Archiv: Dezember 2008
Oh Du Fröhliche
Oh Du Fröhliche, Wein in allen Ecken!
Oh Du Fröhliche, lasst es euch gut schmecken!
komm und pack Geschenke aus
leb doch mal in Saus und Braus!
Oh Du Fröhliche, die Tage sind so kurz
Oh Du Fröhliche, kaum mach ich einen Furz-
da ist das schöne Weihnachtsfest vorbei
beginnt das dröge Alltags-Einerlei!
Oh halt, nein ich hab´s vergessen,
es fehlt noch eins, das große Fressen!
an Sylvester nämlich, Kinderlein,
zünden wir ein Böllerlein.
auf dass es uns´rem Herz entspringe
allen Wesen Glück doch bringe!
Die bösen Geister sollen gehen
und wird der Wind auch noch so wehen
mir die Nas´ am Glas fest klebt
nie so gut, wie jetzt gelebt!
Akte geschlossen
Die Sonne senkt sich über den Horizont und taucht das Zimmer in ein warm-goldenes Licht. Aus den Boxen klingen sanfte Töne und schaffen ein wohliges Ambiente.
Der Kaffee duftet aus der Tasse. Sie bricht ein Stück Schokolade ab. Langsam lutscht sie daran und merkt, wie die Endorphine sich in ihrem Körper ausbreiten.
… die wichtigsten Texte wurden geschrieben, alle relevanten Projekte wurden gestartet, die wichtigsten Anrufe sind für dieses Jahr getätigt. Der Feierabend steht vor der Tür. Nein, Weihnachten steht vor der Tür. Nein, das Jahresende steht vor der Tür.
„Falls man sich nicht mehr sehen oder lesen sollte, wünsche ich allen Besuchern frohe Weihnachten, viele Geschenke und schöne Feiertage! Nun, ich erwarte an dieser Stelle nicht, dass man Gleiches mit Gleichem vergilt, obwohl es eine schöne Geste und angemessen wäre…“
Die Autorin klemmt den Kugelschreiber hinters Ohr und schließt den Ordner mit der Aufschrift „2008“.
Das Blog, mein Wohnzimmer?
Inwieweit eignet sich das Internet und die eigene Homepage als ein Wohnzimmer, bzw. ein Empfangszimmer für vorbeischauende Gäste? Wenn man davon ausgeht, dass das Internet ein Kommunikations-Gemisch bildet und man nur Menschen empfängt, die ähnliche Interessen haben, ist es eigentlich kein Problem. Durch die Masse der Daten hält sich der Missbrauch in Grenzen und das Blog ist dann wie ein offenes Zimmer zu betrachten, in das jeder hineinschauen kann, wenn er möchte. Man kann sich dazu setzen, miteinander reden, Anregungen verteilen. Je nach Charakter ist es mehr eine Kommunikations-Runde, ein Stammtisch für Philosophen oder eine Künstlerwerkstatt mit offenen Ateliers. Viele Menschen ziehen das „Zaun-Gespräch“ oder das Straßengespräch vor, so wie man Menschen im echten Leben trifft und mit ihnen plaudert. Bei stillen Menschen herrscht Stille, bei lauten Menschen geht es meist laut zu, bei sozial engagierten Menschen kommen soziale Themen auf den Tisch, bei Wissenschaftlern wissenschaftliches, usw.
Von diesem Blickpunkt aus gesehen gibt es keine Trennung zwischen einem echten Wohnzimmer und einem virtuellen. Und doch ist der virtuelle Raum dafür verantwortlich, dass sich die Details anders verhalten.
