Behutsame Worte

image_pdfimage_print

Aus der Reihe: „Er und sie“

Wenn ich an Dich denke, dann schüttelt es mich.
Ich will Dir eigentlich nicht schreiben. Ich bin schüchtern und habe Angst.
Ich will Dir nicht zeigen, was ich fühle oder wer ich bin.
Aber du machst es mir nicht leicht. Du sagst nichts und schweigst nur.
Andere müssen die Initiative ergreifen. Du wählst dann ruhig aus, was du sagst.
Du prüfst die Menschen mit deinem abschätzenden Blick. Bis sie sich endlich offenbaren.

Du bist kühl und reserviert und ich bin hitzig und aufgeregt.
Wer macht wohl den ersten Fehler? Wer zeigt Schwäche in diesem Spiel?

Ich weiß schon jetzt, bei Dir kann ich nur verlieren.
Ich verliere meine Seele und mein Herz an Dich. Und am Ende zerbröselt der Verstand.
Ganz leise, aber immer mehr ziehst du mich an.
Ich kann Dir nicht widerstehen.

Es ist etwas zerstört worden. Und ich hab die verdammte Pflicht, wieder etwas aufzubauen.
Ganz egal, um welches „Feld“ es dabei geht. Ob jung oder alt, ob in der Mitte des Lebens oder an den Rand gedrängt. Es gibt eine Verbindung zwischen uns, die sehr wichtig ist. Und darauf baut alles andere auf.

So wie die zu wenig gesagten Worte zuviel zerstört haben,
so muss ich jetzt dafür sorgen, dass das richtige zur richtigen Zeit behutsam ausgedrückt wird.

Mit einer einzigen Zeile kannst du ein Leben zerstören.
Und mit den richtigen Worten zwei retten.

Jetzt, endlich

image_pdfimage_print

Sylt-Geschichten, Teil 1

Hugo
Hugo

Und am Ende hast Du jeden Tag drauf gewartet, dass es jetzt endlich los geht.
Dass dein Leben spannender und aufregender wird. Dass du Dinge machst, die du dich vorher nicht getraut hast.
Dass es intensiver wird, leuchtender, toller!
Dass du noch mehr Freunde gewinnst, dass du netter und umgänglicher wirst.
Du hast gehofft, dass die Musik noch wichtiger wird und du wieder mehr tanzt.
Ja, du hast gehofft, dass du ein bisschen jünger wirst und die Dinge, die du früher gerne gemacht hast, jetzt wieder zurückkommen.
Du hast ewig gewartet. Aber auf was eigentlich? Neben dir liegt der Ausweis mit dem alten Passfoto. Du nimmst das Ding in die Hand und schaust das gräuliche, hässliche Foto an.
Wer ist diese Person mit der Brille? Die so ernst und freudlos guckt? Die bestimmt 10 kg zuviel hat. Ihre Haare eher langweilig trägt. Kein Glanz in den Augen hat? Du erinnerst dich an endlose Stunden vor dem Computer, wo du alles in- und auwändig gelernt hast, was mit dem Blechkasten in Verbindung steht. Du hast dich auf fremde Welten eingelassen und warst innerlich fern von der Heimat. Du bist irgendwo versunken und hast gewartet. Dass du endlich erwachsen wirst und es losgeht.
Dann nimmst du noch das andere Bild, dass du zufällig noch auf der Festplatte gefunden hast. Von dem Ausweis, der schon 2007 abgelaufen ist.
Da siehst du viel jünger aus. Fröhlicher, frischer irgendwie. Dein ganzes Leben lag noch vor dir. Was für Erwartungen an das Leben hattest du da?
Und was ist geblieben? Es ist alles so erschreckend schnell gegangen.

Klar du hattest Pläne und Ziele. Von Weiblichkeit und Schönheit. Schlank wolltest du sein und gut aussehen.
Du wolltest akzeptiert und geliebt werden.

