Posted by J.A. on Oktober 30, 2010

Sei er mir ein Crocus..

..der Freude und Farbe im Winter schenkt

Passender Song zum Text

Gestern habe ich Krokusse gepflanzt. Das ist so eine entspannende Tätigkeit. Zuerst die warme Winterjacke überstülpen, denn draußen ist es bitter-kalt. Hände mit spezieller Schutzcreme eincremen (Schmutzabweisend und pflegend, ist gut, wenn man direkt danach kochen muss und noch dreckige Finger hat). Dann die Pflanzgeräte und die Knollen zusammensuchen und in eine Kiste stecken. Damit zum Beet laufen, sich auf den Boden knien (eine Unterlage kann nicht schaden, möchte man keine blauen Flecken bekommen) und einen ersten Überblick über die aktuelle Boden-Lage verschaffen. Wo wächst das Unkraut? Welche Pflanzen sind noch gut, welche schon vermodert? Mal in der Erde rumstochern: Ist sie weich oder hart? Wie fühlt sie sich an? Wie riecht sie? Entspannen. Dann mit einer kleinen Hacke das Beet von den obersten, abgestorbenen Pflanzschicht befreien, das ganze in einen Eimer sammeln. Steine und nicht-organischer Abfall (Netzreste, angewehtes Plastik, etc.) in einen anderen Eimer.

Die Erde gut aufbereiten und aufwühlen. Dabei schauen, ob in der Erde schlabbrige Regenwürmer sich winden und einem treu-doof bei der Arbeit beobachten. Nebenbei die neugierigen Vögel im Auge behalten, die ein angeborenes, großes Interesse für frisches Ackerland haben. Einen Käfer vorsichtig zur Seite tragen, damit man ihn mit dem harten Garten-Stahl nicht zerteilt. Käfer sind sehr zerbrechlich und werden von Menschen meist komplett übersehen.

Die bereitgelegten Netze mit den Krokuss-und Tulpen Knollen sortieren, Bildchen betrachten und sich darüber freuen. Packungsbeilage beachten: Krokusse nur fünf Zentimeter tief, Tulpen aber zehn. Die Netze eine nach dem anderen öffnen und die Knollen auf der frischen Erde verteilen. Ein schönes Muster gestalten, das ist fast wie beim Backen oder Malen.

Entweder abwechselnd, oder eine Reihe mit blauen und dahinter eine gelbe, ganz wie man möchte. Die Tulpen als Wächter über das Beet thronend in großen Abständen. (Tulpen sind majestätische Pflanzen, der grüne Daumen behandelt sie mit ausreichend Respekt).

Wenn man mit dem Muster zufrieden ist, den runden Pflanzenstecher aus der Trickkiste zaubern: Mit dem geht es ganz leicht!

Jetzt kommt der Teil mit der Arbeit und der Part, der für die verbrannten Kalorien verantwortlich ist: Je nach Knolle ein Loch in die Erde stechen, dabei den Stecher leicht drehen, feuchte Erde hilft, rausziehen, Knollen reinfriemeln, Erde aus dem Pflanzenstecher pulen, glattstreichen. Evt. festdrücken. (Man denke an die Vögel und andere Tiere, die evt. hungrig oder neugierig sind)

Nach 40 Krokussen kann man erstmal eine Pause machen. Sich das Ergebnis anschauen: Man sieht nicht viel, nur eine glatte, von Unkraut befreite Erddecke. Jetzt heißt es warten! Im März oder April kann man sich dann freuen und an den frisch geschlüpften Pfänzlein schnuppern!

Der nächste Frühling kommt bestimmt… machen wir das beste daraus.

Weiterführende Infos zu Crocussen:

Categories: Draußen
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Posted by J.A. on Oktober 30, 2010

Blog-Abstinenz

Nur ein kurzes Hallo von meiner Seite, damit niemand denkt, dass ich in der Versenkung verschwunden bin und nie wieder etwas bloggen möchte. In der Tat ist es aber so, dass sich derzeit ein ganz neues „Hobby“ aufgetan hat, das meine derzeitige Aufmerksamkeit zu fast 100 Prozent bindet. Für das/den/die Blog bleibt im Moment nicht viel übrig.

Ich habe die ursprüngliche Webseite seit 2000 und das Blog seit 2005, fast jede Woche darin geschrieben oder Inhalte „produziert“- daher denke ich, dass es auch nicht schlimm ist, wenn ich mal eine längere Blog-Pause einlege und ich hoffe, die Stammleser mögen mir das verzeihen… es fällt mir immer so schwer „Ende“ zu sagen, und Pause klingt ja auch viel besser. ;-)

Dazu kommt, dass es derzeit kaum Themen gibt, über die ich bloggen möchte oder die interessant wären. Über das meiste habe ich schon etwas gesagt und immer auf die aktuellen politischen Themen aufzuspringen, ist mir derzeit zu langweilig und zu monoton. Wie ist das mit der Exklusivität und der Qualität? Man findet sie meist nur, wenn man zum Profanen Abstand halten kann. Oder noch krasser ausgedrückt: „Wer vernünftig reden möchte, muss zuerst das Schweigen lernen.“

