J.A. Blog

Pics | Music |Serien| Donate | About| Twitlog | Shopping

Archiv: Mai 2009

Bloggen ist: frei.

Nun der letzte Artikel war negativ, ein etwas überzogener und mahnender Schlusspunkt für die “Bloggen ist:”-Serie.

Ich hab wirklich genug darüber geschrieben, andere auch. Ich danke für die vielen Meinungen und Menschen, die sich dazu Gedanken machen und teilhaben- ob positiv oder negativ. Wer nicht bloggen will, soll es sein lassen und den anderen nicht ihren Spaß nehmen- wer aber Spaß daran hat, soll die Meinungsfreiheit nutzen und nicht vor ihren Möglichkeiten zurückschrecken. Wir haben ein freies Land, jeder kann schreiben und machen was er will (danke, Grundgesetz, und herzlichen Glückwunsch!). Private Meinungen mit Kommerziellen zu verbinden ist möglich, denkbar und es ist manchmal sogar eine besonders gute Methode, an Erfolg zu kommen. Ich möchte das nunmal ganz ohne Neid zugeben. Der Chef (Autor) einer Firma, beispielsweise kann sich mit einem persönlichen Blog persönlich vor seiner Firma präsentieren- er kann mit Kunden reden, er kann Meinungen und Wünsche erspüren, er ist angreifbar wie eine Erziehungsperson, ein Lehrer, er kämpft in erster Front und bekommt alles ab. Aber dafür wird er auch geliebt, wenn er es gut macht und kein Feigling ist. Es ist kein einfacher Job- nein, ich bewundere die meisten Blogger sogar (und das ist jetzt die ungeschminkte, neutrale, ehrliche Meinung) für das, was sie machen. Die Firmen und Mentalitäten, die man landläufig so kennenlernt, zeichnen sich oft durch schlechten Kundenkontakt aus, sie sind unpersönlich und haben beispielsweise externe Dienstleister -wie ein Callcenter- engagiert. Jeder regt sich darüber auf, jeder möchte “geborgen” sein und gut behandelt werden, ein ganz besonders wichtiges, “persönliches” Kauf- und Kundenbindungskriterium. Warum soll man diese Funktion und diesen menschlichen Mehrwert nicht in ein Marketing-Verfahren aufnehmen und sich darüber freuen- wenn es funktioniert? Bei Verhandlungen ist auch stets der Mensch wichtig, nicht immer der Lebenslauf oder das Produkt. Nein, der Mensch muss überzeugen und das Herz muss angesprochen werden. Wir können froh sein, dass andere Menschen sowas spüren und empfindlich dafür sind- das ist gut. Es schützt davor, Dummes zu tun und arrogant zu werden- dieses ist nur eine Garantie für Misserfolg und Einsamkeit. Freundlichkeit siegt- Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit sind die Schlüssel zum Erfolg- in jeder Hinsicht.

Der Künstler und die Künstlerin sind sogar noch freier- natürlich steht der Sänger auf der Bühne, alle jubeln ihm zu- ist das nicht etwas Schönes? Hinterher mischt er sich unter das Volk, unter sein Publikum, schüttelt vielleicht die Hände und gibt Autogramme. Oder ist das mehr der volksnahe Politiker zum Anfassen? Was ist euch lieber? Stacheldraht und geschlossene Limousinen, oder ein Blogger zum Anfassen? Ich bin mir sicher, dass es das Letztere ist- das Persönliche, das Menschliche siegt- Und das ist auch gut so.

Die anderen (negativen) Aspekte gilt es stets zu beachten. Dass man nicht zu belanglos schreibt, beispielsweise, dass man auf Quellenangaben achtet – wenn es denn ein wissenschaftlicher Text und keine Erörterung oder freier Aufsatz werden soll. Die Kommerzialisierung an sich ist nicht schlimm, aber es ist ein neuer Pfad und schwierig, die Aspekte Glaubwürdigkeit, Privates und Kommerzielles voneinander zu trennen.. Vielleicht wären dann wirklich mehrere Blogs besser.

