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Posted by J.A. on Februar 28, 2013

Pferdefleisch und Bio-Eier

viele Krisen machen einen Skandal

Ich muss sagen, die Lebensmittelkrisen in der letzten Zeit haben mich sehr bewegt und auch aufgeregt. Vor allem die letzten beiden Skandale, das untergemischte Pferdefleisch im Hackfleisch und die falsch deklarierten Bio-Eier.

Noch mehr aufgeregt hat mich aber, wie oberflächlich und gleichgültig viele Menschen das Thema angegangen sind. Es wurden Witze gemacht, im Internet wurden Artikel geschrieben, die das ganze verharmlosen und ein paar konsverative Politiker wollten doch allen Ernstes das Zeug den Bedürftigen geben, bzw. “zum Fraß vorwerfen” (und somit wahrscheinlich Sozialausgaben einsparen oder sich anderweitig profilieren). Indem man das Ganze “zur Fütterung” ausschreibt, schiebt man noch gleich eine implizite Botschaft hinterher, indem man es nachträglich legitimiert.. so nach dem Motto “also wenn wir es den Obdachlosen geben, dann kann das ganze nicht so schlimm sein, sieh her, es ist zwar etwas anders, aber schmecken tut es doch eigentlich…”

Nochmal: Der Skandal liegt darin, dass der Verbraucher Rind kauft, aber Pferd bekommen hat. Das ist ganz einfach Betrug. Dazu kommt noch, dass das Pferdefleisch außerhalb jeglicher Kontrollen verarbeitet wurde, also auch außerhalb jeglicher Hygienevorschriften und auch mit x-beliebigen Medikamenten oder anderen Giften belastet sein kann! Man kauft sich also guten Gewissens eine Lasagne, bekommt man aber medikamentenverseuchtes Rennpferd, das mangels Leistung ausgemustert wurde. Genauso könnte man auch einen Autoreifen essen oder eine in Klebstoff getauchte Büroklammer.

Im Radio wurden darüber philosophiert, warum wir aus ethischen Gründen mehr Probleme habe, die süßen Pferde zu essen, als das -uns meisten Menschen aus dem Alltag nicht mehr so bekannte- Schwein oder Rind. Es wurden viele Erklärungen gesucht, viele Ausflüchte und Verharmlosungen produziert, von Verbraucherschützern (und Ministern) viele Versprechungen und Glaubensbekenntnise gemacht, aber ändern wird sich wieder gar nichts und der Verbraucher ist am Ende wieder der Dumme.

Natürlich ist der Skandal als solches nicht so schlimm und man muss sich auch fragen, was schlimmer ist: Dass wir überhaupt Tiere töten, um sie dann zu essen oder uns darüber beschweren, dass beim Töten noch ein Betrug stattgefunden hat und in unser Lieblingsfutter noch etwas falsches gemischt wurde. Bei den Eiern finde ich es noch schlimmer, weil hier augenscheinlich Etikettenschwindel stattgefunden hat, weil man dem treuen Kunden, der durch seine Kaufentscheidung auch das Recht der Hühner in ihren Gehegen stärken möchte, betrogen hat.

Es zeigt auch, dass die Macht der Verbraucher ihre Grenzen hat: Obwohl die Verbraucher sich für Bio-Produkte entscheiden wollen und wahrscheinlich auch mehr Geld dafür ausgeben würden, drücken die Handelsketten auf den Preis und zwingen die Hersteller dazu, ihre Waren möglichst günstig abzugeben. “Billig-Bio boomt” ist dann die Schlagzeile. Schön gesund und ethisch einwandfrei soll es sein, aber zuviel ausgeben ist auch nicht gut. Die Frage ist nur, wer das größere Problem mit dem teuren Bio hat: Die Supermarkt-Kette, die das ganze erst gar nicht anbietet oder der empfindsame Verbraucher, der auf Grund der Lohnforderungszurückhaltung und der “starken Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands” auf Grund von Lohndumping und Leiharbeit nur noch einen mäßig gefüllten Geldbeutel hat?

Somit ist das gesamte System in der Krise und die “Defekte” die in den letzten Tagen mal wieder zum Vorschein gekommen sind, sind nur die offensichtlichsten Symptome, die normaler keiner zu Gesicht bekommen soll… die aber irgendwann unübersehbar und dann auch ziemlich “hässlich” werden.