Ich habe ein paar Bücher hier liegen, die zu meinen bisherigen Themen passen und die ich gerne rezensieren möchte: dazu muss ich sie aber erstmal fertig lesen und mich dann intensiv damit auseinandersetzen. Das wäre pro Buch eine Arbeit von ca. zwei Wochen (lesen) und einem Tag schreiben (intensive Rezension mit Quellenangaben). Leider habe ich im Moment diese freie Zeit nicht. Und seien wir ehrlich: Das Blog ist eben nur Hobby, es ist freiwillig und man macht es zwischendurch. Als richtige „Arbeit“ ist es nicht geeignet. Der Spagat zwischen Hobby-Einsatz und sinnvoller Text-Produktion ist manchmal nur schwer zu halten. Meistens läuft es darauf hinaus, dass man zuviel Einsatz gibt und es sich unter dem Strich nicht rechnet. Dieses Thema habe ich schon oft angesprochen, aber es verlor deshalb nicht an Gültigkeit. Allerdings, gibt es ja noch den immateriellen Wert, das Lernen, das „Spaßhaben“, oder das „Kommunizieren“ – das ist hier nicht eingerechnet.

Einen derartigen Aufwand mit dem Blog betreiben, dass sich Werbekosten oder Flattr-Einnahmen rechnen würden und man es als „Beruf“ sehen kann, ist schwierig und kann man nur machen, wenn man sehr, sehr viel Zeit und eine hohe Motivation hat. (und am besten einen ausreichenden finanziellen Puffer). Meine anfängliche Idee, das Blog über Spenden oder Freiwilligkeit zu finanzieren, hat leider nicht geklappt. Also woran erkrankt der freie Geist? An der mangelnden materiellen Unterstützung? Nein, das wäre zu einfach. Kunst ist leider immer etwas, dass sich unter dem Strich nicht rechnet, vielleicht ist das sogar die indirekte Definition von Kunst in einer sonst zu 98 Prozent messbaren und bezahlbaren Welt. Und auch eine eigene Meinung hat erstmal “keinen Wert”. Meinungen werden zu Werten, wenn man damit die Machthabenden verändern oder manipulieren kann, wenn sie Menschen in großem Stil beeinflusst oder wenn sich damit “Verkaufszahlen” oder gar “Quoten” erzielen lassen. Aber eine einzelne Meinung ist – so gut wie sie auch formuliert wurde- nicht viel mehr wert als heiße Luft. Zur aktuellen Entfremdung des Bürgers in einer Demokratie passt, dass er immer das Gefühl hat, nicht gehört zu werden und nicht gebraucht zu werden. Man kann in den Blogs schreiben, was man möchte- es ändert doch nichts. Aufmerksamkeit braucht schon größeres Kaliber, vielleicht ein Protestplakat oder ein Sternmarsch auf den Bahnhof Stuttgart?

Irgendwie bringe ich beides im Moment nicht zusammen (Zeit u. Motivation). Ich habe mir also überlegt: Ja, das wird jetzt eine größere Blog-Pause und ich schreibe nur noch, wenn sich wirklich interessantes Material angesammelt hat: Eine brisante politische Wendung beispielsweise oder ein Reisebericht mit Fotos. Hin und wieder kann ich auch was Künstlerisches produzieren. Vielleicht überwinde ich meines Tages auch und berichte von meinem aktuellen Lieblingsprojekt, das mit dem Schreiben primär nicht soviel, aber auch etwas mit „Kunst“ zu tun hat. Es ist einfach die Zeit für etwas Neues. Und solche Entscheidungen- aus dem Bauch heraus und dem Gefühl vertrauend – habe ich im seltensten Falle bereut.

Außerdem hänge ich derzeit noch an der Frage, auf welche politisch-ethisch-moralische Grundlage ich mein Blog oder gar ein Neues aufbauen soll. Vor allem die „Außenseiter-Themen“ und die Fragen, die die Menschen wirklich berühren sind in den letzten Jahren zu kurz gekommmen. Das stört mich auf der einen Seite sehr. Aber auch hier gilt: Ohne Einsatz und Herzblut kann mich sich nicht einbringen. Und die Frage: Vielleicht ist das Herzblut im Alltag, vor Ort und „bei den Menschen“ besser aufgehoben als in einer virtuellen Schublade, mit der man meistens nicht die richtigen oder gar „das Richtige“ erreicht. Im direkten Leben kann man oft viel mehr bewirken. Hat mich nicht irgendwann mal eine Leserin darauf hingewiesen??

All diese Fragen muss ich immer wieder neu abwägen, denn nur wenn ich motiviert bin, kann ich gute Texte schreiben und vielleicht auch die Erwartung erfüllen, die andere an mich oder das Blog haben.

Nun, dieser Text ist ganz gewiss kein schmerzliches Ende, aber er soll helfen, die langen Pausen zwischen meinen Einträgen bessser zu erklären.

Bis bald,
Eure Julia

Categories: Schreiben
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