Irgendwann sollte es endlich losgehen. Dann schaust Du dir die unzähligen Handy-Bilder von den letzten Monaten an. Schon wieder ist es ein Blick in die Vergangenheit.
Du siehst eine junge Frau, die um die Welt reist und Spaß am Leben hat. Da fahrt ihr gerade über die Dünen, eine Dose mit einem „Hugo“ in der Hand. Du erinnerst dich noch, wie die nette Verkäuferin sie euch mit einem Lächeln zugesteckt hat. Es war eine Prämie, weil ihr ein sündhaft teures Merchandising-T-Shirt von einer coolen Marke gekauft habt. Du fühltest dich geschmeichelt. Jetzt hattest du nicht nur dieses coole T-Shirt, sondern auch noch ein Gratis-Getränk! Eiskalt war der Cocktail, direkt aus dem Kühlschrank, genau richtig an diesem heißen Juli-Nachmittag. Die Wasserperlen liefen schon das Blech herunter und du wolltest es gar nicht loslassen. Doch bis zum Kliff war es noch weit.
„Die trinken wir dann da! Was hälst du davon?“ Dein Partner nickte nur stumm und sah zufrieden aus. „Gute Idee, das machen wir.“
Dann hast du die beiden Dosen in die Mittelkonsole gestellt und dich schon auf den kleinen Ausflug zum Kliff gefreut. Es war so heiß. Trotz Klimananlage hast du geschwitzt. Du hattest einen schönen weißen Rock an und eine leichte Bluse. Es war trotzdem zu warm. Dann seid ihr endlich auf dem Parkplatz angekommen. Hier mitten im Nirgendwo, im Osten von Sylt. Und trotzdem waren da mindestens 7 andere Autos mit Leuten, die die gleiche Idee wie ihr hatten. Ihre Kennzeichen verraten, dass sie aus allen möglichen Himmelsrichtungen kommen, selbst aus der Schweiz sind Leute dabei. Alle wollen an diesen schönen, einsamen, verlassenen Ort mit dem berühmten Morsum-Kliff pilgern.

Ihr stapft also mühseelig durch den Sand und später über den etwas bequemeren Steg. Es ist wirklich sehr heiß und jeder Schritt ist anstrengend. Deine Handtasche drückt sich noch fest in der Schulter, weil du noch zwei Getränke dabei hast. Du hast hohe Schuhe an, Sandalen, die in der Wärme ein bisschen scheuern und drücken. Aber egal- wenn es denn nur gut aussieht.

Ihr kommt an der ersten Düne an. Da sind immer noch Leute, das ist nicht romantisch. Da steht auch eine Bank. Aber die möchtest du nicht.
Schnell werden noch ein paar Fotos gemacht. Ganz egal was, Hauptsache abdrücken.
Ihr kommt zur nächsten Düne. Immer noch Leute. Nicht romantisch genug! Allerdings ist die Landschaft schon hier atemberaubend schön. Dann gehst du schnell vor, bis zur äußersten Spitze des Kliffs. Da musst du hin, soweit es nur geht. Es gibt nur noch einen kleinen Trampelpfad, keine weiteren Sicherungen mehr und nach links fällt die Düne steil ab. Mit den hohen Absätzen ist etwas schwierig, an der Stelle sicher zu gehen. Aber du bekommst es gerade noch hin.
Dir kommt ein letzter Mensch entgegen (er sieht aus wie ein Jogger) und dann endlich – Menschenleere! Nur das Wattenmeer, ganz ruhig um euch herum. Schilfpflanzen, die sich langsam im seichten Wind wiegen. Die Sonne brennt grell herunter. Unter euch trockener weißer, gräulicher Sand und ein bisschen vertrocknetes Gras. Du kannst dich problemlos mit dem weißen Rock auf die Erde setzen und nichts färbt ab. Du kramst mit zwei aufgeregten Fingern den Hugo aus deiner Handtasche und ziehst den Dosendeckel vorsichtig auf- es soll ja nicht übersprudeln..vorsichtig führst du die Dose an deine Lippen und nippst den ersten Schluck. Durstig bist du auf jeden Fall. Es schmeckt so köstlich! Das Getränk ist süß und klar und nur ganz leicht alkoholisiert. Es entspannt dich sofort. Du atmest kurz durch und lässt die Gedanken treiben. Es ist still, ruhig, du bist mit dir allein und vollkommen glücklich. Dieser Moment, er ist perfekt. Du greifst zur Hand deines Partners, der ein paar Schritte hinter dir war und sich jetzt auch hingesetzt hat.

