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In meinem kleinen Weblog schreibe ich über Psychologie, Philosophie, Kunst und Politik.
Interessierte LeserInnen und freundliche Kommentare sind immer willkommen. Viel Spaß beim Lesen!
Posted by J.A. on März 16, 2017

Die nächste Seite im Leben

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Und wenn das Leben zu Ende geht, was hast du dann gemacht?
Immer nur gearbeitet und im Dreck und Staub gestanden?
Ein Haus gebaut, tausend Zimmer renoviert und am Ende wieder alles eingerissen und verkauft?

Hast Du Kinder zur Welt gebracht und ein Lächeln geerntet?
Jemand erzogen, jemand mal Deine Meinung gesagt?

Bist Du um die Welt gereist und hast tausend Menschen getroffen?

Hast Du Dich weiter entwickelt.. oder wurde Dein Herz immer enger und Dein Verstand begrenzt?
Hast Du dich innerlich geweitet oder bist du stehen geblieben?

Hast Du alle Menschen getroffen, die du treffen wolltest? Hast Du was über die Welt gelernt oder nur über Dich?

Hast Du die richtigen Fragen gestellt?
Hast Du auch ein paar beantwortet?
Hast Du die Welt verstanden oder stand die Welt ratlos neben Dir?

Warst Du gesund? Hast du das richtige mit deinem Körper gemacht?
Oder nur gegessen und nichts verbraucht?
Hast Du genug gegeben?
Hast Du genug gemacht?

Warst Du bereit für eine Veränderung? Oder klebtest du stets am Gestern?

Hast Du Deine Sorgen gelöst? Oder Dich von der Angst begrenzen lassen?

Hast du je live gebloggt? Oder Dein Lieblings-Kunst-Projekt wiederbelebt?

Hast Du stets alles aus Dir gemacht?

Hast Du geliebt? Gegeben? Gesorgt? Empfunden?

Warst du am Ende – je glücklich.

Categories: Kunst
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Posted by J.A. on März 16, 2017

Freiheit und Zufriedenheit

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Kornelkirsche

Heute war ein sonniger und trockener Tag.
Nach dem langen und kalten Winter fühlt sich diese große Wärme fast surreal an. „Sind wir schon im Klimawandel angekommen?“ frage ich mich. Doch für grüblerische und selbstquälende Gedanken war heute kein großer Platz.. ich hab die Sonne einfach genossen und mich über die neue Energie und die frische Schaffenskraft gefreut. Die Luft ist trocken und pollenreich, was man an dem ‘Staub’ des Weltalls sieht, der sich überall niederlässt.

Die Menschen kommen aus ihren Löchern und werden wieder aktiv. Von überall hört man Hämmern und Schrauben, kleine und große Motoren. Trecker fahren vorbei, Kleinwagen und Limousinen mit Anhänger. Der feine Duft von Gülle liegt in der Luft. Nur zwei Stunden, dann ist es vorbei. Die Nachbarin hat keine Scheu und hängt trotzdem ihre Wäsche an die frische Luft.

Ich stelle fest, dass ich in meinem Leben nur noch an einem Ort wohnen möchte,
wo das fröhliche Vogel-Gezwitscher lauter als die Geräusche der Menschen ist.

Alle zwei Tage wird ein frischer Meisenknödel verspeist.
Manchmal kommt die Meisen-Gang im Rudel und macht kurzen Prozess mit dem Fett-im-Netz.

Wenn mir langweilig ist, gehe ich rein, an meine Zauber-Maschine und genieße die neue 50 Mbit-Leitung.

Gearbeitet wird so nebenbei an der Firma und am Haushalt, wonach mir gerade ist.

Ich stelle fest, dass ich maximal frei bin und dass es im Grunde nichts gibt, was mir fehlt.

passend dazu https://www.youtube.com/watch?v=fyMhvkC3A84

Categories: Philosophie
Tags:
Posted by J.A. on Februar 28, 2017

Halb-Gesund Teil 2

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Es gibt ein paar Updates von der Pfeifferschen Drüsenfieber-Genesungsfront! Am 8. September hatte ich ja darüber einen Artikel geschrieben. Der eigentliche Ausbruch der Krankheit war im Juli 2016, das ist ungefähr ein dreiviertel Jahr her.

