Archiv: Juni 2010
Wenn das Wörtchen wenn nicht wär…
wär es doch kein Fußball mehr!
Endlich mal wieder ein gutes Fußball-Spiel, das man gestern im Fernsehen bewundern konnte! Deutschland gegen England war angesagt, der Klassiker unter den Soccer-Matches, in den letzten Jahren oft aufgeheizt durch unsinnige Weltkriegs-Parolen und anderen Unsinn, der den Fußball (und die berichtenden Medien) in ein schlechtes Licht rückte. Das Achtelfinale gestern war allerdings frei von üblen Fouls und der Ton auf und außerhalb des Rasens war erfreulich freundlich, fair und kooperativ. Eine Sache, die diesen Sport attraktiv und sehenswert macht und sein Favoritenrolle als Volkssport weiter ausbaut- zu Recht.
Das Spiel bot wirklich alles, was das fußballbegeisterte Herz für einen guten (und nicht verschenkten) Nachmittag braucht: Aufregende Zweikämpfe im Mittelfeld, viele Torchancen und letztendlich auch viele Tore. Und dann war da noch das umstrittene „Wembley-Tor“, was seinem Namensgeber alle Ehre machte und nun eine kleine Revanche für das gegen Deutschland (zu Unrecht) gegebene Tor damals gewesen ist.
Was für eine Ironie des Schicksals! Das halbe Publikum im Stadion hat es gesehen, und gefühlte 28 Millionen Zuschauer vor den Fernsehern1 konnten Zeuge einer Fehlentscheidung werden und wiedereinmal schwebt die bange Frage im Raum : Brauchen wir einen Videobeweis? Brauchen wir einen fünften Schiedsrichter? Brauchen wir kleine RFID-Chips im Ball, brauchen wir eine voll-automatisierte Lagerverwaltung, brauchen wir eine Kühleinrichtung für überhitzte Gemüter, brauchen wir genetisch veränderten Kunstrasen, brauchen wir ein in 3D-simuliertes Fußballspiel, der Richter u. Gott ist der Computer, und der macht bekanntlich keine Fehler! Zu viel rennen in der Sonne ist sowieso ungesund… Lasst die Jungs doch lieber am PC daddeln, drückt ihnen einen Controller in die Hand und gut ist…
Aber nein! Der Fußball-Veteran Günther Netzer hat sich bewusst dagegen ausgesprochen, auch wenn ich seine Argumente nicht ganz nachvollziehen konnte. Übrigens: Der CO-Moderator erinnert mich an sehr, sehr alte Zeiten und wird es nicht mal Zeit für jemand anderen? Gibt es nicht genug Fußball-Experten, die es besser machen könnten und ihren Teil dazu beitragen? Olli Kahn im ZDF zeigt, wie ironisch-fröhliche Spielanalyse bei gleichzeitig hohem Sachverstand aussehen kann. Zum „inneren Reichsparteitag“ seiner Kollegin sag ich jetzt aber lieber nichts…
Fußball ist Drama, Fußball ist Krieg! Das ist doch genau das, was ihn ausmacht: Das Unberechenbare, das Opfer-Sein von Glück und Unglück, die Nicht-Vorhersagbarkeit auf dem Platz.Nur dadurch schafft er eine Identifizierungsmöglichkeit für den mitfiebernden Zuschauer, nur dadurch bleibt er spannend und authentisch.
Würde man dem Fußball dieses letzte Quentchen menschlicher Unsicherheit und Fehlerlastigkeit nehmen, würde man ihn seelisch kastrieren, dann würde nur noch eine mechanische Hülle übrig bleiben, ein seelenloses Ding, ohne Spannung ohne Moral. Dann wäre es ein Spiel, aber kein Fußball mehr.
Wer aber zurecht zu kritisieren ist, dann sind die fehleranfälligen Schiedsrichter: Hier sollte in Zukunft besser ausgewählt, besser trainiert und noch genauer hin geschaut werden. Da war der eine Schiedsrichter, der Gelbe Karten wie sonst nur fröhliche Kölner Kamelle unter das Volk, verteilt hat. Und das man einen Ball, der einen halben Meter im Tor war, nicht erkennt, ist ein grober Schnitzer, der kaum zu verzeihen ist. Wo bleibt die überfällige Qualitätssicherung für fehleranfällige Männer in Schwarz, die über das Wohl und den Untergang ganzer Nationen-Gemüter entscheiden?
Die deutsche Mannschaft war zum Glück deutlich besser als die englische. Sie haben haushoch, zu Recht gewonnen und das „Ding klar gemacht“. Der zuletzt so sehr gescholtene Klose glänzte mit seinem wichtigen Ersttreffer wie in alten Zeiten, auf den linken Fuß von Podolski war wie immer Verlass. Und dass dieser Müller verdammt gute Tore schießen kann und somit schon als Torschützen-Favorit gehandelt wird, ist ein erfreulicher Nebeneffekt.
Jetzt kommen also die Argentinier. Kein leichter Brocken. Aber mit dem Teamgeist, sollte es eigentlich möglich sein.
