Heute vor 12 Jahren

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Mal wieder im Tagebuch gestöbert. Was hat mich so umgetrieben? Heute vor 12 Jahren?  Mit was habe ich mich beschäftigt? Hier ein paar Auszüge:

Dienstag, 23. Januar 2007

Abschied von Mannheim

 Im Hintergrund läuft Rosenstolz… traurige und romantische Musik. Schwer und ein wenig kitschig, geeignet, meine aktuellen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Ich möchte meine aktuellen Gedanken erfassen und packe sie in diesen Text, der keinen besonderen Maßstäben oder Richtlinien entsprechen soll. Nur durch diese „Nicht-Strukturierung“ kann ich den Text authentisch belassen.

Heute habe ich die ersten fünf Kisten gepackt und mit dem angefangen was mir – neben den Menschen – am Wichtigsten ist: alle Bücher und die ersten Ordner. Schön fein säuberlich hab ich sie beschriftet, eine mit „Reise“, die andere mit „Gesundheit“ oder „Philosophie“… all so Dinge, mit denen man sich mal beschäftigt hat. Gefühle, Erinnerungen aber auch Erkenntnisse kleben an ihnen, ich lege sie bildhaft in eine Kiste und beschäftige mich erstmal nicht mehr damit. Die Regale werden leerer und gucken mich fragend an, wollen, dass ich was hineinlege, aber sie bleiben leer, werden nur noch ausgewischt und dann abgebaut. Hier geht ein Leben zu Ende, woanders beginnt ein Neues.

Gestern bin ich durch Mannheim gelaufen und hab mich innerlich auf den Abschied eingestellt. Viel ist hier passiert, seit 5 Jahren lebte ich hier und bedeutende Dinge haben sich in der Stadt der Quadrate ereignet.

Zum einen hab ich meinen Freund hier kennen gelernt und das erste Date gehabt, der Mann, mit dem ich jetzt verheiratet bin. In dieser Stadt habe ich den Großteil des Alltagstest abgewickelt und zwei schwere Operationen gehabt. Hier hab ich meine Ausbildung zur Heilpraktikerin angefangen- und wieder abgebrochen. In dieser Stadt hab ich meinen Freundeskreis endgültig wechseln müssen.  Hier hab ich erst so richtig angefangen zu schreiben und bis heute nicht mehr aufgehört. Viele Erlebnisse verdanke ich der Stadt, viele Einsichten, viele Erkenntnisse wie ich sein möchte- und wie nicht.

Graue Wände und viele arbeitende Menschen. Krähen wohin man schaut, meistens gehetzte Menschen. Mannheim hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Ein wenig habe ich hier immer den Geist vermisst, den Esprit, inspirierende Menschen mit Ideen. Den meisten Menschen geht es hier um die Arbeit, die Arbeit ist die Religion, auf der sich alles aufbaut und natürlich das Geld. Kultur und Philosophie haben hier leider wenig Platz, was man auch an der Entwicklung der Uni gut sehen kann. Sie wird zu einem Wirtschaftsschwerpunkt ausgebaut, die Geisteswissenschaften werden abgebaut. Große Arenen werden in den Boden gestampft, damit das Volk seine Unterhaltung bekommt, die Feldhamster werden verjagt oder „umgesiedelt“. Die Natur interessiert hier scheinbar niemanden. Man vergisst in manchen Stadtteilen das Grün und die Flächen zum Spielen und „Leben“.

Wenn man durch die Straßen fährt und die Stadt an einem der vielen Punkte verlässt, kann man tlw. noch die Ortsschilder erkennen, wo wahrscheinlich protestierende Studenten das Wort „Universitäts-“ aus „-Stadt“ durchgestrichen haben. Erstaunlich lange haben sich diese Schilder so gehalten, seitdem es das erste Mal in der Zeitung ein Thema war.

Kommen wir zur Zeitung. Der Mannheimer Morgen hat ein paar interessante Seiten am Anfang, die wirklich gut geschrieben sind. Vor allem die Seite 3 enthält gute Hintergrundinformationen, auch die politischen Entwicklungen werden detailliert und meistens treffend kommentiert. Die Rubrik „Übrigens…“ hab ich immer gerne gelesen, genauso die Klatschspalte und das Wetter (das Biowetter traf meistens zu). Ansonsten gab es meiner Meinung nach zuviel Sportnachrichten und lokale Informationen, die mich nie interessiert haben. So hab ich an der Zeitung meistens eine Stunde Spaß gehabt und sie dann zur Seite gelegt.

In der Stadt trifft man oft Leute, die vor den Geschäften stehen und einem etwas verkaufen wollen… lästige Menschen, die freundlich tun, aber nur ans Geschäft denken. Genauso lästig und stets zunehmend waren die Werbeanrufe, dafür können die Mannheimer aber nichts. Aber die Stadt drückt halt eine Entwicklung aus, die man überall beobachten kann.

Geiz ist geil, Emotionen sind out.

In Mannheim gibt es viele Ausländer, die meiner Meinung nach gut integriert sind und nicht besonders auffallen. Stadtteile gehen ineinander über… man erkennt die Grenzen nicht so. Das ist das besonders Positive an Mannheim, der stets weltoffene und tolerante Charakter. Die Einfachheit und Unbekümmertheit, man könnte fast sagen: quadratisch, praktisch, gut!

Hier gibt es viele Leute, die viel arbeiten müssen. Entspannung und Ruhe findet man in der Stadt nicht. Jeder Park ist überlaufen, überall begegnet man anderen Menschen, nie ist man allein. Alles ist übereinander gebaut, eng gedrängt, laut und hektisch geht es hier zu. Keine Zeit, den Geist baumeln zu lassen… man wird in diesem Strom des Lebens mitgerissen. Und obwohl es so viele Menschen hier gibt, scheint das Wichtigste im Leben sehr kurz zu kommen: die soziale Komponente. Fast nie bin ich mit einem Menschen einfach so ins Gespräch gekommen, noch nicht einmal mit den Nachbarn. Immer musste ich die Gespräche beinahe erzwingen oder mich aufdrängen, was ich ungerne mache. Freundlichkeit endet schnell mit einem Griff zur Hupe, gedrängelt wird ständig.

Die meisten Menschen sind nervös und gehen mit Scheuklappen durch die Straßen. Andere sind störend, werden als lästig empfunden, weil es so viele der gleichen Sorte gibt.

Ein Großstadtproblem!

Leider, leider, leider..

Was soll man tun?

Weniger Schilder, weniger Hektik, weniger Vorschriften und mehr geistige Weite, das wäre gut!

Ich winke leise und sehe wie die Hochhäuser verschwinden, die engen Wohnungen, die Lichtermeere, der Fluss, der Gestank, der Rauch, langsam wird alles kleiner.. ein hektisches Leben wird weiter, weicher, leerer.

