Alle Jahre wieder..

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..da kommt sie, die „besinnliche Zeit.“ Aber warum heißt es eigentlich „besinnlich“, weil es uns um alle Sinne bringt? Oder weil wir uns besinnen sollen?

Für Kinder ist Weihnachten noch relativ überschaubbar, das vielleicht meist erwartete Game Fest des Jahres: Mama backt Plätzchen, man hängt den ganzen Tag so rum, in der Schule ist nicht mehr los, die Tage brauchen ewig, man hat einen Adventskalender, alles in allem eine schöne Zeit. An Weihnachten selbst macht man sich dann über Papi lustig, wie er sich mit dem Weihnachtsbaum rumquält und hilft ihm eventuell ein wenig nicht. Im Idealfall Tage der Verantwortungslosigkeit, an denen man sich entspannen, und im Schoß der Familie ausruhen kann. Und dann sind da noch die vielen Geschenke!

Wird man dann älter, dann drehen sich die schönen Erinnerungen der Kindheit ins Gegenteil und man erfährt zum ersten Mal in seinem kurzen Leben, warum das Fest der Liebe bei manchen so unbeliebt, wenn nicht gar verachtet ist: Zeiten des Stresses brechen aus. Als weibliches Familienoberhaupt obliegt einem meistens selbst die Verwaltung aller Dinge, die mit dem Fest zu tun haben: Das Haus muss dekoriert werden, einmal gründlich geputzt, Plätzchen müssen gebacken, Geschenke verpackt und Einkäufe erledigt werden. Die Parkhäuser und Supermärkte sind überfüllt, Geschenke werden möglichst online bestellt, was wiederum am Kontostand nagt. Und dann ist da noch das Kochen und das Backen, ihr Lieben! (Hände über den Kopf zusammen schlägt) Gerade hat man die Küche schön aufgeräumt und den Lappen an den Haken gehängt, gerade wollte man mal die Beine hochlegen und sich ein paar Minuten vorm Computer entspannen, da kommt schon wieder der nächste Essenswunsch und das ganze geht wieder von vorne los.. Geschäftliche Abschlüsse müssen gemacht werden, die Steuer rausgekramt und alle Adventsweihnachtskarten sind auch noch nicht geschrieben und wie war doch gleich die Adresse von dem komischen Onkel aus Übersee??

Erschwerend kommt hinzu, dass in der unbeliebtesten Jahreszeit Winter meistens Schnee fällt. Also müssen Schneebesen und Räumer rausgekramt werden und zusätzliche Arbeit lastet auf einem. Das Auto macht Macken, muss jeden Morgen von Eis und Schnee befreit werden, springt vielleicht nicht mehr an oder landet gar in der Werkstatt. Und die Kinder sitzen daheim im Warmen vor der Playstation und verstehen gar nicht, warum die Erwachsenen sich eigentlich so verrenken?

Wie soll man also im allgemeinen Jahresendspurt zu so etwas wie Besinnung kommen? Weihnachten, wie wir es feiern, ist meistens genau das Gegenteil von Besinnung: es ist innerer und äußerer Endspurt, kraftzehrend, aufreibend, tränentreibend, anstrengend. Und das in einer Jahreszeit, in der man sowieso eher wenig Energie hat und mehr auf Winterschlaf und Fetteinlagerung ausgerichtet ist (immerhin, das letzte klappt meistens auch so). Die Erwartungen sind sehr hoch, alles muss genau gleichzeitig und möglichst perfekt hergestellt werden. Kein Wunder, dass also genau an Weihnachten die Anzahl der Suizide und Zwangseinlieferungen in die Psychiatrie, aber auch die Scheidungen am höchsten sind. (meistens kurz nach den Feiertagen)

Am 24. soll dann alles in bester Harmonie stattfinden. Man ist einmal im Jahr bereit, so etwas wie Nächstenliebe und große Gefühle an sich zu entdecken, man ist bereit zu spenden und auf den anderen mehr einzugehen. Eigentlich eine tolle Sache. Das Problem ist nur, dass es so auf Knopfdruck meistens nicht klappt.

Weihnachten ist außerdem ein ausgesprochenes Familienfest und macht eigentlich nur mit Kindern Sinn. Dieser Glanz in ihren Augen… Wenn man ohne Kinder feiert, ist es nur eine abgespeckte Variante, so ein „Weihnachten light“ eben, dann könnte man genauso gut auch auf die Kanaren fahren oder eine Kreuzfahrt machen, das wäre die logischste und sinnvollste Alternative.

Einfach der alljährlichen Hektik mal den Rücken drehen und abschalten. Innerlich wie äußerlich. Mal wieder Kind sein. Nur für eine Woche… herrlich.

*puff* Traumblase zerplatzt

Oh Mist, die Plätzchen brennen an, ich muss weg, man sieht sich..

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