Gemeinsamkeit ist ein wichtiger Punkt. Ich sehne mich nach Gemeinsamkeit. Ich will Freunde, andere Blogger, die bei mir kommentieren und welche, um die ich mich “kümmern” kann. Das macht Spaß! Es ist ein sozialer und wichtiger Aspekt. Ich will auch mal eingeschnappt sein und schauen, wie andere darauf reagieren- ich will es aber nicht übertreiben oder gar missbrauchen. Andere Menschen haben auch Probleme, was ist mit ihnen? Kümmert man sich genug um andere oder kreist man nur um sich selbst? Wer bloggt, verschenkt sein Wissen und seine Gedanken- es ist zwar etwas hergeben- aber tausendfach wird es zurückgegeben. Ein positiver Kreislauf kann beginnen. Offenheit macht frei- Geiz schränkt ein, ganz einfach.

Kommentare und Diskussionen sind mir wichtig, wer will nur eine einzelne diktatorische Meinung? Meinungsdikaturen sind echte Diktaturen, bzw. die Grundlage für echte Diktaturen. Wir haben eine Demokratie, das ist unser Vorteil und wir müssen die Demokratie eigenständig wachhalten, wahrnehmen und nutzen! Wenn man keine Kommentare will, weil man vielleicht dünnhäutig ist oder aus einem anderen Grund, dann kann man die Kommentare für einen Artikel schließen- das ist ohne weiteres möglich. Niemand kann und darf sich über Kommentare beschweren, wenn diese Funktion vor dem Veröffentlichen aktiviert worden ist.

Seid dankbar für eure Leser und behandelt sie mit Respekt- jeden Einzelnen! Und das ist eine schwierige Aufgabe. Bezieht jeden mit ein, auch die, die nicht kommentieren und einfach nur sauer oder still sind. Überlegt, warum die stillen nichts geschrieben haben- überlegt und geht auf sie ein. Seid aber nicht schwach und kein Fähnchen im Wind. Steht zu eurer Meinung und habt die Kraft, diese bei Bedarf zu verteidigen oder zu rechtfertigen, seid dabei aber nicht stur.

Bloggen ist soziale Selbstkontrolle. Bloggen ist Schreiben lernen und Schreiben üben. Bloggen ist spielen. Bloggen ist Psychologie, Offenheit und Theater. Bloggen ist Show. Ja, Bloggen muss manchmal Show sein- warum auch nicht? Show spielen ist eine feine Sache, es macht Spaß und befreit- mehr Zweck braucht man nicht.

Bloggen ist: frei.

10 Dinge, die ich an Blogs hasse

Update: Der Artikel ist etwas überzogen / ironisch / satirisch gemeint. Er übertreibt eine bestimmte, negative Sichtweise, ist aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Vorher wurden viele positive Worte zum Bloggen geschrieben, daher habe ich jetzt absichtlich ein Konstrastprogramm gesucht.

Nach der übel stinkenden Selbstbeweihräucherung der letzten Wochen wurde es höchste Zeit, für offene und ehrliche Selbstkritik. Sicherlich, es mag ausgelutscht sein und viele möchten zu dem Thema nichts lesen. Dann sollen die weiterklicken, hier gibt es nichts zu sehen! Es geht aber um viel, letztendlich um die Frage, ob ich in Zukunft überhaupt noch bloggen soll oder nicht. Die Nachteile haben sich zu einem großen Turm angehäuft und nichts in der Welt scheint mir beim Überwinden zu helfen. Vielleicht aber das Nachdenken?

