man überhaupt schreibt! Und wie so oft, kommt die Lust auf das Schreiben erst beim Schreiben selbst. Schreiben ist- obwohl es paradox klingt- auch ein gutes Stück Praxis und nur ein bisschen Theorie. Die Theorie ist mehr eine Folge oder eine Begleiterscheinung der Praxis…

Es ist zwangsläufig so, dass man eine Sache intensiv macht und dann darüber lernt. Ihre Vor- und Nachteile kennenlernt, sich intensiv reinhängt, dann wieder zuviel davon hat und irgendwann.. nach vielen Jahren.. die „echte Mitte“ findet, also genau die richtige Distanz, die man für eine langlebige „Beziehung“ zum Partner Blog und Internet braucht. Genau genommen ist es einmal die Beziehung zum Schreiben, zu sich selbst, die man aufbaut aber natürlich auch zu anderen, zu den LeserInnen.

Das Blog ist also quasi das „Schaufenster“, das ich zu zeigen bereit bin. Ich zeige mich auf eine individuelle Weise, mit meinen eigenen Gedanken, meinen Ansichten, meinem „Look“…heute lila und morgen pink. Gestern noch im kurzen Sommerkleid und heute etwas bieder und hochgeschlossen. Gestern noch mit Perlenkette und heute wieder in Sack und Leinen… Ich überlege, wie ich mich aufstellen möchte, was für einen Typ ich verkörpern will und je nach Erfolg oder „Massenkompatibilität“ dieses Versuches finde ich nun Leute, die auf meiner Wellenlänge mitschwingen oder nicht.

Wenn ich z.B. ein Mensch bin, der versucht, sich durch Rafinesse beim Schreiben oder Denken in irgendeiner Weise „abzuheben“ oder über die Dinge zu stellen, ist es kein Wunder, dass man genau das irgendwann erreicht. Wenn ich nur über die täglichen Fernsehsendungen oder meine neuesten Einkäufe schreiben würde, wäre ich vielleicht „massenkompatibler“- aber warum sollte man den eigenen Anspruch herunterschrauben, nur um einen „Markt“ zu bedienen? Genau das passiert ja in der kapitialistischen Welt täglich aufs Neue- und wie oft wird es von Leuten beschrieben, beweint, kritisiert und ähnliches, dass „ja das Niveau fehlen würde und es nur noch Massen-Unterhaltung gibt“ (denkt man z.B. ans Fernsehen, Kino oder Trivialliteratur, aber auch an Massen-Geschmäcker beim Essen, in der Mode, usw.).

Das Blog, und vor allem das Schreiben ist also auch eine persönliche Möglichkeit, mehr Qualität in die eigene Weltanschauung zu bringen und sich mit der Welt auf eine derart individuelle Art und Weise auseinander zu setzen, wie man das eben nur selbst kann. Das Blog ist ein lebendiges Produkt, eine zweite Haut, die genau über die eigene Seele gelegt wird und das so fein und detailliert, dass man die Umrisse des Menschen dahinter fabelhaft genau erkennen kann. Dieser Mensch aber auch beim Schreiben die Haut weiter prägt und ihr aus einem einfachen Kartoffelsack, die feineren Schnitte herausarbeitet und schöne Muster aufdruckt, sowie ein paar Spielereien, die man im dunklen Keller des Alltags erst gar nicht gesehen hatte…

Wie ist das mit dem politischen Anspruch der Blogs?

In den letzten Jahren habe ich ja öfters darüber nachgedacht.. es gibt soviele Dinge, über die man sich in der Politik aufregen kann, die nicht gut laufen, die einen stören. Es gibt durch die täglichen Nachrichtensendungen soviel erlebte und gefühlte Ungerechtigkeit, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Es gibt aber auch diese menschliche Leere, diese Gleichgültigkeit zwischen den Menschen, den täglichen Egoismus, die Leere an Mitgefühl und kein wirkliches Aufeinander-Zu-Gehen.

Mit dem Blog kann man wenigstens eine Lücke füllen: Die Lücke, die genau um einen herum entsteht. Natürlich kann man als Bloggerin nicht die Welt ändern, natürlich hat man nicht die Einschaltquoten großer Nachrichtenseiten oder gar Fernsehsender- aber darum geht´s auch gar nicht! Es geht beim Bloggen ja gerade um die Basis, um die Wünsche jedes Einzelnen, jeder Person und ihrer Meinung zum poltitischen Alltag zu den Dingen, die wichtig sind. Niemand ist dabei unwichtig! Von mir aus sollte jeder Menschen in Deutschland einen Blog eröffnen und sich zur Politik äußern.

