Frau Piotrowski – 3

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Nachdem du genug getrunken hast und dein Schwarm definitiv nicht mehr kommt, beschließt du nach Hause zu fahren. „Nach Hause“, wo war das nochmal? Du strengst deinen kleinen süßen Kopf an, aber es kommt fast nichts raus.

Mit Müh und Not findest du den Autoschlüssel in deiner überfüllten Handtasche. Das Auto steht gleich um die Ecke. Du lässt den Motor an und fährst in Schlangenlinien durch die Nacht.

Es regnet. Es ist windig. Der Seitenwind verstärkt deinen unsicheren Fahrstil noch. Scheißegal denkst du dir und rülpst.

Zu Hause ist Licht in der Garage. Da fällt dir ein, dass da noch jemand ist.
Du hast seinen Namen vergessen. Du nennst ihn nur noch „Lusche“ oder „Depp“.

Der Depp steht in der Garage und baut mal wieder irgendwas. Du fährst schief in die Garageneinfahrt und erwischst einen Blumentopf. Scheißegal, denkst du dir.

„Na“ sagst du zu ihm. Auf mehr hast du keine Lust.
Er bastelt an irgendwas. „Was ist das denn?“ du schaust ungläubig auf die Maschine, die er sich da gekauft hat. Es ist ein riesiges Teil, das die ganze Garage verstopft.

„Hi Schatz, schön dass du da bist. Schau mal ich hab mir einen Rasentraktor gekauft.“

„Einen was?“ Du reißt die Augen auf. Sofort wirst du sauer.

„Ja einen coolen Rasentraktor. War im Angebot. Hat nur 2.500 Euro gekostet. Und dazu gab es noch eine Häckselmaschine.“ Die besagte Maschine steht noch in Folie in der Ecke. Sie sieht riesig aus. Und überflüssig.

Du merkst wie es in deinem Gesicht weiß und kalt wird. Ein Rasentraktor.. im Dezember.
Weil ja auch im Moment soviel Rasen wächst.

„Aha“ das ist das einzige was du rauskriegst. „Du weißt aber schon, dass ich das Geld eigentlich für was anderes gebraucht hätte?“

„Ja tut mir leid Schatz. Du kannst deine Sachen ja dann später kaufen.“

Du sagst nichts mehr und gehst ins Haus.

Da ist noch irgendwer. Du hast sie fast vergessen.
Deine Tochter. Sie ist krank und liegt im Bett. Sie will mit dir reden. Aber du hast irgendwie keine Zeit.

„Hallo Mama“ sagt sie und guckt dich mit großen Augen an. „Wo warst du?“
„Hi Schatz.. ich war.. weg.. hab jemand getroffen. Oder zumindest versucht, jemand zu treffen.“

„Du siehst traurig aus, Mama.“
„Ja..echt? hm..“

Sie hustet. Du machst ihr was zu essen. Eine warme Suppe. Und hörst ihr zu.

Dann kommen die Tränen.

Frau Piotrowski – 2

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Heute geht es Dir richtig dreckig. Dein Schwarm ist natürlich nicht gekommen an dem Abend.
Du hast zwar seine Nummer, aber er antwortet nicht. Die Liste Deiner Nachrichten auf WhatsApp wird immer länger. Du schämst dich. Es sieht dumm aus. Du schreibst, aber er antwortet nicht.

Er ignoriert dich total, dieser Schuft! Erst macht er dir schöne Augen, dann die totale Abfuhr. Er hat noch nicht einmal den Mut, es dir zu sagen. „Ich will dich nicht verletzen, Paulina“ scheint er zu denken. Aber wieviel verletzend mehr ist GAR KEINE Reaktion!! Bitteschön! Das ist noch viel schlimmer.

Du merkst, dass du richtig eingeschnappt und beleidigt wirst. So hat dich noch keiner behandelt. Dieses Würstchen, dieser Schuljunge. Soll er doch zu Hause bei seiner Mama bleiben und am Computer zocken. Unreif! Er hat dich gar nicht verdient. Die schönste aller Frauen sitzt hier, ist freundlich und nett und wartet auf ihn. Hat sich extra schön gemacht. Und dann das!!