Du musst jetzt nicht länger warten. Der perfekte Moment ist da und will einfach nur wahrgenommen und wertgeschätzt werden.

Die Liebe

image_pdfimage_print

Die Liebe
frisst dich auf
Die Liebe
verwirrt Dich
Die Liebe
ist Dein Feind
Die Liebe
ist keine Logik
Die Liebe
kannst du nicht verstehen!

Die Liebe
kommt in Form anderer Menschen
Die Liebe
ist stärker als Hass.
Die Liebe
wird ständig gesucht
Die Liebe
wird nur selten gefunden
Die Liebe
ist kostbar und doch nicht zu kaufen
Die Liebe
entsteht zwischen Dir und mir
Die Liebe
spricht jede Sprache
Die Liebe
ist so wunderbar.

Bilder, Texte und alles dazwischen

image_pdfimage_print

Ja eigentlich, gäbe es genug zum bloggen. Ich habe ein paar interessante Reisen gemacht, war in Hamburg, in Sylt, auf Helgoland und später dann in Koblenz, auf „Rhein in Flammen“. Auf Instagram tut sich einiges, auf Facebook hab ich viel Erfahrung gesammelt und auch politisch gäbe es viel zu schreiben.
Aber ich finde im Moment „keine Ruhe“. Innerlich sind noch zu viele Dinge aufgefühlt. Ich muss im Moment sehr viel Kraft geben, für andere da sein und es ist dann automatisch so, dass man „für sich“ erstmal keine Zeit findet. So entstehen dann Burn-Outs oder Depressionen. Man gibt solange alles, bis man merkt, dass nichts mehr geht und irgendwer, irgendwo „Stop“ schreit. Nur, wer ist dieser „jemand“ anders als das eigene Selbst?

Die Hitze der letzten Wochen hat mich zusätzlich vom Computer vertrieben. Hin und wieder schaue ich mal in die Blogs, in den Newsfeed und schaue, was ihr so schreibt. Sehr interessant das alles, aber meistens „zu viel Information“. Alleine das tägliche Surfen durch Facebook, die Nachrichtenseiten und Instagram überfordert mich stellenweise schon. Zu viel Input und zu wenig eigener Output!

Mein tägliches Bloggen hat sich vom Schreiben ein bisschen zu den Bildern verlagert. Es ist interessant, man bekommt viele „likes“, aber ich merke, dass es nicht alles ist. Dass man mit den Worten doch besser und anders verarbeitet, als wenn man nur Bilder teilt. Die Dinge müssen auch verarbeitet werden. Sie müssen mit der eigenen Stimme, mit dem eigenen Wissen hervorgekramt, durchgekaut und neu abgelegt werden. Das kann das Bildergedächtnis nicht! Das ist nur ein Speicher, der immer voller wird, der aber nicht wirklich „ablegt“. Man sagt ja auch, das Unbewusste funktioniert mit Bildern. Dort ist alles gespeichert, was wir mal erlebt und gesehen haben. Aber nur die Worte ermöglichen eine Neubewertung bzw. eine Neudefinition von Bildern.

Wenn ich schreibe, dann hole ich innere Bilder hervor… schaue sie mir innerlich an und versuche dazu ein paar Worte zu formulieren. Wenn das gut geht, werden beim Lesen wiederum Bilder erzeugt, die andere verstehen und nachvollziehen können. Es ist ein sehr abstrakter Vorgang, der im Inneren, meistens unbewusst passiert. Das Schreiben lässt diesen Vorgang „sichtbar“ werden.