Ich bin immer noch nicht ganz gesund, aber die Phasen des Wohlbefindens und der Gesundheit verlängern sich. Es gibt starke Rückfälle in die Krankheitsphase, dann wieder völlig symptomfreie Tage und seit letzter Zeit wieder Tage mit „vollster Gesundheit und Zufriedenheit“.

Leider ist das ganze sehr wechselhaft und schwankend. Seit dem Ausbruch leide ich immer noch sporadisch und teils heftig unter Müdigkeit. Um Weihnachten herum war es sehr stark.
Da ich sehr gerne schreibe und viel am PC sitze, war es (ist es) für mich besonders bitter, dass vor allem die Lust auf kreative Dinge und die kognitive Leistungsfähigkeit durch den Virus stark zurückgeht. Man sitzt oft wie in einem Tunnel und wenn man früher 1000 Wörter und Informationen auf einmal überblicken konnte, reduziert sich ganze auf gefühlte 50.

Das macht das Schreiben und die kreative Arbeit sehr schwer. Die wenige Energie wird dafür genutzt, um die üblichen anfallenden Büroarbeiten zu erledigen. “Frei” bleibt dann nicht viel.

Gerade im Winter hatte ich sehr lange Phasen, wo einfach „gar nichts ging“.

Es gibt nach wie vor ein paar Leitsymptome, an denen ich das Wirken der Krankheit sehr genau erkennen kann. So ein Virus ist ja sehr klein und selbst Ärzte haben zum Teil starke Probleme, einwandfreie Nachweise zu führen oder einem das ganze „zu glauben“.
Das ist für mich auch das Schwierigste an der Krankheit: Man wird einfach nicht Ernst genommen. Die Leute und Ärzte glauben einem die Krankheit nicht. Man kann es sich nicht vorstellen, dass man so lange dahin siecht. „Der Körper muss damit alleine klar werden“ heißt es lapidar oder noch schlimmer „nun stell dich nicht so an“ oder „du hast ja dauernd etwas“. Die Grauzone und die Verbindung zwischen der eingebildeten Krankheit und dem „echten“ Virus scheint sehr stark zu verwischen.

Der Virus torpediert außerdem unseren modernen Lebensstil. Wir haben ständig Belastungen, müssen ständig erreichbar sein und von uns wird erwartet, wie eine gut-geölte Maschine zu funktionieren. Der Virus macht aus unserer eigenen Leistungsmaschine leider einen großen Schrotthaufen. Auffällig ist auch, dass der Virus gerne Leistungssportler betrifft und sie ihn daher regelrecht fürchten. Denn ein Jahr ohne Training kann im beruflichen Umfeld schnell das Aus bedeuten. Ob dann die Arbeitsagentur dafür aufkommt?

Wenn wir krank sind, verändern wir uns drastisch. Die Einzelteile hängen heraus, die Schrauben und Hebel klappern und das ganze Wunder Mensch dümpelt mit gigantischen 5 km pro Monat durchs Weltall… Klar, dass wir das Virus gerne loshätten, irgendwas schlucken und weitermachen! Diese Wundermedikament gibt es aber nicht. Und so müssen wir die Krankheit als Chance begreifen. Uns zu ändern, den Lebensstil zu ändern und auch zu hinterfragen, ob wir uns nicht zuviel zumuten.

Gerade im Internet erlebt man auch das Phänomen, dass das Virus als Platzhalter für unbekannte oder seltene Symptome herhalten muss und man ihm dann quasi wie ein Eintopfgericht alle Schlechtigkeiten und Probleme des eigenen Körpers andichtet. Dieses Extrem ist natürlich auch nicht gut. Man muss also bei allen Informationen immer versuchen „wissenschaftlich“ zu bleiben und die eigenen Erkenntnisse und Befunde rational mit neutralen Informationen abzugleichen.