Du nimmst noch schnell einen Schluck aus dem Weinglas, das vor dir steht. „Noch eines bitte“ sagst du zum Kellner, der immer ganz schnell an dir vorbei sprintet und dich meistens gar nicht wahrnimmt. Er ist schon etwas älter und hat einen interessanten Bart. Er ist klein und dicklich und sieht fast aus wie ein Zwerg aus einem Fantasy-Roman. Manchmal glotzt er dich aus seinen braunen Augen an. Du glotzt zurück. Aber ansonsten ist er nicht dein Typ.

Der Alkohol betäubt dich und lässt die Gefühle etwas besser ertragen. Du merkst, wie deine Wangen warm und rot werden. Scheißegal, denkst du dir. Und nimmst noch einen Schluck. Die Weihnachtslichter verschwimmen. Die Geräusche der Kneipe werden zu einem Brei. Alles leuchtet, alles schwimmt. Du verlierst den Halt. Es ist dir egal.

„Eigentlich würde ich mich gerne umbringen“. Der Gedanke kommt hoch, aber du drückst ihn schnell nach unten. Er ist genauso sinnlos wie alles andere.

Wegen einem so nem Typ! Lächerlich.

In der Toilette kontrollierst du noch schnell deine Frisur. Die Haare sind mal wieder verwuschelt. Deine Haut glänzt und ist fettig, die muss dringend abgepudert werden. Der Lippenstift ist auf der Oberlippe weg, aber auf der Unterlippe noch drauf. Sieht blöd aus. Schnell nachziehen.

Als du zurück kommst, checkst du nochmal die Kontaktliste deines Telefons. Da sind noch ein paar andere Typen drin. Du schreibst eine Nachricht an deinen alten Schulfreund. Du hast ihn immer gemocht, irgendwann dann aus den Augen verloren. Er ist stark und kräftig. Er hat eine Schulter zum Anlehnen und Ausheulen. Das wärs jetzt. Du magst seine Verrücktheit, dieses unberechbare, etwas zynische und arrogante. Das macht dich total an.

Deine Whatsapp-Nachricht wird sogar beantwortet. Sie klingt ein bisschen kühl. Genauso hast du ihn in Erinnerung. Kühl und männlich und überlegen. Genau das, was du jetzt brauchst. Jemand, der nicht soviel quatscht und nicht so viele Fragen stellt. Einfach nur puren, harten Sex.

Außerdem kennst du noch einen anderen Typ. Mehr so ein Künstler. Er macht viel auf Instagram, ist auch aus Mannheim. Er hat dein Interesse geweckt. Keine Ahnung warum. Gleich von Anfang an. Er macht dich nicht an, ist aber nett. Etwas älter als du. Hat auch Stil und Kultur.

Wie wäre es mit dem ? Es gibt soviele Männer da draußen, man braucht gar nicht auf die unreifen Bübchen zu warten. Es gibt so viele Singles. Es gibt so viel zu erleben. Also raus in die weite Welt.

Frau Piotrowski

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„Frau Piotrowski“… du lässt den Namen immer wieder durch dein Gehirn wandern.
Er gefällt Dir. Er klingt gut.

Du stellst dir vor du würdest so heißen, wie der Mann, den du begehrst.

Eigentlich mochtest du den Namen zuerst nicht. Er klang etwas fremd, seltsam. Er hat dich zuerst überrascht, so wie der Träger des Namens dich überrascht hat.

Aber vom Namen und vom Träger gehen eine seltsame Anziehungskraft aus.
Etwas, das für dich völlig neu ist. Du magst ihn. Den Träger und den Namen.
Es vermischt sich. Beide werden eins. Du begehrst den Träger genauso wie den Namen.

Obwohl du das nie wolltest, kannst du dir plötzlich vorstellen, dich so umbenennen zu lassen.

„Gestatten, Paulina Piotrowski“ du kicherst bei der Vorstellung. Wie albern das ist.