Ähnlich läuft es mit Gefühlen. Wo stecken die Gefühle denn eigentlich? Wie komme ich an sie heran? Stecken sie in einem Bild selbst oder in den Gedanken, die ich zu einem Bild habe? EIN Bild kann bei 25 Zuschauern 25 verschiedene Emotionen auslösen. Ich kann als Erschafferin des Bildes nie genau sagen, was ankommt.
Beim Instagram-Posten merke ich z.B. immer mehr, dass es am besten klappt, wenn ich ein „Medium“ bin. Ich reise irgendwo hin, ich nehme die Kamera und bilde etwas ab. Die anderen schauen durch mich, durch meine Werke hindurch. Natürlich trägt es meine Handschrift, weil ich bestimme, wo der Ausschnitt gesetzt oder wie die Farben in der Bildbearbeitung ausgestaltet werden sollen. Aber letztendlich ist da kein „Ich“, kein „Selbst“. Ich bin nur die Vermittlerin von Inhalten und Pixelhaufen.
Beim Schreiben ist es ähnlich. In meinen Texten gibt es kein „Selbst“. Es gibt nur eine Bewertung eines flüssigen Ichs zu den Dingen, die ebenfalls ständig im Fluss sind. Man kann nichts halten. Es gibt kein absolutes „richtig“ kein absolutes „falsch“. Nur eine subjektive Beschreibung von Dingen, die wiederum ohne Substanz sind.

Seelenstaub

image_pdfimage_print

Das Herz ist aufgerissen,
die Seele baumelt von den Ästen
dazwischen weht ein lauer Wind.

Ich gehe durch die Trockenheit
und suche verzweifelt nach einem Stückchen Leben

Die Blätter hängen ängstlich herunter
das Laub knirscht unter den Füßen
die Lunge brennt vor lauter Staub
in der Pfütze ist kaum noch Wasser.

Wo bist Du?
Das frage ich.
Was machen wir jetzt?
Die Gefühle sind verzweifelt.

Es gibt hier tausend Wege
doch sie erscheinen alle falsch
jeder ist mühsam und schwer
keiner hat ein Ziel

zwischen all dem Schatten
da scheint auch viel Licht
Die Sonne brennt hell und grell
vom Himmel herab.

In meinen Träumen erscheint plötzlich
ein junger Mensch,
mit guten Absichten und aufrechter Figur.

Witz, Humor und Charme
Lebendigkeit in jeder Zelle-
Das ganze Leben noch vor sich!

Es ist sein Atem, der mich berührt.
sein Charakter, der mich überzeugt.

Er ist das Licht
in einem Meer aus Dunkelheit.

Aus dem Staub
da wächst ein Baum.
Aus der Wüste wird wieder eine Wiese
aus Hass wird Liebe,
aus Ende wird die Ewigkeit.

 

Video: Blätter rieseln herab

Das Band und die große Leere

image_pdfimage_print

Da ist ein Band, das uns verbindet.

Kein Leben ist egal.
Jeder ist wichtig.

Hautfarbe, Rasse oder Religion spielen keine Rolle.
Wir wollen alle essen, trinken, schlafen und glücklich sein.

Wir alle haben Eltern, Kinder, Geschwister und Verwandte.
Wir sind eingebunden in die kosmische Gesamtheit.
In den Kreislauf des Lebens und der Natur.

Wenn der andere leidet, leide ich mit.
Es sei denn, ich bin innerlich tot.
Dann „spüre“ ich nichts mehr.

Aber im Normalfall sind wir verbunden
und spüren das auch sehr stark.

Wenn unser Leid groß ist, wächst das Mitgefühl.
Wir brauchen dann Mitgefühl und es wird uns schmerzlich bewusst.
„Wer ruft mich an und wer tröstet mich?“ fragen wir in die Stille hinaus.
Aber in dem Moment, wo wir es am meisten brauchen,
sind wir auch am ehesten dafür bereit, mitfühlend zu sein.

Wenn es mir immer nur gut geht, übersehe ich schnell die Probleme.
Tiefe entsteht, wenn großes Unheil passiert.
Dann „berühren“ sich Menschen plötzlich wieder.
Irgendwas öffnet sich, irgendwas geht auf.

