Posted by J.A. on Februar 20, 2009

Soziale Differenzen und Schichten

Menschen, die sich mit Arbeitslosigkeit nicht auskennen, weil sie vielleicht selbst nie arbeitslos waren oder niemanden in der Familie haben, können solche Dinge sagen wie: Hartz IV wäre ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie. (Via Bembel @ Twitter.)

Was steckt hinter solchen, -zugegeben- verbreiteten Aussagen, Denkmustern und Vorurteilen? Genau wie der Professor, der einst diesen Mindestsatz zum Essen vorgeschlagen hat, mag hier eine Überheblichkeit und Dekadenz zum Vorschein gekommen sein, wie es sie sonst selten gibt. Es ist, aus sozialer Perspektive natürlich unglaublich erschreckend und menschenverachtend, arme und vom Wirtschaftsleben benachteiligte Menschen so leichtfertig über einen Kamm zu scheren.

Es ist nicht nur vereinfachend, böse und bequem, sondern es ist auch völlig falsch und gefährlich.

Man sollte nicht den Fehler machen, und die Leute, die solche Aussagen treffen, verurteilen und beschimpfen, dann wäre man nicht besser als sie. Aber es wäre wert, über die eigentlichen Hintergründe z.B. Arbeitslosigkeit nachzudenken und auch zu versuchen, die Ursachen und Verläufe zu verstehen, die dahin geführt haben.

Zuerst, es gibt eine große, undurchsichtige Mauer der sozialen Schichten. Diese sozialen Schichten trennen die Menschen in verschiedene Berufsgruppen und es ist unweigerlich, dass die Arbeitslosen in die unterste Schicht der „Parias“, der Rechtlosen und Verachteten rutschen. http://de.wikipedia.org/wiki/Paria

Viele Menschen sagen, sie wären sozial und würden das nicht machen, aber die Realität zeigt, dass genau das passiert. Wenn man erstmal unten angekommen ist, wird es schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Egal ob man nun Abi hat, studiert hat oder „nur“ eine Ausbildung hat: Wer nicht mehr am Arbeitskuchen und den geregelten Gesellschaftsabläufen teilhaben kann, wird zwangläufig „ausgegliedert“. Es muss gar nicht mal Bösartigkeit sein, es ist einfach der Gang der Dinge. Menschen haben mich gemieden, als ich nicht mehr an der Uni war, weil sie jetzt andere Themen hatten. Auf Partys wurde sich auf die Schulter geklopft und über das nächste Examen gesprochen, die Eltern haben ein neues Auto geschenkt, die nächste Wohnung war natürlich auch schon gebucht, die Auslandsreise stand bevor. Eine Welt voller Abgehobenheit und Elite-Denken, bei denen die meisten, die daran teilhaben, schon gar nicht mehr denken, dass sie sich isolieren.

Schon immer fiel mir auf, dass sich die meisten Menschen separieren und zwar genau, indem sie sich Ziele setzen und Dinge erreichen wollen, die für andere unerreichbar sind. Es ist durchaus beabsichtigt, weil es dem Leistungsdenken und der darwinistischen Ethik entspringt, die unser Abendland so prägt.

Schaut man dann nach unten, auf die Leute, die es nicht geschafft haben, die „auf Grund Faulheit oder charakterlichen Schwächen“ eine Ausbildung geschmissen haben, dann wird die Nase gerümpft oder noch schlimmer- noch nicht mal mehr darüber nachgedacht.

Die soziale Separierung der Schichten und Klassen geschieht beinahe automatisch, von selbst. Es ist gar nicht soviel Bösartigkeit zu vermuten, aber allein auf Grund der Lebenstatsachen passiert es.

Wenn jetzt Politiker solche Vorurteile loslassen, dann drücken sie einfach ein Denken aus, was in ihrer jeweiligen Schicht als „normal“ gilt und das ist das erschreckende. Sie lassen leichtfertig ein Vorurteil los, was in ihren Kreisen vielleicht normal ist. Aber sobald es auf die andere Seite der Erdkugel, auf die Perspektive der Entrechteten und Machtlosen trifft (den sozial schwachen) ist der Aufschrei natürlich groß, weil sich hier die Spannungen wie in einem Rutsch entladen und zeigen- das wir eine große und schwer überbückbare soziale Differenz in unserem Land haben.

Natürlich ist auch was Wahres dran: Arme oder arbeitslose Menschen trinken mehr Alkohol und rauchen mehr. Warum? Weil sie dumm sind? Weil sie sich nicht benehmen können oder keine schlauen von der Bundesregierung verteilten Hochglanz-Broschüren lesen?

Nein. Weil sie einfach keine Zeit dafür haben. Weil die Sorgen zu groß, das Leiden zu stark und die Ausweglosigkeit zu groß ist. Weil unsere Gesellschaft durch den Ausschluss von Menschen diese Probleme erst schafft, so wie ein Zimmer, dass ich nie aufräume und mich dann aufrege, dass „es hier aussieht wie Sau!“.

