Home sweet home
In meinem kleinen Weblog schreibe ich über Psychologie, Philosophie, Kunst und Politik.
Interessierte LeserInnen und freundliche Kommentare sind immer willkommen. Viel Spaß beim Lesen!
Posted by J.A. on Juni 12, 2016

Selbstgemachter Erdbeer-Joghurt

image_pdfimage_print

Die Zubereitung
Es hätte so einfach sein können….

Einen leckeren Erdbeer-Joghurt essen! Genau das richtige bei diesem schönen Wetter.
Richtig zubereitet kann er ein Abendessen ersetzen.

Ins Kühlregal greifen, fertigen Industrie-Erdbeer-Joghurt kaufen, Plastik-Packung aufreissen, Inhalt essen, Alu-Deckel und Plastik-Packung wegschmeißen.
Und der Industrie-Aroma-Geschmack erst! Hm, so cremig und süß, so erdbeerig. Schon beim Öffnen des Deckels strömt einem ein angenehmer Duft entgegen. Kleine Stückchen im Joghurt suggerieren wertvolle Inhaltsstoffe. Es schmeckt nach Erdbeeren pur, obwohl keine Erdbeeren drin sind, oder nur Erdbeer-Moleküle (ca. 3). Dafür offenbart die Packungsaufschrift allerlei Inhaltsstoffe: Künstliche und natürliche Aromen, Färbemittel, Zucker, Verdickungsmittel…

Nein, nein, diesmal nicht. Diesmal mache ich mir meinen Joghurt selbst!

Die Zutaten sind einfach: 1 kg Bio-Joghurt und eine Schale mit 500 Gramm Erdbeeren. Der Joghurt wird später noch für andere Speisen verwendet, die 1 kg- Packung ist also eine Vorratspackung (das ist praktisch und spart zusätzlichen Verpackungsmüll). Verbindet man das gesamte Volumen hätte man immer noch einen Erdbeer-Anteil von ca. 30 Prozent, das bekommt man in keinem gekauften Joghurt.

Packung aufmachen, Erdbeeren rausholen, alles waschen. Grüne Stellen abpulen, evt. die Strünke und schlechte Stellen mit einem Messer entfernen (sehr aufwändig), die ganzen Erdbeeren halbieren, evt. nochmal waschen und lose Blätter entfernen.

Man verschmutzt ein Küchensieb, ein Schneidebrett, ein Putzmesser, muss die ganzen Schalen wegwerfen, nochmal ein extra Gefäß holen. Das dauert ca. 20 Minuten. Und dann ist der Joghurt noch nicht fertig.

Wenn man die halben Erdbeeren hat, kann man normalerweise einfach Sahne und Zucker drübergeben, fertig.

Bei Joghurt ist das zusammensetzen schwieriger, wie ich soeben feststellen musste. Also Erdbeeren in die Schüssel geben, Joghurt darüber träufeln. Hm, das ganze verbindet sich nicht. Sieht nicht schön rosa aus. Riecht auch nicht nach Erdbeeren. Mit der Gabel und einem Esslöffel alles vermatschen und dann in den Mund schieben.. hmm. vermatschte Joghurt-Erdbeer-Pampe (Vielleicht doch besser mit einem Mixer oder einem Rührstab vermischen).

Die Kosten

Bei den Kosten nehmen sich beide Speisen interessanterweise nicht viel:

Bio-Joghurt, 1 kg für 2 Euro
Deutsche Erdbeeren, 500g für 1,60 Euro
macht zusammen 3,60 Euro und ergibt 1,5 kg Joghurt (in der Theorie).

3,60 Euro durch 1,5 kg Joghurt/ Erdbeer-Mischung wären ca. 2,40 Euro für das Kilogramm,
also nur ca. 0,36 Euro für 150 g Joghurt.
(2,40 Euro / 1000 g = 0,0024 , den Grammpreis dann * 150 g)

Kauft man fertigen Joghurt bekommt man 150 g für ca. 40- 60 Cent
(so genau hab ich die Preise nicht im Kopf, aber ich denke es stimmt ungefähr).

