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In meinem kleinen Weblog schreibe ich über Psychologie, Philosophie, Kunst und Politik.
Interessierte LeserInnen und freundliche Kommentare sind immer willkommen. Viel Spaß beim Lesen!
Posted by J.A. on Februar 12, 2015

In Zeiten des Jeck

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Liebes Tagebuch,

der heutige Tag hatte keine klare Tendenz. So wie das Wetter scheinen mir auch die Menschen und meine eigenen, inneren Einstellungen. Tagsüber gibt es klaren Himmel, helle Sonne und die eine Seite in mir zieht es nach draußen, ruft „Aktivität“ ! Und am abend bin ich erschrocken, wie kalt es noch ist. Die Kälte kriecht durch die Ritzen und der Winter meldet sich lautstark zurück, dass man ihn nicht vergessen möge.

Auch bei den Menschen ist eine zwiespältige Haltung zu beobachten: Da ist eindeutig die klare Entschlossenheit etwas zu ändern. Das Jahr nun endlich beginnen zu lassen! Auf die hohlen Worte der Versprechungen und guten Vorsätze endlich die passenden Taten folgen zu lassen! Von der Straße klingen wieder mehr Geräusche, der Verkehr nimmt zu. Das Telefon klingelt wieder öfters, jeder der Stammesbewohner kriecht aus seiner Höhle und checkt mal so „die erste Lage“. Die Gespräche sind aber meistens kurz und wirklich viel offenbart noch niemand über sich. Ein erstes Angähnen am Morgen, so scheint mir die Situation.

Dazu kommt eine kleine närrische „Verrücktheit“. Die tollen Tage stehen vor der Tür und schon kribbelt es mir in den Fingern, mal wieder was verrücktes zu tun, die Sau raus zu lassen und auf den eingefrorenen Winter-Block die richtige Antwort zu geben.

Die Gehirnzellen jaulen auf, die Gedanken sind noch etwas schräg und unsortiert. Welcher von den vielen Strömungen sich durchsetzen wird, ist noch nicht zu bestimmen. Kaum startet die Initiative, wird sie im nächsten Moment von Müdigkeit und Antriebslosigkeit quittiert. Wie ein stotternder Motor eines Autos im Winter, der immer mal wieder will (brumm, brumm), aber dann doch abstirbt, egal wie oft man den Schlüssel dreht. Der Kopf will schon, aber der Körper kommt noch nicht so ganz hinterher…

Aus den Medien und der Nachrichtenwelt gibt es nur wenig erbauendes zu berichten. Wie so oft, fällt mir die Niveaulosigkeit und Einfallslosigkeit der Berichterstattung aus. Überall gibt es Nachrichten, aber nirgendwo gibt es Meinungen. Gerade bei den meisten Online-Tageszeitungen gleichen sich die Schlagzeilen beinahe aufs Wort. Aber keiner der Autoren schafft es, mal über die Agentur-Meldung hinaus zu recherchieren oder dem ganzen eine klare Richtung zu geben. Wenn man eine Meinung sucht, dann findet man sie meistens in den Kommentaren. Dort ist das gegenseitige Extrem: Es gibt sehr viele Meinungen und Bewertungen, viele gehen in ganz unterschiedliche Richtungen. Sachlichkeit vermisst man, dafür gibt es oft sehr subjektive Einschätzungen. Doch hin und wieder macht sich jemand die Mühe und hat einen längeren Kommentar, der beides enthält: Meinung, Wissen und Interpretation.

Welch Segen in der Medienlandschaft sind da die Blogs oder andere private Homepages! Wenn sie gut gemacht sind, vereinen sie sehr viele Vorteile: Sachwissen, Meinung, persönlichen Bezug und ein paar abweichende Meinungen von Kommentatoren und weitere Denkanstöße. Dazu noch kostenlos, also frei vom Einfluss eines Konzern oder eines externen Geld- oder Arbeitgebers. Wie schwierig das manchmal mit der Meinung ist, hab ich ja in diesem Artikel besprochen: www.ja-blog.de/2010/10/die-illusion-des-virtuellen/ So wie er da steht, hat er im Grunde auch heute noch seine Gültigkeit.

Die Zeitungen mögen zwar über fallende Verkaufszahlen jammern und den generellen Ausverkauf des Journalisten-Berufs beklagen- die Frage aber ist: Was wird dagegen gemacht? Auch zwanzig Jahre nach dem „Neuland Internet“ scheinen mir die meisten Zeitungen und Zeitschriften noch keine vernünftige Antwort über all die „neuen Entwicklungen“ gefunden zu haben.