  1. Blogger sind Egoisten. Oh ja, und Blogs regen und stärken den Egoismus kraft ihrer Substanz und Art und Weise an. Jeder hat seine eigene Domain. Jeder bloggt seine Meinung. Jeder ist alleine. Jeder will viel Kommentare und Geld. Sicherlich, es gibt Cliquen und Zusammenschlüsse, was aber bringen die, wenn andere außen vor bleiben, weil sie irgendwelche unsichtbaren, bescheuerten Regeln des Bloggers nicht beachten? Was ist die Freundschaft wert, wenn du den PC ausmachst? Hast du dich am Ende selbst betrogen?
  2. Blogger stellen sich selbst dar, sind Narzisten und Blender. Weit weg von der Realität. Eine Blase aus Schaum.
  3. Blogs sind nicht die Realität, sondern ein Spiegel, den man seinem Publikum vorhält. Blogs sind Lügen in Textformen.
  4. Blogs sind oberflächlich und kurzlebig. Blogs sind das genaue Gegenteil vom Buch, kurz, schlecht recherchiert und belanglos. Man kann Blogs auch weglassen und verpasst nicht viel von der “Weltinformation”.
  5. Blogs sind persönlich. Schön, viele, viele Kommentare. Schön viele, viele Kinder, die im Brei rummanschen. Schön, einer labert und die anderen hetzen nach. Bullshit. Ich steh da nicht drauf, mich kotzt das an.Ich will meine Meinung und niemand sonst. Ich will nicht diskutieren müssen. Ich will nicht meine Kommentare moderieren. Ich will harte, ungefilterte Meinung. Ach, ich will überhaupt keine Meinung, manchmal!
  6. Blogger sind geldgeil. Jeder will das schnelle Geld. Kotz-langweilig! Warum macht man das Blog, wollte man sich nicht vom Markt abheben? Blogs als Lebensunterhalt? Ein schöner Traum. Träum weiter!
  7. Blogger verletzen andere. Meinen, sich über die Welt stellen zu dürfen, nur weil sie es auf die Reihe gebracht haben, den MySQL-Kram und die lächerliche Fünf-Minuten-Installation von Wordpress zu beherrschen. Leistung ist was anderes. Wordpress ist Kindergarten. Noch ein Plugin hinten reingestöpselt und alle sind glücklich!
  8. Blogs sind geschlechts-abhängig. Blogger und Leser urteilen und beurteilen nach dem Geschlecht. Sind nicht frei von Klischees. Sind oberflächlich und ungerecht. Halten zu dem, der sich am besten verkauft. Halten zu dem, mit der meisten Macht, nicht zu dem, mit der besten Meinung! Blogger zu sein, bedeutet sich selbst und andere zu verraten. Am besten wären daher völlig geschlechtslose und profilneurosen-freie Blogs.
  9. Blogger müssen sich verlinken. Nicht die beste Meinung gewinnt, sondern der höchste Verlinkungsgrad. Das ist bullshit. Ich bin für ein anderes System. Ich will nicht am Pagerank und Verbiegungs-Gedöns mitmachen. Mich nervt das ungemein! Und ich meine nein. Wirkliches NEIN.
  10. Blogs sind langweilig. Alles wird neu durchgekaut. Profil und Tiefgang fehlen. Austauschbarkeit.

Fazit

Bloggen ist: scheiße.

Lokalpolitik & Wahlkampf

Im Moment flattern sie wieder zahlreich ins Haus: Wahlwerbebroschüren mit hübsch lächelnden Gesichtern auf allen Seiten, sauber gepflegte Zähne und (mehr oder weniger) perfekt ausgeleuchtete Porträts. An manchen Stellen blitzt die Bodenständigkeit oder die Amateurhaftigkeit hervor, vor allem bei der Werbung für lokal tätige Parteien und Wählergruppen. So habe ich z.B. in einer Broschüre einen Absatz gleich doppelt hintereinander gefunden, etwas, das nach kurzem Korrekturlesen sofort ins Augen hätte fallen müssen!

Was aber ist überhaupt zu wählen? So ganz klar ist es mir noch nicht. Auch beim mehrmaligen Lesen des Wahlscheins bin ich nur zu folgendem Ergebnis gekommen: Ein Abgeordneter fürs Europaparlament. Aber einer, zwei oder gar eine ganze Partei? Wie ist das mit der Zweitstimme, gibt es die bei der Europawahl auch? Dann die “Kommunalwahl”. Was aber ist “Kommunal” eigentlich? Mein Landkreis, mein Ort, meine Stadt? Ich weiß es nicht. Ich hatte zwar mal Sozialkunde in der Schule, aber das ist lange her und es gibt keinen Lehrer, den ich einfach mal so fragen kann. Und auch im Internet ist das Recherchieren mit viel Mühe verbunden, so dass ich verstehen kann, warum sich bei manchen Menschen schnell Politikverdrossenheit breit machen könnte. Der Bürger, also auch ich, hat nicht wirklich das Gefühl, eingebunden zu werden. Wenn er teilhaben will, muss er sich anstrengen, sich selbst einbringen und Zeit bereithalten, etwas, das heutzutage nicht selbstverständlich ist. Politik soll aus dem Volk kommen, aber die Wahlen werden nur von außen an das Volk herangetragen. Man findet kaum eine Aufforderung mitzumachen. Keine Teilnahmeformular, nein noch nicht mal Adressen oder Kontaktmöglichkeiten finde ich auf der Werbung. Meine Stimme soll ich geben, aber bitte nicht aufdringlich werden oder gar nachfragen- so scheint es mir.