Ein schöner Traum
Im Buddhismus gibt es interessante, philosophische Vorstellungen über den Zustand der Welt. Einer davon geht davon aus, dass die ganze Welt, so wie wir sie leben, eine Art Illusion ist, dass es alles Erscheinungen sind, die von Menschen erschaffen werden. Der Film „Matrix“ hatte ein sehr passende Metapher dazu gefunden: Menschen sitzen wie angekettet in einem Behälter und werden mit elektrischen Signalen gefüttert, von denen sie ausgehen, dass dies ihre Realität sei (heute nennt man das Internet…). Alles ist simuliert: Hungergefühle, Bewegungen, Bilder, Töne, Freundschaften, Arbeit- es gibt nichts, was außerhalb dieser „virtuellen Realität“ liegt und somit können sie auch nicht erkennen, was echt oder was falsch ist. Davon ausgenommen die Freiheitskämpfer, an ihrer Spitze „Neo“, der sich dann daran macht, das ganze Komplott aufzudecken und eine Art Sinnsucher in der grauen Tristesse der anderen darstellt.
Ähnliche Vorstellungen von der Welt kann man in jeglichen computersimulierten Umgebungen bekommen, z.B. sehr reale Computerspiele, Videos auf Großleinwänden, 3D-Brillen oder andere Dinge, die es einen kurzfristig vergessen machen, dass man nur eine Erscheinung der Realität sieht, aber nicht die Realität an sich.
Blog Special Schreiben Teil 3
Heute: Neue Medien
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich über den festen Einband gestrichen habe und die zarte Maserung bewundert und mit den Fingerspitzen befühlt habe. Die glänzende, in kleine Schnitte geteilte Folie, die fast unsichtbar den Papierrand zierte. Die Schwere des Werks, dass so deutlich in der Hand lag und immer erst abgelegt und aufgeschlagen werden musste, bevor es mir seinen geheimnisvollen Inhalt offenbarte. Ein leicht abgestandener Geruch nach Papier und Druckerschwärze kam mir entgegen. Neugierig blätterte ich die Seiten um, wälzte mich buchstäblich durch die ellenlangen Seiten und die nie enden wollenden Seitenzahlen, bis ich endlich zum Stein der Weisen vorgedrungen war und dem Werk eine einzige Erkenntnis entlocken konnte. Hin und wieder war mein Ehrgeiz geweckt und ich wagte es, einen benachbarten Artikel zu lesen, der mit dem meinigem erstmal nichts zu tun hatte. Ich erinnere mich außerdem daran, dass ich als Kind mal beschlossen hatte, so ein Lexikon von A nach Z durchzulesen, ein Kinderlexikon wohlgemerkt, aber doch war ich auf Grund der Langweile schon bald gescheitert.
Wie kurzweilig und zielgerichtet das schnöde Eintippen der Textzeilen in eine Suchmaske und das darauf folgende „auf- die- Enter- Taste- hämmern“ dagegen wirkt. Und doch ist gerade diese Einfachheit der Schlüssel zum Erfolg, wenn man den Aussagen Glauben schenkt, dass es im Februar 2008 wahrscheinlich die letzte Brockhaus-Ausgabe gegeben hat.
Vernichtend und traurig wirkt da nur die einzige Rezension, die es beim Amazon-Buchhändler zu diesem Werk gibt.
Ein wenig zynisch mag zudem der Versuch sein, gerade die Quelle zu benutzen, die für den Rückgang der klassischen Lexika verantwortlich ist: Das Online-Lexikon Wikipedia. Aber der Größenvergleich kann sich sehen lassen.
Wenn man sich diese Zahlen durchliest und dann so Einzelfälle wie den Untergang der klassischen Lexika betrachtet, kann nur ein Schluss gezogen werden: Wir stehen nicht nur vor einer gigantischen Umwälzung unserer gesamten Medien- und Informationslandschaft, wir sind mittendrin. Und, alle Entwicklungen zusammen genommen sieht es so aus, als ob die Erfindung des Internets und anderer elektronischen Helferlein ähnlich revolutionär zu interpretieren ist, wie einst die Erfindung des Buchdrucks.