Wie oft leben die Menschen nebeneinander her
und keiner interessiert sich für den anderen.
Geld und Arbeit sind dann das Wichtigste.

Jeder funktioniert
jeder macht irgendwas
dabei ist das das Unwichtigste.
Man kann darüber das Wichtige vergessen

und abgelenkt werden.

Wir sehen den anderen nicht mehr.
Sind taub, blind und stumm geworden.
Da ist nichts mehr
als eine große Leere

und keiner wagt den ersten Schritt.

Leben & Tod

image_pdfimage_print

Passende Musik: Klaxons Twin Flames

und Echoes

Leben

Da ist noch diese kurze Hoffnung.
Ein kleiner Funke, an den ich mich halten kann.

Ein kleiner Strahl aus Licht, der die 20 km durch den Tunnel gekrochen ist.

Es hilft mir, länger zu leben.
Aber hilft es mir auch, zu überleben?

Ich halte mich fest. Es geht kaputt.
Ich schöpfe Hoffnung. Dann ist sie weg.

Die Bitch hat mich enttäuscht. Die Kollegen waren blöd.
Das Geld ist weg.
Die Wohnung leer.

Da ist nichts, auch kein Leben mehr.

Warum sollte ich dann leben?

Wo ist der Sinn?

Tod

Lebendig oder tot?

Es spielt keine Rolle.

Finsternis zieht die Seele herunter.
Es scheint die Sonne, aber ich spüre es nicht.
Das Essen schmeckt wie Pappe.
Nichts macht Spaß.

Dann wieder diese tiefe Traurigkeit.
Wie eine Welle, die alles fort reißt.
Nicht nur eine Welle, nein ein ganzer Ozean aus Tränen und Schwermut.

Ich bin mittendrin. Da ist ein Strudel. Ich habe Angst.
Kein Ausweg. Kein Sinn. Nur das große Nichts.
Leere. Angst. Freiheit.

Ich habe die Freiheit zu wählen.
Das Leben zu beenden.
Einfach Schluss zu machen.
Oder mich weiter zu quälen.

Die anderen werden es nicht verstehen.
Es ist auch egal.

Danach – gibt es kein „Warum“, kein „Dadurch“, kein „wann“ mehr.

Todessehnsucht. Kein anderes Gefühl.
Nur dieses Bewusstsein, dass das mein Weg ist.

Schon in kurzer Zeit. Dann macht es „peng“. Und ich habe es geschafft.

Trauer

image_pdfimage_print

Man funktioniert, aber irgendwie doch nicht.

Die Trauer hat sich über die Seele gelegt wie ein Tuch aus grauer Seide.
Sie drückt das Herz und verstärkt die Gefühle.
Alles ist intensiver, alles ist extrem.

Ein ganz besonderer Prozess.

Halluzinationen und intensive Träume wühlen das Innerste auf.

Nichts ist mehr, wie es vorher war.

Der Mensch, der gerade verschwunden ist, ist plötzlich ganz nah.
Es ist so, als ob er plötzlich in uns, unter uns und bei uns ist.

Aber richtig sehen kann man ihn nicht, nur spüren.

Wer ist schuld? Warum ist es passiert?
Dafür gibt es keine vernünftigen Antworten.
Sie drehen nur weiter das Karussell im Kopf, das sowieso schon auf Hochgeschwindigkeit ist.

……….
Vielleicht hilfreich: www.ja-blog.de/das-gebet/

Mutig

image_pdfimage_print

Passende Musik

Du tust Dinge, die Du früher nicht gerne oder nie gemacht hast.
Du findest plötzlich den Mut. Es ist ganz leicht. Es ist so, als ob die „Schranken weg“ wären.
Du fragst Dich, warum Du Dich vorher so angestellt hast. Es ist doch eigentlich ganz leicht.

