Posted by J.A. on Juli 13, 2010

Bahnfahren- gestern und heute

Sorry, wir haben die Menschen vergessen

Bahnfahren war früher eine schöne Angelegenheit. Zur Oma, zu den Verwandten, in eine große Stadt, es hat immer viel Spaß gemacht. Erinnert sich jemand noch an die alten Züge, da konnte man das Fenster runter ziehen und den Daheim gebliebenen zum Abschied winken!

Man saß nicht in diesen supermodernen Großraumabteilen, sondern ganz konventionell in einem Abteil mit sechs Leuten. Da musste man reden. Da musste man noch kommunikativ sein. Privatsphäre gab es nie viel, aber als Kinder durften wir meistens am Fenster sitzen, immerhin etwas. Manchmal haben wir aus Spaß was aus dem Fenster geworfen, aber nur wenn es keiner gesehen hat und das Abteil leer war. Oder wir haben das Fenster ein wenig runter gemacht, damit im Sommer kalte Luft reinkommt… dann ist immer ein Schaffner vorbeigekommen, meistens ein älterer Herr, der etwas streng geguckt hat und uns Kindern Angst gemacht hat.

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Posted by J.A. on Juli 8, 2010

Des Schlandes Traurigkeit

Traurigkeit hängt über ‘Schland. Eine tiefsitzende, graue Wolke hat den humorigen König Spielspaß hart auf der Tischkante der Realität aufschlagen lassen.

Was für eine Enttäuschung! Jetzt werden eilig die Fahnen eingerollt, die Schminke vom Gesicht gerubbelt, ja vielleicht werden wir noch das eine oder andere Mal grillen und da ist ja noch dieses Spiel um Platz drei, dieses undankbare.

Und was bringt uns dieses ominöse „Weltmeisterin der Herzen“? Nicht viel, schätze ich. Davon kann man sich nichts kaufen. Keine Feier diesmal, kein öffentliches Bejubeln wie 2006.

Deutschland, ich bin traurig um dich.

Traurig, denn es hat so schön begonnen – traurig, denn du zeigtest uns, dass es auch anders gehen kann. Mit vielen neuen Namen, mit viel Mut und erfrischendem Risiko.

Fußball, das war einmal die Welt der Männer, der knallhart kalkulierenden, manchmal etwas humorlosen Stachelbeinigen- und wie oft wurden wir als „Panzer“ beschimpft. Und das nicht nur wegen der kriegerischen Vergangenheit.

Sondern weil wir gestockt sind. Immer die Bälle hoch rein in den Strafraum, wo sie dem gegnerischen Torhüter in die Hände gekullert. Weil wir behäbig und ängstlich waren. Nicht angegriffen, sondern uns umlaufen lassen haben. Und gestern, weil wir diesen jugendlichen Siegeswillen, der so vielfach beschworen wurde, nicht abrufen konnten- gerade dann, als es wichtig war.

Vielleicht wäre ein Mann mit Erfahrung wie Ballack nun doch gut gewesen. Vielleicht, wäre, wenn. Ach, es ist doch zu spät.

Auch ein lauffreudiger und schussicherer Torjäger wie Müller hat uns gefehlt. Noch nichtmal freuen durfte er sich nach dem Spiel! Barsch wurde er von den Ordnungsliebenden verwiesen, keine emotionale-gnädige Zugabe für ihn, nein. Kein Trost. Ein Mann weint nicht. Trauer gilt es zu verdrängen.

Auch das ist Fußball. Man muss auch mal verlieren können. Das macht das Spiel erst wertvoll.

Nur aus Niederlagen kann man lernen und sich reifen.

Was für ein schwacher Trost.

Categories: Fußball
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Posted by J.A. on Juli 7, 2010

Langsam

best read/ heard to „Symphony“ or „Goodbye“ by Feveria

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Langsam neigt sich die Nacht dem Geiste zu.

Langsam werden die Lichter und Geräte heruntergefahren,
können sich erholen von ihrem ewigen Getriebe.

Langsam fließt die kalte, frische Luft in die stickigen Gemächer
und umfließt schmeichelnd die Beine.

Langsam bin ich müde und die Konzentration lässt nach.
Langsam gewöhne ich mein Gehirn an das Spiel der Neuronen in der Nacht.
Wo sie nicht gelenkt, sich hüpfend, tummelnd neu verbinden
spielen dürfen wie Kinder und frei wie der Wind.

Langsam lösen sich alte Verbindungen und entstehen neue,
Langsam wird eine gute Nachricht von einer schlechten gestört.

Langsam geht der Tag zu Ende,
Langsam fällt das Denken schwer.
Langsam sehe nicht mehr schwarz und weiß,
sondern nur noch grau
und quer.

Langsam.
Langsam geht es den Bach hinunter
Langsam muss ich mich lösen, um zu fließen
Langsam muss ich loslassen, um zu gewinnen.