Die dritte Wahl ist eine dubiose Stichwahl. Wer aber wen sticht und warum, ist mir nicht klar. Ich vermute, dies ist ein Sonderfall, denn bei Bedarf kann ich diese Wahl auch “auslassen”.

Einfacher und verlockend wäre es, dieser Ignoranz und Oberflächlichkeit mit dem Gleichen zu antworten und nicht zu wählen.

Da ich aber gerne alles wählen möchte und Politik auch interessant finde, beantrage ich für jede Wahl die Unterlagen.

Was sich nun vor allem eingeprägt hat, sind die netten Gesichter. Ich entschließe mich also, nach Sympathie zu wählen- typisch weiblich eben. Die Wahlprogramme ähneln sich sehr und wirken etwas aufgesetzt und “unehrlich”. Man weiß aus der Bundespolitik, dass zwar viel versprochen wird, aber nicht immer alles auch eingehalten wird. Wohl kann man eine Hauptrichtung, eine Strömung wählen und mit seinem Kreuzchen eine Tendenz oder politische Richtung ausdrücken. Auffällig ist aber, dass ich nur von drei Parteien überhaupt Werbung bekommen habe: Der CDU, der SPD und der FWG (Freie Wählergemeinschaft).

Die Linke, die Grünen, die FDP und andere haben sich nicht gemeldet. Wohl hängen sie aber zu Hauf auf großen Plakataufstellern, die ganze Straße entlang. Auf manchen Gesichtern haben sich Kinder verewigt und mit Bleistift kleine Schnauzbärte auf weibliche Gesichter gemalt- lustig. Darin steckt entweder nur ein Scherz oder die unbewusste Angst vor einer “männlichen, dominanten” Frau, die die Geschicke ihres Landes in die Hand nimmt. Diese Interpretation drängt sich zumindest auf, wenn man die Entwicklungen mit der Berichterstattung und der Zeitung vergleicht, die zum Schluss kommt, dass in unserem Landkreis der Frauenanteil in der Lokalpolitik bei unter 20% liegt! (soweit ich mich erinnern kann, gerade mal magere 16%) Und auch in den Blättchen der werbenden Parteien kann man diese Entwicklung eins zu eins verfolgen, es sind eindeutig mehr Männer als Frauen und vor allem: fast überhaupt keine jungen Frauen.

Die Geschicke unserer Gemeinde, unseres Kreises und vielleicht auch unseres Bundeslandes werden also von älteren Männern – meistens mit Schnauzbart- bestimmt, die die Reste einer patriarchalischen Gesellschaft verwalten. Nach außen wird diese Macht vom männlichen Geschlecht verwaltet. Macht über Meinungen, über Entscheidungen, über Geld.

Junge Frauen, so argumentiert die Zeitung, müssen sich zwischen Beruf und Familie entscheiden und wenn sie beides wählten, wäre für eine zusätzliche Beteiligung, wie z.B. in der Politik, kaum noch Zeit. Das mag stimmen, es wäre also ein Zeit- und Überlastungsproblem.