Du warst früher nie mutig. Du warst immer ängstlich. Du hattest immer Komplexe. Es war fast so, als ob sich die ganze Unfähigkeit und die ganze Trägheit der Welt in Dir vereint hätte.
Nichts hast du auf die Reihe bekommen. Mit anderen Leuten warst du schüchtern, Autofahren hat dir große Probleme gemacht, vor dem Schwimmbad oder der Sauna hattest du große Angst. Nacktheit war ein Problem. Arbeit war ein Problem. Telefonieren ging meistens gar nicht. In den sozialen Medien hast du nichts gepostet und in der Schule kein Wort raus bekommen. Meistens hast du dich ausdauernd und effektiv versteckt.

Du konntest nie dazu stehen, wer du bist. Du warst froh, wenn du „wenig Besucher“ hattest – in deinem Blog, aber auch ganz real. Menschen haben dich oft angestrengt oder überfordert. Die leisen Töne liegen dir mehr, daher ist auch die Schreibstube dein liebster Ort. „Real Life“ oder „Alltagstest“ waren für Dich stets Schreckensworte. Das klang so endgültig, so real, so bedrohlich.
Die Welt „da draußen“ war eine Bedrohung für Dich. Schon immer. Wie eine unsichtbare Wand, die man nicht durchdringen kann. Eine Stufe, die einfach zu hoch ist. Sie ist schon immer dauernd gewesen, nie bist du darüber gekommen, warum sollte es jetzt anders sein? Die innere Welt kam Dir gemütlicher und vertrauter vor. Sollen die anderen doch was wagen, du bleibst lieber am Spielfeldrand und schaust zu.

Und doch ist es seit ca. einem Jahr anders. Die Dinge funktionieren plötzlich und auf eine Art, die dich überrascht.
Es fing mit dem Klassentreffen an. Da hat es „zing“ gemacht. Du wolltest zuerst nicht. Warst wieder zögerlich und ängstlich. Hast alles hin- und hergedreht. Aber die Welt hat dir nicht mehr gefallen. Du hast gespürt, dass es anders gehen muss. Und nachdem du den Hebel endlich umgelegt und dich überwunden hast, wurde alles andere immer leichter.

Autofahren wurde plötzlich leichter, auch auf der Autobahn. Telefonieren geht plötzlich leichter, mit anderen Menschen hast du wieder mehr Spaß. Du postest ausdauernd und regelmäßig in sozialen Medien – und es ist dir völlig egal wie die Resonanz ist. Du merkst, dass es Dir einfach Spaß macht dich auszudrücken und du von anderen Meinungen nicht mehr abhängig bist. Die innere Kritikerin kannst du jetzt belächeln. Sie tut dir sogar leid! Du vergibst Deiner Kritikerin – und es ist ein gutes Gefühl.

Du bist das erste Mal „schwimmen“ gegangen und kannst jetzt nicht mehr davon genug bekommen. Du denkst sogar über verrückte Dinge nach, die du früher garantiert NICHT gemacht hättest- z.B. von einem 5 Meter Brett springen oder eine wilde Wasserrutsche fahren. Du willst plötzlich in einen Freizeitpark und Achterbahn fahren. Je schneller, desto besser! Beim Autofahren gibst du Gas. Es macht Dir jetzt Spaß, es macht Dir keine Angst mehr. Es fühlt sich alles so frei an ohne Angst!

Du hast soviel Spaß am Reisen! Du willst Städte sehen! Länder bereisen! Menschen aus aller Welt kennen lernen! Du willst sie glücklich machen, deinen Horizont erweitern, Liebe verteilen und das ist ein wahnsinnig gutes und schönes Gefühl.
Du spürst schon jetzt, wie deine eigene Stärke auf andere übergeht und sie „mit ansteckt“. Du bist den anderen ein Vorbild. Ein Mensch kann ohne den anderen nicht reifen.

Du fragst dich, wo die Angst hin gegangen ist und woran es liegt? Ist es schlimm, wenn man keine „Barrieren“ mehr hat oder diese deutlich niedriger liegen?

Vermutlich ist es gut so. Es fühlt sich normal an. Das vorher war es nicht.

