J.A. Blog

Pics | Music |Serien| Donate | About| Twitlog | Shopping

Archiv: März 2011

Seelenheil

“Und wenn du nicht mehr staunen kannst, tust du mir leid
Dann hast du keine Chance mehr
Und wenn du nichts mehr fühlen kannst
Ist es vorbei, dann bleibst du ewig leer”

Song + Lyrics

Im Frühjahr ist es schon Herbst geworden

Die Nachrichten, die Bilder des Tages, die Politik… ob überhaupt jemand davon berührt wird? Kann man überhaupt jemanden vorwerfen, nicht davon berührt zu werden…. oder übersteigen der Super-Gau und die Kriege gegen Zivilisten nicht einfach unsere Vorstellungskraft, die Grenzen unserer Wahrnehmung, die Grenze der belastbaren Gefühle.. die Grenze unseres eigenen Menschseins? Viele unsichtbaren Mauern sieht man in diesen Tagen. Mauern die schützen, die aber auch stumpf werden lassen.

Was ist der Mensch mehr, als die Summe der geistigen Eindrücke und Wechselwirkungen, die er von sich, aus sich, über andere und mit anderen macht? Der Mensch, die Variablen-Maschine, die stets am Limit der Eindrücke fährt und dessen Frame-Rate hin und wieder unter der Last der vielen Neuberechnungen zusammen zu brechen droht.

Der Mensch, Drahtgitter in einer fleischeslüsternen Welt. Der Mensch. Hat sich über Gott erhoben und kann jetzt die Evolution beeinflussen. Hat sich zum Hüter der Materie aufgeschwungen, spaltet die Kerne und bildet sich viel ein auf seine Leistungen. Meint, das Göttliche, das Begrenzende des Daseins ein für alle mal von sich geschüttelt zu haben!

Wie klein er doch ist, der Mensch. Beinahe nur ein armseeliger Pixel im luftleeren Raum.

Ohne Vektor und ohne Koordinaten lässt er sich von den Naturgewalten treiben und meint, sie gehorchen ihm, nur weil der letzte Zufall dem derzeitigen Lauf seiner Gedanken entsprochen hatte. Ohne moralische Dimension ist der heutige Mensch. Plattgedrückt wie ein Blatt im Wind, dass nach der nächsten Umweltkatastrophe vom Baum gesegelt ist und nun langsam von den Bakterien der Unterwelt genüsslich in seine Einzelteile zerlegt wird. Er ist stolz darauf, es zu verstehen, wie er da angeknabbert wird- lacht vielleicht noch belustigt darüber, aber das Verständnis allein schützt ihn nicht vor seinem drohenden Untergang.

Das ist der „moderne“ Mensch. Und am Ende bleibt der Krone der Schöpfung nur der Neuanfang als zusammengesetztes Atom, als wachsende, energieverschligende Zelle und das ganze Schlamassel seines göttlichen Wirkens beginnt wieder von vorne.

Der saubere Krieg

und das sichere Atomkraftwerk

Die Frage nach der Entscheidungsfindung (in Bezug auf die Libyen-Krise) im UNO-Sicherheitsrat ist nicht nur eine politisch schwierige, populistisch überdeckte, im Wahlkampf eventuell missbrauchte, in Deutschland umstrittene, sondern zugleich auch eine hoch moralische. Und hier kommen wir gleich zu dem ersten Problem: Politiker müssen im Grund auf der Basis eigener Wert- und Moralvorstellungen handeln und zugleich eine faktisch und mit großem Sachverstand abgesicherte Entscheidung treffen. Und das in einem Umfeld von Bürgern und Medien, die emotional aufgeladen sind und urteilen und in einem Umfeld, wo zwar viele mitreden, aber die wirkliche Expertise nur von ganz wenigen Menschen verwaltet und vertreten wird.

Oder es treten sogar bestimmte „Gefühle“ oder vordergründige Taktikspielchen in den Vordergrund. Das macht die Politik oft so unbeliebt. Dass der Menschen/ der Wähler nicht das Gefühl bekommt, von qualifizierten Menschen geleitet zu werden, sondern von welchen, die im Kern genauso „schwach“ oder „stark“ wie der gewöhnliche Durchschnittsmensch sind. Zu einem Monarchen konnte man noch aufschauen, er hatte auf Grund seines Adels-Statuses (der wiederum von Gott legitimiert) eine Sonderstellung. Die Menschen konnte das akzeptieren. In den heutigen Zeiten aber ist Politik viel gewöhnlicher und somit auch viel anfälliger für Kritik.

weiterlesen… »

Revolutionen im Geiste

und die deutsche Hasenfuß-Außenpolitik

Die Nachrichtenwelt und damit die gespannten Zuschauer vor den Schirmen haben es in diesen Tagen nicht leicht. Da läuft so ein spannender Krimi im Ersten und wird von dem einen oder anderen „Brennpunkt“ unterbrochen. Die Welt hielt letzte Woche den Atem an, man konnte es ganz deutlich hören, äh nicht hören!