In der Zeit der Krankheit bin ich jetzt eine „Internet-Expertin“ zum Thema Pfeiffer (Eppstein-Barr Virus) geworden und habe dazu bestimmt 100 Webseiten durchgelesen und mit meinen eigenen Erfahrungen abgeglichen. Die hausärztliche Versorgung zu dem Thema ist sehr schlecht, bis nicht vorhanden. Experten für das Thema gibt es durchaus, aber diese sind über die ganze Republik verteilt und kosten natürlich auch was, weil es meistens Heilpraktiker sind. In der Schulmedizin ist man recht ratlos gegen den Virus und kann auch keine teuren Medikamente dagegen verabreichen. Antibiotika wirken natürlich nicht. Was bleibt da noch, als offene Münder und ratlose Gesichter? Eine Impfung wäre theoretisch möglich, aber dazu müsste es ein Anreiz für die Pharma-Konzerne geben, weil Forschung sehr teuer ist. Und diesen monetären Anreiz scheint es noch nicht zu geben. Den Betroffenen bleibt also nur die Grauzone des Internets und der Austausch mit anderen Betroffenen. Meiner Meinung nach bekommt die Krankheit viel zu wenig Aufmerksamkeit und wird total unterschätzt. Sie zeigt die Schwachstellen des Gesundheitssystems. Im Winter werden Milliarden Euro mit Medikamenten verdient, die die Symptome von (an sich harmlosen) Viruserkrankungen lindern. Natürlich hat man keinen Anreiz, gegen die Erkältungsviren vorzugehen oder wirksame Mittel zu entwickeln, dann würde man auch keine „Symptom-Unterdrücker“ mehr verkaufen können. Und beim Eppstein-Barr Virus ist es anscheinend ähnlich. Warum ein Mittel verkaufen, dass die Krankheit heilt, wenn die Leute auch Schmerzmittel oder Koffein kaufen können?

Meine Leitsymptome für das Virus sind Müdigkeit, Schwindel, belegte Zunge, trockener Husten, Halsschmerzen und ein Drücken in der linken Fußsohle. Nebensymptome sind Kopfschmerzen (wenn, dann sehr heftig), Schwitzen, Fieber (kurz) und verstärkte Infektanfälligkeit (oft nur für wenige Tage).

Beim Nachlesen über Fußreflexzonen bin ich auf den „Milz-Pankreas“ Meridian gestoßen, das ist also genau der Energiefluss, an dem eine Schwächung vorherrscht und den man irgendwie „mitkurieren“ muss, um die Krankheit ganzheitlich zu behandeln. Akkupressur kann helfen. Für mich war daher auch klar, dass ich was gegen Übergewicht und die überbelastete Bauchspeicheldrüse tun muss. Und die Milz ist ein Entgiftungsorgan, das vor allem dann gut funktioniert, wenn man sich viel bewegt und den Reinigungsprozess des Körpers bewusst unterstützt.

Weitere Tipps im Internet betreffen das L-Lysin, das ist eine Aminosäure, die mit dem Arginin in Wechselwirkung steht. Und vom Arginin scheint sich das Virus „zu ernähren“. Arginin findet man vor allem in Nüssen, Fleisch und dunkler Schokolade.
Die Ernährung scheint ein ganz wichtiger Bestandteil der Gesundwerdung zu sein. Manche berichten auch, dass ihnen der Verzicht auf Zucker eine Linderung verschafft hat.
Im Internet findet man auch Gerüchte, dass das Virus in der Lage sein soll, die Darmflora umzubauen, in der bekanntlich die Immunabwehr sitzt. Generell scheint das Virus sehr viel am Immunsystem zu machen und auch den Vitamin D-Haushalt durcheinander zu bringen. Das würde auch die große Schlappheit erklären und warum man gerade in Sachen Sport und Bewegung so wenig belastbar ist.