Der selbst gemachte Joghurt ist also ungefähr gleich teuer, aber auf Grund der hochwertigeren Inhaltsstoffe „günstiger“.

Der Geschmack

Viel besser, so selbstgemacht… so … hm. .. so geschmacklos !

Was sind denn das für Erdbeeren! Die schmecken ja nach nichts! Nur säuerlich und wässrig, dazu die Säure vom Joghurt..brr…
Man merkt den Erdbeeren an, dass sie in den letzten kalten Monaten viel zu wenig Sonne abbekommen haben. Egal, müssen trotzdem in den Handel „der Kunde will es ja so“, aber die Natur macht leider nicht mit. Mutter Natur hat es nicht geschafft, irgendwie Geschmack, Aroma und Zucker in die roten Dinger zu bekommen. Wahrscheinlich stand der Manager des Erdbeer-Betriebes ungeduldig neben den Pflanzen und hat ihnen befohlen, schneller und kostengünstiger zu wachsen und dabei gleichzeitig noch geschmackvoll zu sein.
Hat leider hat nicht „gefruchtet“, dieser Appell.

Also muss ich meinen schönen gesunden Joghurt (der bis dahin so völlig frei von Zusatz- und Aromastoffen war) mit einer ordentlichen Prise Zucker aufwerten. Grmpf. Das gute aus der Natur, nochmal extrahiert und konzentriert.
Und das nicht zu knapp. Mein Gaumen ist schließlich andere Genüsse gewohnt.

Dieses Erdbeer-Aroma im fertigen Joghurt… hm.. einfach unbezahlbar. Vielleicht sollte ich das beim nächsten Mal dazu kaufen. Man kann ja nie wissen.

Categories: Kulinarisches
Tags: ,
Posted by J.A. on Juni 7, 2016

Mein Tag

image_pdfimage_print

Foto: Ein kleines Schiff auf ruhigem Meer

Heute war mein Tag. Heute hatte ich Zeit für mich. Ich hab mir nichts besonderes vorgenommen- keine Ziele, keine To Do Listen, keine Hektik, keine Termine, keine Einladungen und vor allem kein Stress.

Obwohl, das ist nicht ganz richtig. Ich habe natürlich, so wie immer am Anfang der Woche, eine „To Do Liste“ geschrieben.

Die wurde aber immer länger und länger und schon beim schreiben hab ich mir überlegt, wie ich das wohl alles schaffen soll.
Und wie idiotisch das eigentlich ist, was ich da mache. Mein innerer Ansporn, mein innerer Trainer! Er holte das Handtuch, die Sporttasche und die schweren Schuhe. „Nein danke“ entgegnete ich ihm prompt und schob die Unterlippe trotzig vor. „Meine Muskel tun weh. Hier und da ist die Sehne verspannt. Mental bin ich auch nicht ganz auf der Höhe. Chef, könnten wir vielleicht heute mal einen Tag Pause machen? Bitte, bitte!“. Der Trainer sagte nichts, schaute etwas streng, ließ mich dann aber in Ruhe.

Was für ein Glück!

Ein paar unwichtige Dinge standen auf dieser Liste, dann ein paar alltägliche, die sich sowieso immer wiederholen (Wäsche waschen, einkaufen), ein paar neue Ideen gab es auch. Aber so richtig gereizt hat es mich alles nicht. Der wichtigste Punkt fiel mir beim Schreiben dieser Liste ein und er stach mir so ins Auge, das ich ihn an den Anfang meiner geordneteten Liste copierte und paistete:

Er lautete „Zeit für mich nehmen“.

Also gab es heute keine Termine im Nacken, die dringend erledigt werden mussten. Keine innere Anspannung, kein Druck irgendwas tun zu müssen oder irgendeine Erwartung erfüllen zu wollen. Zugegeben, es fiel mir schwer. Wie neue Schuhe, die noch drücken und sich so neu anfühlen. Es fühlte sich schief an, so aus dem Takt gerissen zu werden. Immerzu drehte ich mich um „ist da wirklich keiner hinter mir? Jemand aus der Welt der Konkurrenz, demgegenüber ich schneller, besser oder leistungsbereiter sein muss? Keiner, der schneller fahren will und mich drängt, sein Tempo aufzunehmen? Niemand, der einen neuen Termin per Email oder Telefon schickt?“ Nein, da war heute keiner. Nur mein eigener Schatten. Und der Neid der ganzen angespannten Welt auf meinen freien Nachmittag.

