J.A. Blog

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Archiv: April 2009

Die Mediengrippe

Kommentar

Nun also die Schweinegrippe.

Äh nein, falsch- die Mexiko-Grippe, äh ne auch falsch, die “Neue Grippe, Nachfolgerin der ehemals alten, bzw. vordermals alten und ehemals, dazumal neuen Grippe.”

Als ob die Menschen in diesem Jahr mit der “Weltwirtschaftskrise” nicht schon genug zu tun hätten, nähert sich nun das nächste Schreckgespenst und verbreitet Sorgen und Kummer. Wie immer sieht man vor allem die Unfähigkeit des modernen Medien-Benutzers (auch des Gebildeten) diese Phänomene richtig einzuschätzen und sich eine objektive, von Panik freie, Meinung zu bilden.

Sicherlich, ein paar Menschen sind schon gestorben. Sicherlich, die Grippe verbreitet sich von Mensch zu Mensch (so wie tausende andere Krankheiten und Viren auch). Aber gibt es nicht auch Medikamente? Ärzte? Programme? Notfall-Pläne? Forscher, die ein Gegenmittel bzw. eine Impfung erfinden?

Komischerweise habe ich beim Namen “Pandemie“  immer diese komische Reportage, eine Mischung aus Katastrophen-Szenario und pseudo-wissenschaftlichen Fakten im Hinterkopf.
Das war vor ein paar Monaten, aber ich erinnere mich noch gut an die Bilder, die Unheil-verkündende Stimme, die bedrohliche Musik wie in einem Horrorfilm, die gekünstelten Bilder und Visionen eines Regisseurs und Autors, der eigentlich nur Geld auf Aufmerksamkeit erhaschen wollte. Was tun Menschen nicht alles für Aufmerksamkeit! Was tun Menschen nicht alles für Beachtung, Einschaltquoten und Medien-Interesse.

Manche Menschen haben das so sehr nötig, dass sie jeglichen Anstand über Bord schmeißen und nur noch auf diesen einzigen Faktor “Aufmerksamkeit” reduziert sind. Wie der Medienpsychologe gestern in der Fernsehsendung richtig feststellte, ist die Masse der Menschen unfähig, sich ein von Emotionen freies Bild über eine Sache zu machen und nur die trockene Statistik zu sehen. Menschen funktionieren manchmal ähnlich wie ein Vogelschwarm: Sie fliegen hoch, weil alle hoch fliegen. Gefahr hin oder her, erstmal wird alarmiert, nachdenken kann man später ja immer noch.

Aber so ein Verhalten ist in allen Fällen, wo es keine ernste Gefahr gibt, verwerflich. Es verschlimmert die Gefahr sogar. Massenpaniken (im großen wie im Kleinen) werden immer von Menschen ausgelöst, die sich von der Panik anstecken lassen. Die sich im entscheidenden Moment nicht unter Kontrolle haben, sondern den Befehlen ihres limbischen Systems und anderen Gefühls-emittierenden Regionen des Gehirns untergeordnet sind. Die die Bilder nicht filtern können. Die dem Medien-Hype ausgeliefert sind. Die glauben, was ihnen andere erzählen. Die sich auf irgendwelchen dubiosen Nischenblogs rumtreiben und Meinungen zu einem Thema lesen, von dem sie eigentlich- so wie ich- keine Ahnung haben.

Aber zugegeben, es ist mal wieder etwas neues. Es lässt sich vorzüglich vermarkten und einen schönen harmonischen Einklang im kollektiven, global vernetzen Bewusstsein der Menschen schaffen.

Danke, Mediengrippe!

Explain the unexplained

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Für die Chillout-Lounge gibt’s heute einen neuen Song. Er heißt „Explain the unexplained“.

80 bpm, das sind manchmal genug. Langsamer Einstieg… geruhsamer Verlauf- überraschendes Ende.

Komplett selbst produziert, frisch für eure Ohren. Klickt auf „play“ und genießt.

Man sieht sich dann neben der Lava-Lampe…

Ein ♥ für Blogs

Die Aktion wurde hier gestartet und ich hab sie hier gefunden.

Andere Blogs lese ich grundsätzlich sehr gerne. Ich habe seit dem Anfang meiner Blog-Tätigkeit auch versucht, andere Leute zu verlinken und zu lesen. Da ich am Anfang vorhatte, einen eher kritischen, satirischen “Bürger-Journalismus” zu formulieren, war es wohl kein Wunder, dass ich bald von Stephan gefunden wurde, der hier sein Blog hat. (und hier das Neue)

Stephan war/ist lange Zeit mein Chef-Kritiker… er ist ein toller Fotograf und Künstler. Ich selbst habe mich aber wieder von der politischen Schiene etwas distanziert, weil mir erstens) nicht mehr soviel dazu einfällt und weil es zweitens) noch andere interessante Themen gibt. Im Moment gehe ich lieber wieder in die künstlerische Ecke und schreibe einfach frei, egal was es ist. Das macht mir irgendwie am meisten Spaß.