Eine Frau kann sich nur aktiv in der Politik einmischen, wenn sie genügend Zeit dazu hat und entsprechende Unterstützung von Angehörigen, der Familie oder anderen Personen bekommt. Wenn man sie überhaupt als Wesen wahrnimmt, das Macht erhalten und verwalten soll. So wundert es nicht, dass gerade in den Landkreisen, die bei uns als etwas rückständig und fern von den Städten liegen, diejenigen sind, bei denen der Frauenanteil am geringsten ist. Je städtischer der Wahlkreis, desto höher ist auch der Frauenanteil (Quelle: Rheinpfalz). Die ländliche Umgebung ist meistens strukturschwach und zudem psychologisch von Rückständigkeit und Konservatismus gezeichnet. Menschen entfalten sich vor allem dann gut, wenn Faktoren wie schnelles DSL, gute Nahverkehrsverbindung und hohe Arbeitsplatzchancen gegeben sind. In den Städten hat man eine Anhäufung von jungen, dynamischen Menschen, in den ländlichen Landkreisen bleiben oft die, die es sich nicht leisten können, einfache Berufe haben oder schlichtweg zu alt sind.

Junge, dynamische Frauen, die die Geschicke ihres Ortes oder Kreises in die Hand nehmen, sind also für die Politik wichtiger als je zuvor. Sie sind nur angehalten und aufgefordert, ihre Chance zu ergreifen, die in der partiellen Unterentwicklung von ländlichen Regionen liegt. Frauen, geht weg vom Herd und ergreift die Chance, die in der Politik liegt. In der Vielseitigkeit, der Kommunikationsfreude und der berühmten “Multitasking”- Fähigkeit liegen die natürlichen Ressourcen. Die Familie und Werte wie Solidarität, Fairness und Nachhaltigkeit, z.B. in der Umweltpolitik können nur wachsen, wenn mehr weibliche Personen an der Politik teilnehmen.

Und letztendlich ist es auch eine Frage der Gerechtigkeit und wahrgenommenen Chancengleichheit.

Die perfekte Hülle und ein bitterer Nachgeschmack

Ein kleiner Mövenzaan, allein in weiter Flur

Die Topmodels- Virtuelle Seelen-Medizin

Gestern kam es also, das Finale, auf dass wir alle “so lange gewartet haben”. Der krönende kurze, werbeverseuchte Pieks in der gigantischen Medien-Seifenblase GNTM. (Germanys Next Topmodel).

Man merkt der Sendung an, dass so langsam die Ideen ausgehen, denn die vierte Staffel war mitsamt dem Ende der dritten Staffel sehr ähnlich.

So wundert es auch nicht, dass ich fast alle anfänglichen Folgen geschaut habe und nur bei den letzten drei welche weggelassen habe, auch das Finale habe ich nur mit einem Augenwinkel gesehen- denn auf dem anderen Kanal lief mal wieder Star Trek: verlockender! Nur die Enthüllung der Gekürten tat ich mir in einer Werbepause an.

Die Reaktionen der Zuschauer war im Verlauf der Staffel ähnlich, doch merkte ich diesmal besonders über Twitter, wie gehässig und abfällig Menschen sein können. Man mag es nicht glauben, aber die Welt ist nunmal nicht voller Liebe und Mitgefühl, sondern durchtränkt von Hass, Eifersucht und niederen Gefühlen. Die allseits grinsende Heidi Klum scheint diesen Hass ganz besonders auf sich zu ziehen. Zu erfolgreich ihr Leben, zu hübsch ihr Gesicht, zuviele Kinder, ein perfekter Ehemann, keine Skandale, zu perfekt ihr Auftreten, zu hoch ihr vermuteter Kontostand, zu ideal ihre Zähne, zu utopisch und perfekt für den Durschnitts-Deutschen. Eine weibliche Göttin auf High Heels, möchte man meinen. Und doch Sinnbild für ein heimliches Ideal von so vielen.

Ähnlich ihre Mädchen, die zuerst etwas verschüchtert, wie typische Schulmädchen wirken und mit der Zeit immer professioneller und ausgebildeter werden. Man merkt, wie sie Erfahrung bekommen und selbstsicher werden. Die Eltern daheim, besonders weibliche Personen, werden ins Träumen kommen, wenn sie sehen, was “ihre Tochter” da aus sich macht, vielleicht auch ein wenig Neid entwickeln. Andere Mädchen werden sie bewundern und Jungs in ihrem Alter bekommen den Mund sowieso vor Staunen nicht mehr zu. Nur Feministinnen, ältere Männer und solche, die vielleicht schon zwanzig Jahre verheiratet sind, stehen darüber und schauen lieber das literarische Quartett. Für sie hat die Sendung keine Relevanz.
Der echte Jäger zeigt erst da die wahre Größe, wo er aufs Jagen verzichtet und stattdessen Fleisch aus der Dose schaufelt.