Aber du merkst, dass es viel mehr als nur Albernheit ist.

Du gehst durch die Stadt und stellst dir vor, wie wohl seine Mutter ist.
Die diesen Namen trägt. Er hat ein paar Mal von ihr erzählt. Er scheint sie sehr zu mögen. Er schwärmt beinahe von ihr. Sofort bist du eifersüchtig geworden, als du gemerkt hast, wie viele Gefühle da wohl im Spiel sind.

Auch das ist neu. Nie hast du dich für die Mütter deiner Partner interessiert. Aber bei ihm schon.

Du gehst durch die Stadt und stellst dir vor, du bist sie. Du hast dich extra chic gemacht und ganz schön geschminkt. Sie ist ja auch älter als du. Sie ist bestimmt eine Dame und sie hat Stil.
Nicht so zerzaust und ungepflegt, wie du manchmal rumläufst. Hier auf dem Land kümmern sich die Leute nicht so um das Aussehen. Es muss praktisch sein und schnell gehen. Kann auch mal Erde und Dreck vom Feld dranhängen. Es wird halt „geschafft“. Egal.
Aber in der Stadt? Wo die chicen und gut erzogenen Menschen der Oberschicht wohnen? Das ist alles ganz anders.

Du mussst jetzt ihren Stil kopieren, um mithalten zu können. Dein Gewicht stört dich, du willst noch mehr abnehmen, um so auszusehen wie sie. An den Haaren musst du was machen. An den Zähnen, etwas aufhellen wäre nicht schlecht. Der Teint darf nicht so grau sein!

Du hast dir eine neue schwarze Handtasche gekauft, die sehr chic und damenhaft aussieht.
So eine Tasche hattest du noch nie. Überhaupt achtest du in der letzten Zeit sehr darauf, dass alles gut zusammenpasst und schön aussieht.

In Mannheim gehst du in jedes Café und genießt die neugierigen und offenen Blicke, die dir seit neustem zugeworfen werden. Egal, wohin du gehst, die Menschen reagieren gleich positiv auf dich.
Spüren sie deine Verliebtheit?

Dabei machst du nicht viel. Du trägst deine blonden Haare offen, du hast dich chic gemacht, ein bisschen geschminkt und du lächelst jeden an. Du kannst nicht anders.
Du musst nett sein. Du willst kommunizieren und das geht nunmal gut über Blicke. Du bist gerne nett und hübsch.

Du bist gerne Frau Piotrowski.

Du stellst dir vor, er sitzt dir gegenüber und lächelt dich an. ER bewundert dich und zuckt zusammen, wenn du den Raum betrittst. Er ist zurückhaltend und nett. Höflich und charmant. Er ist nett zu dir, weil er dich wie seine Mutter behandelt, zu der er ein gutes Verhältnis hat.

Du machst ein paar Späße mit ihm und bist überrascht, wie gut das klappt. Ihr müsst immer beide zusammen und unwillkürlich lachen. Du planst es nicht, es schwingt einfach gut. Ihr gleicht euch sofort an.

Aber er ist nicht da. Nur in deinem Kopf. Du sitzt alleine in dem Café und vermisst ihn. Eine große Liebe ist in deinem Bauch. Dein ganzer Körper strahlt und leuchtet. Du bist verknallt über beide Ohren und vermisst ihn. Er ist da und auch wieder nicht.

Wo ist er ?

Wann kommt er endlich zum Essen?

Vollgas

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„Jetzt will ich auch mal fahren“ sagst du zu deinem Partner.

Er guckt dich etwas ungläubig an. Es sieht so aus, als ob er überrascht ist.

„Ja, nur wenn du müde bist.. ich hab halt gedacht…“ du redest mal wieder zuviel und er sagt nichts.

Ihr geht auf die Toilette. Du brauchst etwas länger. Als du zum Auto kommst, sitzt er schon auf dem Beifahrersitz.
Du freust dich.

Du drückst den Knopf für die elektronische Zündung und stellst die elektrische Sitz-Auswahl auf „2“.