Die Lebensmittelindustrie hängt am Handel, der wiederum sehr stark am Wirtschafts- und Finanzsystem und letzten Endes wird alles dem Profit untergeordnet. Somit kann man auch nicht das eine herausnehmen und sagen: “Da schau her, hier läuft etwas schief, ein Defekt, man sollte ein Pflaster holen und einen Wundspray, damit das ganze schnell wieder zuheilt und das nächste Mal bitte besser aufpassen, dass du dir nicht wieder das Knie aufschmrammst ..”.. sondern der Patient ist als ganzes betroffen, wackelig auf den Beinen und an jedem Organ zeigt sich die Krankheit etwas anders.

Verpackungen werden heutzutage so hergestellt, dass sie von Maschinen einfach hergestellt werden können, ob der Kunde den verklebten Plastikberg überhaupt noch aufbekommt, ist am Ende eigentlich egal. Die Maschine ist wichtig, der Umsatz und das Kosten-Gewinn Verhältnis ist wichtig, aber der Endverbraucher scheint nur noch nebenbei zu laufen und muss bei dem Spiel möglichst gut mitspielen.

Und auch die Auswirkungen der ganzen Zusatzstoffe, Weichmacher und Farbstoffe ist tlw. überhaupt nicht mehr zu überblicken und jenseits jeder Kontrollen, wie der gestrige Fernseh-Beitrag sehr gut gezeigt hat.

Was kann man als Verbraucher also machen, um dem gesamten System möglichst effizient zu entkommen und die Risiken, die durch den gigantischen Lebensmittel-Handel-Tierindustrie-Markt entstehen, zu verringern? Dass die Kauf-Entscheidung für Bio-Produkte alleine nicht mehr reicht, wurde die letzten Tage ja eindrucksvoll bewiesen. Der Vertrauensverlust der durch solche Verhaltensweisen entstehen kann, ist groß. Er wird die Branche als ganzes schädigen.

Im Grunde müsste man seine Kaufentscheidungen weg von den Supermärkten lenken und wieder mehr bei regionalen Anbietern kaufen. Z.B. auf Wochenmärkten, auf Bauernhöfen (evt. auch mit eigener Schlachtung und so, dass man das Tier und seine Lebensbedigungen direkt sehen kann). Auch das Ess- und Kochverhalten müsste grundsätzlich umgestellt und verändert werden: Man muss mehr selbst kochen, auf Fertiggerichte verzichten, keine Burgerketten mehr besuchen, auch nicht wenn es hektisch wird und man “mal eben wenig Zeit hat”. Wer sich wenig Zeit fürs Essen nimmt, der macht an der Systemkrise schon wieder mit. Denn Zeit ist Geld und Geld ist knapp…

Vielleicht würde auch bedeuten, wieder mehr auf die Saison zu achten und bestimmte Produkte nur noch zu kaufen, wenn sie auch in natürlicher Form vorkommen und von der Natur “erzeugt” werden. So konnte man in einem anderen Beitrag z.B. lernen, dass Hühner im Winter gar keine Eier legen, sondern nur wenn genügend Sonne scheint. Ich frage mich nur, woher kommen dann die ganzen Eier, die man im Winter jederzeit kaufen kann?

Man müsste der Gesundheit einfach wieder mehr Kredit geben. Geld und Zeit für das Essen und in ein nachhaltiges, gesundes Lebensmittel investieren- dort, wo es Politik und Handel schon lange nicht mehr können.

Posted by J.A. on Januar 16, 2013

Ich bin eine Bloggerin, hol mich hier raus

Gestern ist es mir mal wieder passiert: Der sehr gute, werbefreie Krimi im ZDF hat gefallen und überzeugt. Spannung pur, eine interessante Handlung und hervorragende Schauspieler rundeten das Fernsehvergnügen auf hohem Niveau ab.

Dazu als deutsch-österreichische “Crossproduktion” und dem majestätischen Handlungsort Wien eine perfekte Grundlage für einen netten Fernsehabend. Und so kam es dann auch.. eine Rezension spare ich mir, weil man den Film noch online anschauen kann und ich nicht zuviel “spoilern” möchte.