Nebenfrage: Woran liegt es eigentlich, dass gerade ein hochentwickeltes Industrieland wie Deutschland keine Großprojekte mehr hinbekommt, neue Trends kategorisch ablehnt (oder verschläft) und anderen Ländern in Sachen IT meilenweit hinterherläuft? Besonders zum Nachdenken fand ich diese Meldung: Nur mit einer gemeinsamen europäischen Anstrengung ist es überhaupt noch möglich, einen Giganten wie Google „einzuholen“. Kein Forschungsetat eines einzelnen Landes reicht dafür aus. http://www.heute.de/marktmacht-von-google-zdf-interview-zur-konkurrenz-der-internet-suchmaschine-und-deren-chancen-37120362.html

(Aber Google in Amerika ging doch auch von ein paar Einzelpersonen mit wenig Kapital aus. Wie haben die das geschafft und warum geht das bei uns nicht?)

Es reicht nicht, einfach den Kopf in den Sand zu stecken. Denn wenn man neue Trends verschläft, gibt man langfristig auch die Kontrolle über sie ab. Da nützen die vielen Klagen gegen Google und die ganzen Gesetzesinitiativen der EU überhaupt nichts. Die EU mit ihrem aufgeblähten Beamten- und Gesetzesapparat wirkt wie ein nörglerischer Kleingeist gegen die flotte und agile Gründerkultur in den USA.

Weniger Vorschriften und einfach mal Mut zur Initiative und zu etwas Neuem! Auch dafür kann die jecke Jahreszeit einen guten Impuls setzen!

Also liebes Tagebuch, nun hab ich genug gejammert und geschimpft.

Mal wieder sage ich danke für Deine Geduld

viele Grüße,

Deine News-Kommentatorin

Posted by J.A. on Februar 10, 2015

Selbstliebe

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~ Denn wie sagte einst ein weiser Mann? Die Probleme kommen schon von ganz alleine ~

Liebes Tagebuch,

die wichtigste Erkenntnis für mich heute war: Dass das Ego auch eine Daseins-Berechtigung hat.

Auch wenn es für den Buddhisten eine Art „Illusion“ ist und der Christ in seinem täglichen Wirken lernen soll, für den anderen da zu sein (also altruistisch zu sein), heißt es im Umkehrschluss nicht, dass das Ego eine Art Feind ist oder etwas, das man auf den Teufel komm raus bekämpfen muss. Nein, denn wenn wir so dächten, fielen wir doch nur wieder dem alten Schwarz-Weiß-Denkmuster anheim, dass wir ja eigentlich ablegen und mit etwas wertvollerem, ausgewogenerem und biologisch-abbaubaren-Glutenfrei-Gemeinverträglichen- politcal correctem ersetzen wollten!

Gerade empfindlichen und mitfühlenden Menschen passiert es ja leicht, dass sie sich verausgaben, dass sie anderen Menschen mehr Energie geben, als sie selbst haben. Dass sie also ständig überfließen und vor lauter Liebe und Energie-Abfluss gar nicht merken, dass sie selbst total ausbluten und ihr eigenes Ego übersehen haben. Wenn man das ganze als Waage sieht (bildhaft!), ist es gefährlich, wenn eine Seite einen Überhang bekommt: Totale Egoisten sind voll die Kotzbrocken und selbstaufopferne Hausfrauen-Muttis ohne Ego-Energie braucht auch keiner.

Selbst, wenn das Ego in seiner letzten Instanz eine „Illusion“ ist, heißt es nicht, dass es keine Wirkung auf uns hat. Allein dadurch, dass wir physisch und psychisch (=seelisch) existieren, haben wir ja quasi Zugriff unsere Gedanken-Energie, sind also der Strippenzieher für unser Ego und den ganzen Müll, den wir der Erde hinterlassen. Selbst, wenn es uns manchmal nicht bewusst ist, sind wir eine Person im Universum. Wir sind also voll und ganz verantwortlich für das, was wir tun. Wir sind geschäftsfähig, haben einen Personalausweis, eine Nummer bei der Rente, ein Profil bei Amazon, eins bei Facebook, also irgendwie „existieren“ wir als Person. Für unsere Freunde sind wir eine Variable, auf die sie bauen können. Diese Variable wird nur von uns gefüllt. Und mit einem Zufallsgenerator und einem Dialog-Modul sorgen wir für Abwechslung. Warum sind wir dann nicht stolz darauf? Selbst, wenn wir nur die Trilliarden an Bytes aus dem Internet saugen und auf den riesigen Datenspeicher Gehirn transferieren, so sind wir doch Teil des Systems. Wie sagte Heisenberg? Man kann kein System beobachten, ohne es zu verändern. Das ist im Grunde einfachste Physik. Die auch auf der sozialen Ebene funktioniert.
Wer könnte da sagen, dass es kein Ego gäbe? Wir geben dem Ego ja sogar einen Namen! Und ein Geschlecht. Bevor die Person auf der Erde ist, hat sie schon einen Stempel drauf. Manche Stempel hat man für immer, andere legt man ab. Ganz beliebig ist es hingegen nie.

