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Posted by J.A. on August 26, 2014

Kassenpatient

Eigentlich sollte es nur eine Routineuntersuchung werden. Mal die Augen checken, kann nicht schaden. Hab ich im Grunde auch noch nie gemacht. Noch nie hat sich ein Arzt wirklich mit meinen Augen beschäftigt. Zumindest solange ich denken und bloggen kann. Die waren immer okay. In der letzten Zeit zwicken und zwacken sie ein bisschen (Trockenheit), aber nichts ernsthaftes, möchte man meinen.

Sehtests wurden immer brav beim Optiker gemacht und danach ein Haufen Geld für eine nagelneue Brille ausgegeben. Bis mich mal jemande angestupst hat und gemeint hat, „das wäre totaler Quatsch, weil im Internet sind die doch inzwischen viel billiger!“. Und am Rahmen liegt´s mittlerweile auch nicht mehr, das olle Kassengestell hat also ausgedient. Nein, es sind die Gläser mit ihren speziellen Schleifungen und Schichtungen, die das ganze so teuer machen.

Eine kurze Recherche im Netz ergab: Sehtests gibt es nicht umsonst, je nach Optiker sollen bis zu dreißig (!) Euro fällig werden, wenn keine Brille gekauft wird. Das ist mittlerweile so wie die Gebühr in Reisebüros, wenn man sich nur mit bunten Prospekten eindecken möchte, aber dann doch zu Hause bleibt…

Gesagt, getan, ein Termin war schnell gefunden. Und eine Woche später sitze ich im Auto und brause in die City, um schnell noch einen Parkplatz zu erwischen. Herje, das Duschen und die Haare haben mal wieder viel zu lange gedauert, jetzt bin ich auch noch zu spät! Halb joggend, halb eilend, halb rennend komme ich im Treppenhaus des Ärzte-Centers an. Mietshaus-Mief rollt mir entgegen. Ein alter Fahrstuhl, der brav offen steht, aber anscheinend nicht benutzt wird. Wo geht’s hier zum Augenzentrum? Tausend Schilder, aber nicht das besagte. Schließlich entscheide ich mich für „Augenarzt“ und lande im dritten Stock, gesundheitsfördernd, selbstverständlich per Treppe.

Vor der Tür die Ernüchterung, man kommt nur per Klingel hinein. An der Theke wundere ich mich schon, so stehen vier Patienten vor mir und die zwei Damen am Empfang haben eifrig zu tun und jonglieren mit Patienten-Fragebogen, Kugelschreiber, Computer-Tastatur, Brillen-Schnell-Sehtests, Telefonanrufen und Patientenaufrufen hin und her. Frauen sind doch multi-tasking-fähig! Wer was anders behauptet, hat das noch nicht erlebt..

Ich setze mich also brav hin, auf den letzten Sitzplatz, der von 15 Stühlen noch übrig ist und ärgere mich über die stickige Luft. „Naja, kann ja nicht so lang dauern“ denke ich mir, während ich das Dekor aus den 70er Jahren und die gewagten Farbkombinationen aus Braun und Weiß bewundere..

Nach einer halben Stunde Wartezeit werde ich endlich aufgerufen „Juchu“ rufe ich schon , während sich alle zu mir umdrehen und das anscheinend gehört haben. Upps… Aber die Freude war zu früh ausgesprochen, denn ich ward nur geheißen, den zweiseitigen Fragebogen auszufüllen und abzugeben. Auch so ein Unding. Verbirgt sich hinter den Fragen doch ein Großteil der „Diagnose“, die man früher im Angesicht zu Angesicht gemacht hat. Was machen Leute, die nicht so gut lesen und schreiben können oder die die Fragen mangels medizinischen Kenntnissen gar falsch ausfüllen?

Während ich darüber noch nachdenke (Zeit gibt es reichlich) blättere ich gelangweilt in ausliegenden Broschüren. Zum konzentrierten Lesen reicht es nicht, dafür unterhalten sich zuviele Leute und ist die Luft zu schlecht. Andere Patienten entscheiden sich zum Spielen am Smartphone, wozu ich noch weniger Nerven habe.