Eigentlich wollte ich danach den Fernseher ausschalten, weil schon ein kurzer Blick in die Fernsehzeitung betätigte, dass hier nicht mehr viel interessantes kommen würde. Außer eben dieser einen Sendung, die man eigentlich nicht schauen sollte, die aber gerade jetzt anfängt… über die auffallend viel geredet und berichtet wird (weniger in den Qualitätsmedien, aber umso mehr in den Boulevardmedien).

Die Sendung heißt: “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” oder kürzer gesagt, das “Dschungelcamp“.

Die letzten Staffeln habe ich fast alle ausnahmslos ignoriert, weil ich entweder das ganze Konzept zu abartig und eklig fand, die Promis nicht mochte oder das ganze System mit dem auf Einschaltquoten ausgerichteten Privatfernsehen einfach nur ätzend finde.

An dieser Einstellung hat sich eigentlich nichts geändert, dennoch ist die Neugierde einfach zu groß, denn die Sendung hält sich ähnlich hartnäckig wie andere Formate, die auf Grund ihrer mangelnden Qualität dem Untergang geweiht sein müssten (z.B. Big Brother, “DSDS” oder Germanys Next Topmodel).

Ich habe also beschlossen, mir die letzten zwei Folgen mal komplett anzuschauen und zu überlegen, was an dieser Sendung eigentlich gut und was schlecht ist. Auch schlechte Sendungen verdienen eine vollständige Rezension und eine qualifizierte Bewertung, ansonsten macht man es sich mit einem Vorurteil zu einfach.

Da fängt es mit den Kandidaten an, die wieder einmal sehr seltsam ausgewählt worden sind (nachzulesen hier ).

Ich kannte vorher eigentlich nur Fiona (aus Heidi´s Topmodel-Sendung), den Karstadt-Erpresser “Dagobert” (huch, ein Krimineller?  ) und natürlich die Show-Transe Olivia Jones (die letztendlich auf Grund ihres hohen Glamour-Faktors auch den Grund zum Einschalten gab).

Die restlichen Namen sind ziemlich unbekannt und verdienen den Namen C-Promis eigentlich nicht: Die Mutter von Daniela Katzenberger darf wahrscheinlich nur auf Grund des Ruhmes ihrer Tochter ins Camp und von Allegra Curtis habe ich erfahren, dass sie die (Halb-)Schwester von Jamie Lee Curtis ist und mit Tony Curtis einen berühmten Vater hat.

Naja. Den Rest muss man nicht wirklich kennen. Oder kann jemand was mit Namen wie Geogina oder Claudelle Deckert etwas anfangen? Auch Joey Heindle, Patrick Nuo oder Silva Gonzalez muss man nicht wirklich kennen.

Erstes Minus also für RTL, die es mal wieder nicht geschafft haben, interessante Charaktere mit ins Boot zu holen und nur den Bodensatz der Nebenbühnen-Prominenz anlocken konnten.

Das Konzept wurde ebenfalls nicht geändert und bleibt belanglos wie einfallslos, mit dem kleinen Bonus, dass man eine hohe virale Aufmerksamkeit erzeugen kann: Man reise an das andere Ende der Welt (Australien), sperre die Promis in ein von der Außenwelt abgeschnittenes Camp, versorge sie nur mit den nötigsten menschlichen Bedürfnissen und lasse sie (anders als daheim) mal richtig für ihr Essen arbeiten (in Form der Dschungelprüfungen). Die Kandidaten für diese Prüfungen werden wiederum von den Zuschauern per Telefon gewählt, was zum einen einen extra Umsatz für RTL generiert und auf der anderen Seite ein paar neue Dauer-OPFER erschafft, die man auf Grund ihrer Zickigkeit oder Unbeholfenheit immer wieder leiden sehen möchte (in diesem Falle Georgina).

Den Läster-Kram, der beim langweiligen Abhängen im Camp mit der stets gleichen Totale und gelegentlichen Zooms auf die Kandidaten “aufgelockert” wird, kann man dann am nächsten Tag in hundertfacher Vervielfältigung in den Klatschmedien der deutschen Medienlandschaft nachlesen.