Es geht Richtung Parkplatz-Ausfahrt. Kurz schauen, ob auch keiner von rechts oder links angeschossen kommt, dann in Richtung Auffahrt. Kurz einfädeln, damit hattest du jahrelang Probleme. Es geht darum sich irgendwo „reindrücken und behaupten“ zu müssen. Ist dir immer schwer gefallen. Aber mit dem Auto geht es leicht. Es hat genug PS und Leistung. Du gibst Gas und fliegst über die Beschleunigungsspur. Die LKW fahren sowieso immer gleich schnell. Es ist leicht, sich da anzupassen und eine Lücke zu finden.

Es ist relativ wenig Verkehr heute. Es sind drei Spuren, die sich sehr eng durch die Kassler Berge schlängeln.
Rauf und runter, links und rechts und freie Fahrt. Es macht dir Spaß. Du fährst immer schneller.
Der elektrische Spurhalteassistent hilft dir auch bei schnellerem Tempo. Das Lenkrad wird leicht gegengesteuert, wenn du drohst, von der Spur abzukommen. Ein irres Gefühl! Du schaust du auf die Tachnonadel, schon über 180, dann bist du fast bei 200. Du bist erschrocken, dass es so schnell ging. Du entscheidest dich für eine akzeptable Reisegeschwindigkeit von 170 km/h. Da hast du noch genug Zeit zum reagieren. Wer links fährt, hat auch Verantwortung. Für alle die nicht so schnell fahren können oder wollen. Du genießt das Gefühl der Macht, dass du in dem kleinen Lenkrad trägst.

Weil es immer rauf und runter geht, brauchst du viel Leistung. Die 7 Stufen DSG- Automatik holt das Maximum aus dem relativ kleinen Motor, der aber zum Glück genug Drehmoment hat. Immer mal wieder schaust du in den Rückspiegel. Es kommt keiner. Du bist die schnellste.

Erfolg und Glück

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Wenn Du erfolgreich sein möchtest, lass alle Zweifel und Bedenken hinter Dir.
Mach einfach das, was du machen möchtest. Geh diesen Weg, weiche nicht davon ab.

Glaub an dich und überwinde die Zweifel. Sie haben keinen anderen Sinn als dich von deinen Zielen abzuhalten.

Wir alle haben Träume.
Die einen wollen mehr Geld, die anderen mehr Zeit, mehr Familie, mehr Freunde.
Wir wollen Gesundheit und Glück.

Aber warum erreichen wir das meistens nicht?
Weil wir es nicht zu lassen, weil wir es blockieren.
Weil wir uns selbst im Weg stehen.

Wer sich kreativ im Leben verwirklichen möchte,
muss lernen, an den eigenen Gedanken zu arbeiten.

Die Gedanken formen die Welt.
Wenn du positiv und optimistisch denkst, ziehst du automatisch positive und optimistische Menschen an.

Wenn du immer nur an allem zweifelst und das negative siehst,
bist du bald umgeben mit Menschen, die alle negativ denken und an allem zweifeln.

Wenn Du der Meinung bist, dass die Welt ungerecht und einseitig ist,
den Armen alles genommen wird
Hass und Kriege die Welt regieren
die Umwelt sehr darunter leidet
wirst du sehr schnell Beweise dafür finden.

Wenn du glaubst, den Reichen steht ihr Reichtum zu,
weil sie hart arbeiten und an der richtigen Stelle auch Glück gehabt haben
dass der Reichtum auch Verantwortung und Möglichkeit bietet
dass er auch positive Seiten hat

dann wirst du beginnen, selbst hart zu arbeiten
und die glücklichen Momente schätzen und lieben.
Dann wirst du den Reichtum nicht mehr hassen
sondern als Folge von Anstrengung und Arbeit sehen.

Es ist in der Summe nur die Kraft unserer Gedanken
und unserer Phantasie.
als Menschen haben wir die Gabe, zu erkennen, dass nichts beschränkt ist
außer unsere eigene Vorstellungskraft.

Selbst Menschen die nicht gehen und sich kaum bewegen konnten,
konnten im Geist phantastische Dinge ausdenken und mathematische Beweise führen.