Der Vormittag war noch etwas gewohnt hektisch, laut und rumpelig- aber spätetestens gegen Mittag gab es einen lauten „pufff“ und die ganze Luft entweichte aus mir. Das schöne Wetter half dabei und tat sein übriges. Sonne pur, nach gefühlten 20 Wochen Regen. Ich tat alles betont langsam, das hilft ungemein bei der inneren Entschleunigung. Langsam gehen, langsam reden, wenig Worte verwenden. Langsam hinsetzen, langsam essen, ab und zu mal nachdenken. Etwas länger auf den Gedanken kauen als sonst.

Zu Essen gab es Kartoffeln mit Schmand.

Categories: Uncategorized
Posted by J.A. on März 13, 2016

Krise der Menschlichkeit

image_pdfimage_print

Die „Flüchtlingskrise“ ist das Thema dieser Zeit. Seitdem die Balkan-Route geschlossen wurde, scheinen die Ströme etwas zurück zu gehen und der „Migrationsdruck“ weniger zu werden. Also können sich nun alle (verantwortlichen Politiker) entspannt zurücklehnen, abends das Feierabend-Bier genießen, sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich über die erfolgreiche Arbeit freuen?

Was ist das überhaupt für eine Krise? Es wird Zeit, sich das einmal genauer anzuschauen, wovor wir uns da überhaupt fürchten und was der Kern des Problems ist:

Ein Flüchtling ist ein Mensch, der vor Not, Krieg, Terror, Armut und Perspektivlosigkeit flieht. Das ist bestimmt kein leichter Schritt, den man mal eben so macht. Es muss schon gute Gründe geben, die eigene Heimat zu verlassen und in das Unbekannte zu fliehen.

Man stelle sich das mal umgekehrt vor: In Deutschland würde Krieg herrschen, weil z.B. Russland uns angreift. Zuerst sind sie in Polen einmarschiert und haben das Land wieder zur „Sowjetunion“ gemacht und weil sie dringend ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten erweitern wollen, muss das reiche Deutschland auch noch dran glauben. Die USA drehen Däumchen und können uns gerade nicht beschützen, weil sie zuviel mit Donald Trump beschäftigt sind und er als Rechtspopulist sowieso „aus der Nato aussteigen möchte“. Die deutschen Streitkräfte wurden verkleinert oder sind nicht einsatzfähig. Die Russen haben einfach mehr Panzer und Truppen und überrollen uns.
Was würden wir machen? Würden wir unser Land verteidigen wollen, bis zum letzten Mann oder zur letzten Frau? Wenn es nichts mehr im Supermarkt gibt, weil der weggebombt ist, wo würden wir das Essen kaufen? Die Leute auf dem Land könnten sich das Essen vielleicht noch selbst anbauen, aber die Leute in den Städten haben keine Vorräte. Man würde schon am dritten Tag anfangen zu hungern oder unter Knappheit leiden.
Jemanden anrufen und um Hilfe rufen ginge nicht mehr, weil die Infrastruktur ausgefallen ist und ständig der Strom unterbrochen wird oder tagelang weg bleibt. Die Nachbarn wollen uns nichts geben, weil sie selbst wenig haben. Für Wasser muss man sich an ein paar verdreckten Brunnen anstellen. Autofahren geht auch nicht mehr, weil Autoreifen so schnell brennen und Benzin plötzlich zu teuer wurde. Die Versorgungsketten wurden von russischen Streitkräften unterbrochen und über die Häfen kommt kein Nachschub mehr. In den Straßen sind Bombenkrater, wer keinen Geländewagen hat, kann gar nicht mehr fahren. Der Zugverkehr wurde eingestellt oder für das Militär zweckentfremdet. In den Flughäfen stauen sich die Menschen, Flüge sind überlastet oder fallen alle aus.
Zu allem Übel haben sich auch noch Terroistengruppen gebildet, die jetzt raubend und mordend durch das Land ziehen und Frauen vergewaltigen. Wer würde da noch zu Hause bleiben wollen?

