Archiv: Mai 2010
Germany- 12 Points
Heute sind wir alle Lena.
Gestern abend um acht war ich´s noch nicht. Aber inzwischen denke ich ernsthaft darüber nach, mir die Haare dunkel zu färben, einen grellroten Mezzomix-Lippenstift zu kaufen, die Nägel zu lackieren und das kleine Schwarze wieder aus dem Schrank zu kramen, weil eh.. die Frau ist so HAMMER!
Okay zugegeben, das von ihr interpretierte Lied ist nicht soo schlecht. Ich hab es am Anfang rauf und runtergehört und gedacht „hm, das könnte was werden, das ist zumindest mal ein Ohrwurm!“
Ach ne, es muss ja „Song“ heißen. Heute ist ja alles englisch, so auch Lena und ihre irisch oder schottisch anmutende Dialekt-Interpretation. Und ihr Tanzstil erst! Hui, der ist so anders, so … hm unverkrampft? So undeutsch vielleicht?
In diesem Artikel trafen sich ein paar langweilige Musik-Theoretiker und haben sich mal über die musikalische Qualität ausgelassen Sie kamen zu dem langweiligen Schluss, dass die Musik-Qualität nicht so gut ist und die von ihrer ausgeschiedenen Konkurrentin höher, aber wen interessiert das jetzt noch?
Fassen wir zusammen: Die kleine, süße junge Frau mit dem süßen Kose-Namen „Lena“ (den feministischen Nachnamenszusatz lassen wir lieber weg, der ist so kompliziert zu schreiben und zu merken) ist ..äh.. ja klein und süß und schmollt und spielt ständig mit ihrem Mund herum, als ob sie einen Kaugummi kauen würde. Ich hab in der ganzen Zeit der Berichterstattung noch nicht einmal erlebt, dass sie zwei vernünftige Sätze mit mehreren Kommas und Argumenten hintereinander gesprochen hat. Meistens hat sie gekichert, gelächelt, irgendeinen Unsinn vor der Kamera getrieben, mit den Moderatoren geflirtet, sich selbst promotet- aber hey, das ist doch egal oder? Denn sie hat GEWONNEN! Und sie hat den großen Onkel Raab als Ziehvater, das muss reichen. Denn der nette Onkel kennt sich aus mit dem Mediengeschäft und zur Not „zeigen wir auch mal den Hintern in die Kamera“1
Und das ist es, was zählt, in dieser Welt. Der Hintern. Aussehen. Gewinnen. Die Masse begeistern. Unverkrampft und authentisch sein. Nicht so negativ, deutsch, wertend, neidisch… sie verdreht all die deutschen „Tugenden“ in ihr Gegenteil und das ist ihre wahre Stärke. Und sie ist stärker, als sie vorgibt zu sein. Sie wirkt zerbrechlich, mädchenhaft, noch nicht ganz ausgereift – aber doch ist sie ein Profi, wenn es um die Ausstrahlung und den Showeffekt geht.
Okay, ich merke, der Artikel wird negativ. Bin ich etwa neidisch …Könnte sein…
Also doch Haare färben.
gnihihi!
LENA ! LENA ! LENA ! LENA ! LENA !
Anmerkungen:
- O-Ton Lena, als sie in einer TV Total- Sondersendung interviewt wurde [↩]
Planet der Affen – Rezension
„Planet der Affen“ von 1968 , noch so eine Wissenslücke in meiner Filmografie, die ich gestern abend schließen konnte. Während sich Öffentliche u. Private mit Shows und Wiederholungen übertrafen, konnte man sehr spät (0 Uhr) auf einem Privatsender diesen Klassiker der Filmgeschichte bewundern.
Trotz der späten Stunden riss der Film einen gleich in seinen Bann und machte es schwer, abzuschalten.