Seelen-Späne

Wo beginnt die Aufrichtigkeit? Bei einem selbst! Und die Ehrlichkeit, die Entschlossenheit, der Mut, die Selbstüberwindung? Auch, würde ich sagen. Die Trauer, was ist das? Ein Kloß, etwas Unausgesprochenes, Verzweiflung? Angst, Beklemmung, das Gefühl nicht zu genügen? Unüberwindbar? Das glaube ich nicht. Das kann nicht sein. Nein, ganz bestimmt nicht! Wenn alles in Veränderung ist, dann werden auch die Probleme zu überwinden sein, eine einfache Rechnung. Was ist hilfreich? Ein Wort, eine Umarmung, ein gemeinsames Essen?Sich in die Augen blicken und sagen, dass man sich mag. An den anderen denken und ihn im Herzen tragen, auch wenn er nicht sprechen kann. Dem blinden Menschen den Weg zeigen, den Gehbehinderten im Rollstuhl schieben. Dem Transgender zeigen, dass andere Menschen auch nur Menschen sind und Fehler machen. Dem Perfektionisten erklären, dass wir keine Maschinen sind, die immer nur drehen und rattern. Sich selbst gegenüber- und das ist das Schwierigste- aufrichtig und ehrlich sein, die Wünsche nicht vergraben, der Bequemlichkeit nicht erliegen, die Trauer nicht ertränken. Das Leben nicht ersticken, sondern annehmen. Die Probleme nicht verteufeln oder nicht sehen wollen. Einfach voll und ganz da sein, bewusst im Leben und Fühlen.All das ist schwierig, all das kostet Zeit. Nur wenn ich wirklich hingucke und meine Schmerzen begreife und erleben kann, werde ich auch die Möglichkeit finden, sie und ihre Ursachen zu lösen.Manchmal müssen Schmerzen – ob nun körperlich oder seelisch- so stark sein. Nur so kommen wir zu einer Veränderung, die letztendlich davon befreit.

Renovierung eines alten Hauses.

Der Satz, den wir bis jetzt am meisten gesprochen haben: „Das kommt raus!“Angefangen vom alten Teppich, wo sich bestimmte Hunde schon ausgelassen und einsame Stunden verbracht haben, hinterlassen 200 Jahre Fremd- und Mitbewohner an einem Haus viele Spuren. Die Katzen haben die Wände zerkratzt, einen Kratzbaum gab es nicht oder der war doof. Und es waren viele Katzen! Die Wände meistens alt und grau, Farben die sich widersprechen und hässlich bis verschmutzt wirken. Schlechte Gerüche überall, kein Ort an dem man zu lange sein möchte, wenn man nicht muss und sich nicht dazu entschlossen hätte, diesen Ort zu renovieren. In dem einen Bad sind alte Fliesen aus den 50er Jahren, aha so einen Geschmack hatten die damals also… wohlgemerkt damals. Heute mag man das nicht mehr sehen, wenn genügend Geld und Zeit vorhanden ist, kommen wieder unsere magischen Worte zum Einsatz „Das kommt raus!“A pro Pos Geld: Das Schwierige ist nun an der Sache, ein altes Haus möglichst effektiv aufzuwerten, dabei soll möglichst viel in Eigenleistung erbracht werden. Materialkosten sind erstaunlich günstig, teuer wird immer nur die Planung und das ein- oder umbauen von Fremdkräften. Dort wo es nicht unbedingt sein muss, möchten wir also alles selbst machen.
Angefangen haben wir mit dem Wand-Durchbruch, der zwei an sich schon große Räume an einer attraktiven Stelle verbinden soll. Somit gewinnt man zwei wesentliche Vorteile: Man verkürzt in einem alten, etwas umständlich gebauten Haus die Wege und erhöht die Nutzbarkeit aller angeschlossenen Räume, vor allem der Bäder. Auf der anderen Seite kann die helle Südseite, auf der naturgemäß das meiste Licht einfällt, auf den dahinter liegenden Raum erweitert werden. Dann muss der Durchbruch natürlich offen bleiben und man darf keine Tür einbauen. Diesen Vorteil haben wir aber mehr durch Zufall entdeckt. So ein Durchbruch ist sehr dreckig, es entsteht viel Staub, also sollte die Arbeit am Anfang ausgeführt werden. Man braucht nicht viele Geräte, das wichtigste ist eine gute Schlagbohrmaschine mit festem Aufsatz und natürlich die persönliche Sicherheitsausstattung. Vor allem die günstigen Staubmasken haben uns einen unschätzbaren Dienst in der Verhinderung von Hustenreiz und Staublunge erwiesen. (siehe Bild). Auch ein Gehörschutz sollte unerlässlich sein, sowie feste Schuhe und eine Schutzbrille! Umherfliegende Steinsplitter hinterlassen tage- bis wochenlang Abdrücke auf dem Auge (rote Stellen oder noch schlimmeres!). Wir haben für den Durchbruch der ca. 26 cm dicken Wand aus Porenbetonsteinen einen Bohrer genommen und viele Einzellöcher zum Perforieren der Wand gesetzt. Danach kann man die Wand mit einem Hammer gut und zielgerichtet herraushauen. (Brille!) Wir hatten Glück, die alte Wand hat 45 cm Dicke und an der Stelle war schon mal ein Durchgang gewesen. Porenbeton ist leicht, war also leicht wegzuräumen, aber die Masse an Material sollte nicht unterschätzt werden. Man muss die Böden gut auslegen, am besten mit Holz oder Pappe. Abtransportiert wurden die Steine über das Fenster im 1. Stock, hinaus auf den Hof, wo eine Vorrichtung aus Holzpaletten gebaut wurde, um das Umherfliegen zu vermeiden. Viel Staub und Schmutz entsteht trotzdem. Und der Schutt muss später noch aufwändig entsorgt werden. Ein Hänger ist von Vorteil. Wer will seinen Kofferraum mit diesem Dreck beschmutzen? Den kriegt man kaum raus, überall sitzt er, die Kleidung war ruiniert und in den Schuhen tagelang, also natürlich altes Zeug anziehen!! Dauer mit Vor- und Nachbereitung: ca. 4 Stunden. Und durch die Hilfe zwei netter Freunde noch ein wenig schneller. 😉 (dank an Martin und Christine an dieser Stelle noch mal!!)Ein paar Fotos sollen den Arbeitsablauf dokumentieren. Nächste Woche erkläre ich euch dann, wie man alte, hartnäckige Tapeten ablöst und neue dran klebt! 😉

PS: Da wir im Moment noch kein Internet haben, wird es kritisch mit Kommentaren und Mails beantworten, also bitte immer ein paar Tage Geduld!!

Sonntag, 11. Februar 2007

– Zwischen den Welten-

Zurück in Mannheim. Leere Räume, kahle Wände, Kälte kriecht durch die Ritzen. Die Heizung ist aus. Draußen regnet es, der Himmel ist grau. Bald wird es dunkel.

Wirklich zu Hause fühle ich mich im Moment nirgendwo. Zwischen den Häusern, zwischen den Orten und zwischen den Welten. Dieser Zustand passt irgendwie gut zu einem TS-Menschen, zu einem Menschen „dazwischen“. Letztens habe ich das wieder gehört, dass ich das TS ablegen soll, dass es nicht mehr meins ist, dass ich jetzt eine Frau bin. Menschen, die das sagen, verstehen das Phänomen TS nicht richtig. Wenn man einmal auf einer Seite war, wird man sich immer daran erinnern. Diese Seite ist ein Teil der Erinnerung und somit ein Teil von einem selbst. Das ist das traurige an der ganzen Geschichte und auch der Grund, warum man nicht „normal“ sein kann. Es bringt nichts, andere oder einen selbst zu belügen und diese Tatsache verdrängen zu wollen.

Wie kann man sich das vorstellen?

Nun, nehmt an, ihr wohnt in Deutschland und habt studiert. Ihr habt einen gut bezahlten Job, nette Kollegen, eine kleine Familie und viele Freunde. Alles Dinge, die euch glücklich machen und über die ihr euch definiert. Ob bewusst oder unbewusst. Ihr seid der Bruder, der Kollege, der kompetente Mensch, derjenige aus der Oberschicht, habt einen fetten Wagen und viel Einfluss. Jetzt stellt euch vor, irgendwas nicht Geplantes kommt dazwischen. Ein Krieg vielleicht und ihr müsst fliehen. Ihr könnt jetzt nicht mehr in Deutschland leben, ihr müsst weg, das Land verlassen. In dem Beruf könnt ihr nicht weiterarbeiten, die Familie ist gestorben oder muss zurückgelassen werden. Ihr müsst jetzt Teller waschen oder den Müll wegfahren. Kennt die Sprache nicht. Habt neue Nachbarn. Kein Auto mehr, kein Prestige, keinen sozialen Rang mehr.