Selbst als tauber Mensch kann man noch Musikstücke komponieren.

Selbst als Mann, kann man die Dinge weiblich empfinden
und auch als Frau kann man sich männlich durchsetzen.

Es ist alles möglich
du musst es nur akzeptieren

und zulassen.

Beweisführung

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Was man als Trans*frau am meisten hasst, ist das „Beweisen müssen“.

Man muss irgendwem beweisen, dass man im Kopf eine Frau ist und daher auf die Damentoilette geht und die männliche Umkleidekabine hasst.
Man muss den Eltern erklären, wie es dazu gekommen ist.
Die Freunde sollen es verstehen, warum sie jetzt „sie“, statt „er“ sagen soll. Die meisten sagen trotzdem weiter „er.“

Man soll etwas beweisen, für dass es nur ein Gefühl gibt.
Ein weibliches Gehirn in einem genetisch männlichen Körper.

Man soll seine weibliche Identität beweisen und erklären und man soll sie rechtfertigen.
Man muss Gutachten haben. Unabhängige Stellen müssen es belegen und bezeugen.

„Normale Frauen“ müssen nichts beweisen. Sie sind einfach Frauen.
Genau hier entsteht die Ungerechtigkeit.

Dazu kommt die gesellschaftliche Einordnung und das Unverständnis.
Sobald man irgendetwas tut, was etwas männlicher ist, heißt es gleich „klar, die war ja auch ein Mann. Wundert mich nicht!“.

Wenn man sich zu weiblich verhält, ist es auch nicht gut.
Dann sagen die Feministinnen: Ja, aber wir haben dafür gekämpft, dass alles weibliche und männliche gleichgeschaltet wird.
Und ihr wollt jetzt unbedingt rosa Kleidchen tragen und euch süß und passiv verhalten? WARUM ???

Beweis mir doch erstmal, dass du eine Frau bist! Und dich klar vom Männlichen abgrenzt.
Oder beweis mir, dass du ein Mann bist und ja nicht zum Weiblichen tangierst!

Beweis es, steh gerade und diskutier das bitte mit mir.

Nein danke, hab ich keine Lust drauf.

Ich bin einfach so wie ich bin. Der Name ist mir egal. Das Geschlecht ist mir egal.
Ob es jetzt eine Mischung ist oder eindeutig- zweideutig.

Alles nur ein Sturm im Wasserglas. Man geht da durch, ob man möchte oder nicht.
Man ist ein Mensch, man ist eine Mischung aus zwei Geschlechtern (Vater und Mutter) und man muss nichts trennen.

Gleichberechtigung heißt: Männer dürfen weibliche Dinge machen, Frauen dürfen männliche Dinge machen.
Die Geschlechter sind gleich. Man kann sich aussuchen, was für Klamotten man anzieht, mit wem man Sex hat, befreundet ist und welchen Job man ausübt.
Man ist komplett frei.

Daher – ist auch jede Diskussion darüber sinnlos, weil sie impliziert, dass es Redebedarf gibt.
Warum willst du reden und beweisen? Weil du es nicht glaubst, weil du es nicht begreifen kannst.

Weil du nicht trans* bist.

Die Unsicherheit und die Probleme beginnen genau dann, wenn Worte gesucht werden.
Dann brauchst du Schemata, dann fängst du wieder an einzuteilen. Und dann wirst du unfrei und – im schlimmsten Fall- auch ungerecht.

Erinnerung an… die nicht Angepassten

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Wenn ich mich mit den Fragen zu Trauer und Tod auseinander setze, komme ich zwangsläufig auf mein eigenes Leben.

Das Leben ist so kurz, schnell ist alles vorbei.
Was bleibt vom Leben?

Ich bin froh, dass ich jeden Tag blogge, dass ich immer versucht habe, meine Gedanken irgendwie in Wort- oder Schriftform zu bringen.
Es ist letztendlich die einzige Erinnerung, die Menschen mal haben werden, wenn ICH verstorben bin.

