Posted by J.A. on November 14, 2009

Nur eine weitere Krise

sonnenuntergang2

Oder: warum es sich lohnt, positiv zu denken

Tja, was soll ich sagen, es zieht sich schon durch das ganze Jahr. Was im letzten Jahr langsam angefangen hat, hat sich 2009 angehäuft und ist mir nun völlig bewusst: Ich habe keine große Lust mehr zu bloggen. Die Sonne ist weg und der Druck zu Schreiben auch.

Ich habe wohl alles aufgeschrieben, was auf meiner Seele lag, was ich meinte, formulieren zu müssen. Die Dinge, die neu kommen, kann ich auch für mich behalten oder im Tagebuch aufschreiben.

Die große Suche nach Besuchern und Lesern hatte ich sowieso nie und Geld verdienen wollte ich auch nie mit meinen (öffentlichen) Texten.

Den Versuch, mit dem Schreiben die Welt besser zu machen, habe ich auch nicht mehr. Spätestens seit dem Ende meiner Krankheit und der Erkenntnis, dass es nun einfach „normal“ weiter gehen soll (was für sich auch ein Kampf war). Ich bin sogar froh sagen zu können, dass ich das erste Mal seit 2001 nicht mehr abhängig von meiner Webseite, den Rückmeldungen oder meinem öffentlichen Tagebuch bin.

Ich bin einfach an einem Punkt angekommen, wo ich ganz normal glücklich sein kann, auch ohne Webseite.

Patient geheilt, Blog tot?

Ich finde, das ist eine wichtige Erkenntnis. Ich mache mir inzwischen auch keine Illusionen mehr, die Blogs und Leser so wie sie momentan in Deutschland sind, haben einfach keine Macht, irgendwas zu ändern.

Die große Blog-Welle, die vor ein paar Jahren begann, ist am Strand ganz leise ausgelaufen und hat keine weiteren Folgen nach sich gezogen. Die Meinungskultur in Deutschland ist nicht bereit für eine so offene Bürger-Diskussion auf breiter Linie. Die meisten Leute wollen nicht über die wichtigen Dinge im Leben diskutieren. Sie könnten zwar, aber sie wollen nicht. Die Dinge anzustoßen und laut gegen die Gesellschaft aufzuschreien ist eine Aufgabe von jungen Menschen, die viel Zeit und Energie haben (Studenten z.B.).

Wenn man erstmal so alt wie ich ist (hüstel), ja dann gibt es wichtigere Dinge. Z.B. Bausparverträge, Fernreisen, Supermarkteinkäufe oder Börsennachrichten.

Viele Leute lesen zwar online und die klassischen Zeitungen werden mit der Zeit immer unwichtiger. So bleibt auch die leise Hoffnung, dass große Massenmedien (mit den vier Buchstaben z.B.) irgendwann an Macht über die Köpfe verlieren, aber was soll man als kleine Nischen-Schreiberin schon ausrichten? Die haben ein Hochhaus, unendlich Kohle und tausend schlaue Menschen- ich dagegen nur 10qm, einen alten PC und mein viel zu kleines Gehirn!

Nein, egal in welche Richtung ich schaue, ich habe für kein Ressort meines Denken und Schreibens noch Lust, vor allem nicht auf das Bloggen. Schon erstaunlich, wie sich das ändern kann! Es ist wie ein Spiel. Es gibt Tage, da wache ich auf und tausende Gedanken strömen nur so aus meinem Bewusstsein und bahnen sich einen Weg in die Öffentlichkeit. Dann wieder gibt es diese stillen, leisen Tage wie im November, wo mir kaum was einfällt und ich auch ziemlich depressiv über die Welt nachdenke.

Wenn man genau hinschaut, nimmt man mit dem Schreiben nur die (eigentlichen) Taten vorweg. Man simuliert das Leben, man verpasst aber, es zu leben.

„Das Internet hat die Pubertät verschluckt“- so oder ähnlich hat jemand in der Sendung Scobel (3Sat) vor ein paar Tagen die Feststellung gemacht.

Das ist wahr. Anstatt miteinander zu reden, schreiben wir in unsere Tagebücher. Anstatt auf den Menschen zuzugehen und ihm Mitgefühl zu schenken, klicken wir auf „Das gefällt mir“. .. Anstatt zu unserer Oma zu fahren und unsere neusten Fotos zu zeigen, präsentieren wir wildfremden Leuten unsere Galerien.

Das Internet gibt sich so sozial, aber es ist seltsam menschenlos und steril. Diese Erkenntnis bleibt und bleibt und bleibt..

Die Sphäre der Gedanken ist schön und macht süchtig, aber sie bleibt am Ende nur eine Scheinwelt, ist mit der realen Welt kaum verbunden.

Ich möchte nicht sterben und wenn mich jemand fragt, was ich die ganze Zeit gemacht habe, sagen:

Gebloggt.

In ein Tagebuch, das keiner liest, das keine Erkenntnisse produziert und letztendlich nur mir selbst etwas brachte.

Pro?

Nein, wenn ich objektiv darüber denke, und nur analytisch gibt es keine erkennbaren Gründe, die für das Blog schreiben sprechen. Wenn ich an die Gefühle und den immateriellen Nutzen denke, wird es schon anders. Ich denke z.B. darüber, wie andere Leute nun schmunzeln und vielleicht frotzeln „Oh schon wieder ein Artikel, der sich mit dem Bloggen selbst beschäftigt?“- und dabei haben sie selbst kein Blog mehr. Es wäre so blöd, als wenn man einen Philosophen anlächelt und ihn dafür kritisiert, dass er über das Leben nachdenkt. Er muss es jeden Tag tun, denn das Leben ist jeden Tag anders und so ist auch mein Blog und meine Motivation es zu schreiben, jeden Tag anders!

Mein Blog ist mein Ventil, meine Leinwand, mein Spiegelbild der Seele- und es hilft! Die Psychotherapie, Bildung, Kunst und die weichen Faktoren im allgemeinen werden in Deutschland noch viel zu wenig beachtet, aber ein Blog bietet eben genau das in Fülle, wenn man es richtig macht:

  • ein Blog regt zum Nachdenken an und klärt Gefühle
  • man formuliert seine Gedanken und Ansichten
  • man kann sich frei schreiben > somit ist es ein Werkzeug, um einen besseren Zugang zu sich selbst zu bekommen
  • man kommuniziert mit anderen und erfährt was von ihrer Welt > die Einsamkeit nimmt ab

Auch wenn ich tausend Millionen Euro auf meinem Konto hätte, das Geld könnte mir niemals das bieten, was ich durchs Blog schreiben erreiche: Einen inneren Seelenfrieden, Gelöstheit und Glück.

Was bedeuten da schon Besucherzahlen, Quoten, Pagerank und „Verlinkungsgrad“ ??

Wer kann das menschliche Glück schon messen?

Nein ich glaube, ich werde noch ein wenig weiter schreiben. Man kann ja nie wissen, das nächste Tief kommt bestimmt…

Categories: Freizeit
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Posted by J.A. on November 9, 2009

20 Jahre liegt die Mauer nun am Boden..

… doch viele hätte gerne wieder eine stehen.

Heute ist also dieser Jahrestag, den man so schwer umgehen kann, wenn man Radio hört oder Zeitung liest. Heute ist der Tag, an dem wir alle „kollektiv weinen“ uns gegenseitig an den Händen halten und andächtig der einzigen wirklichen deutschen Revolution für Freiheit erinnern müssen.

Ein paar Stimmen aus der Ministerriege ätzen sehr treffend gegen die Vernachlässigung im Straßenbau (wie ich im letzten Artikel mehr oder weniger auch festgestellt habe) und fordern den Aufbau West. Sehr gut, das finde ich auch. Es hat auch nichts mit Geschmacklosigkeit zu tun, es ist einfach so. Der Soli wurde lang genug gezahlt und zweckentfremdet. Schafft den Soli ab und kümmert euch um die wirklichen Probleme. Der Soli schürt den Hass, wo er längst nur zum Geld verschwenden instrumentalisiert wird.

Aber Wahrheiten sind bekanntlich schwer zu ertragen und am liebsten würden wir uns wieder mit Gedanken und Träumen und Visionen und sonstigen Dingen einlullen, die erstens an der Realität vorbeigehen und zweitens nicht zu bezahlen sind.

Was hat mir persönlich die Freiheit gebracht, warum soll ich mich dafür begeistern? Ich kenne niemand aus dem Osten und ich habe auch keine Bekanntschaften oder Freundschaften mit Ostdeutschen aufgebaut. Ich habe vielleicht mal Ostdeutsche gekannt, aber dauerhafte Freundschaften sind es (leider) nicht geworden.

Ich habe Verwandte aus dem Osten, die ich jetzt besuchen könnte, habe es aber nie getan (und sie haben mich auch nie besucht).

Nein, mir persönlich hat die Einigung nichts gebracht, aber ich finde es dennoch gut, dass das Unrechts-Regime beendet wurde. Wie es beendet wurde, das ist das Besondere. Es war das Volk selbst, die Stimmen der Künstler und Intellektuellen, die z.B. durch die Montags-Demonstrationen das innere Potential wachrütteln konnten. (Und nein, das hat kein Unternehmen, kein Geld, keine Lobby und keine Politik geschafft, das waren die Menschen selbst).

Es war ganz einfach der Wille von vielen, der das Unrecht besiegt und die Machthabenden zutiefst, bis zu ihrem Fall, erschüttert hat.

An der Wiedervereinigung sieht man sehr schön, wie weit Menschen kommen können, wenn sie etwas wirklich wollen und miteinander an einem Strang ziehen. Mich persönlich nervt die künstliche Zweiteilung von Ost und West immer noch sehr. Es gibt doch keine Grenze mehr, aber die Grenze im Kopf, die gibt es noch bei vielen Menschen. Warum trennt man jede zweite Statistik nach alten und neuen Bundesländern? Warum schürt man künstlich den Neid und Hass auf „Ossis“ und Hartz IV Empfänger zugleich ? Das ist doch total geschmacklos.

Der beste Film zum Thema ist übrigens „Goodbye Lenin“, weil er die Stimmung und Emotionen der Ostdeutschen beschreibt, die von heute Knall auf Fall ihr ganzes, bis dahin gekanntes Weltbild, aufgeben mussten. Auch das ist eine enorme „Anpassungsleistung“, wie z.B. gestern Alice Schwarzer bei Anne Will betont hat.

Ich war damals kurz nach der Wende mit meinen Eltern in Ostdeutschland und wir haben uns alles angeschaut. Es lagen Welten zwischen der westdeutschen Infrastruktur und der Ostdeutschen, es war, als ob man in ein dritte Welt Land kommt, die Straßen kaputt, die Häuser heruntergekommen, überall stank es nach Braunkohle und die Menschen waren irgendwie schroff und unfreundlich. Bezeichnend, dass ich damals in Ostdeutschland auf offener Straße von jungen Rechtsradikalen angegriffen wurde, das hat sich bei mir tief eingeprägt. Seitdem war ich nicht mehr in Ostdeutschland. Zu viel schlechtes Karma, möchte man meinen.

Vielleicht sollte ich das mal wieder machen und einfach mal in den Osten fahren.

Es hat sich viel geändert, so sagt man.

Categories: Geschichte
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Posted by J.A. on November 5, 2009

Ein-einhalb Stunden auf deutschen Straßen

Der Puls rast, das Mobil steht

Es sollte eine kurze Reise werden. Von flachen Land über Mannheim nach Stuttgart, eigentlich ein Klacks, vielleicht etwas mehr als 160 Kilometer. Der Tag begann auch ganz schön, mit gemächlichem Verkehr und viel Platz um uns herum. Spätestens am (inzwischen schön ausgebauten) Kreuz Mannheim zog sich der Verkehr dann zu, es rollte aber noch. Diese Ballungsgebiete sind ja dafür bekannt, dass hier sehr viele Leute aus der Umgebung die Autobahn für Kurzstrecken benutzen (Quellverkehr) und zum normalen Langstrecken- oder Güterverkehr kommen noch wesentlich mehr Autos hinzu, was die Straßen verstopft. Früher konnte man sich auf der Autobahn nach Zeiten richten und es gab vor wenigen Jahren noch die Formel, dass nachts weniger los ist oder der Feierabendverkehr für besonders viel Verkehr sorgt. Auch gab es vor ein paar Jahren, als ich den Führerschein gemacht habe (1997) noch Autobahnen, die sehr frei waren und wo überhaupt niemand gefahren ist. Aber inzwischen scheint sich die Verkehrssituation exponentiell verschlimmert zu haben und wenn man sich das Aufkommen so anschaut, dann muss man ganz einfach sagen: Das Transportmittel Auto ist an seiner oberen Grenze angekommen, wenn es nicht mit diesem deutschen Autobahnnetz inzwischen ganz versagt hat.

Hohe Geschwindigkeiten können überhaupt nicht mehr gefahren werden, es ist ein Wunder, wenn man mal über 180 fahren kann- auf unserer Strecke vielleicht 5 Kilometer lang. Dadurch steht das Auto schon lange nicht mehr in echter Konkurrenz zum Zug, der hohe Geschwindigkeiten viel länger und sicherer halten kann und dabei noch kostengünstiger ist (wäre, wenn die dt. Bahn nicht ständig die Preise erhöhen würde).

Der Rest ist ein sehr enges Fahren mit 200 Metern Abstand zum nächsten Vordermann, eingeklemmt zwischen LKW, die munter überholen, dabei mehrere Spuren dicht machen und natürlich alle anderen Verkehrsrowdys, denen die neuen Strafen für dichtes Auffahren und Nötigung im Straßenverkehr anscheinend noch nicht zu Ohren gekommen sind (mein Tipp: hängt noch ne Null ran, dann wird es wirken). Und die Enge schürt natürlich die Aggressionen, weil sich jeder gegen den anderen abgrenzen möchte, was auf dem Gemeinwohl Autobahn nur sehr schlecht zu realisieren ist.

Der Aufwand des Fahrer beschränkt sich fast ausschließlich darauf, ständig Abstände und Geschwindigkeiten zu kontrollieren, auf plötzlich Einschwenkende Spurwechsler zu reagieren und alle Spiegel ständig im Blick zu haben. Das ist überdurchschnittlich anstrengend und wenn man am Ziel angekommen ist, hat man viel Kraft nur für die Fahrerei aufgebracht. Auch als Beifahrerin habe ich diesen Streß. Ich kontrolliere ständig den Straßenverkehr mit, mache auf Gefahr-Situationen aufmerksam oder bediene das Navigationsgerät. Wenn ich so in mich gehe, merke ich wie hoch mein Adrenalinspiegel ist und wie der Puls rast, in Gedanken fahre ich voll mit. Es gibt sogar Studien darüber, dass die nervliche Belastung für den Beifahrer höher als für den Fahrer selbst ist, was nicht zuletzt dadurch verschuldet ist, dass man die Gefahren zwar sieht, aber nicht wirklich eingreifen kann.

Zur Ruhe kommt man nicht oder nur dann, wenn der Verkehr langsam rollt, was er leider nur selten tut.

Zwei Nadelöhre unserer Reise waren das Kreuz Weinsberg, dass regelmäßig in den Verkehrsnachrichten ist und das beinahe unumgängliche Dreieck Leonberg bei Stuttgart.

Bei Weinsberg ging es gerade noch, aber spätestens beim Dreieck Leonberg hieß es dann: Runter vom Gas, hier geht nichts mehr. Das Tempo verlangsamte sich von 80 auf 50, auf 30, 20 und schließlich war es ganz aus. Stillstand. Stau. Enge. Warten.

Der hochtechnisierte Motor hat nichts zu tun. Das Benzin schwappt gelangweilt im Tank hin und her. Die Insassen, vor allem ich, atmen auf. Endlich, diese himmlische Ruhe. Keine Abriebgeräusche der Winterreifen mehr. Nur noch, abgasgetränkte Luft. Noch nicht mal das Fenster kann man aufmachen. Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und andere Gase kann man spüren, aber nicht riechen. Müdigkeit macht sich breit.

Ich werde schläfrig, kann mich nicht konzentrieren. Will mich wach halten, es geht nicht. Immer wieder prasselt der Regen gegen die Windschutzscheibe, dann wieder ein Sonnenstrahl. Bunte Blätter wehen uns entgegen. Hübsche deutsche Wälder gilt es zu bewundern. Und Ruhe.

40 km Stau. Nach ca. 20 Minuten kommen wir endlich zur 1,5 km entfernten und rettenden Ausfahrt.
Runter auf die Dörfer. Dem Navi blind folgend. Den Knoten umfahren.

Noch ca. 20 Minuten und wir sind endlich am Ziel unserer Reise angekommen. Kälte schlägt uns entgegen.

Nur raus, raus in die Nacht.

Categories: Draußen
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Posted by J.A. on November 1, 2009

Kleine Ungereimtheiten und die Frage nach dem „Warum“

Schnäppchenjäger stürmen die Quelle-Webseite las ich heute in den Nachrichten.

Das hab ich schon hinter mir. Letzte Woche hab ich bestellt (natürlich alles Schnäppchen, die gab es letzte Woche schon), aber bis jetzt ist noch nichts gekommen. Untypisch für Quelle. Sonst haben sie immer innerhalb von drei Tagen gesendet. Quelle liebte ich einst. Kann man eine Verbundenheit mit einem Versandhändler aufbauen oder ist das albern? Wahrscheinlich nur, wenn man so tief drinhängt, wie ich… (lol).

So wie jetzt mit der Firma umgegangen wurde und wird, finde ich auf jeden Fall traurig. Die Politik zeigt zwei Gesichter, so wie Menschen auch. Den einen wird geholfen und der Mund voll mit Versprechen und Liebe genommen und die anderen lässt man eiskalt fallen. Ist doch egal, was mit ihnen wird. Es interessiert uns jetzt nicht mehr. Was sind schon 2.000 Arbeitsplätze? Die Millionen zählen, das Image zählt, nicht der Mensch……

Was ist sonst noch passiert? Ich bin etwas aktiver im Netz, akzeptiere ungelesen jede neue Freundschafts-Anfrage von Mafia-Wars Spielern auf Facebook und lerne so mehr Menschen als sonst üblich kennen, bzw. ich öffne mein kleines Internet-Fenster mehr Leuten als sonst.. Ähnlich wie bei anderen Bloggern muss ich noch mehr darauf achten, was ich schreibe und die anfängliche Unbeschwertheit verfliegt gerade etwas.

Auf jeden Fall sammle ich so (nebenbei) Beweise für die Ungleichbehandlung oder Diskriminierung von Frauen (das ist nunmal ein schönes Hobby und ziemlich erkenntnisreich) und bin an zwei Stellen fündig geworden. Im Grunde waren die Rückmeldungen, die ich in der letzten Woche ohne mein Zutun bekommen habe, gering – und umso stärker ist es zu gewichten.

