Archiv: Februar 2009
Über die Kommerzialisierung der Kunst
Seit ca. sieben Jahren schreibe ich jetzt regelmäßig im Internet. Viele Menschen kennengelernt, viele Kommentare bekommen, viel Arbeit reingesteckt, Provider bezahlt, Erfahrungen gesammelt, technische Kenntnisse verbessert, doch eins, das hab ich nie geschafft: Berühmt oder reich zu werden.
Nie hat mich ein Verlag angesprochen, nie habe ein Produkt testen dürfen, nie wurde ich für meine Arbeit so gelobt, als dass ich es mir hätte an die Wand hängen können. Wenn ich keine Leser hätte, die ab und an kommentieren, hätte ich für mein Werk gar keine messbare Rückmeldung und das gibt mir zu denken!
Es scheint eine magische Grenze zu geben, zwischen denen die Content erstellen, den „Künstlern“ genannt und denen, die vermarkten, „Manager“ geschimpft. Und dennoch – brauchen die Welten sich gegenseitig, kann der eine ohne den anderen nicht leben. Wie Mann und Frau ergänzen sie sich. Und oft wird auf den anderen geschimpft, ihm Eigeninteresse und Egoismus vorgeworfen, der andere mit „Faulheitsvorwürfen“ oder Willkürlichkeit und Disziplinlosigkeit attackiert.
Es gibt da die Sparte von Menschen, die selbst gut verdienen, einen festen Arbeitsplatz haben, vielleicht Doppelverdiener sind und einfach nur aus dem Gefühl des Hobbys heraus bloggen oder schreiben. Diese überschwemmen das Internet mit Content, und können es sich leisten. Unbewusst schaffen sie aber eine Konkurrenz und untergraben, andere klassisch bezahlte Medien. Denn „Hits“ und Aufmerksamkeit bedeuten heute wie früher alles. Der Aufmerksamkeitsfaktor ist das entscheidene Kriterium und bestimmt den Lauf der Dinge, von Kapital, Menschen, Freundschaften und Macht. Der Aufmerksamkeitsfaktor zieht heutzutage ins Internet um und wird da auf lange Zeit verbleiben.
Ich finde, es ist nur einfach und bequem, sich vor diesen Tatsachen zu verstellen oder meinen, man schaffe es schon, ein anderes Prinzip umzusetzen, nur weil man nicht bereit ist, sich an bestimmte Regeln zu halten.
Dass sich qualitative Kunst umsetze und der schlaue Oberlehrer mit der besten Gesellschaftskritik am Ende gewinnt.
Er wird es nie, wenn er denkt, er sei was besseres! Er wird es nie, wenn er stur und unflexibel ist!
Man muss sich schon für eine Seite entscheiden entweder „die freie Kunst“ ohne jegliche Kommerzialisierung oder aber man versucht umzudenken, und zumindest Teile von marktwirtschaftlichen Prinzipien in die Arbeit fließen zu lassen. Es ist nicht schlechter oder „böse“ (warum haben soviele Leute heutzutage Angst vor Kommerzialisierung?), es ist einfach nur natürlich.
Mal ehrlich: Wer will immer nur schreiben ohne dafür Geld, Aufmerksamkeit oder Anregungen zu bekommen? Ich finde, es ist ein wichtiges, essentielles menschliches Bedürfnis und des Einsatzes wert. Es ist logisch und nachvollziehbar, dass man für seine Arbeit Geld o.ä. bekommen will und auch verdient. Wer dieses Bedürfnis nicht sieht oder einfordern kann, sollte seine grundsätzliche Haltung zur Arbeit hinterfragen und ggf. neu justieren!
Wer meint, er könne mit Piratenarbeit die klassischen Medien untergraben und am Ende noch als Sieger in einem Netz- umspanndenen Post-Kommunismus hervorgehen, der versteht die Regeln der Marktwirtschaft nicht. Die Marktwirtschaft braucht Güter, Geldfluss und berechenbare „Variablen“, die den Wert einer Leistung oder eines Konzeptes ausdrücken können. Alles andere wäre Chaos. So ist das Schielen auf den Zähler durchaus eine gute Methode, die eigene Arbeit und den Einfluss „bemessen“ zu können. Wer als Blogger oder freier Autor für die Leser schreibt und mehr Aufmerksamkeit bekommen will, muss auch an andere denken und die eigene Arbeit an einen Zielmarkt anpassen, was nicht unbedingt einfach ist. Wer für Leser schreiben kann und nicht nur für sich, der ist ein guter Autor!