Sollte. Wenn …
Anmerkungen:
- Quelle: http://www.derwesten.de/sport/fussball/wm2010/DFB-Elf-erzielt-hohe-Einschaltquoten-id3107218.html [↩]
Oberlehrer vs. Oberlehrer
1:0 für die Diplomatie
Quo vadis, Blog? Diese Frage habe ich mir schon öfters gestellt, aber diesmal habe ich einen sehr konkreten Zusammenhang, bei dem es sich lohnt, darüber nachzudenken (finde ich). Ich frage mich derzeit, was man mit einem Blog überhaupt erreichen kann, vor allem bei den Blogs mit einem politischen Hintergrund oder die rein privaten Blogs (die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben). Der Aspekt der kommunikativen Botschaft interessiert mich, aber auch die Frage, wie wir Menschen aufeinander bezogen sind und ob das gut so ist.
Die Botschaft: ist das Ziel
Bei beiden Herangehensweisen möchte man ja etwas erreichen: Bei den politischen Blogs möchte man eine Meinung verbreiten, bei den privaten Blogs möchte man vielleicht Rückmeldung, Anteilnahme, „Freundschaften“ und Austausch im Allgemeinen. Nichts ist ohne Sinn und Absicht und ein zeitintensives Medium wie ein Blog o. Twitter schon gar nicht.
Wenn ich z.B. auf Twitter unterwegs bin, gibt es sehr viele Menschen, die mir ihrer Meinung aufs Auge drücken, ob ich will oder nicht. Das Ganze ist dann mit einem „Werbe-Spam“-Effekt zu vergleichen: Man bombardiert die anderen einfach ohne zu fragen mit politischen Ansichten und Links und hofft dann vielleicht, dass sich jemand dafür interessiert oder sogar umstimmen lässt. Ob diese Meinung überhaupt akzeptiert oder hinterfragt wird, steht nicht im Raum. Viele Meinungen stehen einfachen parallel im Raum, ohne dass die Menschen wirklich aufeinander eingehen und ich denke, dann erreicht man mit dieser Meinung auch nichts. Vielleicht gewinnt man ein paar Zustimmer, ein paar Mitläufer, die gerade zufällig im luftleeren Raum der Gedanken standen, aber seine ‘Feinde’ wird man damit kaum überzeugen.
Ist das gerecht gegenüber denen, die nicht arbeiten?
Ein Tag im Leben eines leidenden Vertriebsingenieurs
Montag, 6 Uhr
Eine schöne Frau kommt auf ihn zu, mit einem Hauch aus Nichts bekleidet. Er liegt am Strand, die Sonne blendet. Die kurvenlastige Unbekannte scheint ihn anzuflirten, aber sie sieht nicht aus wie Eva, nein eher wie… Er will nach ihr greifen, sie lächelt ihn an. Sie beugt sich über ihn und gerade als sie ihren Mund an seinen bringt… KNAATZ KNAATZ KNAATZ KNAATZ zerstört der etwas altertümliche Klingelton des Radioweckers seinen erotischen Traum.
Der leitende Vertriebsingenieurs (auf den Namen Holger getauft) blinzelt auf die Anzeige des nervigen Störenfrieds. „Ist es wirklich schon so spät?“- guckt er griesgrämig-ungläubig auf das Display. Er kratzt mit dem Handrücken seiner linken Hand über seine Bartstoppel, da fällt ihm ein, dass er sich heute beeilen muss, weil er ein wichtiges Meeting hat.
Also schnell in die Pantoffeln gesprungen, den Bademantel übergestreift und in die Küche geschlichen. „Gääähn“ sagt er, als er seine Frau sieht, die bereits den Kaffee aufgesetzt hat. „Oh das ist nett, Liebes.. hast du schon die Zeitu..?“
„Liegt auf dem Tisch, Bärchen.. und du wolltest Croissants, stimmt´s?“ Eva hat dunkelbraune fast schwarze Haare, die sie aber gerne mal färbt, ist immer schick gekleidet und achtet sehr auf ihre Haut und ihr Aussehen.
Für ihre 45 Jahre hat sie sich noch gut gehalten, ist sportlich, nicht zu dick und auch mit diesen Dellen an den Oberschenkeln hat sie trotz der Schwangerschaften nur wenige Probleme. Sie hat viele Hobbys, unter anderem ist sie künstlerisch und im Hausfrauen-Verein aktiv, wo sie sich jede Woche zweimal treffen, um Rezepte und Fotos von den Enkeln auszutauschen. Außerdem hat sie einen kleinen unbedeutenden Posten im Ortsverband der SPD und leitet dort die Bücher, aber nicht wirklich motiviert. Das meiste sind Männer und..
„Äh ja, oh das ist super danke.“ Der leitende Vertriebsingenieur lächelt sie kurz an, aber es ist zu kurz, um wirklich Wärme auszustrahlen. Seine Frau ist das gewohnt und sie denkt sich nichts dabei. Sie haben zusammen zwei wunderbare Kinder, Peter und Lisa, und ein sehr schönes Leben in ihrem kleinen Einfamilienhäuschen im Vorort der Stadt. Das Leben läuft perfekt. Sie hat – wie ihr Mann- etwas Kaufmännisches studiert, aber nach dem ersten Kind den Job aufgegeben, denn sein Geld reicht völlig und durch die vielen Beförderungen in den letzten Jahren… naja, sie können sich nicht beschweren.
Sicherlich, es kriselt manchmal in ihrer Ehe, aber wo kriselt es nicht? Kein Grund, um sich Sorgen zu machen. Wirklich nicht.


