System krank, Patient gesund

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Was für ein schöner Montag-Morgen! Ich sitze hier am Computer, und der anstehende Arzt-Termin drückt mir im Nacken. Wie konnte ich nur auf die blöde Idee kommen, ihn gleich Montag Morgen zu legen, so früh und dann auch noch im Winter?? Draußen hat es geschneit, die Straßen sind glatt, die Motivation liegt bei gefühlten 10 Grad unter Null…

Vor Arzt-Terminen hab ich mich lange gedrückt, im Grunde denke ich auch, dass wir Deutschen viel zu oft im Jahr zum Arzt gehen. Ca. 18 – mal stand in der Statistik und damit sind wir Weltspitze. Ich gehe nicht so oft. In den letzten Jahren seit dem Umzug bin ich fast gar nicht gegangen und wisst ihr was: Mir geht es trotzdem gut.

Ich habe die meisten Wunden selbst verarztet, bei Kopfschmerzen eine Tablette eingeworfen oder PMR gemacht… wenn ich Durchfall hatte, die Ernährung umgestellt, bei Rückenschmerzen mich mehr bewegt. Gegen die Depressionen hilft Tagebuch-Schreiben oder ein Gespräch mit Freunden, bei akuten Wutanfällen einfach mal nach draußen gehen und eine Runde beim Sport abreagieren und auch andere Hausmittelchen bieten für die meisten Leiden doch Gesundheit im Überfluss.

Wann hat der Mensch denn wirklich mal eine ernste Krankheit, und wieviel Weh-Wehchen kann man selbst behandeln? Ich hab das sogar mal irgendwo gelesen, dass diese Eigeninitiative, die Selbst-Verantwortlichkeit des Patienten eigentlich gefördert werden soll. Jeder Gang, den man sich zum Arzt spart, ist doch auch gespartes Geld für das System. Jedes Medikament, dass man sich nicht verschreiben lässt, ist gespartes Geld.

Leider liegt es in der Natur der Dinge, dass man das Wohl der Gemeinschaft nicht sieht, wenn der Einzelne verzichtet. Man sieht bei solchen Dingen immer nur das eigene Wohl, aber die Gemeinschaft erlischt unsichtbar vor einem verschwimmenden, kontrastarmen Hintergrund. Und das macht das Verzichten eben schwer, Verzicht ist sowieso keine Tugend der modernen Welt, im Gegenteil. Alles soll machbar werden, schnell, erreichbar und perfekt- aber wer bezahlt das Ganze? Geht es beim Gesundheitssystem vielen nicht darum, wenig einzuzahlen und viel rauszuholen, also den persönlichen Profit zu erhöhen? Oder tut man den Menschen Unrecht und kann ähnlich wie bei der Arbeitslosendebatte kaum zwischen Nutznießern und wirklich Betroffenen unterscheiden?

Sind die wirklich Bösen vielleicht doch eher die Pharmakonzerne, die Preisabsprachen und die Gewinnsucht in den verschiedensten, auch oft verborgenen Stellen?

Natürlich , es würde mich nun nicht wundern, wenn jetzt das Argument mit den Vorsorgeuntersuchungen käme… oder dass der Sparwahn genau das Falsche in der Gesundheitspolitik sei, und dass man als nicht Fachkundige sowieso keine Meinung haben darf…

Gegen Vorsorge ist auch nichts einzuwenden, im Gegenteil, was ich meine, sind die sinnlosen, doppelten und völlig überflüssigen Arzt-Besuche und Medikamenten-Verschreibungen.

Es geht doch bei der Gesundheitspolitik auch um uns Menschen, um die persönliche Einstellung und der individuellen Gesundheit von Tausenden, wenn nicht Millionen Menschen. Und wieviel moderne Zivilisationskrankheiten gibt es, die von nichts anderem herrühren, als unseren modernen, unsgesunden Lebensstil, dem Bewegungsmangel, z.B? Der ungesunden, zu fettreichen Ernährung, dem Übergewicht, den vielen Zuckern und der puren Bequemlichkeit folgend? Wieviel Depressionen und psychotische Veranlagungen könnten allein geheilt werden, wenn die Menschen freundlicher zueinander wären, wenn sie sich mit mehr Liebe und Respekt behandeln würden. Aber ich schätze, „Liebe“ ist kein Faktor, mit dem man in solchen Systemen rechnet. Es ist immer nur das Geld, mit dem man rechnet und doch ist es meist der falsche Ansatz.

Was die Selbst-Therapie freilich nicht schafft, ist der menschliche Faktor. Man kann sich eben selbst keinen Mut machen. Man kann sich eben selbst nicht zuhören oder sich Zeit für sich selbst nehmen.

Wirklich nicht? Mal ehrlich, wieviel Zeit verbringt man im Leben mit Selbst-Analyse, mit Selbst-Gesprächen und Tagebuch schreiben.. und wieviel Zeit sitzt man einem „professionellen“ Arzt gegenüber und lässt sich von seinen schönen Worten behandeln?

Wenn ich nur an die Warterei im Wartezimmer denke, dann muss ich sagen: Je weniger Arzt, umso besser. Und ich bin heilfroh, wenn ich nichts habe und mir das schenken kann.

So wie zum Glück meistens oder fast immer…

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4 Kommentare

  • Nun, eine geradezu großartige Therapiemaßnahme wäre die Teilnahme am TMWYLTT-Projekt 🙂 Ich könnte mir Dich als Teilnehmerin jedenfalls sehr gut vorstellen …

    Zustimmen möchte ich dem Teil Deines Artikels, der sich um Liebe und Gespräche dreht. Häufig könnte der Friseur den Arztbesuch ersetzen und mehr Liebe macht mit Sicherheit weniger krank. Mehr Eigenverantwortung für ein gesünderes Leben ist auch eine grandiose Therapie … doch leider spielt das Geld eine zu große Rolle und Solidarität ist für die meisten ein Fremdwort. Brauchen wir wirklich eine PKV? Darüber sollte ich wohl auch einmal etwas schreiben.

    Habe eine schöne, gesunde Woche …

  • Hallo Geheimrat, schön von dir zu hören und danke für deine letzten beiden Kommentare. auch du bist ein Mensch, der mit seiner positiven Ausstrahlung zur Gesundheit beiträgt.. das freut mich sehr. 😉

    Aber was ist denn eigentlich TMWYLTT ?

    mfg, Julia

  • Oh, vielen Dank 😳
    Und das TMWYLTT-Projekt erklärt sich hier: http://tmwyltt-projekt.aushilfsgoethe.de

    Wenn DU mitmachtest, wäre es gleich doppelt so wertvoll …

  • TMWYLTT klingt fast wie ein TV-TOTAL Titel 🙂
    Ansosten ehy, genialen Artikel. Ich finde auch: Artbesuche sind zu steril geworden, ein bisschen mehr Gespräch und liebevolles umgehen wäre angesagt….

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