Stellt euch vor, all das was euer Leben gewesen ist, alle Menschen, alle Gewohnheiten müssen sich plötzlich ändern. Oder stellt euch vor, ihr seid durch einen Unfall entstellt und keiner erkennt euch wieder. Ihr geht durch den alten Heimatort, erkennt die Menschen, sie erkennen euch aber nicht. Das ist die Entfremdung. Man ist eigentlich nicht psychotisch, man wird durch die Krankheit psychotisch. Wenn die sozialen Bindungen schlecht waren oder sind, verschlimmert sich das ganze noch. Niemand fängt einen auf. Man ist auf sich allein gestellt.

In ein TS-Schicksal gelangt man durch eine Verkettung von unzähligen Umständen, von denen man die meisten nicht kennt, geschweige denn verhindern kann. Es passiert einfach so, so also ob einem jemand den Boden unter den Füßen wegzieht. In der Phase des Umbruches ist es meist zu spät, etwas zu verhindern. Erkennen muss man vorher.

Und da ist durchaus Trauer, Schmerz des Abschiedes und viele Tränen. Da sind Erinnerungen und Träume, Wünsche die zerstört werden. Und dann kommt jemand und sagt leichtfertig „Vergiss das Ganze. Du hast jetzt ein neues Leben!“ Ist es da verwunderlich, wenn  man das nicht kann und durchaus noch tlw. im alten Leben hängt und es nicht loslassen kann?

Wenn jemand einen TS-Menschen akzeptieren und verstehen möchte, dann wäre es wichtig, dass er so was nicht sagt. Vielmehr sollte der Außenstehende darauf Rücksicht nehmen, dass Trauer über den Wandel besteht. Und diese Trauer verarbeitet werden muss.

Wenn ein anderer Mensch stirbt, muss man sich von einem einzigen Menschen lösen.

Das ist schwer genug und sehr traurig. Wenn man selbst TS ist, stirbt man lebendig und muss sich lebendig von all den Menschen lösen, die einen plötzlich nicht mehr sehen oder reden wollen. Das sind dann durchaus mehr als nur einer. Alle Erinnerungen und Gefühle, die man mit diesen Menschen verknüpft waren, müssen plötzlich gelöst und verarbeitet werden. Die wenigsten wollen mit transsexuellen Menschen was zu tun haben.

Wenn mich ein verzweifelter Mensch fragen würde, was er mit seiner Transsexualität anfangen soll und er nicht geoutet ist, würde ich ihm sagen: „Lös es vorher, versuch den Wechsel zu vermeiden. Überleg dir die Sache gut und hör nicht auf, Fragen zu stellen, nach dem was kommen kann. Überleg dir, wenn du verlieren könntest und stell die Fragen aufrichtig. Frag dich, ob sich das Ganze lohnt und was du eigentlich mit dem Wechsel erreichen möchtest.

Wenn du es nicht vermeiden kannst, versuch es, in Würde durchzustehen.“

Denn: es kommen neue Menschen, es kommen neue Ereignisse. Es ergeben sich neue Möglichkeiten, neue Anfänge. Man kann die ganzen Trümmer durchaus wieder aufbauen und zu einem neuen Gebäude zusammensetzen. Das man unbewusst immer eine Traurigkeit spürt und manchmal stehen bleiben muss, ist ganz normal. Wichtig ist nur, dass man nicht rückwärts geht.

Montag, 12. Februar 2007

Heute bin ich sehr traurig, weil ich bei meiner Psychologin war und ihr gesagt habe, dass ich nach März nicht mehr komme. Ich weiß nicht warum. Ich war plötzlich traurig und habe keine Lust mehr gehabt, nach Mannheim zu fahren. Ich habe Angst vor dem Fahren und es ist unbequem und teuer. Außerdem denke ich, dass man sich von einer Ärztin leicht lösen müsste, was aber nicht leicht ist. Ich mag sie, das ist das Problem. … und wenn man jemand mag, kann man sich nicht leicht lösen. Was ist richtig? Auf der einen Seite kann es doch nicht sein, dass man sich so abhängig macht und seine Probleme nur mit einer einzigen Frau besprechen kann, oder?? Freundschaften wären evt. hilfreicher!

Auf der anderen Seite fühle ich mich schuldbewusst und möchte immer für sie da sein. Sie hüllt sich und ihre Motive in Schweigen, das macht es noch schwerer. Ich habe gesagt, dass ich lernen möchte, mich loszulösen. Sie hat nur still genickt.

Dienstag, 13. Februar 2007

Ein schlimmer Feind ist er, der innere Feind. Bei jedem tritt er anders auf. Bei manchen ist er ein Antreiber, ein ständiger Begleiter im Rücken, der nach immer mehr Höchstleistung verlangt, aber warum? Wenn er unser Glück nur zerstört und uns in den Studel des Lebens (und Sterbens) treibt, dann ist er nicht gut.

Ich habe das Gefühl, dass gewisse Menschen gerne bei mir lesen, aber nichts sagen. Und für diese Menschen schreibe ich die Einträge unter anderem. 🙂

Montag, 12. März 2007

10:30 Uhr
Heute ist ein unglaublich schöner und sonniger Tag! Der erste richtige Frühlingstag. Wir werden im Moment ein wenig von der Welle des Umzugs mitgetragen, aber das ist auch mal schön, sich diesem Prozess einfach hinzugeben und nicht ständig nachzudenken oder anzuhalten (wobei auch dafür noch genug Zeit bleibt).

Ich habe im Moment wieder eine Neigung zu Depressionen und eine Vermutung, dass es mit dem Alkoholkonsum zusammenhängt, der auch etwas höher als normal ist. Letztendlich komme ich zur Erkenntnis, dass es in Rodenbach wahrscheinlich so weitergehen wird wie in Mannheim und keine wirklich größeren Änderungen zu erwarten sind. Ich denke, dass ich mich der Kunst und JFK-Studios hingeben werde und mit aller Kraft und Anstrengung unser Haus renoviere. Das Letztere hat sogar Priorität. D.h. die nächsten Wochen und Monate werde ich versuchen, eine gesunde Mischung aus Arbeit und „nur“ Kunst herzustellen. Ich habe ausgerechnet, dass ich nur drei Stunden am Tag am Haus arbeiten muss, um rechtzeitig (innerhalb eines Jahres) fertig zu werden.

Um weiterhin der Gesellschaft zu dienen, werde ich natürlich auch weiterhin bloggen. Ich überlege mir mal ein paar Themen. Auch die Kontakte sollen weiter ausgebaut werden. Später ist noch eine Menge Haushalt und Packen angesagt. Bald haben wir auch Internet in Rodenbach.

18:50:07
Zurück in Mannheim. Seufz. Eine kleine Oase der Ruhe, ansonsten nur Stress. Mir ist noch was eingefallen, was ich machen könnte: Zurücklesen alter Tagebucheinträge, um herauszufinden, was ich damals so gedacht habe. Ansonsten packen.. die linke Hand schmerzt und hält vom Schreiben ab.