Patient für Patient wird aufgerufen, während immer neue Leute eintreffen. Ein etwas kräftiger Mann mit Wanderrucksack und schweißnassen Gesicht (anscheinend ist er gelaufen) kommt zu uns ins Wartezimmer. Nach einiger Zeit entwickelt sich ein nettes Gespräch (ich bin zutraulich und hab nach 90 Minuten Warterei, und das ohne morgendliches Frühstück so langsam Langeweile)… mein neuer Sitznachbar gibt mir den Tipp, dass es in der Fußgängerzone „kostenlose Sehtests“ gäbe, die werben doch gerade damit. Ich beiße mir auf die Lippe, lasse mir aber nichts anmerken. Nachdem ich ihm meine bisherige Wartezeit verkünde, hebt mein Gesprächspartner sehr verwundert die Augenbrauen und meint „na sowas!“. Ob die mich vielleicht vergessen haben? Das frage ich mich auch, traue mir aber anhand der bissigen Kommentare, die von allen mit-Wartenden Patienten anlässlich der Wartezeit ausgetauscht werden, keine weiteren Rückfragen zu.

Eben drehe ich mich noch rechts und freue mich über die frische Luft aus den gekippten Fenster und nicht ganz so über den hereindringenden Baustellenlärm- da eilt mein Sitznachbar an die Theke und beschwert sich für mich bei den Damen am Empfang. Ich überlege noch, ob es mir peinlich sein soll (ich und mein Plappermaul) und wo das ganze Blut für meinen Kopf ist, der jetzt eigentlich rot werden müsste, als er mich über die ca. 20 wartenden Personen hinweg nach meinem Name fragt. Ich entscheide mich also doch, aufzustehen und die Sache „diskret zu regeln“. Im Sinne des Datenschutzes außerdem.

Die Dame regelt das mit der Warterei und schiebt mich anschließend per Tastenklick an die Spitze der Warteschlange im PC… so einfach geht das. Wenn ich das vorher gewusst hätte! Dann hätte ich den Computer gehackt und mich selbst nach oben geschoben. Der Mann neben mir, der keine 10 Minuten gewartet hat und anscheinend zu der ungeduldigen Sorte gehört, lässt sich einen neuen Termin geben und verschwindet mit freundlichem, von mir erwiderten Gruße.

Endlich, nach 120 Minuten Warterei (zwei Stunden!) und der bangen Frage, was ich mit der bald ablaufenden Parkscheibe mache, komme ich endlich dran.

Die Augen und die Brille wird gemessen, Dauer ca. 6-einhalb Minuten. „Dann bitte noch kurz warten, die Frau Doktor ruft sie gleich auf“…. gesagt, getan, nach erfreulich kurzer Wartezeit wird mir nochmal von der Frau Doktor, die vom Alter her meine Cousine sein könnte, mit einem grellen Gerät in die Augen geleuchtet, meine Fragen geklärt und „es ist alles okay“. Ein Rezept für Augentropfen gibt es nicht, die muss man sich selbst teuer kaufen (Dauer zwei Minuten)… „Nachtblindheit“ ist eine Erfindung und gibt es nicht, daher kann ich sie auch nicht haben und zum Schluss bekomme ich noch ein paar Tipps, wie ich den Text am PC größer machen kann (Strg und Plus-Taste, den Tipp kannte ich aber schon).

Auf meine Frage, warum ich nachts so schlecht sehe und mich auf Landstraßen mit Gegenverkehr immer unwohler fühle kommt die Antwort, dass das auch an den immer heller werdenden Scheinwerfern der neuen Autos liegt. Diese Antwort mag wohl stimmen, hilft mir aber nicht besonders weiter.

Etwas ernüchtert verlasse ich die Praxis und überlege, ob es daran liegt, dass ich Kassenpatientin bin. Oder einfach nur zu gesund für diesen ganzen Wahnsinn!

Posted by Julia Böttcher on August 19, 2014

Sprachsteuerung mit dem PC


Gesprochene Version des Artikels mit Anmerkungen


 

Hallo liebe Leserinnen und liebe Leser,

Das hier ist ein Text, den ich mit der Spracherkennung diktiert habe. Es geht ein wenig langsam aber die ersten Ergebnisse finde ich schon ganz gut. Man darf nicht so schnell sprechen und sollte den Satz in mehrere Teile einteilen. Der Computer checkt natürlich nicht ob das Gesagte Sinn ergibt oder die Satzzeichen richtig gesetzt sind.

