Archiv: Mai 2008
Bitte lächeln.
Als ich die Packung mit den „schnell wirkenden“ Antidepressiva eines morgens auf einmal gemampft hatte, wurde mir klar: So schlimm kann das nicht sein mit der Depression! Ich habe schon wieder ein Strahlen im Gesicht! Und das geht irgendwie nicht mehr weg!
Meine Freunde sind wieder „Gude Frrreunde!“.
Noch ein Glas Ouzo hinterher- und hey, so schlimm ist mein Leben ja gar nicht! Ich hab mir alles nur eingebildet, ein kleines künstliches Produkt in meinem kranken Geist- Künstlernatur halt! Die sind halt schwankend, launisch, depressiv, mal so und mal so!
Oder ist doch was Wahres dran? Vorsichtig taste ich mich zum Spiegel vor, betrachte mich kritisch von allen Seiten, mustere kritisch den Bauchansatz, drehe mich auf die Seite, sehe den Hintern an (huch, der war früher nicht so riesig) , gehe etwas höher und sehe die kleinen Fältchen neben den Augen, die schwarzen Ränder darunter, die paar Pickel, die sich trotz intensiver Gesichtspflege hartnäckig halten.. und was ist das? Ein verwirrtes Härchen hat sich in meinen Oberlippenbereich gewagt. Mit einer stählernden Pinzette reiße ich den kleinen Winzling, frech empor treibend mit einem kräftigen Ruck heraus- na also, geht doch! Tagescreme aufgelegt, danach das Makeup passend zur Halsfarbe (sonst gibt´s so unschöne Stufen), noch mal dick Kajal um die Augen geschmiert- fertig ist das ready-to-go Supermodel!
Ich sollte nur nicht wieder den Fehler machen, zuviel in mein Inneres zu schauen, steht ne Menge Blödsinn drin- Identitätskram und Selbstzweifel und so, na ihr wisst schon. Wichtig ist das Äußere! Und die Verpackung! Und das Marketing! und das Lächeln, ganz wichtig!
Also, bitte lächeln!
Depression und Lebenswille
Letztens habe ich mich mal wieder über Depressionen informiert. Diese Krankheit trifft wohl sehr viele Menschen im westlichen Kulturkreis und ich selbst habe auch schon wiederholte Erfahrungen damit gemacht.
Die Depression ist eine traurige Krankheit, ein natürliches Gegengewicht zur aufgesetzten und vordergründigen Fröhlichkeit und Betriebsamkeit, mit der wir so oft konfrontiert werden. Durch ihre Art und Weise, alles in einem verlangsamten Blickwinkel zu sehen und ständig über alles nachzugrübeln, zwingt sie uns dazu, langsamer und bewusster zu leben. Es ist bisweilen grotesk und abenteuerlich komisch, wie falsch das Gehirn funken kann, wenn man depressiv ist und z.B. ein Problem mit seinem Serotoninhaushalt hat. Ich habe das Gefühl, dass bestimmte Menschen- je nach Charakterstruktur und Genetik- mehr von der Krankheit betroffen sind und sie auch jederzeit wiederkommen kann, wenn man nicht so lebt, wie das „Leben“ es möchte.
Die Depression ist eine verkapselte und nützliche Antwort der eigenen Seele, das eigene Leben gerade zu biegen und die Faktoren zu ändern, die einen stören. Mich wundert es allerdings nur, dass man in dem Moment, wo man etwas ändern soll oder will, durch die Depression daran gehindert wird. Oft kommen Krankheiten wie Erkältungen oder ständige Erschöpfung und Überarbeitung dazu. Der ganze Körper schmerzt. Man versucht, durch Nachdenken das eigene Leben zu verstehen und eine Änderung herbeizuführen, aber es klappt nicht. Man fühlt sich eher wie eine Maschine, denn wie ein lebendiger und fröhlicher Mensch.