Meine Therapie besteht also aus folgenden Bausteinen:

  • bewusster ernähren, Zucker reduzieren
  • mehr Vitamine und gesunde Ernährung
  • kein Alkohol (keinen Tropfen), um die Leber zu entlasten
  • Gewicht abbauen und mehr bewegen (Pankreas)
  • Vitamin D Kur plus Sonnenlicht
  • L-Lysin um den Arginin-Stoffwechsel des Virus zu blockieren (hilft bei Herpesviren)
  • Zistrose-Tee als Polyphenol-Quelle und zur Entlastung des Körpers von Radikalen
  • viel Schlaf und immer auf die Bedürfnisse hören

Die Liste ist eigentlich überschaubar und recht leicht zu realisieren. Die Kosten für L-Lysin und Zistrose halten sich in Grenzen (leider muss ich dazu sagen, dass man das natürlich selbst bezahlen muss und von der Krankenkasse nichts zu erwarten ist).
Auch beim Vitamin D scheint es bei vielen Leuten einen Mangel zu geben. Es wird ja hauptsächlich „im Sonnenlicht“ in der Haut gebildet oder ist in Fisch reichlich enthalten. Wir sind aber Höhlenmenschen geworden und sitzen auch im Sommer meistens drinnen vor unseren Bildschirmen oder im Auto. Richtiges Sonnenlicht sehen wir kaum. Fisch in großen Mengen zu essen, ist für die meisten auch keine Alternative, weil er sehr teuer und mittlerweile auch selten geworden ist. D.h. um sich Vitamin D aus der Nahrung zu holen, müssten wir entweder sehr viel Geld ausgeben und dann noch mit unserem ökologischen Gewissen spielen (z.B. weil die Meere überfischt sind).

Zum Thema Vitamin D findet man auch wiederum sehr viele Informationen im Internet. Viele Leute haben einen starken Mangel, wenn sie dieses Vitamin mal messen lassen. Das interessante ist nun, dass auch bei Leuten ein Mangel gemessen wird, OBWOHL sie Vitamin D3 mit Hilfe von Tabletten aufnehmen. Zu den Angaben der Dosierung gibt es auch wiederum sehr viele abweichende Meinungen. Die offizielle Empfehlungen von 500 I.E. wird von vielen „Experten“ als zu niedrig angesehen. Teilweise wird das Vitamin D mit angedichteten Nebenwirkungen auch schlecht geredet (Kopfschmerzen, Übelkeit oder eine zu große Calzium-Aufnahme bis hin zu Nierensteinen). Diese Interessen und das „Schlecht-reden“ könnten wiederum von Konzernen kommen. Denn was ist mit dem Absatz von Medikamenten, wenn es plötzlich so einfach wäre, mit Vitamin D eine ganze Bandbreite von Krankheiten zu heilen? Daher gilt es -wie immer- sorgfältig herauszufiltern und die gefundenen Informationen wiederum mit den eigenen Erkenntnissen abzugleichen.

Ich habe mal einen Selbstversuch gemacht: Vitamin D in Tablettenform scheint etwas bei der Gesundung zu bewirken und die Symptome bei Pfeiffer zu verbessern. Es ist aber KEIN Vergleich dazu, wenn ich mich nach draußen in die Sonne setze und das echtes Sonnenlicht genieße. Gerade jetzt im Frühling hat man ja ein richtiges, fast körperlich spürbares Bedürfnis nach Sonne und frischer Luft. Diesem Bedürfnis sollte man unbedingt nachgehen! Ich habe in der Vergangenheit immer Sonnencreme benutzt und war wegen der Hautkrebs-Gefahr (die wiederum von den Medien befeuert wird) immer sehr ängstlich. Sonnencreme verhindert aber die Aufnahme von Vitamin D sehr stark. Könnte das ein Grund sein, warum soviele Menschen dieses Virus oder andere gesundheitliche Probleme bekommen?  Und das ganze zeigt auch das Dilemma der „guten Gesundheitstipps“: Zuviel Sonne ist nicht gut wegen Hautkrebs, aber zu wenig Sonne schadet auch unserem Vitamin D-Haushalt. Ein Thema, an dem sich die Geister scheiden werden.

Ich habe jetzt Ende Februar die ersten Sonnenstrahlen genutzt und mich ca. eine halbe Stunde unter freiem Himmel „gebadet“. Die Folge war ein Energieanstieg unbekannten Ausmaßes und ein Wohlbefinden, dass ich seit ca. fünf Monaten nicht mehr hatte!

Und ein Sonnenbrand und rote, juckende Haut gab es abends noch gratis dazu.

Posted by J.A. on Februar 27, 2017

Ein Sommerabend. in den Neunzigern

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Lese-Tipp: Um den Text besser “empfinden” zu können, unbedingt die verlinkte Musik dazu hören.