Unter Windows findet man die Spracherkennung ganz einfach, was hier erklärt wird:
http://windows.microsoft.com/de-de/windows/dictate-text-speech-recognition#1TC=windows-7

Unter Windows 8 kann man z.B. Die Windows Taste und Q gleichzeitig drücken. Dann den Begriff “Spracherkennung” eingeben und das blaue Symbol mit dem Mikro anklicken.

Windows 7 oder Vista-Nutzer können die Spracherkennung über
“Systemsteuerung” > “Center für erleichterte Bedienung” > und “Spracherkennung” finden.

Die folgenden Funktionen sind eigentlich relativ selbsterklärend.

 

Hardware einrichten

Zuerst muss das Mikro korrekt eingerichtet werden. Es kann nicht schaden mit einem Rechtsklick auf dem Lautstärke-Symbol “Aufnahmegeräte” auszuwählen und zu schauen, ob bei dem angeschlossenen Mikro ein grüner Haken ist und der Pegel auf die Stimme reagiert.

In meinem Falle ist das z.B. “FrontMic” und untendrunter der Grüne Haken “Standardgerät”.

Mit einem Rechtsklick auf das Audio-Gerät kann es als Standardgerät festgelegt werden. Hier findet man auch die sonstigen Eigenschaften. Wenn man es noch nicht überprüft hat, sollte man auf “Eigenschaften” und “Pegel” gehen und hier den Pegel möglichst sinnvoll einstellen. Meistens bedeutet das, dass man die Lautstärke (das Eingangssignal) ganz nach oben schraubt. Auch die Mikrofonverstärkung sollte nach oben gesetzt werden. Das betrifft vor allem passive Mikrofone, wie man sie z.B. bei Headsets oder Webcams findet.

Durch die Hilfe arbeiten

Danach kann man sich durch die Hilfe und Einführungstouren arbeiten, die ganz gut gemacht sind und alles kompakt erklären.

Anscheinend ist es auch sinnvoll, das “Computer trainieren”-Programm zu durchlaufen, damit der Computer sich an die eigene Stimme besser anpasst. Es ist auch möglich, die fertigen Profile an Microsoft schicken zu lassen, damit die ihren Algorithmus besser anpassen können. Wer´s mag.

Beim ersten Mal klappte die Sprachsteuerung schon ganz gut.

Man klickt auf “Spracherkennung starten”, wodurch sich ein kleines Mini-Fenster öffnet, das immer im Hintergrund läuft. Dieses Fenster beinhaltet ein blaues Mikrofon und die Rückgabewerte und Nutzer-Kommunikation der Spracherkennung-Software.

Zum Steuern des Computers muss man erst mal die Spracherkennung “scharf schalten”, am einfachsten geht das mit der Tastenkombination “Strg+Windows-Taste”.

Das Programm wechselt zwischen “Zuhören” und “Ruhezustand”, es kann nur im “Zuhören”-Modus Sprache erkannt werden- logisch. Leider konnte man die Spracherkennung nicht mit Worten alleine starten oder beenden. Es wurde dann doch immer der Griff zur Tastenkombination notwendig.

 

Sobald das Programm “scharf” ist, kann der Computer mit Sprachbefehlen gesteuert werden.
Einfache Dinge (unter Windows 8) sind z.B.

”Start” – PC wechselt auf die Startseite
”Apps” sollte die Apps-Liste anzeigen, hier das erste Problem: Es wird nur die deutsche Aussprache mit dem langen “A” nicht aber das englische “Äpps” erkannt.

“Bildlauf nach rechts” – funktioniert.
”Desktop” – zurück in den Desktop-Modus
”den ersten Begriff eines aktiven Fensters”- Computer wechselt auf das Fenster.

Weitere Begriffe kann man durch ausprobieren herausfinden, das ist tlw. sogar ganz witzig und macht Spaß.

Diktat

Probleme gab es nur beim Diktat, anscheinend werden nicht alle Programme unterstützt. Im Idealfall soll der Computer automatisch erkennen, ob jetzt ein Befehl oder ein Diktat kommt. Ist das Wort aus der Befehlsliste, kann er reagieren, wenn nicht, wird es als Diktat aufgenommen.

Gute Erfahrungen habe ich mit dem Windows Live Writer gemacht, den man sich hier herunterladen kann: http://www.chip.de/downloads/Windows-Live-Writer-2012_21185162.html

Dieses Programm ist gleichzeitig auch ein Programm zum Schreiben und veröffentlichen von Blog-Artikeln. Es ist mit anderen Anbietern wie z.B. WordPress kompatibel.