Jeder Mensch muss sterben. Das Leben ist so kurz. Und es ist wirklich kurz.
Es fliegt vorbei. Man sollte keine Stunde, keine Minute, noch nicht einmal eine Sekunde verschwenden.

Es gibt tausend Ansätze das Leben zu leben. Aber ich hab das Gefühl, die meisten sind falsch.
Arbeiten, Geld verdienen?
Einmal im Jahr einen Urlaub machen, dann wieder malochen?
Mit 65 in Rente gehen?
In ein anderes Land flüchten?
Auswandern?

In eine Kommune gehen, im Wald leben, auf Geld und Fleisch verzichten?
Wer sagt mir, was der richtige Ansatz ist?
Was muss ich erreichen, wo muss ich hin?

Ist es gut, wenn ich Kinder in die Welt setze? Oder doch eher egoistisch?
Soll ich mich für andere einsetzen und dabei ausbrennen?
Oder soll ich lieber hedonistisch und lustorientiert leben?

Das sind so zentrale Fragen, aber sie werden „normalerweise“ überhaupt nicht diskutiert, noch nicht einmal in Frage gestellt.

Wer könnte erwarten, dass so etwas zentrales in der Öffentlichkeit diskutiert wird, wenn noch nicht einmal mehr politische Fragen ernsthaft diskutiert werden?

Wer etwas hinterfragt, gilt schnell als verrückt.
Labile, empfindliche Menschen sowieso…

Vor mir hängt ein Zettel, er sticht mir jetzt ins Auge und war das wertvollste Zeitdokument, das ich in diesem Jahr erhalten habe.

Es ist der Zettel einer Patientin der geschlossenen Psychiatrie, mit der ich mich dieses Jahr unterhalten habe.

Ich hatte im Sommer 2018, kurz nach dem schrecklichen Todesfall, ein Treffen mit ihr, weil ich mehr über den Verstorbenen herausfinden wollte.

Sie musste ihre Ärzte um Erlaubnis fragen, um raus zu kommen. Sie hatte zwei Stunden „Freigang“ aus dem Gefängnis. Und hat sich die Zeit für uns genommen, was ich sehr nett fand.

Sie hatte ein blaues Auge und verdeckte dieses mit einer modischen Sonnenbrille.
„So geht man hier mit Menschen um, die nicht kooperieren“ sagte sie mit einem leicht abfälligen Tonfall zu mir.
Ihr Blick war eisig und es lief mir kalt den Rücken runter.

Ich unterhielt mich mit ihr und versuchte mehr über sie zu erfahren. Es war nicht einfach. Ich merkte, dass sie sehr gereizt und unausgeglichen war.
An ein normales Gespräch war nicht zu denken.
Auch ich selbst war nicht gut drauf.

Ich versuchte mich auf die Fakten zu konzentrieren und fragte sie:
„Was für Medikamente bekommst du eigentlich?“

Dann schrieb sie mir diesen Zettel auf und erklärte fein säuberlich, wozu das alles ist und in welcher Dosierung sie es nehmen muss.
Ich hüte diesen Zettel wie einen Schatz. Er bedeutet mir sehr viel. Er ist nur hingekritzelt, mit dem was eben da war, in dem Café, wo wir gerade saßen.
Aber ich freue mich, dass sie mir in diesem Moment vertraut hat und so offen darüber geredet hat.

Sie kam mir überhaupt nicht krank vor, als sie mir alles erklärte. Sie hatte viel Wissen und erzählte über die Fakten und Zusammenhänge der Medikamente, als ob sie es gerade an der Uni lernen würde. Sie dachte über die genauen Namen der Arzneien nach und korrigierte sie sogar mehrfach, als sie nicht gleich drauf kam.

Sie war aufgeweckt, intelligent und kritisch- so wie man es von einem jungen Menschen Anfang 20 erwarten müsste.

Krank – kam mir nur das System vor, in das sie gesteckt wurde und mit dem sie nicht zurecht kam.

