Die Bretter des Verzichts

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Und was ist, wenn es auch nach der Corona-Krise erstmal so weitergeht?

Wenn wir erkennen, dass es so nicht weitergehen kann?

Dass wir einen Wandel in der Wirtschaft, in der Verteilung der Güter, der Gesundheit, im Konsum auf der ganzen Welt brauchen?

Wenn dieses kleine Virus, dass man nicht sehen kann, einen Prozess angestoßen hat, der dem Patient „Mensch“ auf der Erde so unglaublich gut getan hat?

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass über 10 Prozent unseres Erbgutes von Viren-DNA geprägt ist. Die Viren, sie sind geblieben.
Und sie haben Spuren in uns hinterlassen. Spuren, die wir brauchen.

Die Befruchtung der Eizelle ist nur mit einem „Trick“ möglich, der ohne die Mechanismen von Viren nicht möglich wäre. Denn das Spermium ist ja in gewisserweise auch „fremde DNA“.

Immer, wenn Widerstände überwunden werden müssen, wenn es irgendwo „klemmt“, wenn ein Organismus zu sehr wuchert und sich selbst nicht mehr erkennt, dann sind die Viren die Antwort auf viele Fragen.

Denn, was sich ja vor allem seelisch-moralisch festsetzt ist die Erkenntnis, dass man durchaus auch leben kann, wenn man weniger hat, weniger verbraucht usw.

Dass wir diesen ganzen Überfluss gar nicht für unser Glück brauchen. Wir haben es zwar geahnt, aber wir haben uns nie getraut, diesen Weg auch zu gehen. Aber jetzt, wo alle diesen Weg gehen müssen, auf der ganzen Welt, ist es viel einfacher.

Es funktioniert! Die Bretter des Verzichtes, sie tragen!

Urlaub in Schweden

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Alles geht seinen Gang. Hab mich irgendwie schon seltsam an die neue Corona-Krise gewohnt. Schaue nur noch selten Nachrichten, rege mich selten auf. Innerlich hab ich das Jahr irgendwie schon abgeschrieben. Keine Vorfreude mehr, keine Reiseplanungen, keine Besuche. Ich merke das an der Benutzung meines Google-Kalenders. Letztes Jahr hab ich das fast täglich benutzt und immer wieder neue Treffen und neue Events eingetragen. Und in diesen Zeiten versiegt die Benutzung fast gänzlich. „Telefonkonferenz 15 Uhr“, das ist das einzige, was in dieser Woche eingetragen habe.

Dafür wird es sich drinnen gemütlich gemacht. Wir profitieren davon, dass wir uns damals ein sehr großes, wenn auch renovierungsbedürftiges Haus gekauft haben. Obwohl wir bereits 2007 eingezogen sind, gibt es immer noch Räume, bei denen man praktisch „Hand anlegen“ muss. Aber es wird so langsam! Wenn ich mich sonnen will, setze ich mich in den Hof, wenn ich etwas pflanzen will, mache ich das auf unserer Ackerfläche (auch „Schrebergarten“ genannt).

Und ich werde dieses Jahr bestimmt mehr anpflanzen als sonst, einfach und allein um Kosten zu sparen.
Es entwickelt sich bei uns langsam alles wie in einer Hippie-Kommune. Job weg, Aufträge weg, demnächst vermutlich „Geld weg“. Wir schrauben unseren Konsum immer weiter herunter. Ich bin am Überlegen, das zweite Auto abzumelden, usw. Jetzt wird es möglich, das Leben ohne Geld. Das Leben in der Autarkie.

Überall werden Kosten gedrückt, wo man sie nicht braucht. Ich esse einfacher, ich kaufe weniger, ich nutze die Dinge, die ich habe. Wenn ich genau überlege, ist es immer das, was ich wollte. Es fühlt sich seltsam befreiend an!

Wenn mich einer treffen will, erschrecke ich beinahe. Wie, mich treffen? Die eigenen, sicheren vier Wände verlassen? WARUM?