Schwierigkeiten gibt es nur wenn englische Begriffe wie z.B. “Blog” oder Anführungszeichen verwendet werden sollen. Ein bisschen mit der Hand nachzubessern ist also unumgänglich.

Sehr schön funktioniert hingegen die Sprachsteuerung des Diktates.

Z.B. mit Befehlen wie “Wort auswählen”, “Wort löschen” (das letzte Wort wird gelöscht) oder “Wort korrigieren”. Gerade mit dem letzten Befehl kann man die Software lernen lassen. Richtig zuverlässig funktioniert es aber leider noch nicht. Anscheinend ist auch die Länge der Sätze entscheidend damit die Kontext – sensitive Erkennung verbessert wird.

Gut funktioniert hat auch das Steuern im Text z.B. mit dem Begriff “Zum Satzanfang wechseln” , “WORT auswählen” und dann “großschreiben” oder “Großschreibung WORT”. Am besten ein bisschen damit experimentieren und sich selbst die Begriffe einprägen, dann könnte die Steuerung eines Tages sehr schnell und unkompliziert werden..

Auch Befehle wie “Rücktaste” oder “Eingabetaste” funktionieren. “Enter” hingegen wird als Wort interpretiert. Die Frage ist also wie man die Spracherkennung im täglichen Leben einsetzen kann. Und ob es sie je mehr als ein Spiel mit den Fähigkeiten der modernen Computer sein kann.

Wenn das Ganze mal gut funktioniert hat man aber schon ein interessantes Gefühl wie z.B. in den Star-Trek – Filmen. Ich würde sagen die Zukunft kann kommen!

Categories: Schreiben,Technik
Posted by J.A. on August 14, 2014

Podcast: Einkaufen im Supermarkt – 1

In diesem Podcast geht es um das Einkaufen im Supermarkt und meine – teils- philosophischen Gedanken dazu:

Erfahren Sie hier alles über:

  • warum sprechen anstrengender ist als schreiben
  • wie man einkaufen noch angenehmer machen könnte
  • warum es eigentlich noch keinen gebremsten Einkaufswagen gibt
  • warum in der Pfalz die Leute immer zusammen stehen und quatschen
  • was man beim Wurst einkaufen alles falsch machen kann. ;-)
  • .. zum Schluss gibt es noch ein paar hintersinnige Gedanken zur Realität und wie wir sie erschaffen
  • .. interessierte Menschen erfahren auch etwas über den selten gewordenen Begriff “Demut”

Viel Spaß beim Anhören!

 

Links zum Nachschlagen:

Categories: Podcast,Shopping
Tags: ,
Posted by J.A. on August 14, 2014

Podcast- Umgang mit Kritik

Schon oft im Blog besprochen, gibt es heute einen Podcast mit dem Inhalt
“Umgang mit Kritik”

Darin fasse ich nochmal die wichtigsten Punkte zusammen, die ich in früheren Artikeln auch schon beschrieben habe (Sender, Empfänger) und gebe ein paar Tipps, wie man mit Kritik besser umgehen kann, wenn man dazu neigt, empfindlich zu sein.

 

Gleichzeitig ist der “gesprochene Artikel” auch ein Auftakt zu einer Serie von (noch experimentellen) Podcasts.

 

Viele Spaß beim Anhören!

 

Passende Links:

Categories: Psychologie
Tags: ,
Posted by J.A. on Juli 17, 2014

Reisebericht Dänemark

Wann: Juni 2014, eine Woche
Wo: Nord-Jütland

Dänemark, das freie Land. Kaum zurück, kommt mir alles so unfrei und eingeengt vor. Ich hab keinen Platz mehr um mich herum. Ständig trifft man auf Menschen. Man wird wieder gemustert. Man kann nicht einfach so an seinem Tisch sitzen, ohne von allen Seiten betrachtet zu werden. Meine Schutzzone schrumpft wieder auf wenige Zentimeter. Die Dinge laufen wieder „organisiert“ ab, was nichts anderes heißt, dass irgendjemand die Peitsche schwingt – und wenn es die imaginäre ist, die „innere Motivation“, die man nicht erziehen noch mit Worten vermitteln kann. Mein Deutschland. Je öfters ich verreise, desto kritischer schaue ich auf das eigene Land. Dinge, die mir selbstverständlich erschienen, schimmern plötzlich in einem anderen Licht. Wenn nicht das, was ist dann der Sinn einer Reise?