Dadurch, dass ich meinem Blog auch einen “moralischen Sinn” geben wollte, habe ich relativ früh Claudia und Violine kennen gelernt, die ich auch immer noch lese. Gute Blog-Nachbarinnen zu finden, ist nämlich gar nicht so einfach!
Claudia lese ich jeden Tag, sie ist ein absolutes Pflichtblog und tlw. auch Vorbild für mich. Gerade weil sie eine kritische Meinung hat und nicht zu jedem ja und amen sagt, finde ich sie so wertvoll und “besonders”. Natürlich teile ich nicht jede Meinung, aber das muss man auch nicht. Ein wenig konstruktive Diskussion und Streitkultur belebt den ansonsten so trockenen Literaturbetrieb. ;-)

Violine ist vor allem an psychologischen Themen interessiert und auch an Medien, vor allem an Büchern- das passt gut zu mir. Zudem mag ich ihren Namen und Blog-Slogan einfach sehr! “Mal schräg, mal schön“. …

Auch bei Jörg, Menachem oder Fragezeichner stöbere ich gerne, hier gibt es viele interessante Artikel zu lesen, die mir allesamt gut gefallen.

Vor allem der Fragezeichner ragt mit seinen Fragen heraus und bringt mich stets zum Nachdenken. Menachem ist eher überlegt und ruhig, hier fühle ich mich rundum wohl. Jörg ist der Philosoph unter den Bloggern, er schreibt tolle Texte und dreht zudem schöne Videos über Philosophie, die ich euch sehr empfehlen kann!

Claudia Klinger habe ich über die Google-Diskussion kennengelernt. Sie hat tolle, gut recherchierte und ausführliche Texte. Zudem scheint sie viel Erfahrung zu haben und ist schon lange “online”. Ein einzigartiges und schönes Gartenblog, das auch von ihr kommt, findet ihr hier. Wer braucht da noch Pflanzenbücher?

Richtig laut und bunt wurde es mit dann Ende letzten Jahres mit Medioman, dem Powerblogger unter den Bloggern, den ich relativ zeitgleich mit Ecki, dem berühmten Star aus den Blogcharts, kennengelernt habe (na, was für ein Zufall! ;-) )

Ecki ist ein sehr netter Mensch und trinkt viel Kaffee. Seine Artikel sind auf jeden Fall lesenswert. Leider hat er zwischenzeitlich das Bloggen mal eingestellt, aber ich hoffe, dass er bald weitermacht und auch wieder so eine schöne Blogschau drehen wird. Die sind nämlich super! Und er soll sich von Hartmut bitte nicht ärgern lassen. :-)

Bei ihm (Hartmut) wurde mir erst richtig klar, dass Bloggen vor allem bedeutet, auch Mensch zu sein. Er hat mich immer wieder darauf angesprochen, dass ich nichts privates schreiben würde und zu abstrakt wäre, usw. Das hat mir klar gemacht, dass es tatsächlich wichtig ist, ein guter Mensch- und nicht nur eine Schreib-Maschine zu sein. Je authentischer der Mensch ist und je netter und offener, desto besser werden auch die Texte. Ich denke, dass ich daher in dieser Richtung auch weitermachen werde- was natürlich nicht heißt, dass überhaupt keine nachdenklichen, abstrakten oder kritischen Texte mehr kommen. Aber ich werde versuchen, mein Blog um diesen Aspekt zu bereichern und über diese Erkenntnis bin ich sehr froh.

Anfang des Jahres habe ich dann noch die talentierte und nachdenkliche Künstlerin Alice kennen gelernt (über Claudia). Nach so langer Zeit habe ich endlich mal jemand gefunden, der sich auch für Musik interessiert und selbst macht, vor allem eine Frau, das gibt es in der Elektro-Ecke eher selten! Sie schreibt dazu noch tolle, lange Texte und auch Gedichte. Alice ist für mich also ein Hoffnungsträger unter den weiblichen Blogerinnen.

Heiko habe ich auch Anfang des Jahres getroffen, er ist ein fleißiger Twitterer und setzt sich für die Öffentlichkeitsarbeit bei Blinden ein. Diese allein schon schwierige Arbeit verdient uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Bewunderung. Dazu schreibt er noch tolle Texte und ist ein netter, höflicher Mensch.