Ein Tag in Mannheim

image_pdfimage_print

Gestern ging es mal wieder nach Mannheim. Wir haben ja früher dort gewohnt, aber immer zu wenig Zeit für Ausflüge oder Besichtigungen gehabt. Jetzt hatte sich in unserem Leben vor ein paar Monaten vieles geändert und wir haben deutlich mehr Möglichkeiten, um das nachzuholen. Mannheim kennen wir eigentlich schon ganz gut, aber auch noch nicht alle Ecken. Und so war unser erstes Ziel die „Alte Feuerwache“ und die „Neckarwiese“ im Stadtteil „Neckarstadt“. Die erste Aufgabe bestand darin, einen geeigneten Parkplatz zu finden, der nicht zu weit vom Fluss entfernt ist.

Mannheim Rosengarten, Blick aus dem fahrenden Auto

Beim Überqueren der „Kurpfalzbrücke“ enstand das erste Problem: Hier ist nichts ausgeschildert, wo soll man sein Auto also abstellen? In der Nähe der Alten Feuerwache gibt es ein Parkhaus, beim näheren Betrachten ist es allerdings als „privat“ gekennzeichnet, vermutlich eine Abstellmöglichkeit für Anlieger. Der „Alte Meßplatz“ (hier) war früher ein großer Parkplatz, so weit ich mich erinnern kann. Man hat ihn aber vor einigen Jahren umgebaut und eine verkehrsberuhigte Begegnungsstätte für Jung und Alt draus gemacht. Das ist sehr schön gemacht und hat uns gut gefallen, aber das Parkplatzproblem bleibt! Weil wir an einem Feiertag gefahren sind (Pfingsmontag) konnten wir uns zum Glück bei einem örtlichen Supermarkt niederlassen (Lidl-Parkplatz). Bei diesem Parkplatz steht aber ausdrücklich dabei, dass er wochentags nur mit Parkscheibe und auch nur eine Stunde zu benutzen ist.
Kurz nachdem wir das Auto verlassen haben, stellten wir aber fest, dass es weiter östlich noch einen kleinen Parkplatz gibt, der auch von der Dammstraße aus zu erreichen ist (hier ). Da gab es sogar noch ein paar freie Stellplätze. Unser Blick zog es gleich auf die schöne Neckarwiese.

Blick von der Kurpfalzbrücke auf die Neckarwiese

Dort saßen schon einige Grüppchen zusammen und erzählten miteinander. Der Geruch von frisch gegrilltem Fleisch stieg uns in die Nase. Es war hier schön ruhig, der Verkehr schon weit weg. Dennoch hatten wir Hunger und Durst und beschlossen, uns erst einmal zu stärken, bevor die Stadterkundung weiter gehen würde.

Man kommt dabei automatisch zum „Alten Bahnhof“. Schon vom weiten sieht dieser Biergarten sehr interessant aus. Alte Zugwaggons wurden -ähnlich wie bei einer Wagenburg- zusammengestellt. Das Innere dieser Waggons wurde umgebaut, der eine ist ein Toilettenwagen, der andere ist eine Bar und Theke und der dritte sah aus wie ein Vorratsraum. Es gibt ein paar Bäume, die Schatten spenden und ausreichend viele Tische und Stühle. An diesem frühen Nachmittag war noch nicht allzu viel los. Ein älterer Herr saß alleine an der Brüstung zum Neckar und hatte einen Bluetooth-Lautsprecher aufgestellt. Die Musik kam sehr laut vom Nachbartisch herüber. Sein Blick war etwas glasig und leer und er trank ein Bier nach dem anderen. An den anderen Tischen saßen hauptsächlich Ehepaare und kleinere Gruppen.

Biergarten „Alter Bahnhof“

Wir bestellten Flammkuchen und kühle Getränke. Die Bedienung war sehr freundlich, das Essen schnell gebracht und lecker und die Location absolut perfekt. Man sitzt etwas zurückgesetzt, so dass der Verkehrslärm erträglich ist, man hat aber trotzdem das Gefühl „zentral“ zu sein und alles mitzukriegen. Vor allem der Blick auf die Neckarwiese mit ihrem Trubel ist einmalig.