Und kaum haben wir uns vom Fukushima-Schock ein bisschen erholt (wie wird das eigentlich richtig betont, Japanologen unter euch? Fu- KU- shima oder Fu- ku- SHI- ma ?) … da kommt schon der nächste Super-Gau. Diesmal ein ganz besonderer Spinner unter den größenwahnsinnigen Weltenlenkern und bombardiert sein eigenes, wach gewordenes Volk mit Panzern und Raketen. Die, so wurde mir von Friedensaktivisten einhellig bestätigt, allesamt aus westlichen Reservoirs und Waffenlieferungen stammen. Wir im Westen sind also schuld, dass die da unten im Süden so schlimme Patricharchen haben und das ganze einfach nicht in Griff bekommen. Ne, alles klar.

Und wir haben den ja auch eingeladen, da gibt es so tolle Fotos. In Paris ist er spaziert, in Rom anscheinend auch und immer hübsch in die Kamera lächeln und ein Urlaubsfoto mit dem Despoten schießen. Das macht man halt so als Regierungschef. Nur die Deutschen waren etwas zurückhaltender und skeptischer, haben sie doch selbst schon sehr schlechte Erfahrungen mit autoritären Führungspersönchen gemacht.

Und weil die Deutschen so skeptisch und so anders geworden sind im internationalen Umfeld, zuerst und als einzige in lichtschneller Art und Weise ihre Atomkratfwerke abschalten und damit ein Beispiel setzen, kommt nun die nächste Ausnahmewurst. Freiheit ja, aber bitte keinen Krieg. Veränderung ja, aber bitte keine Taten. Großes Ansehen in der Welt ja, aber bitte keine Stimmung gegen den Krieg in der Bevölkerung (vor den Landtagswahlen). Da nimmt man es als Regierung doch lieber mal in Kauf, dass man von den Linken (hahaha!) gelobt und hofiert wird. Die Linken, das ist die Partei, die generell immer gegen alles, vor allem gegen alles ist, was eine Waffe in der Hand hält, weil Waffen ja an sich böse und scheiße sind und generell verboten werden müssen. Und dass der Großteil der Länder bewaffnet ist, Armeen unterhält und es auch nicht wenige Diktatoren auf dieser Welt gibt, die diese Waffen auch mal einsetzen, das hat die Linkspartei anscheinend noch nicht bemerkt. Denn wir können ja über alles reden!

Lass uns doch mit Gaddafi reden, das ist auch nur ein Mensch. Wer wird denn gleich schießen? Achso er? Tja dann..

Bitte nicht falsch verstehen. Auch ich finde Kriege doof. Unzählige Menschen, die sterben, Bomben, die aus Verzweiflung gezündet werden, Soldaten die Grenzen bewachen, die man nicht bräuchte, hätte es vorher noch einen Weg auf diplomatischer Ebene gegeben. Aber es gibt meiner Meinung nach ganz wenige Ausnahmefälle, in denen Waffengewalt zur Verhinderung von größerem Leid legitim ist… und das wäre/ ist in Libyen der Fall gewesen.

Die arabische Liga hatte sich eindeutig für ein Einschreiten ausgesprochen und selbst die UNO kam jetzt ohne Gegenstimmen zu einer Resolution, was in den langsam mahlenden Mühlen dieser Institution schon eine kleine Revolution für sich ist. Der Westen hat lange genug zugesehen, wie Scharfschützen auf Demonstranten schießen, wie Kinder und Frauen, Männer und Jugendliche verprügelt oder vergewaltigt, eingesperrt, gefoltert und unterdrückt werden. Das ist keine Demokratie, das ist Terror pur. Und die Leute tun gut daran, sich dagegen aufzulehnen. Man muss sie in ihrem Kampf unterstützen und da ist ausnahmsweise die Waffengewalt (als exekutive Instanz) das Mittel der Wahl. Veränderungen brauchen Energie und wer nur die Hände in den Schoß legt und etwas aussitzen möchte, verändert die Welt nicht. Andere werden handeln, die Unterdrückung geht weiter, weitere Menschen sterben. Das kann nicht das Ziel eines freiheitlich-demokratischen Landes sein. Wer Freiheit und Macht hat, hat auch Verantwortung. Im Rahmen der internationalen Gemeinschaft ist ein Vorgehen hochgradig legitim und quasi von höherer Stelle und im Sinne von allen legitimiert. Es war gut, dass die Welt diesmal nicht vorschnell agiert hat, dass sich die Weltpolizei USA (wohl auch aus finanziellen Gründen) diesmal zurückgehalten hat.