Die ersten Deutschen machen sich auf den Weg, aber schon in Spanien oder Italien würde man mit Argwohn betrachtet.
„Was wollen die alle hier? Wir haben schon genug Probleme und Sorgen. Bald ist der Krieg auch bei uns!“. Und sie würden anfangen, Stacheldraht abzurollen und ihr Grenzpersonal verstärken. Niemand würde die Deutschen wollen. Das sind überhaupt viel zu viele. 100 könnte man ja noch aufnehmen, aber doch bitte nicht Millionen! Die provisorischen Lager, die man den Grenzen aufgebaut hat, wären schon bald überfüllt. 80 Millionen Deutsche fliehen vor russischen Truppen, eine Völkerwanderung macht sich breit. Und wo ist noch Platz? In Afrika! Das Land hat sich in den letzten Jahren gut erholt und an seiner Infrastruktur gearbeitet. Die Menschen waren fleißig und haben in Frieden gelebt. Hier kann man gut leben. Es gibt sogar einen Sozialstaat und eine Grundversorgung für jeden Bürger. Alle wollen nach Afrika, der Kontinent mit dem guten Ruf. Auch die Deutschen. Nur leider will sie dort keiner. Sie stören. Nehmen den Wohlstand und die Arbeitsplätze weg. Sollen sie doch nach Hause gehen und ihr kaputtes Land aufbauen! Wenn sie wahre Patrioten wären, würden sie sich den Feinden in den Weg stellen und kämpfen! Aber wer nur flieht, weil er Angst hat oder Hunger, der verdient kein Mitleid…

Auch wenn das alles Fiktion ist, im Grunde wurden nur die Vorzeichen umgedreht.
Die „Flüchtlingskrise“ ist keine Krise, vor der man Angst haben sollte. Die fliehenden Menschen bedrohen uns nicht und sie nehmen uns nichts weg. Die Flüchtlingskrise kann nur so groß werden, weil sie im Kern eine Krise der Menschlichkeit ist und auf negative, menschliche Eigenschaften wie Egoismus, Hass, Neid und Geiz trifft.
Das Leid der einen, wird erst durch die Unfähigkeit der anderen zum Problem. Lange hat man die Entwicklungen in Syrien erahnen können und doch wurde zu wenig gemacht. Die Menschen waren oft jahrelang in Lagern und warteten auf das Ende des Krieges, weil es aber zu wenig materielle Unterstützung gab, machen sie sich jetzt auf den Weg. In Syrien hat sich keine westliche Macht mit Ruhm bekleckert. Hier gab es keine Bodenschätze, nichts zu gewinnen. Und wer bekommt schon einen Orden dafür, dass er die Menschlichkeit rettet?

Ca. 4 von 28 Ländern in der EU haben Flüchtlinge in größeren Zahlen aufgenommen, 25 andere aber nicht- OBWOHL es möglich gewesen wäre. Das christliche Verständnis von Mitgefühl und Teilen geht so: Wer etwas teilt, verliert nichts- er gewinnt. Jesus hat das Brot auch unter tausenden von Menschen geteilt, und obwohl zu wenig da war, hat es für alle gereicht. Teilen macht glücklich, teilen macht frei. Es ist die wahre Säule des christlichen, aber auch eines humanistischen Selbstverständnisses.