Niemand, der auch nur annähernd mit dieser Branche zu tun hat, kann und darf davor die Augen verschließen. Das Internet ist die bedingungslose Zukunft für unsere Informationseinspeisung und es bleibt die große Frage, ob es ein Zweierlei (also gedrucktes Buch und Netz) in absehbarer Zeit noch geben wird.
Ähnlich wie in der Musikindustrie werden die traditionellen Märkte eines Tages wegbrechen und die reinen, digitalen Publikationen unser Wohnzimmer beherrschen. Am Anfang wird sich Unmut breitmachen und auch die elektronischen Lesegeräte werden die meisten verschrecken. So wie aber heute leichtfertig und ohne darüber nachzudenken zur Digitalkamera gegriffen wird, wird es auch dem klassischen Buch passieren. Ich schätze mal, die Zeit bis dahin beträgt zwischen fünf und maximal zehn Jahren. Die Entwicklung der Technik ist im Moment so rasant, dass es sogar noch schneller passieren kann, solange die Verbraucher und die Märkte mitmachen, die letztendlich- allem freien Geist zum Trotz- die Spielregeln bestimmen.
Kritische Stimmen, die sich gegen die modernen Medien stellen, gibt es sehr wenige. Die meisten sind wahrscheinlich auf Grund intensiver Nutzung darauf eingestellt und praktisch überzeugt, dass nicht der Geist bedroht oder verschlechtert wird, sondern durch die neuen Formen im Gegenteil mehr als bereichert wird. Im Internet finden wir alles schneller, mehr, übersichtlicher, strukturierter, nachvollziehbarer und menschlicher (“sozialer”) als in allen anderen, bis dahin gekannten Formen des Informationsaustausches. Allein durch die Masse der Autoren an einem Werk und die ständige Bearbeitung eines Textes oder einer Meinung im Forum wird eine Präzision und Tiefe erreicht, von der der beste Einzelne nur träumen kann.
Und hier entsteht die Frage, wo dann der Einzelne überhaupt bleibt, wenn die Masse doch so viel mehr erreichen kann? Wird mit dem Internet und den modernen Formen des Meinungsaustausches auch das Individuum verschwinden? Werden wir zu einem Gesamt-Wesen verschmelzen? Oder sitzen wir einfach nur zu lange am Monitor und verlieren den Bezug zur Realität ? (…)
Was ist Realität eigentlich? Was ist Meinung? Wieviel zählt der Einzelne? Werden auch die Romane gemeinsam geschrieben? Gibt es da noch mein Wissen, meine Rechte? Wie regeln sich dann die Einnahmen?
Soll man ein Projekt alleine starten oder es gleich in den Topf des Universal-Wesens werfen?
Neben den vielen Fragen bin ich davon überzeugt, dass sich ein natürliches Gleichgewicht einpendeln wird und wir nichts zu befürchten haben. Es wird alles ein wenig anders, schneller, bequemer, erreichbarer. Sicherlich ist auch eine Kulturflatrate eine Sache, die Zukunft verspricht: Ich zahle einen festen Betrag und lade mir unbegrenzt Medien, Filme, Bücher, usw.
Die Politik muss darauf achten, dass jeder Mensch einen Zugang zum schnellen Internet erhält und auch die entsprechenden Fähigkeiten angemessen unterrichtet werden. Der Bürger muss ein mündiger Informations-Bürger werden, sonst hat die neue Welt keinen Sinn. Harte Arbeit nimmt einem das Netz nicht ab, recherchieren, zusammentragen und nachdenken muss man immer noch selbst.
Und so schließe ich das Werk frohgelaunt an dieser Stelle, nehme das dicke Buch und stelle es in das Regal zurück. Wo es wahrscheinlich noch eine sehr lange Zeit stehen wird….
Weitere Teile des Blog-Specials
http://www.julia-adriana.de/2008/10/blog-special-schreiben-teil-2/
http://www.julia-adriana.de/2008/10/blog-special-schreiben-teil-1/