Man denkt stereotyp, beinahe zwanghaft, eingeengt und ist ständig mit einer traurigen Grundstimmung versehen. In diesem Zustand ist man nicht sehr kommunikativ, erlebt die anderen wie durch eine Blase. Man sieht zwar, wie sie ihren Mund bewegen, aber man ist nicht in lebendigen Kontakt mit ihnen. Ich denke, das Hauptproblem ist hier die lebensfeindliche Kommunikation, die Art und Weise wie wir miteinander reden. Somit gibt es depressionsfördernde Milieus und Umstände.
Man muss die Faktoren und die Menschen erkennen, die das Leben, die Freude begrenzen. Meistens sind das Menschen, die uns davon abhalten, etwas zu tun, was uns Spaß macht und selber sehr unglücklich sind. Menschen, die durch Urteile und übermäßige Kritik, motiviert von Neid und Unzufriedenheit, sich abfällig über uns äußern. Heutzutage ist es sehr schwer, glücklich und ausgeglichen unter Leuten zu leben, die nicht glücklich sind. Durch die falsche Kommunikation wird man unglücklich gemacht. Meinungen und Werturteile über das Leben drängen sich in unser Bewusstsein und werden zu unserem Denken. Durch das Lesen von Büchern oder anderen Maßnahmen hatten wir eine Ausgeglichenheit, waren glücklich. Andere Menschen durchstoßen dieses Glück, weil sie selbst unglücklich sind.
Was ist die richtige Antwort auf all diese Probleme?
Die richtige Antwort ist zunächst Stärke. In der depressiven Charakterstruktur werden wir zu Opfern, zu Erduldern unseres Schicksals. Die Abwehrmechanismen der Verdrängung, Verschiebung oder Sublimierung funktionieren nicht mehr. Das Leben und die Freude sind derart bedroht, dass wir nur durch Aggression und Abgrenzung weiterkommen. Die Wut und vor allem die Entschlossenheit ist hierbei der notwendige Impuls, weil er das Leben schützt.
Depressive Menschen müssen also aufstehen und sich dagegen wehren, was sie unterdrückt. Es ist ein Kampf zu führen, ein aktiver geistiger Widerstand, der Energie freisetzt. Durch die Energie haben wir mehr Kraft und können Probleme besser lösen, wir erhalten Erfolgserlebnisse, positive Rückmeldungen und Fortschritt. Somit können wir durch unsere Bewusstheit, durch unsere innere Kraft das Leben ins uns lassen, anstatt es selbst zu unterdrücken.
Bestimmte Regeln aus dem Über-Ich muss man diagnostizieren und ggf. löschen oder neu bewerten: Übertriebene Moral, Angst vor dem Leben, Bequemlichkeit, einfache und engstirnige Antworten auf die nicht zu überblickende Komplexität des Lebens.
Die Depression zeigt uns also, dass etwas schief läuft und sie manifestiert sich stärker, wenn wir uns nicht wehren können oder wollen. Die Depression ist die Antwort der Seele des bequemen Menschen, der sich gemütlich eingerichtet hat, aber nicht aktiv leben will.
Sie passt zu dem gesellschaftlichen Ideal des funktionierenden, mechanisch und perfekt lebenden Menschen- aber sie passt nicht zu der eigentlichen Natur des Menschen und seiner Seele, die da Lebendigkeit und Aufbruch heißt.
Nützliche Links
Keine Chance auf Fairness
Ich finde es sehr schade, aber auch bezeichnend für den Geist von GNTM und die Berichterstattung „drumherum“, dass Gisele nun rausgeflogen ist. Die Sendung von gestern liegt noch auf meinem Rekorder, da ich mit der vorherigen Sendung im Rückstand war, hat sich alles nach hinten verschoben. Aber über diverse Blogs habe ich Neuigkeiten über diese Sendung erhalten, die ich seit der 1. Folge durchgehend gesehen habe. (Sozusagen als kleines Blog-Schreib/ Interpretier- Experiment und weil es mich einfach sehr interessiert).