In Dänemark war eindeutig mehr Platz. Die Leute leben gelassener und strahlen das auch aus. Leben und leben lassen, was sich viele Deutsche auf die Fahne schreiben (und einbilden zu leben) wird dort wirklich gelebt. Wenn man wirklich frei und glücklich ist, muss man nicht ständig darüber schreiben oder sich irgendjemanden beweisen. Dann ist man einfach frei und glücklich.
Vieles davon mag dem Platz geschuldet zu sein. Bei uns leben 80 Millionen Menschen in Dänemark sind es nur 5 Millionen. Und diese verteilen sich auf einer relativ großen Landmasse mit viel Wasser und noch mehr Wind.

Mit dem Essen konnte ich micht zuerst nicht anfreunden. Wenn man eine längere Zeit im eigenen Land lebt, kommt einem das tägliche Essen so selbstverständlich vor, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass es in anderen Ländern einen anderen Geschmack gibt. Die Dänen haben sehr viel Fisch auf ihrem Speisezettel und sie lieben das verspielte. Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon. Viel frisches Gemüse, weniger Obst. Kartoffeln werden oft mit Schale serviert („natürlich“) und sind dann kleiner als bei uns. Die Brotkultur ist gut und ausgeprägt. Die europäische Brotgrenze scheint an der dänischen Außengrenze zu enden… Was man seltener sieht, sind Nudeln. Auch reine Fleischgerichte wie bei uns habe ich kein einziges Mal gesehen. Als ich es doch mal versucht habe und das Schnitzel bestellt habe, kam ein nicht ganz so gutes Schnitzel (etwas labbrig), das in einem Haufen von kaum gekochten Erbsen ertränkt wurde. Auf dem Schnitzel war noch eine Fischspezialität und eine scharfe Meerrettich-Soße. Irgendwo hatten sie sogar noch eine Zitronen-Scheibe versteckt.

Das Klima ist anders als bei uns und erfordert erstmal Gewöhnung. In den Sommer-Monaten wie jetzt wird es nicht wirklich dunkel. Den ganzen Tag scheint die Sonne. Hell, aber nicht unangenehm. Einen Sonnenschutz brauchte ich nicht. Zu Hause in Süddeutschland hatte ich schon nach einer halben Stunde ungeschützt einen leichten Sonnenbrand. Gegen 17 Uhr hat man das Gefühl, dass jetzt die Dämmerung kommt und es bestimmt bald dunkel wird. Doch die Sonne geht nur ganz langsam unter (auf Grund des anderen Breitengrades). Die Zeit steht plötzlich still. Man sitzt im Restaurant, war noch etwas zu früh, weil man im Urlaub sowieso weniger drauf achtet und bummelt mal eben die zwei, drei Stunden ab, die man sich in Deutschland nie dafür genommen hätte. Dann guckt man wieder in den Himmel, um sich zu orientieren und die Sonne steht irgendwie immer noch da, wo sie vorher war. Auch um 22 Uhr wird es nicht dunkel. Der Himmel verfärbt sich langsam dunkelrot. Um 0 Uhr kommt die Müdigkeit. Man schläft zwei, drei Stunden mit zugezogenem Vorhang und erwacht wieder um 5 Uhr. Dann ist man aufgekratzt, kaum angestrengt und wach.

Die Autobahnen sind so ruhig und herrlich, dass ich keine Probleme hatte, darauf zu fahren. In Deutschland fürchte ich mich immer und bekomme Adrenalinschübe und Panikattacken, in Dänemark hat sogar mir das Fahren Spaß gemacht. Dafür wurden Autos gemacht, nicht für diesen Wahnsinn, der in Deutschland herrscht. Auf unseren 400 km durch Dänemark habe ich keine einzige Baustelle gesehen und die Straßen waren glatt wie Pfirsichhaut.. Kaum waren wir bei Flensburg über die deutsche Grenze wurden die Straßen schlagartig schlechter und eine Baustelle folgte der nächste. Bis in den Süden habe ich aufgehört zu zählen, aber es waren bestimmt fünfzehn Baustellen. Wenn man diesen Kontrast mal so richtig spürt, fragt man sich, in was für einer Bananenrepublik man eigentlich lebt und warum unserer öffentlicher Sektor so marode ist und so schlecht funktioniert. Die Dänen, die viel weniger Einwohner haben, bekommen alles deutlich besser hin.