Tja alle Blogs lese ich sehr gerne. Vielleicht liegt es daran, dass ich sonst zu nichts komme oder vielleicht auch keine neuen Blogs aufnehmen oder lesen kann? Das muss ich aber ändern, denn gerade bei Hartmut tummeln sich in der letzten Zeit soviele lesenswerte Menschen, dass ich wohl bald anbauen muss! Ampuria, Luigi, Rio, Zaubi um nur ein paar zu nennen….

Wie immer danke ich allen Nachbarschafts-Blogs und ich hoffe, dass die Zusammenarbeit- und wenn es nur ein gemeinsames Lesen ist- sich weiterhin so gut gestaltet.

Ich schenke euch ein Herz für Blogs.

Schlechtes Werbedeutsch in Emails

Was ist an dieser Werbenachricht nicht gut gelöst?

“Ficken bis der Arzt kommt in Hamburg”

Okay, sie ist der Betreff einer Email, das heißt aber nicht, dass man hier kein gutes Werbedeutsch braucht. Frau Prof. Dr. Dr. J.A. B. aus Ober-K. wird ihnen heute also erklären, was daran falsch ist!

Zuerst einmal das Positive, es ist alles enthalten, worum es geht “Ficken”, “Arzt” und “Hamburg”. Hier geht es also wahrscheinlich um eine Ärztedatenbank für Urologen oder äh.. vielleicht auch Kontaktanzeigen.

Aber das Deutsch, Kinder, das Deutsch. Wo sind die Satzzeichen? Wenigstens ein “!” am Ende wäre doch gut gewesen. Es muss doch lauten : “So lange ficken [komma] bis der Arzt kommt [punkt] Nur in Hamburg [punkt] / [ausrufezeichen]”

Oder mit diesem Neu-Vorschlag: “Ficken? Gnadenlos, solange bis der Arzt kommt. Nur in Hamburg!”

Das klingt auch etwas schmissiger und wird die Kunden vielleicht eher überzeugen!

Die Frage ist aber, warum nur in Hamburg, geht es nicht auch in anderen Städten? Sind solche profanen Genüsse nicht auch den Menschen in Berlin oder Mannheim erlaubt? Vielleicht gar eine kleine Städte-Diskriminierung von Medienleuten, die ja gerne mal in Hamburg residieren? Naaa ??

Also, liebe Email-Autoren, bitte ein wenig mehr nachdenken, dann les ich euch vielleicht auch. Aber die Gefahr, dass “Ficken” in den Spamfilter gerät und dort gnadenlos aussortiert wird, die ist nunmal sehr hoch.

Und das wollen wir doch nicht. Denn wie wollen wir uns sonst fortpflanzen?

Zweidimensional

baum3d

Wind. Wind um die Hände. Ich spüre die Wirbel, den Strahl der Luft, wie er mir um die Finger streicht.

Ich sehe den Menschen in der Ferne auf der Bank, und er sieht mich. Langsam nähere ich mich ihm, doch plötzlich bin ich da. Kurz vorher biege ich ab.

Ich schaue nur kurz nach oben, die Luft schneidet mir ins Gesicht. Ich bekomme Pollen und kleine Staubpartikel in die Augen, so dass ich sie zusammenkneife. Es ist sehr hell. Die Sonne strahlt kräftig, Licht ist überall.

Bald kann ich nichts mehr sehen, ich muss anhalten. Wische mir den Dreck aus dem Augenwinkel.

Weiter geht´s zum Baum, wie er gewachsen ist! Stolz reckt er sich in den Himmel und zeigt uns seine schönen Blätter.

Ich atme tief ein und genieße den Duft nach Erde und Blüten. Sonne und Gras. Ich rede und rede und finde kein Ende. Mein Gehirn wird ums dreifache beschleunigt.

Am Berg bekomme ich keine Luft. Ich muss schweigen, anhalten und langsam machen.
“Andere nicht. Aber nur eine kann Germany´s Next Top Model werden”, schießt es mir durch den Kopf.
Da reiße ich mich zusammen und versuche, mich zu überwinden. Nehme den Berg mit letzten Kräften. Die Muskeln an den Beinen spannen, die Sehnen winden und strecken sich. Die Gelenke knacken. Bald schon tut mir der linke Fuß auf der Oberseite weh. Er war wohl noch im Winterschlaf.

Ich stöhne. Es ist anstrengend. Geschätzte zwei Wochen war ich nicht mehr wandern, wenn man von den 3000 Kilometern im Haushalt mal absieht. Was für langweilige Kilometer im Vergleich zum puren Erleben in Mutter Natur!

Mein Kopf ist schon leicht eckig geworden, die Augen auch. Ich sehe alles wie durch ein Filter. Die Bewegungen, kann sie nicht abschätzen, wie ein Gemälde.

Zweidimensional.

Mir scheint, ich habe die ganze Zeit eine Ebene übersehen.

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