Ein weiteres Highlight sind die ironischen und teils bissigen Kommentare der Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich..entweder aus dem sicheren Off oder direkt im Angesicht der Kandidaten, wenn sie die Prüfungen moderieren müssen. Hartwich ist der Ersatz des im letzten Jahr verstorbenen Dirk Bach.. ob er aber in diese berühmten Fußstapfen der Show-Unterhaltung treten kann, wird sich noch zeigen müssen. Was man bis jetzt gesehen hat, war viel versprechend. Vielleicht nicht ganz so überdreht und bissig, aber doch schön ironisch und als passender Gegenpart für Frau Zietlow.

So zwei Sendungen habe ich mir reingequält und wie lautet das vorläufige Fazit?

Am Anfang habe ich mir gedacht, wie langweilig das ganze ist. Die Prüfungen sind eklig und tlw. grenzverletzend. Was denken sich eigentlich die Tiere, deren Ruhe man stört, die man in Käfige einsperrt oder die vor laufender Kamera enthauptet werden (“der Larve musst du den Kopf abbeißen, den Rest aber essen”)? Und was ist mit der Würde der Menschen, deren letztes aus ihrem Privatleben auch noch gezeigt wird? Die in unwürdigen Haltungen und teils ungeschminkt oder gar nackt bis in die letzte Pore auf der Titelseite des nächsten Magazins landen? Wie dämlich kann man eigentlich sein, sich in der anschließenden Extra-Sendung nochmal die Aufbereitung des völlig belanglosen ansehen zu müssen? Und warum- in aller Welt- machen die Zuschauer eigentlich mit, rufen dort an, schauen sich die Werbung an und unterstützen das ganze damit?

Was hat die Sendung also, was sie begeistert, was fasziniert? Bei all dem objektiv “schlechten” und moralisch verwerflichen muss es doch etwas geben, was dafür sorgt, dass die Menschen davon angezogen werden?

Vielleicht ist es gerade dieses “schlechte”, was so anziehend wirkt. Das man weiß, wie widerwärtig das Konzept ist, wie einfach gestrickt die Maschen sind und wie lustig es eigentlich ist, andere beim Verzehren einer Käsefrucht, einem Teller mit Kakerlaken, einer Schwein-Vagina oder beim beherzten Biss in einen Grill-Spieß mit Skopionen zusehen zu können.

Als Zuschauer/ Zuschauerin überlegt man sich auch, wie es weitergeht. Wird die Camp-Mutti Olivia dafür sorgen können, dass sich die zickige Georgina mal zusammenreißt und nicht bei der nächstenbesten Ekelattacke einen Rückzieher macht? Welche Verhaltensweisen wird man beim Mann mit der kriminellen Vergangenheit noch entdecken können und wird die Mutter von der Katze noch ein paar Geheimnisse über deren ohnehin schon überstrapaziertes Privatleben preisgeben? Und warum.. interessiert uns das eigentlich alles?

Wenn man die Sendung gesehen hat, fühlt man sich danach so leer und so hungrig…. Hungrig nach Bildung, hungrig auf ein gutes Gespräch, hungrig auf einen guten Tierfilm in den Dritten, einer politischen Sendung auf Arte, hungrig auf einen langen, literarisch gut geschriebenen Roman (ohne Bildchen) oder einfach mal die Sonntagsausgabe der FAZ… zur Not würde ich auch mal wieder ein Buch von Schirrmacher lesen, aber bitte nicht-mehr-diese-Sendung!

Ich glaube, ich bin innerlich schon gefangen. ich sehe die Lianen sich bereits von der Decke winden. Die Grillen zirpen in meinem Gehörgang, ich bekomme Appettit auf ein großes Glas gequirlten Käfer-Cocktail.. ich glaube, ICH MUSS HIER RAUS !!!

Posted by J.A. on Januar 9, 2013

Ausblick in den digitalen Nebel

Skeptischer Blick, Cartoon, Zeichnung

Das neue Jahr, was wird es bringen?

Schon lange habe ich mir überlegt, einen Satz (oder mehrere) zur aktuellen Lage des Blogs zu formulieren, dann aber wieder alle Entwürfe und Ansätze verworfen und es doch nicht geschafft, irgendetwas zu veröffentlichen. Ich hoffe seit Monaten, dass endlich ein inneres Fazit herausfällt, etwas, auf das ich mich mit mir selbst einigen könnte. Etwas, bei dem ich mich sicher und standhaft fühle und das Gefühl entwickeln kann „so muss es sein!“. Erfahrungsgemäß kommt dieser Tag nie, vor allem dann nicht, wenn er vor sich hergeschoben und immer im Unklaren gehalten wird.