 

Ich stelle das Fahrrad ab und bin etwas aus der Puste von dem langen Weg zum freistehenden Haus im Wohngebiet. Das Haus ist ein quadratischer Kasten mit zwei Stockwerken. Das Grundstück ist recht klein. Ich war hier noch nie.
An der Wand vorm Haus stehen einige Fahrräder, daran erkenne ich, dass schon viele Besucher auf der Party sind. Die Räder stehen aneinander gelehnt und etwas durcheinander. Keiner hat es abgeschlossen. Zur Straße gibt es noch eine halbhohe Mauer und eine Gartentür. Ich erkenne sogar die einzelnen Räder wieder und kann ein paar den Personen zuordnen, mit denen ich jeden Tag zu tun habe. In dem Moment weiß ich nicht, ob ich mich freuen oder aufgeregt sein soll. Es ist so ein leichtes Kribbeln im Bauch, wenn man irgendwo neu ist und noch nicht alle kennt. Mit ein paar Leuten komme ich gut zurecht, andere wiederum mag ich gar nicht. Und so geht es den anderen auch. Manche loben mich, andere streiten mit mir, manche haben ihre eigenen Probleme, manche sind mitten im Umbruch. Es gibt die ersten Beziehungen, was immer noch was „Neues“ und ungewohntes ist. Aber es gibt auch noch viele Singles.

Ich gehe weiter in den kleinen Hinterhof mit dem überdachten Freisitz. Darunter stehen eine Bierzeltgarnitur und zwei Bänke. Es ist eine Anlage aufgebaut und relativ laute Musik von „The Offspring“ schallt über den gepflasterten Hof.
Auf der Bank sitzt ein Schulfreund von mir, den ich gut kenne und mag. Er raucht eine Zigarette. Wir reden ein paar Takte. Er ist immer so ausgeglichen und lustig. Und kann zuhören, was nicht bei vielen selbstverständlich ist. Auf dem Tisch stehen Alkoholika verschiedenster Marken und Sorten. Es ist hier kein Problem, an Alkohol zu kommen. Wie selbstverständlich und ohne nachzudenken, greife ich zu einer der Flaschen. Gibt es Pappbecher oder Gläser? Ich schaue mich noch um und trinke dann den ersten Schluck. Am Himmel steht die Sonne, es ist Sommer. Nur langsam geht der weiße Ball über die Häuser unter. Bis zur vollständigen Dunkelheit wird es noch ein wenig dauern. Ich habe ein T-Shirt an und es ist warm. Zeit spielt keine Rolle. Wahrscheinlich ist es Freitag oder Samstag abend.

Außer meinem netten Bekannten ist hier draußen keiner. Ich frage mich, wo alle sind? Ohne groß nachzudenken, gehe ich durch den Haupteingang ins Innere des Hauses, aus dem Stimmen kommen. Der Flur ist etwas dunkel, ich frage mich, ob ich hier richtig bin. Denn ich war hier auch noch nie. Bin ich überhaupt eingeladen? Daran kann ich mich nicht erinnern, aber es spielt wohl auch keine große Rolle. Man spaziert einfach so in fremde Häuser und keiner macht sich darüber Gedanken.

Im Innern des Hauses höre ich Stimmen und Lachen aus dem ersten Stock. Auch hier ist eine Anlage, die laute Musik von „Green Day“ spielt.