Es geht ja viel um eine vordergründige Schau-Seite der Gesellschaft, die vermittelt durch das Fernsehen und andere Medien stark an Gewicht erhält und die Köpfe und das Verhalten der Menschen prägt. Im Grunde geht es ständig um die Frage, wie Frauen Karriere machen können, welche Eigenschaften sie brauchen, wie sie lernen, sich zu verbessern und Selbstbewusstsein aufzubauen. Leider sieht man gerade in den letzten Ausgaben die Neigung der Veranstalter, das Konkurrenzdenken absichtlich zu fördern. Ein Beispiel dafür war folgender Vorgang:
Die Mädchen sollten zu einem Casting gehen (was berufsfördernd und positiv für den gesamten Wettbewerb ist), aber zwei von ihnen müssen verzichten und sie sollen es selbst regeln, wer verzichtet. Sie hatten so etwas schon einmal gemacht und dabei hatte sich herausgestellt, dass die Mädchen auf natürliche Art und Weise ihre soziale Intelligenz benutzen und die stärksten Mädchen verzichten lassen, damit die Schwachen „auch mal eine Chance haben“ und auf diesen Castings Erfahrung sammeln können.
Heidi, als Vorsprecherin für die Jury, hatte dieses Verhalten eindeutig kritisiert und den Mädchen gesagt, dass es um Sieg und Konkurrenz bei der Sendung geht, danach wieder das übliche Gebets-Sprüchlein: „Denn nur eine kann Germanys Next Topmodel werden!“
Doch so ganz in den Köpfen der jungen Frauen war dieses Leistungsprinzip noch nicht angekommen, denn bei dem zweiten „Spiel“ dieser Art machten es die Mädchen genauso.
Mit dem Ergebnis, dass Heidi kurzerhand das Casting für alle absetzte und damit ein überflüssiges und schädliches Zeichen der Strafe setzte. Das war der ethisch und moralisch gesehen größte Fehler, den ich bis jetzt in allen Teilen entdecken konnte. Ansonsten hat die Sendung sich eigentlich recht gut entwickelt und stellenweise, vor allem am Anfang, war es oft zu beobachten, wie die „Lehrer“ sich mit Geduld und Zuversicht ihren „Schülerinnen“ annahmen, erfahrene Menschen was von ihrem Wissen abgegeben und die Charakterentwicklung gefördert haben. Da das Ganze ja eine geschnittene Sendung ist, kann man leider nur schlecht beurteilen, was hinter den Kulissen stattfindet und die Beurteilung ist auf das zu reduzieren, was „gesehen werden soll“.
Auffällig bei dem eben beschriebenen Vorgang war auch, dass das Mädchen Gisele, die vormals als schwierig und wenig gruppenfähig galt, nun versuchte, ihre Punkte bei den anderen Mädchen zu verbessern und auf eine Teilnahme verzichtete, obwohl sie in der letzten Zeit keine Erfolge verzeichnen konnte.
Das zeigt, wie lernfähig sie ist und sie eigentlich auch „gut sein“ will. Gisele hat es vielleicht etwas schwieriger als die anderen Mädchen gehabt, in der einen Sendung erzählte sie über Ausgrenzungsprobleme auf Grund ihrer Herkunft und andere Probleme. Ich empfand sie durchgängig als glaubwürdig und auch fair eingestellt.
Leider ist sie wohl empfindlich und hat auch schnell geweint, wenn es mal Probleme gab. Es wirkte ein bisschen so, als ob sie das Weinen dazu benutzte, bei den anderen besser anzukommen oder Schutz und Anerkennung von der Jury zu erhalten. (die Jury steht hier stellvertretend für das Eltern-Ich bzw. die Eltern-Projektionsfläche der Mädchen).
Nun gut, jetzt ist sie wohl ausgeschiedenen.
Nicht fair ist aber das Verhalten von einigen Autoren, sie jetzt im Nachhinein noch zu kritisieren oder einen “Läster-Gruß” hinterher zu schicken. Andere Sachen kamen dazu, angeblicher Drogenkonsum während der Sendung und sie soll in der Schule mit Haschisch gedealt haben, wehrt sich aber gegen die Vorwürfe.
Ein unschönes Ende für diese mutige Frau, die mehr Charakter hatte, als alle anderen Mädchen zusammen.