Insgesamt hat sich für mich das Bloggen etwas überlebt und ich habe immer weniger Zeit und Lust dafür. Andere Dinge drängen in den Vordergrund, dennoch lässt mich die alte Leidenschaft nie ganz los.
Ich empfinde nicht mehr so stark das Bedürfnis, mich zu äußern und über das Weltgeschehen aufregen zu müssen. Bis es dann wieder Tage gibt, an denen ich das sehr reizvoll finde!

Ich empfinde auch die stille Position – einfach nur zu schauen und zu hören, was andere sagen und denken – als reizvoll und angenehm. Jede Äußerung ist ja auch wieder eine Einmischung in das Weltgeschehen und jeder Versuch, andere mit der eigenen Meinung zu manipulieren oder gar in eine Richtung zu drängen, erscheint mir mit jeden Tag dubioser und zweifelhafter. Dem anderen seine Meinung zu lassen und sich in Toleranz zu üben ist eine Tugend, die man als aktive Bloggerin nur schwer lernen kann. Ein wenig Distanz zu den Dingen ist auf jeden Fall hilfreich.

Meine Erfahrung mit Twitter vor ca. zwei Jahren, hat mir dann schließlich gezeigt, dass ich auch die neue Art der Online-Kommunikation nicht so mag und auf den Hype irgendwie nicht aufspringen kann. Werde ich vielleicht alt.. oder schlimmer noch.. sogar altmodisch, konservativ?

Ich habe außerdem viel über die Art nachgedacht, mit der wir online reden, wie wir uns „vernetzen“, wie es neudeutsch so schön heißt und was es für unsere sozialen Bindungen und Beziehungen ausmacht.

Schließlich hab ich z.B. über das Briefe und Email-Schreiben die alten Werte wieder entdeckt: Dass es eigentlich viel authentischer und schöner ist, mit den Menschen direkt in Verbindung zu stehen, als sich über ein anonymes und computerbasiertes Drittmedium zu unterhalten. (wobei die Email nur eine Vorstufe ist und das letztendliche „ideale Ziel“ nur die reale Kommunikation sein kann). Es ist zwangsläufig so, dass beim Bloggen bestimmte Dinge und Aspekte der Kommunikation unter den Tisch fallen… und andere Sachen wiederum überbetont werden : Der Kopf z.B. und das kritische Denken, aber auch das Zerfasern von Gedanken und Anschauungen, der Streit um Dinge, die eigentlich klar sein sollten, sowie die emotionalen Missverständnisse und Unzulänglichkeiten.

Das Blog hat zweifelsohne seine Berechtigung, wenn es darum geht, „News aufzubereiten“, also längere Gedankengänge zu formulieren, sich über Quellen und andere Webseiten zu informieren und etwas „mit Bestand“ zu erschaffen. Auch Themenblogs finde ich aus diesem Grund immer reizvoller.

Das ist für mich die Basis und der Sinn des Schreibens: Erkenntnisgewinn durch das Schreiben und Lesen, aber auch vor allem durch das Nachdenken beim Schreiben selbst.

Überfordert wird das Blog hingegen, wenn man es als „soziales Medium“ auflädt oder überbewertet, weil es das im Kern nicht ist. Wenn die Maschine aus ist und nichts mehr geschrieben wird, sind auch die Bindungen weg. Wie eine Stromquelle, die vom Netz getrennt wird und keine neuen bunten Bilder und Leuchtideen mehr erzeugt. Ohne Schwingung gibt es keine Resonanz und ohne Resonanzen keine schöne Melodie.

Was mich z.B. wundert ist die Tatsache, dass man im ganzen Internet fast nie Menschen sieht, obwohl doch alle Inhalte von Menschen erzeugt werden. Man sieht kaum Porträts und keine Mimik, kein emotionalen Abgleich mit dem Gesagten. Wir nutzen den Computer mit Begeisterung und werden gleichsam (und fast ohne es zu merken) immer mehr zu Maschinen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum Seiten wie Facebook so beliebt sind? Weil sie persönliche Nachrichten mit den passenden Bildern untermalen, weil es ein viel stimmigeren Gesamteindruck gibt? Aber zu welchem Preis!