Und so fiel mir diesmal über Twitter auf, dass es eine völlig neue Gruppe von Zuschauern gibt, eine Klientel, von der ich eigentlich dachte, dass sie mit dem Untergang des römischen Reichs und der “Brot und Spiele“- Zeiten ausgestorben wären: Die GNTM-Hasser.

Man erkennt sie daran, dass sie sich auf eine Kandidatin stürzen und diese entweder mit unbändiger Liebe und Zuneigung überhäufen, oder bei Nicht-Gefallen diese Liebe in ihr Gegenteil verkehren. Ab sofort werden diese imaginären Persönlichkeiten gehasst. Man kennt sie nicht, nein das ist nicht wichtig. Aber man kennt ihr Abbild, ihre virtuelle Aura, ihr zweidimensionales Konterfei. Man erkennt ihre Gefühle, sieht ihren Körper, der wie bei einer Sklavin einem Millionenpublikum verkauft wird, man sieht, wie sie sich winden, und dem Schrecken der Ober-Chefin Heidi entkommen, ein gigantisches für die zahlenden Werbekunden inszeniertes Spektakel. Frauen? Jung? Das ist perfekt. Sie sind wehrloses Opfer, empfänglich, dümmlich, ein perfektes Hass-Objekt. Doch wehe, wenn die Kulleraugen mal wieder eine Teddy-Träne lostreten, wer kann da so grausam sein und kein Fünkchen Mitgefühl empfinden? Wer wird auch bei dem genialsten Outfit immer noch von Logik und Werbebotschaften faseln, wenn die Wucht des medialen Aufschlags in das Wohnzimmer schlägt und die sexuell-psychologischen Wellen ihre Kreise ziehen? Mal ehrlich, wer bleibt da kühl?

Ständig wird geweint und ein anderes Lied eingespielt- die Sendung ist eine reine Aneinanderkettung von Gefühlen und Phantasien. Sie eignet sich hervorragend für weibliche und musikalisch- oder sozial veranlagte Menschen, die Gefühle in ihrem Gegenüber “spiegeln” wollen oder sich auf die Unendlichkeit der kleinen weiblichen Gefühls- und Gedankengeschichten einlassen wollen. Naturgemäß ist es am Anfang besonders schön, weil da die noch unerfahrenen Mädchen sich das eine oder andere “Lustige” oder “Besondere” leisten- am Ende der Staffel merkt man dann, dass alle die gleiche Sprache sprechen und beinahe wie beim Militär mit den immer gleichen Antworten und Formeln aufwarten.

Nein, diese Sendung ist keine Ausbildung für Models und auch ein “Topmodel” wird nicht gesucht, das erzählt man nur ständig. Würde man den harten Model-Alltag wie in einer Dokumentations-Sendung einfangen, wären die Geschichten schnell erzählt und auch die Spannungs- und Höhepunkte hielten sich in Grenzen. Diese Sendung ist Show. Pure Show. Und nichts anderes. Die Sendung zielt darauf ab, möglichst hohe Einschaltquoten zu generieren, möglichst vielen Leuten einen emotionalen Input zu bieten und in einem großen medienwirksamen Sog Zuschauer an sich zu ziehen, was ihr ja auch gelingt.

Wie kann man bei diesen offensichtlichen Absichten noch damit argumentieren, dass die Sendung keinen Bildungsauftrag hätte? Dass sie ein schlechtes Vorbild für junge Frauen wäre? Dass dabei ethische Grundsätze und damit verbundende Moralfragen ausgehebelt werden?

Diesen Anspruch hatte die Sendung noch nie. Nein, wer das glaubt, was auf der Verpackung steht, der ist schon längst in den Fängen der Oberflächlichkeit verheddert, der versteht das Konzept nicht.