Das einzige, was ich im Moment außerhalb des Hauses mache, ist spazieren gehen. Die Luft ist klar, alles fühlt sich sauber, ruhig und rein an. Es ist wenig los. Keine Staus, kein Stress. Aber dennoch wird man auf der Straße noch angehupt. Vielleicht ist das einzige Möglichkeit der Kommunikation in diesen Tagen?

Die Natur ist so schön. Ich genieße die endlosen Spaziergänge in den Feldern. Den großen Sicherheitsabstand zu anderen Menschen. Und sie erscheinen mir noch freundlicher als sonst. Man freut sich jetzt richtig, wenn man jemanden trifft.

Wie lange wird dieses Schnarchige noch anhalten? Wie lange werden wir noch in der Virus-Stase gefangen sein?

Es fühlt sich an wie ein Urlaub. Irgendwo in Island. Oder in Schweden.

Der Alltag ist weit weg. Alle Dinge, die uns sonst immer so gestresst haben, sie haben plötzlich keine Bedeutung mehr.

Die äußere Krise

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Aus der übersprudelnden Freude und Euphorie von gestern ist heute kalte Gelassenheit geworden.
Die Nägel sind so lang, dass ich fast nicht damit tippen kann. Die Haare frisch frisiert, die Augenbrauen gezupft und die Schatten unter den Augen breitflächig abgedeckt. Ab heute mache ich wieder Diät. Das Wetter ist ganz pünktlich wärmer und besser geworden. Mein Geburtstag kann kommen!

Das Handy wurde heute ausgiebig in Seifenlauge gebadet. Danach ließ es sich nicht mehr aufladen! Und ich habe mir einen schönen lilafarben Strauß Chrysanthemen gekauft. Und ein blaues Veilchen. Am Baumarkt-Eingang bekommt man seit Neuestem Belehrungen über den Sicherheitsabstand. Als ob es nicht schon längst alle wüssten!

Wir waren einkaufen, aber es war ziemlich trostlos. Immerhin, die Regale waren gut gefüllt. Es gab alles, sogar Klopapier, Nudeln und Mehl.
Auch bei den Eiern waren die Regale wieder voll aufgefüllt. An den Kassen überall abgeklebte Bänder für den Sicherheitsabstand. Eine gruselige Stimmung überall.
Keine(r) will so richtig mit dem oder der anderen reden, obwohl wir doch gerade jetzt die Wärme und Nähe zu anderen Menschen dringend brauchen würden.

Ich habe daher mit meiner Mutter Videochat über das Telefon gemacht und sie war ganz begeistet, wie einfach es geht. Außerdem mit einer guten Freundin über eine Stunde lang geskypt. Die Medien sind ein guter Ersatz für fehlende Nähe, wenn auch nur ein „Ersatz“.

In ein paar Jahrzehnten wird man auf dieses Jahr 2020 zurückblicken, dass so ganz besonders war. Für uns jetzt ist es noch nicht greifbar, da ist es mehr ein Schock. Jeden Tag überschlagen sich die Meldungen und man weiß oft nicht mehr, wo einem der Kopf steht.

Viele Menschen machen sich Sorgen, so scheint mir. Und nur ganz wenige können auch darüber reden, was sie wirklich belastet. Das ist das, war mir wieder am meisten auffällt. Dass wir so eine starke Krise haben, aber die richtigen inneren Bewältigungsstrategien noch nicht entwickelt haben.

So wie das Immunsystem stark und fit sein muss, so braucht auch die Seele einen äußeren Schutz. Abstand und Distanz und das richtige muss herausgefiltert werden.
Wir müssen wissen „was wir denken sollen“ , welche Gedanken positiv und hilfreich sind und wir müssen lernen, das Schädliche loszulassen.

Ich genieße die Tatsache, dass ich zu keinem „systemrelevanten Beruf“ gehöre und mir auch ansonsten wenig Sorgen um meine Liebsten oder meine eigene Gesundheit mache.