Das gibt es auf der anderen Seite die Gegentendenz und die -von den Medien zu welchen Zwecken auch immer – geschürten Ängste vor dem, „großen schwarzen unbekannten Internet“, das uns eines Tages alle verschlingen wird und nur die ab gekauten Daten-Skelette wieder ausspucken wird.

Das Internet ist die anonyme Cloud, die unsere Gedanken und unsere Persönlichkeitsrechte aufsaugt und den Menschen zur digitalen Einheit und Nummer werden lässt.

Es bietet aber auch Chancen und kann Distanzen und innere Einstellungen überbrücken, vielleicht sogar die Menschen näher bringen.

Es liegt letztendlich und in großem Maße auch an den Menschen, die das Internet mit ihren Gedanken erzeugen, erschaffen und vielleicht eines Tages mit etwas noch besserem ersetzen werden.

Was genau, kann ich heute noch nicht sagen.

Categories: Internet
Tags: ,
Posted by J.A. on Januar 4, 2013

Ein Jahresrückblick

Ein Jahresrückblick? Ja, ein Jahresrückblick! Sollte man doch mal gemacht gehabt haben, würde sich ja anbieten.
- Gäähn- hab ich genauso wenig Lust drauf wie auf alle anderen Artikel und Ideen. Und außerdem, warum soll man gerne auf Jahre zurückblicken, die vielleicht im Detail weniger erfreulich waren? Warum immer alles noch mal austreten? Die persönlichen Highlights herauspicken? Eine Show draus machen. Wenn überhaupt, das Ganze ist eh schon zu spät, wird doch meistens vor Weihnachten gemacht.

Warum lädt man das Ende des Jahres eigentlich immer so mit Bedeutung auf? Muss auch eine menschliche Angewohnheit sein! Im neuen Jahr wird alles besser! Und dieser eine entscheidende Tag, ab dem 31.12. soll ALLES ändern. Der Weltfrieden wird kommen, wir nehmen spontan 25 kg ab, die Menschen werden alle genug zu essen haben und wir persönlich noch reicher.

Wenn schon, dann ist mir die Zeit „zwischen den Jahren“ eh viel lieber. Eine Zeit bedeutungsvoller Ruhe, das große Echo vergangener Feierlichkeiten verhallt noch leise im Raum, die Schweißperlen des Koch-Marathons sind noch nicht ganz abgewischt, die Nerven noch ein wenig am Flattern, aber schon bald wieder in Nullstellung. Um dann schwupps, einen neuerlichen Anlauf zu nehmen und auf das letzte- große- Fest- des- Jahres zu rennen. Und locker hineingleiten.. vorzugsweise mit etwas Alkohol. Der jetzt in Russland teurer wird, übrigens. Damit nicht mehr 43 Prozent der Todesfälle bei Männern (zwischen 25 und 54) vom Alkohol verursacht werden, sondern nur noch von 42,5 Prozent.   Und bei uns könnte es demnächst auch noch teurer werden, wenn die ermäßigte Mehrwertsteuer wegfällt. Aber psst, erst nach den Wahlen!

Aber die Deutschen (zumindest unsere Großeltern) sind sowieso Kriegs-gestählt, die lassen sich auch von Madame Merkel auf härtere Zeiten eintrimmen. Der brave Steuerzahler zahlt ja alles bereitwillig. Gerne, bitte, danke, nur die Höflichkeit nicht vergessen. Was tut man nicht alles für die da oben, damit die armen notleidenden Banken endlich mal geretttet werden. Von den armen Griechen indes redet keiner mehr, da sind wir froh, wenn wir möglichst bald wegzappen können. Dieses Elend, so kurz vor der europäischen Haustür, ach nein, die liegen ja schon im Flur, diese Elends-Menschen, die sich kein Auto mehr leisten können (den deutschen Autobauern egal, die verkaufen ja international) … die kein Geld mehr für Heizöl haben und jetzt Holzabfälle verbrennen müssen, die Umwelt und die Gesundheit wird’s nicht freuen. Aber für Medikamente ist auch bald kein Geld mehr da, was soll´s. Und alles nur, damit die Banken und Finanzspekulanten weiterhin dicke Gewinne einfahren können und die Privatvermögen weiter ansteigen… und das versammelte Europa schaut tatenlos und hilflos zu und bedankt sich mit guten Ratschlägen und weiteren Sparauflagen. Der deutsche Stammtisch-Michel hat natürlich auch eine Meinung! Die Griechen sind eben nicht so fleißig, weiß doch jedes Kind! Die Korruption war´s, das ist doch klar. Gibt’s ja alles in Deutschland nicht… wenn, dann nur so ein bisschen… achso, die werden noch gar nicht bestraft? Korrupter Arzt sollte man sein! Dann könnte man viel rumjammern UND noch dick verdienen.