Montag, 5. März 2007

Aspekte des Umzugs

Warum sind Umzüge eigentlich so belastende Situationen? Kann sein, dass es manche Leute besser wegstecken als andere, weil sie keine Gefühle haben oder keine zulassen. Aber wenn man ein emotionaler Mensch ist, sind Umzüge auf jeden Fall anstrengend. Alles gewohnte verändert sich. Das traute Heim, die Sicherheit der eigenen vier Wände, die Bezugspunkte, die täglichen Wege, alles was man kannte und woran man sich gewöhnt hatte, verschwindet plötzlich und muss einem neuen Leben weichen. Wenn man weit wegzieht, verändern sich die Freunde, die Nachbarn und die Bekannten. Man tauscht alte Freunde gegen neue aus, wechselt den Therapeuten, die Kinder gehen in eine andere Schule, der Mann fährt auf einer anderen Autobahn. Viele der Veränderungen sind eigentlich nur oberflächlich und genau das ist es, was mir manchmal so Angst macht. Das man ein austauschbares Leben führt. Dass die Dinge, mit denen man sich beschäftigt unwichtig und beliebig sind. Dass man an den wesentlichen Aspekten eines „sinnvollen“ Lebens vorbeilebt. Was nützt es, wenn man nur die Art und Weise des Konsums ändert, wenn man es sich nur bequemer macht im neuen Leben? Dann hat es doch keinen Sinn. Bei einem Umzug versuche ich immer, die Aspekte meines Lebens zu verbessern, die ich vorher vernachlässigt habe, die also zu kurz gekommen waren oder die einfach nicht entwickelt werden konnten, weil die Kraft gefehlt hat. Projekte und Wünsche, die untergegangen waren, haften manchmal in den alten Wänden, mit dem Staub auf den Schränken kam der Staub auf den Ideen. Man hat sie weggestellt wie einen alten Schuh, den man nicht mehr sehen mag. Andere Ideen sind wie Samen, die nur noch niemand eingepflanzt hat. Sie sind zwar da, aber haben keinen Boden gefunden. Der Umzug, also der Neuanfang bietet so einen Boden und die Möglichkeit zur Entstaubung. Man kann die vergessenen Dinge wieder aktivieren, man kann sich neue Sachen ausdenken und einen Schritt nach vorne machen. Der Verlust des Gewohnten, schmerzhaft wie er ist, bedeutet auch Geburt eines Neuen, Hoffnung, Freude und Sinn im Leben. Kein Mensch kann ohne diese Verluste leben, jeder muss sich damit zurechtfinden. Verdrängt man diese Tatsache und klammert immer nur am Alten fest, wird man eines Tages, wenn es unabwendbar ist, nicht mehr damit zurechtkommen. Oder anders gesagt: Man muss lernen, mit dem Verlust zu leben, weil er dazu gehört.

Schmerzt der Umzug und ist er lästig, möchte man lieber „alles beim Alten“ belassen, so kann man sich in Erinnerung rufen, dass solche Veränderungen zum Leben gehören und einen nicht unwesentlichen Aspekt des menschlichen Leidens ausmachen (wie der Buddhist sagen würde).

Es geht also darum, durch anstrengende Situationen zu lernen, wie man sich darauf einstellt. Bei einem Umzug muss man also lernen, was für praktische Dinge zu tun sind (Abmeldungen, Kisten packen, Wohnort erkunden, etc.), aber auch die innerliche Einstellung und die Gefühle überprüfen, so dass das ganze nicht in einer Depression oder in Streit mit dem Partner endet. Die praktischen Dinge führen irgendwann dazu, dass man sich heimisch fühlt, dass der neue Wohnort vertraut und der eigene wird. Genauso kann man es mit den Gefühlen machen, so dass man eines Tages sagen kann: Ich hab mich daran gewöhnt. Ich hab den Schmerz verarbeitet. Ich bin wieder glücklich!

So leben wie man will. 🙂

Buchtipp

Erich Fromms „Haben oder Sein“ ist mein Buch des Monats… und das kommt nicht nur daher, dass ich im Moment einen Monat brauche, um es ganz zu lesen. Nein vielmehr reizen mich die fundamentalen, auch heute noch gültigen Aussagen, die er über unsere Gesellschaft trifft. Sind die anderen Bücher von ihm noch etwas komplizierter, so schafft er es diesmal, die wesentlichen Thesen in zwei Hauptrichtungen zu kanalisieren und anschaulich herauszuarbeiten.

Im Wesentlichen wird zwischen dem Haben- Typus und dem Sein-Typus unterschieden und diese werden an vielen Beispielen detailliert erklärt. Diese Charakterisierung scheint mir in unserer heutigen konsumorientierten Gesellschaft gültiger als je zuvor. Wir haben fast vergessen, dass es noch ein „Sein“ gibt, ein Nicht-Streben, ein Nicht-Besitzen, einfach nur ein So- Sein, dass sich nur dem Glücklichen offenbart.

Der Haben- Typus besitzt Wissen, er besitzt einen Glauben, er besitzt eine Sprache, aber er ist seltsam tot und lebt das Leben nicht. Im Grunde negiert er das Leben und die Veränderung. Er klammert sich an das Unveränderliche, an das Maschinelle und Unbelebte und begreift die chaotischen Veränderungen nicht, die das Leben ausmachen.
In diesem Buch wird außerdem beschrieben, wie die Fesseln des Besitzes und des Strebens nach mehr Macht und Einfluss dazu beitragen, den Menschen vom Leben selbst zu entfremden (und ihn täglich in die Selbst-Entfremdung treiben, wenn er nichts dagegen unternimmt).
Damit liefert es die geistigen Mittel und Anleitungen für den Leser, sich aus diesem Kreislauf des Unglücklich-Sein zu befreien und zu mehr positivem „Sein“ zu kommen. Aber der Leser muss aktiv lesen und sich dabei selbst reflektieren können, sonst nützt das schönste Buch nichts. Also vor allem ein Buch zum therapeutischen Lesen.

 

Selbsterkenntnis nach sieben Jahren

In den letzten sieben Jahren habe ich mich nicht wesentlich verändert. Das ist eine erschreckende Erkenntnis, wenn man sich überlegt, wie ich mich damals gefühlt habe und was für Erwartungen ich an das Leben gehabt habe. Man geht immer mit so Träumen durch das Leben, mit großen Seifenblasen im Kopf, die tlw. aus dem Mund blubbern, man möchte etwas verändern, etwas „wirklich großes probieren“ und am Ende bleibt man doch wieder nur normal und klein und unwichtig und einfach nur ein einzelner Mensch. Wie komme ich zu dieser Erkenntnis und was bedeutet sie für den Menschen im Allgemeinen?

Durch das Schreiben von Tagebüchern seit genau sieben Jahren bin ich zu dieser Erkenntnis gekommen. Und die wichtigste Ableitung daraus ist meiner Meinung nach diese: So toll ein einzelner Mensch auch sein möchte, so toll seine Fähigkeiten auch sind, er verblasst, sobald er sich mit zwei oder mehr Menschen vergleicht. Die anderen sind nicht nur wichtiger und bedeutender, sie sind durch die Masse auch einfach besser und bewirken mehr. So ist das mal wieder eine These, die jeglichen Egoismus als unsinnig und Ressourcen verschwendend herausstellt. Der Egoismus, egal in welcher Form er auch auftritt, ist immer der natürliche (innere) Feind des Menschen und nicht zu unterschätzen. Das um sich selbst kreisen löst keine Probleme. Es kann sein, dass man es mal machen muss, dass es mal die Zeit erfordert und „man seine Wunden leckt“. Aber es sollte kein Zustand sein, der gesund ist und auf die Dauer gelebt werden sollte. Meiner Meinung nach sollte es für jeden Menschen die natürliche Aufgabe im Leben sein, den Egoismus zu verringern und sich mehr um andere zu kümmern. Es ist einfach die Quelle für Glück und Zufriedenheit. Man kann das nicht begreifen, indem man den Satz einfach liest und ihn dann zur Seite schiebt. Man muss darüber nachdenken und diese „These“ in der Realität anwenden. Man muss überlegen, wodurch man wirklich glücklich wird und warum. Oft ist die natürliche Empfindung des Menschen so, dass er zuerst an sich selbst denkt, dass ist so was wie ein Selbstschutzmechanismus, eine natürliche Selbstliebe, die wir auch brauchen. Nur wenn wir uns selbst lieben, haben wir auch die Fähigkeit, andere zu lieben. Soweit so gut. Haben wir das erkannt, können wir unsere Anstrengungen auf andere Menschen ausweiten und zusammen mit ihnen leben und nicht gegeneinander. Zugegeben das ist heutzutage sehr schwierig und es erfordert sehr viel Energie. Wenn man einfach nur herumsitzt und darauf wartet, dass sich andere um einen kümmern und mit Liebe überschütten, wird man schnell feststellen, dass es so gut wie nie(!) passiert. Alle anderen Menschen warten auch darauf, also was tun? Man kann hier nur den aktiven Weg wählen und versuchen, anderen mit Liebe zu begegnen. Nur so wird die Grundlage für eine bessere Gesellschaft geschaffen, wo die Liebe wie eine Ware als Überschusskapital erzeugt wird und dann hoffentlich allen zu teil kommen kann. Wohlgemerkt, dies ist eine Theorie, sollte aber nicht unbedingt eine bleiben.