Ich habe das Gefühl, dass ich in gewisser Weise widerstandsfähiger gegenüber äußeren Krisen bin. Vielleicht, weil ich Jahre lang geübt habe, „allein zu leben“? Weil ich mich über Jahre mit einem seelischen-körperlichen Zustand anfreunden musste, der nie besonders befriedigend war? Weil ich immer in einer gewissen Art und Weise im „Ausnahmezustand“ gelebt habe. So erscheint mir die äußere Krise, die heute herrscht, überschaubar und leicht.

Mein persönlicher Tagestipp, um seelisch sicher und gut gelaunt durch die Krise zu kommen: Musik hören und sich künstlerisch ausdrücken, wo immer es geht!

Der Anti-Angst Artikel

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Strahlende Sonne und blauer Himmel

Von überall prasseln Ängte auf Euch ein? Schlimme Bilder von Intensivstationen, Militärtransporter, die mit Särgen zu Krematorien fahren, Krankenschwestern mit Schweiß auf der Stirn oder Bilder von leeren und geplünderten Supermarkt-Regalen? Es wird Zeit, der allgemein um sich greifenden Angst etwas entgegen zu setzen. Voilá ich präsentiere: Den Anti-Angst Artikel.

Warum Du keine Angst vor Covid-19 haben musst

Es trifft nur die Älteren. Die Leute, die sowieso schon krank sind. Es trifft die Dummen und Unvorsichtigen. Es trifft die Leute, die trotz Warnung Ski gefahren sind und noch auf den letzten Drücker ins Ausland fliegen mussten. Aber selbst die hat man jetzt gerettet. Die Gemeinschaft rettet nämlich alle Menschen, auch die Dummen und Unvorsichtigen.

Die Todesrate bei dem aktuellen Corona-Virus ist ziemlich niedrig, bei den meisten verläuft es wie eine einfache Grippe, wenn überhaupt. Die aktuellen Zahlen liegen so ca. bei 0,3 Prozent. Dann nimm Dir mal 100 Äpfel, lege sie auf deinen Küchentisch und lege dann ein Stück zur Seite, das 0,3 Prozent entspricht. Dann siehst du, wie wenig das ist.

Klopapier und Nudeln helfen Dir nicht. Sie pflegen nur deine Ängste. Also stell dich deinen Ängsten. Irgendwann ist auch das überstanden. Der Ausbruch des Virus verläuft nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten, wie eine „Kurve“. Und jede Kurve, ganz egal wie steil sie auch noch wird, endet eines Tages.
In der Wirtschaft wird diese Krise heftige Reformen auslösen. Es kommt endlich der Schwung in das Land, den wir dringend benötigt haben. Ab und zu muss sich ein Land und eine Gesellschaft verändern, eine „Krankheit“ ist immer ein gewisser Auslöser dafür. Irgendwann wird es auch wieder aufwärts gehen! Und davon kannst Du direkt profitieren! Vielleicht bekommst du dann einen besseren Job? Vielleicht fängst du etwas ganz neues an? Vielleicht machst du in Zukunft einen Job, der dich glücklicher macht? Wo du anderen noch besser helfen kannst? Oder einen neuen Job, der dir mehr Freiheit und Selbstständigkeit bietet?

Nutze Deine Phantasie- aber richtig

Klar- kurzfristig sieht man die Geldscheine aus dem Fenster segeln und die Assoziationen zu unzähligen Zombie-Filmen flattern über unser Inneres. Aber hey, dann hättest du einfach weniger Zombie – Filme sehen sollen.

Denk positiv und lenke Deine Gedanken in die richtige Richtung!

Du hast jetzt endlich Zeit für deine Mitmenschen. Sie wollen plötzlich wieder mit dir reden. Denn alle sind jetzt ein Stück weit „einsam“ geworden. Stell dir vor, wie schön es wird, wenn du nach der Krise wieder alles machen kannst, was dir jetzt noch verboten wird! Endlich wieder ins Restaurant gehen, endlich wieder einkaufen, endlich wieder reisen! In ein paar Monaten ist alles überstanden, dann ist der Sommer da, irgendwann kommt ein Impfstoff. Die Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck daran. Wir müssen nur ein bisschen stillhalten, ein bisschen zurückziehen, aber irgendwann wird es aufwärts gehen!