Über die Geißel der Wachheit, die nicht mehr lässt von mir.

Langsam,
gibt es nichts mehr Neues
und die Augen fallen endlich zu.

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Categories: Lyrik
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Posted by J.A. on Juli 3, 2010

Ein guter Tag zum Freuen

3.7.2010

8 Uhr
Ein Land befindet sich klimatisch im Ausnahmezustand. Der heißeste Tag des Jahres, 36 Grad wurden gemeldet, 28 schon am frühen Morgen und mittags werden es 34. Ich schreibe wie eine Weltmeisterin an meinen Texten und haue in die Tasten, aber die Konzentration fällt immer schwerer, je weiter es auf den Mittag zugeht.

Habe keinen Hunger und trinke nur Kaffee.

12 Uhr
Drückende und schwüle Hitze liegt wie ein bleischwerer Teppich über dem Asphalt.

Die Blümchen ächzen unter der Hitze, aber sie halten ihr noch Stand. Kühles Wasser versüßt mir den Nachmittag. Die Beine werden in einen Bottich getaucht. Draußen, im grellen Sonnenlicht ist es kaum auszuhalten.

Aber wohin? Auch drinnen ist es zu warm, die Wände halten inzwischen eine Temperatur von 28 Grad und das Abkühlen über Ventilator oder Lüften bringt keine Erleichterung mehr. Die Nacht war schlecht und kurz, ich fühle mich zermatscht wie nach einer alkoholisierten Party und bin doch ganz nüchtern. Dennoch in einer ständigen, heiteren Stimmung, die mir schon fast ein wenig unheimlich ist.

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Posted by J.A. on Juli 2, 2010

Die Präsi-Wahl

Okay, die gute Nachricht zuerst: Es ist vorbei.

Die Schlechte: Wofür steht Christian Wulff? Und warum ist es so verdammt heiß hier?

Ja, es war recht spaßig, die Reaktionen der WM-geprüften Twitterer zu lesen und nach langer Zeit auch mal wieder senfabgebend tätig zu sein. Sehr spannend: Im einen Fenster den ARD-Livestream im Bundestag zu verfolgen und im anderen Fenster die Twitters mit ihren Meinungen dazu. Vielmehr „live“ geht eigentlich nicht. Theoretisch könnte man auch seine twitternden Wahlmänner oder – Frauen anschreiben und sie darauf drängen, so oder so zu wählen. Sogar den Wahlzettel konnte man als „Twitpic“ anschauen. Okay, grau so wie meiner auch. Zum Greifen nah! Toll!

Mit Twitter hat jeder „Prominente“ und nicht ganz so Prominente seine Telefonnummer im Internet stehen- wenn man darüber nachdenkt ein wirkliches Novum, was die Transparenz und Bürgernähe angeht. Nur schade, dass die leicht abgewandelte Fußball-Weisheit „…und am Ende gewinnt immer Schwarz-Gelb“ auch diesmal galt. Aber Twitter wird generell ein wenig überschätzt, kann man z.B. hier nachlesen.

Ein paar vereinzelte Fans der deutschen Polit-Mannschaft haben sich sogar vorm „deutschen Reichstag“1 versammelt und warteten gespannt auf den „Sieger“

Bleibt die Frage: Haben wir überhaupt eine Wahl? Wir könnten, wenn wir wollten, selbst auch prominent, berühmt und theoretisch sehr einflussreich sein. Sind wir aber nicht. Wir hätten halt auch Jura und BWL studieren können. In der Schule mehr lernen. Ehrgeiziger und gerissener sein, wäre gut gewesen, wenn….

Also bleibt uns nur die Beobachter-Rolle, die der Ereiferer, die der Kritisierer und die wichtige Meckerer-Rolle und natürlich die Klugscheiß-Rolle, die ist besonders schön.

Und von der Couch meckert es sich bekanntlich besonders gut, was ich noch vermisse, ist die Möglichkeit bei BWIN auf einen Bundespräsidenten Kandidaten wetten zu können, das wäre doppelt spannend gewesen. ;-)

Gauck vor, noch ein Tor, Komm mach das Ding, nein ABSEITS, grobes Foul der Linken, Buh! Der Schiedsrichter ist eine Pfeife, aber lustig.

Dabei-Sein ist alles. Brauchen wir noch mehr Aussagen?

Vielleicht die der Nachdenkseiten:  http://www.nachdenkseiten.de/?p=6059

Dann war da noch der Titanic-“Gag“: Hauptsache auffallen und auch mal in den Medien sein, gell. Okay, ich verlink euch, ihr Spaßvögel…

Aber warum ausgerechnet Martina Gedeck? Weil die eigene Reputation und das Image nicht mehr ausreicht, um ernst genommen zu werden?

Traurig-garstige Schreiberlinge! Möget ihr mir ein Vorbild sein…


Anmerkungen:
  1. hmm räusper, muss das nicht Bundestag heißen? Stimme aus dem Off, off. []