Ich gehe in die Küche, wo ein paar Leute stehen, die ich kenne. Wir reden und lachen. Dabei wird immer mehr getrunken. Überall stehen Pappbecher, Schnapsgläser, Wein- und Bierflaschen. Im Kühlschrank gibt es Nachschub. Im Wohnzimmer sitzen auch viele Leute. Alles Jugendliche, Erwachsene sind nicht zu sehen. „Vielleicht verreist“ denke ich mir. Die jungen Leute stellen einen starken Kontrast vor der recht spießigen, biederen Einrichtung dar. Wie bunte lebendige Punkte sitzen sie auf langweiligen alten grau-braunen Sofas. Im Wohnzimmer unterhalten sie sich ein paar Leute gerade über Dinge, die mich nicht interessieren. Vor allem die Frauen führen hier das Gespräch. Die Männer werfen ein paar Einwände in die Diskussion oder ziehen die Frauen mit Witzen und frechen Sprüchen auf. Der ältere der beiden Gastgeber ist mit einer guten Schulfreundin von mir in einer Beziehung. Er macht fiese Sprüche und zieht sie auf. Ich höre seinen eigenen Vater in seiner Stimme und in dem wehleidigen Ausweichen und gespielten Beleidigtsein meiner Freundin höre ich ihre Mutter. Daher funktioniert diese Beziehung auf den ersten Blick, denn die Rollen sind klar verteilt. Ich frage mich nur, warum Sie sich das gefallen lässt? Wird diese Beziehung lange halten? Wo ist der Respekt und das gegenseitige Vertrauen? Aber vielleicht bin ich auch noch zu jung und unbeteiligt, um das ganze zu verstehen.

Bei den anderen Gesprächen geht es nur zum Teil um ernste Dinge. Ein Geschenk für eine befreundete Person? Beziehungsstress? Sachen aus der Schule? Wohin am Wochenende einkaufen? Vielleicht sind es auch Erwachsenengespräche, über Themen, die mich noch nicht interessieren oder noch nie interessiert haben. Daher kann ich mich nicht gut erinnern. Der Inhalt spielt keine Rolle, es ist nur wichtig, dass man sich gut fühlt! Genaues Interpretieren von Worten und das Waagschalen-Problem kommt erst mit dem Alter.
Es gibt hier noch einen Balkon. Ich gehe raus, fühle mich herrlich frei und rauche eine Zigarette.
Rede mal mit dem, mal mit der.
Es spielt keine Rolle. Das Sein ist wichtiger als das Haben.  Alle sind in einer „Clique“. Es gibt keine Feindschaften, keine Gruppen, und das gemeinsame Alter ist die verbindende und prägende Eigenschaft. Alle halten zusammen, alle sind auf „einer Wellenlänge“. Alle sind jung, alle wollen trinken und Spaß haben. Ich auch.

Die Sonne geht langsam unter. Es wird dunkler. Komischerweise sitzen wir kaum draußen. Dabei ist es doch so warm! Und die beiden Gastgeber hatten alles perfekt vorbereitet.
Vielleicht weil wir ungestört reden und Musik hören wollen? Im Hof können ja die Nachbarn zuhören und sich beschweren. Hier drin sind wir unter uns, haben das ganze Haus für uns!

In dem „eigentlichen“ Zimmer der Gastgeber sitzen auch viele Leute. Hier halte ich mich lange auf. Es ist lustig. Einer spielt auf einer Gitarre. Wir sitzen auf dem Teppichboden im Schneidersitz. Es tut noch nix weh. Aber über was unterhalten wir uns? Ich hab es vergessen. Ich weiß nur, dass es lustig ist und ich immer besoffener werde.

Nach vielen Stunden gibt es die ersten Opfer. Jemand muss sich auf der Toilette übergeben. Haben wir überhaupt was gegessen? Ich kann mich nur an Flüssigkeiten erinnern und dass man in diesem Alter „zu Hause“ gegessen hat und hoffentlich eine „gute Grundlage“ aufgebaut hat. Ansonsten gibt es da noch Chips und die Tanke.

Wie spät ist es, als wir nach Hause fahren? Mit dem Fahrrad 14 km mitten durch die Nacht? Es spielt keine Rolle, denn da ist die Gruppe, die auf dich aufpasst. Du bist nie allein. Es wartet immer jemand und nimmt Rücksicht. Soziales Verhalten ist in diesem Alter sehr ausgeprägt. Man denkt darüber gar nicht nach, sondern macht es einfach.

Der ganze Egoismus kommt erst später, wenn jede in seiner eigenen Karre sitzt und man noch nicht mal mehr einen Anhalter mitnimmt. Dabei ist man doch früher auch getrampt.

Das ganze Leben, wie in einem Film.