Wir verteidigen das Ego, wenn es bedroht ist und jeden Tag müssen wir dem Ego Kohlenhydrate, Proteine und Cola reinschieben, damit es weiter überleben kann.

Das Ego hat in der Gesellschaft einen Nutzen. Es kann Steuern zahlen, die CDU abwählen und die PKW-Maut bezahlen. Und Kinder bekommen. Oder auch nicht. Es kann einen Computer kaufen, offene Strom-Rechnungen und Mietnebenkostenzusschüsse bezahlen, einen Burger und zwei Schokoriegel als Nachtisch vernaschen. (einfach so, weil es schmeckt!)

Selbst wenn wir die Augen schließen, ist das Ego noch da. Es klebt an uns wie ein Schatten. Je mehr wir uns um uns Sorgen machen, desto größer wird das Ego. Je mehr wir uns um andere kümmern, desto kleiner wird das Ego. Manchmal wird es auch künstlich klein gehalten. Wenn wir uns z.B. wieder nur verausgabt haben und nicht auf das Ego Rücksicht nehmen (dass wir ja hassen, weil wir alles an uns erstmal hassen) dann bekommt es Schmerzen. Rückenprobleme, Suchtprobleme, Übergewicht, Traurigkeit und Depression. All die Symptome sind also Anzeichen dafür, dass wir dem Ego (also uns selbst!) nicht genügend Liebe gegeben haben.

Dann gehen wir zum Arzt und hoffen, dass er unserem Ego ein bisschen Liebe und eine Spritze gibt. Aber für die Liebe hat er keine Zeit (Kassenpatient) und von den Spritzen gibt es auch nur die billigen oder gar keine (Kassenpatient). Traurig gehen wir also nach Hause, keiner hat unser Ego lieb und so heulen uns beim Partner aus. Der hat erstmal keine Zeit (Bundesliga) und dieses weibliche Gerede von Gefühlen und so ist sowieso lästig (Männer halt). Dann fangen wir an, wütend zu werden (das Ego lebt also doch noch?) und fangen an zu schimpfen und immer weiter usw. und dann ist der Partner weg (weil er ein größeres Ego und mehr Geld hat).
Und dann… ? erkennen wir eines Tages, dass uns niemand von außen die Liebe für unser kleines Ego geben kann, wenn wir ihm selbst keine Liebe geben. Das ist wie ein Riegel, eine Sperrvorrichtung. Musst du erst freischalten. Warum auch immer.

Sei gut zu deinem Ego. Aber auch nicht zuviel! Irgendwo in der Mitte, liebes Tagebuch,

dann wird ein Schuh draus.

In diesem Sinne,
viele freundschaftliche Grüße

Dein Ego

ps: Und wenn das alles immer noch nicht reicht, zieh dir dieses Video rein, Mann!

https://www.youtube.com/watch?v=Imeq3GeRttw

Categories: Humor,Psychologie
Tags: ,
Posted by J.A. on Januar 31, 2015

30 Prozent weniger

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Passender Song + Text

Die Stadt.

Gewusel aus allen Ecken und Enden.
Verkehr. Autos, verstopfte Straßen.
Regen.

Enge Parkhäuser, Schrammen und abgenutztes Gummi an den Wänden
hektische Menschen
volle Taschen
schnelle Schritte.

Warme, lichtdurchflutete Kaufhäuser
die Behaglichkeit verbreiten
wenn du kaufst
und Geld hast.

Kopfschmerzen
Blasendruck
Unbehaglichkeit
Kälte.

Kein Platz für Dich
kein Platz für den anderen
teure Mieten
Nebenkosten
Parkplatzmangel

schreiende Kinder
hektische Menschen
Hupen, Drängeln
Unfreundlichkeit.

Sehr viele Münder
begrenzte Energie,
die Maschine brummt,
der Rubel rollt.

die Allgemeinheit bekommt nichts ab.

Unmenschliche Geschwindigkeit
die du nicht mehr kontrollieren kannst
du wirst kontrolliert
wirst Teil des Systems

das System ist stärker als du
der freie Wille
nur noch eine Variable

deine Privatsphäre
längst allen bekannt.

Verkauf deine Gefühle für 30 Prozent!

Categories: Lyrik
Tags: , ,
Posted by J.A. on Januar 16, 2015

Winter-Intermezzo

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Winter- wenigstens für einen Tag

Mal dunkelblau und strahlend, dann wieder grauweiß wie Deckfarbe.
Feine Konturen zeichnen sich auf die Leinwand
mit Bleistift angespitzt
etwas kratzig
und ziemlich kalt.