Die Flüchtlingskrise fordert unsere Menschlichkeit heraus, wie lange zuvor keine Krise mehr. Die fliehenden Massen machen deutlich, was gerade auf der Welt geschieht. Es herrscht großes Unrecht und großes Leid. Dieses Leid wird durch die Untätigkeit der vermeintlich Guten noch verstärkt und verschärft. Man richtet den Hass auf die Verfolgten, anstatt sie auf die Verursacher der Krise zu lenken. Man zündet Asylantenheime ein, weil man sich „irgendwie“ bedroht fühlt. Dieses Bedrohunggefühl hat aber keinen Nährboden, es ist einfach nur eine Angst, vielleicht eine Täuschung. Abwehr und Hass sind immer die ersten, einfachen und reflexhaften Reaktionen auf neue Situationen, die uns Angst machen. Mitgefühl und jemanden zu helfen sind viel schwierigere Gefühle, die erst in Verbindung mit rationalen Überlegungen (Bildung) und einem offenen Herz entstehen können.

Wer helfen möchte, braucht eine nachhaltige und gut begründetete Motivation dies zu tun. Das kann erst aufgebaut werden, indem man überlegt, warum man helfen sollte und was die Alternativen sind. Und indem man sich in die Situation anderer Menschen hineinversetzt, indem man eben „mitfühlt“.

Ich denke, viel mehr Menschen sollten mitfühlen. Die Bevölkerung tut das schon häufig, z.B. in Deutschland wo es viele ehrenamtliche Helfer gibt. Aber es ist noch zu wenig. Die Einsicht sollte sich in ganz Europa verbreiten. Angela Merkel hat im Grunde recht mit ihrem „moralischen Imperativ“. Sie ist humanistisch gesehen auf der richtigen Seite. Wenn sie aber die anderen Mitgliedsstaaten der EU nicht einbinden kann, ist das kein echter Sieg über das Leid. Sie muss noch mehr vermitteln und die anderen mit Dialog und Überzeugungskraft noch mehr in ihre Linie einbinden. Und die Bevölkerung muss ihr dabei den Rücken stärken.

Die Politik muss eine schwierige Gratwanderung schaffen: Auf der einen Seite muss die illegale und unkontrollierte Migration unterbunden werden, weil diese nur zu Chaos und weiterem Leid führt. Bestehende Gesetze müssen eingehalten werden und die Sicherheitsthematik darf nicht vernachlässigt werden. Aber es muss auch einen einheitlichen europäischen Konsens über die Aufnahme und Verteilung der Flüchtlinge in ALLE europäischen Länder geben. Im Moment hat man sich nur darauf geeinigt „alles abzuriegeln“.

Das ist nicht genug und einer Europäischen Union im Jahre 2016 nicht würdig.
Eine EU die es nicht schafft, die Flüchtlingskrise mit vernünftigen und nachhaltigen Lösungen zu bewältigen befindet sich in einer schweren Krise der Menschlichkeit.

Posted by J.A. on März 12, 2016

Rechte Symptome einer verfehlten Politik

image_pdfimage_print

Ich hab das Gefühl, es sind keine guten Zeiten für Deutschland, für Europa und für die Welt.
Wenn man sich die Nachrichten so durchliest, hat man das Gefühl eigentlich immer. („Bombe in einem arabischen Land hochgegangen“, „20 Tote bei Amoklauf“, „10.000 Hungertote in Afrika“, „wieder Menschen im Mittelmeer ertrunken“)
Aber diesmal ist es was besonderes. Wir werden durch die Entwicklungen stärker und unmittelbarer betroffen.

Zuerst die Eurokrise. Diese besteht zwar aus einem gewaltigen Ausmaß, hat aber in der Bevölkerung wenig Widerstand und Groll verursacht. Die Entwicklungen kommen „von oben“ und betreffen uns erst einmal indirekt. Was nicht heißt, dass das weniger schlimm wäre. Es wird nur nicht sichtbar. Einen niedrigen Zins kann man sich nicht vorstellen. Was bedeutet das schon, wenn man sagt „das Geld wird weniger wert“ oder „die Sparbücher werfen keinen Zins mehr ab“ ? Da viele Menschen sowieso kein Geld zum sparen oder anlegen haben und sich mit dem normalen Gehalt von 0 bis 0 Euro von Monatsanfang bis Monatsende über Wasser halten, kann man die Zinsentwicklungen getrost ignorieren. Im Gegenteil! Bauen und sich verschulden wird attraktiver! An der Tankstelle fallen die Preise! Die Waren steigen nicht mehr im Wert, bleiben also „günstig“.
Der Arbeitsmarkt brummt und viele Menschen haben einen Job. Keinen Grund sich zu fürchten oder deswegen was anderes zu wählen. Die Entwicklungen zeigen sich nur langsam, z.B. in den Beitragserhöhungen für private Krankenkassen oder dass die Banken ihre Gebühren und Dispozinsen erhöhen.