 

 

In Love with Mannheim

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Da bleibt noch die Stadt, die Du mir hinterlassen hast.
Eine riesige Ansammlung aus Lichtern, Industrie und Gestank.
Die Kneipen sind überfüllt.
Man kann sich nur setzen, wenn man reserviert hat.

Alles ist herausgeputzt, alles ist exklusiv.
Wer nimmt Platz am Tisch der Reichen und Mächtigen?

Für den armen Schlucker ist kein Platz.
Der springt lieber in den Rhein.
Brücken gibt es genug.
Oder nimmt einen tiefen Schluck.

so viele arbeiten!
LKWs fahren rund um die Uhr
Geschlafen wird nicht wirklich.
überall drehen Maschinen.

Gehörst du zur High Society?
Oder mischt du dich unter das Volk?
Es ist Dein Weg, Deine Entscheidung!

Nimmst du die normale Straße?
Oder doch lieber die VIP- Spur?

Gehst du zum Fußball,
oder zum Pop-Konzert?

So viele Straßen
und alle führen irgendwo hin.

Wer mal raus will, der nimmt den Zug,
Wer über den Ozean möchte, das Schiff.

Die Zufriedenen bleiben hier.
Gehen einkaufen.
Genießen das Flair.

Und ich-

gehe zur Kirche
möchte ein bisschen beten
und anhalten.

ich mache Fotos
ich schau mir alles an
ich bin im hier und jetzt
verschmilze mit der Nacht

und ich möchte nie mehr von Deiner Seite weichen.

Vermisst

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Lange habe ich nicht mehr an Dich gedacht.
Du bist schon fast verschwunden.
Gestern wollte ich Dir noch eine Chance geben.
Aber ich habe nichts gespürt.
Klar, hätte ich Dich gerne gesehen.
Es hat auch kurz gekribbelt.
Dann war es wieder weg.
Du verschwindest.
Ganz langsam.
Aber immer mehr.

Die Stadt war schön anzuschauen. Meine Sinne waren voll aufgedreht.
Ich habe Dich erwartet. Mich vorgefreut. Und schick gemacht.
Extra geschminkt. Und die schönste Bluse angezogen.
Für den Weltfrauentag.
Aber es war ein einsamer Womens Single Day.
Ohne Dich.

Die Straßen waren verlassen.
Die Bürgersteige hoch geklappt.
Es gab ein paar junge Leute, gewiss.
Aber da war keine Liebe in meinem Herzen.
Nur der lauwarme Frühlingswind und das kalte Stahlgehäuse meiner Kamera in den Händen.

Im Parkhaus riecht es nach Pisse.
Ansonsten ist alles taghell.
Da sind Schilder und Verbote.
Aber keine Liebe.
Wo bist Du?
Neben mir wären noch zwei Plätze frei gewesen.

Wald-Spaziergang

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Ich bin alleine mit mir und meinen Gedanken. „Raus, einfach raus!“ denke ich mir und schnappe mir die Kamera und den Autoschlüssel.
Das nahegelegene Waldstück ist nicht weit. Als ich angekommen bin, große Enttäuschung! Es blüht und wächst ja immer noch nichts. Nur ein paar langweilige Baumstämme und grau-braune Farbtöne.

Wie lange soll das noch dauern? Ungeduldig richte ich meine Kamera wie eine hektische Wald-Touristin auf alles, was mir vor die Linse kommt.
Doch das „schöne Bild“ will nicht entstehen. Dann irgendwann merke ich, wie hektisch ich bin und fange an, mich zu bremsen.
Die Bewegung an der frischen Luft tut ihr übriges. Es entspannt mich… ich überlege, dass ich mal mit der „Blende“ herumspielen könnte.
Kleine Blende stellt die Objekte vom Hintergrund frei, hohe Blende (geschlossene Öffnung) sorgt für mehr Schärfe und lässt die Bilder einfacher scharf stellen. Es gibt tausend Optionen in der neuen Kamera, ich bin ein bisschen überfordert. Es dauert, bis wir verschmelzen. Aber dann wird es immer besser. Mit der Zeit entstehen neue Objekte vorm inneren Auge. Da ein Baumpilz! Ein Mistelzweig und eine Beere. Ich fange wieder an zu sehen.

Auf dem einen Baum ist was kurioses zu sehen: Ein durchgestrichenes A und ein durchgestrichenes D. Was das wohl bedeuten soll?
Ich bin mir nicht sicher, aber das Bild wird irgendwie gut. Es ist abstrakt, es ist nichtssagend und damit entspannt es mich.

Dann irgendwann knie ich mich auf den Boden und versuche, dem Moos und den Blättern ganz nahe zu sein.
„Wenn mich hier jemand sieht, hält er mich für verrückt“ rufe ich meinem Begleiter scherzhaft zu, wie ich mich da verrenke und mit den Fingern das ausklappbare Display für die „Froschperspektive“ vorbereite. Es ist ein bisschen schwergängig, aber dann erleichtert die Klappfunktion die Bildsuche in schwieriger Lage.


„Ach weißt du, Fotografen sind doch alle so ein bisschen verrückt“ entgegnet er mir trocken.
Ich fühle mich für einen kurzen Moment peinlich berührt. Und fotografiere dann einfach weiter.

Zum Schuss kommen wir zur „Feldrandlage“. Die ersten Traktoren sind schon unterwegs und machen die Felder neu.

Auf dem Rückweg komme ich noch an einem Grundstück vorbei, das mitten im Wald liegt. In der Nähe sind Wohnhäuser. Noch vor kurzem hab ich mir sie angeschaut und gedacht, wie schön es ist, wenn man so direkt am Wald wohnen würde. Jeden Tag bei den Bienen und Blumen sein! Immer frische Luft, sobald man die Terrassen-Tür aufmacht. Durch die Bäume sehe ich große Schuttberge, dort wo einmal ein Haus gestanden hat. Irgendein neuer Käufer ist eingezogen. Er hat alles platt gemacht und baut sich dann eine neue Villa hin. Auf dem dazu gehörigen Waldstück sind Bäume und Äste gekürzt und aufeinander gestapelt worden. „Feindliche Besitznahme“ denke ich mir. Das gehört jetzt ihm. Da darf kein anderer hin. Er formt es nach seinen Gedanken. Es sieht unfreundlich aus. Dazu das passende Bild. Alles privat, alles seins.

Geteilt wird nur in der Natur. Und der Mensch ist ihr entwachsen.

 

Fieberträume

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Schon erstaunlich, was das Gehirn alles an Bildern erzeugen kann, wenn man es lässt. Gerade im Traum sieht man dann auch, wie sehr das innere Erleben an die Formung von tatsächlichen „Bildern“ geknüpft ist. Gehirn, Körper und Geist, alles ist verbunden.