Aber was passiert? Bei der Bundestagswahl 2013 hat man herausgefunden, dass die größte Gruppe von allen, die der Nicht-Wähler ist! D.h. die Masse der Menschen nimmt an der politischen Willensbildung überhaupt nicht mehr teil, hat komplett aufgegeben!

Passend dazu auch die „Entscheidungsfindung“ der großen Koalition: Sie haben sich hinter Mauern eingeschlossen und dann am Ende den Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt. Nebenbei gab es noch eine Lüge und einen Bruch des Wahlversprechens: „Mit mir wird es keine PKW-Maut geben.“
Ab der Abgabe des Kreuzchen hat der Bürger überhaupt gar keinen Einfluss mehr, auf die großen Entscheidungen der Politik. Ich finde in Zeiten von Internet und Politik 2.0 ist das alles ein bisschen wenig.

Es ist also nach wie vor wichtig, dass sich die Menschen persönlich äußern, egal wie : Nur so können bestimmte Ansichten und Gedanken überhaupt vernommen werden. Nur so kann auch Ungerechtigkeit und Leid, Armut und Verzweiflung, aber auch Freude und Genuss, Wohlstand und Bildung in die Gesellschaft transportiert werden.

Es geht ja auch nicht darum, dass man von Frau Merkel gehört wird und dann hofft, dass sich was ändert. Nein, wenn ich mich im persönlichen Bereich öffne oder meine Meinung kundtue, bekommt auch mein Nachbar die Chance zu erfahren, was ich denke.. und nur so kann Veränderung überhaupt entstehen. Im Kleinen, wie im Großen. Politik ist eben auch das, was in der Familie zwischen einigen Wenigen entsteht, was im Dorf oder im Supermarkt für Klatsch und Ansichten herrschen, was im Stammtisch von den „Dorfältesten“ postuliert wird und was schließlich in immer größeren Bächen und Seen der Gesellschaft mündet. Politik oder Willensbildung ist ja kein luftleerer Raum, den man nicht betreten oder verlassen kann und Politik ist auch kein seltener Goldbarren, der irgendwo im Tresor eingeschlossen wird und den nur die wenigsten zu sehen bekommen (z.B. die Priveligierten und Lobbyisten).

Darf ich über mich nachdenken?

Zum Schluss noch eine Frage: Sollte man über das Bloggen bloggen? Ich denke ja. Das Bloggen ist ja ein Produkt der Freiheit, die Freiheit die ich mir selbst und anderen „gönne“. D.h. ich stelle die Gedanken zur Kritik, zur Schau. Ähnlich wie ein „public domain“- Erzeugnis kann nun jeder damit herumkneten, es zwischen den Händen wälzen, drauf rumbeißen, es runterschlucken oder wieder ausspucken. Aber die Tatsache, dass man über sich selbst nach-reflektiert halte ich für eine große Stärke beim Bloggen- anders als bei den Politikern wo Machtworte gesprochen werden oder es nur ein kurzes „Basta!“ gibt. Auch das Fernsehen ist mittlerweile ein derart dummes und einseitiges Medium geworden, dass es überhaupt keinen Raum mehr zur Selbst-Reflexion einräumt, dass es einfach wie selbstverständnlich davon ausgeht, dass es perfekt sei (und die Gebühren für diese perfekte Unterhaltung ständig erhöht werden müssen). Denn nur das wird bezweckt, wenn man über den „modus operandi“ nicht mehr nachdenken möchte und jede Versuche von vornherein abblockt.

Bloggen bedeutet eben nicht Basta-Politik zu betreiben, sondern angepasste maßvolle Politik im kleinen zu betreiben, die wiederum hochgradig anfällig, kritisierbar und formbar bleibt. Wer beim Bloggen nicht empfindlich auf Kritik reagiert und alles „abprallen“ lässt, der macht etwas falsch.

Den bildenden oder idealistischen Wunsch nach einer besseren Welt oder einen Zustand der Klärung, den ein Blog in die Öffentlichkeit formuliert, sollte es auch stets auf sich selbst anwenden können.

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