Anders ist es bei der „Flüchtlingskrise“. Hier merken die Menschen sehr deutlich, dass sie unmittelbar betroffen sind. Flüchtlingsheime werden in der Nähe, tlw. in gut situierten Wohnvierteln gebaut. Man hat die dunkelhäutigen, arabischen Männer plötzlich in direkter Nachbarschaft.(„Warum nur Männer, wenn Medien immer von Frauen und Kindern sprechen?“) Sporthallen bleiben lange belegt und können nicht genutzt werden, Sportunterricht fällt aus, in den Schulklassen drängen sich die „Neuen“. Es wird in naher Zukunft Konkurrenz auf dem Wohnungs- und vielleicht auch auf dem Arbeitsmarkt geben. Es könnte sein, dass die gesetzlichen Krankenkassen ihre Beiträge erhöhen und die Rente am Ende wieder weniger wird. Steuern und Abgaben müssen erhöht werden, weil die ohnehin klammen Kommunen viele Ausgaben nicht mehr stemmen können. Wo wird das alles abgewälzt? Am Ende immer beim Steuerzahler, beim Verbraucher und Konsumenten. Nie aber da, wo Probleme verursacht werden (bei den Banken, beim Staat, bei Interessengruppen und Lobbys). Es gibt durch die Flüchtlingskrise Probleme im Sicherheitsbereich, mehr Taschendiebstähle, „Antänzer“ aus nordafrikanischen Ländern und mehr sexuelle Übergriffe in Schwimmbädern oder anderen öffentlichen Plätzen. Es wird deutlich, dass Polizei fehlt und die Sicherheit oft nicht mehr geleistet werden kann. Die multikulturelle Gesellschaft nähert sich ihrer Sättigungsgrenze. Wir stehen mit einem Fuß vor Ghettos, wie man sie aus Frankreich kennt und damit auch einer sozialen, bürgerlichen Zersplitterung.

Das beunruhigt die Menschen aus ganz nachvollziehbaren Gründen. Aber mit den Entwicklungen der letzten Monate sind bestimmte „rote Linien“ überschritten worden. Ich denke, dass in jedem Volk ein gewisser Nationalismus steckt, dieser aber meistens aus Gründen des Anstandes oder rationalen Überlegungen unterdrückt wird und sich nicht so zeigt.
In anderen europäischen Ländern gibt es rechtspopulistische Parteien schon länger, man denke da an die Niederlande, an Frankreich oder auch Österreich. Diese Parteien treiben schon jetzt die Politiker vor sich her und senden subversive Bedrohungssignale und eine offene Abkehr von der „normalen Politik“.
Dennoch war es in den letzten Jahren in Deutschland immer so, dass es eine Diskrepanz zwischen der Meinung des Stammtisches und den realen Wahlergebnissen gab. Man hat zwar auf Merkel, die Energiewende oder die Eurorettung geschimpft und sich aufgeregt, aber am Ende doch das Kreuz bei der CDU oder der SPD gemacht.

Diesmal ist es anders. Das in der Mitte stets stabile Deutschland droht auseinander zu driften. Der Ärger über die aktuellen Entwicklungen wird so groß, dass immer mehr Splitterparteien gewählt werden und der politische Konsens verloren zu gehen scheint. Wahlentscheidungen werden emotional getroffen. Da spielt es keine Rolle, dass die AfD oder die NPD keine wirklichen Lösungen, sondern nur Parolen anbieten. In manchen Umfragen zur Landtagswahl haben CDU und SPD zusammen schon keine Mehrheit mehr (z.B. in Sachsen-Anhalt). Die Parteienlandschaft zersplittert und viele kleine Parteien mit extremen Ansichten bekommen Auftrieb. Dies sind Entwicklungen, die es in der Weimarer Republik auch schon gab und mit einem unguten Ausgang, wie wir alle wissen.