Ich finde den Vorgang immer sehr faszinierend. Denn beim Schreiben macht man eigentlich nichts anderes: Man greift das innere Erleben auf und versucht daraus, ausdrucksvolle Bilder in Form von Sprache zu bauen. Im Traum passiert es unbewusst und beim Schreiben ganz bewusst!

Ich kann beim Schreiben also meinen Traum lenken, im Schlaf bin ich ihm eher ausgeliefert.

Nun ein Beispiel für zwei interessante Bilder, die mir meine Träume in den letzten Tagen hervorgebracht haben.

Ich kämpfe ja derzeit immer noch mit einem Virus herum, eigentlich schon die ganze Zeit, seit Anfang des Jahres. Gerade in der dunklen und kalten Jahreszeit tut sich mein Körper noch ein wenig schwer damit, die ganzen Erreger abzuwehren.

Und durch die anstrengende Trauerphase des letzten Jahres habe ich das Gefühl, dass die seelischen und damit auch körperlichen Reserven ziemlich verbraucht worden sind.

Alles steht in Flammen

Heute Nacht habe ich z.B. geträumt, ich wäre im Haus meiner Eltern. Draußen läuft eine Straße vorbei, auf der viele Autos fahren.
Es gibt zwar in der Realität auch eine Straße, aber die ist viel weiter weg. Im Traum war sie ganz nah, fast wie eine Autobahn und es sind sehr viele Autos darauf gefahren. Plötzlich haben sie spontan Feuer gefangen! Und das war so heftig, so nah, dass das Haus meiner Eltern plötzlich auch Feuer gefangen hat. Die Gardinen haben gebrannt und ich habe plötzlich richtig Angst bekommen! Genau in dem Moment großer Panik, bevor das „Feuer mich verschlingen kann“, bin ich dann aufgewacht.

Als ich aufgewacht bin, habe ich festgestellt, dass ich leicht erhöhte Körpertemperatur, also Fieber habe. Die Straße muss die Straße mit Erregern, vielleicht die Lymphbahnen gewesen sein. Das Haus meiner Eltern war mein Körper denke ich. Und das Feuer natürlich meine fiebrige Reaktion.

Das Werkzeug

Und ein anderer Traum war ungefähr letzte Woche. Da war ich auch noch sehr krank und habe mich extrem unwohl gefühlt.
Vor allem das Sonnenlicht hat mir gefehlt. Irgendwann wurde es dann endlich besseres Wetter und ich hatte den ganzen Tag Sonne getankt.

Außerdem habe ich zusätzlich noch Vitamin D-Tabletten eingenommen, um das Immunsystem anzukurbeln.

Der anschließende Traum war dann auch sehr eindrucksvoll: Ich gehe, nein ich laufe einen kleinen Weg durch einen Park entlang. Mir kommen lauter Soldaten in Reih und Glied entgegen, die alle sehr feindlich und aggressiv aussehen. Alles starke Männer und ich bin die einzige Frau. Ich hab Angst, dass sie mir was antun oder mich blöd anmachen wollen. Und ich laufe ihnen genau entgegen! Zuerst will mich eine große Angst packen und ich würde gerne weglaufen, dann fällt mir ein, dass ich noch ein Werkzeug dabei habe! Es ist ein riesiger Schraubenschlüssel, so wie man ihn für Autoreifen-Wechsel benutzt. Ein gekreuztes Ding, ziemlich schwer. Ich lächele, schwinge das Ding im Kreis und haue damit einen nach dem anderen um. Die Soldaten weichen mir aus, ich fühle mich unglaublich stark und selbstbewusst. Das Joggen geht plötzlich total gut, mir fällt ein, dass ich ja noch recht massig gebaut bin und keine Angst haben muss.

Ich denke dieser Traum hat mir meine Abwehrkräfte symbolisiert und der Schraubenschlüssel könnte das Vitamin D gewesen sein. 😉

Und jetzt sagt bitte nicht, dass ich verrückt bin oder eine lebhafte Phantasie habe. Das weiß ich schon selbst. 😉

Träumt ihr auch manchmal so verrücktes Zeug?

Direkte Ansprache

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Gestatten- ich bin diejenige, die ständig ins Fettnäpfchen tritt. Ich bin eine Widderin mit Schütze-Aszendent. Das macht mich sehr direkt.

Ich sage immer, was ich denke und meistens ist es die Wahrheit. Das passt nicht jedem Menschen gleich gut.
Meistens habe ich das Geschick, mir die Leute auszusuchen, die darauf sehr empfindlich reagieren. Ich finde also meistens Leute, denen es selbst schwerer fällt, die Wahrheit auszusprechen. Wenn ich jemanden (z.B. von meinen Freunden) meine Meinung sage, dann immer sehr direkt und ehrlich. Ich mache das, weil ich die anderen Leuten mag, weil sie mir wichtig sind. Ich finde diese Ehrlichkeit wichtig.

In der letzten Zeit habe ich aber festgestellt, dass meine Freunde auf meine Ehrlichkeit „nicht gut reagieren“. Sie hätten mich lieber anders. Weicher vielleicht, nicht so ehrlich.

Sie hätten es vielleicht lieber so, dass ich ihnen immer nur das sage, was ich ihnen passt und nutzt. Also angepasst, weiblich und immer fürsorglich – selbst wenn der andere den größten Scheiß macht. Das ist die Liebe, wie wir sie eigentlich von der Mutter kennen. Die Mutter verzeiht immer. Die Mutter ist immer für dich da. Es ist ein allumfassende Liebe, die völlig ohne Bedingungen ist. Leider fehlt damit der mütterlichen Liebe oft die nötige Strenge, die oft eher von der Vaterfigur kommt.

Denn da wo die Mutter immer liebt, können keine Regeln gemacht werden. Die Regeln kommen vom Vater, vom männlichen Element.
Dieses stellt Bedingungen, stellt Forderungen und erzieht das Kind nach bestimmten Gesichtspunkten. Das ist nicht zum Nachteil vom Kind, sondern zum Vorteil.

Heutzutage haben wir gelernt, alles Männliche und alles Väterliche abzuwerten. Wir kennen nur noch das Weibliche. Es ist angenehmer für uns und der Vater „nervt“ uns nur.
Also aus dem Leben tilgen. Der Vater soll die Buhmannrolle und den schwarzen Peter bekommen. Die ganze Liebe ist allein der Mutter vorbehalten. Dabei ist die väterliche Liebe auch sehr wichtig.

Männliche Regeln helfen dir, in deinem Inneren besser klar zu kommen. Grenzen zu akzeptieren. Auch mal ein „Nein“ zu akzeptieren. Es schützt dich vorm Einfluss anderer Menschen. Dein „innerer Vater“ hilft dir innerlich stärker zu sein, also schützt es auch vor Drogen, vor Sucht, vor Ängsten. Wenn du stark sein willst, musst du „nein“ sagen können.

In der Realität ist es nicht so, dass du von allen geliebt wirst. Ganz im Gegenteil. Das Leben ist sehr hart und meistens stößt man auf Ablehnung, auf Konkurrenzkampf, auf Egoismus. Oft trifft man Leute, die Machtspielchen mit einem machen wollen und an der eigenen Energie zehren. Wirkliche Begegnungen auf „Augenhöhe“ sind sehr selten und damit kostbar. Meistens sind Beziehungen irgendwie ungleich. Einer gibt mehr, der andere nimmt mehr. Einer ist dominant, der andere eher unterwürfig. Wenn man in so einer Welt bestehen will, muss man wissen, wo die eigenen Grenzen sind. Was man geben kann, wo man bereit ist Energie zu investieren und wo es nicht mehr geht.