Wie man z.B. hier lesen kann, hat die Web 2.0 Welt massive Probleme, die Aufmerksamkeit auch in bare Münze umzuwandeln. Es ist eine Herausforderung für alle und zeigt, dass wir mit vielen klassischen Konzepten der Wirtschaft an einem Scheideweg stehen und unbedingt neue Lösungen hermüssen, die zu den neuen Medien und Vertriebskanälen besser passen als die alten.
Wenn man nicht bis zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens warten will, welches neue, virtuelle Arbeitsplätze vielleicht rentabel machen würde, muss man die Zeit bis dahin mit anderen Mitteln überbrücken.
Künstler haben seit jeher ein Mäzen gebraucht, einen Geldgeber, der sie unterstützt und fördert. Künstler mussten seit jeher auch für Zeitungen schreiben oder standen unter Druck, ihr neuestes Werk, ihr Buch, Musikstück oder ähnliches zu verkaufen.
Und daher waren die Künstler auch seit jeher diejenigen, die bei mangelndem Erfolg von Armut und Einsamkeit bedroht waren und von denjenigen ausgelacht wurden, die es besser verstanden, mit Geld umzugehen!
Künstler, lernt aus den Fehlern anderer! Macht es nie wie sie. Erkennt euren Wert und lasst euch bezahlen!
Der virtuelle Arbeitsplatz
beim Schreiben gehörter Song Nirvana- Something in the way
Schwärze neben mir.
Menschen poppen in der Leiste neben mir auf. Sie kommen und gehen.
Menschen.
Sie schreiben irgendwas über sich. Was sie so machen. Wo sie heute so waren. Was sie gerade denken. Was sie fühlen. Was sie sich ausgedacht haben.
Menschen.
Kleine und große, Frauen und Männer.
Aus Deutschland, aus Europa und der ganzen Welt.
Menschen.
Ich erledige meine Arbeit und nebenbei läuft diese Leiste mit Menschen. Wie in einem Fenster, wo Leute vorbeigehen. Manche lächeln, blicken mich an. Manche kommen rein, setzen sich zu mir, blicken mir über die Schulter. Aber nur kurz.
Menschen.
Dann ziehen sie weiter. Müssen Aufgaben erledigen. Haben ein eigenes Leben. Wollen nicht gestört werden.
Menschen!
Manche lästern, sind böse oder foppen mich. Die hab ich am liebsten. Dann kann ich sie zurückärgern und es fließt Energie. Langweilig sind die, die nie etwas sagen. Die nur urteilen und warten und mich quälen angesichts ihrer Stille und Schläfrigkeit.
Energie!
Ich ziehe mir die Energie aus der Leitung, pumpe sie direkt in die Großhirnrinde, ohne zu filtern.
Das volle Programm!
Leistung wird benötigt, Energie wird verbrannt. Ein Prozess.
Menschen.
Handyfotos 2007-2008
In den Jahren 2007 und 2008 hatte ich nie viel Zeit und Lust auf Fotos, so dass ich die meisten mit dem Handy mal so nebenbei gemacht habe. Hier seht ihr kleine Auswahl davon. Die Qualität ist nicht sehr gut, sie dokumentieren aber ein paar wichtige Ereignisse der letzten Zeit.
Meistens steht eine Beschreibung dabei, aber ich will noch was dazu schreiben:
Die Blumen vor dem Balkonfenster sind in der damaligen Mannheimer Wohnung entstanden. Das war kurz vor dem Auszug. Dann die Autobahnbilder, die von unseren Umzugsfahrten mit dem Anhänger stammen.
Die Fische hab ich bei einer Freundin vor ihrem Aquarium aufgenommen, als ich die füttern musste. Fische sind echt süß!
Naja dann noch Gewitterwolken und erste Impressionen von der Landluft, mit der ich umgeben bin.
Interessant finde ich noch die umgestürzten Bäume, die kommen von dem Sturm, den wir anfangs 2007 hatten. Erinnert sich noch jemand dran?
Die Waldbilder sind alle aktuell und hier im schönen Pfälzer Wald entstanden. Am meisten mag ich den “Baum des Jahres” !