Die etablierten Parteien täten gut daran, diese Entwicklungen endlich zu erkennen und Lösungen für die verunsicherten Wähler anzubieten. Ein erster Ansatz könnte z.B. daran liegen, wieder Diskussion und Streit in die Tagespolitik zu bringen. Im Moment findet überhaupt keine Debatte mehr über Inhalte statt. Es gibt keine Lösungen, keine konstruktiven Ansätze für Veränderungen. Diese Untätigkeit wird genau registriert. Und sie tut einer Demokratie nicht gut. Die Bürger haben das Gefühl, dass sie nur verwaltet werden, ihre eigene Meinung aber gar keine Rolle mehr spielt. Sehr negativ ist es auch, dass bestehende Gesetze ignoriert oder „aufgehoben“ worden sind und Merkel zu unorthodox gehandelt hat (z.B. im Bezug auf Dublin-Gesetze und Schengen-Gesetze).

Angela Merkel bleibt stur bei ihrem Kurs des „weiter so“… isoliert sich aber zunehmend in Europa. Sie lässt den Satz streichen, dass „die Balkanroute geschlossen ist“, faktisch handeln aber alle Akteure in entgegensetzter Richtung. Sie ist nicht dazu bereit, den Fehler einzugestehen oder ihre Linie zu ändern. Es bleibt außerdem weiterhin schwierig, die Flüchtlinge in Europa zu verteilen und der Ruf „Freiwillige vor“ versandet im luftleeren Raum.

Fast erschrocken bin ich letztens, als jemand erwähnte, in Europa gäbe es ja 28 Mitgliedsstaaten… aber wenn es um eine zahlenmäßig größere Aufnahme von Flüchtlingen in den eigenen Ländern geht, hörte man immer nur Schweden, Deutschland und Österreich! Nachdem Schweden und Österreich beide ihren Kurs geändert haben und auf mehr Abschottung und restriktivere Asylgesetze drängen, steht Deutschland ganz alleine.

Das kann die Bevölkerung nicht wollen. Und aus genau diesen Gründen und diesen fatalen Fehlentwicklungen werden Parteien wie die AfD gewählt.

Die starke AfD wird keine „Eintagsfliege“ bleiben und mit Beschimpfungen oder Diffamierungen wird man das Problem auch nicht lösen können. Isolierungen macht sie nur stärker. Die AfD ist einfach das ungeliebte Symptom einer Politik, die ihre Mitte und ihre Richtung verliert.

Posted by J.A. on Februar 29, 2016

Der Rhythmus

image_pdfimage_print

zu „Front of the world“ von Fritz Kalkbrenner

Nichts ist ewig, alles ist vergänglich.
Schritt für Schritt, Zelle für Zelle.
Jeden Tag ein bisschen älter.

Sich fortbewegen im Zeitstrahl der Unendlichkeit.
Ganz langsam, kaum sichtbar
aber am Ende doch deutlich

Junge Haut, die Falten bekommt und schließlich grau
Ideen, Lust auf was Neues und schließlich Resignation

Jung und unerfahren, ganz am Anfang
später dann gesättigt

Ausgeglichen, zufrieden, angekommen.
Die Gewissheit, dass jetzt eigentlich nichts mehr kommt.
Das Ende, steht vor der Tür.
Voller Gewissheit, voller Einsicht
den Tod beinahe sehnend.

bietet doch das Leben nichts mehr.

Alles gesagt, alles gemacht.
Die Akte ist abgeschlossen.

Alles gesehen, überall gewesen, alle kennengelernt.
die menschlichen Tugenden, wie die Schwächen gleichermaßen

Große Reden, kleine Gedanken
in jedem Winkel gewesen
alles ausgekundschaftet, überall gesucht
und doch fast nichts gefunden.

das große Nichts, die große Leerheit
und tausend offene, nie gelöste Fragen.

Gleichmut, vermischt mit ein bisschen Traurigkeit.

Categories: Lyrik
Tags: , ,