Posted by J.A. on Januar 29, 2017

Ungute Entwicklungen werfen ihre Schatten voraus

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Ich habe mir vor ein paar Tagen die Vereidigung von Donald Trump im Fernsehen angesehen.
Es war ja gut, dass sie auf einigen Fernsehsendern live übertragen wurde. Und immerhin hat mich dieser „president elect“ dazu gebracht, mir so eine Vereidigung mal anzusehen. Bei allen anderen vorherigen Präsidenten der USA hatte es mich nie interessiert.

Es ist schon einiges dazu geschrieben worden, u.a. hat man festgestellt, dass es bei Trump weniger Besucher als bei seinem Vorgänger Obama gab.
Bestimmte Fernsehbild-Einstellungen konnten das genau beweisen, der Platz war weniger stark gefüllt als bei Obama. Darauf wurde dann von einer Beraterin Trumps gekontert, sie hätte „alternative Fakten“ dazu, das erste Unwort des Jahres war geboren.

Und so geht es derweil munter weiter mit den politischen Besonderheiten und anstößigen Entscheidungen, die durch die Medien wabern. Trump sorgt für Aufsehen und für Skandale. Er erweist sich als „Mann der Tat“ und mit seinen Präsidenten-Erlassen setzt er Dinge nur mit einer Unterschrift und in einem atemberaubenden Tempo in Gang, so dass viele Menschen überrascht sind und sich fast schon überrumpelt fühlen. In nur wenigen Tagen hat er sehr viele heiße Eisen angefasst und sich seine eigenen „Fakten“ geschaffen:

Er will jetzt die Mauer nach Mexiko bauen, die Mexikaner sollen die Mauer selbst bezahlen (notfalls mit Strafzöllen), er erlässt ein Einreiseverbot für bestimmte muslimische Länder, und auch für die internationale Handelspolitik zeichnen sich dunkle Wolken am Horizont ab.

  • Das Handelsabkommen TPP hat er bereits zurückgezogen und weitere Verschärfungen in dieser Richtung sind zu vermuten.
  • Eine der größten Errungenschaften von Obama, die Gesundheitsvorsorge für alle („Obamacare“) hat er fast am ersten Tag zurückgezogen.
  • Auffällig ist auch, dass schon am ersten Tage bestimmte Bekenntnisse zu Schwulen und Lesben von der Webseite entfernt worden sind und
  • er ein Gegner der Abtreibung ist
  • Zudem ist er kein Freund des Klimawandels und
  • lässt weiter Pipelines nach Kanada bauen

Alles in allem eine schlechte Woche für Leute, die sich progressive und fortschrittlich-liberale Werte in den USA und der Welt wünschen! Politisch kippt die USA nach rechts, aber menschlich scheint sie sogar nach hinten oder nach „unten“ zu kippen.

Wie ist das alles in nur so kurzer Zeit möglich gewesen? Warum gibt es nicht mehr Widerstand von den Bürgern in den USA?
Immerhin ist Trump ja ein „gewählter Präsident“ und er hat all diese Dinge, die er jetzt umsetzt, auch angekündigt. D.h. man wusste vorher, was einen mit ihm erwartet. Man muss ihm eins lassen, er ist konsequent. Er hat die Dinge angekündigt und er beschließt sie jetzt einfach.
Er ist aber auch zutiefst undemokratisch. Demokratie besteht ja im „gemeinsamen Beschließen und Diskutieren“ von Dingen. Und erst nach dem sorgfältigen Abwägen aller Interessengruppen sollte dann eine Entscheidung getroffen werden, die möglichst allen nutzen und die wiederum von einer Mehrheit getragen wird.

Aber wieviel Demokratie war bei Trump im Spiel? Er hat sich ja im Wahlkampf schon sehr unfair gegeben. Tlw. mit Lügen und Beschimpfungen und wilden Versprechungen gearbeitet. Niemand konnte oder wollte ihn stoppen. Man hat einfach den „starken Mann“ gewähren lassen.
Und dieser starke Mann hat sich immer weiter durchgesetzt und die Bevölkerung vor den Fernsehschirmen begeistert. Es ist traurig, wenn es nicht so real wäre und „so gut funktionieren“ würde.