Mit Frankreich und Großbritannien sind zwei weitere mächtige Militärnationen in ihre Fußstapfen getreten. Der Konflikt ist direkt vor der Haustür, direkt im Eingangsbereich der europäischen Union, quasi in unserem Garten. Auch in diesem Sinne wäre Deutschland gut beraten, wieder auf eine Linie mit seinen Anrainerstaaten zu kommen.

Zukünftige Konflikte in unserer Nachbarschaft kann man nur verhindern, wenn man sich einig ist und dazu gehört auch eine einheitliche EU-Außenpolitik.

Es war freilich nicht einfach für Deutschland. Das Land ist pazifistischer als je geworden. Das ist eigentlich gut. Nicht vorschnell in einen Krieg zu ziehen ist weise und hat sich z.B. im Falle des zweiten Irakkrieges als gut erwiesen.

Man kann aber auch nicht so tun, als ob einem das alles nichts angeht.
Denn das Morden und die Ungerechtigkeiten in der Welt gehen weiter, ob man nun hinschaut oder nicht.

Letztendlich offenbart die Haltung von Schwarz-Gelb eine weitere Schwäche in ihrer derzeitigen politischen Glaubwürdigkeit, die nur allzu vordergründig auf die Beliebtheit in den kommenden Landtagswahlen schielt. Aber mit der Haltung des „Fähnchen in den Wind halten“ und dem Populismus nach dem Mund reden ist noch keiner gut gefahren. Vor allem keiner, den man so gut dabei durchschauen kann.

Mit Spatzen auf Kanonen schießen

KKP Auslauf

Während ich über Atomkraftanlagen in Deutschland recherchiere und die Lage in Japan weiter verfolge, fällt mir verschiedenes auf.
Ich möchte diesen Artikel einfach mal nutzen, um alles zusammenfassen. Eine bestimmte Ordnung kann ich dabei nicht gewährleisten, seht es mehr als ungeordnete Liste oder Zusammenfassung meiner persönlichen Eindrücke an. Es kann auch sein, dass diese Liste in weiteren Artikeln noch fortgeführt wird. Ich denke, dass ist das mindeste, das man in diesen Tagen machen kann. Darüber nachdenken, darüber reden und dass Bewusstsein aufrecht erhalten. Anteil nehmen und an der richtigen Stelle auch mal schweigen.

Auf den Bildern, die vor mir liegen, wirken Kernkraftwerke nicht besonders bedrohlich. Beinahe ruhig und malerisch stehen sie in einer blau-grünen Landschaft, auf Grund des Kühlwasser-Bedarfs oft an einem Fluss, in dem sich dann die gigantischen Kühltürme spiegeln und majestätisch in den Himmel ragen. Was oben heraus kommt, ist angeblich „sauberer und reiner“ Wasserdampf. Aber es gibt auch so einen kleinen Auspuff, mit dem überschüssige Radioaktivität in den Himmel geblasen wird, wenn ich das richtig verstanden habe. Und was ist z.B. mit den Studien über gestiegene Krebserkrankungen, gerade von Kindern, in direkter Atomkraftnähe?

Aber schon, keine fünf Tage nach den ersten Störfällen in Japan wird ein jeder Laie zum nachwachsenden Halb-Experten, was Atomfragen angeht.

So lese ich z.B. dass in dem Kernkraftwerk Philippsburg, das keine Autostunde Fahrt von meinem jetzigen Wohnort entfernt ist, alleine in einem einzigen Block 102 Tonnen Uran als Brennelement verwendet werden. Wohin geht das Uran, wenn es schmelzen sollte? In die Erde, in unser Trinkwasser? In die Pilze? Noch heute kann man in Teilen des bayrischen Waldes keine Wildschweine mehr essen und muss sämtliche Pilze auf Grund der Strahlenbelastung von Tschernobyl wegschmeißen! (Bericht in Frontal 21)

Dieses Atomkraftwerk konnte man bei guter Sicht vom Garten meines Elternhauses sehen und als Kinder fanden wir die riesigen Kühltürme schon sehr erstaunlich. Nur, was sie im Einzelfall bedeuteten, das wussten wir lange nicht.

So bedrohlich, so beeindruckend ist auch die thermische Leistung, die mit 2.575 MW beziffert wird, welches wiederum eine elektrische Nettoleistung von 890 MW ergibt.
Vergleicht man das mit einem „durchschnittlichen“ Windrad, so kommt dieses auf gerade mal 1,6 Megawatt. Das gibt mir zumindest einen ersten Überblick über die „Macht“- Verhältnisse der Energieformen. Es ist in diesen Tagen kaum möglich, nicht informiert zu werden, gestern hatte ich den Fernseher ca. zwei Stunden lang laufen und wurde ab 20 Uhr mit Informationssendungen über Japan und Atomkraftwerke, Folgen, Strahlenkrankheit, etc. dauerberieselt.