Teilweise sind die Dinge aus einer Not heraus geschuldet, die anscheinend überall zu finden ist: Arbeitskraft- und Fachkräftemangel. Experten werden gesucht. Aber anstatt zu resignieren, werden die Dinge eben automatisiert. Automatisierte Waschanlage, automatisierte Zapfsäulen (obwohl jemand an der Kasse sitzt), automatisierte Türen, überall einfache und praktische Schilder, dass man sich auch ohne Oberlehrer, neugierigen Nachbarn oder anderen Plagegeistern selbstständig und autonom zurechtfinden kann.

Ich empfand das als sehr angenehm. Endlich wird mal an die Vernunft appelliert, endlich hat man mal die Entscheidung, die Dinge einfach so zu machen, wie man sie möchte. Deutsche Schilder wirken mehr angsteinflößend, befehlend, von oben herab, in Dänemark hab ich sie eher als Hilfestellung empfunden.

In der ersten Raststätte in Deutschland waren die ersten Schilder „defekt“ an den Geldautomaten im Eingang „zur Toilette“ mit Pfeil und dann der Befehl „Tür bitte geschlossen halten“. Und dann stand noch eine Schale im Flur, mit der um Trinkgeld gebettelt wird. Auch das habe ich bei unserem nördlichen Nachbarn kein einziges Mal gesehen. Wahrscheinlich, weil die Löhne besser sind und die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten nicht so groß sind.

Dafür wurde mir das System mit den Kaffeetassen sehr deutlich erklärt… (in die kleinen Tassen nur Cappuccino! die großen Tassen für den linken Automaten! sie können auch stop drücken!) .. in Dänemark hätte man mich da alleingelassen und auf meine Entscheidungskraft vertraut… oder einfach nur eine Sorte Kaffeebecher hingestellt, die man anschließend in den Müll geworfen hätte.

Die vielen Einwohner in Deutschland bedeuten auch, dass man überall billige Arbeitskräfte bekommen kann und sich über Automatisierung nicht soviel Gedanken machen muss. Der Service ist in Deutschland besser, überall wuseln Leute um einen herum, in einem Café sitzt man keine drei Minuten und wird schon bedient. In Dänemark muss man zuerst rein an die Theke, sich dort vorstellen oder man bekommt einen Tisch zugewiesen. Irgendwann kommt dann die Bedienung und nimmt die Bestellung auf. Meistens dauert das aber alles viel länger als bei uns, und dem organisierten Deutschen, der ständig ungeduldig auf die Uhr schaut, mag das am Anfang befremdlich vorkommen.

Die Arbeitswelt scheint insgesamt lockerer als bei uns zu sein. Viele Dinge werden in der Gruppe besprochen und Besprechungen und Diskussionen sind auch viel häufiger als bei uns. Der Einzelkämpfer, der seine Stunden runterackert und durch „Anwesenheit glänzt“, scheint in Dänemark eher ein Außenseiter zu sein. Deutsche Technik und deutsches Know-How werden aber geschätzt. Generell ist das kleine Dänemark sehr auf Importe und Absatzmärkte angewiesen. Und wenn man schon importieren muss (den Wein z.B.) dann wird auch auf Qualität gesetzt.

Die Mülltrennung ist ähnlich wie bei uns, aber je nach Region gibt es nicht soviele Einzelbehälter. Bei uns waren es im wesentlichen Papier und Restmüll. Importierte Flaschen und Getränkebehälter (z.B. Dosenbier aus Deutschland) wird einfach den Restmüll geworfen, die Dänen sind quasi Dosenpfand-befreit.

Viele Dänen sind in Vereinen organisiert, z.B. in Angel- oder Jagdvereinen. Es ist ein leichtes, mal eben mit dem Boot aufs offene Meer oder den Fjord rauszufahren, die Natur ist herrlich, weit, offen und unberührt. Die wenigen Flecken menschlicher Zivilisation werden vorbildlich gepflegt und in Schuss gehalten. Überall gibt es Mülleimer und Toilettenhäuser, die dazu in gutem Zustand sind.

Dänemark- das Land des Lichts ist eine Reise wert. Und wenn ich kann, werde ich auch gerne wiederkommen. ;-)

p5rn7vb
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