Die Menschen, die mit Covid-19 erkranken, werden zum großen Teil immun werden! Dann kann das Virus sie überhaupt nicht mehr jucken. Denn es gibt auch so etwas wie ein Immunsystem. Eine natürliche innere Abwehr! Der sollten wir vertrauen! Wir sollten uns und andere stärken. Aber nicht mit Ängsten, sondern mit Hoffnung und Zuversicht.

Wenn Du zuviele Ängste hast, dann schau einfach weniger Fernsehen. Fang an Dein Gehirn zu benutzen! Überlege, was wirklich sinnvoll ist und was nicht. Ist es logisch, soviel Desinfektionsmittel zu hamstern? Ist es ratsam, sich Toilettenpapier oder andere Hygieneartikel jetzt in unzähligen Mengen zu horten? Und dafür sogar die Unversehrtheit von anderen Menschen aufs Spiel zu setzen?

Nein das ist alles nicht sinnvoll. Es ist nur ein Ausdruck der inneren Ängste. Du musst jetzt lernen, deine Ängste zu akzeptieren. All deine Gefühle, die schönen wie die guten in deine Persönlichkeit zu integrieren. Es ist jetzt an der Zeit das auszudrücken, was dich belastet. Es ist an der Zeit, zu schreien, zu weinen und alles heraus zu lassen!

Du hast jetzt viel Zeit. Du kannst die freie Zeit zu Hause sinnvoll nutzen. Mal wieder ein Hobby anfangen, dass viel zu lange brach lag. Mehr lesen, vielleicht ein schönes neues Buch anfangen oder eine neue Serie auf Netflix schauen. Du könntest eine Sprache lernen oder Programmieren lernen. Du könntest mal Videochat ausprobieren. Oder irgendwas, für das „nie Zeit“ war. Du kannst Zeit mit deinem Partner verbringen. Sex. Du kannst Gymnastik oder Joga machen. Du könntest etwas anpflanzen und schauen wie es wächst. Und wenn es nur etwas kleines ist. Du könntest dir ein Haustier zulegen. Oder etwas fotografieren. Du könntest wieder lernen, „zu sehen“ und „zu fühlen“ wo du sonst immer nur „gekauft“ hast.

Du könntest die Krise für soviele sinnvolle Dinge nutzen! Es ist dein Leben. Nutze es.

Magische Tinte

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Das Virus, so schlimm es auch ist, hat einen Vorteil. Es kehrt nämlich überall die Schwachstellen im System hervor. Mir ist das gestern aufgefallen, als ich die Berichte aus Deutschland und aller Welt gehört habe.

Bei Trump ist es die Tatsache, dass seine „Basta“ Politik lächerlich aussieht, wenn eine wirkliche Krise auf ihn zukommt und jedem klar sein müsste, dass es kein „ausländischer Virus“ ist und eine gute Gesundheitsvorsorge für alle Amerikaner die bessere Antwort gewesen wäre. Bolsonaros Rhetorik aus Brasilien wirkt in diesen Tagen plump und naiv. Ganz demonstrativ hat er sich „der Menge“ gezeigt und hunderte Hände geschüttelt. Das kommt beim Wahlvolk gar nicht gut an. Im Iran ist es z.B. die Tatsache, dass das Land zu stark von anderen „isoliert“ wurde und jetzt massive Versorgungs-und Gesundheitsprobleme bekommt. Bei der Türkei und Russland sieht man die Verschleierung der offiziellen Infizierten-Zahlen. China feiert sich für seine überstandene Krise und schiebt den Ausbruch jetzt anderen Ländern zu. Den armen Ländern fliegt das Virus sowieso um die Ohren, wer weiß wie es da noch laufen wird? Zur Zeit schauen wir sowieso nur „auf uns“.
In Deutschland kommen auch ganz deutliche Schwächen zum Vorschein: Die Abhängigkeit von ost-europäischen Billig-Lohnarbeitern z.B. bei der Ernte und den Pflegediensten, die Abhängigkeit vom Export und der internationalen „Teile-Vernetzung“. Die Abhängigkeit vom Produktionsland China und dass nichts mehr geht, wenn keine Container mit billigen Waren aus Fernost ankommen. Die Vernetzung Nord-Italiens mit (teils illegalen) chinesischen Billig-Arbeitern, die vermutlich einen Corona-Cluster ausgelöst haben.