Nichts gebracht

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Passende Musik: In the End (Cello-Cover)

Das war´s jetzt also mit dem Jahr 2018.
Es sind noch ein paar Wochen bis zum Jahresende, aber gefühlt bin ich mit dem Jahr durch.
Abhaken, weitermachen.
Mein 40. Lebensjahr war ein Jahr der intensivsten Gefühle und der größten Gegensätze, die man sich überhaupt vorstellen kann.

Es ist sehr gut gestartet und mit voller Optimismus und Zuversicht bin ich in das Jahr rein gestartet.
Ziemlich genau in der Mitte des Jahres gab es dann den großen Knall, den schlimmen Todesfall, die größte Traurigkeit und den stärksten Kummer, den man sich vorstellen kann.

Es gab weitere Krankheitsfälle und Krankenhaus-Aufenthalte in der engsten Familie. Meine Fröhlichkeit über die gefundene Freiheit und Selbstständigkeit ist schnell wieder im Keim erstickt worden. Die Stimmung hat nicht gepasst für den großen Aufbruch.
Es ist alles schief gegangen, was hätte schief gehen können und nur mit Mühe hab ich diese Schwierigkeiten überwinden können.

Auf der anderen Seite mein neues, fröhliches, kommunikatives Ich, was ich dringend gebraucht habe.

Mittlerweile hab ich mich mit viel Mühe „irgendwo in der Mitte“ eingependelt, aber die Traurigkeit kommt noch ständig durch.

Menschlich habe ich vor allem mitgenommen, dass die Trauer in der Gesellschaft keinen Platz hat.
Sie wird nicht wahrgenommen, sie wird verdrängt.

Es ist schwer, über die Trauer zu sprechen. Menschen wollen sich auch nicht gerne erinnern.
Wir sind mehrfach stark offensiv angegangen worden, als wir es nur angedeutet haben, dass wir an den toten Menschen denken wollen, dass wir eine Erinnerungskultur pflegen wollen. Ich hätte jedes Mal schreien können! WARUM sollen wir uns nicht erinnern? Wovor habt ihr Angst? Der Mensch ist weg… Alles was uns bleibt ist jetzt die Erinnerung. NICHTS ANDERES.

Klar, es gibt die typischen Rituale. Grabstein, Beerdigung, Trauerkarten … aber was kommt danach?
Der Bruch ist zu groß, die Wunde zu tief, die Gräben in der Erinnerung und in den Gefühlen nicht einfach mit warmen Worten zu füllen.

Ich bin traurig über diese Gesellschaft, die nicht richtig trauern kann.

Es entstehen groteske Situationen, Situationen voller Widersprüchlichkeiten und Risse, die den Menschen einfach nur krank machen können. Es ist nicht gut, wenn zu wenig gesprochen wird. Man kann nicht „zuviel“ kommunizieren- meistens wird viel zu wenig miteinander gesprochen!

So viel Leid entsteht, weil Menschen sich einfach anschweigen. Weil sie verdrängen und runterschlucken. Der Knoten will nicht platzen, er frisst sich stattdessen im Körper eine Bahn.

Die Welt ist voller Enttäuschungen, voller Einsamkeit, voller unerfüllter Sehnsucht und Abschiede.

„Der ganze Hass hat nichts gebracht“. Dieses Zitat ist für mich das Zitat des Jahres.

Vorbei

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Und jetzt ist es vorbei, was nie begonnen hatte.
Ich spüre deinen Atem noch, ich sehe dein Lachen noch.
Dann fahre ich weiter und du bleibst stehen.

Es wird kein Happy End geben für uns beide.

Egal was ich mache, du gehst mir nicht aus dem Kopf.
Tief in meinem Herzen hast du dich eingebrannt.
ich sehe ständig dein Gesicht vor mir.

Ich spreche dich an, aber du sagst nichts.
du lächelst nur.
dann guckst du verlegen auf den Boden
und schweigst.

Geplatzte Träume, zerstörte Hoffnungen
unendliche Traurigkeit.

Das Problem sind nicht die Träume.
Das Problem ist, wenn man aufwacht.

Ich bin anders

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Ich bin anders, stelle ich immer wieder fest.