Wer sich über die Werbebotschaften ärgert, aber das mit Geschmacksverstärkern und künstlichen Farb- und Aromastoffen versehende Konzept zügig in sich reinschaufelt, sollte sich hinterher nicht über Blähungen wundern.

So ist “Show” nunmal. Laut, voller Emotionen und Tränen, mit hübschen Frauen, perfekt und für den Kunden präsentiert. So ist Werbung nun mal. Ob für Produkte oder in der Tier- und Pflanzenwelt. Es geht um die hübschesten Blüten, um den besten Duft, die größte Attraktion. Die ganze Natur ist auf diesen Effekt des Werbens und Findens ausgerichtet.

Diese Sendung gibt nur das wieder, wofür Menschen empfänglich sind: Die perfekte Hülle.

Der Weltraum- Unendliche Weiten

Die Crew der “Star Trek- Das Nächste Jahrhundert”-Reihe mochte ich einfach am liebsten.

Vor allem die Kinofilme “Der erste Kontakt” (1996) und “Der Aufstand” (1998) prägten sich bei mir tief ein. Umso größer die Freude, dass sie gestern im Stark Trek- Mai auf Kabel 1 gezeigt wurden. Ich schaute allerdings nur den “Aufstand” und anschließend eine Doppelfolge “Skorpion” der Voyager- Reihe, letztere übrigens mit einem weiblichen Kapitän. ;-)

Damals und heute hat sich meine Sichtweise auf die Filme nur wenig verändert. Noch immer denke ich, dass sie ein Meisterwerk der Filmkunst sind und Wegweiser für eine ganz neue Generation der Fernsehunterhaltung. Einzigartig z.B. die Verquickung von moderner Sciencefiction, die wirklich “visionär” und alles andere als altbacken oder berechenbar ist, die vielen technischen Details, die in der Summe als glaubwürdig gelten dürften und auf mich Phantasie- anregend wirken. Dazu kommen tolle Schauspieler, die wirklich mit Leidenschaft ihre Rolle spielen und der ständige augenzwinkernde Humor, der mich in den Bann zieht und genau in der richtigen Dosierung platziert ist. Natürlich dürfen auch die moralischen Aspekte, die Philosophie und die zwischenmenschlichen Dinge nicht fehlen, was der gesamten Folge immer dieses Extra an Pädagogik und Vorbildfunktion für viele Jugendliche mitgab und gibt.

Im “Aufstand” wurden die Liebesgeschichte und das Gefühlsduselige allerdings etwas übertrieben, so nerven mich damals wie heute die langen und teilweise etwas kitschigen Einstellungen, die laut Wikipedia sogar nachträglich noch gekürzt worden sind. Die Basis-Handlung ist gewohnt gut und fesselnd und birgt Startrek-typisch einiges an Überraschungspotential. Dennoch hätte es ruhig ein paar mehr Wendungen und komplexere Handlungsstränge sein können, denn allzu berechenbar wird der Verlauf zum Ende hin. Es gibt die Bösen, die Guten und die vermittelnde Crew, das kennt man schon aus so vielen Folgen.

Gut daran ist, dass man sich diesmal viel in echtem Gelände bewegt und die Schönheit des fremden Planeten so authentisch eingefangen hat. Außenszenen waren immer etwas Besonderes in der sonst etwas dominierenden Studio-Umgebung der Serie.

Dass dieser fremde Planet das Leben schenkt und alle Einwohner mit einer seltsamen, fremden Strahlung quasi verjüngt, wirkt nachvollziehbar. Lustig, die Veränderungen an den einzelnen Mitgliedern. Die Evakuierung aus dem Dorf hat Action-Potential – ist aber zu kurz geraten. Diese Stelle hätte man ruhig noch etwas ausbauen können. Stattdessen verschenkt man die Zeit mit nervigen Streit-Dialogen und moralischen Dingen, die die eigentliche Handlung etwas unterdrücken. Sicherlich, die Serie zeichnet sich dadurch aus, dass reflektiert und nachgedacht wird, aber die Action darf man dabei nicht vergessen, vor allem nicht in einem Kinofilm! Mit dem Jungbrunnen-Thema hätte man zudem ein tolles Motiv, dass für viele Anregungen und psychologischen Assoziationen gut gewesen wäre, doch neben dem plakativen Schönheitswahn und der zur Hässlichkeit entstellten „Bösen“ fehlt ein wenig der Tiefgang der Thematik.