Nach der kleinen Stärkung gingen wir rüber zur Alten Feuerwache. Dieses Gebäude habe ich von früher noch stark in Erinnerung. Man hat eigentlich sehr oft gehört, dass es dort Veranstaltungen gibt. Der Name war immer sehr präsent. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass noch kein einziges Mal darin gewesen bin! Heute sollte alles anders werden und ich suchte einen Eingang. Vorne gibt es ein Café und weiter links eine Tür. Die war verschlossen.

Alte Feuerwache, dahinter Wohnhaus

Wenn man links rum geht, hat man schönes Mannheimer Ghetto-Feeling. Jugendliche hängen ab und hören Musik, die Wände und Türen sind teilweise gesprayt.

Ghetto
Stadtblick, kurz vor der Feuerwache

Wir sind dann weiter um das Gebäude herum gegangen.. ein paar tolle Perspektiven ergaben sich. Schließlich fanden wir den Haupteingang auf der Südseite des Gebäudes. Der war geöffnet, man konnte ein paar Plakate sehen. Es gibt dort einen Poetry Slam! Vielleicht sollte ich da mal hingehen?

Weiter ging es über die Kurpfalzbrücke, Richtung Stadtzentrum.

Kurpfalzbrücke nach Osten, Fernsehturm

Von hier aus kann man die vielen Lokale und eine große „Beach Bar“ sehen (https://www.neckarstrand-mannheim.de/ ) Die sieht sehr chillig aus! Ich wäre gerne rein gegangen, allerdings war der Andrang groß und jeder Liegestuhl besetzt. Nach einem kleinen Rundgang am Neckar haben wir schließlich das OEG Citybeach getestet (http://oeg-citybeach.de/ ) Das Lokal ist auch sehr schön, und bietet eine ähnlich gemütliche Atmosphäre wie der Neckarstrand. Allerdings war der Andrang weniger groß und die Nachteile wurden schnell ersichtlich: Es ist hier durch die Nähe zum Friedrichsring deutlich lauter und ungemütlicher. Die Verkehrsgeräusche werden nicht so gut abgeschirmt- und das Personal versucht diesen Malus durch extra laute Musik zu „übermalen“, was auf die Dauer anstrengend für die Ohren wird. Nach einem Eichbaum Radler gingen wir weiter Richtung Marktplatz.

Mannheim Altes Rathaus am Marktplatz

Der Ausländeranteil steigt plötzlich stark an, man sieht sehr viele Türken, Dunkelhäutige und osteuropäisch sprechende Menschen. Es gibt Volk, das abhängt und den freien Tag genießt. Mir war erst gar nicht bewusst, was passiert war, denn aus der heterogenen Bevölkerung, die noch am Strand geherrscht hatte, wurde es plötzlich separiert und „fremder“. Dann wurde mir klar, dass wir im sogenannten „Türkenviertel“ von Mannheim angekommen waren. Ein im Grunde recht klar und eng abgesteckter Bereich in Mannheim, der von sehr vielen Türken bewohnt wird. Es gibt „arabische Restaurants“, sehr viele Dönerläden, aber auch Brautmodengeschäfte, türkische Supermärkte und Friseure, Goldhändler und Anwälte.

Türkisches Viertel

Es war ein irres Gefühl, innerhalb von wenigen Minuten in einer anderen Welt angekommen zu sein- fast wie bei einem Urlaub in der Türkei. Man fühlte sich plötzlich fremd (auf eine positive Art und Weise)- die Umgebung hatte sich schlagartig verändert- geht man ein paar Schritte weiter, ist man man wieder in Deutschland. Irgendwie verrückt.

Brunnendenkmal am Marktplatz

Ich schoss schnell ein paar Fotos vom Brunnendenkmal und vom Alten Rathaus. Dann gingen wir wieder nach Norden, zum Museumsschiff, anschließend in den Hafen Richtung Jungbusch.

Museumsschiff vom Technoseum
Hafenkran
Container aus Amerika

Als wir den Rundgang beendet hatten, zeigte der Schrittzähler knapp 10.000 Schritte an, das tägliche Soll war erfüllt. Voll geladen mit vielen Eindrücken fuhren wir zufrieden nach Hause.