In den USA hat man es ja letztens auch versucht, so ein bisschen mehr Steuern, ein wenig mehr Verantwortung der Reichen gegenüber das von Waffen- und Kriegsrüstung runtergewirtschaftete und überschuldete Land vor der Fiskalklippe zu retten! Wie das klingt! Als ob es unausweichlich gewesen wäre. Als ob die ganze Landschaft nur aus Klippen besteht, die man vor lauter Selbstüberlegenheit die ganze Zeit übersehen hatte und jetzt mit einem übereilten, nicht ausgereiften und überhaupt nicht gangbaren Versuch wieder auszubügeln und umschiffen zu versucht.

Da könnte man ja glatt zum Amokläufer werden.. wenn es nicht schon soviele gäbe. Soll man doch die Schulen aufrüsten, schlug letztens jemand aus der Waffenlobby ernsthaft vor! In der Grundschule, der Polizist neben der Tafel mit dem Sturmgewehr, eine schöne Vorstellung. Fehlt noch der Stacheldraht auf dem Pausenhof, der Panzer im Lehrerzimmer und die Granaten und Raketenwerfer in der Turnhalle, neben den Fußbällen und den Trampolinen. Aus dem Turnkasten kann man übrigens prima eine Panzersperre bauen (man muss die bloss etwas verschachteln), man hat ja genügend Erfahrung in Kriegen rund um den Globus sammeln können…

Und wenn das alles nichts hilft, steckt man halt jedem Lehrer noch eine Waffe einzeln zu. Das gibt auch einen guten Umsatz, Moment, mal Taschenrechner rausholen, .. so und soviel Millionen…

Nene, da reicht mir das Geknalle an Sylvester schon gerade. War auch wie im Krieg diesmal. Und teuer dazu!
Aber so oft macht man das ja nicht, also was soll die grüne Gutmenschen-Meckerei?

Ich muss jetzt sowieso aufhören, Strom sparen. Der wird teurer ab 2013. Ein bisschen. Kennt man ja, wie jedes Jahr

Und wenn dann die Depression und der Burn-Out kommen, kann man ja auch zum Arzt gehen und sich was verschreiben lassen. Der wird günstiger, weil es keine Praxisgebühr mehr gibt. Das ich das noch erleben darf… *Tränen aus dem Augenwinkel reib*

Also, schluchz – auf ein frohes Neues Jahr !

………..

ps: Wer jetzt zu depri geworden ist, dem können vielleicht die Musiktipps aus dem letzten Jahr wieder hoch helfen:

natürlich der Gangnam Style, der Hit des Jahres… aber auch „Try“ von Pink fand ich sehr schön … und einmal um die Welt reist es sich nicht besser als mit Cro

Categories: Humor
Tags: ,
Posted by J.A. on Dezember 19, 2012

Alle Jahre wieder..

..da kommt sie, die „besinnliche Zeit.“ Aber warum heißt es eigentlich „besinnlich“, weil es uns um alle Sinne bringt? Oder weil wir uns besinnen sollen?

Für Kinder ist Weihnachten noch relativ überschaubbar, das vielleicht meist erwartete Game Fest des Jahres: Mama backt Plätzchen, man hängt den ganzen Tag so rum, in der Schule ist nicht mehr los, die Tage brauchen ewig, man hat einen Adventskalender, alles in allem eine schöne Zeit. An Weihnachten selbst macht man sich dann über Papi lustig, wie er sich mit dem Weihnachtsbaum rumquält und hilft ihm eventuell ein wenig nicht. Im Idealfall Tage der Verantwortungslosigkeit, an denen man sich entspannen, und im Schoß der Familie ausruhen kann. Und dann sind da noch die vielen Geschenke!