Das letzte Jahr habe ich viel auf Facebook und Instagram verbracht. Es hat mir Spaß gemacht und ich habe viele neue Leute kennengelernt.
Ich habe versucht, das selbst-reflektive und mein schreibendes Ich gegen ein anders, sozialeres Ich einzutauschen. Ein innerer Mensch ist geboren, der mehr Spaß an der Vernetzung und der Kommunikation hat. Ich war mir immer sicher, dass mir dieser Teil fehlt. Dass ich im Denken und Schreiben alleine nicht all das finden kann, was ich finden muss.

Es macht mir jetzt mehr Spaß zu gucken, „was die anderen machen“, was ihre Interessen und Hobbys sind, womit sie ihre Zeit verbringen.

Es ist schön, wenn jemand was von sich teilt, wenn er sich öffnet und was preisgibt. Natürlich trifft man dann nicht gleich alles, die Begegnungen finden immer an der Grenze statt – da wo die Leute bereit sind, einen Schritt auf den anderen zu zugehen. Man kann nicht erwarten, dass es gleich die totale Schnittmenge gibt.
Es gibt immer nur kleine Schnittmengen, kleine Gemeinsamkeiten. An denen kann man anknüpfen, auf die kann man aufbauen.

Natürlich stellt man auch Unterschiede fest, dass es Dinge und Ansichten gibt, die man nicht mit anderen teilt.

„Ich bin anders“ stelle ich dann fest.

Mir fällt z.B. auf, dass ich selbst sehr gerne etwas von mir preisgebe, dass ich gerne kommuniziere und insgesamt immer versuche, „offen“ zu sein.
Aber es gibt viele Leute, die das nicht sind. Die z.B. überhaupt nichts auf Facebook schreiben, die sich nicht öffnen. Man erfährt dann gar nichts über diese Menschen. Ich weiß nicht, was für Musik sie hören, für welche Veranstaltungen sie sich interessieren, wie ihre politische Einstellung ist. Ich erfahre nicht, „was ihnen gefällt“, oder „was ihnen nicht gefällt“. Dadurch, dass sie nichts posten oder schreiben, muss ich davon ausgehen, dass sie Social Media nicht mögen.

Vielleicht sind diese Menschen im realen Leben ganz anders? Auch das ist mir aufgefallen. Social Media und Realität sind völlig andere Bereiche.
Leute können sich im Internet sehr gut verstellen und nur ihre „Schokoladenseite“ zeigen, aber in der Realität sieht man dann, wie der Mensch wirklich ist.

Die virtuelle Welt ist also auch eine Zerr-Welt und man kann sich leicht von ihr täuschen lassen. Ich befürchte, das gilt auch für die Blogs, denn auch ein Text ist ja nur ein Abbild meiner derzeitigen Gedanken und nie mein vollständiges Ich. Texte werden von Gefühlen geleitet und sind Ausdruck meiner derzeitigen Stimmung und Laune. Kann sein, dass morgen wieder alles anders ist. Wo ist dann mein Ich?

Noch etwas habe ich entdeckt, das für mich neu ist: Das Schweigen.
Es tut so gut, sich nicht gleich zu allem äußern zu müssen. KEINE politische Meinung haben zu müssen, KEINE Stellung zu beziehen, wenn sich alle aufregen und gleich der nächste Shitstorm losbricht. Es tut gut, in den eigenen Gedanken zu leben, denn sie bieten mir Halt. Niemand anders kann das bieten.

Die Welt, wie sie vor meinem inneren Auge entsteht und vergeht, ist einzig und allein eine Folge meiner Gedanken und Einschätzungen.

Was für ein Fazit bleibt mir also? Ich habe die Welt der Gedanken und Texte verlassen und bin auf andere zu gegangen. Dann habe ich festgestellt, dass sie in der Summe die gleichen Probleme und Sorgen wie ich habe. Dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, wie man so schön sagt. Das ist so unendlich tröstlich.

Wir können das eigene Leid nicht vermeiden oder loswerden. Aber es wird weniger, wenn ich in der Gemeinschaft mit anderen bin. Es relativiert sich.