Jemand hat mit einem Eimer Farbe,
einen Weg auf den Schnee gekippt
und mit einem dicken Borstenpinsel,
die Bäume gleich dazu.

Hier an der Stelle überzeugt mich
grell-blaues Aquamarin!
Ein Ozean mitten im Wald.
Dunkel die Schatten, kräftig die Rinde,
glitzernd der Schnee.

Ich wende meinen Blick nach oben
und empfange den freien Himmel.
Die Freiheit, die Luft, das kalte klare Wetter,
das mir gute Laune macht

Später am Tag,
-es ist wohl bald Tee-Zeit-
senkt sich die Sonne und taucht alles in nuss-braun
und gold-metallic;
eine Prise Rot obendrauf,
vielleicht die Dose mit Keksen,
die da so schillert.

die Bäume stehen alle ganz gerade
wie Zeichenstifte im Glas
wärmen sich ein bisschen

und freuen sich auf den Frühling!

Categories: Draußen
Tags: ,
Posted by J.A. on Januar 10, 2015

Aufgewühlt

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Er holte einmal tief Luft. So tief es ging, blies er sich die Backen auf, pumpte jedes freie Atom, dass in der Umgebung noch zu finden war in seine Lungen, bis zum Anschlag, bis er rot und dann blau im Gesicht wurde- so langsam wurde ihm schon schwarz vor den Augen, als das er ganze mit einem riesigen „Ziisschhhh“ aus dem Mund presste, dabei die Lippen anspitzte, damit sich die Geschwindigkeit und der Druck der Luftmassen noch erhöhte. Den Menschen unten auf der Erde war es nicht geheuer! Die Bäume fingen an zu wanken und ihre Astspitzen zitterten, der Wind riss an den Fensterläden, Schornsteinen und Dachgiebeln. Gegenstände wurden aufgeschleudert und übersäten die Straßen und Plätze. Die Luft war plötzlich voller Teilchen! Bringt euren Kopf in Sicherheit oder macht wenigstens einen Helm drauf! Die besonders großen Türme aus dünnem Stahlgerüst fingen an zu wanken. Das Meer peitschte auf, die Wellen schossen kreuz und quer und oben auf ihnen thronte die stolze Gischt. Wassermassen drückten sich an die Küste und die Möven flogen umher wie Geschosskugeln. Gut, wer jetzt einen sicheren Platz auf einem Öltanker ergattert hatte! Diese gab es nun viel öfters, seitdem die Ölriesen anfingen das schwarze Gold zu bunkern, damit es endlich mal wieder teurer werden würde und dann ordentlich abgebrannt werden konnte! Seht her, wie es brennt! Wie schön das CO² lodert und duftet und die Erde erwärmt. Ach, Klimawandel woher? Letztens war es doch mal kalt. Einen Tag lang im Winter ist das kein Beweis? Und in meinem Kühlschrank ist es auch kalt. Und ihr solltet erstmal den Tiefkühlschrank sehen!

Den empfindlichen Menschen wurde es langsam zuviel. Sie hätten sich gerne zurückgezogen und unter der Decke verkrochen. Die empfindlichen Ohren mit Knetmasse verschlossen und sich selbst in eine Druckkammer begeben, in der leichter Überdruck und ständiger Sonnenschein herrscht. Luftdicht versiegelt, versteht sich! Doch hier draußen fingen die inneren Gleichgewichtsorgane an zu wanken wie das Pendel einer großen Wanduhr, immer von links nach rechts, dann wieder umgekehrt oder mal gar nicht, unsicher wie auf einem Schiff bei Windstärke 9. Mir wird schon allein beim Gedanken kotzübel! Die Atmosphäre wurde plötzlich laut, es zischte, es blies, es rappelte, föhnte, rumpelte, schmauchte und fauchte.

Hoffentlich ist dieser Sturm bald vorbei, dachte sie sich. Dann werde ich wieder Origami an der frischen Luft zusammenbauen. Mir ein paar Blütenblätter auf den Tisch legen und ihre Größe und Form studieren. Gemütlich an der Küste entlang laufen und einen Schirm aufspannen. Einfach nur so, weil es geht. Wieder zu Hause werde ich mir einen Löwenzahn nehmen und ganz zart presse ich ein paar Gramm Luft über die Lippen, damit die Samen langsam und sanft zur Erde gleiten.

Und am Abend werde ich selig einschlafen und mich über die Ruhe und den Frieden des eiskalten Winters freuen.

Der dann auf den Frühling folgt. Ne umgekehrt. Erst der Herbststurm, dann der Sommer? Ne, auch egal. Auf jeden Fall wird es wieder ruhiger und friedlicher. Irgendwann.

Categories: Draußen