Wird man dann älter, dann drehen sich die schönen Erinnerungen der Kindheit ins Gegenteil und man erfährt zum ersten Mal in seinem kurzen Leben, warum das Fest der Liebe bei manchen so unbeliebt, wenn nicht gar verachtet ist: Zeiten des Stresses brechen aus. Als weibliches Familienoberhaupt obliegt einem meistens selbst die Verwaltung aller Dinge, die mit dem Fest zu tun haben: Das Haus muss dekoriert werden, einmal gründlich geputzt, Plätzchen müssen gebacken, Geschenke verpackt und Einkäufe erledigt werden. Die Parkhäuser und Supermärkte sind überfüllt, Geschenke werden möglichst online bestellt, was wiederum am Kontostand nagt. Und dann ist da noch das Kochen und das Backen, ihr Lieben! (Hände über den Kopf zusammen schlägt) Gerade hat man die Küche schön aufgeräumt und den Lappen an den Haken gehängt, gerade wollte man mal die Beine hochlegen und sich ein paar Minuten vorm Computer entspannen, da kommt schon wieder der nächste Essenswunsch und das ganze geht wieder von vorne los.. Geschäftliche Abschlüsse müssen gemacht werden, die Steuer rausgekramt und alle Adventsweihnachtskarten sind auch noch nicht geschrieben und wie war doch gleich die Adresse von dem komischen Onkel aus Übersee??

Erschwerend kommt hinzu, dass in der unbeliebtesten Jahreszeit Winter meistens Schnee fällt. Also müssen Schneebesen und Räumer rausgekramt werden und zusätzliche Arbeit lastet auf einem. Das Auto macht Macken, muss jeden Morgen von Eis und Schnee befreit werden, springt vielleicht nicht mehr an oder landet gar in der Werkstatt. Und die Kinder sitzen daheim im Warmen vor der Playstation und verstehen gar nicht, warum die Erwachsenen sich eigentlich so verrenken?

Wie soll man also im allgemeinen Jahresendspurt zu so etwas wie Besinnung kommen? Weihnachten, wie wir es feiern, ist meistens genau das Gegenteil von Besinnung: es ist innerer und äußerer Endspurt, kraftzehrend, aufreibend, tränentreibend, anstrengend. Und das in einer Jahreszeit, in der man sowieso eher wenig Energie hat und mehr auf Winterschlaf und Fetteinlagerung ausgerichtet ist (immerhin, das letzte klappt meistens auch so). Die Erwartungen sind sehr hoch, alles muss genau gleichzeitig und möglichst perfekt hergestellt werden. Kein Wunder, dass also genau an Weihnachten die Anzahl der Suizide und Zwangseinlieferungen in die Psychiatrie, aber auch die Scheidungen am höchsten sind. (meistens kurz nach den Feiertagen)

Am 24. soll dann alles in bester Harmonie stattfinden. Man ist einmal im Jahr bereit, so etwas wie Nächstenliebe und große Gefühle an sich zu entdecken, man ist bereit zu spenden und auf den anderen mehr einzugehen. Eigentlich eine tolle Sache. Das Problem ist nur, dass es so auf Knopfdruck meistens nicht klappt.

Weihnachten ist außerdem ein ausgesprochenes Familienfest und macht eigentlich nur mit Kindern Sinn. Dieser Glanz in ihren Augen… Wenn man ohne Kinder feiert, ist es nur eine abgespeckte Variante, so ein „Weihnachten light“ eben, dann könnte man genauso gut auch auf die Kanaren fahren oder eine Kreuzfahrt machen, das wäre die logischste und sinnvollste Alternative.

Einfach der alljährlichen Hektik mal den Rücken drehen und abschalten. Innerlich wie äußerlich. Mal wieder Kind sein. Nur für eine Woche… herrlich.

*puff* Traumblase zerplatzt

Oh Mist, die Plätzchen brennen an, ich muss weg, man sieht sich..