So ist die Strahlenkrankheit im Einzelnen doch tückischer als gedacht und muss dabei von den Elementen ausgehen, die jeweils in der Luft sind. So ist z.B. Plutonium generell hochgiftig, andere Teilchen heften sich wiederum an Partikel in der Luft (in Tschernobyl waren es z.B. weggeschleuderte Graphit-Teilchen von den Kühlstäben) und die Atemmasken, die man in den Fernsehnachrichten über Japan sieht, gelten zur Abwehr von radioaktivem Jod, welches in der Lunge sehr schnell Lungenkrebs auslöst.

Radioaktivät ist generell sehr gefährlich, so wurden Listen und Tabellen veröffentlicht, was für die Menschen noch verträglich ist. Das war ein Wert in der Größenordnung von ca. 2,1 Millisievert im Jahr  und in der Nähe von Fukushima gab es auf einen Schlag 400 mSv pro Stunde!

Multipliziert mit den Werten der Vertuschung und Beschwichtigung kann man davon ausgehen, dass die realen Werte noch viel höher liegen werden.

Eigentlich ist es da auch nur wenig verwunderlich, dass einige Menschen in Deutschland panisch überreagieren und sich jetzt schon mit Jodtabletten oder Geigerzählen eindecken, aber Vorsicht: Selbst-Medikation kann sehr gefährlich sein. Und nicht dass man dann an einer Krankheit stirbt, die man nicht gehabt hätte, wenn man vor der anderen Krankheit keine Angst gehabt hätte…

Was zeigen diese Panikkäufe? Dass der Mensch nicht mit dem Kopf reagieren kann, wenn die Gefühle betroffen sind. Die Bedrohung durch das AKW in Fukushima erscheint irreal und auch wenn Experten immer wieder behaupten, wie ungefährlich das alles für uns ist, liegt das gesunde Misstrauen und die Angst doch weit über dem sachlichen Abwägen von Bedrohungs-Wahrscheinlichkeiten.. diese irreale Angst vor dem Unbekannten wird es unter anderem auch sein, die die Atomkraft so unbeliebt macht. Man kann sich zwar die 99 Prozent Sicherheit schönreden und auch wenn es seit ca. 25 Jahren keinen Störfall der INES-Stufe sieben mehr gegeben hat.. so reichen die restlichen 1 Prozent doch, die Atomkraft gesellschaftlich und auf breiter Linie salon-unfähig zu machen. Zu Recht!

Schlimm sind auch weiterhin die Bilder, die aus der Krisenregion gesendet werden. Manche Fernsehsender wiederholen sie kontinuierlich, als ob sie sich selbst nicht daran satt sehen könnten. Die Grenzen zwischen Sensationsgeilheit und objektiver Wissens-Vermittlung sind da manchmal sehr fließend. Oder muss es sein, dass zu den besonders schlimmen Bildern noch dramatische Musik eingespielt wird? Das wirkt beinahe so, als ob es uns alles nichts anginge und wir uns nur am emotionalen „Thrill“ dieser Katastrophe bereichern wollten. Beinahe wie ein guter Actionfilm, halt nur etwas realer.

Man mag darüber denken, was man will.. auch die Händler von Geigerzählern werden in diesen Tagen einen Profit aus der Krise schlagen und in den 10 Uhr -Nachrichten von heute vormittag spekulierte man ganz offen über die Lage der deutschen Autobauer, die ja mit den Japanern in strenger Konkurrenz stehen und vielleicht davon profitieren könnten. Wenn es wieder ums Geschäftliche geht, dann ist ja alles in Butter, war meiner erster zynischer Gedanke dazu.

Was den Menschen jetzt vor Ort passieren wird, daran traue ich mich nicht mehr zu denken. Zu groß und unglaublich sind die Entwicklungen. Es wäre auch früh. Die Katastrophe ist noch im vollen Gang, langsam und quälend und nur noch in der „Hand Gottes“, wie manche schon auf Nachrichtenseiten kommentiert haben.

Oder glaubt noch jemand ernsthaft daran, dass man mit Wasserwerfern alleine eine Kernschmelze stoppen kann?

Wem das ganze jetzt nicht zu zynisch erscheint… der könnte evt. über dieses klassische Loriot Video schmunzeln…

J.A. Blog läuft unter Wordpress 2.9.1
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates
41Verweise. 23.779 Sekunden.

J.A. Blog is Digg proof thanks to caching by WP Super Cache



Page 1 of 212


//