Die Tatsache, dass unser Gesundheitssystem schon Jahre „auf Verschleiß“ gefahren wurde und es anscheinend nicht möglich war, ausreichend Lagerbestände für medizinische Versorgung wie Atemmasken oder Schutzimpfungen gegen Lungenentzündung bereit zu stellen. Generell der allgemeine Medikamenten-Engpass und die Verlagerung auf Billigst-Standorte. Man hat es sich viele Jahre zu einfach gemacht und jetzt kommt alles zum Vorschein. Die schlechte Behandlung der Kassierinnen und Pflege-Mitarbeiter, die jetzt gelobt und getäschelt werden. Dennoch fehlen die Menschen massiv in diesem Sektor, weil niemand auf die Dauer „billig und schlecht“ arbeiten möchte, ganz egal wie motivert er auch ist!

Wir wissen jetzt auch warum „Grenzkontrollen“ in der Flüchtlingskrise nie möglich waren: Weil ansonsten ellenlange Staus und grenzenlose Probleme in der gesamten Waren-Logistik entstanden wären. Weil hier das Sicherheitsproblem auf der einen Seite zu einem handfesten wirtschaftlichen Problem auf der anderen Seite geführt hätte.. Wir haben zu wenig Polizei und Sicherheitsorgane, um Ausgangsperren, Heimquarantäne oder Bar-Schließungen zu überwachen. Ich bin mir sicher, das ist auch einer der Gründe, warum man es flächenmäßig noch nicht entschieden hat.

Die Schwächen der mangelnden Digitalisierung, z.B. bei der Bildung, die fehlenden „Home Office“ Möglichkeiten, Beschränkungen beim Datenverkehr und den Bandbreiten kommen überall zum Vorschein. Dass die Behörden und alles andere nicht ausreichend digitialisiert wurde und jetzt einfach „closed“ ist, ist eine Schande und sehr nachteilig für einen Industrie- und Wirtschaftsstandort Deutschland. Dass die kleinen Selbstständigen und Laden-Besitzer keine Reserven haben, weil das Finanzamt anteilmäßig immer zu viel weg nimmt und man so nie wirklich in die schwarzen Zahlen kommt. Überall werden die Versäumnisse plötzlich wie mit magischer Tinte sichtbar!

Wir können dem Virus dankbar sein. Es macht die Schwächen sichtbar. Die Verantwortlichen können sich nicht mehr davon stehlen oder es weglächeln. Sie müssen jetzt wirklich dauerhaft etwas ändern.

Die andere Seite der Medaille…

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Nun es ist so. Die Regierung braucht einen Grund, um uns einzusperren, die Bewegunsprofile zu tracken, die Vorräte zu rationieren und uns auf weitere, härtere „alternativlose“ Maßnahmen einzustellen. Alle Register werden gezogen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Alles wird getan, um an der Macht zu bleiben. Ein unberechenbares Virus passt da nicht ins Konzept.
In diesen Zeiten der Krise brauchen wir nicht nur blinden Kadavergehorsam, sondern auch kritisches Beobachten aller getroffenen Maßnahmen.

Tagesbericht vom 18.3.2020

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Osterdekoration in Grünstadt

Heute bin ich in die Stadt gefahren, weil ich zum Einkaufen musste.
In der Zeitung steht, dass sie Erntehelfer benötigen, weil sonst die Pflanzen nicht in die Erde, bzw. später auf den Teller kommen. Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich mich bewerben soll und mein chices Büroleben im Home Office für ein paar Monate an den Nagel hänge. Arbeit mit Erde, was „Handfestes“, plötzlich habe ich Lust drauf. Irgendwas vernünftiges tun, was wirklich Sinn macht! Und Mägen füllt. Außerdem denke ich über Blutspenden und Nachbarschaftsdienste nach. Ich hab das dringende Bedürfnis, mich irgendwie nützlich machen zu müssen.