Geschlechterfragen
sind wichtige Fragen
In der letzten Zeit schreibe ich immer öfters über die Un-Gleichbehandlung von Männern und Frauen. Das Thema „Gleichberechtigung“ hat bei mir inzwischen den größten Platz in der Tag-Wolke eingenommen.
Ich möchte im Folgenden erklären wieso, und wie es dazu gekommen ist.
Ich analysiere schon seit Jahren die Gesellschaft und überlege mir, wann und wo sie gerecht ist und wann nicht. Am Anfang war ich ganz allgemein gegen Ungerechtigkeit, aber mit der Zeit haben sich bei der Betrachtung bestimmte Regeln und Abstraktionen herausgestellt, die so langsam zu einem „Motiv“ werden.
Das Interessante dabei ist, dass sich dieses Motiv rückwirkend und wie von selbst erstellt. Ich untersuche Dinge, überlege, warum es genau so passiert ist und was die Ursache ist.
Nehmen wir gesellschaftliche Schieflagen, mangelndes Mitgefühl, zwischenmenschliche Probleme und Gefühlskälte mal zusammen, werfen sie alle in einen großen Topf und erstellen eine möglichst einfache und überschaubare Regel. Bei mir steht da im Moment (nur für Deutschland) folgende, interessante Theorie:
- es gibt eine Ungleichbehandlung von Mann und Frau
- Frauen arbeiten durchschnittlich in schlechter bezahlten Positionen
- Männer haben eine andere Art zu arbeiten, als Frauen
- Frauen in höheren Führungsebenen verändern maßgeblich das Klima und erwirtschaften im Schnitt sogar bessere Ergebnisse für das Unternehmen als bei einseitiger, männlicher Verteilung
- Die Art und Weise in welcher Art und Weise Führungsgremien besetzt sind, bestimmen den gesellschaftlichen Ablauf großer Entscheidungen (Richter, Manager, Banker, Politiker, usw.)
- Wenn Schlüsselpositionen einseitig männlich dominiert sind, führt das auch zu einer gesellschaftlichen Schieflage
Kann man schlussendlich behaupten, mangelnde Wärme in der Gesellschaft sei ein Resultat einseitiger, männlicher Dominanz in Macht-Positionen?
Oder umgekehrt: Wenn das weibliche Geschlecht auf breiter Ebene mehr Macht erhalten würde, dass es unserer Gesellschaft auch menschlich besser gehen würde?
Dass sich Werte wie Mitgefühl, Toleranz, Vergebung, Wärme und ähnliche deshalb nicht durchsetzen können, weil das weibliche Eigenschaften sind und genau jene sich nicht durchsetzen können?
Worauf schimpfen wir denn immer, wenn es um Diskussionen in Blogs geht?
Mir fällt da sowas ein wie
- Machtstreben
- Geldgier
- Ellenbogengesellschaft
- Energieverschwendung
- Abwertung von Kindern
- Konkurrenzkampf
- Recht des Stärkeren
Wenn man genau überlegt, sind das genau die Dinge, die man als „männliche Eigenschaften“ betrachten kann. Aber wichtig: Nicht Eigenschaften, die von Männern kommen, sondern im Sinne einer ganzheitlichen Weltanschauung: „Yang– Elemente“. Es gibt durchaus auch Frauen, die sich wie Männer verhalten und es ist sogar unmöglich als Frau Karriere zu machen, ohne dieses Durchsetzungs-Potential zu haben.
Wenn Frauen so eine Karriereleiter mal aufgestiegen sind, könnte ich mir vorstellen, dass sie ihre eigenen weiblichen Attribute abgelegt haben und sich angewöhnt haben, in einer patriachalischen Struktur zu überleben.
Ich merke das an mir selbst, wie ich mir das mit der Zeit abgewöhnt habe. Nicht, dass ich Karriere machen will, es geht auch auf feiner, mitmenschlicher Ebene- einfach „um zu überleben“ und um beachtet oder respektiert zu werden.
Aber woher kommt dann das Ausgangs-Patriarchat?
Eine andere These wäre diese: Männer dominieren im Berufsleben, Frauen dominieren das Familienleben. Wie in einem mathematischen Graphen gibt es ganz links eine Häufung von männlichen Eigenschaften und ganz rechts die Häufung von weiblichen Eigenschaften.
Es ist nur natürlich! Beruf bedeutet Härte, Durchsetzung und Kampf, Familie bedeutet Wärme, Liebe und Mitgefühl.