Wenn ich der Meinung bin, dass der andere was falsch gemacht hat oder ich mir ein bestimmtes Verhalten von ihm wünsche, dann sage ich es ihm direkt.
Ich denke unter Freundschaften hat man immer beide Elemente, also mütterlich-fürsorgliches, aber auch väterlich-strenges. Man gibt dem Freund auf der einen Seite was, aber man sagt auch deutlich, wo es nicht mehr weiter geht.

Ich mache dem anderen keinen Gefallen, wenn ich mit meiner Meinung immer hinter dem Berg halte. Denn so würde ich ungute Situationen, mit denen ich mich vielleicht nicht gut fühle, nur unnötig in die Länge ziehen. Wenn ich direkt sage, was ich denke, beende ich Situationen, bevor sie mich oder den anderen krank machen können.

Traurig

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Das volle Gefühlsprogramm hat mich erwischt. Ich hoffe auf Verständnis, aber es kommt Egoismus.
Die Menschen tun sich schwer mit Traurigkeit und mit dem Umgang von Depressiven, Andersartigen, Fremden.

Wir haben nicht mehr gelernt aufeinander zu zu gehen. Wir können nicht mehr „fühlen“, wir können nur noch denken und argumentieren.
Wir gucken, was die anderen auf Facebook oder im Status-Bild posten. Aber wir reden nicht mehr miteinander. Dadurch entfremden wir uns ständig voneinander.
Wir erwarten immer häufiger, dass der andere den ersten Schritt macht. Wir sind Egoisten geworden.
In all unserem Schmerz und dem Bedürfnis nach Liebe schotten wir uns immer weiter ab und erhalten das, was wir brauchen, immer weniger.

Wer wundert sich noch, dass Suizide begangen werden?
In einer Welt der Ellenbogen und Einsamkeit.

Sie sind nicht die Ursache, sie sind eher die Folge von einem Klima der Angst, des Hasses und der Unfreundlichkeit.
Wir Menschen wollen eigentlich nicht so sein.
Aber die Umstände zwingen uns dazu.

Und ich? Was soll ich machen? Ich kann nur schreiben, schreiben, schreiben und alles nach außen tragen, bevor die Gefühle mich von innen zerreißen.

Die Hirsche

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„Klonk, Klonk“ macht es, als im Frühling das Geweih der Hirsche aufeinander prallt. Man kann es von weitem schon hören.
Der Schall breitet sich durch den Wald aus. Meistens sind es tiefe dumpfe Laute, manchmal ist auch ein hölzernes Knirschen dabei.

Ein malerisches Schauspiel, zwischen den Sonnenstrahlen der Frühlingssonne.
Kraft trifft auf Kraft, es geht um Dominanz, ums Weibchen und die Verteidigung des Reviers. Nur der stärkste wird sich fortpflanzen und weiter bestehen.
Jeder muss seine Gene weiter geben. Der Kampf ist nicht unbedingt tödlich, aber wenn es sein muss, schreckt auch davor keiner zurück. Das ist den beiden Kontrahenten bekannt. Ohne je darüber geredet zu haben, kennen sie die Spielregeln. Es geht um Macht und Einfluss in der nachfolgenden Generation.
Keiner will aufgeben. Jeder hält sich selbst für den Stärkeren. Der Junghirsch des letzten Jahres ist noch kräftiger geworden.
Der Alt-Hirsch wurde träge und dick. Aber er ist stur wie ein Ochse.

Ich stehe daneben, betrachte das Schauspiel zuerst wie ein schüchternes Reh. Mit meinen großen braunen Augen staune ich, was da alles möglich ist und wie schön der Kampf eigentlich aussieht. Wie natürlich es ist, wie wichtig in diesem Sinne die Aggression ist, die wir sonst so fürchten. Wer wird da wohl gewinnen? Ob sie sich verletzen werden?
Dann wieder wird es mir zuviel und ich will weglaufen, denn die starken Hirsche machen mir Angst. Ihre Bewegungen sind unberechbar und wild. „Und das alles wegen mir“? Dann finde ich es wieder lustig und muss kichern.

Ich staune, streiche mir am Ast des nahe gelegenen Baumes einen Grasbüschel aus dem Fell. Ich trabe frohen Mutes zum Leckstein und lecke mit meiner langen Zunge genussvoll darüber. Schmeckt ein bisschen komisch heute!
Vor meinen Augen verschwimmt es und an meinem Hinterende hat sich ein leichtes Kribbeln eingestellt. Mein Fell wurde dichter, die Muskeln haben zugenommen. Ich rage den Kopf nach oben und fühle mich plötzlich viel selbstbewusster. Erstaunt stelle ich ein paar Minuten später fest, dass ich selbst eines der Hirsche geworden bin.

Kraft macht sich plötzlich in meinem Körper breit. Ha, die Sonne! Ich muss strahlen. Die Laune wird viel besser. Alles geht gut von der Hand.
Ich fühle mich stark. Und frei. Jetzt will ich endlich was erreichen und was bewegen.

Im Frühling ist die Hirschen-Kraft auch in mir!

Selbstversuch mit Zucker-Reduktion

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Bitte beachten: Alle Angaben zu Gesundheit sind ohne Gewähr.

Ich weiß nicht, ob ihr es wusstet, aber ich bin eine „Selbstausprobiertante“. Gerade im Internet bekommt man ja heutzutage so viele Tipps zu allen möglichen Themen, vor allem bei den Gesundheits- und Abnehmthemen reizt es mich, sie zu Hause auszuprobieren.

So habe ich in diesem Jahr (vor ca. 4 Wochen) eine „Alkohol- und Zuckerdiät“ angefangen. Dies ist auch unter dem Oberbegriff LowCarb-Diät bekannt.
Der Gedanke dahinter ist relativ einfach: Zucker und „leichte“ Kohlenhydrate (wie z.B. Weißbrot) heben den Insulin-Spiegel sehr schnell an und führen nach kurzer Befriedigung des Hunger-Gefühls zu neuem Hunger. Bei Abnehmen ist das hinderlich, weil im Körper nur Fett verbrannt wird, wenn der Insulin-Spiegel niedrig ist. Bei einem niedrigen Insulinspiegel erkennt der Körper, dass es keinen „freien Zucker“ im Blut gibt und muss an die Reserven gehen.

Fettreserven sind gespeicherte Energie im Körper, ein Kilogramm Fett entspricht dabei ca. 9000 kcal (Mehr Infos dazu).

Nur mal zum Vergleich: eine Tafel Schokolade hat ca. 500 kcal, die man oft in weniger als 10 Minuten in sich reinstopft.  Um 1 kg Fett zu verbrennen muss man also Sport machen, der diesen Kalorienberg abschmilzt. Zum Vergleich: Eine Stunde Wandern verbrennt bei mir nach gängigen Kalorienrechnern ca. 350 kcal.

Alkohol gilt dabei auch als schädliche Energieform, nämlich in ebenfalls sehr starken und gut verfügbaren Form (Ethanol). Alkohol ist sehr energiereich, das wissen viele Leute gar nicht. Trinkt man zum Essen z.B. Bier oder Wein, nimmt sich der Körper zuerst die Energie aus dem Alkohol und baut die Energie aus der Nahrung in ungewünschte Fettspeicher ein. Außerdem verstärkt der Alkohol beim Essen den Appetit. (Mehr zu Brennwert)

Soweit die Theorie.