Inhalt
(Spoiler: am besten nur lesen, wenn man den Film schon kennt)
Vier Astronauten versuchen einen Zeit- und Distanzsprung von der Erde der nahen Zukunft aus. Dieser Sprung funktioniert, doch eine weibliche Astronautin überlebt die Zeitverschiebung nicht, die anderen drei landen mit dem Raumschiff in einem großen See und drohen zu versinken. Nur mit letzter Kraft schaffen sie es ans Ufer und erkunden den fremden, wüstenähnlichen Planeten. Schon nach kurzer Zeit stellen sie fest, dass die Vegetation wieder zunimmt und entdecken einen Stamm „primitiver“ eingeborener Menschen. Diese verhalten sich eher wie Tiere, können nicht reden und pflücken Früchte von den Bäumen, um sich zu ernähren. Viel Zeit für eine Kontaktaufnahme bleibt nicht, denn kurz darauf erscheinen Affenmenschen, die reden und auf Pferden reiten können und eine brutale Hetzjagd auf die Menschen veranstalten. Dabei wird ein Astronaut getötet und die anderen beiden gefangen genommen.
Im Laufe des Filmes zentriert sich die Perspektive auf einen einzigen Astronauten, den die ansässige Wissenschaft für etwas besonderes hält, weil er Mundbewegungen macht, auf Zettel schreiben kann und sich auch sonst sonderbar verhält. Man hat ihn in einen Käfig eingesperrt, reden kann er wegen einer Kehlkopfverletzung durch eine Kugel noch nicht.
Der Affenstaat ist eine theologische, beinahe fundamentalistisch geprägte Kultur und ihre Anführer versuchen mit aller Macht, die wissenschaftliche Sensation in ihrem Käfig schlecht zu reden oder zu vertuschen. Denn eigentlich ist man der Meinung, dass die Menschen Tiere seien, brutal und gefährlich und schnellstmöglichst ausgerottet werden müssen. Sie haben schon gar keine Intelligenz, können nicht reden und müssen daher von den Affenmenschen unterjocht werden.
Letztendlich beschließt man nach einem sehr ungerecht ablaufenden Tribunal, dass dieser Mensch für weitere Gehirn-Versuche herhalten muss und kastriert werden soll (damit sich die Menschenrasse nicht weiter unkontrolliert vermehrt). Zwischenzeitlich erfährt man, dass der andere überlebende Astronaut bereits am Gehirn operiert wurde und sich nun genauso dumm wie die anderen Menschen verhält. Dies reicht dem Gericht als Beweis für die Unfähigkeit der Menschen aus. Das dieser Beweis augenscheinlich manipuliert wurde, interessiert niemanden.
Die beiden Wissenschaftler schlagen sich nun immer stärker auf die Seite des Menschen und versuchen zusammen zu fliehen, da sie mittlerweile auch der Ketzerei angeklagt sind. Vor einer Höhle mit Ausgrabungen einer menschlichen Kultur (unserer Jetzt-Zeit) kommt es zum Showdown: Die Verfolger stellen die Geflohenen, es kommt zu einem Schusswechsel. Man möchte die Verfolger überzeugen, dass sie unrecht haben und die Beweise präsentieren.
Nach einer gemeinsamen Besichtigung der Höhle, die zuerst friedlich verläuft, spitzt sich die Situation wieder zu.
Da sich die Verfolger unerbittlich und uneinsichtig zeigen, wird der Richter gefangen genommen und als Pfand kann der Astronaut auf einem Pferd entkommen, seine Begleiter werden daraufhin festgenommen. Der oberste Richter und Kleriker bricht sein Wort und befiehlt, alle Beweise in der Höhle mit Dynamit zu vernichten.
Nach ein paar Minuten kommt der Astronaut in die „verbotene Zonne“ und stellt fest, dass hier die Überreste seiner eigenen Zivilisation zu finden sind, weil er auf die Reste der Freiheitsstatue stößt. Ihm dämmert, dass sie nicht im Raum, sondern nur in der Zeit gereist und somit auf dem gleichen Planeten geblieben sind.