Beide Welten miteinander zu vereinen ist nicht sehr einfach. Man kann nur hoffen, dass der Trend zur Vermischung beider Welten anhält (z.B. durch Vätermonate und mehr Frauen im Beruf). Denn diese Risse zwischen den Welten, die sind für niemanden gut. Nur mit ausreichender Geschlechts-Homogenität sind gesellschaftliche Krisen zu bewältigen.
Grabenkämpfe zwischen Mann und Frau bedeuten Stillstand und sind für niemanden von Vorteil.
Groteske Nachrichten
Lächerlich waren heute genau zwei Dinge: Einmal die Nachricht über die Kassiererin, die wegen 1,30 € Betrugs entlassen wurde und dann die Tatsache, dass man Lärmschutzwände um Kindergärten bauen lässt, weil es tatsächlich Leute gibt, die sich über den Lärm beschweren.
Die Meldungen waren beide so dumm und lächerlich, dass ich mich fragen musste: War das ein verspäteter Fastnachts-Spaß?
Aber alle Beteiligten meinen es wohl furchtbar ernst und das Groteske der dahinter liegenden Gedanken kommt so augenscheinlich und unvermittelt zum Vorschein, dass man noch nicht mal lange suchen muss.
Ich will mich nun mal kurz auf dieses „Krankhafte“ des ersten Falles einlassen und ein wenig spekulieren:
Die Kassiererin unterschlägt zwei Bons einer Pfandrückgabe und wird erwischt. Zehn Tage hatte man gewartet, dass jemand kommt und sie einlöst, aber keiner kam. Nun, eine kleine Versuchung und vielleicht das Gefühl, die Sache korrekt abgeschlossen zu haben: Die Frau löst die Bons ein. Dank moderner Datenüberwachung natürlich alles genau protokolliert und rückverfolgbar.
Tja leider zuviel für den Arbeitgeber. Er entlässt sie.
Das Gericht argumentiert mit „Vertrauenswürdigkeit“. Aber ich finde: Vertrauen muss immer von beiden Seiten kommen. Auch der Arbeitgeber hat eine Verantwortung gegenüber dem Mitarbeiter. Dass es eine Frau ist, bei denen sowieso bekannt ist, dass sie schlecht bezahltere Jobs haben und den Großteil des deutschen Kassenpersonals ausmachen, verschlimmert das Ganze. Wer redet angesichts solcher Fakten von Matriarchat? Ich denke, was das Geld und die Macht in Betrieben angeht, ist es eher umgekehrt.
Und diese Vorwürfe, dass man einen unbequemen Kopf weghaben wollte, dass sie sich „zuviel“ in der Gewerkschaft engagieren wollte, sind nicht ganz unlogisch!
Was bleibt? Ein Fall, der in den Augen der Justiz zwar einfach scheint „Bestehle nie deinen Arbeitgeber!“, der aber in menschlichen und Arbeits-psychologischen Gesichtspunkten ein ungutes Licht wirft und viele Fragen offenlässt. Hier wurde auf jeden Fall ein falsches Signal gesetzt.
Zu der Kinderfeindlichkeit und den Menschen, die sich an Kindergeschrei stören, aber laute Autos, Abgase und hässliche Mauern vielleicht besser finden, mag ich gar nicht erst anfangen, zu denken.
Warum mauern wir uns nicht alle einfach in Beton ein? Das würde vieles vereinfachen! Wenn es darin nur nicht so schrecklich dunkel wäre!
Update
Die Römer hatten für die Justiz die weibliche(!) Göttin Justitia, eine Jungfrau mit verbundenen Augen. Das Schwierige in der Rechtssprechung ist die Tatsache, dass man sich nicht immer stur an bestehende Gesetze halten kann und darf, sondern im Einzelfall auch die menschliche Gerechtigkeit sehen muss, die ungleich schwieriger zu bewerten ist. Ich finde, ein guter Richter mit Erfahrung, Feingefühl und Mut sollte das aber hinbekommen. Sonst taugt er nicht für die Justiz.
Inwieweit ist die heutige Justiz überhaupt noch dehnfähig? Die Flut von Abmahn-Klagen in allen erdenklichen Bereichen und ähnlicher Nonsens spricht ja keine gute Sprache. Haben wir zur Finanzkrise jetzt auch noch eine Gerechtigkeits-Krise?