Auf der Straße halten die Menschen Abstand. Ich habe das Gefühl, dass ich ständig blöd angeschaut und gemustert werde. Manche wechseln die Straßenseite. Überall diese Distanz.

Geschlossene Läden in Grünstadt

Die Läden in der Grünstadter Fußgängerzone sind alle geschlossen. Überall hängen Schilder, ich werde sie evt. später in diesen Artikel posten.
Gespentische Leere. Im Eiscafé sitzen ca. 4 Personen. Ich frage mich, warum es noch geöffnet hat. Beim Bäcker ist die Tür „halb zu“. Geschäftsleute in schicken Anzügen, die man sonst nie sieht, verlassen das edle Mode-Geschäft. Sie werden von einem Passanten angesprochen und reden über die Vorkehrungen, die sie getroffen haben. Eine gewisse Unsicherheit ist hinter ihrem überlegenen, freundlichen geschäftsmäßigen Lächeln zu erkennen. Ich kann sie verstehen. Das Virus wird voll reinhauen, überall.

Apotheke Hinweisschild

In der Apotheke wurde alles mit „Flatterband“ markiert und abgesperrt. Man soll sich an die Mindestabstände halten. Die nette Verkäuferin hat eine hässliche Maske und Handschuhe an. Ich fühle mich kurzeitig wie im Katastrophen-Film. Sie ist etwas verwundert, als ich nur „Allergietabletten“ kaufen möchte. Sechs Stück, denn die sind schon lange rationiert (enthalten Ephedrin).

Dann zum Supermarkt. Auf der Straße ist es ziemlich ruhig, auf dem Parkplatz auch. Spritpreise sind im Keller, aber an der Tankstelle steht auch keiner. Ansonsten ist da immer reger Betrieb und es sind immer so ca. 5-10 Autos. Drinnen das gleiche wie in der Fußgängerzone. Die Geschäfte sind abgesperrt, im Restaurant mit der Selbstbedienung wurde alles geschlossen. Ansonsten sitzen da immer gemütliche Pfälzer und mampfen. Die Kassiererinnen sitzen noch ungeschützt an den Kassen und man findet auch keine Schilder, dass Abstand gehalten werden soll.

Alles leer im Restaurant

Ich gehe durch die Regale und rechne mit dem Schlimmsten. Lebenswichtige Dinge sind vergriffen und ausverkauft. Ich komme anscheinend viel zu spät, an diesem gewöhnlichen Mittwoch-Mittag. Es gibt keine Seife, kein Toilettenpapier, keine Backhefe, kein Rapsöl oder sonstiges Öl, keine Eier mehr. Das ist absolut neu. Die Leute backen wohl wie verrückt? Dafür kann man noch teuren Lachs, Sekt und Fleisch in rauen Mengen kaufen. Ich finde dieses Einkaufsverhalten irrational.

 

Leere Regale

Zu Hause werde ich dann von klappenden Autotüren und Kindergeschrei genervt. Die ausländischen Nachbarn haben Langeweile und besuchen sich gegenseitig mit ihren Gören. Sie rennen auf der Straße rum und krakeelen. Ich bekomme schlechte Laune. Man soll sich doch nicht treffen. Wer erklärt es ihnen? Und in welcher Sprache?

Alles ist geschlossen. In Mannheim machen heute die Parks zu. In den Fabriken redet man über Kurzarbeit. Alle machen sich Sorgen. Plötzlich trifft es auch die Schlüsselindustrien, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Und die EM ist natürlich auch abgesagt…

Globus Hinweisschild

Die Whatsapp und Telefon-Kommunikation hat deutlich zugenommen, das wiederum finde ich erfreulich. Ich spüre, dass man sich gegenseitig Mut machen will. Das ist schön.

Der Postbote klingelt. Keiner will mehr reden. Alles wird schnell und kommentarlos übergeben. Es ist ein Ausländer. Vielleicht hat er krakeelende Kinder daheim.