Mit einem entsetzten Schrei und dem wiederholten Rufen von „ich verfluche euch“ endet der Film.1
Deutung & Bewertung
Planet der Affen ist für die damalige Zeit ein technisch hervorragender umgesetzter Science-Fiction Film, der sich hinter Größen seiner Zeit nicht zu verstecken braucht. Vor allem die Masken der Affenmenschen und die Ausstattung der Szenerie kann überzeugen.
Durch die Romanvorlage ist er allerdings kritischer als viele action- und massenpublikum-taugliche Streifen des damaligen (und heutigen) Kinos. In seiner Aufmachung erinnert er an alte amerikanische Western (reiten, die Dörfer, die Eingeborenen- Indianer, die Umgebung, die Stufe der Kultur, usw.), die Zukunftselemente kommen nur am Anfang vor. Die Zeitreise in die Zukunft ist mehr eine Zeitreise in die Vergangenheit.
Vor dem Hintergrund des kalten Krieges ist die Kritik an der eigenen Auslöschung der menschlichen Kultur nicht zu übersehen. Auf eine paradoxe Weise werden hier die Rollen zwischen dem übermächtigen Menschen und den „niederen“ Affen vertauscht. Dies ist zudem ein ganz eindeutiger Seitenhieb auf die Ideologie der mittelalterlichen Kirche, die ja die Evolutionstheorie auch lange geleugnet hat und den Menschen als etwas besonderes, jenseits aller anderen Tierarten herausheben wollte.
Die Sturheit der Menschen (bzw. Affen) ist das tragende Stilelement, ihr fundamentalistischer Glaube an eine einzige Wahrheit, die Vermischung von Wissenschaft mit Gesetzgebung und Religion, wie es sie ja früher tatsächlich gegeben hat.
Ganz egal wie vernünftig der Astronaut seine Situation zu erklären versucht, er wird einfach nicht gehört, man will es nicht wahrhaben.
Dadurch wird eine Atmosphäre des Paradoxie und der Angst beschworen, die der Film sehr gut einzufangen weiß und die sich eins zu eins auf den Zuschauer überträgt.
Fazit
Planet der Affen ist ein Zeitzeugnis der damaligen Befindlichkeit und ein sehr guter, gesellschaftskritischer, aber dennoch spannender Film.
Er verdient zurecht den Status „Kultfilm“.
Was mir jetzt noch in der Sammlung fehlt, sind die anderen beiden Teile und vor allem die Romanvorlage, die noch um einiges besser und satirischer als die Filme sein soll.
Anmerkungen:
- Anmerkung: Auch wenn es nicht explizit hervorgeht, dieser Ausruf gilt wahrscheinlich seiner eigenen Zivilisation. [↩]
Wo stehst du
Von vielen Lesern den vielen unsichtbaren Stimmen in meinem Kopf werde ich manchmal gefragt, was denn meine politische Einstellung wäre, da es manchmal so schwierig sei, mich darin eindeutig festzunageln. Es gäbe solche und solche Texte und ein Mangel an Eindeutigkeit sei immer mal wieder aufgefallen.
Ich sage ihnen dann ganz ruhig und unaufgeregt: „oh das ist nicht schwer – ich neige zu einem ganz eindeutigen links-mitte-rechts-grün-lila-grau-buntem Gedankengut mit ein paar Anleihen aus der orthodoxen Mitte, nicht aber ohne die winzig kleinen Nuancen des Rechts-Außen, durchsetzt mit nicht wenigen feministischen Gedanken, die dann wiederum mit paternistischen u. patriarchalischen Streitschriften abgeschlossen werden. Also eigentlich ganz einfach.“
Nein, genau deswegen, weil ich mich eigentlich nicht festlegen kann und will, bin ich Bloggerin geworden.
Anmerkungen:



