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Archiv: September 2009

Schlecht gespielt und doch gewonnen

Ach, der Tag gestern war so schön. Er hatte so gut begonnen. Zuerst war ich ein wenig in Twitter aktiv (der Dienst gefällt mir wieder besser, nachdem ich ihn besser zu verstehen beginne) und stellte fest, wie viel Twitterer live über die Wahl bloggen, oder dass sie wählen gehen oder was sie wählen. Man hatte das Gefühl, dass die ganze Welt zur Wahl gehen wird, dass die Wahlbeteiligung aber doch nach unten gefallen ist, nämlich um gute 6 Prozent, erfuhr ich erst viel später.1

So war es mir -zumindest am Vormittag- gut möglich, meine Folge-Runde, also den aktiven, virtuellen Verteiler meines Lesekreises ein wenig aufzuwerten. Und prompt kletterte auch meine eigene Follower-Leiste schnell nach oben. Das war der gute Teil des Tages.

Nach ein paar schönen Stunden und einem herrlichen Spätsommerwetter (…) ging es dann auf den Abend zu.

Ziemlich genau um 18:15 Uhr schaltete ich von der Nachmittags-Autosendung auf die ersten Hochrechnungen in der ARD um und konnte meinen Augen und Ohren kaum glauben. Schwarz-Gelb hatte also schnörkellos gewonnen, die SPD mit zweistelligen (!) Verlusten, die Linke im Aufwind, die Grüne auch, aber nicht so stark. Die -emsig ihre kleine Insel der Netzthemen verteidigenden – Piraten erhielten immerhin einen Achtungserfolg von gut 2 Prozent.

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Anmerkungen:
  1. der Link bezieht sich nur auf Bayern, Deutschlandweit sank die Beteiligung um 6,9 %, Quelle ARD []


Die Gedanken sind frei

oder: Im Mondlicht

Feierabend

Eine Schreibtischszene in kräftigen Farben

Feierabend, das höchste der Gefühle.

Die Türen klappen, Motoren brummen, es geht nach Hause. Draußen ziehen dröhnende Motorräder noch ihre Runden. Ein Mann gröhlt vor sich hin, zufrieden und schon etwas angetrunken. Der Nachbarshund schweigt und hat sich nach drinnen verzogen. Die Menschen haben ihre Arbeit verrichtet, nun ist es ruhig.

Der erste Schluck Bier der Woche wird über meinen Gaumen gespült, die erste Salzbrezel zwischen den Zähnen zerkaut.

Im Internet-TV kommt die “Moonlight Sonata” zum x-ten mal. Ich liebe sie so.

Langsam ziehen die Gedanken aus meinem Kopf, es ist wie ein Film. Auf und ab, wie auf leisen Wellen sitze ich in meinem Sessel, Wärme umströmt meine Arme.

Ich atme langsam und genußvoll, bin völlig zufrieden- so wie es ist.

Der Abend, in dunkles Licht getaucht.

Der Streß- in bunte Farben ausgetauscht.

Die Liebe- in das Herz gelassen.

Das Mondlicht, stumm betrachtet.

Die Nacht, schweigend erwartet.

Dich- so innerlich ersehnt.

Bloggen und vernetzen- Teil 3

Teil 3, Teil 2 und Teil 1

“Den Horizont erweitern”

Richtig zu bloggen ist eine schwierige Kunst und gleicht manchmal der Arbeit, die Politiker auch in der Öffentlichkeit leisten müssen. Es geht darum, Menschen zu überzeugen.

Wenn ein Politiker niemand von seinen Ideen überzeugen kann, würde ihn niemand wählen. Bei den Bloggern ist es das Feed-Abonnement oder die Kommentare. Wenn ich niemanden von meinem Blog überzeugen kann, “wählt” ihn niemand, kommentiert niemand, liest niemand.

Und es ist sehr leicht, nicht gewählt zu werden, viel schwieriger, als gewählt zu werden.

Menschen urteilen auch viel persönlicher als man denkt. Sicherlich, die Inhalte und die Rechtschreibung sind wichtig, aber ich denke, der Großteil der Entscheidungen wird doch nach klassischen Gesichtspunkten gefällt, so wie ich auch einen Politiker nach seinem Aussehen, Stimme und anderen Kriterien unbewusst immer mit beurteile.

Als Blogger kann man da sehr viel falsch machen, wenn man keine Schreiberfahrung und Öffentlichkeitserfahrung besitzt, ist es sehr einfach, über diverse Fettnäpfchen zu stolpern. Einen Medienberater hat man im Allgemeinen nicht und muss sich die wichtigsten Dinge erstmal selbst aneignen, sprich lernen.

Das Dumme daran : Meistens wird man auf diese Fettnäpfchen weder vorher noch hinter aufmerksam gemacht. Wenn man wieder mal einen Schritt zu weit gegangen ist oder nicht den richtigen Ton trifft, den andere von einem erwarten, wird man sehr schnell aus dem Feed-Abo gelöscht oder schlichtweg ignoriert.

Das Problem bei den stillen Lesern ist also immer: Wie kann ich erfahren, was sie wirklich denken? Wie kann ich die Meinung von meinen Lesern besser einholen? Wie kann ich feststellen, ob die Botschaft angekommen ist, ob es verständlich genug war? (z.B. über Umfragen, direkte Ansprachen oder fragende Artikel)

Wenn keine Rückmeldungen kommen, sollte man das nicht stillschweigend akzeptieren, sondern als Warnsignal interpretieren und dementsprechend handeln. Wenn ein Künstler nach seinem Auftritt auch keinen Applaus bekommt, muss er sich fragen, woran es liegt. Dass die Menschen nur zu faul zum Schreiben oder “Klatschen” sind, sollte man nicht annehmen (das ist erstens eine Unterstellung, zweitens ignorant und drittens für die Schreibeffektivität nicht förderlich).

Sicherlich ist es beim Schreiben etwas anders, weil oft nur diejenigen klatschen, die auch gelesen haben. Ein Blog-Artikel (gerade wenn er lang ist) braucht Zeit und Geduld. Die Masse der eben vorbeiströmenden Besucher, die nach etwas ganz anderem gesucht haben, werden sich nur im Ausnahmefall darauf einlassen.

Blogs werden zwar vor allem durch die Technik bekannt, aber meiner Meinung nach sollte man diese humanen Faktoren auch nicht ganz außer Acht lassen. Sie haben im Ernstfall eine stärkere Bedeutung, als man zuerst annimmt. Wenn man nämlich einen stabilen Leserkreis aufbauen möchte und eine regelmäßige Blogroll-Partnerschaft aufbauen möchte, ist es unerlässlich, vom Ton und der Art her zu seinen Partnerblogs zu passen.

Wichtig ist z.B. dass man von Anfang an Partnerblogs wählt, die ähnliche Inhalte und vor allem ähnliche Denkweisen an den Tag legen. Erfahrungsgemäß schaden große Widersprüche in den Weltbildern der Atmosphäre eher, als dass sie helfen. Und erzwingen lässt sich bekanntlich nichts.

Dann ist es wichtig, dass man nicht nur ein oder zwei Lieblingsblogs hat, sondern mehrere. Auch wenn sich die Blog-Autoren große Mühe geben, so kommt es immer mal wieder vor, dass jemand nichts schreibt und das schadet dem eigenen Blog dann auch, weil keine Leser, Trackbacks und Kommentare mehr kommen.

Letztendlich kann man sein Blog nur erfolgreich großziehen, wenn man andere Blogger hat, die einem dabei durch regelmäßige Verlinkung und Vernetzung helfen. Von Suchmaschinen-Optimierung und ähnlichen Sachen halte ich im Gegenzug eher wenig, denn gefunden wird man immer. Aber der humane Faktor und die “Verlinkung in den Herzen” ist etwas, das zu Erfolg führt.

Die “Ein Herz für Blogger” Aktion war etwas, das in diese Richtung ging, aber nachdem die Aktion verpufft war, hat man auch die Mitglieder und andere Blogs wieder vergessen.

Das Schwierige am Bloggen in der schnellen Nachrichtenwelt ist vor allem auch die “Nachhaltigkeit”.

Nachhaltigkeit erzielt man aber nur durch menschliche Netzwerke, weil diese dem Auf und Ab und der Meinungsvielfalt einen konstanten Faktor, nämlich die Freundschaft bzw. das Vertrauen entgegen setzen.

Die nächste Frage im Vernetzen ist also, wie kann ich Blogger (und auch Leser) finden, die ähnliche Interessen haben und vielleicht auch menschlich zu mir passen?

Teilen wir die Blogs erstmal nach Geschlecht auf:

Da gibt es viele Männer- und Technikblogs, die einen eigenen, abgeschlossenen Kreislauf bilden. Hier sind Männer, die über Männerthemen reden und Frauen meistens sehr selten sind. Wenn man nicht gerade ein Technikfreak ist und zu 90 Prozent über Männer- und Technikthemen schreibt, fällt man da durch. Politisch sind diese “Männerseiten” oft Piratenwähler und andere Interessen oder Meinungen nicht gerne gesehen. Wenn man plötzlich anfinge, über Umweltschutz oder Gleichstellung der Frau zu diskutieren, würde man wahrscheinlich ausgelacht werden. (Ausnahmen gibt es bekanntlich immer!)

Bei den typischen Frauenblogs ist es aber umgekehrt, hier wird meistens über private Dinge, über Gedichte, Rezepte, Freundinnen, persönliches und ähnliches geschrieben. Was bei den Männern an Gefühlen zu wenig war, ist bei den Frauen meistens zu viel.

Sich bei solchen Frauenblogs einzuklinken, wird als Frau wahrscheinlich eher schwer, als Mann geht es nur, wenn man “geduldet” ist, sprich in die nähere Auswahl kommt.

Dann gibt es noch eine sehr interessante Gruppe von allgemeinen politischen Bloggern, oder Gesellschaftsthemen-bezogenen Bloggern. Wenn jemand z.B. viel über Politik schreibt ist auch gewährleistet, dass er in der nahen Zukunft wieder über Politik schreiben wird und eher jemand ist, der sich dafür interessiert. Hier kommt es darauf an, herauszufinden, wie groß und stark der individuelle Horizont des Autors ist. Persönlich ist das meine Lieblingsgruppe von Blogs und Bloggern, weil man eben in der Lage ist, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und sich vielleicht auch die Mühe gibt, unabhängig und objektiv die Dinge zu untersuchen und zu beschreiben. Nichts ist schlimmer, als Blogger die voll mit Vorurteilen und Meinungshetze sind. Ob dies so ist, erkennt man leider oft nur dann, wenn man die Blogs längere Zeit beobachtet und genau zwischen den Zeilen liest. Wirklich frei ist auch niemand davon, denn zu bloggen bedeutet ja gerade, eine eigene Meinung zu formulieren. Aber die Art und Weise, die ist entscheidend.

Auch für wertvoll halte ich schlussendlich die Blogs, die sich für ein bestimmtes Nischenthema einsetzen und z.B. über ihre eigene Krankheit, einen Hausbau oder ähnliches schreiben. Der Vorteil ist hier, dass man sehr schnell einordnen kann, warum es bei dem Blog geht und dieser “Gemischtwareneffekt” nicht so stark ist. Im Gegenzug wird die Kommunikation vielleicht etwas einseitig verlaufen. Ein Häuslebauer interessiert sich halt eben nur für Rohre, Gipswerkzeug, Bohrmaschinen, Mauergrößen und Dübelpatente, aber weniger für Homo-Ehen, Festplattendefragmentierung und Tomaten-Himbeer-Zwiebelsalat (hmmm!).

Wenn man also andere Blogger finden möchte, die inhaltlich, menschlich und auch sonst sehr gut zu einem passen, wird man nicht darum herum kommen, sehr lange und genau zu suchen. Man sollte nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn niemand dabei ist, der einem gleich zusagt. Sehr wichtig ist auch, dass man sich nicht zu lange mit Menschen aufhalten sollte, die einem nicht zusagen: Das gibt nur Ärger und man kommt nicht weiter.

Es ist wichtig, regelmäßig und mit Intensität den eigenen Horizont zu lüften und Neues hereinzulassen. Für die eigene Schreibarbeit ist das letztendlich die beste Inspiration.

Gib mir deine Daten…

…denn ich verkaufe deine Seele

Es wäre so einfach. Jeder, der zu Hause sitzt, arbeitslos ist oder in der Freizeit ein wenig Zeit mitbringen kann, wirft den Computer an und beteiligt sich an Gewinnspielen, Umfragen oder anderen Seiten im Internet, die ihren Mitgliedern Teilhabe in Form von monetärer Entlohnung oder anderen “Segen” versprechen (z.B. Ipods, Gutscheine, Notebooks, Autos oder Reisen).

Im Grunde gibt es recht viel Anbieter, so bin ich vor allem durch die neuen Facebook- Spiele mal wieder darauf gestoßen. Auch früher habe ich schonmal eine Phase gehabt, wo ich vor allem Gewinnspiele oder Produktbewertungs- Plattformen getestet habe. Sie sind sich alle sehr ähnlich, zumindest das finanzielle Konzept, das dahinter steht. Mit viel Aufwand muss der Nutzer Zeit verbringen und sich bis auf die Hose ausziehen- die Entlohnung ist geringfügig, wird erst beim Überschreiten einer Schwelle ausgezahlt oder es wird gerade mal Spielgeld für ein Spiel vergeben, von dem man nun gerade abhängig geworden ist.

Der Nutzer wird zum Sklaven für die seriöse Firma, die schön verdeckt im Hintergrund arbeitet und als Schaufenster eine glatt geputzte Hochglanzfassade aus dem Homepage-Baukasten anbietet.

Vor allem Meinungsumfragen scheinen sehr beliebt zu sein und was kann denn an einer harmlosen Umfrage so Schlimmes sein? Wenn man sich aber wirklich mal darauf einlässt, stellt man schon bald fest, dass das harmlose Wort “Screening” im Grunde nur eine täuschende Verharmlosung ist.

Man wird von hinten nach vorne “gescreent”. Von der Haarfarbe, dem aktuellen Auto, der beruflichen und bildungsbezogenen Situation, der Zahl der Kinder, des Haushaltseinkommens, über die Lieblings-Kosmetikprodukte, dem Freizeitkonsum und der aktuellen Hardware-Ausstattung ist alles dabei. Es kommt aber noch schlimmer, sogar sehr detailreiche Fragen zur gesundheitlichen Situation können “ganz nach Belieben” ausgewählt und angekreuzt werden, was der Gipfel der Dreistigkeit ist.

Man muss ja nix ausfüllen, man kann auch “weiss nicht” ankreuzen…. aber das “weiss nicht” muss man gut suchen, bis dahin hat man sich schon längst für ein Kreuz entschieden.

Ja, der Anbieter hat ja “nur” eine Email-Adresse, was soll daran so schlimm sein? Mein Geschlecht vielleicht, mein Geburtsdatum noch. Ach und ja die IP, die ja gespeichert werden muss/ darf / was auch immer!

Wer liest sich die AGB schon durch, mal ehrlich? Wer überprüft, was mit den Daten geschieht?

Die Firma schreibt so schön, dass sie einen Teil in gemeinnützige Zwecke stecken, also mit jeder ausgefüllten Umfrage steigt ein virtuelles Guthaben- ist dieses überschritten, wird der Betrag für die Organisation ausgeschüttet. Immerhin, 5000 €.

Der Mann von der Drückerkolonne hat auch gesagt, dass er arm ist und ein Drogenproblem hat. Ich habe ihm geglaubt und bereitwillig einen Vertrag unterschrieben. Denn mit Gutgläubigkeit und scheinbaren Mitgefühl lassen sich noch die besten Geschäfte machen.

Wie lange das mit den “Spenden” im Einzelfall dauert und ob die Beträge wirklich ankommen, steht in den Sternen. Niemand überprüft das.

Wir sind der Klick. Der Benutzer wird zum Sklaven.

Aber nicht nur dass er sehr lange Zeit mit diesen Seiten verbringt und unzählige Arbeitsstunden in den Äther brät- nein er wird auch noch gläsern. Wir brauchen keinen “Bundestrojaner” wir haben längst, ordentliche seriöse Firmen die im Großauftrag tausende von Daten erspähen und sie “produktbezogen” und kundenorientiert weiterverarbeiten, sprich verkaufen. Denn warum sollten sonst Daten gesammelt werden? Um die Umwelt ein wenig schöner zu machen oder Tiere vorm Tierheim zu retten? Ganz bestimmt nicht.

Das Schlimme daran ist eigentlich, dass wir uns freiwillig darauf einlassen. Dass man mit bunten Spielchen wie auf Facebook dazu geködert wird, dass es einen sozialen Hintergrund hat oder die Seite sich im speziellen Fall noch gemeinnützig und wohltätig gibt. Das Geschäftsmodell wird dem ahnungslosen Verbraucher quasi von hinten eingeführt, ziemlich unsichtbar, aber doch schmerzhaft.

Im Dunkeln, verdeckt vor jeder Recherche, Meinungsfreiheit und Moral wird das Geld gemacht, vorne – also beim Nutzer selbst – kommt nicht viel an.

Die Frage ist also, wie kann jemand, der das Konzept halbwegs versteht, sich überhaupt auf so etwas einlassen? Wie können solche Firmen, die so offentsichtlich gegen jede Moral und jeden Verbraucherschutz Daten sammeln, so ein Geschäftsmodelll durchsetzen?

Wahrscheinlich nur, weil und solange es genügend Leute gibt, die kein Geld verdienen und auf die paar Cents angewiesen sind, die sie mit Klicks, Umfragen oder Gewinnspielen erhaschen könnten. Es passt alles zusammen: Die Reichen, Gebildeten, Studierten haben die Firmen und die Macht, denken sich immer wieder neue Methoden aus. Politisch wird nichts gemacht, Bildungspolitik bleibt ewig gleich und über die Steuern werden die Besserverdiener entlastet. Die Arbeit machen “die da unten”, die keine Chance auf etwas anderes haben.

Ein Konzept, dass die Umenschlichkeit neuer Informationstechnologie und die Macht der allgemeinen Datensammelwut nur zu schön präsentiert.

Wenn ich deine Daten habe, habe ich deine Seele.

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Links

Gefangen im Netz

Nun, ich sehe die Fakten eindeutig vor mir: Ich werde mein Blog-Karriere aufgeben müssen, denn ich bin nun ein erfolgreiches Mitglied der größten Mafia der Welt.

Links, die Anzeige mit meinen “Live-Besuchern” des Blogs, auf der rechten Seite der tickende Timer von Mafia Wars, dem beliebten Spiel auf Facebook, bei dem ich mich vor ein paar Tagen wegen einer seltsamen Mischung aus Langeweile und Neugierde registriert habe.

Auf der linken Seite ist Stillstand, manchmal kommt stundenlang kein neuer Besucher auf mein Blog mit den politischen und sozialen Aussagen. Mein Blog, mein geliebtes Blog, das ich so liebe und verehre und dass mir schon viel geholfen hat. Mit dem ich aber nie ein breites Publikum ansprechen oder erreichen konnte.

Auf der rechten Seite ist es ganz anders, da pulsiert das Leben, das echte Leben möchte man meinen. Im geöffneten Facebook-Fenster  prasseln die Freundschaftsanfragen im Minutentakt auf mich ein, ich verwalte meinen virtuellen Avatar und knobel’ mich durch die abgefahrensten Browser-Spielchen. Auf drei hab ich mich eingelassen, dass muss erstmal reichen, aber im Grunde spiele ich nur “FarmVille” und “Mafia Wars“. Die Spiele sind von der gleichen Firma, aber sehr unterschiedlich aufgebaut.

In Mafia Wars geht es darum, mit virtuellen Punkten im Wesentlichen “Jobs” und “Kämpfe” zu erledigen. Vor allem der Energie-Faktor ist wichtig, weil man hier nur eine begrenzte Menge hat, um Aufgaben zu erfüllen.

Dieser Punktestand (bei mir sind es auf Level 14 gerade mal 40) ist quasi das Guthaben, dass man in Aktionen umsetzen kann, dazu kommt noch der klassische Geldfaktor und der Ausdauer-Balken, der für die Kämpfe wichtig ist (je mehr, desto öfters kann man kämpfen).

Die Story ist schnell erzählt, es gibt eigentlich keine, denn es ist ein Browserspiel. Es gibt nur ein “Setting”, also ein grober Hintergrund, auf dem die Thematik angesiedelt ist. Das meiste muss man sich selbst erzählen und diese Spiele leben auch mehr von der interaktiven Dynamik. Die eigentliche Spiel-Engine ist zum Vergleich zu klassischen PC-Spielen sehr dürr und im Grunde vernachlässigbar.

Hier geht es nicht um Spannungskurven, um technisch und dramaturgisch aufwändige, interaktive Meisterwerke, die mit Kinofilmen Schritt halten können oder sie gar übertreffen.

Nein, die FB-Spiele sind eine Art “Tool” für den modernen Menschen. Man loggt sich ins FB ein. Man “addet” neue Freunde, man nimmt virtuelle Geschenke an oder verteilt welche, man klickt sich durch die diversen Jobs und Aufträge. Das virtuelle Geld vermehrt sich, man lernt neue Menschen kennen. Der Kreis ist geschlossen.

FB ist im Grunde ein Betriebssystem im Browser, sehr klein, aber doch mächtig und vor allem auf der Basis von Millionen Nutzern. Nach dieser Meldung zu urteilen, wurde die weltweite 300 Millionen Marke überschritten, dennoch ist es anscheinend schwer, in einen positiven “Cash-Flow” zu kommen.1

So wundert es auch nicht, dass man nach kurzer Zeit der Spielerei das eigentliche Geschäftsmodell in Mafia Wars entdeckt: Mit speziellen Bonuspunkten kann man sich zusätzliche Items und Gegenstände kaufen. Diese Bonuspunkte bekommt man aber nur, wenn man Geld bezahlt oder bestimmte (wahrscheinlich meistens kostenpflichtige) Angebote, Gewinnspiele, Umfragen z.B. fürs Mobiltelefon annimmt.

Indirekt ist daraus zu schließen, dass die Spiele absichtlich auf einen Sucht-Faktor ausgelegt sind und die Spiel-Erfahrung bestätigt diesen Verdacht.

Wer andere ständig übertreffen will und sich mit ihnen misst, wird bald in Versuchung kommen, diese Extra- Punkte für echtes Geld zu kaufen (Einstieg in die Spielsucht!) . Wer aber damit umgehen kann, widersteht der Versuchung und spielt nur ab und an und kauft nichts für Geld. Die Spielmechanik und die ständige Werbung und Anfragen, die man mit dem Spiel versenden kann, führt aber zu einer “Massen-Verseuchung” der Profil-Seiten, vor denen man sich nur schwer schützen kann.

Die eigentliche Spielmechanik ist im Grunde schnell erschöpft (so wundert es auch ein wenig, dass dieses Spiel süchtig machen kann) und mit der Zeit erkennt man einen weiteren, “sozialen Sinn” im Spiel: Man fängt an, sich für die anderen Mafia-Mitglieder zu interessieren. Um bestimmte Aufträge zu erfüllen, braucht man eine bestimmte Mafia-Größe. Dieser bekommt man nur, wenn man wildfremden Personen Freundschafts- und Mafia Wars Anfragen sendet.

Diese bestätigen das dann im Idealfall und schon füllt sich der Pegel mit der Freundesanzahl. Hin und wieder kommt man in Verlockung, sich die Profile und Fotos der Gegenüber anzuschauen oder zu kommentieren. Vielleicht schickt man auch eine private Nachricht.

Es fällt aber auf, dass die meisten öffentlichen Profile nicht sehr viel Preis geben. Die negative Berichterstattung über solche sozialen Dienste hat wohl schon Früchte getragen und in Regelmäßigkeit tauchen neue Horror-Geschichten auf (vor allem, dass jemand wegen FB seinen Job verliert oder keinen bekommt).

Letztendlich ist es so, dass ich auf der rechten Seite viele Menschen hab, die ich nur wenig kenne. Die linke Seite mit dem Blog ist ganz anders, die linke Seite bin ich, ist meine private Gedanken- und Meinungswelt, nur manchmal garniert mit der Meinung von anderen.

Die rechte Seite ist die Öffentlichkeit, aber auch die Unendlichkeit. Es ist wie ein Bummel durch die Stadt. Man sieht viele Gesichter, manche sehen nett aus, andere nicht. Manche sind langweillig, andere will man näher kennenlernen. In der Stadt hat man wenig Möglichkeiten und vielleicht viele Hemmungen. Im Grunde kann ich auf der rechten Seite dafür sorgen, dass mehr auf die linke Seite kommen und sich mit mir beschäftigen (bzw. ich mit ihnen).

In Facebook kann man sehr einfach eine “private Nachricht” schicken. Und wer weiß, vielleicht wird aus dem gemeinsamen Spiel ja mal eine gemeinsame Freundschaft? Gemeinsamkeiten haben schon immer Menschen zusammengebracht.

Oder alle gehen wieder ihren Weg und schauen einsam raus in die dunkle, kalte Nacht… in die ständige, dunkle Nacht des Internets.


Anmerkungen:
  1.   300 Millionen Nutzer (via http://twitter.com/i_am_fabs ) []


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