Wenn man sich nur ein bisschen für Politik interessiert, dann sollte einem auffallen, wie krass und außerordentlich dieses Geschehen in den USA derzeit ist. Ich befürchte, die amerikansiche Verfassung wird auf eine harte Probe gestellt, denn sie wird mit einer autokratischen (und durchweg un-demokratischen) Führerpersönlichkeit konfrontiert. Jemand der so stark und verbohrt ist, wie es noch keiner vor ihm war. Jemand der Folter gutheißt, eine „schöne Mauer bauen möchte“ und auf die Medien schimpft. Trump ist in seiner Art auf dem besten Weg, der erste Diktator der USA zu werden. Und niemand stoppt ihn! Niemand fällt es anscheinend auf, was da derzeit abgeht.

Klar, es gab Proteste. Allerdings nur am ersten Tag. Was ist jetzt los in den USA? Glaubt man immer noch, dass das Amt den Präsidenten formen wird? Glaubt oder hofft man darauf, dass es von selbst besser wird?

Ich glaube das nicht. Immer wieder gehen mir diese Fernsehbilder von der Vereidigung durch den Kopf. Der emotionale Gehalt dieser Bilder und auch der Ton der Rede war befremdlich und lässt mich nichts gutes erahnen.

Hier der starke, charismatische Führer, der von sich selbst extrem überzeugt ist. Ein Narzisst mit dem unbegrenzen Willen zur Macht.
Jemand, der seine grotesken Einfälle mit Twitter in die Welt setzt und damit die Medien-Maschinerie aushebelt. Jemand, der sich vermutlich auch nicht für die Medien interessiert, wenn sie nichts positives über IHN schreiben. Und daneben diese seltsamen Frauenfiguren auf der Bühne. Über diese wurde noch nicht viel geschrieben, sie sind etwas aus dem Fokus geraten. Aber sie verraten ebenso viel über Trump und seine Denkweise. Die Frauen um ihn herum sind auffallend hübsch und zurechtgemacht. Wie Barbiepuppen ohne eigenen Willen stehen sie auf der Bühne. Die Miene regungslos, fast einzementiert. Das Äußere sehr wohl hübsch und ausgefeilt, fast schon perfektionistisch. Aber irgendwie nicht „lebendig“. Nur ein Lächeln aufgesetzt, wie andere einen Hut aufsetzen. Künstlich, unmenschlich, kalkulierend. Sie sind alle Produkt und Ergebnis einer Gesellschaft. Der Mächtigste gewinnt, der skrupellose hat den Vorteil. Als Frau hat man nur eine Chance, wenn man sich knallhart anpasst und nur auf die Karte „hübsches Püppchen“ setzt. Sind das die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte in unserer Kultur? Ich dachte, wir wären da schon weiter! Aber Amerika scheint den Zeitstrahl rückwärts zu laufen, zurück in die 50er Jahre, als die Rollenbilder noch klar verteilt waren, als er Verlässlichkeit und Sicherheit gab und der allgegenwärtige „Kalte Krieg“ und die nukleare Bedrohung der kalte Stahl war, an dem sich alle festklammern konnten.

Gesellschaftspolitisch gibt es viel Spielraum für Interpretationen. Die Menschen haben vermutlich Angst vor der Moderne, Angst vor der Globalisierung und den unsicheren Zeiten, die überall entstanden sind.
Auch die „deutsche Flüchtlingskrise“ hat ihren Teil dazu beigetragen. Anstatt dass die Staaten auf der Erde die humanen Entscheidungen Angela Merkels zum Vorbild nehmen und nun frei von allen Schranken Menschen in ihre Länder aufnehmen, passiert das Gegenteil! Großbritannien will auch deshalb aus der EU austreten, weil sie wieder Kontrolle über die Einwanderung zurückgewinnen wollen. Und dass Donald Trump kein Freund dieser Einwanderungspolitik ist, hat er schon mehrfach gesagt („Merkel hat all diese Illegalen ins Land gelassen“) und nun auch mit den ersten Erlassen schon in die Tat umgesetzt.

Wo hat das Unheil seinen Anfang genommen? In den globalen Krisen, im Hunger und Elend dieser Welt? Oder in der enormen Verschuldung der Länder und den finanziellen Verschärfungen durch die Finanzkrise?

Und die viel wichtigere Frage derzeit lautet: Wo wird das ganze enden?

Categories: Politik
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