Wo ist das Soziale heutzutage in der Politik? Wo ist das wirklich soziale, das über das Verteilen von Kapital hinausgeht? Förderung von Bildung, alternativen Ausbildungswegen, Förderung von Integration und armen Menschen? Wo ist der Glauben, die Religion, die Kirchen?

Warum hört man z.B. vom Pabst nur wieder Nazi-Querelen aber keine Statements und Projekte, die das Leid in der Gesellschaft verringern könnten? Wer fühlt sich verantwortlich? Wer ist verantwortlich?

Angesichts der Herausforderungen die durch die Finanzkrise vielleicht doch entstehen könnten, ist klar: In unserer Gesellschaft besteht sozialer Handlungsbedarf. Und zwar auf breiter Linie.

(Vielleicht ein schöner Auftakt für das Superwahljahr 2009 ?)

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Posted by J.A. on Februar 20, 2009

Oh, diese Gefühle!

Über die Weltflucht- und die eigenen Stimmungen

Oh ich liebe diese Musik. Last.fm ist wirklich ein Segen.

Mein Tipp für traurige Stunden allein am PC: das Tag „sad“… Dann müsst ihr aber so was wie die Pussycat Dolls natürlich weiterklicken. Aber Bands wie die Counting Crows, Coldplay, The Streets, Placebo oder wie sie alle heißen sind es wirklich wert, gehört zu werden. Ich schreibe sehr gerne zur Musik. Es ist dann einfacher, die Gefühle in die Zeilen fließen zu lassen.

Und das Lustige ist: Musik ist dann wie ein Katalysator. Meine Ausgangsstimmung führt zu einer Musikwahl. In traurigen, einsamen oder nachdenklichen Stunden wähle ich was Trauriges – und finde sogleich die Resonanz in den Liedern, kann dann auch über meine so gelagerten Gefühle schreiben.

Wenn ich mutig und entschlossen bin oder meine Gefühle auf ein Minimum „sediere“ dann höre ich vielleicht lieber Techno und Trance. Diese Musik hat einen klassischen Vier- Viertel- Takt und klare, abgesteckte Instrumente. Damit klappt das analytische Arbeiten am PC besser. Die langweiligen, sich stets wiederkehrenden Arbeiten sind damit auch einfacher (z.B. Putzen, Aufräumen oder Spülen). Aber auch die Euphorie, die durch die Trance Musik beflügelt wird, empfinde ich als bereichernd: Nämlich stimmungsaufhellend!

So ist die Musik für mich wie eine Droge, eine natürliche Substanz, mit der ich ein bestimmtes Stimmungslevel erhöhen, halten, streichen oder nivellieren kann. Musik ist die direkte Verbindung in die Seele.

Genau wie jede andere Form der Kunst, kann man damit die Schwankungen und Abläufe direkt „betrachten“, wahrnehmen und somit besser steuern. Wenn man dann in einen Moment ist, wo die Gefühle spontan auftreten, hat man eine gewisse Vorarbeit geleistet und ist besser bereit, mit dem „Ansturm“ fertig zu werden.

Ich empfehle daher jedem Mensch, der Probleme mit seiner Seele, z.B. verhärteten Emotionen, Trauer, Depression, willkürlichen Wutausbrüchen oder anderen schwierigen Dingen hat, mehr Musik zu hören.

Es ist wirklich so einfach. Im Internet kostet sie nichts! Man braucht nur schnelles DSL oder Kabel, was heutzutage nicht mehr die Welt kostet. Man kann stundenlang hören. Ach ja, und Kopfhörer sind natürlich gut. Einmal, weil ihr damit niemanden stört und dann, weil die Musik direkter am Ohr ist. So gehen die feinen Töne, die hohen Frequenzen und alle Details nicht verloren. Musik aus den Boxen empfinde ich als lange nicht so befreiend wie aus den Kopfhörern. Aber nicht zu laut, sonst schadet es den Ohren. So leise wie möglich, so laut wie nötig, ist die Devise.

Wenn ihr dann noch Funkkopfhörer nehmt, habt ihr keine lästigen Kabel im Weg und entspanntes Arbeiten ist möglich. Ich hole mir mit Kopfhörern den Kaffee aus der Küche, gehe damit aufs Klo (jetzt bitte nicht lachen!) usw. Nur wenn mich mein Partner anspricht, ist es ungünstig. Dann gucke ich so verklärt und lächle nur.

Er zieht mir dann den Klinken-Stecker aus dem Arm und brüllt mich an „wach endlich auf!!!“.

Hihi.

In diesem Fall wäre eine Adrenalin-Spritze direkt ins Hinterteil vielleicht besser?

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