Stattdessen verliert man sich in romantischen Vorstellungen, was man hätte alles machen können, wenn man nochmal jung wäre. Worf kommt wieder in seine klingonische Pubertät und ist noch ein Stückchen aggressiver als sonst (aber chic, mit Pickel!), Picard und Riker und ein paar Damen verlieben sich, „Lieutnant Commander“ Data hat nur einen glatten Androiden-Popo wie immer, dafür hebt sein kindlich-naiver Humor den Rest der Crew mit nach oben.

Die Inszenierung des Films ist vorbildlich und lädt zum Träumen ein. Alles ist authentisch, echt und fühlt sich toll an. Die Maske gewohnt gut, man erwartet nichts anderes mehr und doch ist sie so genial, die Außerirdischen wirken wirklich „außerirdisch“. Filmmusik und Effekte sind ebenfalls gut und in gewohnter Star Trek-Qualität.

Der Film ist ein schönes, solides und fesselndes Märchen über die Gedanken an die Jugend in ferner Zukunft.

………………………..

Die Doppelfolge „Skorpion“ aus der Voyager-Reihe kannte ich noch nicht. Diese hob sich aber deutlich von der sonstigen Serie ab und war besonders eindringlich und durchgängig spannend, fast spannender als der vorherige Kinofilm. Die sonst so mächtigen Borg hatten sich mit einem falschen Feind angelegt, jemand, den sie nicht „assimilieren“ konnten, sondern der zur einer ernsten Gefahr für sie wurde. Eine biologische Lebensform, die dem sog. flüssigen Raum entspringt, ähnlich in Expansionswille und Aggression den Borg, aber noch stärker. Mit ihrer überlegenen Technologie vernichten sie einen Borg-Kubus nach dem anderen. Die Voyager, verschollen im fernen Delta-Quadranten (Teil der Vorgeschichte der Serie) geraten zwischen die Fronten, entwickeln aber quasi aus dem Nichts spezielle Nanosonden, ein Anti-Serum, dass man als biologische Waffe gegen die neue Spezies 8472 verwenden kann.

Damit gelingt es ihnen tatsächlich, die Borg zur Zusammenarbeit zu überreden und die fremde Spezies zurück zu drängen. Im Gegenzug für die neue Technologie gewähren die Borg freies Geleit durch eine spezielle Passage zum nächsten Quadranten.

Dass die Borg allerdings wie ein Skorpion immer stechen müssen, weil das ihre Natur sei, gibt es am Ende doch noch Ärger mit ihnen. Die Überlebende und individuelle Vertreterin des Kollektivs, die weibliche Borg „Seven of Nine“ versucht, die Voyager in ihren Besitz zu bringen. Mit letzter Kraft gelingt es der Crew aber, diese von ihrem Kollektiv zu trennen und sie langsam aber sicher wieder in einen Mensch zurück zu verwandeln.

Die technische Umsetzung der Folge ist hervorragend und die zu nehmende Computerisierung der Spezialeffekte trägt ihren besonderen Teil dazu bei. Der Ausflug auf das Wrack eines halb zerstörten Borg-Schiffes ist sehr spannend und realistisch umgesetzt, so dass man ähnlich wie in den „Alien“-Filmen schnell ein Gruseln bekommt. Die Weltraumkämpfe unterstreichen die Dramatik und sind gut anzusehen. Insgesamt eine sehr gute Folge der Voyager. Die etwas schrägen u. überdrehten Charaktere bleiben zum Glück im Hintergrund und der pragmatisch-logische Charme des weiblichen Kapitäns überwiegt. Das war eine gute Entscheidung!

J.A. Blog läuft unter Wordpress 2.9.1
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates
44Verweise. 0.572 Sekunden.

J.A. Blog is Digg proof thanks to caching by WP Super Cache



Page 1 of 3123


//