Der erste Fall war der Mensch, der eine Umfrage gestartet hat, wie ich „in einem Minirock aussehen würde“. Ohne mich zu fragen, pflanzt er einfach eine diesbezügliche Anfrage auf mein Profil, setzt es mir quasi ungefragt und unhöflich direkt vor die Nase und wundert sich anscheinend noch, dass ich ihn und sein Spielchen sofort lösche.

(Kann man Menschen löschen? Nein, aber man kann „Freundschaften“ die nie welche gewesen sind, terminieren).

Sicherlich, Facebook animiert zu solchen Spielchen und es ist selbst schon eine unmenschliche Plattform, wo die Menschen mehr nebeneinanderher existieren, als wirklich aufeinander bezogen zu sein. Das ist der Fluch des Internets, wie wir ihn schon lange kennen und den man nur mit Menschlichkeit und Geduld beantworten kann.

Aber Höflichkeit und Anstand sollte dem nicht zum Opfer fallen. Dann die Reduzierung auf mein Aussehen, ist natürlich diskriminierend. Im Grunde braucht man nicht viel dazu sagen, es kann sein dass es Frauen gibt, die sich auf solche Spielchen einlassen, aber ich gehöre nicht dazu.

Ich mach ja auch keine Umfragen über Männer und frag Freundinnen, wie der Boy da drüben „oben ohne“ aussehen würde oder wer den längeren… na ihr wisst schon. Kann sein, dass viele Menschen sich innerhalb der Geschlechter so kennenlernen, aber ich mag es nicht, also löschen und Schwamm drüber.

Hätte er lieber höflich gefragt, ob ich mal ein paar neue Bilder von mir veröffentlichen könnte, wäre ich vielleicht darauf eingestiegen, aber so ???

Der nächste Fall war in „Wer kennt wen“, wo man sich bei unterschiedlichen Gruppen registrieren und somit Vorlieben und Hobbys ausdrücken kann. Ich habe mich vor geraumer Zeit mal angemeldet, nutze es aber nicht mehr aktiv. Heute hatte ich eine Email in meinem Postkasten, dass mich jemand verwundert gefragt hat, ob es tatsächlich sein kann, dass es „eine Frau gibt, die Civilization spielt“?

Civilization (gesprochen: Ziwileisäischen)   ist ein uraltes Spiel vom Kult-Autor Sid Meier und das Spiel kenne ich schon seit 18 Jahren. Ich weiß auch nicht, ob ich die Anfrage durchweg als diskriminierend empfinde, aber dieses verwunderte Ausschließen hat mich doch gewundert. Warum soll es so unüblich sein? Warum wurde die Anfrage so übertrieben formuliert? Ist es Freude darüber, dass es eine Frau gibt, die solche Spiele auch liebt… oder einfach nur übertriebenes Wundern? Ich bin mir sicher, die Männer die sowas schreiben, meinen es nicht Böse… aber sie verstehen nicht, warum man es als Frau falsch verstehen kann und fragen sich dann, warum keine Antwort kommt.

Wie soll ich darauf reagieren? Auf der einen Seite könnte ich mich freuen und antworten, dass es tatsächlich so ist und wo das Problem ist.

Aber ich frage ja auch nicht: „Oh es gibt einen Mann, der bügeln kann?“ oder „Oh, ein Mann der freiwillig den Müll herunterträgt?“ Das ist ähnlich albern.

Hätte er lieber gefragt: „Oh schön, eine Frau die Civilzation spielt, wollen wir mal eine Runde zusammen…“ das wäre viel Positiver gekommen! Und ich hätte mich auch drauf eingelassen. Denn MitspielerInnen suche ich eigentlich immer. ;-) Übrigens: Colonization (gesprochen: Koloneisäischen) ist auch ziemlich cool, vor allem die Neuauflage.

Ansonsten war es eine sehr anstrengende Woche und ich bin froh, dass nun endlich ein Ende der Mühen in Sicht ist und es ab jetzt nur noch aufwärts gehen kann.

In diesem Sinne, einen schönen Sonntag…..

Categories: Privates
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