Ich stelle das Paket auf den Boden und besprühe es mit Desinfektionsmitteln. Danach wasche ich meine Hände für ca. 30 Sekunden mit warmer Seife. Die Haut ist schon ganz wund.

Worte des Tages vom 17.3.2020

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Festsitzende Urlauber
Für immer gestrandet
Allein gelassen
100.000 deutsche Touristen
Stück für Stück
Erkrankungsfälle
Virologe
Hochstufung auf „hoch“
Maßnahmen
Ausgangssperre
Risikogruppe
Kurve
Selbstabstrich
Handextraktion
Versorgungssicherheit
EM-Verlegung
Spielbetrieb
Seniorenzentrum
Besucherstop
Härtefallregelung
Trennung
Corona-Hilfe
Sicherheitsabstand

Das Schreckgespenst

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Das Virus zwingt uns zur Vollbremsung. Das ist die größte Lehre, die er mit sich bringt.
Die Erkenntnis, dass wir extrem verletztlich und ein Teil der Natur sind. Dass unsere ganze Wirtschaft letztendlich keinen Zweck hat und keinen Sinn macht. Dass wir von allem „zuviel“ hatten. Dass es immer zu schnell ging. Jetzt kommen die Pleiten. Die Arbeitslosigkeit. Der Absturz an der Börse. Das große Schreckgespenst, dass man immer verdrängen konnte, jetzt ist es voll da.

Wir können plötzlich nichts mehr machen und das ist für viele völlig ungewöhnlich. Welchen Sinn macht das Leben, wenn man morgens nicht mehr zur Arbeit fahren kann? Woher soll die Freude kommen, wenn man sich plötzlich nicht mehr mit anderen treffen kann?

Das Virus ist also auch eine Bewährungsprobe für unser inneres, seelisches Gleichgewicht. Dinge, die uns stabilisiert haben und uns mit einem Sinn versehen konnten, sind plötzlich völlig verschwunden. Plötzlich kommen wieder Sorgen. Sorgen um die Zukunft. Sorgen um die eigenen Eltern. Sorgen, um das System, ob es das alles schafft? Sorgen um andere Länder, Sorgen um alle Menschen.

Wir sollen nun in freiwillige Quarantäne gehen. Uns von anderen abschotten. Die Kinder dürfen die Großeltern nicht sehen. Zusammen tanzen ist verboten. Einkaufen geht auch bald nicht mehr.
Diese Veränderungen sind schwer zu ertragen, gewissermaßen ein „Schock“ für die gesamte Bevölkerung, denn alles ging plötzlich so schnell.

Vor ein paar Wochen hat man noch über die „Hamsterkäufe“ Witze gemacht und gelästert. Heute sind die leeren Regale schon die „neue Realität“. Und es wird vielleicht zu weiteren Verzögerungen und tatsächlichen „Engpässen“ kommen, denn durch die Grenzkontrollen wird auch der Warenfluss eingeschränkt und ausgebremst.

Eine richtige Krise. Für viele von uns ist es die Erste. Jetzt werden wir lernen müssen, wie man damit umgeht. Und am Ende hoffentlich alle gestärkt und gefestigt daraus hervorgehen!

In Zeiten der Krise

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Die große Trauer, sie läuft langsam über Dein Gesicht.
Der Schmerz- so real und ich – dir so nah.

Deine Gedanken, ich will sie teilen.
Deine Gefühle, ich will sie alle spüren.

Dein Wesen, es soll jetzt meines sein.
In der größten Krise
entdecke ich die größten Gefühle

Was machst Du?
Gehts Dir gut?

Die Gedanken laufen kreuz und quer.
Sorge um die Mitmenschen, Sorge um die Nachbarn.

Eine innere Vertrautheit
eine Intimitiät die es lange nicht mehr gab.

Zwischen mir und den anderen
keine Trennung mehr
alles wird geteilt.

Der Moment wo alles egal wird
das Geld, das wir verdienen
die Zukunft, die uns oft so quält

In diesem Moment der Krise ist nur eines wichtig-
die Liebe zu anderen Menschen.
dass es ihnen gut geht
und dass sie gesund sein mögen.