Ich habe jetzt in meiner Ernährung versucht, alle hellen Mehle weitesgehend wegzulassen und statt Toastbrot nur noch Vollkornbrot zu essen (niedriger glykämischer Index) und den Alkohol (bis auf die Wochenenden) wegzulassen. Außerdem hab ich so gut wie keine Süßigkeiten, keine Schokolade, keine Gummibärchen und keine Kekse mehr gegessen. Auch Kartoffelchips und Salzbrezeln waren tabu und wurden hauptsächlich durch Nüsse oder Pistazien ersetzt. In meiner Haupternährung stehen eher Proteine (Fleich, Käse, Milch) und Gemüse und Obst.

Die Folgen merkte ich schon relativ schnell: Nach wenigen Tagen hat mir mein Körper eine starke „Unterzuckerung“ gemeldet. Ich fühlte mich sehr schlapp und energielos. Außerdem bekam ich Kopfschmerzen und schlechte Laune. Der Körper war es gewohnt, immer in großen Mengen Zucker zu bekommen, das fehlte ihm jetzt. Gerade bei der Gehirnarbeit am Computer entstehen schnell Heißhungerattacken. Denn das Gehirn ist ein „Großverbraucher“ von Energie und während der sitzenden Tätigkeit hat man einfach mehr Lust auf schnelle Zucker und Snacks zwischendurch. Diese Heißhungerattacken sind nur durch „richtige Mahlzeiten“ zu ersetzen. Ich habe also angefangen, mittags wieder regulärer zu kochen und ein „normales Mahl“ zu bereiten. Die Umstellung auf weniger Zucker hatte nach ein paar Tagen besser geklappt, die Nebenwirkungen wurden geringer.

Das reguläre Kochen macht zudem Spaß und man macht sich Gedanken über die Ernährung- kann so schlecht nicht sein. Immer täglich frisches Obst und Gemüse zu essen soll ja sehr gesund und „gut“ sein. Es setzt aber auch voraus, dass man ständig in die Einkaufsmärkte fährt und „neues Zeug“ besorgt. Denn Gemüse lagert sich nur sehr schlecht und muss eigentlich alle drei Tage neu geholt werden. Ähnliches gilt für Obst.

Alles gar nicht so einfach. Und, hab ich jetzt einen Effekt gespürt? Also einen positiven – gewünschten?
Ich hab auf jeden Fall nicht mehr zu genommen, seit dem ich das Experiment angefangen habe. Aber die große Überraschung bei den Pfunden gab es noch nicht. Der Körper ist einfach zu flexibel und zu schlau, er passt sich auf das geänderte Nahrungsangebot an! Er kann nämlich seine Zuckerreserven auch aus anderen Stoffen wieder aufbauen. Am Ende ist nur die Gesamtbilanz wichtig.

Den Heißhunger hab ich immer noch, aber insgesamt ist die Fresslust etwas weniger geworden. Dort merke ich also eine positive Veränderung. Ich habe plötzlich eine sehr starke Sensibilität für „Süßes“ entwickelt. Gezuckerte Industrieware (z.B. Joghurt) kommt mir plötzlich viel süßer als früher vor. Und das führt dazu, dass ich es fast eklig finde und automatisch weniger davon möchte. Es ist also eine „positiv rückwärts gewandte Suchtspirale“ entstanden. Eine Entwöhnungsspirale, die ich in Gang gesetzt habe. Ich bin aber nicht mehr ganz so streng zu mir und wenn die Lust auf Zuckriges wieder sehr groß wird, gebe ich dem auch mal nach. Aber tendenziell eher am Wochenende (selbstgebackener Kuchen) oder zu bestimmten Anlässen, so wie es auch früher eher üblich war (also zur Zeit unserer Omas).

Den Akohol zu reduzieren ist gar nicht schwierig. Bei mir schlägt nämlich schon geringe Mengen von Alkohol sofort negativ aufs Immunsystem und wenn ich zuviel davon trinke, wird auch die Haut schlecht und ich fühle mich nicht gut. Also hab ich kein Problem, nur am Samstag mal einen Gin Tonic oder ein Bier zu trinken. Aber selbst das ist kein „Muss“. Wenn man erstmal mit Alkohol anfängt, möchte auch hier dier Körper immer mehr davon. Die Suchtgefahr von Alkohol ist nicht zu unterschätzen. Am besten weglassen oder gar nicht erst damit anfangen.

Bei der Fettverbrennung hab ich nun die Angebotsseite deutlich verändert und reduziert, aber es geht nicht ohne die eigentliche Verbrennung, also den Verbrauch. Bestehende Fett-Reserven müssen durch sportliche Aktivität reduziert und abgebaut werden. Es geht nicht anders. Die Ernährung ist die eine Seite, aber die tatsächliche Aktivität ist die andere. Um wirksam Fett zu verbrennen, muss man vor allem Muskeln aufbauen. Denn der Grundumsatz der Muskeln verbrennt dann auch Fett im Ruhemodus.

Das Ziel lautet: Weniger unnötige Fettpolster im Körper zu haben, vor allem das ungesunde Bauchfett zu reduzieren. Wenn man das schafft, hat es noch weitere Vorteile: Die Vitamin D – Verfügbarkeit soll sich verbessern. Denn das Sonnenhormon Vitamin D (mit den vielen positiven Wirkungen auf Stimmung und Immunsystem) wird im Fett eingespeichert.

Frauen sollten zudem darauf achten, genügend Omega-3 Fettsäuren zu sich zu nehmen (z.B. in Fisch oder Leinsamöl). Denn das Hungergefühl wird bei ihnen dann ausgelöst, wenn der Körper zu wenig von diesen Fettsäuren im Blut hat. Diese sind vor allem für die Schwangerschaft und die Ausbildung des Kindes wichtig. Hohes Östrogen führt automatisch zu Hungergefühl, diesen Zusammenhang dürften einige von meinen weiblichen Leserinnen kennen. (Mehr Infos dazu)

Ausgeloggt

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Naturschutzgebiet, Blick auf einen See
Naturschutzgebiet, Blick auf einen See

Freitag nachmittag! Ich hab mich aus der Woche ausgeloggt. Ganz bewusst, ganz spontan bleibt heute mal die Arbeit liegen.
Ich fahre den Computer herunter, ziehe mir meine einfache Hose, ein schlabbriges T-Shirt und die festen Wanderschuhe an. Um die Augen wird noch schnell ein bisschen Kajal drauf geschmiert, aber das wars schon. Die Haare bürsten? Bringt eh nicht viel, kann ich auch später noch machen. Wer soll mich schon sehen? Ich schnappe meine Handtasche mit den Siebensachen und fahre mit dem Auto ins nahegelegende Naturschutzgebiet mit den schönen Seen.

Eine herrliche, frische und freie Luft empfängt mich. Die Last der letzten Woche fällt von mir ab. „Bewusst runterkommen“ wie wichtig das ist. Ich bin die ganze Zeit krank gewesen und hab mir wohl einen Grippe-Virus eingefangen. Dennoch musste ich die ganze Zeit arbeiten, denn als Selbstständige hat man ständig Termin- und Zeitdruck.
Es war mir heute ein Bedürfnis, den Fluss der Zeit mal kurz anzuhalten. „Gotta get away from me!“

Termine absagen, auf die man sich eigentlich gefreut hatte. Die Freunde reagieren verständnisvoll, daran erkenne ich, dass es gute Freunde sind. Ich will ihnen etwas von mir geben, aber heute hab ich erstmal eine Grenze. Es geht nicht weiter.

Das Projekt wird mittendrin „abgebrochen“, der Computer hat alles gespeichert, ich kann auch am Montag noch weitermachen. Ich bestimme, wann ich aufhöre und ich bestimme, wieviel geht. Diese Freiheit fühlt sich gut an.

Auf dem See sind ein paar Enten. Die Natur ist noch im Wartemodus. Alles ist grau. Grüne Spitzen und Blütenansätze sieht man nur, wenn man genau hinschaut.
Gut Ding will Weile haben, alles braucht seine Zeit.